Ausgelesen: Rabbits. Von Terry Miles.

Es gibt ja so Bücher, die springen einen an und schreien: Lies mich! Um Himmels willen, lies mich! Du verpasst Außergewöhnliches, wenn du mich nicht liest! Nimm mich, ja, ich bin teuer, aber egal: Nimm mich mit! Das hier war so ein Buch. Es lag im Buchladen meines Vertrauens in Massen auf einem riesigen Tisch, und an der Seite am Buchschnitt war der Titel so verführerisch schwarz aufgedruckt, und das Cover und der Titel und überhaupt… was soll ich sagen, ich hab es gekauft. Ich konnte seinem Sirenengesang nicht widerstehen.
Und dann hab ich es gelesen. Tja. Was soll ich sagen? Es ist ein abgefahrener Scheiß. Entschuldigung, etwas anderes kann ich dazu leider nicht sagen. Der Held des Buches heißt K., und damit fängt es schon an. K.? Mehr kann und wird er nicht von sich preisgeben, Entschuldigung, aber sein Leben ist ihm lieb und deswegen bleibt es bei K.
K. ist nicht unbedingt ein vor Emotionen überbordender Charakter, um es vorsichtig auszudrücken, er ist Mr. Cool, auch, wenn er sich selbst nie so bezeichnen würde und ab und an tatsächlich ein Stäubchen im Auge hat, aber wenn jemand cool ist, dann ist es K. Es passieren die abgefahrensten Dinge, Menschen verschwinden, jemand versucht, ihn umzubringen und was tut K.? Er kocht Spaghetti und vernichtet eine Flasche guten Weißwein, soviel Zeit muß sein.
Genau: Die abgefahrenen Dinge. Mag hier jemand Verschwörungstheorien? Die Welt wird insgeheim von einer viel größeren, älteren Macht gelenkt, die ihren Willen in ein riesiges Onlinegame lenkt und mit Hilfe von besessenen Spielern die Welt im Gleichgewicht hält? Wenn ja, und sei es nur aus Freude an verrückten Gedankenspielereien, dann herzlich willkommen! Alle anderen: Lasst jede Hoffnung fahren, dieses Buch wird sich euch nicht erschließen (Nun ja. Ob es sich mir erschlossen hat, ist bis zum jetzigen Zeitpunkt unsicher.).
K. ist also ein vom geheimnisvollen Rabbits-Spiel besessener Spieler, und das gesamte Buch dreht sich um dieses Spiel. Dabei weiß der Leser/die Leserin nie genau, woraus dieses Spiel eigentlich besteht – was genau muß man tun, um voranzukommen? Zusammenhänge erkennen, ja, aber welche? Und warum? Es blieb mir verborgen. Kryptisch. Verrätselt. Und trotzdem: Ich habe immer weitergelesen, aus nicht genau nachvollziehbaren Gründen. Irgendwann entwickelte sich plötzlich ein Sog, und ich wurde gezogen. Wer weiß, vielleicht habe ich eine kurze Zeitlang Rabbits gespielt, ohne es zu bemerken, so wie wir alle. Oder?
Zurück zu den Charakteren. Sie bleiben alle kühl, seltsam gesichtslos, zurückhaltend, cool eben. Das Leben der Buchfiguren ist eine endlose nerdige Abfolge von Computerspielen, Popkulturausflügen, angesagter Undergroundmusik und seltsam unausgewogenem Alltag. Es wird sehr viel Pizza und Pasta gegessen, es werden T-Shirts mit coolen Aufdrücken getragen und selbstverständlich bewegen sich alle im Netz, als ob sie darin geboren worden wären. Was sie ja auch sind.
Für ein Buch, das ich nicht richtig beschreiben kann, ist das jetzt ein ziemlich langer Text geworden, es ist kein Verriß, es ist keine Lobeshymne, es ist, was es ist: Abgefahrener Scheiß. Wer Freude an PC-Games und Popkultur der letzten Jahrzehnte hat, sollte es versuchen. Wer weiß. Vielleicht hat Rabbits euch bloß noch nicht entdeckt.