Herbstwald

Herbstwald

Gelbe Blätter strecken sich wie erwartungsvolle, bedürftige Hände der Sonne entgegen
lichtdurchlässig sind sie
und leuchten im milden Herbstlicht
Gelbe Blätter strecken sich wie erwartungsvolle, bedürftige Hände der Sonne entgegen
sie tragen ihre Farben in sich
und diese kündigen an: sie werden fallen, schon bald
Gelbe Blätter strecken sich wie erwartungsvolle, bedürftige Hände der Sonne entgegen
und leuchten im milden Herbstlicht

Ein Gastbeitrag von himmelgraublau – vielen Dank!

 

Urlaubsende

Ach!
Seliges Ausschlafen,
Frühstücksgefühle um neun,
frei sein für Bücher
und neue Freunde.
Leuchtende Pläne,
frische Gefühle,
Tagträume himmelhoch,
sich dehnende Stunden.
Eisvögel am Fluss,
Wasserlinsen im Haar,
eine kleine Weile
den Mond beim Wandern begleiten.
Vorbei, vorbei.
Ach!
Schön wars.
Gerne wieder!

Ausgelesen: Das Mädchen mit den gläsernen Füßen. Von Ali Shaw.

Ach, und es fing so gut an. Als ich dieses Buch in der Bibliothek entdeckte, dachte ich: Oh! Was für ein schönes Buch! Warum habe ich das denn noch nie vorher gesehen? Und als ich die ersten Seiten las, dachte ich: Oh! Das fängt aber gut an! Schöne Sprache, spannender Anfang, wie geht´s weiter? Und ich habe es mitgenommen.

Zuhause dann überkam mich eine leichte Skepsis, das Buch und ich haben uns gegenseitig kritisch angeguckt, irgendwie wurden wir nicht miteinander warm. Dann habe ich es schließlich doch weitergelesen. Die Sprache: Weiterhin traumhaft schön, der Autor webt mit seinen poetisch verhangenen Sätzen eine graue, vernebelte Inselgruppe, auf der es entweder eiskalt ist oder regnet, und selbst wenn die Sonne scheint, wird es niemals warm, weder innerlich noch äußerlich. Ida, eine der beiden Hauptpersonen, ist es ebenfalls kalt ums Herz, sie hat ein angsteinflößendes Geheimnis, das sie auf St. Hauda´s Land ergründen will – ihre Füße werden zu Glas. Bei der Suche nach einem geheimnisvollen Mann, der ihr vielleicht helfen könnte, trifft sie Midas, einen introvertierten jungen Mann, der die Welt lieber durch den Sucher seiner analogen Kamera sieht als direkt und als Aushilfe in einem Blumenladen arbeitet. Langsam und mit Hindernissen freunden sie sich an, bis es Liebe wird. Aber Idas Glas wächst weiter…

(Achtung, Spoiler!)

Soweit, sogut. Gestört hat mich im Laufe des Lesens, dass das Buch auf der Stelle tritt. Es ist immer alles dunkel, der Nebel ist überall, das Glas wächst unaufhaltsam weiter, niemand kann helfen, alle sind in ihre eigenen Schwierigkeiten verstrickt, je mehr aufgedeckt wird, desto schlimmer wird es. Man könnte beim Lesen glatt in eine Depression verfallen. Und das Ende! Grauenhaft! Ich weiß, es kann nicht immer und überall ein Happy End geben, aber so??? Puh. Ich meine, Autoren sind natürlich immer und überall frei zu tun, was sie tun müssen, aber der Leser hat auch das Recht, sauer zu werden. Und das war ich. Meine Güte, wer so schön schreiben kann, könnte dem Leser doch zumindest ein kleines Fünkchen Hoffnung lassen, oder? Nichts da. In diesem Buch gibt es zwar völlig grundlos wundervolle, geflügelte Ministiere, aber null Hoffnung. Ich merke gerade, ich bin immer noch sauer, auch wenn es schon ein bisschen her ist, dass ich das Buch gelesen habe. Der Gerechtigkeit halber muss ich noch erwähnen, dass Midas sich doch weiterentwickelt und es schafft, zumindest halbwegs neue Wege zu gehen. Aber das hat mich nicht sonderlich getröstet.

Also. Wir haben hier ein Buch, geschrieben in sehr schöner, traumverlorener Sprache, die wunderbare schwarz-weiß-graue Bilder malt, eine schöne, phantasievolle Geschichte, die allerdings teilweise auf der Stelle tritt, depressive Schübe auslöst und definitiv kein Happy-End hat. Wer es lesen will, lese es. Ich habe ihn gewarnt.

So ein schönes Cover… tja.

 

November

November
der Dunkle, Sanfte
gewährt uns ruhige Stille
wir sehen nach innen
betrachten was war
und nicht sein wird
kühle Kerzen brennen
erleuchten graue Stunden
die Dezemberorangen
noch ungeschält
vor uns

Reisebücher

Es ist ja so: Wenn man viel liest, vermehren sich unweigerlich die eigenen Bücherbestände. Man kauft eins hier und eins da, bekommt welche geschenkt, dann gibt es Flohmärkte, auf denen immer und überall verlockende Bücher fast umsonst herum liegen, Buchtauschregale… es ist ein Kreuz. Man kauft ein neues Regal, baut an bestehende an, stellt die Bücher doppelreihig hintereinander, und spätestens, wenn die Stapel vor den Regalen anfangen, wacklig zu werden, ist die Lage ernst.

Alles gern gelesene Bücher. Obwohl – Hectors Reise war nicht so meins.

Als die Lage bei mir ernst wurde, das Wohnzimmer renoviert werden wollte und die Bücher mich dabei fast überwältigten, habe ich angefangen, auszusortieren. Ich habe verschenkt, auf dem Flohmarkt verkauft, ein paar wurden entsorgt (ein hässliches Wort, ich weiß, aber es gibt Bücher, die wollte ich einfach niemandem zumuten) und dann waren immer noch welche übrig. Und die habe ich dann auf die Reise geschickt. Anfangs noch mit bookcrossing, dann auf meine eigene Art und Weise, bookcrossinglight sozusagen. Und das geht so: Man nehme abziehbare Aufkleber, beschrifte sie und klebe sie dann auf die Bücher, die ab sofort auf eigenen Füßen stehen müssen.

Die sind schneller alle, als man vermutet…

Dann braucht es nur noch trockene und gut besuchte Orte, an denen man sie in die Freiheit entlässt: Züge, immer wieder Züge jeder Art, überdachte Fensterlaibungen, Bushaltestellen, Einkaufszentren… was einem so über den Weg läuft. Meinen Beobachtungen zufolge trauen die Leute sich schneller, ein Buch mitzunehmen, wenn draufsteht, dass es niemandem gehört. Ich hatte schon ein nettes Gespräch mit einem Mann, der einen dicken Wälzer fröhlich mitgenommen und sich über den Aufkleber gefreut hat. Und ich hab mich gefreut, weil er sich gefreut hat. Eine unschlagbare Win-Win-Situation für beide Seiten.

Und das beste: Mein Wohnzimmer atmet wieder! Es stehen immer noch eine Menge Bücher drin, aber alles, was neu dazukommt und kein absoluter Hauptgewinn ist, darf auch wieder gehen, nachdem ich es an alle ausgeliehen habe, die es lesen wollten. Warum sollte es bei mir nur herumstehen? Bücher sollten gelesen werden, dazu sind sie da. Und wer weiß? Vielleicht verführe ich so jemanden dazu, nach langer Zeit mal wieder ein Buch in die Hand zu nehmen, das er ansonsten nie und nimmer angefasst geschweige denn gekauft hätte.

Und schön ist auch das kleine Kribbeln, wenn ich eins aussetze, ich versuche nämlich immer, dabei unbeobachtet zu bleiben. Ich finde es netter, wenn das Buch ganz allein da liegt, ohne sichtbaren Vorbesitzer. Manchmal klappt es, manchmal nicht so ganz, die Leute können ganz schön aufmerksam sein. Mir wurden auch schon Bücher hinterher getragen mit dem Hinweis, ich hätte da was vergessen. Was ja auch nett ist.

Charles Dickens´ Weihnachtserzählungen werden auch auf die Reise gehen, aber natürlich erst im Dezember!

Insgesamt eine sehr schöne Art, Bücher weiterzugeben, finde ich. Und die eigenen Regale mutieren nicht zu überquellenden Staubfängerbuchendhaltestellen. 🙂

Was ich in einer Woche Rom gelernt habe

  • man kann viel länger laufen als erwartet
  • schmerzende Füße sind noch lange kein Grund sich hinzusetzen
  • Straßen überquert man geschmeidig und elastisch wie der übrige Verkehr
  • es passen mehr Leute in einen Bus als die normale Norddeutsche je gedacht hätte
  • es passt auch viel mehr Kunst in einen hinein als vorher vermutet
  • ein Zuviel an Schönheit gibt es nicht
  • man muss nicht alles gesehen haben. Lücken beflügeln die Phantasie und erfordern ein Zurückkommen
  • zusammen reisen ist schöner als allein
  • ab und zu Pausen allein sind aber auch nett
  • probieren erweitert den Horizont, egal, was man probiert (bei cremegefüllten Blätterteigteilchen erweitert sich der Horizont eklatant!)
  • Quellwasser aus Bronzebrunnen schmeckt besser als Flaschenwasser
  • ein Garten in Rom ist ein kleines Stückchen gerettetes Paradies. Wirklich.
  • umsorgt zu werden ist schön (und gefährlich bequem)
  • man muss kein Wort verstehen in einer Morgenandacht. Segen und Amen reichen völlig aus
  • Rom ist… Rom.

Das Leben, ein Schatten

Anlässlich des Novembers hier ein Beitrag von Lyrifant, der mir sehr gefällt:

Lyrifant

Es hat schon eine gewisse Tradition, dass mich Konzerte der fantastischen Capella Moguntina zu Gedichten inspirieren. Diesmal hat mich das Herbstprogramm „Unser Leben ist ein Schatten“ zu einem kleinen Text nach Art der Konkreten Poesie angeregt (mag sein, dass er nicht in allen Medien korrekt angezeigt wird).

vergänglich
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