Kleine Wochenendglücksliste

Glück ist:

  • Zeit haben und sich nicht langweilen
  • Schokolade zur rechten Zeit
  • Gäste einladen und Zusagen bekommen
  • Kindern zusehen und Zukunft riechen
  • am Straßenrand halten und nachdenken
  • Wörter erfinden und in die Welt entlassen
  • Herausforderungen annehmen und den ersten Schritt machen

… und eiskalte Erdbeerbowle könnte auch noch dazugehören, wenn ich so nachdenke…

Was wir alles nie erfahren werden

Was wir alles nie erfahren werden
oder: Das geheime Leben der Nachbarn

Als da wären:

  • die jährliche Anzahl der Schlafanzugtage
  • wie oft es kalte Pizza zum Frühstück gibt
  • wie viele „komm-gut-durch-den-Tag-Küsse“ verteilt werden
  • wer wen füttert und wie viel daneben geht
  • wo das geheime Schmuckversteck ist
  • wie viele belegte Brote gegessen werden, weil niemand Lust zum Kochen hat
  • wer wann die Nachbarn belauscht
  • wie schrecklich zäh das aus dem Fenster sehen und warten sein kann
  • wie laut das Vermissen in Räumen widerhallt
  • die Menge der geweinten nächtlichen Tränen
  • die Lautstärke der zugeschlagenen Türen
  • wie beängstigend dunkel Abhängigkeit sein kann
  • die Anzahl der Tage, die auf dem Sofa oder im Bett verbracht werden
  • wie viel Sport nicht gemacht wird
  • welche Menge an Schokolade spurlos verschwindet
  • wie oft die romantische Szene im Lieblingsfilm wiederholt wird
  • wie langsam stille Zeit vergeht, begleitet nur vom Ticken der alten Uhr
  • wie zärtlich das Foto des Ehemanns vorm Schlafengehen gestreichelt wird
  • dass die Katze doch ins Bett darf
  • wo es überall Platz für zwei gibt, wenn man frisch verliebt ist
  • wie viele Tagträume geträumt werden und was sie bewirken
  • wer wem die Socken anzieht
  • und wer wem beglückt alles andere auszieht

Was schön ist am Gedichteschreiben

eine Idee haben
sich mit ihr vertraut machen
staksige Versuche
alles verwerfen
neu anfangen
viel zuviel Text haben
streichen
unzufrieden sein
anders beginnen
Aufregung, wenn die Richtung klar wird
umstellen
streichen
Glückseligkeit, wenn (fast) alles stimmt
ruhen lassen
frühmorgens als erstes nach dem Text gucken
sich freuen
noch etwas streichen
vielleicht von vorn beginnen

Was mich gerade glücklich macht

  • ankommen
  • nicht allein ankommen
  • die 4,7 kg schwere Melone mitgenommen zu haben
  • nigelnagelneue Sandalen
  • Schmerztabletten
  • auf dem Land zu sein
  • ein kühler Seminarraum
  • Holzfußboden unter den Füßen
  • nachlassender Rückenschmerz
  • ein neues Schreibheft anfangen
  • langsam aufhören zu schwitzen
  • seltsame Wege meines Navis
  • alles neu gerade!

Glücklich sein

Und dann war es wieder da, dieses Gefühl von Glücklichsein, und das, obwohl der Tag nicht perfekt verlaufen war, nicht, wie er eigentlich nach meiner Vorstellung davon sein sollte, mit viel Zeit, Gelassenheit, einem Buch und genug Zeit, um gemütlich zu frühstücken. Stattdessen hatte der Tag viel zu früh angefangen, artete schon vor sieben Uhr morgens in Hektik aus, weil ich zu viele Dinge in zu wenig Zeit stopfen wollte, was natürlich nicht gelang, und während ich meine Tasche packte, zu heißen Tee trank und noch überlegte, welche Schuhe ich anziehe, klingelte es auch schon an der Tür. Überhaupt war ich ganz und gar im Zweifel, was die Pläne dieses Tages anging: Wollte ich das wirklich? Hatte ich nicht viel zu schnell zugesagt, im ersten Eifer nicht nachgedacht? Immerhin musste ich am nächsten Tag schon wieder arbeiten, sollte man da wirklich den ganzen freien Tag für andere verplanen?

Und dann passierte das, was mir häufiger passiert: Im Tun wurde alles immer besser. Und besser! Vielleicht ist das so, wenn man das macht, was einem wirklich gefällt: Singen. Schreiben. Zuhören. Gemeinsam arbeiten. Vögel belauschen. Eis essen mit Freunden ohne Sinn und Zweck. Das Tun steigt auf wie ein Vogel in die Luft, schwebt und fliegt und über allem liegt ein Glanz und man ist glücklich. Und der Schöpfer lächelt. Vielleicht sollte man viel öfter einfach tun ohne groß zu fragen, ob das denn auch sinnvoll, maßvoll und passend sei. Und dann sitzt man da, nach getanen Dingen, und guckt zu, wie das Glück aufsteigt, leicht wie eine Feder, geboren aus dem, was einen den Tag über erfüllt hat. Und draußen, gegenüber auf dem Dachgiebel, singt eine Amsel ihr Abendlied, das auch aufsteigt und sich mischt mit dem Glück. Braucht man mehr?

Vierundzwanzig Dinge, die mich erfreuen

  1. Der erste Schluck Tee am Morgen
  2. Erdnußbuttertoast mit selbstgemachter Marmelade
  3. Neue Deko, jahreszeitlich passend
  4. Fahrradfahren mit Handschuhen, Schal und Mütze und gefrierenden Atemwölkchen
  5. Nebel am Morgen
  6. Zehnminutennickerchen in der Mittagspause
  7. Licht
  8. Konzerte meiner Neffen auf dem Anrufbeantworter
  9. Kerzen
  10. Spürbare Anwesenheit Gottes
  11. Essen mit Freunden
  12. Ein Buch anfangen und nach fünf Seiten merken, dass es wirklich gut ist
  13. Ein Glas eiskaltes Malzbier
  14. Ausgewählte Bilderbücher (die Bilder! die Bilder!!)
  15. Der Abend vor dem ersten freien Tag
  16. Post
  17. Im Winter im beheizten Becken draußen schwimmen
  18. Durch erleuchtete Fenster spicken
  19. Gute Nachrichten von lieben Menschen
  20. Sonntagsnachmittags einschlafen auf dem Sofa
  21. Frische Bettwäsche am Abend
  22. Wieder einschlafen, nachdem man nachts raus musste
  23. Einen Adventskalender bekommen
  24. Das hier: Etwas schreiben.

Ach ja, und natürlich Adventskalenderanweisungen befolgen 🙂

ich freu mich

ich freu mich

mit einem RUMMS!
bin ich vorm platzen
voll mit glück
das rumpelt und hüpft
glubbert und zischt

das rinnt an mir hinauf und hinab
honigduftend
schmeichelwarm

innen durchglüht es
schokogolden
feuerzangenheiß
singend und knisternd
meinen seelenhain

breit macht sich das glück
schlägt kleine gänsehautwellen
in meinen bauchnabel
wallt in den haaren
kitzelt langfingrig
allüberüberall

in goldenem glirren
mit einem kichern löst es sich auf
lässt mich zurück
schlackrig
mit flattrigem haar
im nächsten atemzug
ein mundvoll goldstaub

ich freu mich