Ich bin jetzt in dem Alter

Ich bin jetzt in dem Alter, in dem ich in längeren Veranstaltungen hemmungslos zeichne. Oder stricke. Das hält mich bei guter Laune und ich schlafe nicht ein, falls es langweilig werden sollte.
Meine noch möglichen Jahre sind weniger als die, die hinter mir liegen, und sie werden immer kostbarer. Ich warte nicht mehr ganz so ungeduldig darauf, dass endlich der Frühling oder der Sommer kommen: Jede Zeit ist schön. Trotzdem freue ich mich auf die ersten Krokusse und Narzissen, und darauf, endlich wieder schwimmen zu gehen, und zwar draußen!
In langjährigen Freundschaften habe ich die Seltsamkeiten und komischen Ecken der Anderen liebgewonnen und möchte nicht mehr darauf verzichten. Sie bereichern mich. Sie nerven mich manchmal trotzdem, aber sie sind nicht mehr so groß wie früher.
Dinge, die ich erfahrungsgemäß nicht mag, probiere ich von Zeit zu Zeit erneut. Man kann ja nie wissen. So habe ich Rosenkohl und Walnüsse neu entdeckt. Und Geleebananen. Echte Bananen dagegen: Geh mir weg damit.
Ich habe mich mit bequemen Schuhen angefreundet, allerdings mag ich es immer noch lieber, wenn sie meine Zehen nicht zerquetschen und trotzdem schön sind!
Fliegende Blätter und Rotkehlchen rühren mich, weil sie so vergänglich sind. Wie ich. Meine Gebete werfe ich wie Vögel in den Himmel und hoffe, sie finden ihr Ziel.
Wenn ich junge Menschen sehe, piekst mich das Kind in meinem Inneren und flüstert: Guck! So waren wir auch mal! Schön war´s, oder? Und dann lächeln wir, gehen weiter und finden es jetzt auch ganz schön.
Und alles ist gut für den Moment.

Der große „C“

Hinter dem Rücken des großen „C“ in seinem schwarzen Ledermantel gibt es Menschen, die sich kümmern und dem großen „C“ heimlich den Stinkefinger zeigen. Die nicht mit aller Macht ihre Bedürfnisse verfolgen, sondern sich immer besser mit dem Verzichten anfreunden und es mittlerweile sogar manchmal duzen. Wenn man genau hinsieht, kann man sie hinter den Masken lächeln sehen. Von Zeit zu Zeit lassen sie anderen den Vortritt und fühlen sich nicht als Verlierer.
Hinter dem breiten Rücken des großen „C“ leben Menschen ihren Alltag, auch wenn der aufdringliche Rücken des großen „C“ ihnen aktuell die Aussicht versperrt. Sie haben entdeckt, dass man zumindest für eine Zeitlang in andere Richtungen schauen kann. Dort kann man viel sehen, Parkwege, Kerzenschein, kleine Hilfen, Telefone und Handys, zoom und Videotelefonie und Briefe – echte Briefe! Auch Postkarten haben sie schon gesehen.
Manche Menschen haben sich dafür entschieden, vom so-war-es-immer-Chor in den es-geht-auch-anders-Chor zu wechseln und singen nun neue Melodien. Manchmal ist das schön und aufregend, aber manchmal vermissen sie trotz allen guten Willens doch die alten Zeiten.
Irgendwann wird der große „C“ unter seinem schwarzen Ledermantel ermatten und müde werden vom Rennen gegen die Impfschutzwände, und dann wird er sich nicht mehr nach vorn drängeln und die beste Aussicht versperren. Die Sicht wird wieder frei sein. Wir werden aufatmen und vorsichtig nach vorn schauen, mit dem Wissen um andere mögliche Richtungen, und dann werden wir losgehen.
Es ist nur eine Frage der Zeit.

Sehr geehrtes, altes 2020

Sehr geehrtes, altes 2020,

heute ist es also soweit: Du wirst die Bühne verlassen und Platz machen für deinen Nachfolger, und wahrscheinlich wird es im Gegensatz zu deinen Vorgängern ein erstaunlich leiser Abschied, denn Böllern ist dieses Jahr in vielen Gegenden verboten. Dabei liebst du doch den großen Auftritt! Das war wohl ein kleines Eigentor, was?
Wie ist es dir ergangen in deinen 365 Tagen? Gab es neben Corona auch andere Themen für dich? Natürlich. Aber alles andere wirkt neben dem lila Virus klein. Er war dein großes Thema, und du hast auf ihm gespielt wie Lang Lang am Klavier. Selten hatten wir ein Thema, das so lange und immer wieder aufs Neue alle betroffen hat und nicht nach spätestens einer Woche erledigt war. Auch hatten wir sehr lange nichts, was in der Lage war, unseren Alltag so nachhaltig zu verändern. Was weder der Papst, die Achtsamkeit oder der Zwang zur Jugendlichkeit geschafft haben, das Virus hat es mit leichter Hand durcheinander gewirbelt: Wie wir unsere Zeit verbringen, mit wem, wie wir arbeiten und lernen und wie wir plötzlich und unerwartet Rücksicht auf andere nehmen müssen, ob es uns gefällt oder nicht. Nun gibt es einen Impfstoff, und schon gehen sie wieder los, die Debatten darüber, wer hat mehr, wer darf mehr, warum hat der und ich nicht? Ein bisschen wie am Familientisch bei der Verteilung des Nachtischs. Hast du manchmal insgeheim den Kopf darüber geschüttelt, 2020? Ich schon.
Für mich warst du ein Augenöffner. Das ist nicht angenehm, aber ich bin dir dankbar dafür, jetzt, im Nachhinein. Ich weiß eine Menge mehr über mich als am Anfang deiner Zeit. Im März begann mein Lernprozeß, und ich habe jeden Tag dazugelernt. Ich weiß nun, wie wichtig Menschen sind, Freundschaften, Familie, und dass ein Telefon wertvoller ist als Gold. Das Netz ist für mich groß geworden in dieser Zeit. Und ich weiß, dass Klopapier scheinbar wichtiger ist als Brot. 🙂 Ängstliche Menschen sind eine unberechenbare Größe; vor dir, 2020, war mir das theoretisch klar, aber ich hatte keine Ahnung, was das praktisch bedeutet. Mir ist auch ein bisschen klarer geworden, warum so viele Menschen flüchten. Nur ein bisschen klarer, denn dem Himmel sei Dank ist es bei uns doch immer noch recht gemütlich. Es ist so: Man muss die Dinge selber erlebt haben, um zu wissen, wie es anderen Menschen geht. Ohne es erlebt zu haben, theoretisiert man herum, mehr nicht.
Angst hatte ich dieses Jahr auch, sehr viel Angst sogar, und Corona war nicht der Grund. Das war nicht schön. Aber auch eine Erfahrung, die ich so vorher noch nicht gemacht hatte. Gejubelt habe ich, als in einem weit entfernten Land (in jederlei Hinsicht) ein neuer Präsident gewählt wurde. Das brachte die Erkenntnis, dass wir auf der Erde nicht sehr weit voneinander entfernt leben im Zeitalter des Internets, der Liveübertragungen und der zoom-Chats. Unser Planet ist zugleich groß und klein, eigentlich ist er stabil und trotzdem haben wir ihn aus dem Gleichgewicht gebracht. Was mich dazu gebracht hat, dieses Jahr weniger zu heizen, weniger Auto zu fahren und zu versuchen, allgemein weniger zu verbrauchen. Gut bin ich noch nicht darin, aber bereit, Neues zu versuchen: Zu Weihnachten habe ich ein festes Haarshampoo geschenkt bekommen und bin willens, es auszuprobieren, komme, was wolle.
Heute ist dein letzter Tag, 2020. Du scheinst mir gleichmütig im Angesicht deines Vergehens. Aber du wusstest ja schon von Beginn an, dass deine Zeit begrenzt ist, also ist das vielleicht kein Wunder. Ich werde heute Abend nicht an deinem Bett sitzen und deine Hand halten, dafür warst du zu ungnädig mit uns, zu zornig, zu unbarmherzig, zu lang. Aber es gab auch schöne Tage in dir, mit sanftem Sommerregen, laue Nächte voller Mondschein, Begegnungen, Biden hat gewonnen und letztlich hast du uns zum Virus auch den Impfstoff gebracht. Spät zwar, aber immerhin.
Machs gut, 2020. Du warst voll gestopft mit neuem Wissen, viel Angst, du hast uns Masken aller Art vorgehalten. Nun ist dein Nachfolger dran. Er steht schon in den Startlöchern und scharrt mit den Füßen. Möge er uns gewogener sein als du.

Alles Gute,
deine Stachelbeermond

Zugsegeln

Zugfahrt

die langweiligste Zugfahrt
ist mit den Berliner Philharmonikern
und der schönen blauen Donau in
voller Lautstärke
ein Segeln entlang der Ränder
des Paradieses

beim Spazierengehen

beim Spazierengehen

Die beiden Plastikbagger stehen unternehmungslustig blaugelbrot im Nordseestrand, vor sich das größte Bauprojekt ihres Lebens.

Im Watt und am Strand lösen sich die Kleidervorschriften schneller auf als fadenscheinige Jeans.

Der nackte Bauch des Mannes bläht sich rund wie ein Walfisch. Allerdings ist er nicht grau, sondern glänzend rosarot.

Zwei kleine Mädchen spielen Pferd und Longenführerin im niedrigen Wasser und alles ist schön: Das Laufen. Das Stehenbleiben. Das Wiehern. Das außer-Atem-sein. Das Hinfallen und nass werden.

Eine lebendige Krabbe mit allen sechs Beinen löst eine Energieexplosion bei drei Jungs aus.

Die Beine des karierten Shortsträgers sind bis unter die Knie gebräunt. Der Abschnitt zwischen Knie und Shortsbeginn hat die Farbe von Honigmilch.

Die Insel Neuwerk schwimmt zwischen Himmel und Wasser. Der weiße Leuchtturm in der Mitte pinnt sie wie eine Riesenstecknadel am Meeresgrund fest, damit sie nicht davonfliegt.

Das auflaufende Wasser pirscht sich an wie ein Stachelschwein mit aufgestellten, raschelnden Stacheln. Die letzten Senken nimmt es in einem Sprung.

Mit jedem Schritt im Wasser schüttelt die mittelalte Frau mehr Jahre ab. Bevor sie zu jung wird, flüchtet sie zum Strandkorb zurück.

Mit konzentriertem Ernst sammelt der Mann mit Spaten und winzig kleinem Eimerchen Muscheln im Wassergraben.

Die leuchtensten Farben trägt eine Familie mit strahlend dunkelbrauner Haut. Sie schillern im Wasser wie Orchideen.

Die Entfernung des Filme fürs Familienalbum drehenden Vaters zu Frau und Tochter ist größer als die höchste Zoomstufe seiner Kamera.

Weit draußen schwimmen Möwen wie weiße Augen auf dem Wasser. Sie behalten uns im Blick.

Angriff

nach so viel Geschnurre
geteilten Eiernudeln
ein blutiger Angriff
mit Zähnen und Krallen
ich frage mich:
wer hat hier vergessen
wer was ist?

 

Der Garten wird größer

Der Garten wird größer

Der Garten ist eine trostlose Öde, immer schon. Er gehört ein bisschen den Erdgeschossmietern, zum größten Teil aber niemandem, wenn man von den Amseln absieht. Die Erdgeschossmieter feiern und spielen ab und zu darin, pflanzen oder gießen tun sie nicht. Der Rasen ist trocken und sonnenverbrannt, die ehemalige Hecke besteht aus einem wurzeligen Erdwall. Ein einsamer, namenloser Busch wächst zwischen Zaun und Hauswand. Ein namenloser Busch vor einer kahlen Hauswand hinter einem Metallzaun, der einen trockenen Erdwall begrenzt. Geht es trostloser?
Vor ein paar Tagen, an einem warmen Abend, ist irgendetwas in mich gefahren. Es hat mich in den Keller gehen lassen, mir dort den Liegestuhl in den Arm gedrückt und hat mich neben den Busch auf das trockene Gras gesetzt. Etwas seltsames geschah. Der Garten wurde größer. Der Himmel höher. Der namenlose Busch wurde zum grünen Lebewesen. Kleine, graue Schmetterlinge flatterten über das Gras. Amseln erschraken sich beim Staubbaden, als sie sich umdrehten und mich sahen.
Es gibt mehr Radfahrer in unserer Straße, als ich vermutet hatte. Ich kenne jetzt die Schatten. Ich weiß, wann sie wo sind. Es stört kein bisschen, dass mich jeder sehen kann. Ich kann ja auch alle sehen. Neulich hat der Nachbar gelächelt und gegrüßt. Mein linker Arm hat einen kleinen Sonnenbrand, weil der Schatten nicht so wollte wie ich.
Ich werde den Busch Harry nennen. Harry, fahr schon mal den Schatten vor, ich komme gleich. Der Garten hat sich verändert, obwohl sich nichts verändert hat. Er ist groß geworden. Ein kleines Stück davon gehört jetzt mir. Und den Amseln natürlich.

Was lockt dich?

Es ist genug, wenn alles Lachen aus mir herausgehüpft ist. Wenn die Sympathiewellen ruhig über den Sand laufen. Wenn alles Essen probiert und für gut befunden wurde. Wenn die Geselligkeitsspeicher aufgefüllt sind. Aber vor allem ist es genug, wenn jedes „noch mehr“ nichts mehr füllt, sondern überfüllt, und Menschen, Erlebnisse und Dinge beginnen, an mir abzuperlen wie Wasser auf einer von Hand polierten Motorhaube. Manchmal ist es nicht leicht, das richtige „genug“ zu erkennen.
Die Farbe meines Lebens wechselt dann von gerade noch bunt in ein gefährliches, von-allem-zuviel-fahlbraun, und diese Farbüberschrift möchte ja nun wirklich niemand über sein Leben schreiben. Oder? Das Bunte zu bewahren ist eine lebenslange Aufgabe, die niemand für mich erledigen kann. Das ist beunruhigend und beruhigend zugleich.
Heute weiß ich das. Früher nicht. Manchmal würde ich gern mit meinem jüngeren Ich an einem ruhigen Fluss im Gras sitzen und picknicken und bei Käsekuchen mit Heidelbeermarmelade ein paar Gespräche mit mir führen. Vielleicht sollte ich auch noch die Liebe, den Mut und das Vertrauen dazu einladen und eine kleine Party feiern. Das könnten interessante Stunden werden.
Vielleicht würden wir dann auch über das Schreiben sprechen, und dass ich viel früher damit anfangen sollte, weil es ein Gefühl vermittelt, auf das ich auf gar keinen Fall mehr verzichten möchte: Eine Mischung aus Frieden, Freude, Glück und ganz und gar komplett zu sein. Zu einhundert Prozent in einer Sache versunken zu sein. Die Gewissheit zu haben, dass auf dem Papier alles wahr werden kann.
Das Leben lockt mich mit seinen Aufgaben und Herausforderungen, selbst dann, wenn sie furchteinflössend sind. Ich weiß immer noch nichts, obwohl ich nicht mehr jung bin – wie wunderbar ist das? Jeden Tag öffnen sich neue Fenster, und ich linse durch sie hindurch und bewundere die Aussicht auf völlig unbekanntes Terrain. Wenn man nicht aufpasst, könnte man dem Irrtum verfallen, dass man umso klüger wird, je älter man wird, aber das stimmt nur zu einem Teil. In meinem eigenen, kleinen, begrenzten Leben werde ich vielleicht klüger, aber in allem, was außerhalb meiner Selbst liegt, bin ich so ahnungslos wie ein neugeborenes Kind. Da draußen leben Milliarden Welten nebeneinander, und ich weiß gar nichts.
Und das ich nichts weiß, das ist das Verlockendste, was ich je gehört habe.

Fräulein Honigohr steht gerade neben mir und liest die letzten Sätze. Sie sieht mich an, schüttelt leicht den Kopf und sagt: „Meine Liebe, das ist ja alles schön und gut, aber für mich ist jetzt aktuell ein Eis mit Erdbeeren, Schlagsahne und Schokostreuseln das Verlockendste, das es auf der Welt gibt, also komm jetzt, wir müssen dein Gefrierfach leerräumen! Über den Rest reden wir später.“
Und zack! zieht sie mich vom Schreibtisch weg, und jetzt kann ich leider nicht mehr weiterschreiben…

Wie klingt der Frühling?

Wenn der Frühling kommt, dann zieht ein leises Rauschen durch die Luft. Es ist süßer als der Wind und zarter als die Lieder der Vögel, und es duftet nach nasser Erde, Schneeglöckchen und frischem Frosteis auf dem Rasen. Die Amseln und Meisen versuchen zaghaft erste, kurze Melodien, aber oft verstummen sie, weil ihnen der Winter noch in den Kehlen steckt.
Die Farben kommen zurück wie der Boléro von Ravel, erst nur ein zurückhaltendes, vorsichtiges Weiß, dann gesellen sich Gelb und Blau dazu und fangen erste Frühlingsgespräche von Blüte zu Blüte an, dann brandet das Rosa in den Kirschblüten auf wie eine mächtige Woge aus Streichern, Rot und Violett und Orange setzen Tupfer auf das Farbenmeer wie die Triangle ihre Töne über das Orchester hinweg schickt, und zum Schluß kommt das Grün in allen Bläser- und Pauken-Schattierungen als Crescendo! Wenn das Farbenorchester schweigt, ist das Meer ruhig und es ist Mai.
Wenn der Frühling kommt, fliesst das Blut in den Adern schneller und wärmer, die Freude am Leben kitzelt in Augen und Nase und lässt uns manchmal niesen. Wir lachen schneller und lauter und schnuppern an Maiglöckchen, wenn gerade niemand hinsieht. Unsere Haut fühlt sich weicher an und sehnt sich nach Licht und Wärme, bis es fast wehtut und wir Hosen hochkrempeln und Sandalen anziehen, auch, wenn es eigentlich noch zu kühl ist. Der Wind fährt durch junge Blätter und altes Winterlaub und raschelt von kommenden Sonnentagen, und wenn es regnet, öffnet sich die Erde und lässt Samen und junge Triebe ans Licht. Dieser Regen ist willkommen und warm.
Wenn es Frühling wird, öffnen wir die Türen und Fenster und lehnen uns weit hinaus, direkt hinein ins Leben. Wir atmen tief ein. Wir sind lebendig.

Das war ein Beitrag zum #WritingFriday, organisiert von Elizzy. Das Thema war, beschreibe einer blinden Person den Frühlingsanfang. Gar nicht so einfach, echt jetzt.

Tau-Gedanken

Wenn du ein Tau hast, hast du vieles.
Vielleicht ist dir das nicht bewusst? Das macht nichts.
Ein Tau ist nicht einfach nur ein Tau. Ein Tau ist viele.
Am Anfang des Taus war die erste Faser, die zum Faden wurde. Aus drei oder fünf Fäden machte ein Mann mit rauen Händen und Geduld eine Litze, lang und schön. Die Litzen wurden zum Seil geschlagen, und aus dem Seil entstand am Ende das Tau.
Ein Tau ist viele.
Alle in ihm sind unauflöslich miteinander verbunden. Sie können sich dehnen und stauchen, strecken sich unter Belastung und halten große Kräfte gemeinsam aus.
Taue sind treu. Wenn du sie gut behandelst, dienen sie dir jahrelang ohne nachzulassen.
Wenn du ein Tau hast, hast du vieles.