Was mir am Teencamp gefiel (sehr)

willkommen geheißen zu werden

rasend schnelle Helfer beim Zeltaufbau

bei sintflutartigem Regen im Zelt liegen und sich keinen Deut um das Loch kümmern, durch das es hineinregnet

singende (und Häufchen produzierende) Vögel auf meinem Zeltdach als die Sonne aufgeht

morgens  um sechs die Kaffeemaschine für die Mitarbeiter anstellen

der friedliche und einsame Tee um sieben bevor die Meute einfällt

den schattigen, grünbelaubten, weinbergschneckengesäumten Pfad zur Veranstaltungshalle

Morgenandacht im alten Stall auf Sofas inmitten schläfriger Gesichter

in der Sonne kiloweise Kartoffeln schrabben, zuerst zu zweit, dann zu dritt, dann zu viert

Bruno, der Riesenhund, der problemlos einhundert Leute auf einmal lieben kann

Kakao mit Zimt

knallrote Apfelspalten

die experimentelle Tomaten-Rote-Beete-Suppe

Rock´n Roll

das Kühlmoped

die Familie, auf deren Hof wir Chaos veranstalten durften

das Küchenteam

Dankeschön Ü-Eier

Was ich am Teencamp nicht mochte

sintflutartiger Regen beim Ankommen

undichte Zeltdächer

Ohrenkneifer im nassen Handtuch

feuchte Jacken

sich morgens unelegant von der Luftmatratze hochquälen

müde Knochen am Abend

müde Knochen am Morgen

klebrige Nudelreste, die problemlos Tesa Powerstrips ersetzen könnten

Kartoffelschrabben

danach Muskelkater im Daumen

beim Zeltabbau zermatschte Nacktschnecken unterm Zeltboden finden

und trotzdem: Abreisen müssen

(kleine Erklärung: Ich war Köchin in einem Zeltlager für Teenager. Und es gab eine ganze Menge Regen in den ersten Tagen)

 

Geschenke

Manche Geschenke machen glücklicher als andere, schon deswegen, weil sie so wunderbar verpackt sind.

Ich bin eingeladen! Im Juli geht´s nach Hameln. Ich glaube, die Flöte nehme ich mit – man könnte ja mal ausprobieren, ob…

Tomaten an die Macht

Seit einigen Tagen frage ich mich, ob meine Tomaten eventuell die Weltherrschaft anstreben. Wenn das so weiter geht, wird als allererstes passieren, dass ich meinen Balkon nicht mehr betreten kann, dann werden sie weiterwachsen bis auf den Nachbarbalkon, von dort auf den Boden und dann geht´s erst richtig los! Ich fürchte nur, sie haben nicht bedacht, dass ich die Herrscherin über den Wassernachschub bin: Winzig kleines Pflanzgefäß, riesiger Durst!

Deswegen müssen sie wohl doch vorerst bei mir bleiben. Aber vielleicht lasse ich später ein paar Tomatensamen auf den Rasen fallen und beobachte dann von oben aus, was passiert. Bisher passiert sind wundersame Verwandlungen.

Wie man sieht, arbeite ich bereits mit Schranken und Absperrbändern, bisher ohne Erfolg.

Die Stachelbeere links im Bild wird von ihm hier gegen allzu eifrige Tomatenranken verteidigt (eigentlich kann die Stachelbeere sich hervorragend selber verteidigen, wie ich schon mehrfach schmerzhaft feststellen musste, aber ich lasse ihm die Illusion. Leben und leben lassen).

Und dann gibt es in meinen Blumenkästen noch einen sehr speziellen Bewohner. Rechts hinten in der Ecke versteckt er sich.

Der Blumenfisch. Ruhig zieht er seine Bahnen durch Männertreu, Lavendel und Keineahnungwiehießsienochgleich. Er lebt von Luft und Liebe, allerdings hoffe ich immer noch, dass er vielleicht auch ab und an eine der Schnecken vertilgt, die sich regelmässig über die Blütenblätter hermachen.

Werden die Tomaten weiter versuchen, zu expandieren? Wird die Stachelbeere aggressiv werden? Was passiert mit dem Blumenfisch? Ich werde berichten.

Im Eiscafé

abendliches Stimmengewirr bei Aperol Spritz und Cappuccino

man grüßt sich

vor mir im Becher leuchtet es erdbeerrot und vanillegelb

freundlich flitzt die Bedienung zwischen Wünschen und Tischen hin und her

eine Gruppe hübscher Männer zieht gut gelaunt zur Domweih

an der Hand seiner barfüssigen Besitzerin schwebt ein glitzerndes Rieseneinhorn vorbei

lächeln bitte: Vorm Frisörladen gegenüber springen acht perfekt frisierte Frauen mit Kämmen, Haarspray und Föhn in der Hand auf Kommando in die Luft

Gelächter zwischen Eisbechern, darüber schrillt eine ältere Stimme am Nachbartisch

schüchtern guckt der kleine Pinscher unterm Stuhl hervor, seine riesige Halskrause kratzt auf dem Pflaster

das junge Paar sitzt schweigend bei Kaffee und Zigarette

langsam leeren sich die Stühle

Feierabend um neun

Zehn Dinge zu verstecken

Hamburg, 13. Mai 2017, Störtebecker-Höhle

  1. Die goldene Uhr für spätere, glückliche Finder.
  2. Ostereier natürlich. Immer wieder.
  3. Uns bei Schnitzeljagden.
  4. Den Rest Pudding, damit ihn keiner klaut.
  5. Zu verschenkende Bücher auf Zugplätzen oder verschwiegenen Bänken.
  6. Die alten Liebesbriefe.
  7. Die Briefe voller Offenbarungen.
  8. Einige meiner Gedanken.
  9. Kleine Zettel mit lieben Botschaften.
  10. Uralte Ablage, die eigentlich in den Keller müsste.

Große Erwartungen

In diesen Tagen liegen überall hohe Erwartungen in der Luft, und wir werden mit großen Hoffnungen konfrontiert. Nun trifft man ja leider oft mit einem Knall auf die Realität, wenn man sich traut, die hohen Erwartungen tatsächlich einzufordern: Das neue Auto, das selber fahren kann. Die Puppe, deren Haare wirklich nachwachsen. Das Handy, dessen Akku tagelang hält. Schokoladeneis, das schlank macht. Ein besseres Leben dank der alles umfassenden Lebensversicherungspolice.

Tja. War wohl nichts. Aber wir sind ja erprobt, was große Versprechungen angeht, sie sind verlockend, aber nicht das Papier wert, auf dem sie stehen, auch, wenn es noch so schön bunt bedruckt ist.

In diesen Tagen aber liegen WIRKLICH große Erwartungen in der Luft, und dieses eine Mal bin ich ganz sicher, dass sie wirklich erfüllt werden, jede einzelne von ihnen. Es gibt im Moment jede Menge Gründe, sich zu freuen, seht selbst: