am Abend

am Abend
sich verlieren
in kühler Luft
auf weiten Feldern
grünen Wiesenschaum schlürfend
versinkend in Butterblumengelb
himmelblau beschwipst
auf breiten Krähenschwingen
in tulpenrote Abschiedssonne segeln
sich auflösen
in Nachthimmelschwarz

Der Dienstag dichtet!  
Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht.
Auch Wortgeflumselkritzelkram
Mutigerleben
Werner Kastens
Nachtwandlerin
Gedankenweberei
Wortverdreher
Dein Poet
Geschichten mit Gott
Suses Buchtraum
Wortmann
Petra schreibt
Traumspruch
und Lyrik trifft Poesie
sind mit von der Partie.
Viel Freude bei allen Besuchen!

Frühlingsfest

grüne Spitzenschleier wehen feldwärts
ziehen Weißdornborten hinter sich
hüllen mich ein
wie eine müde Braut
Feldlerchen singen Te Deum
in meinem Haar nisten Störche
ihr klappern
vertreibt die Wintergeister

Der Dienstag dichtet!  
Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht.
Auch Wortgeflumselkritzelkram
Mutigerleben
Werner Kastens
Nachtwandlerin
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Dein Poet
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Suses Buchtraum
Wortmann
Petra schreibt
Traumspruch
und Lyrik trifft Poesie
sind mit von der Partie.
Viel Freude bei allen Besuchen!

Wie schmeckt das Leben gerade?

Das Leben schmeckt nach Müdigkeit und Sonne, nach glasklarem Himmel und eisigen Winden. Es schmeckt nach dumpfem Zuviel in den Knochen und endlosem Hunger nach Leben und nach Buntheit. Die Buntheit hält mich wach, sie fordert mich auf, komm und sieh! Es gibt soviel zu sehen. Blüten, Vögel, Aufbruch, Versprechungen überall. Die Buntheit zieht mich aus der Müdigkeit und lässt meine Knochen schlackern, sie malt Wolken in den blauesten aller blauen Himmel und lässt mich lila Blumen kaufen. Dabei tupft sie Schneeflocken auf meine Zunge und Honig, überschüttet mich mit Dohlen mit viel zu großen Zweigen in den Schnäbeln, während ich im sibirischen Wind stehe und fröstele. Sie lenkt meine Aufmerksamkeit auf die kleinen Blattknospen zwischen den Gitterstäben, die tapfer im Wind zittern. Das Leben schmeckt nach Überfluß und den Gedanken an andere, die zuwenig haben, und es schmeckt nach dem Wunsch nach immerwährendem Frieden auf Erden und überall. Im Nacken sticht die Gewissheit, dass es so wohl nicht sein wird, aber auf meiner Zunge liegt noch der Wunsch und kitzelt wie Brausepulver. Mein Leben schmeckt nach Bewunderung für diejenigen, die Aufbrechen und sich auf den Weg machen, um Frieden zu bringen und die die Gerechtigkeit und die Barmherzigkeit zum Leuchten bringen. Und im Abgang, ganz hinten im Rachen, da schmecke ich zwischen zartbitterer Müdigkeit Möglichkeiten. Sie duften nach Birne und Vanille und leuchten bunt. Da ist sie wieder, die Buntheit. Dem Himmel sei Dank für die Buntheit.

Frühlingsvision

es wird jeden Tag heller
wir stehen eng zusammen
Gott verflüchtigt sich nicht
er läuft zwischen den Alltagslosen
stärkt Unzufriedenen den Rücken
verstreut Sonnenstunden
über Gerechte und Ungerechte
rüttelt an Türen
das Licht nimmt zu

Der Dienstag dichtet!  
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Werner Kastens
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Petra schreibt
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und Lyrik trifft Poesie
sind mit von der Partie.
Viel Freude bei allen Besuchen!

Heller sehen

Es wird jetzt jeden Tag heller, immer ein paar Minuten mehr. Das Licht nimmt zu, das ist schön. Vielleicht werden wir alle enger zusammenstehen und begreifen, was Gemeinschaft bedeutet. Vielleicht begreifen wir auch sehr schnell, was wir an unserem Staat haben und wie wertvoll er ist. Ich hoffe auf die sozialen Medien, wie schlimm sie auch sonst sind, darauf, dass sie verbreiten, was auf anderem Wege im Osten nicht mehr verbreitet werden kann, und dass die Menschen unzufrieden sind mit dem, was ihnen vorgesetzt wird. Und nach Alternativen Ausschau halten. Ich hoffe darauf, dass Gott dableibt und den Menschen den Rücken stärkt. Verflüchtigt hat sich in den letzten Tagen zuviel. Ich weiß wenig, aber hoffen kann man immer. Also hoffe ich auf seine Anwesenheit.
Abgesehen davon sehe ich den Balkonsommer auf mich zukommen, trotz allem, mit Schirm, Plantschbecken und Blumen: Eine Sommerresidenz. Heller kann ich gerade nicht sehen, tut mir leid. Mir tun alle Menschen leid, die aus ihrem Leben und ihrem Alltag gerissen werden, weil ein älterer Mann seinen Lebenstraum bedroht sieht.
Mir ist gerade nicht wirklich nach Gedichten. Aber schreiben ist lebenswichtig. Na dann: Schreibe ich eben trotzdem. Überhaupt. Ein Trotzdem sollte es immer geben.

heute morgen

heute morgen
breitet sich
eine andere Helligkeit aus
leichter ist sie
süßer
Vögel singen vom Jetzt
Wolken fliessen duftend
und ich bin dabei
bin dabei

Der Dienstag dichtet!  
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Mutigerleben
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Fräulein Honigohr und die Musketiere

Fräulein Honigohr wirft eine Handvoll graue Steine in die Pfanne und dreht die Flamme höher. „Na los jetzt!“ ruft sie aufmunternd und schwenkt die Pfanne energisch hin und her. Die Steine kullern klackernd gegen den Rand. „Ihr könnt nicht ewig bei mir bleiben, so langsam wird´s Zeit!“
Die Steine weigern sich. Hitze strahlt von ihnen ab wie von Heizpilzen im Winter.
Fräulein Honigohr seufzt ungeduldig. „Was seid ihr bloß für Mimosen. Die Kirschbäume blühen, ihr wisst, was das heißt!“ Sie wartet einen Augenblick. Nichts rührt sich. „Na gut. Dann eben so.“ Sie legt einen Deckel auf die heiße Pfanne. Nach einer Minute hört sie ein lautes Gähnen. „Na also“, murmelt sie.
Geschimpfe wird laut, der Deckel scheppert zu Boden und zum Vorschein kommen fünf graue Gestalten, die sie vorwurfsvoll anstarren. „Du spinnst wohl!“ ruft der Größte, „uns so unsanft zu wecken!“ Er unterdrückt ein gewaltiges Gähnen, und wie auf Kommando gähnen alle fünf, bis ihre Kiefer knacken. „Und viel zu früh! Es ist saukalt bei dir!“
Fräulein Honigohr betrachtet die rotglühende Pfanne und zieht die Augenbrauen hoch. „Papperlapapp! Stellt euch nicht so an! Wir haben Mai und ihr müsst los!“ Sie nimmt die Pfanne am Stiel und geht zum offenen Fenster. „Seht ihr? Los, raus! Stellt Unsinn an, ärgert die Eichhörnchen, verteilt Frühlingsgefühle! Im Herbst sehen wir uns wieder.“
Die fünf Grauen schnuppern in die kühle Luft. „Sie hat Recht“, flüstert der Kleinste, „wir sind schon viel zu spät!“ „Birnenmoder und Maikäferkacke! So viel verpasst! Trennen wir uns?“ Sie legen ihre Hände kreisförmig aufeinander. „Alle für einen – einer für alle!“ Sie werfen die Hände in die Luft und stürzen sich aus der Pfanne. In Sekundenschnelle sind sie verschwunden.
Fräulein Honigohr stellt die Pfanne auf Boden und lehnt sich auf das Fensterbrett. „Hallo, Mai“, flüstert sie glücklich, „deine Musketiere kommen!“

der Tag ist noch warm

der Tag ist noch warm
seine Hände glühen rot
vom Aussäen des Frühlings
dem Wässern von
Samen und Worten
winzigsten Punkten und Kommas
später
zwischen Löwenzahn und
‚wir können!‘ Gedanken
ahnen wir:
das war die Wende

alles wartet

alles wartet
auf lichtes Grün und Freiheit
Vogelgesang wie immer
frisch geschnittene Köpfe glänzen
im neuen Schöngefühl
ich warte auf Erwachen
währenddessen:
Schneeglöckchenbäder

Dieses Gedicht gehört zur gestrigen Liste… entscheidet selbst, was euch besser gefällt. 🙂