Reformationstag II

es ist Zeit
setz dich hin
sieh ihn an
und dann dich
was
wenn du nicht verhandeln musst
du sein darfst
es weniger Worte bedarf
er dich kennt
dich ansieht
lächelt
es ist Zeit
sieh ihn an
Reformationstag

Zukunft

ein Kind lacht mich an
ich lache zurück
und sehe:
weit offene Türen
ungezählte Möglichkeiten
Glücksmomente massenhaft
lauter erste Male
soviel ungelebte Zukunft
ich lache zurück
und schicke eine Bitte nach oben
dass es bitte
bitte so kommen möge

Der Dienstag dichtet!  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram und  Mutigerleben sind mit von der Partie. Wer den Dienstag also mit Gedichten beginnen will: Herzlich willkommen!

Winter

Winter

Ich fühle mich wie eine Wiese
die kahl und abgeweidet ist
zu viele Schafe haben zu lange an mir gefressen
wo einst ein bunter Teppich aus Blumen und Halmen
im Sommerwind wehte
Bienen und Schmetterlinge zum Frühstück vorbeisahen
und die Feldlerche hoch in den lauen Himmel stieg
ist jetzt Ödnis
das Gras ist braun und zertreten
die Blumen längst verdaut
selbst die sanften Hügel wurden flachgestampft
Wind zieht über meine bloße Weide
leer und frostig liegt sie da
es ist kalt

aber
im Dunkel spüre ich die Maulwürfe
sie liegen und schlafen und warten
träumen von feuchter warmer Erde und sanften Hügeln
zwischen wispernden Gräsern
von gedämpftem Grillengezirp in dunklen Gängen
ich weiß
ihre Zeit wird kommen

Dieses Gedicht habe ich vor mittlerweile ziemlich vielen Jahren für eine Freundin geschrieben, der es damals gar nicht gut ging. Glücklicherweise lebt sie heute wieder recht vergnügt vor sich hin, wofür ich sehr dankbar bin.

Der Dienstag dichtet!  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Schaut gerne bei ihr vorbei, das bereichert den Dienstag ganz ungemein. Auch Mutigerleben und Wortgeflumselkritzelkram sind mit von der Partie!

Bitterkeit, die:

Bitterkeit, die:

Aschegeschmack auf der Zunge
verbranntes Hoffnungsaroma
angekohlte Seelenblumen
brennende Augen
verschleierter Blick
auf der Asche
Neuanpflanzungen
winzig klein
grün

Dienstags ist Gedichte-Tag! Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Schaut gerne bei ihr vorbei!

6. Advent, Nikolaus

Heute ist Nikolaus. Da ist die Vorfreude auf Päckchen Nr. 6 besonders groß. Es muss nichts großes sein, nichts bombastisches, aber hej, es ist halt die Nr. 6, das ist etwas besonderes. Und so sah das heute dann aus:

Und so ein schöner Inhalt! Eine Karte, selbst gemacht mit fotografiertem Wintermotiv und diesem irischen Sprichwort und guten Wünschen: „Mögest Du Dir die Zeit nehmen die stillen Wunder zu feiern, die in der lauten Welt keine Bewunderer haben.“ Das wird ein neues Lesezeichen, so viel steht fest. Und dann waren Pralinen drin… oder?

Die Pralinen waren aber seltsam fest… und entpuppten sich als etwas ganz anderes!

Seed Bombs! Wie cool ist das denn! Hier wurde Hoffnung verschenkt zum Nikolaus, auf den Frühling, Helligkeit, zartes Grün… wunderbar. Die kleinen Bomben warten jetzt bei mir auf der Fensterbank auf das neue Jahr und verbreiten hoffnungsvoll gute Laune.

Und hier noch ein Link zum Writing Friday Special: Einer ist kein Paar von Katha kritzelt – viel Spaß beim Lesen, es lohnt sich 🙂 .

Sant’ Agnese fuori le mura oder Perspektivwechsel

nach den Katakomben
hinauf ins Licht
das Gras grüner
die Vögel lauter
der Himmel blauer
der Cappuccino heißer, süßer und stärker als jemals zuvor
nichts an mir ist perfekt
aber alles ist da
ich lebe
nie war die Hoffnung auf ein Danach präsenter
als jetzt

Sommerregen

Sommerregen fällt und küßt auf seinem Weg Blätter, Blüten, Halme, Erde.
Sanft, so sanft streichelt er die durstigen Stellen und gibt.
Selbst der Asphalt verliert sein Grau und bekommt ein tiefschwarzes, glänzendes Kleid.

Sommerregen fällt und küßt auf seinem Weg mein Haar, meine Wangen, meine Schultern.
Mein Gesicht streckt sich ihm entgegen.
Ich ziehe Gummistiefel an oder aus, zum Pfützenspringen.
Selbst der traurigste Moment lächelt ein wenig.

Sommerregen fällt und küßt auf seinem Weg die Zerbrochenen, die Gefallenen und die Schuldigen.
Er küßt sie alle, ohne Unterschied.
Seine Geste mütterlich, sein Arm auf allen Schultern und ein warmer Tropfen fällt ins Herz.
Selbst die trockenste Scholle wird weich.

Hoffnung ist wie Sommerregen.

Ein Beitrag von: © Dagmar Wegener (September 2017).