Herzensdank

ich war hungrig und durstig
meine Seele ein trocken gefallener Brunnen
trostlos und unendlich müde
Du schenktest mir
süße schwarze Brombeeren
rauschende Bäume im Wind
unaufdringliche Gesellschaft
Ameisen in meinem Schreibheft
gemeinsame Mahlzeiten
ein Bett mit Blick in den Himmel
und Stille
brausende, gurrende, knisternde Stille
ich bin immer noch müde
aber im Brunnen sehe ich mein Spiegelbild
lächelnd

Manchmal ist ein Urlaub nicht nur notwendig, sondern überlebensnotwendig 🙂 .

Der Dienstag dichtet!  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram und  Mutigerleben sind mit von der Partie. Wer den Dienstag also mit Gedichten beginnen will: Herzlich willkommen!

letzter Arbeitstag

letzter Arbeitstag

mitten zwischen
Papier und Akten
den e-mails
dem Telefonklingeln
allem müssen und sollen
dem schieben und wollen
unter den Terminen
über den Deadlines
schiebt sich Freiheit ans Licht
durchdringt alle Lücken
streichelt den sperrigen Locher
legt sich blau vor den Bildschirm
lässt Buchstaben tanzen
und
der Tee
duftet nach Urlaub

Uuuurlaub! 🙂 Nächsten Dienstag werde ich eventuell nicht dabei sein, denn da bin ich weg, hurra!

Der Dienstag dichtet!  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram und  Mutigerleben sind mit von der Partie. Wer den Dienstag also mit Gedichten beginnen will: Herzlich willkommen!

Urlaub, was ist das eigentlich?

Vielleicht so:

morgens aufstehen und keine Aufgaben haben
barfuß laufen, auch wenn es regnet
Ameisen beobachten
lesen – mehr lesen – noch mehr lesen
sich auf einen Fleck setzen und da so lange bleiben, bis einem die Beine einschlafen
neue Sommerkleider ausführen
seltsame Eissorten probieren
Seewasser zwischen den Zehen
Sommergedichte auf Postkarten schreiben
viel lachen
sehr viel schlafen
in fremde Kirchen gehen
dankbar sein
sich auf den vertrauten Alltag freuen

2017 hatte ich diesen Text schon einmal veröffentlicht, heute nun muss ich ihn einfach nochmal posten – denn ich habe ab heute Urlaub!!! Ich freu mich… Reaktionszeiten hier im Blog können dadurch etwas länger dauern, ein paar Dinge habe ich vorbereitet und jetzt tue ich erstmal wenig bis nichts. Und dann warte ich nochmal ab, trinke einen Tee und lese vielleicht ein Buch… 🙂

Urlaubsende

Ach!
Seliges Ausschlafen,
Frühstücksgefühle um neun,
frei sein für Bücher
und neue Freunde.
Leuchtende Pläne,
frische Gefühle,
Tagträume himmelhoch,
sich dehnende Stunden.
Eisvögel am Fluss,
Wasserlinsen im Haar,
eine kleine Weile
den Mond beim Wandern begleiten.
Vorbei, vorbei.
Ach!
Schön wars.
Gerne wieder!

Wattrausch

das Watt
es schmatzt
und schmotzt
es plitscht
und zischt
und blubbert
und schubbert
es quillt
und chillt
und schlammt
und schlonzt
es tropft
und spotzt
und kühlt
und spült
es salzt
und tanzt
und es kommt
oh wie es kommt
das Meer

Urlaub ist, was du daraus machst

Fräulein Honigohr seufzt zufrieden. Sie sieht sich um: Meer, Möwen, Strandkorb, Latte Macchiato.
„Ist das nicht ein herrlicher Tag heute?“ fragt sie die Dame im Strandkorb nebenan. Die guckt irritiert, erst zu Fräulein Honigohr, dann in den Nieselregen und den grauen Himmel, dann auf ihre Fleecejacke. „Naja“, sagt sie zögerlich, während eine kräftige Windböe an ihren Haaren zerrt.
Fräulein Honigohr sieht andere Dinge. Die Spatzen zwischen den Tischen. Kinder in Regenjacken, die das Wetter absolut nicht interessiert. Eine Gruppe Jugendliche, alle mit Eis in der Hand. Und vor allen anderen Dingen: Zeit.
Unverplante Zeit. Verfügbare Zeit. Zeit zum verschwenden, verschlendern, verschleudern. Die Luft riecht nach Freiheit.
Fischbrötchenzeit.
Ausschlafzeit.
Such- und Findezeit.
Fräulein Honigohr legt die Füße auf den nassen Stuhl gegenüber, verschränkt die Arme hinter dem Kopf und lächelt. Vor ihr liegt ein Meer aus Zeit, und ja, sie wird ein Boot mieten und auf ihm segeln gehen.

Urlaubsende

„He“, sagst du und stupst deinen Schweinehund von der Seite an. „Ist alles in Ordnung mit dir?“ Er war sehr ruhig in den letzten Tagen, aber jetzt liegt er geradezu komatös da. Du machst dir Sorgen. Nicht zuviele, es ist ja auch ganz schön, wenn er mal still ist, aber trotzdem.

„Hmpf“, macht er und klappt ein Auge halb auf. „Iss was?“

„Nö“, sagst du, „ich wollte nur sichergehen, dass du noch atmest.“ Das halbe Auge klappt wieder zu. Ok. Einen Versuch machst du noch. „Fandest du´s denn nett die letzten Tage?“

Dein Schweinehund grunzt und dreht sich auf den Rücken, den pelzigen Bauch zur Sonne gewandt. Du wartest, lange. Schließlich lässt er sich doch noch zu einer Antwort herab.

„Nett. Nett. Was sind denn das für Kriterien. Wenn du´s genau wissen willst, langweilig war´s. Extrem langweilig. Aber jetzt sind wir ja auf dem Weg nach Hause.“ Er wendet sich von dir ab und rudert mit den Pfoten in der Luft, bis er die perfekte Position gefunden hat. Ein paar Minuten später ertönen leise Schnarchgeräusche.

Du wendest dich ab, damit er auf keinen Fall dein Grinsen sieht. Es scheint, als ob dein Urlaub doch ganz in Ordnung gewesen wäre.