Waldfrühling

Pferd und Reiter hufen zwischen Stämmen
Zweigmuster bespannen den Himmel
Fahrräder spielen verstecken hinter Hügeln
rhythmisch knackt die Kiefernborke
Spinnwebfäden weben vorbei
endlos oben schwimmt ein Bussard Achten
bodenständig keuchen Jogger Runden
Waldfrühling
die Jagdsaison ist eröffnet

Der Dienstag dichtet! 🙂  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram, Mutigerleben, Werner KastensFindevogel, die Wortverzauberte, Ein Blog von einem Freund, Lyrikfeder und die Nachtwandlerin sind mit von der Partie. Schaut doch mal bei ihnen vorbei, der Dienstag fängt besser an mit ein bisschen Wortzauberei!

April

laut rauschen die Kiefern
zerfurchte Borke knackt im Sonnenlicht
April

Frühling

Frühling

Gläserne Luft umschließt die Brücken
verborgen im Milchglashimmel die Sonne
samtiger Dunst auf ruhigem Wasser
schlaff hängt die Fahne am Schiffsmast
von ferne
Möwengeschrei
filigraner Frühling in chinesischen Bildern
Märchen schweben über dem Fluss

Der Dienstag dichtet! 🙂  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram, Mutigerleben, Werner KastensFindevogel, die Wortverzauberte und  Ein Blog von einem Freund sind mit von der Partie. Schaut doch mal bei ihnen vorbei, der Dienstag fängt besser an mit ein bisschen Wortzauberei!

Wie klingt der Frühling?

Wenn der Frühling kommt, dann zieht ein leises Rauschen durch die Luft. Es ist süßer als der Wind und zarter als die Lieder der Vögel, und es duftet nach nasser Erde, Schneeglöckchen und frischem Frosteis auf dem Rasen. Die Amseln und Meisen versuchen zaghaft erste, kurze Melodien, aber oft verstummen sie, weil ihnen der Winter noch in den Kehlen steckt.
Die Farben kommen zurück wie der Boléro von Ravel, erst nur ein zurückhaltendes, vorsichtiges Weiß, dann gesellen sich Gelb und Blau dazu und fangen erste Frühlingsgespräche von Blüte zu Blüte an, dann brandet das Rosa in den Kirschblüten auf wie eine mächtige Woge aus Streichern, Rot und Violett und Orange setzen Tupfer auf das Farbenmeer wie die Triangle ihre Töne über das Orchester hinweg schickt, und zum Schluß kommt das Grün in allen Bläser- und Pauken-Schattierungen als Crescendo! Wenn das Farbenorchester schweigt, ist das Meer ruhig und es ist Mai.
Wenn der Frühling kommt, fliesst das Blut in den Adern schneller und wärmer, die Freude am Leben kitzelt in Augen und Nase und lässt uns manchmal niesen. Wir lachen schneller und lauter und schnuppern an Maiglöckchen, wenn gerade niemand hinsieht. Unsere Haut fühlt sich weicher an und sehnt sich nach Licht und Wärme, bis es fast wehtut und wir Hosen hochkrempeln und Sandalen anziehen, auch, wenn es eigentlich noch zu kühl ist. Der Wind fährt durch junge Blätter und altes Winterlaub und raschelt von kommenden Sonnentagen, und wenn es regnet, öffnet sich die Erde und lässt Samen und junge Triebe ans Licht. Dieser Regen ist willkommen und warm.
Wenn es Frühling wird, öffnen wir die Türen und Fenster und lehnen uns weit hinaus, direkt hinein ins Leben. Wir atmen tief ein. Wir sind lebendig.

Das war ein Beitrag zum #WritingFriday, organisiert von Elizzy. Das Thema war, beschreibe einer blinden Person den Frühlingsanfang. Gar nicht so einfach, echt jetzt.

Fräulein Honigohr und der Sonnenuntergang

Fräulein Honigohr und Herr Brummeck gehen schweigend nebeneinander her. Die Stimmung ist frostig wie ein Dezembertag am Südpol. Fräulein Honigohr brodelt vor sich hin. Wieso muss Herr Brummeck immer alles planen? Warum ist es so wichtig, alles und jedes zu durchdenken? Wo bleibt da die Spontanität? Der kleine Irrsinn? Die Freude, lebendig zu sein? Sie hätte so gern den trübseligen Park zum Blühen gebracht! Immerhin ist es schon März! Und niemand kann doch wohl gegen Narzissen etwas haben, oder? Fräulein Honigohr schnauft laut durch die Nase. Herr Brummeck wirft ihr einen Blick zu.
Andererseits waren da ziemlich viele Leute im Park. Fräulein Honigohr schüttelt den Kopf. Warum mussten die ausgerechnet heute alle da sein? Vielleicht wäre es doch jemandem aufgefallen, wenn überall Blumen aus der Erde geschossen wären. Trotzdem. Herr Brummeck kann nicht immer alles bestimmen. Wenigstens ein oder zwei Tulpen hätte er ihr lassen können! Oder Perlhyazinthen! Eine hätte schon gereicht. Stattdessen hat er sie praktisch aus dem Park herausgeschubst. Nein. Fräulein Honigohr ist sauer, Punkt.
Vor ihnen öffnet sich der Blick über den Fluß. Die Sonne leuchtet tulpenrot knapp über dem Horizont. Orangerote Schlieren schwimmen um sie herum und spiegeln sich im Wasser, die Wolken leuchten goldgelb und rosa. Fräulein Honigohr bleibt auf der Brücke stehen und saugt die Farben auf. Wie schön wäre es jetzt… nein.
Herr Brummeck lehnt sich ans Geländer. „Na los“, sagt er und nickt mit dem Kopf in Richtung Sonnenuntergang.
Fräulein Honigohr hebt die Augenbrauen.
„Jetzt guck nicht so. Mach schon. Ich stehe Schmiere.“ Er grinst.
Eigentlich ist Fräulein Honigohr noch sauer. Sie sollte das wirklich nicht tun. Ganz ernsthaft nicht. Aber wer kann einer Kombination aus Sonnenuntergang und Herrn Brummecks Grinsen schon widerstehen? Sie küsst ihn auf die Nase, hüpft über das Geländer und springt kopfüber in die Farben. Sie sind warm, und es fühlt sich an wie fliegen, nur viel besser.
Herr Brummeck mag ja manchmal rechthaberisch sein. Und pedantisch. Und ein Planungsfanatiker. Aber er hat auch seine guten Seiten. Doch, zweifellos, die hat er.

Ja, es ist kein Fluss, ich weiß, aber einen anderen Sonnenuntergang hatte ich gerade nicht da…

Perlhyazinthen für den Schweinehund

Perlhyazinthen für den Schweinehund

„Was guckst du so nachdenklich?“ fragt dein Schweinehund mit aufgerichteten Ohren.
„Ach, nichts“, antwortest du, aber dein Blick fällt erneut auf die blauen Perlhyazinthen in deinem Küchenfenster.
„Achduje“, stöhnt dein Schweinehund. „Ich hab dir gleich gesagt, dass wir Ärger mit diesen Dingern haben werden!“
„Ärger? Wieso?“, versuchst du das Unheil abzuwenden, aber ohne Erfolg.
Dein Schweinehund hebt eine Pfote und fängt an zu dozieren. „ICH habe gleich gesagt, kauf sie nicht, sie sind hübsch, aber nutzlos, nach ein paar Wochen sind sie hin, und du jammerst: ‚Viel zu schade zum wegwerfen, aber wohin damit?‘ Und dann sitzen wir irgendwo in einem Park auf den Knien, holen uns den Tod, erfrieren fast und machen uns lächerlich, weil wir versuchen, verblühte Blumen loszuwerden!“ Er sieht dich anklagend an. „Erinnerst du dich an die Forsythien, unter denen wir die Narzissen eingegraben haben? Am nächsten Tag hatte sie irgendjemand wieder ausgebuddelt und über den halben Park verteilt! UND du hattest es hinterher im Rücken!“
„Jaaa…“, antwortest du. Eigentlich hat er Recht. Aber andererseits… du kannst die Zwiebelchen nicht wegwerfen. Sie leben doch, oder? Lebewesen darf man nicht in den Müll tun. Vielleicht freut sich jemand nächstes Jahr über die Blaublütler. Du könntest sie unter dem Haselnussbaum zwei Straßen weiter einpflanzen. Blumen dort wären nicht verkehrt, so grau, wie es da ist.
„Los, komm“, sagst du zu deinem Schweinehund und packst Töpfchen, Handschuhe und eine Schaufel in deine Tasche.
Dein Schweinehund stöhnt dramatisch und trottet resigniert zur Haustür. „Sag hinterher nicht, ich hätte dich nicht gewarnt!“ wirft er dir an den Rücken.
„Hast du“, antwortest du, „ich nehme das volle Risiko allein auf mich.“
„Na gut. Aber wenn ich schon raus muss, will ich hinterher ein Eis!“
„Ok“, sagst du.
Seltsam. Das war einfach. Vielleicht ist es der Frühling. Der stimmt selbst deinen Schweinehund milde.

Das war ein Beitrag zu den abc-Etüden, organisiert von Christiane. Drei Wörter waren im Text unterzubringen: Forsythien, lächerlich und erfrieren. Die Wortspende stammt dieses Mal von Elke H. Speidel und ihrem Blog transsilabia.wordpress.com.

Wie jedes Mal waren die maximal 300 Worte hart umkämpft, aber es ist vollbracht: Es sind genau dreihundert! 🙂

Draußen im März

Draußen im März

Vielstimmiges Zwitschern der Vögel
Vibrierender Nachhall eines pochernden Spechts
Gelbe Forsythiensträucher und kleine Narzissen
Grüngelbblühende Korkenzieherhaselsträucher
Blasses Licht, das durch Wolken bricht und die Sonne erahnen lässt
Aufgeweichter Boden
Pfützen
Matsch
Abgebrochenes Gezweig
Altes blassbraunes Laub
Hier und da Knospen – kurz vorm Aufbrechen
Hängende Krokusköpfchen und verblühende Schneeglöckchen
Ein plätschernder Bach
Entferntes Hundegebell
Rauschender Wind an meinen Ohren, nicht mehr ganz kalt
Ponys im Winterfell auf zertretener Weide
an manchen Sträuchern frisches helles Grün
Rosa blühende Zierkirschen und purpurne Azaleen
In der Luft ein Hauch von Frühling

Das ist ein Gastbeitrag von Himmelgraublau, mit sehr viel Frühlingsspaziergangsstimmung – vielen Dank dafür! 🙂

Tanz kleine Tänzerin

tanz
kleine Tänzerin
bieg dich im Sonnenschein
fang den Wind in grünen Flügeln
streck dich zum Himmel
und wachse
wachse

Alltagsauferstehungen

Alltagsauferstehungen

  • morgens aufwachen und feststellen, es war nur ein Traum
  • angetrocknete Blumen aus dem Supermarkt retten
  • etwas aussprechen, das bisher unaussprechlich war
  • Kresse aussäen
  • feiern mit verloren geglaubten Freunden
  • jemandem beim Schlafen zusehen und wissen, das ist ein Wunder
  • Gärtnereien besuchen und in Primeln und Hyazinthen baden
  • Ablegen von lange getragenen Lasten
  • blaue Blümchen unter der vertrockneten Buchenhecke
  • farblose Gewissheiten in Frage stellen
  • leere Handyakkus aufladen

 

Frühlingsspecht

heute morgen klopft der Specht an die Tür:
der Frühling ist da!
dieses Jahr werde ich ihn nicht verpassen
jedes Schneeglöckchen wird geläutet
alle Narzissen geherzt
jeder Krokus geküsst
seid mir willkommen, sanfte Brise
Morgenfrische und Zitronenfalter:
ich bin bereit!