Ausgelesen: Talon. Drachenzeit. Von Julie Kagawa.

In diesem Buch ist es mal andersherum: Hier verwandeln sich Menschen nicht in Drachen, sondern Drachen in Menschen. Nachdem die Menschen durch ihre zahlenmäßige Überlegenheit die Drachen fast ausgerottet hätten, haben diese gelernt, sich zu tarnen und menschliche Gestalt anzunehmen, um nicht aufzufallen. Gelenkt werden die Drachen von einer geheimen Talon-Organisation, in der jeder Drache nach einer Ausbildung seinen Fähigkeiten entsprechend eine bestimmte Rolle zugewiesen bekommt. Hauptaufgabe ist die Verteidigung gegen den Geheimorden St. Georg, der Drachen aufspürt, jagt und tötet.

Ember Hill ist ein Drache und in Ausbildung, und so wie es aussieht, hat sie einen Volltreffer gelandet: Kalifornien, Meer, Strand, Sonne und gutaussehende Jungs – was will man mehr? Ein letzter Sommer, in dem sie machen kann, was sie will, bevor sie ihre Aufgabe zugewiesen bekommt. Dann lernt sie Garrett kennen, und was sie nicht weiß: Er ist ein Krieger des St. Georg-Ordens…

Ein Teenie-Roman mit allen Zutaten, die diese Bücher erfolgreich machen: Junge, hübsche Heldin mit besonderen Fähigkeiten, gutaussehende Jungs mit emotionalen Defiziten, die durch die Heldin geheilt werden und ihre Prinzipien über Bord werfen. Dazu wird gesurft, die Sonne scheint, es gibt ein oder zwei unwichtige Alibi-Nebenfiguren und ein oder zwei Figuren, die Potential haben für eventuelle nächste Bücher. Ich vermute, wenn ich das Buch geschüttelt hätte, wäre unten ein bisschen Strandsand herausgerieselt und Sonnencremegeruch hätte sich verbreitet. Soweit ganz ok, meins war es nicht so ganz, aber das macht nichts, schließlich bin ich auch nicht die Zielgruppe. Die dürfte erheblich jünger und begeistert von dem Buch sein 🙂 .

Ausgelesen: Gläsernes Schwert. Von Victoria Aveyard.

Eine Welt, in der Menschen mit silbernem Blut und besonderen Fähigkeiten die Menschen mit rotem Blut ohne Fähigkeiten beherrschen und unterdrücken. Dann kommt ein Mädchen, das anders ist: Sie hat rotes Blut und trotzdem besondere Fähigkeiten. Damit ändert sich alles in dieser Welt.

Damit ist das Handlungskonzept hinreichend umschrieben, würde ich sagen 🙂 . Dieses Buch ist Band 2 der Reihe, insgesamt gibt es drei. Band eins hat mich umgehauen. Gut geschrieben, realistische und detailreiche Beschreibungen einer dystopischen Welt lange nach uns, und, was ungewöhnlich ist, mit viel Politik und der Einsicht, dass schwarz-weiß zwar hübsch einfach ist, meist aber nicht funktioniert. Dazu eine starke Heldin mit Schwächen, schön böse daherkommende Schurken, viel Heldenmut in aussichtslosen Situationen und differenzierte Nebencharaktere – was will das Leserherz mehr?

In Band zwei gibt es noch mehr Politik, jede Menge verschiedene Seiten mit jeweils eigenen Plänen und versteckten Absichten und eine Heldin, die über den Ereignissen in Band eins hart geworden ist. Es zieht sich an manchen Stellen etwas und man merkt doch recht deutlich, dass dieses Buch hier ein Zwischenstück ist – gut geschrieben, aber der Höhepunkt kommt (hoffentlich) in Band drei. Ich muss zugeben, es ging mir etwas auf die Nerven, wenn Mare, die Heldin, etwas zu sehr in Selbstmitleid zerfloss und sich nicht entscheiden konnte, aber der Schluss macht das wett. Vier von fünf Punkten!

Ausgelesen: Lautlose Nacht. Von Rosamund Lupton.

„@Words_No_Sounds
650 Follower
AUFREGUNG: Schmeckt wie bitzelndes Brausepulver, fühlt sich an wie das Hups-Rumms, wenn ein Flugzeug aufsetzt, und sieht aus wie die große, flauschige Kapuze von Dads Inupiaq-Parka.“

Es ist kalt in diesem Buch, sehr, sehr kalt. Yasmin ist mit ihrer zehnjährigen Tochter Ruby von London nach Alaska geflogen, um ihren Mann zu besuchen. Er ist Tierfilmer und will in der Schneewüste am Polarkreis das Leben in der ewigen Nacht filmen, die dort ein halbes Jahr dauert. In Alaska angekommen, erfährt Yasmin, dass Matt bei einem Brand in einem kleinem Dorf ums Leben gekommen sein soll. Sie kann das nicht glauben, und ohne ihrer Tochter davon zu erzählen, beschließt sie, trotz zweistelliger Minusgrade, Schneestürmen und Dunkelheit dorthin aufzubrechen, um ihn zu suchen. Ruby ist taub und kommuniziert mit Vorliebe über ihr Notebook, dass ihr Vater ihr geschenkt hat. Sie nutzt sämtliche Technikvorteile, die solch ein Gerät mit sich bringt und twittert ihre Sicht der Welt und ihre Definition von für sie nicht hörbaren Worten. Yasmin dagegen würde das Notebook am liebsten zerstören, denn sie möchte, dass ihre Tochter ihre Stimme nutzt und sich der Welt der Sprechenden anpasst.

Es ist reiner Irrsinn, was Yasmin sich und ihrer Tochter zumutet, denn nach Anaktue kommt man nicht mal eben mit dem Bus oder dem Flugzeug. Das Innuit-Dörfchen liegt abseits sämtlicher Straßen und der Wetterbericht sagt einen gigantischen Schneesturm voraus, aber Yasmin lässt sich nicht beirren. Unbeirrt bahnt sie sich ihren Weg, und als sie dafür einen Truck stehlen muss, den sie dann selber weiterfährt, tut sie das. Auch, als sie einen Verfolger hinter sich bemerkt, der nie näher kommt, aber auch nie verschwindet, kehrt sie nicht um, und ab einem bestimmten Punkt gibt es dann keine Möglichkeit zur Umkehr mehr.

Die klaustrophobische Enge des kleinen Führerhauses könnte erdrückend wirken, aber zum einen werden immer wieder kurze Rückblenden in das familiäre Leben vor der Alaska-Reise eingestreut, zum anderen wechselt die Erzählperspektive zwischen Ruby und Yasmin ständig hin und her. So entsteht ein eigener kleiner Kosmos, in dem der Vater und Ehemann trotz seiner Abwesenheit nie weit entfernt ist. Ruby vergöttert ihren Vater, der sie ermuntert hat, ihre eigene Stimme in der Welt der Sprache zu finden, abseits vom reinen gesprochenen Wort. Yasmin schwankt zwischen Liebe, Eifersucht, Wut und Sorge, und genauso extrem wie ihre Gefühle ist das Wetter. Es schneit, stürmt, hagelt und ist mit minus 40 Grad so kalt, dass die Luft aus Glassplittern zu bestehen scheint, wie Ruby gleich zu Beginn des Buches erzählt. Manchmal könnte man anfangen zu zweifeln an der Geschichte, zu abwegig erscheint es, dass eine Mutter ihre Tochter freiwillig in solch ein Szenario hineintreibt, aber Rosamund Lupton hält die Spannung aufrecht, bis die Geschichte sich zum Schluss hin öffnet in einen weit größeren Kontext als nur die Suche nach einem geliebten Menschen. Eisig sind die Konsequenzen und die Fragen, die sich hier auftun angesichts von unermesslichen Rohstoffvorräten im Boden des Polarkreises. Zum Schluss noch einmal Ruby:

„@Words_No_Sounds
650 Follower
ANGST: Sieht aus wie ein Schachbrett mit hin und her springenden Feldern, fühlt sich zitternd und schweißig an, schmeckt wie Prickel-Eis.“

Ausgelesen: Das unerhörte Leben des Alex Woods. Von Gavin Extence.

Letztes Jahr habe ich zwei dieser kleinen Leseprobenhefte geschenkt bekommen, und wisst ihr was? Sie haben ihren Lebenssinn erfüllt, ich habe nämlich beide Bücher gekauft. Eins davon ist „Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat“. Es versteht sich von selbst, warum dieser schlangenähnliche Titel nicht komplett in die Überschrift gepasst hat :).

Alex Woods ist ein besonderes Kind, und das war er auch schon, bevor er im Badezimmer von einem Meteoriten am Kopf getroffen und k.o. geschlagen wird. Er hat andere Interessen als seine Mitschüler, ist an Zahlen, Daten und Fakten interessiert und will alles immer ganz genau wissen. Wissenschaftliches Denken ist ihm angeboren, und das macht das Leben mit einer hellseherisch engagierten Mutter nicht immer ganz einfach, aber sie haben sich gern und arrangieren sich.

Nachdem der Meteor ihn für alle Zeiten zu einem wirklich außergewöhnlichen Jungen mit einer Narbe am Kopf gemacht hat, wird die Schule schwierig für ihn. Außerdem bekommt er epileptische Anfälle, vermutlich verursacht durch den Aufprall des Meteoriten, was ihn für seine Mitschüler zu einem noch lohnenderen Ziel formt. Und so kommt es, dass er auf der Flucht vor Mitschülern im Garten von Mr. Peterson landet, dabei eine Hecke und ein Gewächshaus zerstört, sich entschuldigen muss und in der Folge Wiedergutmachung in Form von Hilfsdiensten bei Mr. Peterson leisten muss. Und damit beginnt eine wahrhaft ungewöhnliche, wunderbare Freundschaft.

Diese Freundschaft und die Figur des Alex Woods haben den Roman für mich lesbar gemacht. Wer wünscht sich das nicht, eine Freundschaft, die durch alle Höhen und Tiefen hindurch nie aufgegeben wird, die den anderen bis in den Tod begleitet – glücklich, wer solche Freunde hat. Und Alex Woods hat durchaus heldenhafte Züge, sie sind zwar gut versteckt unter seinen besonderen Eigenarten, aber vorhanden. Treu, ehrlich, intelligent ist er auch – was will man mehr? Nichtsdestotrotz bin ich sehr zwiegespalten, denn auf der einen Seite ist das ein gut geschriebenes Buch mit Botschaft, aber auf der anderen Seite ist genau das mein Problem. Ich mag es nämlich nicht, wenn mir von hinten durch die Brust ins Auge eine Botschaft beigebracht werden soll. Im ersten Drittel geht das Buch um Alex, im zweiten Drittel um Alex und Mr. Peterson und ihre Weltsicht, im letzten Drittel wird es zu einem Buch, das vehement für Sterbehilfe wirbt. Und da bin ich wirklich zerrissen. Eigentlich bin ich der Meinung, dass das Leben jedes einzelnen Menschen kostbar ist und nicht freiwillig aufgegeben werden sollte, denn jeder hat nur eins davon. Aber andererseits sehe ich auch, dass es Situationen und Krankheiten gibt, die niemand ertragen müssen sollte. Auf der einen Seite denke ich, es gibt gute Gründe, warum in vielen Ländern Sterbehilfe verboten ist. Auf der anderen Seite sollte aber jeder das Recht haben, sein Leben in Würde zu beenden, wenn er das so will. Andererseits: Kann man wirklich bei allen Menschen, die diesen Wunsch haben, sicher sein, dass sie nicht von anderen beeinflusst wurden und sich ohne diesen Einfluss nicht vielleicht doch anders entschieden hätten? Letztlich weiß man es nicht, aber sicher ist, dass Entscheidungen für oder gegen etwas viel leichter fallen, wenn man nicht selber betroffen ist. Wenn es einen dann selber trifft, sehen die Dinge wieder ganz anders aus. Es ist ein endloses Thema, bei dem es keine Verallgemeinerungen geben sollte – jeder Mensch ist sein eigenes Universum, hat seine eigene, ganz persönliche Geschichte und Gründe, von denen nur er weiß.

Ich bin wirklich zwiegespalten. Und ich habe ein Unbehagen empfunden, als ich das letzte Drittel des Romans gelesen habe, das nicht mehr verschwand. Es ist konsequent aus der Sicht eines Befürworters geschrieben. Mr. Peterson hat die Art von Krankheit, bei der alle zustimmen würden, dass ein Leben damit schrecklich wäre, ich sehe das genauso. Alex ist die Art von Helfer, dem man keinerlei Eigennutz unterstellen würde, er ist selbstlos, ein großartiger Freund in der Not, viel erwachsener als andere 17jährige Jugendliche in seinem Alter und praktischerweise hat er von Mr. Peterson Autofahren gelernt, so dass er ihn in die Schweiz in eine Sterbeklinik fahren kann. Beide glauben nicht daran, dass nach dem Tod noch etwas kommt, Religion ist kein Thema für sie. Die Mitarbeiter der Klinik in der Schweiz sind zu 100% reine Humanisten, was ja eigentlich etwas gutes ist, aber hier fügt sich alles dermaßen gut zusammen – das war mir einfach zu einfach.

An und für sich ist es ein gut geschriebenes Buch mit sympathischen Charakteren, leicht skurrilen Ereignissen, einer konsequenten Weltsicht mit ebenso konsequentem Ende. Das kann einem gefallen oder auch nicht, und ich fürchte, mir hat es nicht gefallen, vor allem, weil ich es nicht habe kommen sehen – das Buch fing harmlos an mit einer Geschichte um einen interessanten Außenseiter und arbeitete sich dann vor zu einem völlig anderen, sehr ernsten Thema, das mit dem Anfang des Buches nicht mehr viel zu tun hatte. Viele Handlungsstränge sind auf dem Weg zu diesem Thema auf der Strecke geblieben oder zu reinen Erfüllungsgehilfen hin zum eigentlichen Thema des Buches verkümmert. Mir sind schon öfter Bücher mit Botschaft begegnet, und mir ist immer lieber, ich weiß von Anfang an, was ein solches Buch von mir will. Dann kann ich frei entscheiden, ob ich es lesen möchte oder nicht, aber sich so anzuschleichen und mich hinterrücks zu überrumpeln? Naja.

Schade eigentlich. Alex Woods ist mir nach wie vor sehr sympathisch. Nur mit dem Autor, da fühle ich mich nicht wohl.

Ausgelesen: Der kleine Laden der einsamen Herzen. Von Annie Darling.

Ein Buchladen, der ausschließlich Liebesromane mit Happy End verkauft – was ist das denn für eine geniale Geschäftsidee? Ob das schon jemand umgesetzt hat? Also, ich wäre auf jeden Fall dafür!

Posy Morland, die Hauptfigur im Roman, hat es sich auf jeden Fall in den Kopf gesetzt, ihre geerbte, ziemlich am Boden liegende Buchhandlung komplett auf den Kopf zu stellen und mit diesem Konzept neu zu eröffnen. Dabei gibt es eine Menge Stolperfallen auf dem Weg zum Erfolg, sei es fehlendes Kapital, fiese Immobilienspekulanten oder die eigene Angst vor der Courage. Und auf welcher Seite steht eigentlich ihr alter Jugendfreund, der sie so gerne bis zur Weißglut ärgert? Das wird hier nicht verraten, nur soviel: Wenn man einen solchen Laden eröffnen will, kann man als Autor ja nicht gut seine Ideale verraten – oder?

Ein wirklich netter, sehr gute Laune machender Liebesroman für alle buchsüchtigen Romantikerinnen. Das Cover hält, was es verspricht, und hübsch geschrieben ist es auch noch. Was will man mehr? Diese Autorin behalte ich auf jeden Fall im Auge!

Ausgelesen: Die raunende Maske und Das flammende Phantom. Von Jonathan Stroud.

Jonathan Stroud gehört mit zu den besten Autoren für Jugendliteratur im Bereich Fantasy. Die Bartimäus-Reihe ist meiner Meinung nach unerreicht, nicht umsonst war sie sagenhaft erfolgreich im Buchmarkt. Hier nun haben wir Band drei und vier aus der Reihe um die Agentur Lockwood & Co, und auch hier gilt: Sagenhaft gut.

In London gibt es seit etwa 50 Jahren „das Problem“: Manche Verstorbene finden aus unerfindlichen Gründen nicht den Weg ins Jenseits, sondern bleiben in der Welt der Lebenden und machen ihnen das Leben schwer. Es gibt Geister verschiedener Stärke und Intensität, aber eins haben sie alle gemeinsam: Für Erwachsene sind sie unsichtbar. Allein die Kinder und Jugendlichen sind in der Lage, sie wahrzunehmen und demzufolge auch zu bekämpfen. Aus dieser Situation heraus ist ein völlig neues Arbeitsfeld entstanden: Agenturen mit Kindern und jugendlichen Angestellten, die die Geister vertreiben und dazu bringen, den letzten Schritt zu gehen. Geleitet werden die Agenturen natürlich von Erwachsenen, bis auf eine: Lockwood & Co. Und die Bücher beschreiben die Geschichte und Erlebnisse der Mitarbeiter dieser Agentur: Lucy Carlyle, George Cubbins, Anthony Lockwood und Holly Munro.

In Band drei und vier gibt es wirklich gut erzählte, schön schaurige Geschichten, die absolut gekonnt mit der persönlichen Geschichte der vier Mitarbeiter der Agentur gemischt werden. Die düstere Grundstimmung und die geheimnisvolle Londoner Parallelwelt bestimmen das gesamte Flair der Bücher, und am besten liest man unter einer Wolldecke auf dem Sofa, mit nicht zu wenig Licht in den Räumen. Beim Lesen habe ich manchmal gedacht, meine Güte, den armen Agenturmitarbeitern wird wirklich viel zugemutet, ob es die nächtlichen Arbeitszeiten sind, die fehlenden Familien oder die angsteinflößende Arbeit, die auch durch Hilfsmittel wie Eisenketten- und Späne oder Salz nicht ungefährlicher oder einfacher wird. Der Autor geht konsequent mit seiner Idee um, auch, wenn es dadurch keinerlei Gänseblümchen auf sonnenbeschienenen Wiesen gibt, sondern hauptsächlich Friedhöfe und unschöne Tode.

Wer ein bißchen Grusel und ungewöhnliche, gut erzählte und geschriebene Stories mag, sollte es mit diesen Büchern unbedingt mal versuchen.

Ausgelesen: Diverses aus März und April 2018

Es gibt Bücher, die einen packen, fesseln und begeistern. Dazwischen gibt es aber auch das sogenannte Lese-Ödland, eine leere, weite Fläche, in der ab und zu Bücher wie Inseln auftauchen, sich dann aber als zu klein, zu anders, zu seltsam, zu langweilig oder einfach als nicht passend herausstellen. Dann geht man weiter, immer in der Hoffnung auf die nächste, perfekte Bücherinsel.

In solchen Zeiten probiere ich gern mal etwas anderes aus, aktuelle Belletristik oder einen neuen Autor/Autorin. Manchmal sind es Entdeckungen fürs Leben, manchmal nicht. Und dann gibt es die Serien, zu denen man immer wieder zurückkommt, wie die hier zum Beispiel:

Leberkäsjunkie von Rita Falk. Ich mag den Eberhofer, mit all seinem Machismo und auch all seinen weichen Momenten. Dialekt lesen finde ich eigentlich eher schwierig, in diesen Büchern ist er aber sehr ok, vermutlich auch, weil es eine extrem entschärfte Form ist, die von München bis Hamburg jeder versteht. Es ist Band sieben aus der Reihe, und der Franz ist etabliert in der Literaturszene, entweder man mag ihn oder man mag ihn nicht. Ich mag ihn und werde mir auch die nächsten beiden Bände auf jeden Fall vornehmen.

Sommer in St. Ives von Anne Sanders. Die Autorin kannte ich noch nicht, und aufmerksam geworden bin ich durch die Beschreibung als leichte Sommerlektüre. Mir war es etwas zu leicht, das Buch konnte mich leider nicht fesseln, und so bin ich ein bißchen unmotiviert zwischen den Seiten hin und her gehüpft. Die Geschichte ist nett, die zwei Ebenen hätte ich nicht gebraucht, es plätschert so vor sich hin. Schlecht ist das nicht, aber gepackt hat es mich leider auch nicht.

Eine treue Frau von Jane Gardam. Ja. Hm. Ich bin mir nicht sicher. Es ist wirklich, wirklich gut geschrieben, jeder Satz eine unerwartete Reise, nie weiß man, wo es hingeht, da stehen Worte und hinter den Worten liegen völlig andere Worte, die aber niemals aufgeschrieben werden. Ich nehme an, dass das großartige Literatur ist, nur: Ich lese aus anderen Gründen. Eigentlich. Eigentlich möchte ich gerne eintauchen in das Leben anderer und es verstehen und mitfühlen, dafür brauche ich aber eine ganz andere Art von Schreibstil. Und trotzdem. Es lässt mich nicht los. Ich habe es noch nicht ganz durch und ich vermute, ich werde weiterlesen – bis zum Schluss.

Lichterzauber in Manhattan von Sarah Morgan. Das ist einfach: Dunkler, geheimnisvoller, einsamer Mann (der dabei aber natürlich auch liebevoll, stark und zuverlässig ist), trifft auf liebevolle, helle, durchschaubare, quirlige Frau, die sich einsam fühlt, es aber eigentlich nicht ist (wenn man der Autorin und ihrer Beschreibung glauben darf). Ach ja, beide sehen super aus, wobei die Frau das über sich selbst nicht recht glauben kann und dem Mann sein Aussehen egal ist. Dazu nähert sich Weihnachten mit großen Schritten, es schneit,  sie haben unfreiwillig viel Zeit zu zweit und später kommt noch ein Hundewelpe ins Spiel. Tadaa! Happy End. Ab und zu ist so ein Buch wirklich nett, allerdings sollte man seinen Verstand während des Lesens nach Möglichkeit komplett ausschalten. Ich habe mich ab und zu dabei ertappt, wie ich „Ja, klaaaar!“ dachte. Und grinsen musste.

Cottage gesucht, Held gefunden von Susan Elizabeth Phillips: Im Prinzip dasselbe wie beim Lichterzauber oben, nur mit etwas mehr Umfang und mehr sprachlichen Details. Ansonsten genau das, was man bei dieser Autorin erwartet. Ich habe in einigen Kapiteln ein ganz klein wenig vorgeblättert, muss ich zugeben.

Drei Engel für Armand von Jim C. Hines. Märchen mal ganz anders! Hier ziehen Dornröschen, Schneewittchen und Aschenputtel los und holen den entführten Prinzen zurück, und das mit allen Kampftechniken, die einem einfallen. Das Buch trifft den locker ironischen Tonfall der Serie „Drei Engel für Charlie“ fast schon zu perfekt, manchmal hatte ich das Gefühl, gleich taucht irgendwo der Lautsprecher mit neuen Anweisungen auf. Das Buch ist reine Geschmackssache und recht weit vom Mainstream entfernt. Auch hier habe ich ein wenig vorgeblättert, aber im großen und ganzen war es nett.

Tja. Und nun? Nun warte ich auf das nächste Buch, das mir vor die Nase fällt und mich aus dem Lese-Ödland rettet!