Ausgelesen: Frag nicht nach Sonnenschein. Von Sophie Kinsella.

Katie Brenner will unbedingt in London leben – dort ist das Leben, die Action, die Zukunft – alles. Also legt sie ihren ländlichen Dialekt ab, legt sich einen anderen Vornamen zu und betritt als Marketingassistentin die erste Stufe zum beruflichen Erfolg. Leider ist diese erste Stufe steil und rutschig, ihre Chefin entpuppt sich als Tyrannin und dann verliebt sie sich auch noch in Alex – die Affaire ihrer Chefin…

Einige von Sophie Kinsellas Romanen mag ich, andere eher weniger. Dieser hier ist unterhaltsam, ganz lustig, aber mehr nicht. Die Entwicklung einzelner Figuren im Roman ist ein klein wenig seltsam (um es vorsichtig auszudrücken), an manchen Stellen gnadenlos übertrieben. Vieles ist sehr gelungen, die Autorin kann einfach gut schreiben, aber alles in allem: Durchschnittskost. Nett, wenn man mit einem fiesen Schnupfen auf der Couch festhängt und sich auf mehr einfach nicht konzentrieren kann.

Ausgenossen: Monat für Monat. Gedichte.

Ach ja, Gedichte. Komprimierte Schönheit auf kleinem Raum. Oder auch Wut, Liebe, Leiden, Freude, Erinnern, Sehnen in Ein-Raum-Kammern. Gedichte laufen nicht aus wie manche Geschichten, sie begrenzen sich freiwillig, und je mehr man weglässt, desto besser werden sie. Wenn man nichts mehr weglassen kann, dann sind sie so, wie sie sein wollen – kleine Pfeile, die treffsicher ihr Ziel finden, wenn sie für uns bestimmt sind.

In diesem Reclam-Bändchen sind viele von ihnen versammelt, alte und neue Dichter treffen sich auf einen kleinen Plausch, das sechzehnte Jahrhundert steht neben dem zwanzigsten, und alle haben ihren Raum, ihre Worte, ihre Ziele. Zusammen wandern sie durch das Jahr, der Frühling wird bejubelt, der Sommer gefeiert, im Herbst regiert die große Melancholie und der Winter ist ein kalter König, dem man mit Wörtern aus Licht begegnet.

Das Buch hat mich das ganze letzte Jahr begleitet, und dafür, dass es ein Zufallsfund an der Kasse eines Buchladens war, ist es mir sehr ans Herz gewachsen. Mit Kurt Tucholsky endet dieser Blogeintrag:

Nicht! Noch nicht!

Ein leichter Suff umnebelt die Gedanken.
Verdammt! Der Frühling kommt zu früh.
Der Parapluie
steht tief im Schrank – die Zeitbegriffe schwanken.

Was wehen jetzt die warmen Frühlingslüfte?
Ein lauer Wind umsäuselt still
mich im April –
die Nase schnuppert ungewohnte Düfte.

Du lieber Gott, da ist doch nichts dahinter!
Und wie ein dicker Bär sich murrend schleckt,
zu früh geweckt,
so zieh ich mich zurück und träume Winter.

Ich bin zu schwach. Ich will am Ofen hocken –
die Animalität ist noch nicht wach.
Ich bin zu schwach.
Laternenschimmer will ich, trübe Dämmerung und dicke Flocken.

Ausgelesen: Aquila. Von Ursula Poznanski.

Ab und an braucht man einen guten Psychothriller, und nun war es Zeit für einen: Aquila. Die Studentin Nika erwacht ohne Erinnerung an die letzten zwei Tage, auf dem Spiegel in ihrem Badezimmer stehen die Worte: „Letzte Chance“, ihre Mitbewohnerin ist verschwunden und in ihrer Tasche findet sie einen Zettel, auf dem rätselhafte Sätze stehen: “ Das Blut ist nicht deines. Du weisst, wo das Wasser am dunkelsten ist. Halte dich fern von Adler und Einhorn…“ Die Sätze sind in ihrer Handschrift verfasst, aber sie kann sich an nichts erinnern…

Ein gut geschriebener, solider Thriller, der seine Hauptdarstellerin durch Siena irren lässt und in dem nach und nach eine unglaubliche Geschichte an die Oberfläche kommt. Sehr spannend, eine wirklich gute Idee, und ich habe es mehr oder weniger in einem Rutsch durchgelesen – durchgerast trifft es besser. Perfekt wäre das Buch, wenn man selber gerade im Urlaub in Siena ist, dann könnte man die Wege, die Nika mal gehend, mal rennend oder fahrend zurücklegt, nachverfolgen. Ich glaube, das würde sich sehr lohnen. Also – eine Urlaublektürenempfehlung!

Ausgelesen: Die unsichtbare Bibliothek, Die maskierte Stadt, Die flammende Welt. Von Genevieve Cogman.

Im riesigen Kosmos der Fantasy-Literatur (jaha, das IST Literatur!) etwas wirklich Neues zu schaffen, ist schwierig. Die meisten Bücher sind Variationen über dieselben Themen und bedienen sie mehr oder weniger gekonnt. Ich lese all die Variationen sehr gerne und beschwere mich nicht, ich bin ja froh, dass die Fantasy-Sparte aller möglichen Verlage in den letzten Jahren zu völlig neuer Blüte gekommen ist. Ob man Edward und Bella und Twilight nun mag oder nicht, das zumindest haben sie dankenswerterweise verändert.

Aber diese drei Bände hier, die haben etwas Neues geschaffen. Ein wagemutiger Genremix aus Krimi, Fantasy, Science Fiction, Steampunk, Actionthriller – alles zusammen ergibt eine neue Welt, nein, viele neue Welten mit einer Bibliothek als Zentrum, die ebenfalls eine eigene, undurchschaubare Welt ist, bewohnt von sehr besonderen Menschen – den Bibliothekaren. Es ist, als hätte jemand die geheimsten Wünsche von unzähligen Lesern genommen, sie mit beiden Händen durchgeknetet, in die Luft geworfen und das hier daraus gemacht: Eine Welt, in der Bücher so wichtig sind, dass Geheimagenten nach ihnen suchen, sich dafür in Lebensgefahr begeben und ihr ganzes Leben diesem bedruckten oder beschriebenen Papier widmen.

Irene Winters, die Hauptfigur in den Büchern, ist ebenfalls besonders. Stark, mutig, unerschrocken, unabhängig. Sie ist Bibliothekarin mit Leib und Seele, und weder Elfen, Werwölfe, Drachen oder Menschen bringen sie davon ab, das zu tun, was das beste für die Bibliothek ist, und das ist, von dort aus immer wieder in verschiedene Parallelwelten zu reisen, um wichtige Bücher zu sichern. Die Bewohner der Welten und die Welten selbst sind erfrischend kantig, oft ist eine große Prise Steampunk eingestreut, was mich immer sehr erfreut, denn ehrlich, wer kann Zeppelinen und Gaslichtlampen schon widerstehen? Auf jeden Fall gibt es keinerlei Blumenwiesen mit glitzernden jungen Männern in diesen Büchern, es herrscht eher raue Realität mit gelegentlichem Werwolfbefall vor, und ich vermute, die Autorin ist Sherlock Holmes-Fan, denn eine alternative Version des Detektivs spielt eine zunehmend größere Rolle in den Fällen der Irene Winters.

Es spricht auch für die Geschichte, dass mich die nicht besonders gelungene Übersetzung des ersten Bandes nicht abschrecken konnte. Seltsame Satzkonstruktionen, holprige Übergänge, es hat mich überrascht, dass ein Buch so in Druck gehen kann. Ab Band zwei gibt es damit keine Probleme mehr, was seltsam ist, denn es ist derselbe Übersetzer. Vielleicht war Band eins im Original wirklich so schlaglochartig geschrieben – wer weiß.

Ich bin sehr gespannt darauf, wie es weitergeht. Band 4 erscheint am 29. März, und ich werde es wohl sofort erwerben. Und das passiert eher selten, Bücher haben ja normalerweise nicht die Eigenschaft, wegzulaufen – irgendwann findet man sie in einem Regal und liest sie dann. Dieses Mal nicht!

Ausgelesen: Herbst in den Weiden. Von William Horwood.

Dieses Buch war gar nicht meins, und ich finde das sehr schade, denn vor einigen (ich fürchte, vor vielen) Jahren habe ich Winter in den Weiden vom selben Autor gelesen und war sehr angetan. Winter in den Weiden habe ich gekauft, nachdem ich das Original von Kenneth Grahame, Der Wind in den Weiden, in der Übersetzung von Harry Rowohlt in einer Buchhandlung „gefunden“ hatte, mich verliebt habe und dann auf der Suche nach mehr war. Die Fortsetzung des englischen Klassikers von William Horwood umfasst einige Bände, aber wir werden wohl keine großen Freunde mehr werden.

Der Herbst in den Weiden war mir zu langatmig, es geht überhaupt nicht voran, Neues kommt wenig dazu, das Buch ruht sich auf den Motiven der vorherigen Romane aus und wälzt sie platt. Es gibt einige schöne Passagen, die Leben und Atmosphäre haben, aber auf die Länge der insgesamt 315 Seiten waren das dann doch zu wenige. Zum Ende des Buches hin geht es um Abschied, das Älterwerden und ich werde das Gefühl nicht los, dass der Autor eigene Erfahrungen verarbeitet hat. Was ja nicht schlecht sein muss, aber hier war das für mich zu viel Melancholie auf einmal. Vielleicht erlebe ich gerade auch zu viel davon um mich herum, da braucht es das nicht auch noch in Buchform.

Dieses Buch wird weiterwandern!

Dieses hier übrigens auch. Man soll einfach nicht versuchen, sagenhafte Leseerlebnisse aus der Kindheit zu wiederholen. Also, zumindest nicht alle. Bei diesen Buch von Wolfgang Ecke konnte ich mich einfach nicht wehren: Es lag einfach so herum in einer Büchertauschkiste. Da musste ich es einfach retten. Nun ja. Es wird zurück in die Kiste wandern. 🙂

Ausgelesen: Das Lied des Quarktiers. Von Jasper Fforde.

England in der heutigen Zeit, aber in einer anderen Welt: Die Ununited Kingdoms sind eine Ansammlung von kleinen Feudalstaaten mit überwiegend despotischen Herrschern, die höchst seltsame Vorlieben pflegen. Die Zauberer haben einen Großteil ihrer Kräfte verloren und versuchen, sich mit den Resten ihrer Magie irgendwie durchzubringen, sei es durch völlig verrätselte Zukunftsvorhersagen oder das Ausliefern von Pizza mittels mottenzerfressenem, fliegendem Teppich.

Jennifer Strange, Waisenkind, 16 Jahre alt, ist alleinige Managerin von Kazam, einer Zaubereragentur, die magische Dienste vermittelt und in einem mehrstöckigen ehemaligen Hotel residiert, das auch jede Menge Zauberer in Rente beherbergt. In Band zwei versucht sie, den Allgewaltigen Blix, seines Zeichens mit Kazam konkurrierender Zauberer, daran zu hindern, alleiniger Hofzauberer von König Snodd zu werden und damit jede Menge Macht anzuhäufen. Dabei helfen ihr skurrile Gestalten, ein Quarktier, das als tot galt und Perkins, der seit Band eins versucht, ein Date mit ihr zu bekommen. Tragischerweise werden sie immer wieder daran gehindert, was Perkins aber keinesfalls entmutigt.

Band eins fand ich schon ganz wunderbar, witzig, voller wahnsinniger Ideen, trockenem Humor, sehr sympathischer Figuren voller Fehler und Unvollkommenheiten, kurz: Einfach extrem gut. Band zwei ist genauso wunderbar, es ist ein herrlicher Unsinn, der einen grinsen, erstaunt gucken und dann weiterlesen lässt. Die Bücher machen gute Laune, selbst dann, wenn man sich gerade in einem Stimmungsloch befindet. Der Autor schreibt mit leichter Feder wahnwitzige Handlungswendungen und lässt dazwischen immer wieder Seitenhiebe auf unsere realen Verhältnisse los, bei denen man kurz innehält, wieder grinst und weiterliest. Und das alles mit Hauptfiguren, die mutig sind und trotz widriger Umstände stoisch und unbeirrt weitermachen und für ihre Ideale einstehen. Ganz großes Kino. Ich lese schon Band drei (kleine Vorschau: Bisher genauso gut wie die ersten zwei!). Quark!

Ausgelesen: Im Herzen das Glück. Von Lucy Dillon

Ein Pärchen zieht aufs Land, um nach dem Tod des Vaters dessen altes Hotel umzubauen. Das gestaltet sich sehr viel weniger einfach, als es der erste Anschein vermuten lässt. Dann wird noch vor dem Hotel eine junge Frau angefahren und verliert ihr Gedächtnis. Seltsamerweise hat sie keine Ausweispapiere dabei, nur einen Zettel, auf dem die Adresse des Hotels steht. Und dann gibt es da noch den verlorenen Bruder…

Eigentlich hätte das ein dramatisches Buch werden können, mit bösen Schwiegermüttern, Gedächtnisverlust, Schulden, die über den Kopf wachsen, einem Hotelumbau, der grandios schief geht und mit einem melancholischen, selbstlosen Helden. Also Drama pur, quasi.

Aber da Lucy Dillon diesen Roman geschrieben hat, ist eigentlich alles ganz nett. Die Hauptfiguren sind sympathisch, die Schwiegermutter macht sich, irgendein Weg findet sich für jede Schwierigkeit und am Ende sind alle glücklich. Es ist eines dieser Bücher, die eine verborgene Wärmflaschenfunktion haben, nicht auf den ersten Blick erkennbar, aber sobald die ersten zwanzig Seiten gelesen sind, weiß man es. Wer dringend einen Wohlfühlroman fürs Wochenende braucht, ist hier gut bedient!