22. Januar

„He“, flüstert der Kleine, „wir müssen reden!“ Ich nicke gehorsam und beuge mich vor. „Du und ich, wir wissen, dass ich nicht für die Ewigkeit gemacht bin. Meine Bestimmung ist die Verführung!“ Der Kleine guckt ernst. „Oink versteht das nicht. Er ist lieb und sehr rosa, ich mag ihn. Aber er ist anders als ich. Ich will meine Bestimmung erfüllen! Du wirst nicht zulassen, dass ich hart werde, oder?“ Er guckt mich forschend an. „Ich spüre schon die ersten Veränderungen, ich bekomme eine Kruste. Noch ist sie nicht hart, aber es fängt schon an. Ich habe andere gesehen… die waren versteinert.“ Er schaudert. „Ich verlasse mich auf dich, hörst du?“ Ich nicke. Herrje! Irgendwie hat sich dieser Haushalt in den letzten Wochen zu etwas sehr Neuem entwickelt. Über die Lebensbestimmungen von Marzipanschweinchen habe ich bisher auch noch nie nachgedacht.

16. Januar

„Du bist ganz schön oft nicht zu Hause“, sagt Oink, nachdem ich verkündet habe, heute wieder eine kleine Reise zu machen. Tja. Er hat Recht. „Ich muss arbeiten, um Geld zu verdienen, damit ich das Ei kaufen kann, das du wärmst“, antworte ich. Er seufzt. „Und heute? Heute ist doch Samstag? Da arbeitest du doch nicht?“ „Heute besuche ich einen lieben Menschen“, sage ich.

„Möchtest du mit?“ frage ich. „Ist es gefährlich da draussen?“ fragt Oink. „Ja. Aber schön ist es auch.“ Oink überlegt kurz. „Dann möchte ich mit!“ Und so habe ich heute ein Schweinchen in der Tasche, als ich die Wohnung verlasse.

2. Januar

Heute habe ich wieder eine kleine Reise vor und muss meinen neuen Mitbewohner alleine lassen. Wobei… das trifft es nicht ganz.

So sieht es aus, wenn man bewundert wird. Eigentlich hatte der Kleine einen eher profanen Zweck, mjam… aber vielleicht verschiebe ich das in eine unbekannte, weit entfernte Zukunft. Auf jeden Fall werden sie sich heute nicht langweilen, während ich unterwegs bin.

Neujahr

Ich habe einen neuen Mitbewohner. Zu Weihnachten ist er eingezogen, und bisher funktioniert unsere WG gut. Sein Job ist es, Frühstückseier vor der ungemütlichen, morgendlichen Kälte zu schützen, und ich muss sagen, er ist ein Naturtalent!

Das ist Oink, während er seinem Job nachgeht. Dann ist er immer sehr konzentriert.

Heute morgen haben wir uns kurz über Neujahr unterhalten. „Ach? Dann bekommt ihr 365 neue Tage geschenkt? Ihr habts aber gut!“ staunt er. „Naja“, relativiere ich, „die Aussicht auf 365 neue Tage.“ „Trotzdem. Für Unsereins sind ja alle Tage gleich, es gibt nur Tage, kein Neujahr oder, wie hieß das, Frühlung?“ Er grunzt. Du lächelst. „Du wohnst jetzt bei mir. Wart’s ab!“

Tagesjob done.