Die Gefahren des falschen Sparens

Jetzt ist die Zeit:
Die Kirschen sind reif.
Warte nicht.
Vertröste nicht.
Spare nicht für später.
Jetzt ist die Zeit:
Die Kirschen sind reif.
Pflücke, solange sie rot sind.
Koste die Süße im Augenblick.
Schone sie nicht.
Verschiebe dich nicht.
Jetzt ist die Zeit:
Die Kirschen sind reif.

Der Dienstag dichtet!  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Mittlerweile sind auch Mutigerleben und Wortgeflumselkritzelkram mit von der Partie. Wer den Dienstag also mit Gedichten beginnen will: Herzlich willkommen!

Ausgelesen: Darf´s ein bißchen mehr sein? Von Meg Cabot.

Wenn ich eine kleine Aufheiterung brauche, weil das Leben sich gerade nicht nur von der Sonnenscheinseite zeigt, greife ich gern zu bestimmten Büchern, nämlich den sogenannten „Aufheiterungsbüchern“. Sie zeichnen sich durch eine positive Grundstimmung aus, haben eine Heldin oder einen Helden, der die Welt mit einem halb vollen Glas in der Hand betrachtet und nicht aufgibt, auch dann nicht, wenn alles quer läuft.

Zu diesen Büchern gehört auf jeden Fall dieses hier. Heather Wells hätte allen Grund, mies gelaunt zu sein: Ihr Verlobter hat sie betrogen, ihre Karriere als Teeniestar ist definitiv vorbei und ihre Mutter hat Heathers gesamtes Geld gestohlen und ist damit nach Südamerika geflüchtet. Ihr Vater sitzt wegen Steuerhinterziehung im Gefängnis. Insgesamt also keine rosigen Zukunftsaussichten, aber Heather lässt sich nicht unterkriegen: Sie will fast dreißigjährig studieren gehen, aber um das College finanzieren zu können, muss sie nebenher arbeiten und tut das in einem Studentenwohnheim. Dort ist sie in der Verwaltung Mädchen für alles, unter anderem auch Ansprechpartnerin für die dort wohnenden Studenten. Als eines Tages eines der Mädchen dort unter seltsamen Umständen ums Leben kommt, ist ihre Neugier geweckt…

Natürlich wimmelt es im Buch nur so von Klischees: Der abgehalfterte Teeniestar, der umschwärmte Ex-Verlobte, der Sänger einer Boyband war, der attraktive Privatdetektiv-Bruder des Ex-Verlobten, das ganze, komplette Studentenwohnheim: Alles ein einziges Klischee. Aber wissen Sie was? Das macht alles gar nichts. Die Heldin ist so positiv geschrieben, dass man sie einfach gern haben muss, egal, wie viele Klischeeklippen sie auf jeder dritten Seite umschiffen muss, und ihre positive Sicht auf die Dinge hellt die eigene Stimmung ziemlich auf, obwohl das auch ziemlich verrückt ist, denn Heather ist ja nur eine erfundene Buchfigur. Aber wissen Sie was? Auch das macht rein gar nichts.

Meg Cabot hat mit Heather Wells eine grundsympathische Figur geschaffen, die man ungern ziehen lässt, wenn das Buch vorbei ist, nicht nur, weil es da noch ein paar offene Handlungsstränge gibt, sondern weil man einfach gern mehr Zeit mit ihr verbringen möchte. Zum Schluss des Buches ist man überzeugt, so schlimm ist das Leben gar nicht. Man darf nur nie aufgeben und sollte der Einfachheit halber immer davon ausgehen, dass das Glas halbvoll ist und nicht halbleer, und dass es sich nicht lohnt, anderen Dinge nachzutragen. Denn mal ehrlich: Am Ende schleppen wir die Dinge mit uns herum. Nicht die anderen. Heather hat das begriffen und lebt danach. Ein nettes Buch. Warum da übrigens auf dem Cover diesen ganzen Schuhe abgebildet sind: Ich habe keine Ahnung. Im Buch spielen sie absolut keine Rolle, und auch ein Hund kommt nicht vor.

Ausgelesen: Das Gold der Krähen. Von Leigh Bardugo.

Den ersten Band dieser zweiteiligen Saga habe ich mit sehr großer Begeisterung gelesen, es hat mich einfach weggefegt und ein bisschen schwach in den Knien zurückgelassen – ich meine, was soll denn nach einem solchen Buch noch kommen? Es kamen dann doch noch ein paar sehr gute Bücher hinterher, aber dieses hier glänzt schon sehr hell zwischen ihnen.

Nun also Band zwei: Das Gold der Krähen. Und darum geht es auch, um Gold, Geld und wie man es bekommt, verliert und zurückgewinnt. Darum herum webt die großartige Autorin Leigh Bardugo ein zweites Mal eine komplexe Welt zwischen holländischem neunzehnten Jahrhundert, Russlands Märchen und Mythen, dazwischen tummeln sich kleine Versatzstücke aus Skandinavien. Wir treffen die Charaktere aus Band eins wieder, Kaz und Inej, Nina und Matthias, Wylan und Jesper. Dieses Mal hat Wylan eine eigene Erzählstimme, es hat mich besonders gefreut, ihn besser kennenzulernen.

Ohne in der Handlung herumspoilern zu wollen: Die Geschichte wird einfach wunderbar weitererzählt, dieses Mal gibt es aber definitiv eine siebte Hauptperson: Ketterdam. Wie die Autorin diese Stadt beschreibt und zum Leben erweckt, ist genial, und es tut dem Buch gut, dass die sechs Diebe dieses Mal überwiegend dort bleiben, denn dadurch fängt die Stadt an zu schillern und zu atmen, und es bleibt trotzdem noch genügend Zeit, um jede der Figuren wachsen und sich verändern zu lassen. In dieser Geschichte ist nichts statisch oder langweilig, und gerade, wenn man denkt, aha, jetzt wird es aber doch vorhersehbar, gibt es eine Wendung, mit der man nicht gerechnet hatte. Ganz große Fantasy, schillernde Helden, komplexe Bösewichte, Nebenfiguren, die man unbedingt näher kennenlernen möchte und Bedauern, wenn das Buch vorbei ist – besser geht es kaum. Große Empfehlung für alle, die gute Geschichten aus anderen Welten mögen!

Winter

Winter

Ich fühle mich wie eine Wiese
die kahl und abgeweidet ist
zu viele Schafe haben zu lange an mir gefressen
wo einst ein bunter Teppich aus Blumen und Halmen
im Sommerwind wehte
Bienen und Schmetterlinge zum Frühstück vorbeisahen
und die Feldlerche hoch in den lauen Himmel stieg
ist jetzt Ödnis
das Gras ist braun und zertreten
die Blumen längst verdaut
selbst die sanften Hügel wurden flachgestampft
Wind zieht über meine bloße Weide
leer und frostig liegt sie da
es ist kalt

aber
im Dunkel spüre ich die Maulwürfe
sie liegen und schlafen und warten
träumen von feuchter warmer Erde und sanften Hügeln
zwischen wispernden Gräsern
von gedämpftem Grillengezirp in dunklen Gängen
ich weiß
ihre Zeit wird kommen

Dieses Gedicht habe ich vor mittlerweile ziemlich vielen Jahren für eine Freundin geschrieben, der es damals gar nicht gut ging. Glücklicherweise lebt sie heute wieder recht vergnügt vor sich hin, wofür ich sehr dankbar bin.

Der Dienstag dichtet!  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Schaut gerne bei ihr vorbei, das bereichert den Dienstag ganz ungemein. Auch Mutigerleben und Wortgeflumselkritzelkram sind mit von der Partie!

Kann man mit Humor und Leichtigkeit glauben?

Was würde dazugehören?

  • mit Freude morgens aufwachen
  • nicht Funktionierendes entspannt akzeptieren
  • Andersdenkende umarmen
  • dankend leben
  • viel Gesang, pur und mehrstimmig
  • Gottvertrauen – er wird das vergeben, für das unsere Versuche nicht ausreichen
  • leicht leben, weil wir gerettet sind
  • jeden Tag ein bisschen in die Wolken schauen
  • offene Türen
  • nicht allein sein, weil wir zu einer großen Gemeinschaft gehören
  • wenn wir etwas verbockt haben, einen Ort und ein Ohr haben, wo wir es abgeben können
  • viel Liebe

Was mir an einer Kuhweide gefällt

  • die neugierigen Gesichter mit den feuchten Mäulern
  • das Gras
  • der zarte Kuhfladenduft (wirklich!)
  • die Kakao-Versprechungen
  • die Grasbüschel, die die Kühe verschmähen (sie sind nämlich Feinschmecker)
  • den ausgetretenen Pfad zum See
  • das leise, unheilverkündende „Tick-Tick“ des Elektrozauns und der latente Nervenkitzel beim Passieren
  • Kuckucksblumen. Alle, alle Kuckucksblumen.
  • Und Löwenzahn. Löwenzahn auch.
  • wie das Gras beim Barfußlaufen kitzelt
  • und das Wehgeschrei, wenn man dabei in Brennesseln tritt

Leben

schneller wäre:
geradeaus
über Asphalt
durch Granitwände
auf Beton

heute nicht

auf Sandwegen
Kurven laufen
wandeln unter blättrigem Himmel
Amseln und Enten zuhören
Wasser riechen
Dinge finden
Umwege versuchen
zu spät kommen
leben

Der Dienstag dichtet!  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Mittlerweile sind auch Mutigerleben und Wortgeflumselkritzelkram mit von der Partie. Wer den Dienstag also mit Gedichten beginnen will: Herzlich willkommen!