Was mich gerade glücklich macht

  • ankommen
  • nicht allein ankommen
  • die 4,7 kg schwere Melone mitgenommen zu haben
  • nigelnagelneue Sandalen
  • Schmerztabletten
  • auf dem Land zu sein
  • ein kühler Seminarraum
  • Holzfußboden unter den Füßen
  • nachlassender Rückenschmerz
  • ein neues Schreibheft anfangen
  • langsam aufhören zu schwitzen
  • seltsame Wege meines Navis
  • alles neu gerade!

Glücklich sein

Und dann war es wieder da, dieses Gefühl von Glücklichsein, und das, obwohl der Tag nicht perfekt verlaufen war, nicht, wie er eigentlich nach meiner Vorstellung davon sein sollte, mit viel Zeit, Gelassenheit, einem Buch und genug Zeit, um gemütlich zu frühstücken. Stattdessen hatte der Tag viel zu früh angefangen, artete schon vor sieben Uhr morgens in Hektik aus, weil ich zu viele Dinge in zu wenig Zeit stopfen wollte, was natürlich nicht gelang, und während ich meine Tasche packte, zu heißen Tee trank und noch überlegte, welche Schuhe ich anziehe, klingelte es auch schon an der Tür. Überhaupt war ich ganz und gar im Zweifel, was die Pläne dieses Tages anging: Wollte ich das wirklich? Hatte ich nicht viel zu schnell zugesagt, im ersten Eifer nicht nachgedacht? Immerhin musste ich am nächsten Tag schon wieder arbeiten, sollte man da wirklich den ganzen freien Tag für andere verplanen?

Und dann passierte das, was mir häufiger passiert: Im Tun wurde alles immer besser. Und besser! Vielleicht ist das so, wenn man das macht, was einem wirklich gefällt: Singen. Schreiben. Zuhören. Gemeinsam arbeiten. Vögel belauschen. Eis essen mit Freunden ohne Sinn und Zweck. Das Tun steigt auf wie ein Vogel in die Luft, schwebt und fliegt und über allem liegt ein Glanz und man ist glücklich. Und der Schöpfer lächelt. Vielleicht sollte man viel öfter einfach tun ohne groß zu fragen, ob das denn auch sinnvoll, maßvoll und passend sei. Und dann sitzt man da, nach getanen Dingen, und guckt zu, wie das Glück aufsteigt, leicht wie eine Feder, geboren aus dem, was einen den Tag über erfüllt hat. Und draußen, gegenüber auf dem Dachgiebel, singt eine Amsel ihr Abendlied, das auch aufsteigt und sich mischt mit dem Glück. Braucht man mehr?

Vierundzwanzig Dinge, die mich erfreuen

  1. Der erste Schluck Tee am Morgen
  2. Erdnußbuttertoast mit selbstgemachter Marmelade
  3. Neue Deko, jahreszeitlich passend
  4. Fahrradfahren mit Handschuhen, Schal und Mütze und gefrierenden Atemwölkchen
  5. Nebel am Morgen
  6. Zehnminutennickerchen in der Mittagspause
  7. Licht
  8. Konzerte meiner Neffen auf dem Anrufbeantworter
  9. Kerzen
  10. Spürbare Anwesenheit Gottes
  11. Essen mit Freunden
  12. Ein Buch anfangen und nach fünf Seiten merken, dass es wirklich gut ist
  13. Ein Glas eiskaltes Malzbier
  14. Ausgewählte Bilderbücher (die Bilder! die Bilder!!)
  15. Der Abend vor dem ersten freien Tag
  16. Post
  17. Im Winter im beheizten Becken draußen schwimmen
  18. Durch erleuchtete Fenster spicken
  19. Gute Nachrichten von lieben Menschen
  20. Sonntagsnachmittags einschlafen auf dem Sofa
  21. Frische Bettwäsche am Abend
  22. Wieder einschlafen, nachdem man nachts raus musste
  23. Einen Adventskalender bekommen
  24. Das hier: Etwas schreiben.

Ach ja, und natürlich Adventskalenderanweisungen befolgen 🙂

ich freu mich

ich freu mich

mit einem RUMMS!
bin ich vorm platzen
voll mit glück
das rumpelt und hüpft
glubbert und zischt

das rinnt an mir hinauf und hinab
honigduftend
schmeichelwarm

innen durchglüht es
schokogolden
feuerzangenheiß
singend und knisternd
meinen seelenhain

breit macht sich das glück
schlägt kleine gänsehautwellen
in meinen bauchnabel
wallt in den haaren
kitzelt langfingrig
allüberüberall

in goldenem glirren
mit einem kichern löst es sich auf
lässt mich zurück
schlackrig
mit flattrigem haar
im nächsten atemzug
ein mundvoll goldstaub

ich freu mich

Die Wiese

Du denkst, es ist nur eine Wiese.

Ein bißchen Gras mit Mücken.

Ein Bach, zu klein, um drin zu baden.

Hier ist doch nichts!

Die Wiese stellt sich taub.

Grüngolden träumt sie neben klarem Wasser.

Die Sonnenbank am Bach verführt:

Nur kurz die Augen schließen…

In leichte, feine Netze wirst du eingewoben.

Hundert kleine Herzen schlagen neben dir,

Sanftes Rauschen trägt die leisen Stimmen weit empor.

Sieh! Trieb nicht gerad ein Walnußschalenboot vorbei?

Mit eichelfarbnem Segel?

Was ist das für ein Tor im Schilf dort vorn?

Hängt da nicht ein Ausguck in den Zweigen?

Sei wach. Und alle kleinen Wiesendinge werden groß.

Möglichkeiten

Aufstehen oder liegenbleiben?

Entdecken oder hierbleiben?

Café oder Holzbank?

Cappuccino oder Latte Macchiato?

Kirsch- oder Kaktuseis?

Promenade oder Wassersaum?

Schuhe aus oder Schuhe an?

Einkaufen oder Bootshafen?

Matjes oder Butterfisch?

Bon riskieren oder zurückgehen?

Direkt nach Haus oder am See entlang?

In der Sonne sitzen oder kochen?

Schlafen oder …

Entschieden!

 

Wenn einer eine Reise tut…

… dann holt ihn manchmal die Vergangenheit ein.

Heute bin ich zum ersten Mal seit acht Jahren wieder mit einer Fähre gefahren, von Cuxhaven nach Brunsbüttel. Eigentlich ja ein Witz von Fährüberfahrt, eine Stunde und fünfzehn Minuten, das Land verschwindet niemals dramatisch am Horizont, nein, der grüne Saum begleitet das Schiff während der ganzen Fahrt.

Und trotzdem: Die Geräusche, das Alarmsignal, wenn der Bug der RoRo-Fähre sich nach unten senkt, das Schwappen der Wellen gegen die Bordwände und der Geruch nach verbranntem Diesel – genau wie damals. Sofort ist alles wieder da, das Gefühl von: „Das ist mein Schiff!“, und dieser kleine Stolz, wenn alles reibungslos klappt, die Abfahrt pünktlich, die PKW-Einweiser rauhbeinig, aber kompetent sind, wenn die Sonne kurz durch die Wolkendecke guckt – alles meins. Früher war noch die Gewissheit dabei, dass ich eine Vielzahl der Fahrzeuge und Kabinen an Bord für die Passagiere gebucht hatte und verantwortlich für jede Menge Urlaubsglück, aber auch Urlaubsweh war. An Bord landete ich wie heute irgendwann immer mit den Ellenbogen auf der Reeling, den Blick abwechselnd aufs Meer und die Passagiere gerichtet, immer auf der Suche nach Deutschen, die vermutlich über unser Büro gebucht wurden.

Vom Schiff aus ist es nur ein kleiner gedanklicher Schwimmzug und schon bin ich in meinem alten Büro, Großraum, alle Fenster auf die laute vierspurige Straße hinaus. Selbstverständlich ein Raucherbüro mit verdrecktem Teppichboden in dunkelgrau, alten Stahlschränken und einem Sammelsurium aus Schreibtischen und Büromöbeln, die in der übrigen Firma keiner mehr haben wollte. Aus diesen unmöglichen Räumen heraus haben wir für zigtausende Menschen Träume wahrgemacht, Norwegen, Schweden, Irland, Großbritannien und Tunesien, wir haben geplant, organisiert, Wartelisten geführt, doch noch den Platz mit Stromanschluss für den Kühlanhänger ergattert, die Kabine gefunden, ohne die die Überfahrt nicht möglich gewesen wäre. Wir haben bei den Reedereien um den Erlass von Stornogebühren gebettelt und hatten oft, aber nicht immer Erfolg. Es gab Stammkunden, die uns norwegische Schokolade schickten. Einmal fanden wir einen frisch geangelten und geräucherten Lachs in einem Paket.

Ein Wochenende im Sommer verbrachte ich mit einem norwegischen Programmiererteam im Büro, als das erste Buchungssystem am PC eingerichtet wurde. Wir gingen einmal am Tag online und übermittelten die gebuchten Daten, weil alles andere viel zu teuer gewesen wäre. Wir liefen barfuß oder auf Socken und bestellten Pizza, weil man das in Norwegen so macht.

Ich ließ mich von meinem Chef anbrüllen, brüllte zurück und musste mich entschuldigen. Unser Kühlschrank und die Mikrowelle standen zusammen mit den Servern und einem alten Telex im Faxraum, in dem wir über vier verschiedene Faxgeräte mit der Welt kommunizierten. Im Sommer war es stickig warm, im Winter verraucht und stickig warm.

Es war eine großartige Zeit. Alles war neu und noch ohne Routine, ich konnte mich ausprobieren, da noch niemand wusste, wie es lief. Später änderten sich die Dinge, aber so ist das: Alles ändert sich. Bis dahin aber war es meine glücklichste Zeit im Arbeitsleben, und alles das kam zurück, als die kleine Elbfähre sich an den Anleger schob und PKW und Wohnmobile ausspuckte.

Straßen werden überbewertet. Man sollte viel öfter die Fähre nehmen.