Wolkenkino

Wolkenkino

Heute im Programm:

Brautschleier
beinlose Schweinchen
Superman
ferne Landschaften
drohende Monster
das Engelsballett
Haie auf Jagdausflug
Ferienflieger mit Schleppe
der riesige Marshmallow-Elefant
Drachen jeder Form und Größe
das weiße Kaninchen
Treppenstufen ins Blaue

Eintritt frei!

Geburtstagsweh

(Für den Großen)

Geburtstagsweh

Autorennen im Flur
Schokoküsse mit Gummibärchen
Treppenrennen und Feentanz
die Badewanne voller Golddublonen
das Haus bebt
dieser Tag gehört dir
Schlag halb sieben: Der Zauber verglüht
Abendessen-Abholzeit
die wilde Schar zerstreut, verweht
der Tag verliert den Glanz
du lehnst dich an mich
wir lauschen
fernes Lachen weht durchs Küchenfenster
vertrau mir
morgen spielst du wieder
anderswo

Was so herauskommt, wenn man mit Freunden gemeinsam schreibt

Und die Ergebnisse sind: Sehr schöne Aprilgedichte!

Neulich überkam es mich spontan und ich habe zwei Freundinnen gezwungen gefragt, ob sie nicht Lust hätten, zusammen mit mir etwas zu schreiben. Nachdem sie mir erst seltsame Blicke zugeworfen haben, waren sie dann aber doch neugierig. Und das sind die wunderbaren Resultate!

Aprilgedicht Nr. 1:

Vogelgezwitscher.
Freude auf den kommenden Sommer
und auf die Ernte der neugesetzten Pflanzen.
Blütenduft überall
und frisches, neues Grün an Bäumen und Sträuchern.
Sonnenwärme.

Aprilgedicht Nr. 2:

überall Farben ohne Ende
frisches grün, zartes rosa, kräftiges pink,
zartes weiß, strahlendes gelb
SONNE
der erste Kaffee im Garten
Lustwandeln
zwischen Tulpen, Perlhyazinthen, Tête-à-Tête´s

Aprilgedicht Nr. 3:

April
Der Lebenszyklus der Schoko-Osterhasen vollendet sich
Wir liegen wach in lauen Regennächten
Lieben das Wetter, wenn es uns zur Weißglut treibt
Hören Frühkonzerte, morgenfrisch und kostenlos
In den Balkonkästen: Auferstehung

Ausgenossen: Monat für Monat. Gedichte.

Ach ja, Gedichte. Komprimierte Schönheit auf kleinem Raum. Oder auch Wut, Liebe, Leiden, Freude, Erinnern, Sehnen in Ein-Raum-Kammern. Gedichte laufen nicht aus wie manche Geschichten, sie begrenzen sich freiwillig, und je mehr man weglässt, desto besser werden sie. Wenn man nichts mehr weglassen kann, dann sind sie so, wie sie sein wollen – kleine Pfeile, die treffsicher ihr Ziel finden, wenn sie für uns bestimmt sind.

In diesem Reclam-Bändchen sind viele von ihnen versammelt, alte und neue Dichter treffen sich auf einen kleinen Plausch, das sechzehnte Jahrhundert steht neben dem zwanzigsten, und alle haben ihren Raum, ihre Worte, ihre Ziele. Zusammen wandern sie durch das Jahr, der Frühling wird bejubelt, der Sommer gefeiert, im Herbst regiert die große Melancholie und der Winter ist ein kalter König, dem man mit Wörtern aus Licht begegnet.

Das Buch hat mich das ganze letzte Jahr begleitet, und dafür, dass es ein Zufallsfund an der Kasse eines Buchladens war, ist es mir sehr ans Herz gewachsen. Mit Kurt Tucholsky endet dieser Blogeintrag:

Nicht! Noch nicht!

Ein leichter Suff umnebelt die Gedanken.
Verdammt! Der Frühling kommt zu früh.
Der Parapluie
steht tief im Schrank – die Zeitbegriffe schwanken.

Was wehen jetzt die warmen Frühlingslüfte?
Ein lauer Wind umsäuselt still
mich im April –
die Nase schnuppert ungewohnte Düfte.

Du lieber Gott, da ist doch nichts dahinter!
Und wie ein dicker Bär sich murrend schleckt,
zu früh geweckt,
so zieh ich mich zurück und träume Winter.

Ich bin zu schwach. Ich will am Ofen hocken –
die Animalität ist noch nicht wach.
Ich bin zu schwach.
Laternenschimmer will ich, trübe Dämmerung und dicke Flocken.

Februar

der Unsichtbare
zwischen allen Stühlen
nicht mehr und noch nicht
Niemandsland
verborgen hinter Narrenmasken
wir wechseln die Rollen
testen andere Leben
noch ist nichts entschieden

Himbeermond

Himbeermond

zwischen unseren Gedanken
unter all dem täglichen Gewühl
verbirgt sich eine fremde schöne Welt
dunkle Quellen wispern dort vom Meer
im Mondschein singt der Silbervogel
aus gewirktem blassen Morgennebel
baun die blauen Feen ihr Nest
sie warten auf die purpurrote Sonne
heiße Feuerdrachen spieln darin
ziehen gleißend helle Feuerbögen
auf weichen Feldern ruht der Nachtwind
träumt von kühlen Nächten
unterm schweren Himbeermond