alles ist da

alles ist da
Ruhe und Zeit
Stift und Papier
aber in mir
nur leeres Gewirr
Pinsel und Farben
Ton und Musik
sogar die Musen
machen sich schick
doch in mir
nur leeres Gewirr
alles ist da
nur ich Narr
mach mich rar

Und wenn einem nichts einfällt, dann macht man sowas!

Das war ein Gedicht höchster Kunst über einen Zustand, den wohl jeder kennt, der auf Kommando kreativ sein soll. Die kommt nämlich nie, wenn man sie ruft. 🙂

Der Dienstag dichtet! 🙂  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram, Mutigerleben, Werner KastensFindevogel, die Wortverzauberte und  Ein Blog von einem Freund sind mit von der Partie. Schaut doch mal bei ihnen vorbei, der Dienstag fängt besser an mit ein bisschen Wortzauberei!

Was meine Phantasie alles kann (an guten Tagen)

Was meine Phantasie alles kann:

  • aus sinnlosen Gedanken Gold spinnen
  • immer einen Fluchtweg wissen
  • Schätze finden in Bürgersteigritzen
  • sagen: „komm, wir gehen fliegen“ und es tun
  • unter einhundert Türen die richtige wählen
  • von Ländern erzählen, die googlemaps nicht kennt
  • in alle Augen sehen und alle Hände halten
  • lachen, wo es wenig zu lachen gibt
  • ohne Skrupel endlose Monologe halten und erwarten, dass ich zuhöre (was ich tue)
  • beleidigt verschwinden, wenn ich versuche, sie zum Schweigen zu bringen
  • unauffindbar bleiben
  • aus dem Nichts zurückkommen und peinliche Fragen stellen
  • mit sich selbst genauso flirten wie mit anderen
  • tanzen, als ob ihr die Welt gehören würde (und das tut sie ja auch)
  • mir abends vorm Einschlafen schillernde Sekundengedanken schenken
  • trösten

Als ich die Phantasie traf

Heute Abend habe ich die Phantasie getroffen. Natürlich sah sie ganz anders aus als beim letzten Mal, als sie Lollys im Haar trug und kichernd auf bunten Socken durch meine Küche tanzte.
Heute dagegen ging sie geistesabwesend immer zwei Meter vor mir her, ihr Haar schimmerte silbergrau und hing schwer herunter. Sie war nur halb bei mir, die andere Hälfte war sehr weit weg und befasste sich mit ernsten Angelegenheiten.
Von Zeit zu Zeit drehte sie sich zu mir um, ging rückwärts und sagte Dinge wie: „Wusstest du, dass Tränen eine silberne Innenhaut haben und Welten enthalten können?“ Oder: „Gerade habe ich mir vorgestellt, es wäre noch Tag, die Sonne schiene und ich wäre so leicht wie ein Rotkehlchen.“ Oder: „Schwarz ist gar nicht immer einfach nur Schwarz. Es kann bleiernes Schwarz sein, oder dumpfes Schwarz. Es gibt sogar strahlendes Schwarz, wusstest du das?“
Nach jeder Frage drehte sie sich wieder um und sah nach vorn. Sie erwartete keine Antworten.
Es war ein bisschen seltsam, wo sie doch sonst immer vor Farbe, Musik und Ideen übersprudelte. Wie oft hatte ich schon kleine Fische um ihren Kopf herumschwimmen sehen, ohne dass auch nur eine Spur Wasser in der Nähe gewesen wäre! Und nie konnte ich mich sonst entscheiden, welche Augenfarbe sie gerade hatte, mal waren sie Ozeanblau, mal Sonnenuntergangsgolden, mal grün wie Waldmeisterwackelpudding. Heute dagegen war ich mir sicher: Sie konnten nur silbergrau sein.
Nachdem wir alles ein paarmal wiederholt hatten – umdrehen, rückwärts gehen, Frage stellen, keine Antworten – ging ich ein wenig schneller, bis ich auf einer Höhe mit ihr war. Sie sah mich nicht an. Ganz vorsichtig nahm ich ihre Hand. Sie war kühl und sie zog sie nicht weg. So gingen wir schweigend zusammen nach Hause.
Ich bin mir nicht sicher, aber mir war, als ob wir beide ein wenig heller wurden auf dem Weg.

Gesang

Töne steigen auf
im Kerzenlicht
verweben sich
formen goldene Wolken
fließen umeinander
schweben hoch
um herabzusinken
spielen mit den Säulen
werfen sich
elegant von Wand zu Wand
bis alles hell und klar ist
Licht im warmen Dunkel
Honigtöne flüstern
wo warst du solange?

Es gibt Orte, die sind Herzensorte, und wenn man zu ihnen zurückkehrt, manchmal nach längerer oder sehr, sehr langer Zeit, ist es wie nach Hause kommen.

Der Dienstag dichtet! 🙂  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram, Mutigerleben, Werner KastensFindevogel, die Wortverzauberte und  Ein Blog von einem Freund sind mit von der Partie. Schaut doch mal bei ihnen vorbei, der Dienstag fängt besser an mit ein bisschen Wortzauberei!

Fragen

im hintersten Winkel meines Atems
wo es dunkel und eng ist
schläft die Frage nach Dir
von Zeit zu Zeit
wacht sie auf
reckt ihre dünnen Glieder
flüstert ihre Fragen
schwingt als Echo
in meiner Haut
ich atme ein
decke sie zu
mit Leben Menschen Aufgaben
sie schläft
schickt stille Traumbilder
ins Draußen
malt Fragezeichen
in meinen Atem

Der Dienstag dichtet! 🙂  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram, Mutigerleben, Werner KastensFindevogel, die Wortverzauberte und  Ein Blog von einem Freund sind mit von der Partie. Schaut doch mal bei ihnen vorbei, der Dienstag fängt besser an mit ein bisschen Wortzauberei!

 

Schabernack

Schabernack

im farblosen Februar
blüht der flammende Schabernack
schiebt sich breit zwischen die Zeit
jagt roten Sturm
durch schwarze Gedanken
lässt Nixen und Feen sich erheben
küsst wild ihr weißes Haar
lockt aus müden Augen
dunkle Koboldprinzen
bläst Wunschkonfetti
in blasse Gesichter
tanzt lila Reigen
ins Silbermorgengrauen
beim Sprung über den Mond
verblasst er
verweht in kühler Morgensonne
von weit entfernt
ein Hall
aus blaugrünem Lachen

Das war ein Beitrag zu den Etüden, immer noch dankenswerterweise von Christiane organisiert – vielen Dank dafür! Grundregeln sind maximal 300 Wörter, enthalten sein mussten dieses Mal die Worte Schabernack, breit und erheben. Die Wortspende kam von René und seinem Blog BerlinAutor. Und ich finde, für eine Norddeutsche habe ich ganz schön viel Karneval in meinem Text. 🙂

Gänseblümchenengel

… Dann gibt es die weithin völlig unbekannte Unterengelart der sogenannten Gänseblümchenengel. Sie leben weit verstreut auf Wiesen und Rasenstücken aller Art und bewohnen die Blüten des gemeinen Gänseblümchens, auch bekannt unter den Namen Tausendschön, Maßliebchen etc. (lat.: Bellis Perennis).
Die Gänseblümchenengel leben dauerhaft in den von ihnen gewählten Blüten und bleiben auch in der Nacht oder bei Regen standorttreu, vermutlich weil die Blütenblätter sich ebendann schützend schließen. Eventuell schließen die Blütenblätter sich, weil sie bewohnt sind, dies ist aber lediglich eine unwissenschaftlich begründete Annahme und noch weitgehend unerforscht.
Gänseblümchenengel gehören zu den eher unauffällig tätigen Unterengelgattungen. Ihre Wirksamkeit ist lediglich zu spüren beim direkten Beliegen einer Wiese ohne schützende Decke zwischen Rasenpflanzen und Haut. Wer sich diesem Risiko in heutigen Zeckenzeiten aussetzt, wird belohnt durch anhaltende Glückseligkeit und dem Wiederkehren glücklicher Kindheitserinnerungen. Auf diesem Gebiet liegen die ureigensten Fähigkeiten der Gänseblümchenengel. Sie werden ohne Auffälligkeiten wie Strahlenkranz, Lichterscheinung oder Gesang direkt weitergegeben. Weitere Tätigkeiten des Gänseblümchenengels sind nicht bekannt oder noch nicht hinreichend erforscht. Für sachdienliche Hinweise in dieser Richtung sind die Verfasser dieses Artikels dankbar. …

(für Karin 🙂 )