Vor dem Frühstück

Ein kleines Lied singt in mir. Ich staune: Wo kam es her?
Schon lange hatte ich keinen singenden Begleiter mehr…

🙂

Mein Balkon im Juli

Mein Balkon lebt! Auch, wenn es im Moment sehr, sehr heiß dort ist – ein Südbalkon halt. Aber ich gieße morgens und abends und hoffe, dass alle Bewohner überleben werden. Seit Mai sind ein paar neue Mieter eingezogen, einigen alten Mietern gefiel die Lage nicht, andere dagegen blühten regelrecht auf, aber das Wichtigste zuerst: Es sind noch Wohnungen frei! Wie man hier sehr schön sehen kann: Beste Lage, sonnige Südseite, regengeschützt, angenehme Nachbarn, sturmsicher, tägliches Morgenbuffet gleich nebenan und das Beste: Mietfrei!

Das hier ist Diva Nr. 2, nachdem sich die erste völlig verausgabt hatte, nur noch ein Schatten ihrer selbst war und in Rente gehen musste. Bis zuletzt habe ich sie gehegt und gepflegt, und niemals wurde irgendetwas für schnöden Frühstücksbelag verwendet – stattdessen haben täglich Bienen und Hummeln vorbeigeschaut und sie umschwärmt wie Motten das Licht. Auch Diva Nr. 2 entwickelt sich in dieselbe Richtung, vielleicht ist mein Balkon eine Bühne, und ich bin die Bühnenmeisterin?

Hier sieht man meine Stachelbeere, die dieses Jahr ganz neue, raumeinnehmende Qualitäten entwickelt und ihren Platz energisch pieksend verteidigt. Dafür konnte ich aber auch täglich zwei Stachelbeeren ernten, es ist ein Geben und Nehmen hier oben.

Der Rosmarin ist immer noch ein anspruchsvoller Logiergast, wehe, es scheint nicht täglich die Sonne (was im Moment eher weniger das Problem ist)! Aber wenn sie scheint, dann beduftet er die gesamte linke Seite des Balkons, inklusive der Stachelbeere. Ich habe ja das Gefühl, er versucht seit Wochen mit der Stachelbeere anzubändeln, aber ich fürchte, sie ist nicht unbedingt das hellste Licht auf dem Balkon und außerdem viel zu sehr mit ihrer Revierverteidigung beschäftigt.

Diese rosa Wolken hier wachsen und wachsen, in die Höhe und in die Breite, Schwebfliegen aller Art lieben sie heiß und innig, und ab und zu, wenn gerade keiner hinsieht, pflücke ich ein Blümchen für den Frühstückstisch. Leider kenne ich ihren Namen noch immer nicht, ich könnte ja auch einfach im Netz gucken, aber ein bisschen Geheimnis ist doch auch ganz nett…

Unter den rosa Wolken duftet die Vanilleblume, die sich anfangs überhaupt nicht eingewöhnen konnte – sie steht mehr auf trockene Füße, während ihre Nachbarn nasse Füße mögen. Tja. Was macht man da? Ich habe auf Zeit gespielt, mehr rechts gegossen und so langsam, nach und nach wurde sie doch noch warm in ihrem Balkonkasten. Nun duftet sie lieblich vor sich hin, wächst langsam aber stetig und ich behalte sie im Blick.

Diese blaue Glockenblume ist ein kleines Wunder: Ihre Vorgängerin ist leider wegen Kälte und Nässe ausgewandert, und ich hatte sie schon unter „versuchtabernichtgelungen“ abgespeichert. Und dann, ein paar Wochen später, kam ganz klitzeklein ein neuer Spross aus dem Boden! Und nun hat sie die erste neue Blüte!! Hah!!!

Die zwei kleinen Zwergsonnenblumen haben nach einer dramatischen Flohmarktrettung bei mir Unterschlupf gefunden – fast wären ihre Samen in einem trostlosen Umzugskarton ganz unten gelandet, aber dann kam ich, Superbalkongärtnerin, und habe sie vor dem sicheren Kellertod gerettet! Ich bin mir sicher, sie wissen das zu schätzen und geben alles.

Hier musste ich ordnend eingreifen, denn die erste Blüte war definitiv vorbei, alle Schwebfliegen kamen immer wieder umsonst vorbei, und das geht ja gar nicht. Also habe ich zur Schere gegriffen und alles niedergemäht, übrig blieb ein Stoppelfeld. Und nun, drei Wochen später – eine neue Blüte! Gleich dutzendweise kommen sie ein zweites Mal, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte nach meiner Radikalkur! Manchmal muss man einfach streng und konsequent sein. Jawoll.

Auch hier gilt: Es sind noch Wohnungen frei! Obwohl ich zugeben muss, es sind leider nur noch die zugigen Randlagen zu haben, und die neuen Mieter müssten vermutlich erst mal ein bisschen ausputzen… vielleicht auch mal streichen und neu stopfen…

Hier sehen Sie ein Experiment, ich hatte noch einen Topf frei und eine Wildblütenmischung geschenkt bekommen, und dann dachte ich mir, ach, was solls, entweder, sie schaffen es noch diesen Sommer oder eben nicht – im Moment sieht es so aus, als ob sie es wild entschlossen schaffen wollen, oder? Ein Petuniensamen hat sich auch in den Topf verirrt, eigentlich ist es da unten zu dunkel für ihn, aber mal sehen – Überraschungen gibt es ja immer.

Die geschenkten Tomaten meines Kollegen wachsen vor sich hin und ich warte auf die erste Ernte – die ersten Fruchtansätze sind schon da! Heute konnte ich sie dann auch endlich von ihrem verhassten Regenplatz wegzerren und unters trockene Dach stellen, ihr erleichtertes Aufseufzen war bis zu meinen Nachbarn zu hören, isch schwöre, escht, jetzt.

Dieses unter Lebensgefahr von oben fotografierte Bild ist ein Triumph des Wassers über die Trockenheit: Nachdem im Winter wüstenähnliche Zustände in diesem Topf herrschten, hatten sich der Lavendel und die Petunien beleidigt in die Erde zurückgezogen und ich dachte, ich hätte es vergeigt. Und nun das! Sehen Sie es sich an! Und ich kann sie nicht mal sehen, denn der Topf hängt höher als ich groß bin (ok, das ist auch nicht allzu groß), aber trotzdem: Ich bin begeistert! Ach ja, unten rechts sieht man übrigens sehr schön, wie groß mein Balkon in Wirklichkeit ist. Die Nachbarn unten züchten allerdings nur Tabakstummel in Einmachgläsern, bisher ohne großen Erfolg.

Und hier der krönende Abschluss: Meine erste eigene Kartoffelernte, liebevoll geschrubbt – sehen Sie das hübsche Rosa? Ok, über die Ertragsmenge könnte man diskutieren, aber dafür hatte ich eine Menge Grün auf dem Balkon und die erstaunliche Gewissheit, dass meine Kühlschrankkartoffeln weitaus mehr Fähigkeiten haben als nur darauf zu warten, zu Kartoffelsalat zu werden! Wussten Sie, dass die Knollen einfach anfangen zu wachsen, wenn man sie in Erde vergräbt??? Theoretisch war mir das auch klar, aber es praktisch zu sehen – nie wieder werde ich Kartoffeln geringschätzig betrachten.

Jetzt steht nur noch diese alles beherrschende Frage im Raum: Was mache ich mit ihnen? Kartoffeln mit Butter und Salz? Rosmarinkartoffeln? Blechkartoffeln? So viele Möglichkeiten…

Entschlüsse

mit müden Augen
sich aufrichten nach kühler Nacht
langsam größer werden
bei Butterbrezel und Quittengelee beschließen:
dankbar sein

Der Dienstag dichtet!  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram und  Mutigerleben sind mit von der Partie. Wer den Dienstag also mit Gedichten beginnen will: Herzlich willkommen!

Winter

Winter

Ich fühle mich wie eine Wiese
die kahl und abgeweidet ist
zu viele Schafe haben zu lange an mir gefressen
wo einst ein bunter Teppich aus Blumen und Halmen
im Sommerwind wehte
Bienen und Schmetterlinge zum Frühstück vorbeisahen
und die Feldlerche hoch in den lauen Himmel stieg
ist jetzt Ödnis
das Gras ist braun und zertreten
die Blumen längst verdaut
selbst die sanften Hügel wurden flachgestampft
Wind zieht über meine bloße Weide
leer und frostig liegt sie da
es ist kalt

aber
im Dunkel spüre ich die Maulwürfe
sie liegen und schlafen und warten
träumen von feuchter warmer Erde und sanften Hügeln
zwischen wispernden Gräsern
von gedämpftem Grillengezirp in dunklen Gängen
ich weiß
ihre Zeit wird kommen

Dieses Gedicht habe ich vor mittlerweile ziemlich vielen Jahren für eine Freundin geschrieben, der es damals gar nicht gut ging. Glücklicherweise lebt sie heute wieder recht vergnügt vor sich hin, wofür ich sehr dankbar bin.

Der Dienstag dichtet!  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Schaut gerne bei ihr vorbei, das bereichert den Dienstag ganz ungemein. Auch Mutigerleben und Wortgeflumselkritzelkram sind mit von der Partie!

Kann man mit Humor und Leichtigkeit glauben?

Was würde dazugehören?

  • mit Freude morgens aufwachen
  • nicht Funktionierendes entspannt akzeptieren
  • Andersdenkende umarmen
  • dankend leben
  • viel Gesang, pur und mehrstimmig
  • Gottvertrauen – er wird das vergeben, für das unsere Versuche nicht ausreichen
  • leicht leben, weil wir gerettet sind
  • jeden Tag ein bisschen in die Wolken schauen
  • offene Türen
  • nicht allein sein, weil wir zu einer großen Gemeinschaft gehören
  • wenn wir etwas verbockt haben, einen Ort und ein Ohr haben, wo wir es abgeben können
  • viel Liebe

Leben

schneller wäre:
geradeaus
über Asphalt
durch Granitwände
auf Beton

heute nicht

auf Sandwegen
Kurven laufen
wandeln unter blättrigem Himmel
Amseln und Enten zuhören
Wasser riechen
Dinge finden
Umwege versuchen
zu spät kommen
leben

Der Dienstag dichtet!  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Mittlerweile sind auch Mutigerleben und Wortgeflumselkritzelkram mit von der Partie. Wer den Dienstag also mit Gedichten beginnen will: Herzlich willkommen!

Bahnfahren – Lust und Leid

Es folgt eine extrem subjektive Aufzählung, entstanden nach einer sehr speziellen Bahnfahrt, die mich an Grenzen gebracht hat, von denen ich vorher nicht wusste, dass ich sie habe:

Was das Bahnfahren weniger schön macht

  • überwältigender Haarpomadenduft vor mir
  • sehr interessante Handygespräche, die man leider nur zur Hälfte hört
  • mürrische Reisende, die widerwillig einen der vier von ihnen belegten Plätze freiräumen
  • ruckelnde und schubsende Züge mit Eigenleben
  • brutal ausgeleuchtete IC-Waggons – man sieht mehr, als man jemals wollte
  • seltsame Musik (oder schlimmer: Nur die Bässe der seltsamen Musik)
  • überreife Bananen hinter mir
  • WC-Nutzer ohne Zielgenauigkeit

Was das Bahnfahren schön macht

  • vorüberziehende Kulissen drinnen und draußen
  • freie Hände
  • die Auszeit
  • eigene Musik
  • nette Zugbegleiter
  • nette Mitreisende
  • zufriedene Stille, wenn alle ruhig vor sich hin fahren
  • die Abwesenheit von Autos
  • Schnelligkeit
  • Bücher trocken und sicher aussetzen zu können

Füße auf Fahrrad bei durchrasendem Zug. Es regnet.