Urlaubsende

Ach!
Seliges Ausschlafen,
Frühstücksgefühle um neun,
frei sein für Bücher
und neue Freunde.
Leuchtende Pläne,
frische Gefühle,
Tagträume himmelhoch,
sich dehnende Stunden.
Eisvögel am Fluss,
Wasserlinsen im Haar,
eine kleine Weile
den Mond beim Wandern begleiten.
Vorbei, vorbei.
Ach!
Schön wars.
Gerne wieder!

November

November
der Dunkle, Sanfte
gewährt uns ruhige Stille
wir sehen nach innen
betrachten was war
und nicht sein wird
kühle Kerzen brennen
erleuchten graue Stunden
die Dezemberorangen
noch ungeschält
vor uns

Reisebeginn

früher Aufbruch
bei den Nachbarn brennt noch Licht
milde Nachtluft
leere Straßen
viel mehr Sterne als sonst am Himmel
der Koffer klappert über das Pflaster
als der Zug wirklich losfährt
freudige Aufregung

Ich bin dankbar

Ich bin dankbar
für den Kaffee am Morgen
für die Sonne, die den Herbstnebel auflöst
für eine helfende Hand, oder auch zwei
für Bücher und Geschichten, in die man abtaucht und die Zeit vergisst
für einen Plan der funktioniert
für ein weiches Bett nach einem harten Tag
Ich bin dankbar
für die Vögel, die mich mit ihrem Gesang wecken
und für meine Stimme, mit der ich Gott loben kann
für Gespräche in der Küche
für mein Handy, das mir ermöglicht in Kontakt zu bleiben, über Kilometer hinweg – und dass ich es einfach mal ausschalten kann
für tröstende Worte an dunklen Tagen
für das Gefühl, wenn der Schmerz nachlässt
Ich bin dankbar
für eiskaltes Wasser an einem heißen Tag
für die Wärmflasche, wenn ich friere
für Flammkuchen und Federweißen und für die Menschen, die sowas leckeres erfinden
für einen stillen Ort, wenn ich ein dringendes Bedürfnis habe
für ein Gesicht, dass mich anlächelt, einfach so.
für das Gefühl, gerade am richtigen Ort zu sein und das richtige zu tun
Ich bin unendlich dankbar

Ein Beitrag von himmelgraublau – vielen Dank!

 

Danke

vielen Dank für den Schatten
den gezähmten Fluß und die gestreiften Fische darin
für nackte Füße, die Schmutzränder und das Lachen
vielen Dank für das Fenster, den Himmelsblick und die Sterne weit oben
den sauren Wein und die Hitze, die ungeheure, wahnsinnige Hitze
für alle Stempel und Texte, den Ausblick und den ungehinderten Rückblick
vielen Dank für Holz und Beton und für das durchsichtige, weite Glas
danke für alles Grün im Garten, die plumpsenden Äpfel und müde Mücken im Dunkeln
und meinetwegen für alle eintausend Fliegen in der Küche und ihre zahllosen Todesarten auch

(Reminiszenz an Hans Magnus Enzensberger, Empfänger unbekannt)

zweckfrei

zweckfrei

tue etwas
einzige Regel:
verwende es nicht
zeige es nicht
besprich es nicht
verschenk es nicht
lächle nicht geheimnisvoll
schweige nicht vielsagend
tue es nur für dich
zweckfrei
sinnfrei
und dann:
freu dich

Heute morgen

Heute morgen um halb acht
– Nase gekraust
weil von Kälte gepiekt –
hüpft eine Schneeflocke
eben auf diese.
Während ich nach oben seh
stirnrunzelnd und prüfend
betrachtend den Himmel
springt sie mir ins Gesicht!
ins finstre.
Spricht kein Wort
liegt einfach da
und ich steh still
und schaue
muß meine Augen verdrehn
um sie zu sehn.
In diesem Moment
kommt ein Kind
sieht mich und lacht.
Gegen meinen Willen
ehrlich! ganz ohne mein Tun
biegen nach oben
meine Mundwinkel sich sacht
(in Richtung der Flocke).
Der Himmel lacht
ich kann es hören
an diesem Morgen
durch graue Wolken hindurch.
Und ich, ich laß die Flocke schmelzen
auf meiner Nase
geh lächelnd meiner Wege
halb acht Uhr morgens
von Kälte umhüllt
mit Sonne gefüllt.

winter