An der Kreuzung

Nachmittags, an einer sehr belebten, großen Kreuzung. Vier gutgenährte, mittelalte Bauarbeiter mit Helm in der Hand und im Blaumann stehen redend auf dem Fahrradweg.
Von vorn kommt eine junge Frau mit dem Fahrrad, klingelt mit der rechten Hand, winkt mit der linken und lächelt. Ihre Röcke wehen hell im Fahrtwind.
Die Bauarbeiter gucken auf, treten synchron einen Schritt zurück, heben alle die Hand, lächeln zurück und blicken den flatternden Tüllwolken einen Moment lang versonnen hinterher. Dann unterhalten sie sich weiter.

Ich mag Sommertage in der Stadt, auch, wenn es erst Mai ist. 🙂

Wunder können uns nur dann verzaubern…

Neulich im Gottesdienst wurden Karten verteilt. Solche hier:

Ich habe mich sehr darüber gefreut, sie waren mit soviel Liebe gemacht, alle unterschiedlich und einfach schön. Und die Aussage erst! 🙂

Es blieben ein paar übrig, ich habe sie mitgenommen und an ein paar Kolleginnen verteilt, einfach so. Selten hatte ich einen netteren Tagesanfang im Büro, es gab ausschließlich begeisterte Reaktionen. Vielen Dank an die kreativen Bastlerinnen! Und meine hängt nun neben dem Einhorn an der Pinnwand und erinnert mich regelmässig:

Himmelfahrtstag

Ich habe heute einen kleinen Ausflug gemacht. Auf der Strecke:

  • jede Menge aufgehübschte Bollerwagen mit hochprozentigem Inhalt und Menschenmassen drumherum
  • je ländlicher, desto mehr Bollerwagen
  • Schlangenlinie fahrende Männer
  • Fahrradgruppen mit Bierbecher am Lenker oder in der Hand
  • untergehakte Männer, die jeweils zu zweit die gesamte Breite des Fahrradweges brauchten – von links nach rechts, von rechts nach links…
  • entblößte Oberkörper (durchaus ansehnlich, aber, Jungs, da draußen waren höchstens 17 Grad! Brrrr!)
  • an Wiesenränder pinkelnde Männer
  • einsame, leere, traurige Bierflaschen am Wegesrand
  • gemischte Picknicks am Straßenrand (wie gesagt, 17 Grad draußen)
  • Männergruppen, die Synchrontanz zur Musik vom Bollerwagen machten
  • eine sehr gut gelaunte Mädchengruppe mit blinkenden Papphütchen
  • Gruppen in kurzen Hosen und T-Shirt contra Gruppen mit Funktionsjacken, Käppis, Schals und Wanderschuhen
  • tatsächlich zweimal Inlineskater
  • und weitere 3478 Radfahrer beiderlei Geschlechts und jeden Alters, tapfer gegen den Wind ankämpfend

Insgesamt war das ein extrem vergnüglicher Ausflug! Ich wünsche allen morgen früh eine gute Strategie zur Katerbewältigung 🙂 .

heute an der Ampel

Vor mir an der Fußgängerampel, zwei Männer Mitte zwanzig, Hemd, Hose, Schnürschuhe.

„Ja, das sagense alle, wennse das erste Mal hier zu Besuch sind: Schöne Stadt, viel Grün, hier kann man gut leben.“
„Mmh.“
„Aber wenn de dann erst mal drei Jahre hier lebst, ich sach dir! Da kennste alles. Man kann hier absolut nichts machen. Es gibt gar nichts. Langweilig, das ist es!“
„Mmh.“
„Ne Rentnerstadt, das isses hier.“

Boah. Fühle mich plötzlich viel älter. Bis eben dachte ich, ich würde in einer wirklich hübschen, attraktiven Stadt leben…

Kleine Abschiede

Neulich saßen wir in einer gemütlichen Runde zusammen und hatten nicht viel zu tun… da habe ich gefragt, was für kleine Abschiede uns spontan einfallen. Es ruckelte ein wenig am Anfang, aber dann lief es! Hier sind unsere Kleinen Abschiede:

  • die Tür der Ferienwohnung hinter sich schließen
  • letzte Kirschen pflücken
  • das Buch zuklappen
  • Gemüseernte
  • abends die Haustür abschließen
  • der letzte Keks deiner Lieblingssorte
  • verwelkende Blumen
  • Winterklamotten einräumen
  • Telefonate beenden
  • ein drei Stunden altes Kaugummi ausspucken
  • Licht ausschalten vorm Einschlafen
  • letztes Kalenderblatt abreißen
  • Frisörbesuche 🙂
  • das Ende des Liedes, das man ewig hören könnte
  • aufhören mit Haarefärben
  • abgeliebte Kuscheltiere ins Regal stellen
  • abgrillen
  • Tannenbaum abschmücken
  • aufräumen nach der Veranstaltung
  • der erste Milchzahn verabschiedet sich
  • der erste zerbrochene Teller des 12teiligen Service
  • der letzte Schluck Bier (und keine Lust, neues zu holen)
  • der Abspann des Films
  • Geburtstagsende
  • das Ende der Kerze
  • das selbst gebaute Minifloß tatsächlich unwiderruflich abfahren zu lassen
  • entrümpeln
  • aufstehen und die gemütliche Runde auflösen

Vielen Dank an Tanja, Olli, Gerd, Sabine, Angela, Simone, Michael, Jürgen und Timon!

Hurra!

Beim abendlichen Kontrollblick auf dem Balkon eine dicke Hummel bemerkt und gerätselt, was sie dort will. Zurzeit leben dort nur drei Veteranen des letzten Winters.

Beim genaueren Hinsehen in Jubelstimmung verfallen: Die Stachelbeere blüht! Und zwar reichlich! Wenn das alles Stachelbeeren werden, könnte das mindestens ein Glas Stachelbeermarmelade werden! Oder ein Stachelbeerkuchen! Hurra!

//*gehtpfeifendstachelbeertortenrezepteheraussuchen*//
//*feiertgärtnerischebalkontriumphe*//

Tannenbaum-Happy End

Nachdem diese Anzeige ja unverständlicherweise völlig ignoriert wurde, kann ich nun ein Happy End verkünden: Mein Tannenbaum hat wieder Familienanschluss!

Ich habe ihn im Kreise seiner Lieben auf dem Osterfeuerberg zurückgelassen, wo ihn und seine Brüder und Schwestern am Samstag (also heute) der Kreislauf des Lebens einholen wird. Und das, obwohl er eigentlich nur die Farbe gewechselt hat (von grün zu braun), ansonsten aber immer noch in Top-Verfassung war und die Nadeln auch bei kräftigem Aufstampfen weiterhin entschlossen am Ast blieben. Kurz habe ich mit dem Gedanken gespielt, ihn im Dezember einfach wiederzuverwenden, aber man muss ja auch dem Nachwuchs eine Chance geben.

Nun also heute Abend: Ich werde dabei sein und ihm ein letztes Lebewohl zuwinken.