Wie immer

Die Köchin legte wie jeden Tag liebevoll Dekorationen auf die Käseplatten und Salate, arrangierte Melonenstücke und zu Sonnen geschnittene Radieschen auf Buttertellern. Dann, aus einen Impuls heraus, füllte sie Zucker in alle Salzstreuer und Buttermilch in die Kaffeesahnekännchen. Sie nahm ihre Schürze ab, rückte ein Radieschen gerade und verließ für immer die Küche. Sie schloß die Türen sanft.

Judiths‘ Was-Fragen

Die Fragen habe ich bei Judith entdeckt und mir ausgeliehen. Vielen Dank! 🙂

  • Was siehst Du, wenn Du nach rechts schaust?

Die kahlen Köpfe einiger großer, alter Bäume und zwei Ordner, die ich leider noch bearbeiten muss.

  • Was stärkt Deinen Mut?

Schöne Texte. Die sind wie Brot und Wasser und Manna.

  • Was hat Dich gestern gefreut?

Der Lachanfall beim zoom-Treffen. Und die Unzufriedenheit mit meinen Texten. Sehr schön.

  • Was hilft Dir am besten beim entspannen?

Stille. Planlos sinnieren. Vorfreude. Schrecklich dumme Handyspiele (Austin, ich liebe dich!)

  • Was ist Dein Lieblingseis?

Keines. Ich lass mich gerne überraschen.

  • Was steht auf Deiner To be-Liste für heute?

Mindestens drei schöne Wörter finden, die zusammengehören, aber noch allein im All herumirren. Ansonsten: Arbeiten, kochen, leben.

  • Was waren die drei schönsten Erlebnisse 2021 für Dich?

Mein Vater ist noch dabei! Alles andere fällt daneben sehr ab.

Krieg und Frieden

Die Vögel auf dem Rasen streiten um jeden Käfer, um jeden Wurm, mit großem Geschrei wird angegriffen und verteidigt, ein Drama jagt das andere. Am Abend sitzen sie einträchtig beisammen und leisten sich Gesellschaft und Wärme. So müssten wir es machen.

Impulswerkstatt – Ficus elastica

Das ist ein Beitrag zu Myriades Impulswerkstatt. Hier kann man/frau nachlesen, was das ist.

Und hier geht es zur aktuellen Einladung.

Ficus elastica

Und dann sah er manchmal, kurz nur, zwischen den Berichten, den mails, dem kalt gewordenen Kaffee, den er immer noch aus seiner alten Londoner Tasse trank, zwischen zwei hastigen Telefonaten („Hast du´s schon gehört?“ „Vergiss das Brot nicht!“) und zwei endlosen Exceltabellen, auf jeden Fall zwischen all diesen Dingen sah er dann manchmal kurz zum Fenster. Betrachtete die staubigen Scheiben, die sich vor der Dunkelheit draußen schämten und sein Büro spiegelten, es durch die Staubschicht weichzeichneten und ihn jünger aussehen ließen. Sah den Ficus elastica, den er von seinem Bürovorgänger geerbt hatte und der sich ans Licht krallte, entschlossen, und anstatt in die Breite in die Länge wuchs, immer an der Glaswand entlang, die ihm gleichermaßen entschlossen den Weg versperrte, zwei stumme Krieger, die sich bekämpfen würden, bis das Gebäude irgendwann abgerissen oder saniert würde. Er hatte es nachgelesen, der Ficus elastica war eine Würgepflanze, ein Baumwürger, und hier, hinter den Glasscheiben, gab er sein Bestes, auch, wenn es nichts zu würgen gab außer der trockenen Büroluft. Sie waren sich ähnlich, der Ficus und er. Niemals aufgeben, niemals nachlassen, seiner Natur treu bleiben, auch, wenn das Leben absonderliche Bahnen schlug. Hatte er sich selber vor dreißig Jahren so gesehen, hinter staubigen Glasscheiben, lichtlos, als Verbündeten einer Würgepflanze? In sein Überlegen hinein klingelte das Telefon, ein mittelalter Apparat, Lichtjahre entfernt von seinem Smartphone, das neben ihm wie eine summende Nabelschnur zur Außenwelt lag. Das immerhin hatte er dem Ficus voraus. Bevor er den Anruf entgegennahm, stand er auf und goß den Rest kalten Kaffees über die ausgedörrte Erde des Ficus elastica, und ihm war, als hörte er ein leises Seufzen, während die grünen Blätter sich dichter an die Glasscheibe pressten.

Ambivalenz-Listen

Was ich nicht vermissen werde:

  • das endlose Gekläff des kleinen Hundes
  • die Antworten des großen Hundes
  • das Geschrei im Nachbargarten
  • Rauchschwaden auf dem Balkon
  • die 3m² Balkon
  • die Parkettspalten
  • sonntägliche Grillpartys mit schlechtem Musikgeschmack
  • muffige Treppenhäuser
  • den Gärtner, der alle Tulpen, Narzissen, Schneeglöckchen und Krokusse abgemäht hat, immer wieder, bis nichts mehr da war
  • überquellende Mülltonnen, von Fliegen umsurrt
  • die Südlage
  • das Gefühl, keine Wahl zu haben

Was ich vermissen werde

  • die 3m² Balkon
  • die Südlage
  • den rauschenden Baum vorm Wohnzimmerfenster
  • die Nachbarn (trotz allem)
  • Ausblicke
  • das schwarz-weiß Muster des Küchenbodens
  • die Parkettspalten
  • die Lindenallee mit den unter den Füßen zerplatzenden Lindensamen
  • die Garage
  • das Gekrähe des Nachbarkindes
  • den alten Mann von gegenüber, der alle 30 Minuten auf dem Bürgersteig eine geraucht hat
  • den weißen Rosenstrauch, der selbst den Gärtner überlebt hat

Algensushi

Ganz ehrlich, wer braucht dieses Zeug? Wenn ich kalten, klebrigen Reis mit saurer Gurke essen wollte (was ich nicht will), kann ich ihn auch so essen, ohne mühsam noch ein grünes Blatt drumherum wickeln zu müssen. Es hilft auch nicht, das Ganze in Sojasauce zu tunken. Dann schmeckt es nach kaltem, klebrigem Reis und saurer Gurke in Sojasauce.

Morgengrauen

Morgengrauen

lauwarmes Morgengrauen
streicht komplizenhaft
über die Beine
der Tag gähnt lustlos
übergibt meine Hand dem Alltag
er küsst mich feucht
auf beide Wangen
ich lächle ergeben:
wir sind wieder ein Paar

Der Dienstag dichtet!  
Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht.
Auch Wortgeflumselkritzelkram
Mutigerleben
WernerKastens
die Nachtwandlerin
Myriade
Gedankenweberei
Wortverdreher
Myna Kaltschnee
Lebensbetrunken
der BerlinAutor
Vienna BliaBlaBlub
Heidimarias kleine Welt
Red Skies over Paradies
Your mind is your only limit
Dein Poet
Geschichten mit Gott
Lindasxstories
Findevogel
und Traumspruch sind mit von der Partie.
Viel Freude bei allen Besuchen!

Ausgelesen: Erdennah. Von Andreas Noga.

Hier haben wir ein kleines Gedichtbändchen mit ganz, ganz wunderbaren sehr kurzen Gedichten rund um das Thema Gott und Glaube. Es ist sowohl von innen als auch von außen sehr schön gestaltet, mit Lesebändchen und einfarbigen, bunten Innenseiten, Titel und Rückseite sind silbern geprägt. Innen gibt es außer den Gedichten auf das Wesentliche reduzierte Zeichnungen von Eberhard Münch.
Wer sich mit Gott beschäftigt, hat mit Sicherheit viele Fragen (also ich zumindest), und die finden sich in Gedichtform in Erdennah wieder. Kurz, knapp und klug werden Lebensfragen, Hoffnungen und Sehnsüchte zu Satzfragmenten geformt, die voller Inhalt stecken und von denen man jedes als Tagesmotto verwenden könnte.
Ich habe sie sehr gern gelesen und werde sie mit Sicherheit auch noch öfter lesen. Der Autor ist übrigens auch auf instagram aktiv: andreas_noga.

Beobachtungen

Der Mann, der immer in meinem Zugabteil sitzt und braune Lederschuhe trägt, die so zerfleddert sind, dass sie ihm fast vom Fuß fallen, hat neue Schuhe. Es sind einfache, grauweiße Sportschuhe aus Stoff. Ich frage mich, ob sie ihm gefallen oder ob er die erstbesten genommen hat, die ihm über den Weg liefen.