6. Advent, Nikolaus

Heute ist Nikolaus. Da ist die Vorfreude auf Päckchen Nr. 6 besonders groß. Es muss nichts großes sein, nichts bombastisches, aber hej, es ist halt die Nr. 6, das ist etwas besonderes. Und so sah das heute dann aus:

Und so ein schöner Inhalt! Eine Karte, selbst gemacht mit fotografiertem Wintermotiv und diesem irischen Sprichwort und guten Wünschen: „Mögest Du Dir die Zeit nehmen die stillen Wunder zu feiern, die in der lauten Welt keine Bewunderer haben.“ Das wird ein neues Lesezeichen, so viel steht fest. Und dann waren Pralinen drin… oder?

Die Pralinen waren aber seltsam fest… und entpuppten sich als etwas ganz anderes!

Seed Bombs! Wie cool ist das denn! Hier wurde Hoffnung verschenkt zum Nikolaus, auf den Frühling, Helligkeit, zartes Grün… wunderbar. Die kleinen Bomben warten jetzt bei mir auf der Fensterbank auf das neue Jahr und verbreiten hoffnungsvoll gute Laune.

Und hier noch ein Link zum Writing Friday Special: Einer ist kein Paar von Katha kritzelt – viel Spaß beim Lesen, es lohnt sich 🙂 .

Sant’ Agnese fuori le mura oder Perspektivwechsel

nach den Katakomben
hinauf ins Licht
das Gras grüner
die Vögel lauter
der Himmel blauer
der Cappuccino heißer, süßer und stärker als jemals zuvor
nichts an mir ist perfekt
aber alles ist da
ich lebe
nie war die Hoffnung auf ein Danach präsenter
als jetzt

Sommerregen

Sommerregen fällt und küßt auf seinem Weg Blätter, Blüten, Halme, Erde.
Sanft, so sanft streichelt er die durstigen Stellen und gibt.
Selbst der Asphalt verliert sein Grau und bekommt ein tiefschwarzes, glänzendes Kleid.

Sommerregen fällt und küßt auf seinem Weg mein Haar, meine Wangen, meine Schultern.
Mein Gesicht streckt sich ihm entgegen.
Ich ziehe Gummistiefel an oder aus, zum Pfützenspringen.
Selbst der traurigste Moment lächelt ein wenig.

Sommerregen fällt und küßt auf seinem Weg die Zerbrochenen, die Gefallenen und die Schuldigen.
Er küßt sie alle, ohne Unterschied.
Seine Geste mütterlich, sein Arm auf allen Schultern und ein warmer Tropfen fällt ins Herz.
Selbst die trockenste Scholle wird weich.

Hoffnung ist wie Sommerregen.

Ein Beitrag von: © Dagmar Wegener (September 2017).

Wenn …

Wenn…

… ich morgens um zehn schon wieder müde bin
… meine Lieblingsband nervt
… der verschwundene Autoschlüssel mich in Tränen ausbrechen lässt
… ich gereizt bin weil der Wind falsch weht
… Autofahrten mich melancholisch an verschwundene Kindheitsstätten erinnern
… Freunde all ihre schlechten Seiten zeigen
… der Alltag ein langes, graues Band ist
… niemand mich mehr mag
… es nur noch regnet
… dann weiß mein Herz, die Welt ist eine trostlose Einöde mit gelegentlichem Stechmückenbefall. Und das wird sich nie, nie wieder ändern.

 

Aber zum Glück gibt es auch meinen Kopf. Und der weiß, mein letzter richtiger Urlaub war vor dreizehn Monaten.

Es wird Zeit. Noch fünf Wochen.

 

Wenn…
… fünf Wochen länger als die Ewigkeit dauern
… alle, alle schon vor mir Urlaub haben
… der letzte Keks an jemand anderes ging
… seufz

Große Erwartungen

In diesen Tagen liegen überall hohe Erwartungen in der Luft, und wir werden mit großen Hoffnungen konfrontiert. Nun trifft man ja leider oft mit einem Knall auf die Realität, wenn man sich traut, die hohen Erwartungen tatsächlich einzufordern: Das neue Auto, das selber fahren kann. Die Puppe, deren Haare wirklich nachwachsen. Das Handy, dessen Akku tagelang hält. Schokoladeneis, das schlank macht. Ein besseres Leben dank der alles umfassenden Lebensversicherungspolice.

Tja. War wohl nichts. Aber wir sind ja erprobt, was große Versprechungen angeht, sie sind verlockend, aber nicht das Papier wert, auf dem sie stehen, auch, wenn es noch so schön bunt bedruckt ist.

In diesen Tagen aber liegen WIRKLICH große Erwartungen in der Luft, und dieses eine Mal bin ich ganz sicher, dass sie wirklich erfüllt werden, jede einzelne von ihnen. Es gibt im Moment jede Menge Gründe, sich zu freuen, seht selbst:

Ausgelesen: Der Marsianer. Von Andy Weir.

Großartig. Ein großartiges Buch, das ich nie gelesen hätte, wenn die Bibliothek nicht dieses System mit den Tipphänden eingeführt hätte: Testleser legen in Bücher, die sie empfehlen, ein rotes, auffälliges Lesezeichen hinein. Ohne das rote Lesezeichen hätte ich gedacht, nee, das ist viel zu abgefahren, ein Marsmensch, Sci-Fi, Ufo – ach, danke, nein. Obwohl ich sowas ja eigentlich gar nicht ungern lese. Schon seltsam, woran man seine Buchentscheidungen so festmacht.
Auf jeden Fall habe ich das Buch also probeweise angelesen, war sofort angetan und habe dann das erste Viertel des Buchs gleich in der Bibliothek verspeist, es mit nach Hause genommen und mit einer kleinen Schlafunterbrechung von ein paar Stunden in einem Rutsch durchgelesen. Hab ich´s schon gesagt? Großartig!
Der Inhalt: Ein Team von mehreren Wissenschaftlern ist auf einer Marsmission. Alles läuft nach Plan, bis ein gewaltiger Sturm aufkommt, die Mission abgebrochen werden muss und ein Notstart durchgeführt werden muss. Dabei geschieht ein Unfall und einer der Wissenschaftler bleibt versehentlich allein zurück auf dem Mars. Ganz allein. Der einzige Mensch auf dem roten Planet, in einer mehr als feindlichen Umgebung: Kälte, Trockenheit, Staub, kein Sauerstoff, kein Wasser. Wie er es schafft, trotz allem zu überleben, ist ganz großes Wissenschaftskino, und tatsächlich wurde das Buch auch verfilmt. Ich habe den Film gesehen und muss sagen, ich war ehrlich überrascht: Das Buch wurde so gut wie eins zu eins übernommen, und hier gilt einmal, ein einziges Mal: Der Film ist genauso gut wie das Buch. Also sehr gut.
Für alle technikbegeisterten Menschen auf diesem Planeten: Lest dieses Buch! Für alle anderen gilt: Überlest die Abschnitte, die enthusiastisch in Physik und Chemie schwelgen und geniesst den Rest – so habe ich es gemacht. Sehr gute, positive und motivierende Unterhaltung.

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Der Tag danach

Der Tag danach
Es gibt ihn
den Tag danach
wo das Erstarrte
langsam auftaut
die Sonne hinter den Wolken hervorlugt
ganz vorsichtig zwar
aber nicht ohne Wirkung
gewiss, noch sind die Pfade
mehr Pfütze und mehr Modder
als gangbarer Weg
aber es geht
noch unsicher zwar
und mit Wegrutschen
aber ich fange mich
halte mich
und Schritt für Schritt
vorsichtig tastend
geht es voran
gewiss, noch kein Grün an den Bäumen
nur schwarz-braun-graues
scheinbar totes Geäst
gewiss, noch ist Eis und Kälte
nicht gebannt
gewiss, noch ist das Gras mehr gelb-grau-braun
als grün
gewiss, die nächsten Wolken
ziehn herauf
und ich weiß nicht, was sie bringen
Regen? Schnee? Eisregen?
Oder werden sie vom Wind weggepustet?
Oder setzt die Sonne sich durch
trotz der dunklen Jahreszeit?
was sie auch bringen
die Starre löst sich
langsam, ganz langsam nur
aber es gibt ihn:
den Tag,
den Frühling danach

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