Was auf dem Tisch liegt

  • 31 Filzstifte, unterschiedlich ausgetrocknet
  • der blaue Sardinenteller aus Praiano
  • ein gelangweiltes Buch
  • ein frisches Buch
  • die Häkeldecke von Mama
  • gezügelte Unbeherrschtheiten
  • der Poesiekalender vom Vorjahr (mit zu vielen leeren Seiten)
  • unentdeckte Gedichte

was ich von hier aus sehe

Weihnachtsbaumanhänger, arbeitslos
malerisch spiegelnde Angriffsflächen
zerknitterte Müdigkeit im Rotwein
Engel mit unausgesprochenen Verspannungen
Ranunkeln mit krummen Flügeln

was beim Älterwerden herausfordert

  • echte Vorfreude empfinden durch die dicken Erfahrungsschichten hindurch
  • neue Freunde finden (und behalten, was schwieriger ist)
  • Gespräche mit dem Kind im Inneren. Es neigt dazu, sich immer besser zu verstecken, je älter man wird
  • bis runter an die Füße kommen
  • dem Impuls widerstehen, graue Haare auszuzupfen
  • geduldig bleiben zwischen den Alltagsstolpereien
  • nicht aufhören, die Jüngeren ernst zu nehmen. Sie sind gar nicht so jung, wie man meint.
  • niemals, niemals, niemals sagen: Ich hab´s ja gewusst!
Und wenn einem nichts einfällt, dann macht man sowas!

Was Unzufriedenheit heißt

  • nicht das Erstbeste akzeptieren
  • Umwege in Kauf nehmen
  • nochmal anfangen
  • keine Ausreden gelten lassen
  • sich nicht für dumm verkaufen lassen
  • standhaft sein
  • sich ent- rüsten
  • das Licht nicht aus den Augen verlieren

sehen

  • Wolkenschiffe
  • Engelsflügelleuchten im Morgenrot
  • Altersflecken auf faltigen Händen
  • Zahnlücken
  • die Spinne vorm Fenster
  • Vollmondnächte
  • Namensschilder
  • verheissungsvolle Buchhandlungsfenster
  • Blicke
  • das Zittern in der Fassade
  • gelbes Licht in der Narzisse

Alltagsoptimierungen

  • nach einem Jahr die Schnürsenkel an den grünen Schuhen lockern
  • die Uhr im Bad drei MInuten vorstellen
  • eine Bleistiftverlängerung kaufen und sich wie eine Sekretärin 1957 fühlen
  • den Monitor auf drei dicke Bildbände stellen
  • an jedem nur denkbaren Ort Stifte liegen haben
  • Erdbeeren im Balkonkasten pflanzen
  • unterm Tisch ein Höckerchen für die Füße aufstellen
  • die Tüte des WC-Papiers als Mülltüte verwenden
  • ernsthaft darüber nachdenken, ob ein Seilzug am Balkon Sinn macht

Dinge, die mich müde machen

  • zuwenig Schlaf
  • Routine
  • wollknäuellanges Drumherumgerede
  • alltäglicher, endloser Austausch von Höflichkeiten
  • das große C
  • Monologe (von anderen 😁)
  • ungute Dinge, die sich nicht ändern
  • zuviele gespielte Level
  • dahinplätschernde Bücher ohne Höhepunkte
  • Glühwein

Dinge, die mich wach machen

  • Lampenfieber
  • Vorfreude
  • spannende Bücher mit Höhepunkten
  • etwas Neues ausprobieren
  • der Moment, bevor man durch eine unbekannte Tür geht
  • der Blumenmarkt am Morgen
  • nachts auf den nassen Balkon gehen und die Aussicht bewundern
  • vor Publikum singen
  • der erste Schluck Tee

Meine eigenen Gedichte machen mich zur Zeit ein wenig müde, daher heute eine meiner geliebten Listen. Die machen mich wach. 😊

Der Dienstag dichtet!  
Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht.
Auch Wortgeflumselkritzelkram
Mutigerleben
WernerKastens
die Nachtwandlerin
Myriade
Gedankenweberei
Wortverdreher
Myna Kaltschnee
Lebensbetrunken
der BerlinAutor
Vienna BliaBlaBlub
Red Skies over Paradies
Your mind is your only limit
Dein Poet
Geschichten mit Gott
Lindasxstories
Findevogel
und Traumspruch sind mit von der Partie.
Viel Freude bei allen Besuchen!

Kleine Dinge, die anders sind

Beim Pulloverausziehen denken: Achtung, die Lampe! Aber die Lampe hängt jetzt einen Meter höher.
Vom Schlafzimmer kommt man nicht direkt in den Flur.
Niemand geht unter meinem Fenster vorbei und unterhält sich mit seinem Handy.
Schmutzwäsche im Bad in den Wäschekorb tun wollen. Aber da ist kein Wäschekorb.
Den Herd anzünden wollen. Aber es ist ein Elektroherd.
Vor der Eingangstür ist nicht das Treppenhaus.
Ich kann die Treppe nicht lautlos hinaufgehen.
Schnell im Sitzen die Butter aus dem Kühlschrank holen wollen. Aber da ist kein Kühlschrank neben mir.
Kirchturmglocken hören.
Neben der Küche ist nicht der Flur.
Wie die Türen beim Schließen klingen.
Nachts in den Oberlichtern Sterne sehen.

Jahrespläne

Viel und oft:
– auf dem Balkon sitzen und Wolken gucken
– positiv denken
– Eis mit Erdbeeren und Schlagsahne essen gehen
– lesen

Häufig:
– genug schlafen
– in guter Gesellschaft sein
– kleine Schwätzchen halten (vielleicht vom Balkon herunter?)
– loben (und Lob annehmen können)

Manchmal:
– (nicht sehr gründlich) putzen
– Nichtstun üben
– nicht produktiv sein
– etwas Besonderes erleben

Nie:
– mit Hausschuhen auf die Straße gehen
– den Mut verlieren
– das Glauben aufgeben
– schlechte Schokolade kaufen

Glühwein auf dem Balkon. Schon mal proben für den Sommer.

Danke, Anja, für die Inspiration. 🙂

Ambivalenz-Listen

Was ich nicht vermissen werde:

  • das endlose Gekläff des kleinen Hundes
  • die Antworten des großen Hundes
  • das Geschrei im Nachbargarten
  • Rauchschwaden auf dem Balkon
  • die 3m² Balkon
  • die Parkettspalten
  • sonntägliche Grillpartys mit schlechtem Musikgeschmack
  • muffige Treppenhäuser
  • den Gärtner, der alle Tulpen, Narzissen, Schneeglöckchen und Krokusse abgemäht hat, immer wieder, bis nichts mehr da war
  • überquellende Mülltonnen, von Fliegen umsurrt
  • die Südlage
  • das Gefühl, keine Wahl zu haben

Was ich vermissen werde

  • die 3m² Balkon
  • die Südlage
  • den rauschenden Baum vorm Wohnzimmerfenster
  • die Nachbarn (trotz allem)
  • Ausblicke
  • das schwarz-weiß Muster des Küchenbodens
  • die Parkettspalten
  • die Lindenallee mit den unter den Füßen zerplatzenden Lindensamen
  • die Garage
  • das Gekrähe des Nachbarkindes
  • den alten Mann von gegenüber, der alle 30 Minuten auf dem Bürgersteig eine geraucht hat
  • den weißen Rosenstrauch, der selbst den Gärtner überlebt hat