Ausgelesen: Konkurrenz für Mma Ramotswe. Von Alexander McCall Smith.

Ein weiterer Fall für Mma Ramotswe. Und ich bin ein wenig uninspiriert, was das Schreiben einer Rezension betrifft. Das Buch ist nicht schlecht, aber auch kein Pageturner. Es hat sehr schöne Momente, aber auch sehr langatmige. Wirklich gelungen ist die atmosphärische Beschreibung einer ruhigen, afrikanischen Stadt unter einem hohen Himmel in sehr heißem Klima. Aber andererseits ist das Buch ein einziges großes Klischee, wenn auch ein sehr schönes. Ich habe es gern gelesen, aber mein Leben verändert hat es nicht. Naja. Lebensverändernd sind nicht sehr viele Bücher, das muss ich zugeben.

Gut, also: Mma Ramotswe ist die Inhaberin der einzigen Detektei in Garbarone, der Hauptstadt Botswanas. Eines Tages macht eine zweite Detektei auf, geführt von einem Mann. Einem sehr arroganten, überheblichen Mann, der Mma Ramotswe beleidigt und ihr Unfähigkeit unterstellt, weil sie eine Frau ist. Im Laufe des Buches zeigt sich, dass der neue Detektei-Inhaber sich wohl ein wenig überschätzt hat und wieder aufgibt, und alles ist wieder ruhig unter der heißen Sonne Botswanas… nebenbei hat Mma Makutsi, die Angestellte von Mma Ramotswe, eine Geschäftsidee – eine Schreibmaschinenschule für Männer. Und sie ist erfolgreich, was sie selbst fast am meisten überrascht. Einer ihrer Schüler zeigt Interesse an ihr, und alles könnte so schön sein – oder?

Es scheint, als ob mich der lange, ruhige Erzählstil kombiniert mit all den Kommentaren über die enorme Hitze selbst auch ein wenig träge gemacht hat… es ist ein nettes Buch in einer netten Serie, auch, wenn in diesem Band der Krimianteil verschwindend gering ist. Der Autor liebt Afrika, das spürt man in jeder Zeile und in jedem Wort, und das ist es, was die Bücher trägt – seine überwältigende große Liebe für all das, was er schreibt und vielleicht ja auch beschreibt. Um daran teilzuhaben, lese ich die Bücher. Menschen mit einer Passion sind eben berauschend.

Ausgelesen: Commissaire Le Floch & das Geheimnis der Weißmäntel. Von Jean-François Parot.

Oh, ich liebe richtig gut gemachte historische Kriminalromane, und dieser hier ist wirklich richtig, richtig gut gemacht. Der 19jährige Nicolas Le Floch wird von seinem Patenonkel aus der Provinz nach Paris geschickt, um dort Karriere bei der Polizei zu machen. Er wird vom Polizeipräfekten, einem Vertrauten König Ludwigs XV, privat bei Polizeikommissar Lardin untergebracht und mit einem anscheinend leichten Fall beauftragt, um sich mit der Polizeiarbeit vertraut zu machen und getestet zu werden. Dann stirbt sein Vormund, er muss in die Bretagne zurück, um dessen Beerdigung beizuwohnen, entzweit sich bei dieser Gelegenheit mit seinem Patenonkel, weil der die Liebe zwischen seiner Tochter und Nicolas ablehnt und kehrt danach geknickt wieder nach Paris zurück. Dort nehmen die Ereignisse mächtig Fahrt auf, aus dem „leichten“ Fall wird eine Staatsaffaire und Nicolas muss zeigen, aus welchem Holz er geschnitzt ist.

Der Kriminalroman ist dieses Mal wirklich wert, so bezeichnet zu werden – Krimi reicht hier nicht aus. Das Paris des 18. Jahrhunderts wird so eindrücklich beschrieben, dass ich das Gefühl hatte, dabei zu sein. Wenn Le Floch durch die Straßen eilt, Verliese und Bordelle durchsucht, kurz etwas isst und seinen Mantel enger um sich zieht, weil es eisig kalt ist, bekommt man selber eine Gänsehaut und spürt die gelaufenen Kilometer unter den Fußsohlen. Paris atmet, lebt, liebt und stinkt, und man ist dabei und sieht es mit jeder gelesenen Zeile deutlicher vor Augen. Hier ist nichts romantisch verklärt oder mit Weichzeichner versehen, alles ist höchst realistisch und am Ende ist man ein bisschen traurig, weil das Buch vorbei ist, aber doch sehr froh, dass man heute lebt und nicht vor zweihundertfünfzig Jahren, als man sehr viel Glück haben musste, in die richtige Gesellschaftsschicht hineingeboren zu werden. Wenn es nämlich die falsche war, hatte man voraussichtlich kein allzu langes Leben. Und auch kein allzu schönes. Diese Darstellung des vergangenen Lebens ist für mich der größte Reiz des Buches, neben der schön altertümlichen Sprache, in die man sich erst ein paar Seiten lang einlesen muss. Dann aber passt sie hervorragend zur Geschichte. Der Kriminalfall dominiert das Buch ebenfalls, die privaten Verwicklungen Le Flochs machen nur einen sehr kleinen Teil der Geschichte aus, aber beides geht interessanterweise völlig in der fast rauschhaften Darstellung der französischen Hauptstadt im Jahr 1761 auf. Der Kriminalfall macht es erst möglich, so tief in die Häuser, Straßen und Abgründe der Stadt einzutauchen, die oberen Gesellschaftsschichten genauso zu beleuchten wie die unteren – ein wunderbarer Vorwand quasi, um eine bildgewaltige, sinnesfreudige Abhandlung über eine vergangene Zeit zu schreiben. Und wenn es so ist – gerne! Mehr davon!

Ein klein wenig leid tat es mir aber doch um die kleine Distanz, die durch die Schreibweise zu den Figuren entstand. Ein klein wenig mehr Emotion, etwas mehr Betroffenheit bei der Entlarvung Verdächtiger, und schon wäre ich näher dran gewesen. Der Fall selber ist ein solider Plot ohne große überraschende Wendungen, er erinnert an reale Polizeiarbeit, mit schriftstellerischen Freiheiten natürlich. Es kann aber auch einfach die männliche Sicht des Autors auf die Dinge sein, und eigentlich jammere ich hier auf sehr hohem Niveau. Lieber feiere ich eine wirklich gelungene, neue Kriminalromanreihe, die in Frankreich längst Kult-Status hat und es hoffentlich in Deutschland schafft, komplett übersetzt zu werden.

Vielen Dank an Karo, aufgrund deren Rezension ich das Buch gekauft (und genossen) habe!

Ausgelesen: Wir sind doch Schwestern. Von Anne Gesthuysen.

„Dieser Roman ist ein großes Glück.“ So steht es auf dem Cover des Buches (bei mir leider ein bißchen unscharf), und, ja, doch, er ist gar nicht übel. Es geht um drei Schwestern, eine ist vierundachtzig Jahre alt, zwei fast einhundert Jahre, und alle drei blicken auf ein bewegtes, volles, nicht immer einfaches Leben zurück. Wie sich ihre Lebensgeschichten verknüpfen mit der Geschichte Deutschlands während beider Weltkriege und im Nachkriegsdeutschland der Adenauer-Zeit ist ein großes Thema, das andere ist die Art und Weise, wie sich das Leben der drei Schwestern immer wieder berührt und sie trotz großer Verschiedenheiten und Auseinandersetzungen doch nicht voneinander lassen können. Schließlich sind sie doch Schwestern – wenn das nicht verbindet, was dann?

Gefallen haben mir die lockere Schreibweise, das beherzte, unbeschwerte Herangehen auch an schwierige Themen, der Humor, der immer wieder aufblitzt und dass aus dem Blickwinkel aller drei Frauen berichtet wird. Schön ist auch, dass alle drei eine große Lust aufs Leben haben, obwohl ihnen klar ist, dass es nun wohl nicht mehr allzu lange dauern wird bis es vorbei ist und sie trotzdem weder ihren Humor noch ihre Tatkraft verlieren. Ein großer Mutmacher für den Fall, dass man es tatsächlich unglaublicherweise schaffen sollte, achtzig zu werden. Sehr gut fand ich auch, wie einem normalen Leser ganz nebenbei einiges über deutsche Geschichte beigebracht wird und es ganz und gar nicht langweilig ist dabei. Und zum Schluss: Wenn auch nur die Hälfte davon wahr ist – genial. Doch, wenn ich es zusammenfasse, hat mir ziemlich viel an dem Buch gefallen.

Eigentlich und normalerweise tue ich mich nämlich schwer mit Büchern, die Personen ein ganzes Leben lang begleiten. Mehrere Generationen in einem Buch brauche ich nicht, das dürfen gerne andere lesen, es gibt bestimmt gaaaanz tolle Bücher darunter, aber es gibt eben auch noch sehr viele andere, die ich viel lieber lese. Dieses hier bekam ich von einer Kollegin ausgeliehen, und da ist man ja immer ein bißchen in der Pflicht, also habe ich es tapfer angefangen. Für solch ein Buch wie oben beschrieben fand ich es gar nicht mal so übel. Doch-doch, es war ganz ok. Gut, vielleicht mehr als ok (hören Sie das Zähneknirschen?). Ich kann zwar aus eben genannten Gründen nicht in den begeisterten Reigen der Jubelnden einstimmen, die dieses Buch in den Himmel heben, aber es war durchaus lesenswert. Ich nehme mal an, für alle, die von Generationsbüchern (nennen wir sie mal so) begeistert sind, ist das Buch ein Hauptgewinn, ein goldener Treffer! oder eben ein großes Glück. Gerne! Es sei ihnen allen gegönnt! Ich werde nach diesem Buch trotzdem erst mal wieder eine große Pause bis zum nächsten Generationsbuch machen.

Ausgelesen: Blätterrauschen. Von Holly-Jane Rahlens.

Dieses Buch war mir schon vor Monaten im Netz aufgefallen: So ein interessantes Cover! Dann lief ich ihm in der Bibliothek geradezu in die Arme, es lag mit dem Gesicht nach vorne im Regal und ich bin direkt darauf zugegangen. Schon interessant, wie man sich begegnen kann, normalerweise bin ich eher selten in der Kinderbuchabteilung zu finden, aber an diesem Tag schon. Dann lasen sich die ersten Seiten sehr vielversprechend, und schon war es ausgeliehen.

Das Buch beschreibt die Geschichte von Oliver, Rosa und Iris, die alle im selben Buchclub sind, sich ansonsten aber nicht besonders gut kennen und sich auch nicht besonders mögen. Dann erschüttert ein mächtiges Gewitter den Buchladen, das Licht fällt aus und es erscheint Colin, ein seltsamer Junge, der felsenfest davon überzeugt ist, sich in einer besonders realistischen virtuellen Welt zu befinden. Tatsächlich stammt er aus der Zukunft und ist durch undurchsichtige Art und Weise in die Vergangenheit geraten, was nicht lange unbemerkt bleibt – auf beiden Seiten der Zeit.

Bis hierhin hat es mir sehr gut gefallen. Die Sprache ist klar und einfach gehalten, ideal für die Zielgruppe von 10 bis 12 Jahren. Die Geschichte nimmt schön Fahrt auf, seltsame Gestalten treten ins Rampenlicht, Menschen entpuppen sich als viel interessanter als anfangs gedacht, es gibt Verfolgungsjagden – und dann kommt das Buch merkwürdigerweise zum Stillstand. Es wird nicht direkt langweilig, aber es verliert enorm an Tempo und wechselt von einer Zeitreisegeschichte in eine Art Sachbuch über das 23. Jahrhundert und darüber, was im 21. alles schief gegangen ist. Dabei entsteht eine seltsame Distanz zu den Figuren, sie werden blass, obwohl eine Menge Potential in ihnen steckt. Die Welt im 23. Jahrhundert blieb mir fremd, aber das könnte auch daran liegen, dass ich nicht die Zielgruppe bin. Schön war die Entwicklung zwischen den drei Kindern, die immer mehr zu Freunden wurden, und das Ende fand ich dann wieder sehr gelungen.

Insgesamt ist es ein nettes Buch, kein Hauptgewinn, aber ein schöner zweiter Preis. Die Effekte der Zeitparadoxa sind gut beschrieben, davon hätten es gern noch ein paar mehr sein können. Trotz aller Zeitmaschinen ist es eine höchst realistische Geschichte über Freundschaft und Verantwortung, die durchaus wirklich so passiert sein könnte (oder noch passieren könnte!). Kinder, die nicht unbedingt begeistert von rosa Einhörnern oder blauglänzenden, furchtbar mächtigen Drachen sind, aber trotzdem gern eine Prise Außergewöhnliches in ihren Geschichten vorfinden möchten, sind eine gute Zielgruppe für Blätterrauschen.

Ausgelesen: Damit wir klug werden. Von Susanne Niemeyer.

Dieses Buch war ein Experiment. Und das nicht nur, weil es so im Vorwort steht, sondern weil ich es eigentlich nicht mag, in Bücher zu schreiben. Zeichnen, ja, unterstreichen meinetwegen auch, aber selber etwas in ein bereits fertiges Buch schreiben? Ich weiß ganz genau, dass meine ersten Entwürfe so gut wie immer im großen Himmel der verworfenen Erstversionen landen, ich brauche Papierplatz, und außerdem blockiert es mich, wenn da neben meinen unbeholfenen Erstlingen schon perfekt performte Sätze stehen.

Aber trotzdem. Ich mag Susanne Niemeyers Texte, und ich war neugierig, also habe ich es doch gekauft. Und lag richtig. Die 100 Experimente mit Gott haben mich viele Tage begleitet und nachdem ich anfangs immer gleich ein paar auf einmal gelesen habe, fing ich kurz danach an, zu rationieren – nicht mehr als zwei am Tag, damit es länger reicht. Die Texte sind unkonventionell, sehr verschieden, mal ist es nur ein Satz, mal eine ganze Seite, ein paar Gedichte sind dabei, Zeichnungen – und immer die Einladung, sich selber dazu Gedanken zu machen, die Texte oder Zeichnungen fortzusetzen oder etwas ganz neues, eigenes zu schreiben. Wenn man sich darauf einlässt, kann das erhellend sein, oder auch entlarvend, oder einfach nur Spaß machen. Gott ist dabei immer gleich nebenan, wenn man möchte, kann man ihn miteinbeziehen, wenn nicht, lässt man es. Schon eine Seite weiter ist eine neue Chance.

Oben (am Kopf) ist das Bild ein bißchen unscharf, dafür unten (bei der Schokolade) umso schärfer. Was will mir meine Kamera damit sagen?

Die Texte selber sind sehr schön und oft höchst unerwartet. Mich haben sie immer wieder auf neue Gedanken gebracht, manchmal gerührt und manchmal zum Lächeln verleitet. Einige würde ich mir am liebsten rahmen und an die Wand hängen (warum tue ich das eigentlich nicht?).

Meine Buchausgabe ist schon etwas älter, inzwischen ist das Buch neu aufgelegt worden und hat einen neuen Titel: 100 Experimente mit Gott. Es ist wunderbar geeignet zum Verschenken, ich vermute, auch Konfirmanden hätten nichts gegen dieses Buch einzuwenden. Und sich selbst eine Freude machen kann man damit natürlich auch. 🙂

Die neue Ausgabe ist himmelblau. Das alte Cover finde ich aber auch schön.

Ich habe dann übrigens nicht allzu viel in das Buch geschrieben. Aber das ist auch nicht weiter schlimm, zum Nachdenken hat es mich trotzdem angeregt. Zum Schluss noch ein kleines Zitat von Seite 45:

Dunkel

Die Ewigkeit ist ein Licht, das im Dunkeln leuchtet, damit du schlafen kannst.

Ausgelesen: Schwindelfrei ist nur der Tod. Von Jörg Maurer.

Im achten Band der Krimi-Satire-Wortrausch-Reihe um Kriminalkommissar Hubertus Jennerwein steigt ein Heißluftballon über dem schönen Werdenfelser Tal auf. Darin eine zufällig zusammengewürfelte Schar Passagiere, die sich allesamt nicht wirklich wie glückliche Ballonfahrer verhalten und eher wenig Interesse an Ausblick oder Höhe zeigen. Dazu ein Kommissar, der etwas aus der Spur gerät, nachdem er einen seltsamen Fremden im Gefängnis besucht und eine fast vergessene Geiselnahme, die 1971 gründlich schiefgeht und ihre langen Arme bis in unsere Gegenwart streckt. Wie passt das alles zusammen?

Auch dieses Mal wieder befördert Jörg Maurer den Leser direkt in die bayrischen Alpen und wieder ist es die wunderbare, bildgewaltige und sehr, sehr lustige Sprache, die den Hauptreiz an diesen Krimis für mich ausmachen. Er fabuliert und tanzt und geniesst Wörter und Sätze, und ich vermute, das Schreiben dürfte ihm ebenso große Freude bereiten wie mir das Lesen.

Die Handlung ist dieses Mal ein wenig verschwurbelt, eine Menge Handlungsstränge laufen nebeneinander her, einige der Figuren haben die Grenze zur Karikatur ziemlich selbstbewusst überschritten, genauso wie die Handlung teilweise recht konstruiert daherkommt und man nicht allzu genau hingucken oder hinterfragen sollte. Aber egal! Alles verziehen! Ich hatte eine sehr gute Zeit mit dem Buch und werde auch das nächste auf jeden Fall lesen. Genauso wie ich trotz seltsamer Ereignisse im Heißluftballon meine Fahrt irgendwann auf jeden Fall machen werde!

Bitte beachten Sie, wie ich versucht habe, den Titel fotografisch umzusetzen! (Nein, es ist nicht vom Balkon gefallen, aber es war knapp davor)

Ausgelesen: Die Nacht in der der Kater sang und MacTiger: Ein Highlander auf Samtpfoten. Von Andrea Schacht.

Krimis, in denen Tiere ermitteln, sind immer so eine Sache. Ich habe schon Bücher gelesen, in denen zugunsten der tierischen Detektive sehr an der Handlung gespart wurde oder in denen allzu sehr auf den Wohlfühlcharakter gesetzt wurde. Manchmal ist das dann trotzdem ganz nett, aber manchmal leider auch nur langweilig. Unvergessen und unerreicht ist da Felidae von Akif Pirincci, dem ich sofort fünf von fünf Sternen geben würde, aber über das Buch sprechen wir ja gerade nicht. Gut. Zurück zu Andrea Schacht.

Bei MacTiger, dem Highlander, war meine Langeweile leider ziemlich groß. Die Geschichte schwankte unentschlossen zwischen Schauerroman, Kitschromanze und (magerer) Krimihandlung hin und her. Die Personen waren allesamt nicht meins, viel zu schablonenhaft und voller Klischees, selbst Schottland war ein einziges, kariertes Stereotyp mit Burg. Ich fand das sehr seltsam, denn andere gelesene Bücher von dieser Autorin waren ganz und gar nicht so „missgeraten“, irgendwie drängte sich mir der Eindruck auf, dass die Autorin hier genauso unentschlossen geschrieben hat wie ihr Handlungspersonal dann auch handelt. Mir hat es nicht gefallen, ich habe es mit Müh und Not bis zur Hälfte geschafft und dann das Ende gelesen.

Ganz anders Die Nacht, in der der Kater sang. Dieselbe Autorin, aber dieses Mal hatte ich den Eindruck, das Schreiben hat ihr Spaß gemacht. Ghizmo, der Kater, ist wirklich eine Katze mit allen Eigenarten ihrer Spezies, unabhängig, durchsetzungsfähig und loyal zu seinen Reviermitbewohnern, solange sie sich so verhalten, wie er das möchte. Die Krimihandlung zieht sich manchmal etwas, aber das verzeiht man dem Buch aufgrund seiner gut geschilderten menschlichen und tierischen Bewohner. Die menschliche Hauptfigur Jenny hat eine schöne mysteriöse Hintergrundgeschichte und ist angenehm widersprüchlich. Menschlich eben. Dieses Buch habe ich gern gelesen. Seltsam. Wenn ich nun beide Bücher so nebeneinander liegen sehe, kann ich mir kaum vorstellen, dass beide von derselben Autorin sind. Sind sie aber. So bleibt also nur eins: Wenn man einen Autor oder eine Autorin mag, muss man neue Bücher von ihnen einfach mutig ausprobieren, selbst, wenn ab und zu eins dabei ist, das seltsam geraten ist und einem nicht gefällt. Ich meine: Wer weiß, was man sonst verpasst! Und Autoren, die man mag, wachsen ja schließlich nicht massenhaft auf Bäumen, im Gegenteil, sie sind kostbar und rar! Da muss man ab und zu einen Apfel mit Wurm tolerieren (ok, hier hinkt die Metapher etwas, aber sie war so schön, dass ihr bitte ein Auge zudrücken möget. Wir sind ja gerade in Übung 🙂 ).