Ausgelesen: Murder Swing. Von Andrew Cartmel.

Das coole Cover ist mir als erstes im Schaufenster des Buchladens aufgefallen – Bond-ähnliche Szenen auf dem Rand einer Schallplatte, das sah vielversprechend aus. Als dann auf der Buchrückseite auch noch etwas von einem „Vinyl-Detektiv“ stand, konnte ich gar nicht so schnell denken wie ich das Buch gekauft hatte. Und ich hatte Recht ( was ja auf jeden Fall immer schon mal gut ist 🙂 )!

Ein sehr cooler Kriminalroman mit einem interessanten Detektiv, einer außergewöhnlichen Handlung und glänzenden Nebenrollen, dazu das Hauptthema: Schallplatten-, Verzeihung, Vinylsammler, so viel habe ich beim Lesen gelernt. Der Ich-Erzähler, dessen Name im gesamten, recht umfangreichen Buch kein einziges Mal genannt wird, ist Spezialist für seltene LPs, die er aufspürt und verkauft. Er kann davon leben, aber keine großen Sprünge machen, aber das scheint ihn nicht groß zu stören, viel wichtiger ist ihm seine Unabhängigkeit, und die kommt ins Rutschen, als eine geheimnisvolle, attraktive Frau ihn engagiert. Er soll eine extrem seltene LP für sie und ihren noch geheimnisvolleren Auftraggeber finden, der bereit ist, dafür sehr, sehr viel Geld zu bezahlen. Als er den Auftrag annimmt, kommen die Dinge ins Rollen, die plötzlichen Todesfälle häufen sich und die Handlung fängt an, sich immer schneller zu drehen – wie eine Platte auf dem Plattenteller…

Der Krimi mit dem besonderen Plot hat mir sehr gut gefallen. Die mir vorher unbekannte Welt der Vinylsammler mit ihren speziellen Abspielgeräten, den Must-Have Boxen und den kauzigen Sammlertypen ist bunt und interessant, der Autor kennt sich sehr gut aus und liebt sein Fach. Das Buchpersonal ist klasse geschrieben, vieles schwingt unter der Oberfläche und wird nicht explizit erklärt, was das Buch sehr reizvoll macht. Die Handlung drängt zwar vorwärts, aber in einem guten Tempo. Es gibt ja manchmal Thriller, da verschlingt man fünf Zeilen auf einmal und vergisst das Atmen. Das ist zwar sehr spannend, aber ich bedaure den Autor manchmal – da macht er sich die Mühe und schreibt alles auf und dann verschlingt der Leser es mit einem Happs – das muss doch frustrierend sein. Murder Swing hat Tempo, aber es gibt auch langsamere Passagen, die genussvoll gelesen werden wollen, dann zieht das Tempo an, dann wird es wieder langsamer – das Buch ist wie sein Thema: Ein schönes Jazzstück mit Tempowechseln. Am besten trinkt man dazu einen Kaffee, aber bitte das gute Zeug: Selbst geröstete, handgemahlene Bohnen, langsam mit der richtigen Temperatur aufgebrüht, schwarz genossen, so wie der Vinyl-Detektiv es mag. Und falls man Katzen hat: Auch die sind Feinschmecker. Ein Lammkotelett sollte es schon sein! 🙂

Von mir gibt´s eine Empfehlung – Krimifans mit dem Faible für besondere Themen sollten dieses Buch unbedingt antesten. Mir hat es große Freude beim Lesen bereitet. Und im übrigen ist mir während des gesamten Buches nicht aufgefallen, dass der Vinyl-Detektiv keinen Namen hat, erst als ich die Rezension schreiben wollte und überlegt habe, wie wohl der Hauptdarsteller heißt – da dämmerte es mir. Und genauso gut ist er geschrieben, der Murder Swing!

 

Ausgelesen: Ich finde dich. Von Harlan Coben.

Das war ein Buch aus der großen, geschenkten Krimitasche, die mich dazu gebracht hat, Büchergenres zu lesen, die ich sonst nie lese. Und siehe da: Ein Treffer!

Jake Fischer musste vor sechs Jahren fassungslos mit ansehen, wie seine große Liebe Natalie aus heiterem Himmel einen anderen heiratet. Außerdem nimmt sie ihm das Versprechen ab, sie nie wieder zu kontaktieren. Am Boden zerstört hält er sich daran, bis etwas Unerwartetes geschieht…

… und der Rest ist spannend, sehr kurzweilig, voller interessanter Wendungen, mit einem sehr sympathischen Helden (würden wir uns nicht alle so einen wünschen, Schwestern??) und auch noch gut und flüssig geschrieben. Beste Unterhaltung,  Popcornkino in Buchform. Ich werde sicher nicht nein sagen, wenn mir noch einmal ein Buch von Harlan Coben in die Hände fällt!

Ausgelesen: Komm, ich erzähle dir eine Geschichte. Von Jorge Bucay.

Dieses Buch bekam ich zum Geburtstag geschenkt mit dem Hinweis: Damit du auch von diesen wunderbaren Geschichten profitierst! Tja. Naja. Also, schlecht waren sie nicht, aber sie waren eben auch keine Sternstunde in meinen Leseerlebnissen.

Das Buch besteht aus einer Vielzahl von verschiedensten Geschichten, die in eine eher unwichtige Rahmenhandlung mit einen sehr von sich überzeugten Therapeuten eingebettet sind. Demian, ein junger Mann mit den üblichen Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens, kommt „zum Dicken“, einem Psychotherapeuten, der ihm im Gegensatz zu anderen Therapeuten zu jeder seiner Lebenssituationen und Probleme eine passende Geschichte erzählt. Ansonsten gibt es keinen roten Faden, man lernt weder Demian noch den Dicken näher kennen, und das ist auch nicht gewollt, da die Hauptsache die vielen Geschichten, Sagen, Märchen und Parabeln sind.

Sie sind sehr unterschiedlich, viele haben mir gefallen und ein kleines Aha-Erlebnis beschert, manche fand ich langweilig, andere habe ich schlichtweg nicht verstanden. Ein paar wunderschöne Perlen finden sich, bei anderen saß ich da und überlegte: Was möchte der Autor mir damit sagen? Vielleicht ist das auch schon der Sinn des Buches: Ins Überlegen kommen über sich selbst. Nicht übel. Wer Märchen und Sagen mag, kommt hier bestimmt auf seine Kosten. Aber für Leser wie mich wohl eher nicht gedacht. In den Lobgesang vieler anderer über dieses Buch kann ich leider nicht einstimmen.

Ausgelesen: Britt-Marie war hier. Von Fredrik Backman.

Britt-Marie ist eine ungewöhnliche Buchheldin. So ungewöhnlich, dass der Autor sie nicht als Ich-Erzählerin einsetzt, auch nicht aus der Perspektive des allwissenden Erzählers, sondern aus einer sperrigen wir-sprechen-in-der-dritten-Person-von-uns Variante. Sie schafft die notwendige Distanz, die die Geschichte in ihrer Entwicklung benötigt. Ich musste mich erst daran gewöhnen, aber Britt-Marie hat nicht lange gebraucht, bis sie mich von sich überzeugt hatte. Sie ist eine dreiundsechzigjährige Frau, die bisher vor allem durch und für andere gelebt hat, was ja an sich nichts schlechtes ist. Wenn aber die anderen nicht wissen, was sie an Britt-Marie haben und sie benutzen, um sich selbst besser und größer zu fühlen, läuft irgendetwas verkehrt, und Britt-Marie braucht lange, sehr lange, um das zu verstehen. Genauer gesagt braucht sie Borg, um das zu verstehen, ein kleines Dorf außerhalb von allem, längst abgehängt durch die Verstädterung, ohne Läden, Schulen, Ärzte, nur einen kleinen Allzweckladen gibt es noch, der gleichzeitig Post, Kneipe, Werkstatt und Treffpunkt ist. Außerdem gibt es noch ein katastrophales Jugendfußballteam, das in Auflösung begriffen ist. Und dann kommt Britt-Marie. Und vieles ändert sich, auch sie selbst.

Ich mochte die Geschichte und Britt-Marie sehr, nur zum Ende hin, da wird es für meinen Geschmack etwas zu melodramatisch. Irgendwie scheint mir das nicht zum Rest der Geschichte zu passen, obwohl das Ende wiederum sehr gut ist, trotz aller Melodramatik. Es wäre schön, wenn es mehr Dörfer wie Borg gäbe und mehr Menschen wie Britt-Marie. Die Welt wäre vermutlich ein besserer Ort.

 

Ausgelesen: Krakonos. Von Wieland Freund.

Ich war sehr skeptisch, was dieses Buch betrifft. Der Umschlag – gar nicht meins. Krakonos, Mythen, Sagen – naja, wenn es denn unbedingt sein muss, freiwillig eher nicht. Aber da stand es nun mal in meinem Regal der ungelesenen Bücher und verschwand einfach nicht von selbst, also habe ich es irgendwann angefangen. Und war fasziniert, von der ersten bis zur letzten Seite (und wieder einmal hätte mich ein Cover, das nicht meinem Geschmack entspricht, fast davon abgehalten, ein sehr, sehr gutes Buch zu entdecken!).

Krakonos – es liegt nicht ohne Grund im Blumenkasten. Dieses Buch kann man nur draußen fotografieren, soviel steht fest.

Die Brüder Nik und Levi leben in einer nicht näher definierten Zukunft, anfangs dachte ich, sie wären unserer Zeit etwa fünfzehn bis zwanzig Jahre voraus, je weiter ich allerdings las, desto unsicherer wurde ich. Vielleicht sind es auch nur fünf oder sieben Jahre, letztlich spielt es keine große Rolle. Die anfangs visionär erscheinende Technikwelt schrumpft im Laufe des Buches zugunsten anderer Schwerpunkte immer mehr zusammen, und das ist so gut geschrieben, dass man sie nicht vermisst. Die Brüder jedenfalls sind dort zuhause, für sie ist diese nicht näher definierte Zukunft ganz selbstverständlich. Sie sind sehr unterschiedlich, Nik ist angepasst und lebt gern im Internat des amerikanischen Großkonzerns Qwip-Com in Berlin, für den seine Eltern arbeiten. Alles dort ist durchgestylt, clean und weiß, jede Minute ist organisiert und behütet, ein bisschen zu behütet vielleicht. Programmieren, qwippen und Computer sind für ihn so normal wie Zähne putzen. Levi dagegen kann all der Technik wenig abgewinnen, notgedrungen macht er mit, aber wirkliches Leben spürt er nur draußen in der Natur. Wobei Natur etwas hoch gegriffen ist für den sauber gemähten Park, in den die Kinder zu reglementierten Zeiten dürfen. Aber da gibt es noch eine alte Brache mit verfallenen Kleingärten, in die es Levi magisch zieht, und Nik, der auf seinen kleinen Bruder aufpassen will, muss mit, ob es ihm gefällt oder nicht.

Weit entfernt in einem anderen Land überwacht die Mythobiologie-Studentin Emma O´Lynn einen Steinhaufen, in dem seit fünfzig Jahren Krakonos schläft, bei uns besser als Rübezahl bekannt. Als ein mächtiges Gewitter aufzieht, ist sie einen Augenblick lang abgelenkt und schon ist es passiert: Krakonos entkommt. Sein Weg führt ihn auf uralten Wegen nach Berlin, immer verfolgt vom M-SEK Einsatzkommando, das auf die Jagd von Überzeitlichen spezialisiert ist…

Drinnen und draußen – zwei sehr wichtige Zustandsbeschreibungen in diesem Buch.

Wieland Freund stellt hier Technik und Natur gegeneinander, baut beide Welten mit großer Kenntnis detailverliebt und sehr gut recherchiert auf und lässt sie aufeinanderprallen. Der Leser erlebt das seltene Buchereignis, dass zwei Welten aufeinandertreffen und es keine Einigung gibt – sie bleiben unvereinbar. Computer, Handys und Apps werden nicht verteufelt, im Gegenteil, Krakonos nutzt ihre Möglichkeiten, wenn es notwendig und hilfreich ist, aber sie werden auf das reduziert, was sie sind: Technische Hilfsmittel, weit entfernt von Natur und Erde. Als Nik und Levi das Gelände von Qwip-Com verlassen, ist es wie ein Aufatmen, das durch die Seiten des Buches fährt, obwohl Nik sich fürchtet und nichts lieber möchte, als zurückzukehren in das sichere, bekannte Gelände. Er will nicht aus der Rolle fallen und er versteht seinen Bruder nicht, der völlig furchtlos begeistert dem Fremden folgt, der seine Sprache spricht – die der Natur. Wie Nik diesen inneren Kampf fechtet, hadert, Angst hat und letztlich doch daran wächst, ist herausragend gut geschrieben und fernab von jeder Weichzeichnerei. Auch Krakonos, hierzulande besser bekannt als Rübezahl, ist ein schriftstellerisches Ereignis. Er ist in jeder Sekunde glaubwürdig, niemals überzeichnet, man ist sich nicht sicher, ob man ihn lieben oder doch besser fürchten sollte, und manchmal tut er einem leid zwischen all diesen besessenen Menschen, die alles Unbekannte am liebsten komplett auslöschen möchten.

Sehen Sie die Regentropfen auf dem Einband? Die sollten da auch drauf sein. Warum, wissen Sie, wenn Sie dieses Buch lesen.

Auch eine Stärke des Buches ist seine Unbarmherzigkeit. Emma und Nik entwickeln sich weiter, stockend zwar, mit Widerstand und Gegenwehr, aber sie bewegen sich immerhin, Krakonos bleibt sich treu, er ist, wie er ist und immer schon war, aber die restlichen Mitspieler sind wirklich zum Fürchten. Unbelehrbar, unverbesserlich und unbeirrt verfolgen sie ihre Ziele, ohne zu fragen, ob das Ziel nicht längst gewechselt hat. Auftrag ist Auftrag, und so schreiten sie unaufhaltsam voran, die Jäger haben das Wild gewittert und verfolgen ohne jeden Selbstzweifel ihr Ziel und wenn einem hier der Vergleich zur unaufhaltsam voranschreitenden Technisierung in den Sinn kommt, ist er nicht ganz von der Hand zu weisen. Das Buch wechselt unmerklich von der hochtechnologischen Welt der Computer und selbstfahrenden Autos zur Natur über, führt in Wälder, alte Seen und dunkle Sternennächte, und je länger der Leser mit Nik und Levi und Krakonos unterwegs ist, desto kostbarer und zerbrechlicher erscheint ihm unsere Welt. Die Natur lebt aus sich heraus, sie ist alt, aber nicht unzerstörbar. Diese Erkenntnis habe ich mitgenommen, und he, ich schreibe hier gerade auf einem Computer, nutze Apps und jede Menge Internet. Schlecht ist das sicher nicht. Aber das Wichtigste ist es sicher auch nicht, da gibt es noch viel mehr. Man muss nur mal rausgehen.

Insgesamt also ein Buch, das auf keinen Fall nur von Kindern, sondern gerade auch von Erwachsenen gelesen werden sollte. Es ist ein All-Age Buch, hochgradig lesenswert, sehr unterhaltsam und lernen kann man auch noch etwas. Wenn das keine Empfehlung ist, weiß ich auch nicht weiter!

Ausgelesen: Darf´s ein bißchen mehr sein? Von Meg Cabot.

Wenn ich eine kleine Aufheiterung brauche, weil das Leben sich gerade nicht nur von der Sonnenscheinseite zeigt, greife ich gern zu bestimmten Büchern, nämlich den sogenannten „Aufheiterungsbüchern“. Sie zeichnen sich durch eine positive Grundstimmung aus, haben eine Heldin oder einen Helden, der die Welt mit einem halb vollen Glas in der Hand betrachtet und nicht aufgibt, auch dann nicht, wenn alles quer läuft.

Zu diesen Büchern gehört auf jeden Fall dieses hier. Heather Wells hätte allen Grund, mies gelaunt zu sein: Ihr Verlobter hat sie betrogen, ihre Karriere als Teeniestar ist definitiv vorbei und ihre Mutter hat Heathers gesamtes Geld gestohlen und ist damit nach Südamerika geflüchtet. Ihr Vater sitzt wegen Steuerhinterziehung im Gefängnis. Insgesamt also keine rosigen Zukunftsaussichten, aber Heather lässt sich nicht unterkriegen: Sie will fast dreißigjährig studieren gehen, aber um das College finanzieren zu können, muss sie nebenher arbeiten und tut das in einem Studentenwohnheim. Dort ist sie in der Verwaltung Mädchen für alles, unter anderem auch Ansprechpartnerin für die dort wohnenden Studenten. Als eines Tages eines der Mädchen dort unter seltsamen Umständen ums Leben kommt, ist ihre Neugier geweckt…

Natürlich wimmelt es im Buch nur so von Klischees: Der abgehalfterte Teeniestar, der umschwärmte Ex-Verlobte, der Sänger einer Boyband war, der attraktive Privatdetektiv-Bruder des Ex-Verlobten, das ganze, komplette Studentenwohnheim: Alles ein einziges Klischee. Aber wissen Sie was? Das macht alles gar nichts. Die Heldin ist so positiv geschrieben, dass man sie einfach gern haben muss, egal, wie viele Klischeeklippen sie auf jeder dritten Seite umschiffen muss, und ihre positive Sicht auf die Dinge hellt die eigene Stimmung ziemlich auf, obwohl das auch ziemlich verrückt ist, denn Heather ist ja nur eine erfundene Buchfigur. Aber wissen Sie was? Auch das macht rein gar nichts.

Meg Cabot hat mit Heather Wells eine grundsympathische Figur geschaffen, die man ungern ziehen lässt, wenn das Buch vorbei ist, nicht nur, weil es da noch ein paar offene Handlungsstränge gibt, sondern weil man einfach gern mehr Zeit mit ihr verbringen möchte. Zum Schluss des Buches ist man überzeugt, so schlimm ist das Leben gar nicht. Man darf nur nie aufgeben und sollte der Einfachheit halber immer davon ausgehen, dass das Glas halbvoll ist und nicht halbleer, und dass es sich nicht lohnt, anderen Dinge nachzutragen. Denn mal ehrlich: Am Ende schleppen wir die Dinge mit uns herum. Nicht die anderen. Heather hat das begriffen und lebt danach. Ein nettes Buch. Warum da übrigens auf dem Cover diesen ganzen Schuhe abgebildet sind: Ich habe keine Ahnung. Im Buch spielen sie absolut keine Rolle, und auch ein Hund kommt nicht vor.

Ausgelesen: Das Gold der Krähen. Von Leigh Bardugo.

Den ersten Band dieser zweiteiligen Saga habe ich mit sehr großer Begeisterung gelesen, es hat mich einfach weggefegt und ein bisschen schwach in den Knien zurückgelassen – ich meine, was soll denn nach einem solchen Buch noch kommen? Es kamen dann doch noch ein paar sehr gute Bücher hinterher, aber dieses hier glänzt schon sehr hell zwischen ihnen.

Nun also Band zwei: Das Gold der Krähen. Und darum geht es auch, um Gold, Geld und wie man es bekommt, verliert und zurückgewinnt. Darum herum webt die großartige Autorin Leigh Bardugo ein zweites Mal eine komplexe Welt zwischen holländischem neunzehnten Jahrhundert, Russlands Märchen und Mythen, dazwischen tummeln sich kleine Versatzstücke aus Skandinavien. Wir treffen die Charaktere aus Band eins wieder, Kaz und Inej, Nina und Matthias, Wylan und Jesper. Dieses Mal hat Wylan eine eigene Erzählstimme, es hat mich besonders gefreut, ihn besser kennenzulernen.

Ohne in der Handlung herumspoilern zu wollen: Die Geschichte wird einfach wunderbar weitererzählt, dieses Mal gibt es aber definitiv eine siebte Hauptperson: Ketterdam. Wie die Autorin diese Stadt beschreibt und zum Leben erweckt, ist genial, und es tut dem Buch gut, dass die sechs Diebe dieses Mal überwiegend dort bleiben, denn dadurch fängt die Stadt an zu schillern und zu atmen, und es bleibt trotzdem noch genügend Zeit, um jede der Figuren wachsen und sich verändern zu lassen. In dieser Geschichte ist nichts statisch oder langweilig, und gerade, wenn man denkt, aha, jetzt wird es aber doch vorhersehbar, gibt es eine Wendung, mit der man nicht gerechnet hatte. Ganz große Fantasy, schillernde Helden, komplexe Bösewichte, Nebenfiguren, die man unbedingt näher kennenlernen möchte und Bedauern, wenn das Buch vorbei ist – besser geht es kaum. Große Empfehlung für alle, die gute Geschichten aus anderen Welten mögen!