Tanz kleine Tänzerin

tanz
kleine Tänzerin
bieg dich im Sonnenschein
fang den Wind in grünen Flügeln
streck dich zum Himmel
und wachse
wachse

Alltagsauferstehungen

Alltagsauferstehungen

  • morgens aufwachen und feststellen, es war nur ein Traum
  • angetrocknete Blumen aus dem Supermarkt retten
  • etwas aussprechen, das bisher unaussprechlich war
  • Kresse aussäen
  • feiern mit verloren geglaubten Freunden
  • jemandem beim Schlafen zusehen und wissen, das ist ein Wunder
  • Gärtnereien besuchen und in Primeln und Hyazinthen baden
  • Ablegen von lange getragenen Lasten
  • blaue Blümchen unter der vertrockneten Buchenhecke
  • farblose Gewissheiten in Frage stellen
  • leere Handyakkus aufladen

 

Frühlingsspecht

heute morgen klopft der Specht an die Tür:
der Frühling ist da!
dieses Jahr werde ich ihn nicht verpassen
jedes Schneeglöckchen wird geläutet
alle Narzissen geherzt
jeder Krokus geküsst
seid mir willkommen, sanfte Brise
Morgenfrische und Zitronenfalter:
ich bin bereit!

6. Advent, Nikolaus

Heute ist Nikolaus. Da ist die Vorfreude auf Päckchen Nr. 6 besonders groß. Es muss nichts großes sein, nichts bombastisches, aber hej, es ist halt die Nr. 6, das ist etwas besonderes. Und so sah das heute dann aus:

Und so ein schöner Inhalt! Eine Karte, selbst gemacht mit fotografiertem Wintermotiv und diesem irischen Sprichwort und guten Wünschen: „Mögest Du Dir die Zeit nehmen die stillen Wunder zu feiern, die in der lauten Welt keine Bewunderer haben.“ Das wird ein neues Lesezeichen, so viel steht fest. Und dann waren Pralinen drin… oder?

Die Pralinen waren aber seltsam fest… und entpuppten sich als etwas ganz anderes!

Seed Bombs! Wie cool ist das denn! Hier wurde Hoffnung verschenkt zum Nikolaus, auf den Frühling, Helligkeit, zartes Grün… wunderbar. Die kleinen Bomben warten jetzt bei mir auf der Fensterbank auf das neue Jahr und verbreiten hoffnungsvoll gute Laune.

Und hier noch ein Link zum Writing Friday Special: Einer ist kein Paar von Katha kritzelt – viel Spaß beim Lesen, es lohnt sich 🙂 .

Ich sehe was, was du nicht siehst

Hamburg, 13. Mai 2017, Altonaer Balkon

Dunstig hängt das Licht über dem Hafen, eine Ahnung von Blau zwischen den Wolken. Schafgarbenwellen duften, und tief unten schieben sich zwei Holzmasten an der Mole vorbei. Ein Brummen liegt über allem, ein leises Tosen; Hamburgs Hafen atmet. Dutzende Kranarme ragen wie ein erstarrtes Ballett in die weiche Luft, ab und zu glänzt ein Stück Stahl im Licht und sendet ein kleines Signal: Hier wird gearbeitet.

Über die Köhlbrandbrücke fahren winzige LKW, dahinter schieben drei Schornsteine Wasserdampf in den Himmel. Barkassen, ein Raddampfer und Segelschiffe ziehen vorbei, ab und zu wird ein Containerschiff behutsam geleitet. Das Wasser bewegt sich unablässig.

Hinter meiner Bank wird gejoggt, gegrillt und diskutiert, der Sandboden knirscht, wenn jemand vorbeigeht.

Es ist schön hier.

Spaziergänge

Am Ostermontag habe ich gegammelt. Nachdem der Ostersonntag voll mit Familie war, hatte ich am Montag das Kontrastprogramm mit überhaupt gar keiner Familie und habe das schamlos ausgenutzt, um eine schrecklich romantische Serie zu gucken und dann einen schrecklich romantischen Film, und als der vorüber war, hatte ich ein ziemliches Völlegefühl. Mir war nach frischer Luft, und, das kann ich mit Bestimmtheit sagen, das kommt nicht so häufig vor. Ich persönlich finde, frische Luft wird überschätzt, drinnen ist es auch ganz schön, und überhaupt, gefühlt war da draußen an diesem Ostern sowieso Winter.

Und trotzdem: Seltsamerweise war mir an diesem Tag also nach Frischluft. Und so bin ich losmarschiert, hab noch versucht, eine Freundin anzuklingeln, die dann aber nicht da war (vermutlich hatte sie Familie an diesem Tag) und bin dann alleine durch die Gegend gelaufen. Und wie schön war das! Kennen Sie das, wenn einfach alles stimmt? Die Sonne, die Menge und Häufigkeit der Wolken, die Art und Weise, wie der Wind weht, selbst die dreiundzwanzig Regentropfen haben gepasst an diesem Tag. Die Vögel haben genau an den richtigen Stellen des Weges gesungen, es war die perfekte Menge an unbekannten und vertrauten Wegen, die Vorgärten sahen hinreichend nach Bilderbuch aus (aber nicht zu sehr), die Steigungen hatten den idealen Winkel und die Bänke standen da, als hätte sie jemand für mich aufgestellt. Kennen Sie den Film „Die Truman Show“? Wo immer alle vor Truman herlaufen und alles für ihn vorbereiten und wenn er vorbei ist, hinter ihm aufräumen? So fühlte ich mich an diesem Tag.

Und so bin ich anderthalb Stunden voller guter Laune durch Feld und Wald und Vorstadt spaziert und hätte mir nichts schöneres vorstellen können. Es ist doch schön, wenn man sich selbst tatsächlich noch überraschen kann, obwohl man sich mittlerweile doch schon recht lange kennt.

Große Erwartungen

In diesen Tagen liegen überall hohe Erwartungen in der Luft, und wir werden mit großen Hoffnungen konfrontiert. Nun trifft man ja leider oft mit einem Knall auf die Realität, wenn man sich traut, die hohen Erwartungen tatsächlich einzufordern: Das neue Auto, das selber fahren kann. Die Puppe, deren Haare wirklich nachwachsen. Das Handy, dessen Akku tagelang hält. Schokoladeneis, das schlank macht. Ein besseres Leben dank der alles umfassenden Lebensversicherungspolice.

Tja. War wohl nichts. Aber wir sind ja erprobt, was große Versprechungen angeht, sie sind verlockend, aber nicht das Papier wert, auf dem sie stehen, auch, wenn es noch so schön bunt bedruckt ist.

In diesen Tagen aber liegen WIRKLICH große Erwartungen in der Luft, und dieses eine Mal bin ich ganz sicher, dass sie wirklich erfüllt werden, jede einzelne von ihnen. Es gibt im Moment jede Menge Gründe, sich zu freuen, seht selbst: