Dem Schweinehund ist heiß

Dem Schweinehund ist heiß. Sehr heiß. 😁

Du seufzt leise. Es ist heiß. 28° Grad im Wohnzimmer und kein Ende der Hitzewelle in Sicht. Ein Schweißtropfen läuft dir langsam am Ohr entlang und fällt mit einem feuchten Plupp! auf deine Schulter. Dein Schweinehund macht es dir auch nicht leichter. Seit Tagen schleicht er wie ein zusammengesunkener Topflappen durch die Wohnung und weigert sich, nach draußen zu gehen. Sein anfangs lautstarker Protest gegen die Hitze (das geht doch nicht! Es darf doch nicht so heiß sein! Warum werden Wohnungen so gebaut! Wir wollen als Ausgleich einen Pool im Hof!) ist einem wehleidigen Gejammer gewichen, das nicht weniger entnervend ist. Du lehnst dich zurück und gleich wieder nach vorn, das Sitzpolster ist viel zu warm. Es ist still in der Wohnung, nur aus dem Bad kommt ein gleichförmiges Surren. Du hebst den Kopf. Was ist das? Neugierig gehst du zum Bad und drückst die Klinke nach unten. Die Tür ist verschlossen.
„Was machst du da drin?“ rufst du. Das Surren verstummt.
„Nichts!“ sagt dein Schweinehund.
„Quatsch, ich hör dich doch. Lass mich rein!“
„Nein!“
„Willst du ein kaltes Bad nehmen?“
Dein Schweinehund stöhnt. „Wie du weißt, haben wir keine Badewanne!“
Du zuckst zusammen. Stimmt. Böser Fehler bei der Wohnungswahl. „Ach komm“, sagst du, „die meiste Zeit brauchen wir ja auch keine.“
„Tja, die meiste Zeit“, hörst du deinen Schweinehund murmeln, dann geht das Surren wieder los.
„Muss ich mir Sorgen machen?“ fragst du.
„Du bist einfach zu ungeduldig“, sagt dein Schweinehund hinter der Tür, „man muss auch mal…“ Ein jämmerliches Geheul ertönt und geht nahtlos in detailreiche Flüche über.
„Was tust du da drin?“ brüllst du.
Der Schlüssel dreht sich im Schloss und die Tür wird aufgestossen. Dein Schweinehund steht krumm vor dir und bewegt sich nicht. „Hilf mir!“ zischt er, eine Pfote am Türrahmen, die andere im Bauchfell vergraben. Eine Seite seines Körpers ist fast kahlgeschoren. Auf dem Rücken steht eine Fellreihe hoch wie ein Irokesenschnitt und im dichten Bauchfell hängt die Haarschneidemaschine, hoffnungslos verheddert. Sie surrt vor sich hin wie ein kleiner Hornissenschwarm. Du brauchst ein paar Sekunden, um zu begreifen, was du siehst, dann greifst du beherzt in die Fellmasse und schaltest die Maschine aus. Dein Schweinehund atmet auf. Dann betrachtet ihr beide die verhedderten Fellbüschel, aus denen die Haarschneidemaschine wie ein seltsamer Griff hervorragt.
„Tja“, sagst du, und verkneifst dir mit fast übermenschlicher Anstrengung das Lachen, „da müssen wir wohl mit der Schere ran.“
„Verdammt“, sagt dein Schweinehund missmutig, „und es ging so gut voran. Ich wollte dich überraschen.“
„Das ist dir gelungen“, sagst du.
„Wie findest du es?“ fragt dein Schweinehund und dreht sich zum Spiegel. „Nicht übel, oder?“
„Doch,“ sagst du, „doch, ganz ok.“
„Nur ok?“ sagt dein Schweinehund gekränkt. „Ich bin doch gut in Form, oder?“ Er posiert mit erhobenen Armen vor dem Spiegel. Die Haarschneidemaschine in seinem Fell zittert ein wenig.
„So?“ sagst du und piekst ihm in das Fellbüschel am Bauch, „und was ist das hier?“
„Ach“, er wedelt mit einer Pfote, „das ist doch nur Fell!“
„Soso“, sagst du. Während du nach der Nagelschere angelst, guckt du ihn nachdenklich an. „Sag mal, willst du auf dem Rücken eigentlich das Fell stehen lassen?“ Vorsichtig schneidest du um die Haarschneidemaschine herum, bis sie wie ein reifer Apfel zu Boden fällt.
„Nö“, sagt dein Schweinehund, „warum sollte ich? Wenn schon, denn schon! Alles muss weg, du kannst dir nicht vorstellen, wie heiß es da drunter ist!“
„Ich dachte ja nur… das würde vielleicht ganz gut aussehen. Es betont deinen Rücken, weißt du?“ Du zupfst Fell aus den Zähnen der Haarschneidemaschine.
Dein Schweinehund starrt dich an. Dann dreht und wendet er sich vor dem Spiegel. Er streicht das Fell von vorn nach hinten, dann von links nach rechts. Dann starrt er dich wieder an. „Manchmal hast du erschreckend gute Ideen. Los, los, lass uns weitermachen, du rasierst und ich halte das Fell straff, und auf dem Rücken kürzen wir es ein bisschen, dann steht es hoch!“ Er sieht begeistert aus, das erste Mal seit Beginn der Hitzewelle.
Du holst tief Atem. Was tut man nicht alles, um seinen Schweinehund bei Laune zu halten. Die Haarschneidemaschine surrt unternehmungslustig los.
„He!“ ruft dein Schweinehund und starrt dich im Spiegel an. „Warum grinst du so?“
„Weil du guter Laune bist“, sagst du.
„Weil du eine gute Idee hattest!“ sagt er und grinst auch.
Du senkst die Zacken der Haarschneidemaschine ins erste Fellbüschel. Mal sehen. Vielleicht bringst du ihn auch noch dazu, sich das Rückenfall grün färben zu lassen. Oder blau?

Dein Schweinehund und die Schreibkrise

Du legst deinen Kopf aufs Tischtuch und seufzt leidenschaftlich vor dich hin. Was sollst du nur tun? Soviele Etüden zu schreiben und was ist in deinem Kopf? Ein Flohzirkus. Oder nichts. Und das immer abwechselnd. Wobei die gähnende Leere schlimmer ist als der Flohzirkus, da bist du wenigstens abgelenkt. Seit Jahren hast du nicht mehr so selten geschrieben wie in den letzten Wochen. Was waren das für wunderbare Zeiten, als du sogar morgens in der Regionalbahn Gedichte geschrieben hast! Du lässt deinen Kopf ein paarmal auf die Tischplatte plumpsen und schielst vorsichtig zu deinem Schweinehund hinüber, der dich nicht beachtet. Das ist wieder typisch, du leidest vor dich hin und dein Schweinehund sitzt im Liegestuhl auf dem Balkon und schlürft geräuschvoll Aperol Spritz. Er lässt den Strohhalm in sein Glas fallen und richtet sich auf.
„Was?“ fragt er durch die offene Balkontür und schiebt die Sonnenbrille hoch.
„Du bist echt nicht hilfreich“, sagst du vorwurfsvoll und legst dich mit beiden Armen schwer auf den Tisch. „Wie wenig wir uns doch kennen!“
Dein Schweinehund guckt verwundert. „Wieso? Natürlich kenne ich dich! Was ist denn?“
„Ich leide!“ sagst du nachdrücklich und lässt deinen Kopf auf die Arme fallen. Er fühlt sich sehr schwer an.
„Ach, Quatsch“, sagt dein Schweinehund, lehnt sich zurück, schiebt die Sonnenbrille wieder nach vorn und nimmt einen Schluck Aperol Spritz.
„Siehst du? So ist das immer!“ Du klingst weinerlich. „Nie bist du da für mich, wenn ich dich brauche. Ich habe die größte Schreibkrise seit ever, und was tust du? In der Sonne braten und massenhaft Alkohol trinken!“
Dein Schweinehund wedelt mit der Pfote. „Das ist heute erst mein Dritter. Du bist bloß neidisch.“
„Neidisch? Worauf sollte ich denn neidisch sein?“ Deine Stimme klingt ein bisschen gequetscht, es ist schwierig mit abgeknicktem Oberkörper sarkastisch zu sein, aber das hält dich nicht auf. „Vielleicht darauf, dass du in aller Herrgottsfrühe schon ekelhaft gut gelaunt bist? Oder dass du seit Stunden im Schatten sitzt, Aperol Spritz trinkst und es dir gut gehen lässt, während ich hier verzweifle?“ Du stützt deinen Kopf auf die Hände und starrst deinen Schweinehund anklagend an.
Er starrt zurück. Zumindest nimmst du das an, er hat ja immer noch die Sonnenbrille auf. Schließlich steht er auf, stellt seinen Aperol Spritz auf den Balkontisch und stapft ins Wohnzimmer. Er setzt sich neben dich und legt dir bedeutsam eine Pfote auf die Schulter. „Du spinnst ja“, sagt er, „jetzt hör mal auf, solche Kulleraugen zu machen und reiß dich zusammen.“
Du schnaufst entrüstet und willst etwas sagen, aber er lässt dich nicht zu Wort kommen.
„Ich tue bloß das, was ich am besten kann, und du könntest es mir ja ein einziges Mal nachmachen, anstatt in Selbstmitleid zu versinken.“
„Was? Was soll ich nachmachen?“ rufst du noch viel entrüsteter.
„Nichtstun. Tu doch einfach mal nichts!“ Dein Schweinehund klopft dir auf den Rücken und du fällst fast vom Stuhl. „Trink einen Aperol Spritz mit mir! Guck in den Himmel! Und denk nicht dauernd darüber nach, wie er aussieht und wie du das aufschreiben kannst. Guck ihn einfach an!“
Du bist sprachlos.
Dein Schweinehund nickt zufrieden. „Weisst du, man muss wirklich nicht dauernd etwas tun. Manchmal reicht es auch schon, einfach vor sich hinzugucken.“
„Das hat doch diese schwedische Schriftstellerin gesagt…“ erwiderst du matt.
„Na, da hat sie aber von mir geklaut“, sagt dein Schweinehund. „Ich gehe jetzt wieder nach draußen. Kommst du mit?“
„Ich überleg noch ein bisschen“, sagst du. Du spiegelst dich in seiner Sonnenbrille. Du siehst ziemlich müde aus.
Dein Schweinehund zuckt mit den Achseln. „Bring Eis mit, wenn du kommst, meins ist geschmolzen.“
Du siehst ihm hinterher. Eine kleine Brise zerzaust sein Fell, als er wieder in den Liegestuhl sinkt.
Vielleicht solltest du eine Sommerpause machen, denkst du, aber vorher probierst du es nochmal mit einer letzten Etüde. Das wäre doch gelacht.

Das war ein Beitrag zum Etüdensommerpausenintermezzo 2022, 7 aus 12 plus den Satz „Wie wenig wir uns doch kennen“. Ich habe sieben Worte untergebracht, ich habe dreimal nachgezählt. 😊 Vielen Dank an Christiane, die das alles organisiert! Und nun werde ich tatsächlich in die Sommerpause gehen und in den Himmel gucken, aus gut gefüllten Gläsern mit viel Eis nette Dinge schlürfen und den Sommer genießen. Außer, mir fällt doch noch was ein, was aufgeschrieben werden will. Dann lesen wir uns. 😊

Erschöpfung und Ratlosigkeit. Der Anfang.

Die Ratlosigkeit sieht sich um, aber da ist niemand. War ja klar, denkt sie, als ihr von hinten jemand auf die Schulter tippt. Sie dreht sich um.
„Hallo“, sagt die Erschöpfung mit leiser Stimme. Sie ist durchscheinend blass und trägt einen grauen Mantel, in dem sie fast verschwindet.
„Du bist das!“ ruft die Ratlosigkeit, „wir kennen uns doch!“
Die Erschöpfung lächelt ein halbes Lächeln. „Ja“, sagt sie, „stimmt, wir waren bei der Hektik zum Seminar.“
„Oh Gott“, sagt die Ratlosigkeit, „ich erinnere mich: ‚Wie hole ich alles aus dem Leben raus‘, das war der Titel. Hast du Antworten gefunden?“
Die Erschöpfung schüttelt den Kopf und sieht zu Boden.
„Ich auch nicht!“ ruft die Ratlosigkeit, „dann sind wir ja schon zu zweit!“
Sie sehen sich an und lächeln.
„Wollen wir?“ fragt die Erschöpfung.
„Gern“, sagt die Ratlosigkeit, „ich hab allerdings keine Ahnung, wo´s langgeht.“
„Es ist nicht weit“, sagt die Erschöpfung, „gleich um die Ecke.“
„Echt?“ Die Ratlosigkeit strahlt. „Meistens komme ich nirgendwo an.“
„Vertrau mir“, sagt die Erschöpfung und lächelt schon zum zweiten Mal an diesem Abend.

‚Himmel hilf!‘ denkt die Verachtung, die hinter ihnen auf einer Parkbank sitzt, und nimmt einen Schluck von ihrem kalten, schwarzen Kaffee. Er schmeckt nach Pappbecher.

Herr Miesling und der Gartenzwerg

Herr Miesling bleibt stehen. „Guck mal“, sagt er zu seinem Engel, „der da is neu. Obwohl… so ganz neu isser nich mehr.“ Sie betrachten einen ramponierten Gartenzwerg mit Laterne in der Hand. Er steht in einem handtuchschmalen Vorgarten. „Der hat schon bessere Tage gesehen, was?“ Herr Miesling kichert. „Und die Nase… erinnerste dich noch an den alten Schulze? Der mit dem einen Arm? Der hatte so´ne Säufernase. Hat sich hinter den Büschen versteckt, wenn er getrunken hat. Wir ham ihm den Wodka aus´m Versteck geklaut damals… mein erstes Besäufnis. Gott, hatte ich´n Kater.“ Herr Miesling ist weit weg. Sein Engel piekst ihm in die Seite, bis er blinzelt und zurückkommt. „Ausgeblichen isser auch. Und´n Hinkebein hat er. Also, ne Schönheit isser nich gerade.“
Sein Engel schürzt die Lippen.
„Jaja“, sagt Herr Miesling, „du wieder, alle sind wertvoll, blabla, weiss ich doch. Ich hab ja auch nich gesagt, ich mag ihn nich. Er iss´n bisschen wie wir, findeste nich?“
Sein Engel zieht die Augenbrauen hoch.
Herr Miesling lehnt sich an den Gartenzaun, der sich unheilvoll nach innen biegt. „Schade, dasser hier so allein rumsteht, das geht mir ´n bisschen quer. Er muss sich doch einsam fühlen, oder?“ Herr Miesling lauscht. Hat der Zwerg gerade geseufzt?
Sein Engel tippt sich mit dem Finger an die Nase, wirft einen vielsagenden Blick nach rechts, dreht sich weg und studiert den Himmel.
„Was? Was soll ich da? Oh! Ach so!“ Herr Miesling grinst und wirft seinem Engel einen anerkennenden Blick zu. Er geht einen Vorgarten weiter, zieht einen ähnlich ramponierten Gartenzwerg mit einem Bündel D-Mark-Scheinen in der Keramikhand aus einem Beet und stellt ihn neben den Zwerg mit der Säufernase. „So. Besser. Findeste auch, oder?“ Er zwinkert dem Laternenzwerg zu. „Unsere gute Tat für heute!“
Sein Engel seufzt, aber nur ganz leise. Es klingt zufrieden.

Das war ein Beitrag zu den abc-Etüden, und kurz vor knapp bin ich noch reingerutscht! Puh. 😁 Organisiert werden sie von Christiane (vielen lieben Dank!) und die Vorgaben sind maximal dreihundert Wörter und die drei Worte Zwerg, quer und fühlen müssen verwendet werden. Die Wortspende kam von Kain Schreiber mit seinem Blog Gedankenflut.

Dein Schweinehund besucht einen Freund

Dein Schweinehund wirft die Tür hinter sich zu und kommt pfeifend ins Wohnzimmer. „Ist noch Wackelpudding da?“ unterbricht er sein Pfeifen kurz und marschiert zielstrebig auf den Kühlschrank zu.
„Nö“, sagst du und kratzt die letzten grünen Reste aus der Packung.
„Mist!“ Dein Schweinehund guckt enttäuscht und öffnet die Kühlschranktür, nicht ohne etwas von ‚unverzeihlicher Gedankenlosigkeit beim Einkauf‘ vor sich hin zu murmeln.
Du ignorierst das. „Wo warst du?“ fragst du ihn stattdessen.
„Hab einen Freund besucht.“
Du ziehst die Augenbrauen hoch. „Einen Freund? Seit wann das denn?“
Dein Schweinehund kommt mit einem Joghurt ins Wohnzimmer geschlendert und lässt sich zu dir auf die Couch fallen. Eine kleine Staubwolke steigt auf und du fragst dich, ob sie vom Sofa oder vom Schweinehund stammt.
„Seit immer schon“, sagt dein Schweinehund, „siehst du, alles weisst du nicht über mich.“ Er knibbelt den Aludeckel vom Becher und leckt ihn ab, dann knistert er ihn zusammen.
„Aha? Und wer war das?“ Jetzt bist du wirklich interessiert.
„Der Machsbesser-Bär.“ Dein Schweinehund schwelgt im Joghurt, als wäre er himmlisches Manna.
„Wer?“ fragst du verwirrt.
„Der Machsbesser-Bär. Den kenne ich aus der Zeit, als du noch ganz klein warst und mich nicht die ganze Zeit brauchtest.“
Du ziehst eine Augenbraue hoch.
„Tja. So war das. Ich hab bei ihm gelernt. Auf jeden Fall hat er mir erzählt, dass die Zeiten für ihn gerade nicht leicht sind. Sein Mensch ist schwer zu motivieren. Das große C, schlechtes Wetter, ungewisse Aussichten, das übliche eben, du kennst das ja.“ Er fischt eine Kirsche aus dem Joghurt und lutscht darauf herum. „Aber“, er hebt eine Pfote, „es gibt einen Hoffnungsschimmer: Letzte Woche konnte er seinen Menschen dazu bringen, wenigstens mal zur Pommesbude zu gehen. Endlich hat sie mal das Haus verlassen! Er hatte sich schon ernsthafte Sorgen gemacht.“
„Haha!“ Du lachst. „Zur Pommesbude? Ich denke, er ist ein Machsbesser-Bär?“
Dein Schweinehund starrt dich an. Ein kleiner Fleck Kirschjoghurt sitzt auf seiner Nase. „Nicht SO ein Bär! Er sieht die großen Zusammenhänge! Er ist pragmatisch. Unverdrossen. Er gibt nie auf!“ Seine Augen glänzen missionarisch und seine freie Pfote fuchtelt mit dem Joghurtlöffel in der Luft herum, während er seinen Vortrag hält.
Du lehnst dich zurück. „Ok. Ich habs verstanden. Und wie kommst du ins Spiel? Was ist dein Auftrag?“
Dein Schweinehund guckt ernsthaft. „Ich? Ich bin eine schillernde Persönlichkeit mit einem reichen Innenleben und dazu da, dein Leben zu bereichern!“ Bei den letzten Worten kiekst seine Stimme ergriffen.
„Das hab ich mir gedacht“, sagst du. „Hör mal, will dein Machsbesser-Bär uns nicht besuchen kommen? Ich könnte ihn gut gebrauchen.“
„Ach, reiche ich dir nicht?“ Dein Schweinehund klingt pikiert. „Er hat gar keine Zeit im Moment. Er ist sehr beschäftigt.“
„Tja. Schade. Aber du hast vom Besten gelernt, oder?“
Dein Schweinehund guckt mißtrauisch. „Ja, schon“, sagt er gedehnt, „wieso?“
„Ich saß den ganzen Tag auf dem Sofa und bräuchte jetzt dringend eine Massage. Na? Wie wärs?“ Du grinst.
Dein Schweinehund stöhnt.

Das war ein Beitrag zu den Extraetüden, organisiert von Christiane, und unter Umständen hat mein Schweinehund einen Freund von ihr getroffen. 😁
Die Wörter für die Extraetüden seht ihr oben in der Graphik und ich habe mehr oder weniger mühevoll fünf eingebunden. Nicht mehr als 500 Wörter, locker geschafft mit 492!

Der Schweinehund und das schlechte Gewissen

Dein Schweinehund sitzt neben dir im Auto. Er guckt starr geradeaus. Du wirfst einen vorsichtigen Blick hoch zu den Fenstern, dann guckst du schnell wieder weg. „Hast du das auch gehört?“ wagst du dich aus der Deckung.
Dein Schweinehund nickt. Er zupft mit einer Pfote am Sicherheitsgurt und ruckt ihn in eine bequemere Position. „Sie klang vorwurfsvoll“, sagt er.
Du nickst. „Fand ich auch.“ Unbehaglich schiebst du dich auf dem Fahrersitz nach hinten.
„Und verlassen“, stellt dein Schweinehund sachlich fest.
Du schluckst. „Ich hab das ja nicht mit Absicht gemacht“, versuchst du dich zu verteidigen, aber es klingt jämmerlich und du weisst es.
„So?“ sagt dein Schweinehund mit hochgezogenen Augenbrauen.
„Es lag nicht an ihr! Die Umstände waren schuld!“
Einen Moment lang sieht dein Schweinehund aus, als ob er seine überlegene Position ausbauen wollte, aber dann sinkt er in sich zusammen. „Ich weiß“, sagt er und seufzt. Es ist ein langer, tiefer Seufzer, und du stimmst ein.
Dann seht ihr beide zu den dunklen Fenstern eurer leeren, verlassenen, alten Wohnung hoch, und da hilft kein noch so überzeugendes Argument: Ihr kommt euch ein klein wenig schäbig vor.

Dein Schweinehund und die Bücher

„Neiiin!“ schreit dein Schweinehund, pflückt dir das Buch aus der Hand und presst es an sich. Was schwierig ist, denn er hält schon vier andere Bücher in den Pfoten. Du seufzt und greifst nach dem nächsten Buch. Dein Schweinehund beobachtet dich mißtrauisch. Er umklammert die fünf Bücher, als ob sie seine Kuscheldecke wären. Du betrachtest das Buch. Darf es mit oder geht es zum Bücherschrank? Du hast es lange nicht gelesen, was für das Mitnehmen spricht, aber es ist kein Lieblingsbuch, noch nicht einmal ein Hab-ich-gern-Buch, also wandert es auf den Bücherschrankstapel. Dein Schweinehund schreit auf und reisst das Buch an sich. Langsam gerät er in Schwierigkeiten, so lang sind seine Arme nicht.
„Hör mal“, sagst du, „ich verstehe dich ja. Aber wir können wirklich nicht alle Bücher mitnehmen. Wir haben weniger Regalplatz in der neuen Wohnung. Und wir müssen alles zwei Stockwerke hochtragen.“
Dein Schweinehund schnauft abfällig. „Ja, weil du umziehen willst! Ich will hierbleiben! Und es war deine Idee, den Fernseher ins Bücherregal zu stellen! Es heißt Bücherregal! Nicht Fernsehregal!“ Er starrt dich an.
Du versuchst zu vermitteln. „Das da, ganz oben auf deinem Stapel, das war langweilig, du erinnerst dich? Es durfte nur bleiben, weil wir auch alle anderen Bücher aus der Reihe haben.“
Dein Schweinehund guckt entrüstet. „Na und? Du hast auch langweilige Jahre in deinem Leben, aber wirfst du sie deswegen raus? Was ist mit mir?“ Er schnieft theatralisch. „Wirfst du mich auch raus, wenn ich langweilig werde?“ Er zerdrückt eine winzige Träne.
Du guckst ihn an und du kannst nicht anders, du musst grinsen. Dann drückst du ihn mit allen Büchern in den Pfoten kurz an dich. „Mein Lieber, wir trennen uns nie, und das weisst du auch.“
Dein Schweinehund zieht die Nase kraus, aber die Bücher lässt er nicht los. „Glaub ja nicht, dass du mich einwickeln kannst! Ich bin der Verteidiger der Bücher!“ ruft er und reckt eine Pfote in die Luft. Seine Bücher poltern zu Boden. Er bückt sich, um sie einzusammeln und in der Zeit legst du zwei weitere Bücher auf den Bücherschrankstapel.
„Was machst du da?“ fragt er alarmiert und schielt zu dir hinüber, drei Bücher in den Pfoten, drei auf dem Boden.
Du seufzt. Das wird ein harter Kampf.

Der Schweinehund und der Tannenbaum

Draußen schneeregnet es und der Himmel ist sturmwolkenblau. Entschlossen suchst du alles zusammen, was du brauchst und guckst dabei immer wieder zu deinem Schweinehund, der unter einer Decke auf dem Sofa liegt. Er schnarcht leise vor sich hin, aber du könntest schwören, dass du ihn vorhin zweimal beim Blinzeln ertappt hast. Als du den Weihnachtsbaumständer auf die Bodendecke mit den kleinen Glöckchen stellst, öffnet er die Augen und setzt sich aufrecht hin. Du wappnest dich.
„Was machst du?“ fragt er.
„Wonach sieht es aus?“ fragst du zurück.
Er gähnt ausgiebig und gestattet dir einen Blick auf prachtvolle, scharfe Zähne. Du guckst strafend. „Was?“ fragt er unschuldig, verkneift sich aber ein weiteres Gähnen. Dann springt er auf und stellt sich neben dich. „Müssen wir schon wieder einen Weihnachtsbaum kaufen gehen?“
Du rollst die Augen. „Was heißt hier schon wieder? Den letzten haben wir vor zwölf Monaten gekauft! Du erinnerst dich? Drama, bevor wir rausgegangen sind, Drama, während wir ihn ausgesucht haben, dann musste ich dir eine Tannennadel aus der Pfote ziehen, und dann sind dir meine Lieblingskugeln runtergefallen.“
„Ich konnte nichts dafür, sie waren so kugelig und du weisst doch, ich habe Pfoten.“
„Die jeden Keks sehr geschickt festhalten können!“
„Ach!“ Dein Schweinehund wedelt abwehrend mit der Pfote. „Alles Schnee von gestern. Und? Kaufen wir einen Weihnachtsbaum?“
Du starrst ihn an. „Willst du etwa einen kaufen?“
Dein Schweinehund wiegt den Kopf hin und her. „Ich komm ja sowieso nicht drumherum, oder?“
Du musterst ihn mißtrauisch.
„Was?“ Dein Schweinehund sieht dich entrüstet an. „Ich nehme nur den Weg des kürzesten Widerstands!“
„Des geringsten.“
„Was?“
„Des geringsten Widerstands.“ Du guckst ihm in die Augen, dann piekst du ihm einen Finger in die pelzige Seite. Er zuckt zusammen und quieckt. „Du WILLST einen Weihnachtsbaum kaufen! Du magst das!“ Du grinst.
„Ach, Schnickschnack“, dein Schweinehund wedelt abschätzig mit einer Pfote, „ich bin ein Schweinehund, ich brauche keine Tannenbäume, ich mache das alles nur für dich!“
Dein Grinsen wird breiter. „Klar.“
Dein Schweinehund schüttelt hoheitsvoll den Kopf. „Was du immer glaubst. Wenn du das brauchst.“
Du schnappst dir immer noch grinsend Portemonnaie und Schlüssel. „Los, komm. Wir suchen jetzt den schönsten Baum, den wir finden können.“
Dein Schweinehund ist vor dir an der Tür. „Können wir auch wieder Marzipankekse an die Zweige hängen?“
Du schliesst die Tür. „Sicher. Aber nur, wenn du Glitzer auf die Zapfen streust.“
Dein Schweinehund hüpft die Treppenstufen hinunter. „Silber oder Gold?“ ruft er.
„Beides!“ antwortest du.

Kleines Sommer-Expeditionsintermezzo IV

Samstag, 7. Augustus 2021

Wurde heute im Schilfwald fast von Schlingwicken erdrosselt. Diese Spezies ist aggressiv, es umwickelt selbst das scharfkantige Seegras und ringt es zu Boden. Ein paar kräftige Machetenhiebe zeigten den Wicken, wo sie hingehören.
Gejammer in der Mannschaft. Oink gab mir zu verstehen, dass sie Essen bräuchten, immer nur Seetang wäre nicht ausreichend. Jammerlappen! Gab den Befehl, aus meinen Privatvorräten Heidelbeerpfannkuchen zu verteilen, anschließend friedliche Stille. Glücklicherweise befindet sich hinter dem Hügel das Ziel der Expedition. Morgen sage ich es ihnen.
Expeditionsergebnisse: Diese Insel ist wehrhaft. Die Einheimischen pflegen seltsame Bräuche, die Pflanzen- und Tierwelt ist gefährlich und exotisch. Besiedelung ausgeschlossen. Meine tapferen Männer und Oink haben tadellos gedient. Ein bisschen Schwund ist überall. Glück auf!

Kleines Sommer-Expeditionsintermezzo III

Freitag, 5. Augustus 2021

Beobachtete ein Drama. Ein Drache hatte einen der Einheimischen gefangen und mit langen, scheinbar klebigen Fäden an sich gefesselt. Das Opfer versuchte, dem Drachen zu entkommen, aber die Fäden waren zu stark. Der Drache (schlangenförmig, schwarz mit gelben Augen) zog ihn erbarmungslos über das Wasser, bekam ihn aber nicht in die Luft. So führten sie einen unerträglich langen Kampf. Ich war erschüttert, konnte dem bedauernswerten Opfer aber nicht helfen.