Ambivalenz-Listen

Was ich nicht vermissen werde:

  • das endlose Gekläff des kleinen Hundes
  • die Antworten des großen Hundes
  • das Geschrei im Nachbargarten
  • Rauchschwaden auf dem Balkon
  • die 3m² Balkon
  • die Parkettspalten
  • sonntägliche Grillpartys mit schlechtem Musikgeschmack
  • muffige Treppenhäuser
  • den Gärtner, der alle Tulpen, Narzissen, Schneeglöckchen und Krokusse abgemäht hat, immer wieder, bis nichts mehr da war
  • überquellende Mülltonnen, von Fliegen umsurrt
  • die Südlage
  • das Gefühl, keine Wahl zu haben

Was ich vermissen werde

  • die 3m² Balkon
  • die Südlage
  • den rauschenden Baum vorm Wohnzimmerfenster
  • die Nachbarn (trotz allem)
  • Ausblicke
  • das schwarz-weiß Muster des Küchenbodens
  • die Parkettspalten
  • die Lindenallee mit den unter den Füßen zerplatzenden Lindensamen
  • die Garage
  • das Gekrähe des Nachbarkindes
  • den alten Mann von gegenüber, der alle 30 Minuten auf dem Bürgersteig eine geraucht hat
  • den weißen Rosenstrauch, der selbst den Gärtner überlebt hat

Was ich brauche

  • zwei Hände zum Geduldsfaden aufwickeln
  • aufblasbare Stunden zwischen Feierabend und Schlafengehen
  • helle Stille
  • etwas… puderzuckrig zitternd Leichtes
  • Tee
  • Sonnenschein zum Tee

Was ich mir schon immer wünschte

  • eine Teleportationsmaschine
  • die Wasseratmung beherrschen
  • loslaufen ohne zu wissen wo es hingeht
  • den ultimativen Erwachsenenspielplatz
  • nicht ohne Furcht: täglich fünf Minuten hinter die Gesichter gucken können
  • einen regengeschützten Sitzplatz zur rechten Zeit
  • einmal auf einer Libelle reiten
  • mich schrumpfen zu können (wegen der Libelle)
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Campingschönheiten

– das Rauschen des Windrads als Hintergrundsound
– die Farben (grün, blau, grau)
– frühmorgendliche Vogelkonzerte
– der Wind, der am Zelt zerrte
– als erste aufstehen, duschen und Brötchen holen
– gemeinsam sein
– nicht allein sein
– das Seelentröstercurry auf der Außencampingküche kochen
– Zeit haben
– selten bis nie auf die Uhr schauen
– all die Gänseblümchen
– eine brandneue Schweinehundgeschichte vorlesen
– akzeptiert sein
– im flachen Ebbewasser herumplantschen
– langsam anfangen und sich dann steigern
– Lagerfeuer trotz sehr viel Regen
– dort singen
– das große C im Hintergrund
– einfach einen Tag länger bleiben
– das Leben mögen
– Gott im Rücken haben

Was ich am Campen mag

  • die Vögel hören
  • den Wind sehen und hören
  • es ist fast egal, was ich anhabe
  • die Sonne zu schätzen wissen
  • nasse Socken im Baum trocknen lassen
  • morgens Brötchen für alle holen
  • als Erste aufwachen
  • als Erste aufstehen
  • Regentropfen auf dem Zeltdach
  • mich in den Schlafsack einkuscheln
  • den Geruch von Wiese im Zelt
  • mit wenig Dingen auszukommen
  • mittendrin sein in der Draußenluft
  • Improvisation
  • grillen im Regen
  • alle zusammen mit sehr losem Tagesplan
  • unperfekt zu sein
  • das kleine Wasserunglück im Vorzelt
  • Schätze wie das Abendlied
  • jemanden zu Spielen haben

Was hätte ich gern?

  • Käsekuchen
  • eine Menge Familiengeknuddel
  • Brunch mit mindestens zehn Leuten, davor Gottesdienstbesuch
  • eine Massage. Mit heißen Steinen.
  • zwei Katzen im Haus, von denen eine immer nur schmusen will
  • Steaks vom Grill, draußen gegessen am Feuer, danach Geschichten hören
  • singen. Laut.
  • Koffer packen für eine Reise
  • eine richtig gute Geschichte schreiben
  • etwas wirklich schönes basteln
  • Pläne machen
  • einen spannenden Krimi mit sympathischen Hauptdarstellern, die bitte nicht plötzlich mitten im Buch das Zeitliche segnen
  • einem Eichhörnchen im Baum zusehen
  • mir die Sonne auf den Pelz brennen lassen
  • etwas Neues ausprobieren
  • richtig intensiv an etwas arbeiten
  • irgendjemanden umarmen. Lange.
  • in der Therme im warmen Wasser draußen schwimmen
  • ans Meer fahren mit Freunden
  • mit nackten Füßen im Watt laufen

(die Liste ist von Anfang April und siehe da: Einiges wurde bereits umgesetzt. 😊)

Was ich alles dringend wollte und doch nicht getan habe

  • Fenster putzen
  • mehr Postkarten schreiben
  • Torten mit mindestens drei Schichten backen
  • Animationsfilme machen
  • die größte Burg am Strand bauen
  • Kanu fahren und wild zelten
  • auf den Schienen wandern und sehen, wo sie hin führen
  • einen Kakadu auf der Schulter sitzen haben
  • die Rutsche vom Balkon bauen (idealerweise mündet sie im Pool)
  • im Büro Ostereier für die Kollegen verstecken

Und ihr so?

öffnen

  • Pakete (nur die mit geheimnisvollem Inhalt)
  • Bücher (immer)
  • Hände (zum Segen empfangen)
  • Herz (Rostentferner für 3,99 im Metallwarenladen)
  • Telefonleitungen (lebensspendend)
  • Überzeugungen (scharfkantige Ränder!)
  • Neidblasen (das brennt wie Hölle)
  • Türen (… )
  • Himmel (einen Versuch war´s wert)
  • Kartons (Vergangenheitsschatzsuche)
  • Zukunft (mutig voran!)

Frühlingsliste in Corona-Zeiten

Frühlingsliste in Corona-Zeiten

1. Wir warten.
2. Die Vögel singen wie immer.
3. Die Blattknospen sind winzig, aber sie sind da.
4. Spaziergänge sind die neuen Theaterbesuche.
5. Die halb geschlossenen Läden sehnen sich nach dem kompletten Öffnen ihrer Ladentüren wie die Narzissen auf das Platzen ihrer Knospen.
6. Frisch geschnittene Köpfe wie frisch gemähter Rasen.
7. Stiefmütterchen haben Löwengesichter. Sie könnten jederzeit zuschnappen.
8. Die kleinen Schwebwespen schlüpfen nicht schneller, nur weil ich ihre Brutröhren antippe.
9. Die Sonne scheint auch durch ungeputzte Scheiben.
10. Sich auf Ostern freuen, egal, wie es wird.

Jaaa… ich weiß, das ist kein Gedicht. Aber mir war so unbedingt nach dieser Liste für den Gedichte-Dienstag, es gab keinen Weg an ihr vorbei. Dafür gibt´s dann morgen das dazu passende Gedicht. Aber in diesem Fall mochte ich die Liste einfach lieber. 🙂

Kleine Schönheiten

  • der PC mit (fast) unbegrenzten Möglichkeiten
  • freundliche Telefonate
  • kompetente Nothelfer
  • zoom-Treffen
  • Schlittenfahrer beobachten
  • selber Schlitten fahren
  • Puderzuckerschneewolken
  • verschneite Wälder und Felder
  • Schneemänner. Schneemänner! ♥
  • bei -5° draußen die Heizung anstellen können
  • Brot schneiden
  • Tee mit Holunderblütensirup
  • Schneeflocken zusehen
  • die bestellten Masken kommen tatsächlich an
  • das rosa Buch aus dem Schaufenster einfach kaufen
  • die kleine, grüne Götterspeise am Abend