Schabernack

Schabernack

im farblosen Februar
blüht der flammende Schabernack
schiebt sich breit zwischen die Zeit
jagt roten Sturm
durch schwarze Gedanken
lässt Nixen und Feen sich erheben
küsst wild ihr weißes Haar
lockt aus müden Augen
dunkle Koboldprinzen
bläst Wunschkonfetti
in blasse Gesichter
tanzt lila Reigen
ins Silbermorgengrauen
beim Sprung über den Mond
verblasst er
verweht in kühler Morgensonne
von weit entfernt
ein Hall
aus blaugrünem Lachen

Das war ein Beitrag zu den Etüden, immer noch dankenswerterweise von Christiane organisiert – vielen Dank dafür! Grundregeln sind maximal 300 Wörter, enthalten sein mussten dieses Mal die Worte Schabernack, breit und erheben. Die Wortspende kam von René und seinem Blog BerlinAutor. Und ich finde, für eine Norddeutsche habe ich ganz schön viel Karneval in meinem Text. 🙂

Gänseblümchenengel

… Dann gibt es die weithin völlig unbekannte Unterengelart der sogenannten Gänseblümchenengel. Sie leben weit verstreut auf Wiesen und Rasenstücken aller Art und bewohnen die Blüten des gemeinen Gänseblümchens, auch bekannt unter den Namen Tausendschön, Maßliebchen etc. (lat.: Bellis Perennis).
Die Gänseblümchenengel leben dauerhaft in den von ihnen gewählten Blüten und bleiben auch in der Nacht oder bei Regen standorttreu, vermutlich weil die Blütenblätter sich ebendann schützend schließen. Eventuell schließen die Blütenblätter sich, weil sie bewohnt sind, dies ist aber lediglich eine unwissenschaftlich begründete Annahme und noch weitgehend unerforscht.
Gänseblümchenengel gehören zu den eher unauffällig tätigen Unterengelgattungen. Ihre Wirksamkeit ist lediglich zu spüren beim direkten Beliegen einer Wiese ohne schützende Decke zwischen Rasenpflanzen und Haut. Wer sich diesem Risiko in heutigen Zeckenzeiten aussetzt, wird belohnt durch anhaltende Glückseligkeit und dem Wiederkehren glücklicher Kindheitserinnerungen. Auf diesem Gebiet liegen die ureigensten Fähigkeiten der Gänseblümchenengel. Sie werden ohne Auffälligkeiten wie Strahlenkranz, Lichterscheinung oder Gesang direkt weitergegeben. Weitere Tätigkeiten des Gänseblümchenengels sind nicht bekannt oder noch nicht hinreichend erforscht. Für sachdienliche Hinweise in dieser Richtung sind die Verfasser dieses Artikels dankbar. …

(für Karin 🙂 )

Schnee-Engel

Schnee-Engel

öfter als wir denken
steigen aus unseren plattgewalzten Schnee-Engeln
echte Engel auf
streifen sich das Eis von den Flügeln
sehen uns still hinterher
ins warme Haus
nicken sich zu
fliegen frostig strahlend ihrer Wege
Nachtschichtbeginn

Der Dienstag dichtet! 🙂  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram, Mutigerleben, Werner KastensFindevogel, die Wortverzauberte und  Ein Blog von einem Freund sind mit von der Partie. Schaut doch mal bei ihnen vorbei, der Dienstag fängt besser an mit ein bisschen Wortzauberei!

Ach ja: Ich weiß, den Schnee-Engel schreibt man eigentlich Schneeengel. Aber mal ehrlich: Das ganze Gedicht fällt in sich zusammen, wenn da jemand versehentlich Schnengel liest (so wie ich im ersten Versuch). Das wäre zwar sehr lustig, aber so gar nicht meine Intention. Deswegen hier die kreative Lösung für alle Probleme: Der oft unterschätzte, chronisch mißverstandene Bindestrich! Glücklicherweise ist er wenigstens kein Auslaufmodell wie das wunderschöne „ß“ mit seinen weichen Rundungen und dem scharfen Innenleben, das ich verteidige, wo ich kann… 🙂

 

Dein Schweinehund spart

Dein Schweinehund spart

Als du mit einer Papiertüte in der Hand aus der Bäckerei kommst, steht dein Schweinehund mit verschränkten Armen vor deinem Fahrrad. Anklagend blickt er auf deine Papiertüte, während seine rechte Hinterpfote einen mißbilligenden Takt auf das Steinpflaster klopft.
„Du kannst es nicht lassen, was?“
Seine Stimme hat diesen lehrerhaften Tonfall, den du überhaupt nicht leiden kannst. „Was kann ich nicht lassen?“ fragst du gereizt zurück, obwohl du schon weißt, worauf er hinauswill.
„Sinnlos Geld auszugeben.“ Jetzt klingt er nicht nur lehrerhaft, sondern hat auch diesen unerträglichen, mild überheblichen Ausdruck im Gesicht, den er immer hat, wenn er sich dir moralisch unendlich überlegen fühlt. Dein Blutdruck steigt in zwei Sekunden von hundertzwanzig auf hundertachtzig. „Wieso sinnlos??“ fragst du weit lauter als es eigentlich notwendig wäre.
Dein Schweinehund lächelt sanft. „Ach, das muß ich dir nicht erklären. Das weißt du selber ganz genau.“
„Nein, das weiß ich nicht ganz genau! Erklär mir das bitte!“ Du versuchst, deine Lautstärke zu senken, ballst deine Hände zu Fäusten und zerknitterst dabei die Papiertüte.
Dein Schweinehund legt die Pfoten vor seinem pelzigen Bauch zusammen, ein Abbild gesitteter, beherrschter Vollkommenheit. „Wollten wir nicht sparen? Hatten wir uns nicht einen Urlaub herausgesucht, auf den wir uns schon freuen? Der ziemlich teuer ist? Und war in unserem Sparplan nicht auch ein selbst gemachtes Frühstücksbrot enthalten? Und was sehe ich nun in deinen Händen? Ein belegtes, gekauftes Käsebrötchen, richtig?“ Er ringt die Pfoten. „Ach! Wieviel Brot hätten wir davon kaufen können! Das hätte die ganze Woche gereicht!“ Er sieht dich an und versetzt dir den Todesstoß. „Und gesünder wäre es auch gewesen. All das Weißmehl! Was das wieder mit unserem Blutzuckerspiegel machen wird!“ Er schüttelt weise den Kopf und verschränkt traurig die Pfoten hinter seinem Rücken. Stille breitet sich zwischen euch aus, während eilige Passanten vorbeigehen und euch argwöhnische Blicke zuwerfen.
Du starrst ihn an. Eigentlich hat er Recht. Aber uneigentlich kannst du es nicht leiden, wenn er Recht hat. Verdammt! „Mag sein“, knurrst du, nimmst dein Fahrrad und gehst zur Ampel.
Dein Schweinehund spaziert neben dir her. Er hat immer noch diesen milden, verständnisvollen Ausdruck im Gesicht. „Ach, lass nur. Ich weiß ja, dass ich Recht habe. Es ist halt der Zeitdruck morgens. Soviel Streß, da muss ja was schiefgehen. Ich sag ja immer, schlaf morgens aus, nimm dir Zeit, dann hast du auch die Zeit, dir morgens ein Brot zu… “ Er verstummt und wirft dir einen raschen Seitenblick zu. Du siehst ihn aus zusammengekniffenen Augen an.
„Warst du es nicht heute morgen, der mir gesagt hat, ich soll das Brot Brot sein lassen? Damit wir den Zug noch bekommen?“
„Jaaa, aber doch nur, weil du so spät aufgestanden bist!“
„Und warum bin ich wohl so spät aufgestanden?“
„Weil du gestern abend unbedingt noch den Film gucken wolltest!“
„Und warum wollte ich gestern abend unbedingt diesen Film gucken? Der im übrigen auch noch echt schlecht war, wie du ja weißt!“
„Weil… weil… hab ich vergessen!“ Dein Schweinehund springt vor dir in den Fahrradkorb und wendet dir den Rücken zu.
„Aha. Vergessen.“ Um einiges zufriedener als noch vor einer Minute stemmst du dich in die Pedalen.
„Trotzdem. Ich hab Recht“, schiebt er störrisch hinterher. Er sieht dich nicht an.
„Stimmt“, antwortest du friedlich.
„Ich will nur dein Bestes!“
„Weiß ich doch.“
„Stopp!!!“ schreit er so plötzlich, dass du eine Vollbremsung hinlegst und zwei Passanten fast zu Tode erschreckst.
„Was ist denn?!“ herrscht du ihn an. „Willst du uns beide umbringen, oder was? Hier ist doch nichts!“
„Ja, guck doch!“ ruft er, hüpft im Fahrradkorb auf und ab und zeigt auf ein Schaufenster. „Da! Das Buch! Mit dem Schallplattencover! Ist das nicht toll? Das müssen wir haben! Kaufst du mir das? Bittebittebitte! Ich glaube, ich kann ohne das Buch nicht weiterleben!“ Er springt aus dem Korb ans Schaufenster, presst sich an die Scheibe und starrt in die Auslage. Seine Nase hinterlässt einen feuchten Abdruck auf dem Glas.
Du starrst ihn an und denkst: Unverbesserlich. Er ist unverbesserlich. Aber das Buch… das Buch sieht wirklich interessant aus.

Fräulein Honigohr hat Grippe

Fräulein Honigohr hat Grippe

Fräulein Honigohr hat die Grippe. Sie liegt auf dem Sofa und kühlt ihre Stirn. Auf dem Boden liegen Taschentücher verteilt, das Glas Zitronentee ist leer und ihr Kopf fühlt sich wattig an. Kurzum: Die Lage ist düster. Vor dem Fenster scheint die Sonne, aber selbst die weißen Schäfchenwolken sehen heute aus wie gebleicht. Die Welt ist ungerecht.
Sie würde jetzt gern geknuddelt werden, aber das ist schwierig, wenn man gerade niemanden zum Knuddeln zur Hand hat. Obwohl… Fräulein Honigohrs Augen glänzen fiebrig, als sie den Fernseher einschaltet und mitten in eine britische Adelsserie gerät. Der Butler sorgt gerade für Ordnung in der Küchenbelegschaft. Auf dem großen Holztisch steht bergeweise Essen und die Köchin wirbelt herum, während sie in einer Schüssel Zitronencreme schlägt.
Zitronencreme… Fräulein Honigohrs Augen schließen sich halb. Mit seligem Lächeln schnipst sie mit den Fingern. „Carson!“
„Ja, Mylady?“ Carson steht in der Tür zum Wohnzimmer. Er sieht verwirrt aus.
„Sagen Sie Mrs. Patmore, ich hätte die Zitronencreme gern gut gekühlt. Sie soll sie in den Kühlschrank stellen.“
„Sehr wohl, Mylady.“
Fräulein Honigohr hört Mrs. Patmore unterdrückt aufschreien, dann klirrt etwas. Es klingt, als ob eine Glasschüssel zu Boden gefallen wäre. Sie hofft, dass es nicht die Zitronencreme war. „Carson!“
„Ja, Mylady?“
„Würden Sie mir neue Taschentücher bringen? Und ein Glas Wasser?“
„Sehr wohl, My— Mylady!“
„Carson! Wo sind wir hier? Was ist das für ein scheußlicher Teppich? Und hätten Sie wohl die Güte, mir zu sagen, was das hier ist?“ Ein Gehstock klopft mit Nachdruck auf den Boden in ihrem Flur.
„Ich denke, das ist ein… äh… Spiegel?“
Fräulein Honigohr kichert. Er hat ihr Handy gefunden. Und Mrs. Violet Crawley. Der Nachmittag verspricht besser zu werden als erwartet. Noch dreiundzwanzig Minuten, bis die Folge zu Ende ist.
Mal sehen, ob die Zitronencreme so gut ist, wie sie aussieht.

Das war ein Beitrag zu den abc-Etüden, organisiert von Christiane (vielen Dank für alle Arbeit daran!). Die Wortspende kam dieses Mal von Alice. Die Regeln: Maximal 300 Worte, darin enthalten die drei Wortspenden, die dieses Mal Grippe, gebleicht und knuddeln lauteten.
Allen Grippe-Kranken da draußen gute Besserung und allzeit viel Zitronencreme! 🙂

Mitten am Tage

Mitten am Tage

mitten am Tage
ist mir nach Schöpfung
nach noch nie Dagewesenem
nach etwas Neuem
verwandelt aus etwas anderem
und weil ich nicht Du bin
backe ich Pfefferkuchen
und Pistazienknöpfle
und bin fast
so zufrieden
wie Du
am siebten Tag

kekse!

Der Dienstag dichtet! 🙂  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram, Mutigerleben, Werner KastensFindevogel, die Wortverzauberte und  Ein Blog von einem Freund sind mit von der Partie. Schaut doch mal bei ihnen vorbei, der Dienstag fängt besser an mit ein bisschen Wortzauberei!

10 unwichtige Dinge, die ich richtig gut kann

  1. Zugfahrpläne auswendig wissen.
  2. Einen Apfel in einer einzigen Spirale schälen.
  3. Tee genau zwei Minuten lang ziehen lassen.
  4. 10-Minuten-Nickerchen halten (goldene Fähigkeit, geerbt von Papa).
  5. Mich heimlich über (wunderbares, nasses) schlechtes Wetter freuen.
  6. Wespen auf Zwetschgenkuchen ertragen ohne wildes Herumgefuchtele.
  7. Improvisationskochen.
  8. Drei Bücher gleichzeitig lesen.
  9. Knospen im Frühling belauern.
  10. Schokolade essen.