Über stachelbeermond

Ich mag Geschichten, die spannend sind und irgendwo hin wollen, sammle seltene Worte und lasse sie wie Drachen steigen... mein Blogzuhause: stachelbeeermond.com

unter dem Asphalt

unter dem Asphalt
liegt der Sand
und träumt
frühere Leben
tanzende Forellen
in kühlem Wasser
Sonnenstrahlen
über grünen Lilien
Libellen grüßten im Steilflug
heute schicken nur
die schwersten LKW
ein Beben
über seinen Rücken
unter dem Asphalt
liegt der Sand
und träumt

Dieses Gedicht ist ins Leben gerufen worden durch den Spruch: Unter dem Asphalt liegt der Strand. Der hat sich mir ins Gehirn gebohrt und nicht eher Ruhe gegeben, bis er angemessen verarbeitet war. 😊

Der Dienstag dichtet!  
Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht.
Auch Wortgeflumselkritzelkram
Mutigerleben
WernerKastens
die Nachtwandlerin
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Wortverdreher
Myna Kaltschnee
Lebensbetrunken
der BerlinAutor
Vienna BliaBlaBlub
Red Skies over Paradies
Your mind is your only limit
Dein Poet
Geschichten mit Gott
Lindasxstories
Findevogel
und Traumspruch sind mit von der Partie.
Viel Freude bei allen Besuchen!

Ausgelesen: Der kleine Buchladen zum großen Glück. Von Jackie Fraser.

Jaja, es ist ein Schmachtfetzen, ich weiß, ich weiß, ich leugne es gar nicht. Aber ein schöner, lustiger, gut geschriebener Schmachtfetzen mit überraschend viel Realitätsanteilen, und, was noch wichtiger ist, er ist nicht so puderzuckerklebrig süß wie viele andere dieser Schmachtfetzen. Und wenn die Freundin während des gemeinsamen Urlaubs dauernd darin liest, vor sich hin kichert und es empörenderweise nicht hergeben will, bevor sie es ausgelesen hat, ja dann: Dann liest man es halt danach und weiß jetzt, warum sie vor sich hin gekichert hat.
Der Inhalt: Thea erbt ein schottisches Cottage (keine genervten Seufzer, bitte!) und stellt fest, die Erbschaft ist ein klein wenig größer als vermutet. Rein zufällig ist gerade zuvor ihr bisheriges Leben in tausend Einzelteile zersprungen (auch Augenverdrehen hilft nicht, da müsst ihr durch) und so kommt ihr dieses Cottage ganz gelegen, um Wunden zu lecken und viel Abstand zu gewinnen. Noch viel zufälligerweise ist das Cottage das alte Pförtnerhäuschen eines Landadeligen, der im herrschaftlichen Anwesen am Ende der ewig langen Zufahrt wohnt (Klischeealarm!!!). Und nun die Überraschung: Für den Lord interessiert Thea sich nicht. Sie mag die Buchhandlung im kleinen schottischen Dorf, die rein zufälligerweise der Bruder des Lords betreibt… 😁
Ok, eine Ansammlung von harten Realitäten ist dieses Buch nun gerade nicht. Aber wer schon mal verzweifelt einen Liebesroman gesucht hat, der nicht tropft, wenn man ihn schräg hält und die Nase gestrichen voll hat von all den kleinen Cafés, Patisserien, kleinen Cottages am Meer und den anderen Sehnsuchtsorten plus zufällig gerade anwesendem Mann, der findet hier: Ein Cottage plus Mann. Das aber wirklich nett geschrieben, nicht überzuckert, mit einer Prise Sozialkritik und einer sympathischen Heldin. Ich habe es ausgesprochen gern gelesen und gleich im Netz geforscht, ob es noch mehr Bücher dieser Autorin gibt. Gibt es nicht! Das ist ihr erstes. Dann hoffen wir mal, sie verliert nicht die Lust am Schreiben. Ich warte!

Windesleicht

meine heimlichen Hoffnungen
spreizen sich
wie die Samen eines Löwenzahns
perfekt rund
grazil offen
herzenswunschleicht
wehe dem Luftzug
der es wagt
das perfekte Rund
auseinanderzuwehen

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Oink lernt Ameisen kennen

„Du“, sagt Oink, „was sind denn das für komische kleine Krabbler hier?“
„Ameisen“, sage ich.
„Die sind aber ganz schön beschäftigt, oder?“ Oink betrachtet eine Ameise, die zielstrebig irgendwohin läuft.
„Allerdings“, sage ich.
„Du klingst gestresst“, stellt Oink fest und betrachtet mich neugierig.
„Allerdings!“ sage ich mit Nachdruck. „Sie könnten sich woanders beschäftigen als auf meinem Balkon!“
„Unserem Balkon“, berichtigt Oink.
„Stimmt. Unserem Balkon.“
„Du magst keine Ameisen?“ fragt Oink.
„Nein. Es sind zuviele. Und ich möchte nicht, dass sie in unsere Wohnung laufen.“
Oink betrachtet die kleine Ameisenstraße auf dem Balkongeländer. „Weisst du, dass sie sich gar nicht unterhalten? Sie summen nur, die ganze Zeit ‚voran, voran, zurück, zurück‘. Das klingt ganz schön stressig.“
„Naja, für ihre innere Ruhe sind Ameisen jetzt nicht unbedingt bekannt“, brumme ich.
„Also, ich arbeite gern“, sagt Oink, „aber die ganze Zeit? Immer? Hm.“
„Ich mache auch gern mit dir Pause“, sage ich und freue mich schon auf die nächste.
„Hören die denn nie auf?“
„Nein“, sage ich, „für die ist es das Höchste, auf Achse zu sein, schaffe, schaffe, Häusle baue und kleine Ameisen machen. Pausen sind da überflüssig.“
Oink schnauft und starrt ungläubig auf die Ameisen im Lavendel. „Ich glaube, ich bin ganz froh, ein Oink zu sein. Ameise sein wäre nichts für mich. Ohne Pausen leben… brrrr.“ Er schüttelt seine rosa Ohren.
Ich nicke. „Na dann. Wie wär´s mit einer Tasse Tee?“
„Ja!“
Und dann beobachten wir friedlich Tee trinkend die emsigen Ameisen, während ein kleiner Wind sanft über Arme und Fell streichelt und auch über die Ameisen, denen das herzlich egal ist.

Ausgelesen: Rabbits. Von Terry Miles.

Es gibt ja so Bücher, die springen einen an und schreien: Lies mich! Um Himmels willen, lies mich! Du verpasst Außergewöhnliches, wenn du mich nicht liest! Nimm mich, ja, ich bin teuer, aber egal: Nimm mich mit! Das hier war so ein Buch. Es lag im Buchladen meines Vertrauens in Massen auf einem riesigen Tisch, und an der Seite am Buchschnitt war der Titel so verführerisch schwarz aufgedruckt, und das Cover und der Titel und überhaupt… was soll ich sagen, ich hab es gekauft. Ich konnte seinem Sirenengesang nicht widerstehen.
Und dann hab ich es gelesen. Tja. Was soll ich sagen? Es ist ein abgefahrener Scheiß. Entschuldigung, etwas anderes kann ich dazu leider nicht sagen. Der Held des Buches heißt K., und damit fängt es schon an. K.? Mehr kann und wird er nicht von sich preisgeben, Entschuldigung, aber sein Leben ist ihm lieb und deswegen bleibt es bei K.
K. ist nicht unbedingt ein vor Emotionen überbordender Charakter, um es vorsichtig auszudrücken, er ist Mr. Cool, auch, wenn er sich selbst nie so bezeichnen würde und ab und an tatsächlich ein Stäubchen im Auge hat, aber wenn jemand cool ist, dann ist es K. Es passieren die abgefahrensten Dinge, Menschen verschwinden, jemand versucht, ihn umzubringen und was tut K.? Er kocht Spaghetti und vernichtet eine Flasche guten Weißwein, soviel Zeit muß sein.
Genau: Die abgefahrenen Dinge. Mag hier jemand Verschwörungstheorien? Die Welt wird insgeheim von einer viel größeren, älteren Macht gelenkt, die ihren Willen in ein riesiges Onlinegame lenkt und mit Hilfe von besessenen Spielern die Welt im Gleichgewicht hält? Wenn ja, und sei es nur aus Freude an verrückten Gedankenspielereien, dann herzlich willkommen! Alle anderen: Lasst jede Hoffnung fahren, dieses Buch wird sich euch nicht erschließen (Nun ja. Ob es sich mir erschlossen hat, ist bis zum jetzigen Zeitpunkt unsicher.).
K. ist also ein vom geheimnisvollen Rabbits-Spiel besessener Spieler, und das gesamte Buch dreht sich um dieses Spiel. Dabei weiß der Leser/die Leserin nie genau, woraus dieses Spiel eigentlich besteht – was genau muß man tun, um voranzukommen? Zusammenhänge erkennen, ja, aber welche? Und warum? Es blieb mir verborgen. Kryptisch. Verrätselt. Und trotzdem: Ich habe immer weitergelesen, aus nicht genau nachvollziehbaren Gründen. Irgendwann entwickelte sich plötzlich ein Sog, und ich wurde gezogen. Wer weiß, vielleicht habe ich eine kurze Zeitlang Rabbits gespielt, ohne es zu bemerken, so wie wir alle. Oder?
Zurück zu den Charakteren. Sie bleiben alle kühl, seltsam gesichtslos, zurückhaltend, cool eben. Das Leben der Buchfiguren ist eine endlose nerdige Abfolge von Computerspielen, Popkulturausflügen, angesagter Undergroundmusik und seltsam unausgewogenem Alltag. Es wird sehr viel Pizza und Pasta gegessen, es werden T-Shirts mit coolen Aufdrücken getragen und selbstverständlich bewegen sich alle im Netz, als ob sie darin geboren worden wären. Was sie ja auch sind.
Für ein Buch, das ich nicht richtig beschreiben kann, ist das jetzt ein ziemlich langer Text geworden, es ist kein Verriß, es ist keine Lobeshymne, es ist, was es ist: Abgefahrener Scheiß. Wer Freude an PC-Games und Popkultur der letzten Jahrzehnte hat, sollte es versuchen. Wer weiß. Vielleicht hat Rabbits euch bloß noch nicht entdeckt.

neun Uhr morgens

neun Uhr morgens
Schienen wellen sich zu Stahlspaghetti
Wiesengras streckt Hände zur Sonne
anbetend verdorrt
staubblauer Himmel
drückt Dachfenster ins Haus
die Welt verflacht
ein Pfannkuchen
gebacken auf höchster Stufe

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Als ich aus der Tür trete

Als ich aus der Tür trete, versperrt ein Satz mir den Weg.
„Wo kommst du her und wo willst du hin?“
Ich bleibe irritiert stehen, die Türklinke in der Hand. „Äh“, stammle ich, denn der Satz verlangt Beantwortung. Mehr fällt mir allerdings erst mal nicht ein. Dann versuche ich es mit „von oben und zur Arbeit?“. Ich mache einen winzigen Schritt nach vorn. Mir ist, als ob der Satz die Arme verschränkt und streng guckt.
„Ok, ok“, sage ich hastig und überlege. Wo komme ich her? Und wo will ich eigentlich hin? Ich lehne mich in die offene Tür und knibbele an meiner Unterlippe. Als es mir endlich klar ist, lächle ich. „Ich komme aus der Enge und möchte in die Weite“, sage ich und bin mir sicher.
Der Satz verneigt sich leicht und löst sich auf. Der Morgen ist hell. Ich mache mich auf den Weg.

Oink frühstückt

„Warum ist das Frühstück nochmal die schönste aller Mahlzeiten?“ fragt Oink und isst schmatzend eine Erdbeere.
„Tja. Was meinst du?“ sage ich und nehme einen Schluck Tee, während die Mauersegler über uns hinweg zischen, eine kleine Biene in den Schnittlauchblüten schwelgt und zwei Marienkäfer versuchen, einen Ausweg aus dem Sonnenschirm zu finden.
„Weil man besonders viel Hunger hat am Morgen?“ fragt Oink und weicht einer Ameise aus.
„Vielleicht“, sage ich und köpfe mein Frühstücksei. Eine warme Brise streichelt mir über die Arme.
„Oder weil der Tag noch vor einem liegt?“ fragt Oink.
„Könnte sein“, sage ich und streue Salz über das perfekt gekochte gelbe Dotter.
„Nein!“ ruft Oink, „ich hab´s! Weil du ungestraft Schokocreme essen darfst!“
„Ab-so-lut!“ sage ich und betrachte liebevoll das Glas mit Schokocreme. Auch, wenn ich heute lieber Zitronenmarmelade essen werde.

Was auf dem Tisch liegt

  • 31 Filzstifte, unterschiedlich ausgetrocknet
  • der blaue Sardinenteller aus Praiano
  • ein gelangweiltes Buch
  • ein frisches Buch
  • die Häkeldecke von Mama
  • gezügelte Unbeherrschtheiten
  • der Poesiekalender vom Vorjahr (mit zu vielen leeren Seiten)
  • unentdeckte Gedichte

Ausgelesen: Das Buch des Totengräbers. Von Oliver Pötzsch.

Noch ein Buch, das ich ohne diese große geschenkte Büchertüte nie gelesen hätte. Und in diesem Fall wär´s schade gewesen! Aufgrund des Covers wäre es fast auf den Stapel der weiterzugebenden Bücher gelandet, es war zu düster, zu gruselig und überhaupt. In der Buchhandlung hätte es keine Chance bei mir gehabt. Und eins muss ich sagen: Zartbeseitete, nervenschwache Menschen könnten den ein oder anderen unangenehmen Traum nach der Lektüre dieses Buches haben. Wer sich ungern mit Tod, Friedhöfen und Bestattungen beschäftigt: Finger weg! Wer dagegen historische Kriminalromane mag und nichts gegen detailreiche Beschreibungen von Leichen hat: Finger her!
Leopold von Herzfeldt, seines Zeichens Inspektor bei der Kriminalpolizei, kommt 1893 von Graz nach Wien, um dort eine neue Stelle anzutreten. Er vertritt neue, fortschrittliche Methoden bei der Tätersuche und ist jung, hungrig und arrogant, was bei seinen Kollegen weniger gut ankommt. Als ein Dienstmädchen ermordert wird, bekommt er unerwartet Hilfe von Augustin Rothmayer, Totengräber auf dem fast noch neuen Wiener Zentralfriedhof.
Das Buch beginnt direkt beim Fund der ersten Leiche, und man bekommt sofort eine Ahnung, was einen im weiteren Verlauf erwartet: Detailierte Beschreibungen des historischen Wiens, die Arbeit in einem damaligen Polizeirevier, atmosphärische Beschreibungen des Wiener Zentralfriedhofs und gut gezeichnete Figuren. Die Figuren kippen stellenweise ein wenig ins schablonenhafte, aber der Autor bekommt immer gerade noch die Kurve, bevor es zu auffällig wird. Die Handlung schreitet recht zügig voran, ab und zu hängt sie kurz durch, aber auch das ist absolut tolerierbar. Interessanterweise mochte ich die Hauptfigur zu Beginn des Buches sehr, dann fing ich an, sie ziemlich selbstgefällig und weinerlich zu finden, aber das gab sich zum Schluss des Buches wieder. Die berühmte Katharsis des Helden, in diesem Buch hat sie eine ziemlich steile Kurve nach unten und bekommt nur langsam wieder Fahrt nach oben. Interessant.
Erwähnenswert sind die wirklich sehr genauen Schilderungen von Leichen, Mordopfern, Verwesungsprozessen und Begräbnissen. Alles sehr interessant, aber auch ziemlich morbide. Das muss man mögen oder abkönnen; allen, die Probleme damit haben, empfehle ich, einen Bogen um dieses Buch zu machen. Alles in allem einer der besseren historischen Romane, die es im Moment ja ziemlich schwer haben neben all den heiteren Krimis, den skandinavischen Krimis mit den dicken dunklen Wolken über allem, den Liebesromanen, Fantasyromanen und der schöngeistigen Literatur. In meinem Lieblingsbuchladen ist der Tisch mit den historischen Romanen jedenfalls von früher gefühlt 10m² auf 1m² geschrumpft.
Wer weiß: Vielleicht würde ich sogar einen zweiten Band mit Augustin Rothmayer lesen, wenn er mir denn in die Hände fiele.