Ausgelesen und inspiriert worden: Verrückt nach Karten. Hrsg. von Huw Lewis-Jones

Heute ist der Tag des Buches, und ich habe das perfekte Buch, um den Tag gebührend zu feiern: Verrückt nach Karten!
Wer kennt sie nicht, die Karten der imaginären Orte und Länder, die sich uns gleich vorstellen werden, wenn wir das Buch zum ersten Mal bei Kapitel 1 aufschlagen. Oft sind sie auf dem Vorsatzblatt gedruckt, manchmal am Ende des Buches (wo sie meiner Meinung nach nicht hingehören) und ganz selten ist dem Buch eine separate Karte beigelegt, die man auffalten kann. Die liebe ich am meisten. Bevor man sich in die Geschichte hineinbegibt, ist die Karte noch eine große Unbekannte, eine Ansammlung seltsamer Namen und Orte, manchmal gibt es ein „X“ mitten in einem Kontinent, und man weiß, aha, da ist etwas passiert oder es wird noch passieren. Im Großen und Ganzen betrachtet man die Karte recht ungerührt, sie hat sich uns noch nicht vertraut gemacht. 😊
Aber dann! Dann fängt man an zu lesen, und auf einmal erschließt sich einem der erste Ort auf der Karte und er ist nicht mehr nur ein Name, er hat jetzt eine Geschichte und Menschen (oder Tiere oder andere Wesen), die da wohnen, man weiß, ob es oft regnet oder ob es heiß dort ist, und wenn dieser Ort sich so hochinteressant füllt, wie mag es dann erst an den anderen Orten auf der Karte zugehen?
So füllt die Karte sich immer mehr mit Leben an und man verfolgt immer wieder die Wege und Strecken, die die Protagonisten in ihren Welten zurücklegen, sie bekommen Konturen und laufen nicht mehr in einem nebulösen Niemandsland herum, denn man hat ja die Karte!

Meine allererste Karte war die Mittelerde-Karte, die dem ersten Band des Herrn der Ringe beigelegt war. Das Auenland schien mir im Buch riesengroß zu sein, auf der Karte war es winzig, und ich bekam eine Ahnung davon, was da noch alles passieren würde. Diese Karte wurde immer und immer wieder ausgebreitet und ich verfolgte genau, wo die Helden sich gerade aufhielten. Meiner Meinung nach hätte die Karte ruhig noch sehr viel detaillierter sein können, manchmal verlor ich die Helden aus den Augen, was mich sehr beunruhigte: Was, wenn sie verloren gegangen waren? Wer würde den Ring weiterbringen? Aber sie fanden immer wieder zurück.

Eine weitere Lieblingskarte war die aus Pu der Bär. Der Hundertmorgenwald, wo die Eule wohnt, die Falle für Heffalumps und wo es zum Nordpol geht – ach! So eine schöne kleine Karte! Auch die Schatzinselkarte von Robert Louis Stevensons Die Schatzinsel hat mich fasziniert. Es wäre so viel schwieriger gewesen, die Wege der Piraten zu verfolgen und all die Dramen richtig einzuordnen, wenn es da keine Karte gegeben hätte. Das könnte ich im Übrigen auch mal wieder lesen, das Buch.

Ich bin also ein Kartenfreak, und ich bin es gerne. Und dann kommt da so ein riesiger Bildband, in dem es nur um Karten geht! Das Paradies (von dem ich auch gern eine Karte hätte, nur so, aus Interesse)! Dieses Buch ist eine Fundgrube für Leser und Kartenliebhaber, so gut wie jede bekannte Klassikerkarte ist vertreten, mit jeder Menge Essays und Texten von Zeichnern und Autoren über Zeichner und Autoren: Mittelerde, Narnia, Nimmerland, Utopia, London, Konstantinopel, die Karte des Rumtreibers und U-Bahn-Pläne.


Man erfährt, wie und warum Karten entstanden sind, wer sie gezeichnet hat und wo sie eingesetzt werden. Das Buch strotzt nur so vor Informationen und vor allem: Karten. Sie sind in Farbe, beiseitig und einseitig gedruckt, und jedes Mal beim Umblättern denkt man vorfreudig: Na? Na? 😊 Und dann ist da schon wieder eine Welt vor einem, die man noch nicht kennt. Der Herausgeber hat vor allem im englischsprachigen Raum gesammelt und daher sind eine Menge Bücher und Klassiker dabei, die im deutschsprachigen Raum nicht sehr verbreitet sind, aber mich hat das nicht gestört. Es ist ein bisschen, wie jemandem zuzuhören, der von etwas schwärmt, das man noch nicht kennt: Es macht sehr neugierig, was ja nicht das schlechteste ist. Das Buch ist ziemlich teuer, daran führt kein Weg vorbei, aber so einen Wälzer kann man auch nicht für 9,99 Euro produzieren, vor allem, weil er vermutlich nur eine begrenzte Leserschaft finden wird. Wer Karten liebt, wird dieses Buch lieben! Und wird inspiriert! Ich bin auf jeden Fall tätig geworden. Mit „Klick-auf-das-Bild“ wird meine ganz persönliche Karte vergrößert. Wer findet den Weg des Marders? 😊

Ausgelesen: Die Rechenkünstlerin. Von Helga Glaesener.

Helga Glaesener hat in allem, was Emotionen betrifft, einen kühlen Schreibstil, ist aber in der Beschreibung historischer Details extrem farbenfroh und einfallsreich. Eine interessante Mischung, die ich sehr mag. Ihre historischen Romane sind eine Erholung nach allzuviel Liebe und Triebe in anderen Büchern, und ich habe immer noch den Verdacht, dass ihr ihre mittelalterlichen Städte und Kleingesellschaften mehr am Herz liegen als ihre Figuren. Aber das ist nur eine unbedeutende Theorie einer Leserin. 😊
Hier also geht es um Carlotta, die im Jahr 1389 in Heidelberg lebt, die Tochter des leicht verwirrten Pedells der Universität ist und viel lieber Rechnen würde anstatt für ihren Vater und seine Scholaren zu kochen und zu putzen. Und schon ist sie mir sympathisch! Als ihre Freundin Zölestine sich frisch verheiratet umgebracht haben soll, reist sie mit ihren Brüdern zur aufgebahrten Leiche. Dort kommen ihr Zweifel am angeblichen Selbstmord und sie beginnt nachzuforschen. Zu Hilfe kommt ihr ein gerade neu zugereister tschechischer Magister für Römisches Recht.
Wir erfahren in Folge einiges über Universitätsstädte im Mittelalter, über Ehen, Judenverfolgung, seltsame Mahlzeiten und Gerichtsbarkeiten von damals, und wie immer nach einer solchen Lektüre bin ich froh, heute zu leben und nicht vor knapp siebenhundert Jahren.
Wer historische Romane mag, nicht ständig von melodramatischen Liebesschwüren umgeben sein will und einen Schreibstil mag, der leicht nach frischen Brezeln duftet (trocken, warm, würzig), sollte ein Buch von Helga Glaesener versuchen – wie wär´s mit der Rechenkünstlerin?

Ausgelesen: Was man von hier aus sehen kann. Von Mariana Leky.

Dieses Buch bekam ich geschenkt; selbst hätte ich es mir vermutlich nicht gekauft. Und dann auch noch als Hardcover! Luxus!
Die Geschichte spielt in einem Dorf im Westerwald, alles ist hier ein klein wenig anders als anderswo, andersartiger, netter, bunter, seltsamer. Die Menschen haben Charakter, manchmal vielleicht ein bisschen zuviel davon. Ein Okapi spielt eine nachdrückliche Rolle, ein Haus entwickelt ebenfalls Charakter und Fußfallen, und eine Liebesgeschichte geht seltsame Wege.
Die Sprache des Buches mochte ich sehr, ein bisschen versponnen, leicht, als ob die Erzählerin das Buch träumt, aber geerdet träumt. Jaja, das ist schwierig zu verstehen, aber beschreiben Sie mal einen Erzählstil! Trotzdem bin ich mit dem Buch nicht komplett eins geworden, da blieb eine kleine Trennung. Warum? Vielleicht war es streckenweise zu seltsam, das alles. Das Ende hat mir dann aber wieder sehr gefallen. Ein nettes Buch aus der Richtung leicht gehobene Literatur.

Zimmerreise um das ebook

Bei puzzleblume werden Zimmereisen veranstaltet, und da die echten Reisen zur Zeit ja durchaus Mangelware sind, habe ich beschlossen, daran teilzunehmen und im Gegenzug andere mit auf meine Reisen zu nehmen. Daher gibt es hier meine dritte Zimmerreise zum Buchstaben E wie ebook.

Und wieder ist es Zeit für eine kleine Zimmerreise, dieses Mal zu meinem ebook. Ich hoffe, die ersten Leserinnen und Leser verlassen jetzt nicht fluchtartig diesen kleinen Beitrag, denn wirklich: Das ebook hat auch gute Seiten! Wirklich! Natürlich verstehe ich all die emotionalen Reaktionen, wenn das böse Wort fällt, denn ich habe sie ja auch alle durchgemacht. Ich meine, ernsthaft: Geht irgendetwas über das Gefühl, ein richtiges Buch in der Hand zu halten, seine Seiten sanft mit dem Daumen anzublättern, liebevoll über den hoffentlich irgendwie geprägten Einband zu streicheln? Nein, natürlich nicht. Ich liebe Bücher. Aber, manchmal, in bestimmten Situationen, in den unbequemen Falten des Alltags, da findet man plötzlich ein ebook in einer unerwarteten Ecke und es ist hilfreich. Unfassbar.
Mein ebook also sieht ganz unspektakulär aus, es kann keine Farbe, es bleibt bescheiden schwarzweiß, ab und zu hängt es sich an den endlosen Buchstabenreihen auf, so dass ich es per Stecknadel und ein bisschen Vodoo neu starten muss. Der Akku ist nicht mehr der jüngste und behauptet ständig, er wäre erst fünfzig, dabei ist er schon neunundneunzig. Es muss hinten auf dem Rücken ständig meine Fingerabdrücke ertragen, obwohl ich hingebungsvoll an ihm herumwische, und in den Tiefen seines Speichers sind ein paar Umschlageinbände verschwunden, so dass es beim Schlafen nicht das gerade gelesene Buch anzeigt, sondern irgendeines, das schon gar nicht mehr in ihm ist. Man könnte sagen, es träumt von vergangenen Leben, und das wäre dann ja auch irgendwie richtig, oder?
Es ist mittlerweile nicht mehr ganz uptodate, obwohl es zum Zeitpunkt unseres schicksalhaften Zusammentreffens hip und auf der Höhe der Zeit war. Wie ich früher. Wir passen also wunderbar zusammen.
In meinen Besitz ist es gekommen, weil ich in einem Anfall von Entschlussfreudigkeit beschlossen habe, an der Technik des 21. Jahrhunderts nicht nur in Form von Handy und PC teilzunehmen, sondern auch mit einem ebook. Damals stellte ich mir aufgeregt vor, wie ich gelassen und tiefenentspannt mit einer tausend Bände umfassenden Bibliothek in der Bahn sitzen würde und niemals wieder in die schreckliche Lage kommen würde, nichts passendes zu lesen zu haben.
Mit nonchalanter Geste würde ich mein elegantes ebook aus der Tasche holen und anfangen zu lesen, während um mich herum alle in Verzweiflung angesichts wiederholter Bahnverspätungen ausbrechen würden. Tsja. Ich hatte nur nicht damit gerechnet, dass es mir überhaupt keinen Spaß machen würde, dauernd eine Unzahl von möglichen Büchern um mich herum zu haben und dass das ebook nach und nach zu einem nervzermürbenden Nervzwerg in der Tasche mutieren würde.
Scheinbar gehöre ich zu den Lesern, die lieber nur eine kleine Anzahl noch zu lesender Bücher um sich haben wollen und nicht tausende. Außerdem möchte ich sie selber aussuchen und sie mir nicht von einem Algorithmus vorschlagen lassen.
Was soll ich sagen, das ebook war beleidigt. Es beschloss, für ein paar Jahre in einer staubigen Schublade zu verschwinden und sich seinen Akku fast zu Tode zu grämen ob seiner plötzlichen Unbeliebtheit. Ich fühlte mich ein bisschen schuldig, hatte aber zu viel Freude an den Papierbüchern, bis, ja bis eines Tages ein Urlaub anstand, in den ich nicht die üblichen sieben Bücher mitnehmen konnte – das schreckliche Wort „Übergepäck“ schwebte im Raum. Und da kam mir das verschmähte ebook wieder in den Sinn. Ich holte es aus der Schublade, belebte den Akku wieder (der seitdem behauptet, erst fünfzig sein, aber schon 99 ist), lud etwa zwanzig Bücher drauf und nahm es mit auf große Reise. Plus zwei echten Papierbüchern, man weiß ja nie! Was, wenn das ebook mitten in der Auszeit beschlösse, nun sei es genug, und wenn man schon die Bühne verlassen müsse, solle man das möglichst spektakulär tun und die Leserin in der größtmöglichen Verzweiflung zurücklassen!
Was soll ich sagen, die Papierbücher habe ich umsonst mitgenommen, mein ebook versieht seitdem stoisch seinen Dienst, ab und zu muss ich es aus misslichen Lagen retten. Ich meine, wer will schon mitten in der schlimmsten Thrillerszene ewig festhängen? Nicht mal ein ebook, schätze ich. Und so nutze ich es für Ausflüge, Reisen und in Zeiten des großen C. (der schwarze Herr Covid) für die kontaktlose Ausleihe von Bibliotheksbeständen. Ich hoffe, es bleibt noch lange bei mir, wir sind ein gutes Team geworden, und ich würde es ungern missen.
Das war der Buchstabe E! Zimmerreise beendet, und wenn mein ebook gerade nicht guckt, kann ich nun wieder die guten Papierbücher liebevoll in Händen halten… 😊

Ausgelesen: Als Larson das Glück wiederfand. Von Martin Widmark und Emilia Dziubak

Es gibt Bilderbücher und Bildbände, und dann gibt es noch die ganz, ganz wunderbaren Bilderbücher, bei denen man beim Ansehen denkt, oh meine Güte, wo könnte ich dieses Bild herbekommen, damit ich es rahmen, an meine Wand hängen und es dann jeden Tag etwa hundertmal ansehen kann? Zu diesen Bilderbücher gehört Als Larson das Glück wiederfand. Dieses Buch hat außerdem das große Glück, dass nicht nur die Illustrationen traumhaft schön sind, sondern auch der Text, und beides zusammen ergänzt sich, windet sich umeinander, beflügelt sich zur nächsten poetischen Seite, und so entsteht bei jedem Umblättern etwas Neues.

Wir lernen Larson kennen, einen grantigen, einsamen alten Herrn, der sich tief in sich zurückgezogen hat. Seine Frau ist gestorben, seine Kinder wohnen woanders und er trauert. Sein Haus trauert mit ihm und träumt von vergangenen, helleren Tagen.

Zeichnungen und Text spielen miteinander, was der Text nicht sagt, zeigen die Bilder, was die Bilder nicht sagen können, erzählt der Text. Ich habe selten etwas schöneres gesehen.

Dann wird Larson gestört. Wer wagt es, ihn in seinem selbstgewählten Exil zu stören? Vor der Tür steht ein kleiner Junge, der ihm einen Blumentopf in die Hand drückt und ihn bittet, sich um ihn zu kümmern, während er im Urlaub ist. Dann verschwindet er und lässt Larson mit dem Topf voller Erde zurück, der jeden Tag gegossen werden muss. Larson ist nicht begeistert, aber gegossen werden muss der Topf ja nun. Der Junge wäre sonst traurig, und das geht nicht, das erklärt sich von selbst.
Während Larson die Erde gießt, ändert sich etwas. Vielleicht gießt er auch sich selbst, auf jeden Fall öffnet er die Fenster und lässt Licht und Luft in sein Haus. Er fängt an, aufzuräumen und die Fenster zu putzen, und während die kleine Blume wächst, kommt sein Kater zurück und Herr Larson vergisst zum ersten Mal, seiner toten Frau Gute Nacht zu sagen.

Als der kleine Junge aus dem Urlaub zurückkommt, blüht nicht nur seine Blume, sondern auch Larson, und eine der schönsten Geschichten über Trauer und das Zurückkommen ins Leben, die ich je gelesen habe, ist zu Ende. Unaufdringlich, leise erzählt, bildgewaltig und gleichzeitig hochemotional – ich bin sogar beim Schreiben dieses Textes wieder gerührt. Sehr große Empfehlung für alle, die schöne und gut gemachte Bücher lieben, und auf gar keinen Fall nur für Kinder.

Ausgelesen: Gefrorener Schrei. Von Tana French.

Eine Ermittlerin, die in ihrem eigenen Revier gemobbt und sabotiert wird, ein Fall, in dem wenig so ist, wie es anfangs scheint, Dublin als Spielort – da kann doch eigentlich nicht viel schiefgehen, wenn man Kriminalromane mag, oder?

Naja. Vielleicht doch. Ich habe eigentlich nichts gegen detailreiche Charakterstudien, in der Regel mag ich sie lieber als die Krimihandlung an sich, aber dieses Buch treibt es auf die Spitze. Im Prinzip geht es seitenlang um das komplizierte Innenleben der Ermittlerin, die sich permanent von allen verfolgt fühlt und sich dementsprechend verhält, von Seite zu Seite paranoider wird und zum Schluss nicht einmal mehr ihrem Partner vertraut. Der Fall dient als Aufhänger, was schade ist, denn er ist sehr schön aufgebaut, hübsch kompliziert verpackt und wie immer hatte ich bis fast zum Schluss keine Ahnung, was da läuft, aber das ist normal, weil ich die schlechteste Ermittlerin aller Zeiten bin und auch bei Fernsehkrimis nie weiß, wer es war. Also zum Schluss dann schon, nach der Aufklärung. 🙂

Hier aber gerät der Fall in den Hintergrund, manchmal fragt man sich zwischendurch, worum ging es da noch gleich? Erschwerend kommt hinzu, dass mir die Ermittlerin höchst unsympathisch war und im Laufe des Buches immer noch unsympathischer wurde. Allerdings ist das Geschmackssache, würde ich vermuten. Trotzdem habe ich mich bis zur Mitte des Buches durchgekämpft, weil es sehr gut geschrieben ist und ich immer gehofft habe, irgendwann würde die Verfolgungsparanoia weniger werden, aber so war es nicht. Ab der Mitte habe ich großzügig geblättert und bin dann am Ende bei der Aufklärung noch einmal hängengeblieben (typisch, ich hatte mal wieder keine Ahnung!). Und dann war ich ein wenig erleichtert, dass ich es durch hatte. Was wirklich schade ist, denn Tana French kann wirklich schreiben, aber dieser Plot war nicht meiner. Vielleicht beim nächsten Buch wieder.

Und übrigens habe ich mal wieder keinerlei Ahnung, was Titel und Cover mit der Geschichte zu tun haben könnten. Nichts, wie ich vermute.

Ausgelesen: Sporen und Comeback. Von Dick Francis.

Ach ja, ich bin voreingenommen. Tut mir leid, ich kann nicht anders. Ich mag Dick Francis einfach, selbst wenn seine Romane Schönheitsfehler haben. In Comeback geht es um eine Tierarztpraxis, die in argen Schwierigkeiten steckt, als mehrere Pferde bei Operationen sterben. Ein Arztfehler? Oder Manipulation? In Sporen geht es um einen Pferdespediteur, der Rennpferde zu europäischen und britischen Rennplätzen transportiert. Die Fahrer dürfen keine Anhalter mitnehmen, aber dann… dann tun sie es doch, und das ist der Anfang vieler Probleme.

Wie immer lässt Dick Francis seine Ermittler in der Ich-Form erzählen und enthüllt nur langsam ihre Beweggründe und charakterlichen Eigenarten. Liebe kommt nur in sehr reduzierter Form vor, in der Hauptsache geht es um das Milieu, um Pferde, den Fall und den Ich-Erzähler. Sehr beruhigend, in diesen beiden Fällen manchmal etwas zu beruhigend, aber wie ich oben schon sagte: Ich kann nichts dafür. Ich bin parteiisch bei Dick Francis.

Ausgelesen: Der Zopf. Von Laetitia Colombani.

Dieses Buch habe ich überall in den Buchhandlungen herumliegen sehen und es wurde sogar kurz in meinem Schreibkurs angesprochen. Dann bekam ich es ausgeliehen.

Die Inhaltsangabe des Verlags:

„Die Lebenswege von Smita, Giulia und Sarah könnten unterschiedlicher nicht sein. In Indien setzt Smita alles daran, damit ihre Tochter lesen und schreiben lernt. In Sizilien entdeckt Giulia nach dem Unfall ihres Vaters, dass das Familienunternehmen, die letzte Perückenfabrik Palermos, ruiniert ist. Und in Montreal soll die erfolgreiche Anwältin Sarah Partnerin der Kanzlei werden, da erfährt sie von ihrer schweren Erkrankung.
Ergreifend und kunstvoll flicht Laetitia Colombani aus den drei außergewöhnlichen Geschichten einen prachtvollen Zopf.“

Tja. Was soll ich sagen? Meins war´s nicht. Ich fand die drei Geschichten jede für sich nicht schlecht, wenn sie auch ziemlich gestrafft und mit wenig Zeit für die einzelnen Figuren geschrieben wurden. Das zusammenflechten der Geschichten gefiel mir nicht, der Faden, der alles verbindet, ist mir zu dünn. Es hat sich mir nicht erschlossen, was genau der Reiz daran sein soll, einen zerhackten Text zu lesen, der nur dadurch zusammengehalten wird, dass alle drei Protagonistinnen Frauen sind und sich die Haare teilen. Das scheinen Millionen Leser anders zu sehen, aber man soll ja zu seinem eigenen Standpunkt stehen. Was ich hiermit tue. Viel Freude allen anderen, die das Buch lesen und es mögen.

Ausgelesen: Der Hut des Präsidenten. Von Antoine Laurain.

Als Präsident François Mitterrand seinen Hut in einer Brasserie vergisst, kann Daniel es kaum glauben: Der Hut des Präsidenten! Er nimmt all seinen Mut zusammen, lässt ihn mitgehen und ab diesem Zeitpunkt geschehen seltsame und wunderbare Dinge. Daniel erhält seinen lange überfälligen Karrieresprung, der Hut wandert weiter und beendet eine einseitige Liebesgeschichte, ein Meisterwerk wird geschaffen und ein Leben verwandelt. Alles wegen eines Hutes.

Damit ist auch schon alles gesagt. Der Roman ist nicht sonderlich umfangreich, es sind vier oder sogar fünf Geschichten, wenn man es genau nimmt, da bleibt nicht viel Zeit für tiefsinnige Gedanken oder Entwicklungen. Ein amüsanter Zeitvertreib für einen Nachmittag, wenn man nicht viel denken möchte, sehr französische Leichtigkeit des Seins und dann kann man es getrost dem nächsten Leser übergeben und sich anderen Dingen zuwenden.

Ausgelesen: Odinskind, Fäulnis, Gabe: Die Rabenringe. Von Siri Pettersen.

Hier kommt ein Sommerpausentipp für Fantasysüchtige, die detailreich gestaltete Welten lieben, sich gern Zeit beim Lesen lassen und es  mögen, wenn die Figuren auch Zeit zum Entwickeln haben. Voilà: Die Rabenringe.

Hirka wächst in Ymsland auf, einer Welt, die entfernt an nordische Sagen erinnert. Mit fünfzehn erfährt sie, dass sie ein schwanzloses Wesen aus einer anderen Welt ist, ein Odinskind, das Verderben über ihre Welt bringen wird. Oder?

Die Saga ist voluminös geschrieben, die Sprache spielt mit einen leichten Schlag ins Altertümliche, das gut zur Geschichte passt und ist sehr flüssig lesbar. Dem Weltpersonal wird viel Zeit gegeben, sich zu entfalten und zu wachsen oder sich zu verändern, die Buchwelt (bloß nicht zuviel verraten!) ist bis ins kleinste Detail perfekt ausgestaltet, die Idee hinter allem keine Enttäuschung und sie wird auch nicht zu schnell preisgegeben – kurzum: Wer Fantasyromane wegen all dieser Dinge mag, ist hier sehr gut bedient und kann eine ganz Weile komplett in Ymsland untertauchen.

Das einzige, was mir nicht gefallen hat, sind die Titel und die Umschlagillustrationen. Ich hätte die Bücher nicht gelesen, wenn sie mir nicht förmlich aufgedrängt worden wären mit dem Hinweis: Musst du lesen! Tja. Da hätte ich was verpasst.