Man könnte …

Im verbleibenden Rest des Novembers könnte man …

Adventskalender basteln
wandern gehen
jemanden anrufen/besuchen, den man schon längst hätte anrufen/besuchen wollen
ins Kino gehen
die Kunst in der Natur wahrnehmen – Farben, Geräusche, Zugvögel am Himmel in erstaunlich geradlinigen Formationen, … – bestaunen und genießen
einen Abendspaziergang machen und in erleuchtete Fenster schauen
das tun, was einem gut tut – und das regelmäßig – und so die Seele weiten
einen Spieleabend organisieren
dem aktuellen Draussenkonzert lauschen: raschelndes Laub, krächzende Krähenvögel, brausender Wind, Zugvögel, …
mit einem Menschen aus einer anderen Generation/einem anderen gesellschaftlichen Milieu etwas unternehmen, Zeit verbringen und Vorurteile abbauen

Mal wieder ein Gastbeitrag von Himmelgraublau – dankeschön!

Fräulein Honigohr stellt sich vor

Wenn Fräulein Honigohr morgens aufwacht, steigt sie als erstes in ihre kuscheligen, rosa Plüschhasenschuhe, macht sich leicht schlaftrunken eine Tasse dampfend heißen Tee und sieht im Dunkeln aus dem Fenster. Sie beobachtet die Leute, die unter ihrem Fenster vorbeigehen und freut sich über die lebendige Straße, in der sie wohnt.

Danach zieht sie sich an und schlüpft zum Schluss in die weißgepunkteten roten Regenstiefel, weil es draußen nieselig und naß ist. Auf dem Weg zum Bäcker, bei dem sie sich jeden Morgen mit Herrn Brummeck die Zeitung teilt, geht sie konsequent durch jede Pfütze – wenn schon, denn schon.

Fräulein Honigohr träumt davon, eines Tages mit dem Schaufelraddampfer den Mississippi hinunterzufahren, von der Quelle bis zur Mündung, und dabei Tom Saywer und Huckleberry Finn zu lesen. Gemeinsam mit Herrn Brummeck, wenn es geht. Wenn es nicht geht, dann ohne ihn. Sie hat schon die Hälfte des notwendigen Reisegelds zusammen und arbeitet an der zweiten Hälfte (wenn auch nicht immer hundertprozentig konsequent, aber wer kann schon an einer englischen Komplettausgabe aller Calvin und Hobbes Bände vorbeigehen? Fräulein Honigohr jedenfalls nicht).

Sie liebt französische Macarons, am liebsten sind ihr die grünen, die rosafarbenen schenkt sie meist ihren Kollegen, denen die Farbe rätselhafterweise völlig egal ist – Männer! Ihre Arbeit liebt sie auch, meistens jedenfalls. Vormittags plant sie Spielplätze für Schulen und Kindergärten, nachmittags verleiht sie Bücher in der Stadtbibliothek. Und wenn der Jahrmarkt in der Stadt ist, findet man sie entweder im Kettenkarussell oder im Mäusepanoptikum, obwohl sie auf den Geruch dort eher verzichten könnte – aber die Mäuse machen das wett. Diese zwei Leidenschaften teilt sie mit ihren Nichten, und sie teilt sie gerne und oft mit ihnen.

Und das soll fürs erste reichen.

Himbeermond

Himbeermond

zwischen unseren Gedanken
unter all dem täglichen Gewühl
verbirgt sich eine fremde schöne Welt
dunkle Quellen wispern dort vom Meer
im Mondschein singt der Silbervogel
aus gewirktem blassen Morgennebel
baun die blauen Feen ihr Nest
sie warten auf die purpurrote Sonne
heiße Feuerdrachen spieln darin
ziehen gleißend helle Feuerbögen
auf weichen Feldern ruht der Nachtwind
träumt von kühlen Nächten
unterm schweren Himbeermond

Ausgelesen: Eva und der Zitronenfalter. Von Susanne Niemeyer.

Allein der Titel! Nur deswegen muss man es eigentlich schon haben, dieses Buch. Wer schon immer ein wenig frustriert darüber war, dass über die Frauen in der Bibel weniger diskutiert wird als über die Männer, hat hier die perfekte Vorlage: Neunzehn Mal ist eine Frau die Hauptperson in Susanne Niemeyers Buch. Nach dem Lesen ist man garantiert nicht immer einer Meinung mit der Autorin, hat aber eine Menge Gesprächsstoff und mit Sicherheit neue Denkanstöße bekommen. Mit Humor, Leichtigkeit und einer großen Portion Unbekümmertheit holt sie die biblischen Persönlichkeiten in unsere Gegenwart, setzt sie vor uns hin und sagt: So. Jetzt seht euch mal an und schaut, wie ihr miteinander klarkommt. Und dann sitzt man da und muss wirklich erst mal denken (was ja manchmal nicht ganz leicht fällt, wenn man so tagein-tagaus in den immer gleichen Bahnen rutscht).

Dieses Buch ist ein großer Gewinn für alle Beteiligten: Leser, Diskutierer, Zuhörer und für die historischen Frauen selbst. Selten wurden sie schöner und lebendiger aus ihren oft sehr knapp bemessenen Texten herausgeholt. Der Anfang des Buches geht so:

„Eva war 32 Jahre alt und hatte einen passablen Mann. Der war möglicherweise weniger klug als sie, aber häuslich und verlässlich. Er hieß Adam, Adams Vater war Gott. Damit muss man erst mal klarkommen, auch als Schwiegertochter.“

Ja, muss man wohl, und wer mehr wissen möchte, lese dieses Buch!

Ausgelesen: Agatha Raisin und der tote Friseur. Von M.C. Beaton

Als die Verfilmung der Buchreihe in ZDFNeo lief, bin ich zufällig in eine der Folgen hineingeraten und war angetan: Das typische englische Dorf, mit den typischen leicht skurrilen Figuren und dazwischen Agatha Raisin, die so gar nicht in diese Szenerie passt und dem ganzen dadurch eine ungeahnte Würze verleiht: Nicht schlecht. Eine Frau, die tut, was sie will und mit ihrer Unverfrorenheit tatsächlich durchkommt, dabei aber dieselben Unsicherheiten des Lebens durchleidet wie alle anderen: Gar nicht übel! Und dann noch die Menschen, die leider eines unnatürlichen Todes sterben müssen, damit Agatha in Aktion treten kann: Wirklich, das kann man angucken, da gibt es weit, weit schlechteres.

Nun fiel mir zufällig eines der Bücher in die Hände, die als Vorlage für die Serie dienten, und als Fazit kann ich sagen: Ja, die Bücher sind sehr gut getroffen. Der trockene, lakonische, einfache Stil wurde sehr gut übersetzt, Agatha ist naturgetreu wiedergegeben mit all ihren Widersprüchen. Es ist kein „Pageturner“, ich konnte sehr gut Pausen machen beim Lesen ohne das Gefühl zu haben, ich sei auf Entzug. Eine nette Krimiserie ohne allzu große Höhepunkte, gut zu lesen.

Ausgelesen: Kommt Kuchen, kommt Liebe. Von Amy Reichert.

Ach ja. Wenn sich doch alles im Leben so fügen würde wie in diesem Buch. Als ich das gelesen habe, hatte ich ein übergroßes Bedürfnis nach Harmonie, (ziemlich) heiler Welt und Happy Endings. All das bekommt, wer dieses Buch über das Kochen, viel Liebe, sich langsam entwickelnden Romanzen und Städtebeschreibungen liest.

Ich gebe zu, es ist ein bißchen sehr viel heile Welt auf einmal, aber wer sich von den allgegenwärtigen Zombieinvasionen und Serienmörderserien zwischendurch mal erholen muss, ist hier sehr gut bedient. Dazu ein Cappuccino und ein Schokoladenkeks und die Welt ist für ein paar Stunden im Gleichgewicht. Ganzjahresempfehlung!

ich freu mich

ich freu mich

mit einem RUMMS!
bin ich vorm platzen
voll mit glück
das rumpelt und hüpft
glubbert und zischt

das rinnt an mir hinauf und hinab
honigduftend
schmeichelwarm

innen durchglüht es
schokogolden
feuerzangenheiß
singend und knisternd
meinen seelenhain

breit macht sich das glück
schlägt kleine gänsehautwellen
in meinen bauchnabel
wallt in den haaren
kitzelt langfingrig
allüberüberall

in goldenem glirren
mit einem kichern löst es sich auf
lässt mich zurück
schlackrig
mit flattrigem haar
im nächsten atemzug
ein mundvoll goldstaub

ich freu mich

Urlaubsende

„He“, sagst du und stupst deinen Schweinehund von der Seite an. „Ist alles in Ordnung mit dir?“ Er war sehr ruhig in den letzten Tagen, aber jetzt liegt er geradezu komatös da. Du machst dir Sorgen. Nicht zuviele, es ist ja auch ganz schön, wenn er mal still ist, aber trotzdem.

„Hmpf“, macht er und klappt ein Auge halb auf. „Iss was?“

„Nö“, sagst du, „ich wollte nur sichergehen, dass du noch atmest.“ Das halbe Auge klappt wieder zu. Ok. Einen Versuch machst du noch. „Fandest du´s denn nett die letzten Tage?“

Dein Schweinehund grunzt und dreht sich auf den Rücken, den pelzigen Bauch zur Sonne gewandt. Du wartest, lange. Schließlich lässt er sich doch noch zu einer Antwort herab.

„Nett. Nett. Was sind denn das für Kriterien. Wenn du´s genau wissen willst, langweilig war´s. Extrem langweilig. Aber jetzt sind wir ja auf dem Weg nach Hause.“ Er wendet sich von dir ab und rudert mit den Pfoten in der Luft, bis er die perfekte Position gefunden hat. Ein paar Minuten später ertönen leise Schnarchgeräusche.

Du wendest dich ab, damit er auf keinen Fall dein Grinsen sieht. Es scheint, als ob dein Urlaub doch ganz in Ordnung gewesen wäre.

Die Wiese

Du denkst, es ist nur eine Wiese.

Ein bißchen Gras mit Mücken.

Ein Bach, zu klein, um drin zu baden.

Hier ist doch nichts!

Die Wiese stellt sich taub.

Grüngolden träumt sie neben klarem Wasser.

Die Sonnenbank am Bach verführt:

Nur kurz die Augen schließen…

In leichte, feine Netze wirst du eingewoben.

Hundert kleine Herzen schlagen neben dir,

Sanftes Rauschen trägt die leisen Stimmen weit empor.

Sieh! Trieb nicht gerad ein Walnußschalenboot vorbei?

Mit eichelfarbnem Segel?

Was ist das für ein Tor im Schilf dort vorn?

Hängt da nicht ein Ausguck in den Zweigen?

Sei wach. Und alle kleinen Wiesendinge werden groß.

Möglichkeiten

Aufstehen oder liegenbleiben?

Entdecken oder hierbleiben?

Café oder Holzbank?

Cappuccino oder Latte Macchiato?

Kirsch- oder Kaktuseis?

Promenade oder Wassersaum?

Schuhe aus oder Schuhe an?

Einkaufen oder Bootshafen?

Matjes oder Butterfisch?

Bon riskieren oder zurückgehen?

Direkt nach Haus oder am See entlang?

In der Sonne sitzen oder kochen?

Schlafen oder …

Entschieden!