Ausgelesen: Diverses aus März und April 2018

Es gibt Bücher, die einen packen, fesseln und begeistern. Dazwischen gibt es aber auch das sogenannte Lese-Ödland, eine leere, weite Fläche, in der ab und zu Bücher wie Inseln auftauchen, sich dann aber als zu klein, zu anders, zu seltsam, zu langweilig oder einfach als nicht passend herausstellen. Dann geht man weiter, immer in der Hoffnung auf die nächste, perfekte Bücherinsel.

In solchen Zeiten probiere ich gern mal etwas anderes aus, aktuelle Belletristik oder einen neuen Autor/Autorin. Manchmal sind es Entdeckungen fürs Leben, manchmal nicht. Und dann gibt es die Serien, zu denen man immer wieder zurückkommt, wie die hier zum Beispiel:

Leberkäsjunkie von Rita Falk. Ich mag den Eberhofer, mit all seinem Machismo und auch all seinen weichen Momenten. Dialekt lesen finde ich eigentlich eher schwierig, in diesen Büchern ist er aber sehr ok, vermutlich auch, weil es eine extrem entschärfte Form ist, die von München bis Hamburg jeder versteht. Es ist Band sieben aus der Reihe, und der Franz ist etabliert in der Literaturszene, entweder man mag ihn oder man mag ihn nicht. Ich mag ihn und werde mir auch die nächsten beiden Bände auf jeden Fall vornehmen.

Sommer in St. Ives von Anne Sanders. Die Autorin kannte ich noch nicht, und aufmerksam geworden bin ich durch die Beschreibung als leichte Sommerlektüre. Mir war es etwas zu leicht, das Buch konnte mich leider nicht fesseln, und so bin ich ein bißchen unmotiviert zwischen den Seiten hin und her gehüpft. Die Geschichte ist nett, die zwei Ebenen hätte ich nicht gebraucht, es plätschert so vor sich hin. Schlecht ist das nicht, aber gepackt hat es mich leider auch nicht.

Eine treue Frau von Jane Gardam. Ja. Hm. Ich bin mir nicht sicher. Es ist wirklich, wirklich gut geschrieben, jeder Satz eine unerwartete Reise, nie weiß man, wo es hingeht, da stehen Worte und hinter den Worten liegen völlig andere Worte, die aber niemals aufgeschrieben werden. Ich nehme an, dass das großartige Literatur ist, nur: Ich lese aus anderen Gründen. Eigentlich. Eigentlich möchte ich gerne eintauchen in das Leben anderer und es verstehen und mitfühlen, dafür brauche ich aber eine ganz andere Art von Schreibstil. Und trotzdem. Es lässt mich nicht los. Ich habe es noch nicht ganz durch und ich vermute, ich werde weiterlesen – bis zum Schluss.

Lichterzauber in Manhattan von Sarah Morgan. Das ist einfach: Dunkler, geheimnisvoller, einsamer Mann (der dabei aber natürlich auch liebevoll, stark und zuverlässig ist), trifft auf liebevolle, helle, durchschaubare, quirlige Frau, die sich einsam fühlt, es aber eigentlich nicht ist (wenn man der Autorin und ihrer Beschreibung glauben darf). Ach ja, beide sehen super aus, wobei die Frau das über sich selbst nicht recht glauben kann und dem Mann sein Aussehen egal ist. Dazu nähert sich Weihnachten mit großen Schritten, es schneit,  sie haben unfreiwillig viel Zeit zu zweit und später kommt noch ein Hundewelpe ins Spiel. Tadaa! Happy End. Ab und zu ist so ein Buch wirklich nett, allerdings sollte man seinen Verstand während des Lesens nach Möglichkeit komplett ausschalten. Ich habe mich ab und zu dabei ertappt, wie ich „Ja, klaaaar!“ dachte. Und grinsen musste.

Cottage gesucht, Held gefunden von Susan Elizabeth Phillips: Im Prinzip dasselbe wie beim Lichterzauber oben, nur mit etwas mehr Umfang und mehr sprachlichen Details. Ansonsten genau das, was man bei dieser Autorin erwartet. Ich habe in einigen Kapiteln ein ganz klein wenig vorgeblättert, muss ich zugeben.

Drei Engel für Armand von Jim C. Hines. Märchen mal ganz anders! Hier ziehen Dornröschen, Schneewittchen und Aschenputtel los und holen den entführten Prinzen zurück, und das mit allen Kampftechniken, die einem einfallen. Das Buch trifft den locker ironischen Tonfall der Serie „Drei Engel für Charlie“ fast schon zu perfekt, manchmal hatte ich das Gefühl, gleich taucht irgendwo der Lautsprecher mit neuen Anweisungen auf. Das Buch ist reine Geschmackssache und recht weit vom Mainstream entfernt. Auch hier habe ich ein wenig vorgeblättert, aber im großen und ganzen war es nett.

Tja. Und nun? Nun warte ich auf das nächste Buch, das mir vor die Nase fällt und mich aus dem Lese-Ödland rettet!

Ausgelesen: Das Buch. Von Burkhard Spinnen.

Das Buch. Warum sollte man eigentlich richtige Bücher aus Papier lesen, sammeln, in die Wohnung schleppen, wo es doch mittlerweile e-book Reader gibt, man auf dem Notebook oder dem Handy genauso gut lesen kann? Dieses kleine, wunderschön illustrierte Buch beantwortet all diese Fragen, und wenn man es durchgelesen hat, steht völlig außer Frage, dass nur Bücher aus Papier richtige Bücher sind.

Burkhard Spinnen gibt Einblick in die Seele eines Buchsammlers: Wie kommt man dazu, sich mit tonnenweise Büchern zu umgeben, dafür eigene Regalsysteme zu schaffen, bei Umzügen die Helfer zum Weinen zu bringen, weil die schweren Kartons kein Ende nehmen? Weil Bücher süchtig machen. Und glücklich.

Ich habe mich einige Male wiedererkannt in diesem sehr persönlichen Buch, das ein großes, liebevolles Plädoyer für das manuelle Seitenumblättern ist. Auch ich besitze einen e-book Reader, den ich tatsächlich auch benutze, aber er ist kein Ersatz für echte Bücher, das habe ich schon nach kurzer Zeit bemerkt. Ein in sich abgeschlossenes Buch, das ich in Händen halte, in dem ich blättern kann und das mit seinem Einband, der Größe, den Illustrationen einmalig ist, ist etwas anderes als die elektronische Version. Die Geschichte bleibt natürlich dieselbe, aber das Gefühl ist ein anderes. Und das Gefühl macht viel aus.

Dieses Buch ist das ideale Geschenk für alle Buchliebhaber, Vielleser und Sammler. Es ist nie langweilig, immer amüsant, man erkennt sich wieder, versprochen, und am Ende seufzt man und sagt mit liebevoller Nachsicht zu sich selbst: Ja, so ist es. Ich sammle Bücher und kann nicht anders. Große Empfehlung!

Ausgelesen: Aquamarin. Von Andreas Eschbach.

Geschichten, die im, am oder unter Wasser spielen, haben mich schon immer fasziniert. Geheimnisvolle Welten, ganz nah und doch unerreichbar, dazu sieht alles anders aus, wenn man unter Wasser die Augen öffnet – unbezahlbar. Meine Faszination ging so weit, dass ich als Kind beim Abwaschen (wir hatten keine Spülmaschine! Ich fürchte, ich bin alt) gerne ein Glas mit flacher Unterseite ins Spülwasser gehalten und damit unter dem Schaum verborgene Löffel gejagt habe.

Hier ist nun ein Buch, in dem alles mit Wasser zu tun hat. Wir schreiben das Jahr 2151, die Klimaerwärmung hat die Küsten tiefgehend verändert und damit auch Wirtschaft und Staaten. Die sechzehnjährige Saha lebt in Nord-Australien an der Küste, in einem Städtchen namens Seahaven, und während alle Einwohner rings um sie umzu selbstverständlich segeln, tauchen oder schwimmen, darf sie aufgrund einer seltsamen Verletzung nicht ins Wasser. Das macht sie zur Außenseiterin. Als sie sich schon fast damit abgefunden hat, niemals irgendwo dazuzugehören, verändert ein schreckliches Ereignis alles, und sie beschließt, sich trotz aller Warnungen ins Wasser zu wagen…

… was die Geschichte überhaupt erst ins Rollen bringt. Ein All-Age-Roman von Andreas Eschbach, wie alles von ihm perfekt recherchiert, hervorragend geschrieben, voller Daten und Fakten, die bis ins kleinste zusammenpassen und ein schlüssiges Bild der Zukunft zeichnen, wie sie sein könnte, wenn die Klimaveränderung kommt. Das alles, ohne dabei ein überzogenes Horrorszenario zu zeichnen, sondern eine recht realistische So-könnte-es-sein-Zukunft zu malen. Dabei wirft er viele Fragen auf, die ganz nebenbei beim Lesen auftauchen: Wie wird sich die Genforschung weiterentwickeln? Was darf man dabei und was nicht? Wie leben wir mit den Konsequenzen, die unausweichlich folgen? Die Figuren sind gut geschrieben, die Hauptperson, Saha, ist schlüssig dargestellt, und ich könnte mir durchaus vorstellen, in Seahaven zu leben. Ein paar Stellen gibt es, bei denen ich gedacht habe, naja, DAS ist jetzt doch eher unrealistisch, aber es passte gut in die Geschichte, also habe ich nicht weiter drüber nachgedacht. Eine rundum gelungene, solide Zukunftsversion mit sympathischer Heldin und Anstößen zum weiter und selber denken. Band zwei ist schon veröffentlicht, und ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Ausgelesen: Der Galgen von Tyburn. Von Ben Aaronovitch.

Diese Reihe ist einfach so, so gut. Die Geschichte, die Figuren, die Spannung, einfach alles. Es passt alles zusammen, bis in die Nebenfiguren hinein hat jede Figur Charakter (nicht immer guten, aber sie hat einen, soviel ist sicher), die Rahmenhandlung macht regelmäßig Lust auf mehr, die jeweilige neue Geschichte pro Buch ist gut erdacht und gut erzählt. Das hier war jetzt Band sechs, und bisher hat die Reihe keinerlei Ermüdungserscheinungen, auch ein seltenes Phänomen. Kleine Höhen und Tiefen gibt es in solchen Reihen immer, aber bisher waren die Tiefen für mich nie tiefer als Sommerpfützen, also zu vernachlässigen.

Peter Grant, eine meiner literarischen Lieblingsfiguren, muß dieses Mal einen Todesfall aufklären, sich in der Welt der Reichen und Schönen durchmanövrieren, wenig Lernstoff bewältigen, dafür aber viel in London herumfahren, sich mit Lady Ty gut stellen und mehr kann ich nicht sagen, ohne zu spoilern. Aber das macht auch nichts, alle Fans von urbaner Fantasy, Ironie, Coolness und einfach sauguten Geschichten kennen die Reihe sowieso, lesen alles Neue unaufgefordert und warten mit mir sehnsüchtig auf Band sieben, der fast demnächst schon erscheint – juchu!

Gelesen habe ich es auf dem e-book, und, wie fast immer, ein bißchen bedauert, es nicht als „richtiges“ Buch in den Händen gehalten zu haben. Deswegen hier auch nur ein Titelfoto.

Ausgelesen: Grau. Von Jasper Fforde.

Nachdem ich an den beiden vorherigen Büchern die unperfekte Welt bemängelt habe, ist sie in diesem Buch hier ab-so-lut perfekt. Ich habe lange keine so detailversessene Dystopie mehr gelesen, es ist wirklich alles geregelt, warum, wieso, weshalb die Menschen so handeln und nicht anders, warum Farben in dieser Welt wirklich alles bedeuten und wo sie sich hin entwickelt – sagenhaft.

In dieser Welt lange nach uns werden Menschen in Farbkategorien eingeteilt, sie können auch nur jeweils eine Farbe sehen, und die eine dann in unterschiedlicher Stärke. Je mehr Farbe du siehst, desto höher steigst du im gesellschaftlichen Rang, aber wehe, du verliebst dich in jemanden, der deine Komplementärfarbe sieht! Dann hast du ein Problem.

Alle Entwicklungen in diesem Buch sind möglich, aber so weit von unserer Welt entfernt, dass ich manchmal Schwierigkeiten hatte, überhaupt irgendetwas zu verstehen. Man benötigt eine Menge Leseausdauer, um einigermaßen zu verstehen, was gerade passiert, und weil es so fremd ist, habe ich dazu geneigt, ab und an vorzublättern – furchtbar, ich weiß. Es lohnt sich aber, durchzuhalten, das Finale ist wirklich gut.

Ein großes Lob an den Autor – es ist alles durchdacht, es gibt keine Logikfehler, zumindest habe ich keine entdeckt. Manchmal hätte ich der Hauptfigur gerne in den Hintern getreten, aber he, wir sind, was wir sind, und sich zu verändern, dauert auch im wirklichen Leben manchmal unerträglich lange, selbst dann, wenn man sich selber verändern will. Ich schätze mal, Herr Fforde hat nach diesem Buch einige graue Haare mehr, passend zum Titel…

Ausgelesen: Flawed und Perfekt. Von Cecelia Ahern.

Hier haben wir also die ersten zwei All-Age Bücher von Cecelia Ahern, und mir geht es wie schon öfter mit ihren Büchern: Eigentlich ok, aber irgendwie ist da ein Haken, der es eben nicht perfekt sein lässt. Im Grunde also genau das, was sie uns in den Büchern mitteilen will – oder?

Die Heldin der beiden Romane, Celestine North, lebt in einer dystopischen Welt, in der man ganz genau die Regeln befolgen muss, wenn man einigermaßen in Frieden leben will. Moralische Verfehlungen oder Fehlentscheidungen können einen die gesellschaftliche Stellung kosten, man wird geächtet und aus der Gesellschaft ausgestoßen. Man bekommt einen Aufpasser zugeteilt, darf nur noch niedrige Arbeit verrichten und nur sehr einfaches Essen zu sich nehmen. In öffentlichen Verkehrsmitteln gibt es spezielle Sitzplätze für die Ausgestossenen. Celestine lebt auf der Sonnenseite des Lebens, sie sieht gut aus, kommt aus der richtigen Familie, hat als Freund den Sohn eines hohen Richters des Staates und ist auch in der Schule gut. Dann begeht sie einen „Fehler“ – sie hilft einem der Geächteten in der Öffentlichkeit, und damit beginnt die Geschichte.

Leider hat sich mir die Welt und das dahinterliegende System nicht erschlossen, ich fand es unlogisch und sehr lückenhaft. Wenn man ein klein wenig über die Zusammenhänge nachdenkt, passt so einiges nicht zusammen. Ich vermute, Cecelia Ahern wollte die Welt durchaus fehlerhaft darstellen, sie aber in den Augen von Celestine anfangs perfekt erscheinen lassen, um sie dann nach und nach zu demontieren. Das ist ihr leider nicht gelungen. Auch Celestine ist in sich weder logisch noch schlüssig aufgebaut, sie verhält sich teilweise sehr seltsam, vor allem, da sie als klug und logisch denkend geschildert wird, sich aber nicht so verhält. Bis auf die Hauptperson kommt einem keine der anderen Figuren nahe, alles bleibt seltsam distanziert, und selbst die Hauptperson bleibt bruchstückhaft, da sie sich in einer nicht zu ihr passenden Welt bewegt.

Das ist alles ärgerlich und vor allem schade, denn die Autorin kann ja schreiben – sogar sehr gut. Der Schreibstil ist flüssig, gut lesbar und wenn das ganze etwas besser durchdacht wäre, hätten wir hier zwei wirklich gute Bücher mit einer interessanten Aussage zu Perfektion und Unterdrückung haben können. So aber liest man sie und vergisst sie gleich wieder – es gibt besseres. Ich wage hier noch nicht mal, auch nur einen klitzekleinen Vergleich zur Tribute von Panem-Trilogie zu machen – diese Bücher sind wirklich meilenweit voneinander entfernt. Die Panem-Bücher würde ich jederzeit zu Unterrichtszwecken in Schulen empfehlen, die Flawed/Perfekt Bücher dagegen würde ich nur eingefleischten Viellesern empfehlen – denen macht es nichts, auch mal nicht so perfektes zu lesen.

Ausgelesen: Frag nicht nach Sonnenschein. Von Sophie Kinsella.

Katie Brenner will unbedingt in London leben – dort ist das Leben, die Action, die Zukunft – alles. Also legt sie ihren ländlichen Dialekt ab, legt sich einen anderen Vornamen zu und betritt als Marketingassistentin die erste Stufe zum beruflichen Erfolg. Leider ist diese erste Stufe steil und rutschig, ihre Chefin entpuppt sich als Tyrannin und dann verliebt sie sich auch noch in Alex – die Affaire ihrer Chefin…

Einige von Sophie Kinsellas Romanen mag ich, andere eher weniger. Dieser hier ist unterhaltsam, ganz lustig, aber mehr nicht. Die Entwicklung einzelner Figuren im Roman ist ein klein wenig seltsam (um es vorsichtig auszudrücken), an manchen Stellen gnadenlos übertrieben. Vieles ist sehr gelungen, die Autorin kann einfach gut schreiben, aber alles in allem: Durchschnittskost. Nett, wenn man mit einem fiesen Schnupfen auf der Couch festhängt und sich auf mehr einfach nicht konzentrieren kann.