Birnensenf

Herr Miesling sitzt an seinem Küchentisch und starrt versonnen auf ein Glas Birnensenf. „Guck mal, sagt er, „hat se mitgebracht. Als Gastgeschenk.“ Er fährt mit einem Finger über den Deckel. „Weisst du, wann ich das letzte Mal ein Gastgeschenk bekommen hab?“
Sein Engel schüttelt den Kopf.
„Ich schon. Das muss 1977 gewesen sein, als ich mit meiner Frau in die neue Wohnung gezogen bin.“ Herr Miesling überlegt. „Ich glaub, das war ein Korb mit Sekt und Wurst damals. Den Sekt haben wir gleich auf´n Kopp gehaun, der hat den Abend nich überlebt.“ Er grinst. „Das war nett.“ Er stupst das Glas an. Der Birnensenf leuchtet gelb. „Wolln wir ihn probiern?“
Sein Engel schüttelt den Kopf.
Herr Miesling ist überrascht. „Warum nich?“
Sein Engel rümpft die Nase, zeigt auf das Glas und guckt angeekelt.
„Was??“ Herr Miesling reisst die Augen auf. „Du magst das nich? Aber du magst doch alles! Immer! Das gibt´s ja nich!“
Sein Engel seufzt, hebt die Schultern und schüttelt sich.
Ein breites Lächeln zieht wie Sommerwolken über Herrn Mieslings Gesicht. „Ich hab deine schwache Stelle entdeckt! Ich glaub´s ja nich! Birnensenf! Hah!“ Er öffnet das Glas und schnuppert. „Hmmm, lecker, das passt bestimmt gut zum Harzer.“ Er stippt einen Finger ein und probiert. Sein Engel verzieht das Gesicht. „Und auf die Salami auch. Na? Willste nich doch mal probiern?“
Sein Engel schüttelt energisch den Kopf.
„Dein Kryptonit, was?“ Herr Miesling grinst wieder. „Dann ess ich ihn halt allein.“ Er stellt das Glas in den Kühlschrank, gleich neben den Käse. „Du weisst schon, dass ich dich ab jetzt damit aufziehn werd, oder?“
Sein Engel hebt ergeben die Hände.
„Birnensenf“, sagt Herr Miesling versonnen, eine Hand noch an der Kühlschranktür. „Es war schön mit ihr, oder? Wir sollten sie unbedingt wieder einladen. Wer weiß, was sie beim nächsten Mal mitbringt.“
Sein Engel lächelt. Als wäre es nie woanders gewesen, liegt plötzlich das Telefon in seiner Hand.

1. Dezember

Ich fühle mich noch nicht allzu weihnachtlich, das muss ich zugeben. Eher sehr, sehr novemberig, mit einem leichten Kratzen im Hals. Aber es ist, wie es ist, heute ist der 1. Dezember und es geht los! Und schon hat es mich getroffen, denn wir waren dieses Jahr nicht 24 Menschen, die einen Adventskalender machen, sondern 25, und das bedeutet, ein Päckchen ersetzt jeweils das eigene, und das war heute meins. Und ich kann die Nr. 25 natürlich heute nicht veröffentlichen, denn es wollen ja noch 24 weitere Menschen das Päckchen öffnen, ohne vorher zu wissen, was drin ist. Und meins kann ich nicht so richtig beim auspacken zeigen, denn, ähm, ich habe keins mehr. Deswegen habe ich ein wenig vorgeplant und meinen Adventsbegleiter ein klein wenig früher vom Dachboden geholt (was der gar nicht gut fand, es ist schließlich ein neuer Dachboden und nicht mehr der alte, langweilige Keller, und was für ein Dachboden! So ein richtiger, mit geheimen Türen, seltsamen Schränken, dunklen Ecken und jeder Menge Kram. Wirklich, mit einer ungeheuren Menge an Kram. Ich bin nämlich in ein sehr besonderes Haus gezogen, das muss ich schon sagen.) Wo war ich? Ach ja, nachdem ich meinen Adventsbegleiter also dazu überredet hatte, etwas früher mit nach unten in meine Wohnung zu kommen, habe ich ihm das hier gezeigt:

Viele, viele Nr. 1 Päckchen.

Und da ich rein zufällig vom Inhalt ein bisschen mehr gemacht hatte, kann ich auch zeigen, was drin war:

Birnensenf!

Und da ich ihn schon probiert habe, kann ich sagen: Sehr gut zu Käse, Gemüse aus dem Ofen, auf Brot oder pur vom Löffel geleckt. 😊 Mein Adventsbegleiter findet das im übrigen auch, denn wenn ich ihn schon verfrüht vom Dachbodenwunderland zerre, dann darf er natürlich auch probieren. Er findet den Birnensenf sehr gut auf Lebkuchen, aber mein Geschmack ist das nicht. Eine kleine Geschichte zu Birnensenf und Herrn Miesling ist auch noch in der Tüte, die gibts gleich als nächsten Beitrag. Allen einen schönen 1. Dezember!

kein Gedicht in mir

heute ist kein Gedicht in mir
hallende Leere im Festsaal
die Augenvorhänge geschlossen
schlafende Krähen flattern
zankend zwischen Plüsch und Synapsen
ein gelbes Blatt
zieht forrestgumpsche Federkreise
über Wimpernkandelaber
Morgensonne bügelt rot
die Liderinnenseiten
Premierenvorbereitungen
ein neuer Tag bricht an
noch ist kein Gedicht in mir

Der Dienstag dichtet!  
Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht.
Auch Wortgeflumselkritzelkram
Mutigerleben
WernerKastens
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Wortverdreher
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der BerlinAutor
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Your mind is your only limit
Dein Poet
Geschichten mit Gott
Lindasxstories
Findevogel
und Traumspruch sind mit von der Partie.
Viel Freude bei allen Besuchen!

Oink hat Umzugsfragen

„Was ist umziehen?“ fragt Oink.
„Man packt alle Sachen ein, die man hat und trägt sie in eine andere Wohnung“, antworte ich.
„Aha“, sagt Oink. Er sieht sich um. „Alles?“ fragt er.
Ich nicke.
Er verschwindet im Flur und kommt nach ein paar Minuten wieder, als ich gerade den letzten Schluck Tee trinke. „Wirklich alles? “ fragt er. Es klingt ungläubig.
Ich nicke.
„Warum machst du das?“ fragt er.
Ich überlege. „Weil es mir hier nicht mehr gefällt“, sage ich schließlich, aber ganz stimmt das nicht.
„Das stimmt nicht“, stellt Oink fest, „du hast erst gestern gesagt, du magst den Küchenfußboden. Und den Ausblick.“ Er lehnt sich an meine noch warme Tasse.
Ich lehne mich zurück. „Weil…“ fange ich an und verstumme. „Das ist gar nicht so einfach.“ Oink wartet. „Ich glaube, meine Zeit hier ist vorbei. Sie war schön und manchmal auch nicht schön, aber es war immer irgendwie ok. Bis jetzt. Es fühlt sich nicht mehr richtig an.“ Ich hoffe, er versteht mich.
„Passt sie dir nicht mehr?“ fragt er, „vielleicht bist du zu groß geworden? Obwohl ich nicht finde, dass du gewachsen bist“, fügt er kritisch hinzu.
„Doch!“ sage ich, „das ist es: Ich bin aus ihr herausgewachsen.“
„Aha“, sagt Oink. Er setzt sich auf meinen Tellerrand. Er guckt immer noch kritisch. „Du siehst wirklich nicht größer aus als sonst“, sagt er, „aber wenn du meinst… wann ziehen wir denn um?“
„Bald“, sage ich und lächle.
„Und du willst das wirklich alles mitnehmen?“ fragt Oink. Er sieht von unten nach oben und von links nach rechts.
Ich nicke.
Oink kräuselt die Nase. „Vielleicht bist du auch aus einigen Sachen herausgewachsen? Wie aus der Wohnung?“
Ich bin überrascht. „Vielleicht? Ich muss überlegen“, sage ich und stütze das Kinn in die Hand.
„Mach das“, sagt Oink. „Ich gehe und sage allen Bescheid, das wir umziehen. Das wird aufregend!“

Kurz vor unserem Gespräch: Oink macht seinen Job.

1. Advent

Und wir haben es wieder getan. 25 Menschen machen einen Adventskalender, basteln oder schreiben oder backen oder kochen etwas 24mal und bekommen dafür 24 neue Päckchen zurück. Am Freitag haben wir ausgetauscht und nun liegen bei mir 24 kleine, verheißungsvolle Überraschungen bereit. Und dabei hatte ich dieses Jahr so überhaupt gar keine Lust und auch erst spät eine Idee und ich bin ja gerade erst umgezogen und war zwischendurch auch noch im Urlaub (eine wahnwitzige Idee, direkt nach einem Umzug in Urlaub zu fahren, aber er war schon seit einem Jahr gebucht, was soll man da machen? Eben.). Aber nun ist alles bereit. Nur mein Adventsbegleiter hat sich dieses Jahr lange geziert. Er fand es auf dem neuen Dachboden sehr spannend und hatte überhaupt keine Lust, herunterzukommen, aber nach ein bisschen gutem Zureden und vielen Versprechungen (neue Küche! Neue Plätze zum herumstehen! Ganz andere Farben überall!) hat er sich erweichen lassen.

Er hat sich einen guten Überblick verschafft (die silbernen Bonbons gehören nicht dazu, die sind Standardausrüstung in der Wohnung) und könnte eigentlich sofort loslegen, aber nix da! Mittwoch geht´s los. Dafür gibt es aber heute die erste Kerze, und zum ersten Mal habe ich wirklich genug Platz für einen großen Adventskranz. Er duftet nach Wald und Harz. Ich freu mich.

Dein Schweinehund zieht um

Du stellst die Tasse mit heißem Kaffee auf das Tablett, gießt Milch dazu und legst Schokokekse auf einen Teller, dann trägst du das ganze zum Sofa. Vorsichtig setzt du dich neben die Decke und wedelst den Kaffeegeruch in Richtung Decke.
Nichts.
„Hör mal“, sagst du, „so schlimm ist es doch auch nicht. Wir schaffen das schon. Guck mal, es gibt Schokokekse.“
Die Decke atmet schwer.
„Und Kaffee“, sagst du und pustest den Kaffeedampf über die Decke.
Die Decke atmet lauter, dann schiebt dein Schweinehund den Kopf hervor und sieht dich anklagend an. „Wie kannst du mir das antun?“ fragt er mit matter Stimme. Sein Fell ist zerzaust. „Magst du mich denn gar nicht?“
„Ach Quatsch, ich mag dich sehr, deswegen ziehen wir ja um.“
Dein Schweinehund heult auf. „Nenn dieses Wort nicht! Ich kriege Kopfschmerzen davon!“
„Tschuldigung. Keks?“
Dein Schweinehund ignoriert die Kekse. Ein schlechtes Zeichen. „Ich kann nicht essen, wenn uns so schlimme Zeiten bevorstehen! Weisst du noch, beim letzten Mal, als wir umge… den Ort gewechselt haben?“ Er jault leise. „Das war schlimm! Alles durcheinander! Überall noch Sachen, die wir vergessen hatten einzupacken! Und wir haben den Keller vergessen! Komplett! Und als alle dachten, wir wären fertig, mussten wir noch den Keller verpacken!“ Er jault lauter. „Und dann die ersten Wochen in der neuen Wohnung, es war schrecklich, wir haben uns kaum getraut, vor die Tür zu gehen!“
„Du übertreibst. Wir haben bloß ein bisschen gebraucht, um uns einzugewöhnen, das ist alles.“
Dein Schweinehund schüttelt kummervoll den Kopf. „Wenn du das glauben willst…“ Er schüttelt die Decke ab und setzt sich aufrecht hin. „Überleg doch mal: Wir müssen packen. Kartons besorgen. Streichen. Und dafür die Farbe kaufen. Welche Farben überhaupt? Willst du etwa wieder so komplizierte Dinge mit den Wänden machen? Und wer trägt die Waschmaschine? Die ist doch viel zu schwer für uns! Und wie konntest du bloß zustimmen, in den zweiten Stock zu ziehen?“ Er wedelt hektisch mit den Pfoten und zeigt auf alles mögliche. „Wir müssen alles hochtragen! Und vorher runter!“ Er zerwühlt verzweifelt sein Fell unter den Ohren.
„Ganz ruhig“, versuchst du ihn zu beruhigen. „Wir haben ja Hilfe. Das klappt schon. Eins nach dem anderen. Wir haben genügend Zeit für alles.“
Dein Schweinehund lässt sich der Länge nach aufs Sofa fallen. „Wir werden untergehen. Es wird ein Chaos. Du wirst mich auf dem Weg zur neuen Wohnung verlieren!“ Er starrt dich an. „Wo ziehen wir hin? Ich brauche die Adresse!“
Du verziehst keine Miene. „Du kennst den Weg, mein Lieber.“
„Aber was, wenn ich ihn vergesse!“
„Dann rufst du mich an.“
„Ich habe kein Handy!“ Er sieht dich anklagend an. „Du wolltest ja nicht, dass ich ein eigenes Handy bekomme!“
„Das haben wir doch schon hundertmal besprochen.“ Jetzt seufzt du. „Hör mal. Ich vergesse dich nicht, du wirst den Weg finden, wir werden das schaffen. Ich versprech es dir. Kaffee?“ Du hältst deinem Schweinehund die Tasse hin.
„Ist der koffeinfrei? Du weisst doch, wie schnell ich mich aufrege.“
Du starrst deinen Schweinehund bohrend an. Er nimmt die Tasse und schlürft geräuschvoll. „Danke. Das hab ich gebraucht. Sind die Schokokekse mit Karamell?“
Du nickst.
Dein Schweinehund nimmt einen Keks und beisst hinein. „Tschuerst kümmern wir unsch aber um meine Decken, ja? Die kommen als erschtes in die Kartonsch.“
„Das können wir machen. Dann bist du aber auch der Erste, der hier keine Decken mehr hat.“
„Oh.“ Dein Schweinehund starrt dich mit halbgegessenem Keks in der Pfote entsetzt an.
Du grinst. „Du kannst eine von meinen haben.“
Dein Schweinehund atmet geräuschvoll aus, ein paar Krümel fliegen durch die Luft. „Isch hasse umziehen.“
„Ich weiß.“ Du nimmst dir einen Keks. „Und jetzt lass uns über Farbkonzepte reden. Was hältst du von gelb-orange im Wohnzimmer?“
Dein Schweinehund stöhnt leise.

Die ersten Bücher, die neue Wege gehen durften.

Emofarben

giftiggelbe Wut
sprengt meinen Kopf
verblasst zu grollendem Grün
blassblau die Stille danach
ich vermisse
mein prächtiges Purpur

gelacht

matte Tage
dumpfes Licht
Stimmungslage: trüb
tief hole ich Luft
atme immerwährende Gänseblümchen
das wäre doch gelacht

Der Dienstag dichtet!  
Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht.
Auch Wortgeflumselkritzelkram
Mutigerleben
WernerKastens
die Nachtwandlerin
Myriade
Gedankenweberei
Emma Escamilla
Wortverdreher
Lebensbetrunken
der BerlinAutor
Vienna BliaBlaBlub
Heidimarias kleine Welt
Red Skies over Paradies
Your mind is your only limit
Dein Poet
Geschichten mit Gott
Lindasxstories
Findevogel
und Traumspruch sind mit von der Partie.
Viel Freude bei allen Besuchen!

Paula

Paula

Sie seufzte innerlich, so wie sie es immer tat; was blieb ihr anderes übrig? Dieses Mal war der Raum dunkelblau, ein Ton, tief wie die Kanäle an einem strahlenden Herbsttag, sie erinnerte sich genau. Natürlich hatten sie ihr das Blau gestohlen, mit den Jahren hatte sie sich daran gewöhnt. Noch so eine neue Mode, die unversehens über sie gekommen war – wo kam sie her, wer hatte sie kreiert? Wie auch immer, sie war dankbar, das Blau strich kühl und beruhigend über ihre nackten Arme und lenkte sie ab von ihren zahlreichen Zwillingen, die sich gegenseitig ernst ansahen. Vielleicht hätte sie weniger biografisch malen sollen. Ein wenig mehr Freundlichkeit wäre erfrischend gewesen, jetzt, da sie die nächsten Monate miteinander verbringen mussten. Es war etwas ermüdend, immer nur sich selbst zu sehen und sich zu erinnern: Da war sie verliebt gewesen, gegenüber schwanger, zwei Bilder weiter hatte Paris noch vor ihr gelegen. Paris! Sie wartete mit Sehnsucht auf Pariser Ansichten, etwas anderes als ihr eigener Atelierblick musste es sein, mit diesem blauweißen Schleierhimmel, der Gebäude zum Leben erweckte und die Menschen lachen ließ. Nun, das würde warten müssen. Vorerst würde ihre Welt dunkelblau sein, Menschen würden an ihr vorbeiflanieren, einige würden stehen bleiben und versuchen, Kontakt mit ihr aufzunehmen, und sie würde versuchen, in ihren Gesichtern zu lesen: Was sahen sie in ihr? Manchmal kam jemand und nahm sich Zeit, führte stumme Gespräche mit ihr. Sie genoss diese Momente. Dazu war sie gemacht: Angesehen zu werden. Schade nur, dass Museen niemals Fenster hatten, nicht einmal die Pariser Museen. Der Himmel blieb ihr verborgen. Sie seufzte noch einmal und schloss die Augen, als das Licht ausging. Morgen würde ein neuer dunkelblauer Tag kommen.

Das war ein Beitrag zu den abc-Etüden, die von Christiane organisiert werden. Beitragsregeln siehe Bild oben – die Wörter dieses Mal waren Museum, biografisch und erinnern und kommen von Heidi mit ihrem Blog Erinnerungswerkstatt. Liebe Christiane, vielen Dank für das Organisieren!

Ausgelesen: Tinte und Siegel. Die Chronik des Siegelmachers. Von Kevin Hearne.

Magie ist seit Harry Potter allgemein bekannt und überraschenderweise immer noch einigermaßen gesellschaftsfähig, auch, wenn die Akzeptanz seit dem letzten Potter-Band wieder etwas nachgelassen hat. Im Genre gab es seitdem ein paar Perlen, viele Trittbrettfahrer und leider auch eine Menge Ausschuss, aber dieses Buch gehört für mich eindeutig zu den Perlen.
Al MacBharrais ist Schotte, Schnurrbartträger, weiß, was er tut, ist über sechzig und Siegelmagier. Er schreibt mit sehr spezieller Tinte sehr spezielle Siegel, die einiges können, unter anderem auch bereits etwas ältere, knackende Gelenke vorübergehend wieder jung und elastisch machen. Damit lässt sich eine Menge anstellen, und so nimmt die erste Geschichte um den Schotten ihren Lauf, der mit dem Tod seines siebten Lehrlings beginnt. Dummerweise gab es davor schon sechs andere Lehrlinge, die ebenfalls alle ein unglückliches Ende genommen haben – gibt es da Zusammenhänge? Dazu hat BacBharrais ein schon etwas älteres Problem: Jeder, der seine Stimme länger hört, fängt an, ihn abgrundtief zu hassen. Deswegen kommuniziert er per Handy mit der Welt, und falls das jetzt verrückt klingt: Ja, das ist es, aber es ist so elegant im Text untergebracht, dass es weder stört noch zu dick aufgetragen ist.
Ganz ehrlich, ich habe mich sofort in MacBharrais verliebt. Die Welt aus den Augen eines älteren Mannes zu sehen, der schon eine Menge schöne und weniger schöne Dinge erlebt hat, dermaßen entspannt ist, sich wie ein Fisch im Wasser in seinem Schottland bewegt und sich dazu so gut mit Gin und Whiskey auskennt, wer würde den nicht mögen? Dazu kommen weitere Personen und äh, andere Wesen, die sehr einnehmend und gelungen sind und die das Lesen zu einem großen Vergnügen machen. Ich wollte kein anderes Buch lesen während ich dieses gelesen habe, und das ist immer ein großes Kompliment. Wie die Geschichte sich entwickelt, macht große Lust auf weitere Bücher aus der Reihe (die ja wohl hoffentlich erscheinen werden!). Außerdem gab es einen diskreten Hinweis auf eine andere Reihe von Kevin Hearne, die mich sehr neugierig gemacht hat und die ich mir auf jeden Fall näher ansehen werde. Wer die Bücher von Ben Aaronovitch mit Peter Grant mag, ist hier auf jeden Fall richtig. Aber sowas von!

Auch Oink war begeistert, er hat mitgelesen. Selbst das Foto strahlt etwas überbelichtet. 😁