20 Möglichkeiten, einen Elefanten zu fangen

  1. Eine Maus auf ihn hetzen.
  2. Eine Grube graben und Äpfel hineinlegen.
  3. Vergorenes Obst auslegen und ihn betrunken machen.
  4. Die schönste Elefantenkuh mit den längsten Wimpern bestechen und ihn verführen.
  5. Mit einen Staubsaugerrohr als Elefant verkleiden, anschleichen und ihn überwältigen.
  6. Einen elefantastischen Irrgarten anlegen, in die Mitte Bananen legen. Wenn er bemerkt, dass die Lage hoffnungslos ist, Hilfe anbieten.
  7. Privatdetektiv engagieren.
  8. Erdnüsse auslegen und ihn abhängig machen. Dann ein Glas Erdnußbutter im Tausch für seine Freiheit anbieten.
  9. Mit Jeeps und Betäubungsgewehren.
  10. Mit einem Lasso.
  11. Mit Curare-Pfeilen.
  12. Solange auf ihn einreden, bis er aufgibt (die Taktik wendet mein Chef öfter an – funktioniert).
  13. Ihn zwingen, ein Schreibseminar zu besuchen und 20 Arten, Menschen zu fangen, aufschreiben zu müssen. Er wird aufgeben.
  14. Nachts auflauern und ihn bis zur Ohnmacht erschrecken.
  15. Mit einem großen Käfig.
  16. Spiegel aufhängen und ihn verwirren, bis er nicht mehr sicher weiß, wer er ist.
  17. Honig auslegen. Ameisen anlocken. Warten.
  18. Elefantengruppe infiltrieren und ihn an die Rüssel-Connection ausliefern.
  19. Eine Grube graben.
  20. In den Schlaf singen.

Puh. Das war harte Arbeit… hat aber Spaß gemacht 🙂 .

Was mich gerade glücklich macht

  • ankommen
  • nicht allein ankommen
  • die 4,7 kg schwere Melone mitgenommen zu haben
  • nigelnagelneue Sandalen
  • Schmerztabletten
  • auf dem Land zu sein
  • ein kühler Seminarraum
  • Holzfußboden unter den Füßen
  • nachlassender Rückenschmerz
  • ein neues Schreibheft anfangen
  • langsam aufhören zu schwitzen
  • seltsame Wege meines Navis
  • alles neu gerade!

Heiß.

Es ist so heiß.

So heiß. Heiß, heiß, heiß.

22.30 Uhr, draußen 29,5 Grad, drinnen leider auch.
Naja, immerhin etwas: Es ist egal, ob ich draußen oder drinnen bin.
Normalerweise rasten alle sofort aus, wenn auch nur ein einziger Sonnenstrahl draußen den Bürgersteig küsst und befinden sich am Rande der Hysterie, wenn sie nicht sofort rausgehen und sich diesen Sonnenstrahl ins Gesicht scheinen lassen können. Ich bin da ja eher zurückhaltend. Sonne ist schön, durchaus, aber Regen finde ich auch ganz nett. Und Wolken können so hübsch sein. Ich persönlich schätze es ja auch, wenn es draußen grün ist. Dieses bräunlich-beige Etwas, was im Moment anstelle des Rasens den Boden bedeckt, ist eher nicht so meins.

Auffällig heute: Große Zurückhaltung beim Flanieren über die Bürgersteige. Selten war es so unbelebt wie heute. Und so heiß wie heute auch nicht. Ich habe freiwillig dreimal die Wohnung verlassen (wie schon gesagt – drinnen ist es ähnlich heiß wie draußen), und hab es überlebt. Knapp überlebt, aber immerhin. Nun sitze ich hier und hoffe auf Abkühlung, die Luft draußen lacht hämisch und weht heiß durch alle Zimmer.

Es ist so heiß. Mein Hirn weicht auf. Schneller als ich schwitzt hier niemand.

Bis es wieder kühler wird, habe ich beschlossen, dass das hier mein neues Grundnahrungsmittel ist. Ein kühler Lichtblick!

Anfangen

Gerade bin ich von einer Schreibreise zurückgekommen. Zusammen mit sehr netten Menschen aus ganz Deutschland habe ich einen alten Hof in der Nähe von Münster bewohnt, der heute ein Stille- und Meditationszentrum ist. Vermutlich haben wir die Stillesuchenden nachhaltig verstört, denn still waren wir ganz bestimmt nicht – nur in den Schreibstunden, da konnte man uns nicht hören. Geschrieben haben wir in einer designpreisgekrönten, umgebauten großen Scheune mit eindrucksvollen Betonwänden, sehr schönen Holzfußböden und riesigen Fenstern nach draußen auf die Felder. Es war heiß. Es war sogar sehr heiß an den ersten drei Tagen. Die Kreativität hat das nicht gestört, vielleicht hat die Hitze unsere Köpfe auch erst richtig rund laufen lassen. Das Ergebnis waren viele wirklich schöne Texte in der Runde, und wer weiß, vielleicht bekommt man künftig hier ein paar davon zu Lesen. Das hier war mein erster Dreiteiler:

Der Nordpool weht kühl durch meine Gedanken
Hitze hämmert von außen an die Fensterscheiben
Mückenstiche jucken auf heißer Haut

Es hat viel Spaß gemacht. Und das wichtigste war wie immer : Anfangen.

Den kleinen Katamaransegler bekamen wir alle von einer Teilnehmerin geschenkt. Vielleicht, um auf der Buchstabensee zu segeln?

August

August

langsamer Abstieg
zufriedene Stille
schläfrige Tage
Laubteppiche rollen sich aus
mit Zwetschgen
Mirabellen
und Apfelmustern
Wespen summen im vergorenen Obst
Sonnenflecken spielen verstecken
mit dem Herbst

Was Tomaten so treiben, wenn niemand zu Hause ist

Neulich, nach der Tomatenernte:

Ausgelesen: Sophia, der Tod und ich. Von Thees Uhlmann.

Dieses Buch habe ich geschenkt bekommen, weil ich mal erwähnt habe, es würde mich extrem interessieren, und zwar weil ich Thees Uhlmann und seine Musik mag. Zack! Und schon hatte ich es. Manchmal funktioniert sowas! 🙂

Und es hat mir gefallen. Die Geschichte ist abgefahren, da gibt es kein anderes Wort für. Der Tod klingelt beim Ich – Erzähler (dessen Name mir absolut nicht einfällt und den ich auch gerade beim Nachblättern nirgendwo gefunden habe – vielleicht hat er gar keinen Namen in dieser Geschichte!?) und will eigentlich nur seinen Job machen, von dem er ein wenig gelangweilt ist, als etwas Unerhörtes passiert: Es klingelt. Sophia, die Ex-Freundin des Erzählers steht vor der Tür. Wenn der Tod gerade bei der Arbeit ist, dürfte das nicht passieren, aber das tut es. Und so kommt es, dass der namenlose Ich-Erzähler (ich hoffe, er ist wirklich namenlos, sonst wäre das gerade ein bisschen peinlich), Sophia und der Tod die Gelegenheit nutzen und sich auf eine kleine Reise begeben. Oberflächlich gesehen, besuchen sie eine Kneipe, eine Mutter und einen Sohn, unter der Oberfläche reflektieren sie das bisherige Leben des Erzählers. Und das tun sie auf eine Art und Weise, die eine grandiose Mischung aus Witz, Tragik und Weisheit ist und große Lust aufs Leben macht, ganz egal, ob es gerade gut oder schlecht läuft. Belanglosigkeiten, Kleinigkeiten und abstruse Gedankengänge setzen sich perfekt ausbalanciert zum Leben eines Mittdreissigers zusammen, der allem Anschein nach gescheitert zu sein scheint. Bei näherem Hinsehen wird aber immer klarer, dass Scheitern eine Frage der Definition ist, und selbst, wenn vieles nicht optimal gelaufen ist, trotzdem noch eine Menge übrig bleibt, für die es sich zu leben lohnt.

Die Geschichte pendelt zwischen großen realistischen Teilen und kleinen magischen Abschnitten hin und her, mir gefielen am besten die Momente, in denen die verrückten, so gut nachvollziehbaren Gedankensprünge des Erzählers die Hauptrolle spielen. Ich habe mich manches Mal wiederentdeckt. Die Figuren sind ausgesprochen liebevoll und realistisch gezeichnet, selbst der Tod hat sehr menschliche Züge und wird einem im Laufe des Buches immer sympathischer, so seltsam das klingt. Auch das Ende hat mir gefallen, was ja längst nicht immer der Fall ist. Bei aller Komik und allem schwarzen Humor ist es eine kluge und zutiefst menschliche Geschichte, die von einem kleinen Leben erzählt, das im Angesicht des Todes (wörtlich gesehen!) alle Kleinheit verliert und das wird, was es sein soll: Kostbar und einzigartig.