Ausgelesen: Nevermoor. Fluch und Wunder. Von Jessica Townsend.

Sodele, hier haben wir ein Buch, das mir von einer meiner liebsten Buchvorschlägerinnen wärmstens empfohlen wurde, und zack! hatte ich es auch schon in meinem Regal stehen! Es sieht ein bisschen wie ein sehr aufgemotztes Kinderbuch aus, und die Hauptakteurin ist auch ein Kind, die zehnjährige Morrigan Crow. Aber allein schon der Name dieses Kindes! Hallo! Mit einer solchen Tradition ausgestattet verspricht das einiges, und so ging ich mit großen Erwartungen an das Buch heran.

Die zehnjährige Morrigan Crow ist verflucht, eine Unglücksträgerin und muss an ihrem elften Geburtstag sterben. Die Anfangsstimmung ist also mehr als trübselig. Die Erwachsenen um sie herum denken in erster Linie an sich und in zweiter auch an sich, und so behandeln sie Morrigan, als wäre sie schon tot. Für alles Unglück dieser Welt von Hühneraugen bis hin zu Krankheiten wird sie verantwortlich gemacht und gefürchtet. Als ihr die Stunde ihres Todes schon unangenehm dicht auf den Pelz rückt, taucht in letzter Sekunde ein Mann auf, der sie rettet: Jupiter North. Er nimmt sie mit nach Nevermoor, den geheimen Freistaat, der versteckt vor allen anderen Staaten ein wundersames Dasein führt. Hier gibt es Vampirzwerge, sprechende Katzen (eindeutig eine Reminiszenz als die Grinsekatz), ab und zu ein Einhorn, aber auch eine Menge Menschen, einige davon mit ein paar mehr Fähigkeiten als die anderen. Sie wohnt im Hotel Deucalion, das Jupiter North gehört und auf jeden Fall zu den Hauptcharakteren des Romans gehört. Es verändert seine Räume nach Lust und Laune und ist eine der Attraktionen in Nevermoor – ein Hotspot für abendliche Gesellschaften jeder Art. Und wenn ich jeder Art schreibe, meine ich auch jeder Art!

Morrigan lernt neue Freunde kennen und ihre neue Welt ebenfalls, und was sich da auftut, ist ein knallbunter Kosmos voller liebenswerter Figuren und Szenen. Ich kam mir beim Lesen vor wie ein Kind im Süßwarenladen, immer gab es noch einen Knallfrosch oder Lakritze in Fischform oder grüne Brausedrops, und wenn man dachte, jetzt kenne ich aber wirklich alles, kamen Colaschnüre und Schokoschaum um die Ecke. Es macht große Freude, sich in diesem Buch aufzuhalten und an Morrigans Seite Nevermoor und alles darin zu erkunden. Das es nebenbei auch noch darum geht, Morrigans besonderes Talent zu entdecken, Prüfungen zu bestehen, um an einer ganz besonderen Schule aufgenommen zu werden und um einen Schurken, der hinter der nächsten Schattenlinie auf seinen Einsatz wartet – geschenkt. Klar, alles zusammen genommen setzt die Geschichte zusammen, aber was sie so besonders macht, ist der detailverliebte Blick auf die Figuren und vor allem auf die Spielorte. Das Hotel Deucalion hat es mir besonders angetan. Hier ein kleiner Auszug aus den Besonderheiten dieses Hotels:

„Alles bestens, Sir“, bestätigte der Portier mit seinem starken schottischen Akzent. „Die Herren des Paranormalen Notdienstes waren am Donnerstag hier und haben sich um unser kleines Geisterproblem im fünften Stock gekümmert. Ich habe die Rechnung an die Buchhaltung weitergeleitet. Außerdem hat die Verkehrsbehörde Nevermoor gestern eine Nachricht geschickt – man benötigt Ihren Rat wegen irgendwelcher Echos an der Fadenschein–Strecke. Ach ja, und jemand hat vier Alpakas im Wintergarten zurückgelassen. Soll ich die Rezeption bitten, eine Durchsage zu machen?“
„Alpakas! Donnerwetter. Sind die Tiere einigermaßen zufrieden?“
„Sie mampfen sich gerade fröhlich durch unsere Orchideensammlung.“
„Dann kann das warten…“

Und so weiter. Und ich habe noch nichts über den Rauchsalon, den wachsenden Kronleuchter oder Zimmer erzählt, die sich der Stimmung ihrer Bewohner anpassen. Wer möchte nicht in so einem Hotel wohnen? Ich schon!

Das Buch war eine Entdeckung, es ist ein All-Age-Buch, und so habe ich auch schon den zweiten Band gelesen und hatte vorher echte Sorge, ob die Autorin das Niveau wohl halten kann. Tja, was soll ich sagen: Sie kann. Wer also in diesen nicht einfachen Zeiten eine Aufmunterung vertragen kann, sich für ein paar Stunden in eine bunte Parallelwelt begeben möchte, dem seien Band 1 und auch Band 2 der Nevermoor-Reihe wärmstens empfohlen. Ach ja: Unterstützen Sie Ihren lokalen Buchhändler! Viele liefern Bestellungen aus oder es gibt andere Möglichkeiten der Übergabe.

Die Stachelbeere lebt!

Ich möchte mal kurz vermelden, dass die Namensgeberin meines Blogs überlebt hat! Hurra! Und das, nachdem ich in den letzten Wochen tägliche, besorgte Blicke auf sie geworfen hatte, weil sich so gar nichts tat… aber nun:

Sie ist so stachelig wie eh und je…

… und hat mich auch schon gleich wieder gepiekst und wollte mich nicht aus ihren Fängen lassen. Insofern: Der Sommer kann kommen!

Das Huhn, der Dieb und die Frau (Stadtmusikanten alternativ)

Das Huhn, der Dieb und die Frau (Stadtmusikanten alternativ)

Es war einmal ein Huhn, das nur jeden zweiten Tag ein Ei legte, nicht in die Norm passte und ein böses Ende als Suppenhuhn nehmen sollte. Da beschloss es, fortzulaufen, denn etwas besseres als den Tod würde es überall finden. Es nahm Anlauf, flog über den Zaun und machte sich auf den Weg.
Tief im Wald traf es einen Dieb. Der Dieb hatte Brot gestohlen, denn er war hungrig gewesen. Er versteckte sich vor den Dorfbewohnern, die mit spitzen Forken und scharfen Sensen nach ihm suchten. Da sagte das Huhn: „Komm mit mir, etwas besseres als den Tod findest du überall, und gemeinsam sind wir stark!“ Der Dieb willigte ein, schnürte sein Bündel mit dem Brot und sie machten sich auf den Weg.
Hinter dem Wald blieben sie an einer Kreuzung stehen und sahen auf den Wegweiser. Links ging es nach Bremen, rechts zur Räuberhütte und geradeaus schlängelte sich der Weg zur Farm des Osterhasen. Unter dem Wegweiser saß eine Frau. Sie sah traurig aus, denn ihre gesamte Karottenernte war von den Arbeitern des Osterhasen gefressen worden. Da sagte das Huhn: „Komm mit uns, etwas besseres als Schuldnerberatung und Gelächter der Arbeitshasen findest du überall, und gemeinsam sind wir stark!“ Die Frau willigte ein, nahm den Sack mit den letzten Karotten und sie machten sich auf den Weg.
Zwei Meter weiter blieben sie stehen. „Wohin wollen wir?“ fragte das Huhn.
„Nicht zurück zur Hühnerfarm!“, sagte der Dieb. „Dort werde ich gesucht.“
„Nicht zur Räuberhütte!“, sagte die Frau. „Dort verstecken sich die Karottendiebe.“
„Gut“, sagte das Huhn, „dann gehen wir geradeaus zum Osterhasen. Mit dem habe ich sowieso noch ein Hähnchen zu rupfen. Schließlich legen wir die Eier, für die er den ganzen Beifall kassiert.“ Und so gingen sie geradeaus zur Farm des Osterhasen.
Der Tag ging zur Neige, es wurde dunkel und kühl. Die Frau fror, und der Dieb borgte ihr seinen Schal. Das Huhn musste eine Pause machen, um ein Ei zu legen, das die Frau und der Dieb sich teilten. Sie aßen es zusammen mit dem gestohlenen Brot und den restlichen Karotten, und die Frau streute ein paar Krümel für das Huhn aus. Als sie weitergingen, war es Nacht.
Da sahen sie in der Ferne ein Licht leuchten. „Was ist das?“ fragte die Frau.
„Ein Himmelsfenster?“ fragte das Huhn mit schwankender Stimme, denn es war nicht daran gewöhnt, in der Nacht draußen zu sein.
„Ich sehe nach“, sagte der Dieb und verschwand wie ein Schatten in der Dunkelheit. „Es ist das Sommerhaus des Osterhasen“, berichtete er, als er zurück kam. „Er malt goldene Eier an und singt dabei, und auf dem Tisch stehen Wein und Käse, Schinken und Bier.“
Das Huhn und die Frau starrten ihn an. „Was können wir tun?“ fragte das Huhn.
„Nun“, sagte die Frau, „das ist einfach. Ich sage euch, was ihr tun müsst. Folgt mir.“ Das taten sie, und als sie am Sommerhaus des Osterhasen ankamen, schien das Licht warm und behaglich aus den Fenstern. Das Huhn flog auf und flatterte gegen die Fensterscheiben, bis sie aufsprangen, und schrie, so laut es konnte: „Pass auf, pass auf, die Menschen kommen, die Menschen kommen!“
Der Osterhase sprang auf und sah sich hektisch um. Das goldene Ei, das er in der Pfote hielt, fiel mit einem dumpfen Geräusch auf seinen langen Fuß, und er heulte auf. Da erschien die Frau vorm Fenster, schwang ihren leeren Karottensack um den Kopf und schrie: „Du bist es! Du bist es! Ich hab es gewusst! Betrug! Betrug! Du bist der Eierdieb! Du stielst die Eier!“
Der Osterhase jaulte auf und sprang durch das offene Fenster. Mit humpelnden Sprüngen machte er sich davon, so schnell ihn seine Pfoten trugen.
Das Huhn, die Frau und der Dieb sahen sich an und lachten. Dann sammelte der Dieb mit geschmeidigen Bewegungen alle goldenen Eier auf, die er finden konnte und tat sie in sein Bündel. Obendrauf packte er Wein und Käse, Schinken und Bier, und als sie sich alle ein wenig aufgewärmt und ausgeruht hatten, verließen sie das Sommerhaus und verschwanden in der Dunkelheit.
Als sie wieder an der Kreuzung ankamen, schien der Mond auf sie herunter.
„Was wollen wir nun tun?“ fragte die Frau.
„Wir könnten uns trennen“, sagte der Dieb. „Die Räuberhütte scheint interessant zu sein.“
„Hm“, sagte die Frau. „Ich wollte immer schon mal die Hühnerfarm sehen.“
„Ach, ihr Langweiler“, sagte das Huhn. „Das kennt ihr doch alles schon! Lasst uns gemeinsam nach Bremen gehen und dort die goldenen Eier verkaufen. Dann machen wir ein kleines Theater auf und spielen unsere Geschichte vor Publikum, und wir bekommen eine Statue auf dem Marktplatz. Na? Was ist?“
„Hm“, sagte der Dieb. „Darf ich ab und zu Geldbörsen stehlen?“
„Hm“, sagte die Frau. „Darf ich Karotten im Garten anpflanzen?“
Das Huhn seufzte. „Na klar. Los jetzt, auf geht´s!“
Und so zogen sie weiter nach Bremen, und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie glücklich und in Frieden bis heute in einer alternativen WG im Viertel.

Das ist die hübsche Tiffy, die heute dazu beiträgt, Missverständnisse über dumme Hühner aus der Welt zu schaffen. Hühner können auch ganz anders!

Was kann ich?

  • 7-Minuten-Eier kochen
  • konsequent sein (manchmal)(könnte öfter sein)(echt jetzt)
  • zu Fuß gehen, auch wenn es kalt ist und regnet
  • aus nichts schönes machen
  • Zimtschnecken backen
  • die richtigen Geschenke suchen
  • und finden
  • Gott suchen
  • komplexe Dinge organisieren
  • verrückte Dinge denken
  • sie aufschreiben
  • Kritzelbilder malen
  • zuverlässig sein
  • singen (an kleinen Maßstäben gemessen)
  • leben und träumen

 

Was kann ein Dieb besser als ich?

  • gut aussehen in schwarzer Kleidung
  • lautlos schleichen wie Winnetou
  • im richtigen Moment am richtigen Platz sein
  • nachts elegant über die Dächer von Nizza balancieren
  • klettern
  • mutig verrückte Pläne nicht nur denken sondern umsetzen
  • Bedenken wegschieben
  • das Risiko des Scheiterns aushalten
  • sich in gefährliche Situationen begeben und ohne Schramme herauskommen
  • schweigen, wenn es darauf ankommt
  • etwas tun, was man nicht tut
  • wegrennen

Was lockt dich?

Bist du der Durchschnitt aus fünf Menschen?
Die Fallensteller locken dich
mit sanften Wellen oder wilden Kringeln.
Ein Käfer schießt nach vorn,
mit Licht lockst du die Fliegen an.
Was zieht dich
so mächtig himmelwärts
aus deiner Spur im weichen Pulverschnee?

Das war ein google-gedicht, entstanden aus der Frage: Was lockt dich? Aber ich habe die Sätze danach noch ziemlich bearbeitet, ohne die Bearbeitung hätte es mir nicht gefallen. Wer noch mehr dazu wissen will: Hier.

Der Dienstag dichtet! 🙂  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram, Mutigerleben, Werner KastensFindevogel, die Wortverzauberte und  Ein Blog von einem Freund sind mit von der Partie. Schaut doch mal bei ihnen vorbei, der Dienstag fängt besser an mit ein bisschen Wortzauberei!

Was kann ein Huhn besser als ich?

  • völlig eins mit sich und der Welt im Sand scharren
  • beruhigend vor sich hin glucksen
  • Eier legen
  • Würmer suchen, finden und fressen (ok, das könnte ich auch, aber… nein.)
  • Nester an unmöglichen Stellen bauen
  • rechtssichere Verträge mit dem Osterhasen abschließen (zwecks Eierhandel)
  • entspannt auf einer Stange sitzen und dann auch noch darauf schlafen
  • es weiß immer ganz genau, wer es ist
  • Sandbäder nehmen
  • Feder verlieren und damit Kinder glücklich machen

Kein Hühnereiversteck, aber trotzdem sehr hübsch, oder?