Fahrradfahren mit dem Schweinehund

Du trittst wütend in die Pedale, während dir der Gegenwind das Leben schwer macht. Dein Schweinehund sitzt im Fahrradkorb vor dir und pfeift ein Liedchen, seine Ohren flattern im Fahrtwind. Du bist genervt. Kann er nicht mal die Klappe halten?
„Kannst du nicht mal die Klappe halten?“ raunzt du ihn an.
Das Pfeifen verstummt. Du guckst grimmig und trittst schneller, der Fahrtwind zischt dir ins Gesicht.
„Sind wir schlecht gelaunt, oder was?“ kommt es von vorn aus dem Fahrradkorb.
„Mmmrrphh!“ machst du nur. Du hast überhaupt keine Lust, dich zu unterhalten.
Dein Schweinehund windet sich graziös, bis er dir ins Gesicht sehen kann. Dein Fahrradlenker schlackert, während er sich bewegt. „He, pass doch auf!“ rufst du entrüstet und versuchst, das Gleichgewicht zu halten.
„Ach, Schnickschnack, das kriegst du schon hin“, winkt dein Schweinehund lässig ab, lehnt sich mit beiden Armen nach hinten und starrt dich an. „Also. Was ist los?“
„Mann! Du warst doch dabei! Geärgert hab ich mich, das ist los!“
„Ja, und?“
„Was, ja, und? Hab ich etwa nicht Recht?“ fauchst du ihn an.
„Klar hast du Recht. Aber du wusstest doch schon vorher, dass das passieren würde.“
„Wieso? Was soll das denn heißen?“
„Herrje. Das passiert jedes Mal, wenn du zu diesen Treffen gehst. Ich sage dir, geh nicht hin, und du gehst doch hin und ärgerst dich. Je-des Ma-hal!“
„Quatsch! Das stimmt überhaupt nicht!“
„Doch. Stimmt wohl.“
„Nein!“
„Doch!“
„Nein!“
„Wenn du meinst…“ Gelangweilt guckt dein Schweinehund auf eine seiner Pfoten und versucht, einen verfilzten Haarknoten mit seinen Zähnen aufzudröseln.
Du schnaubst. So kommt er dir nicht davon. „Erklär mir das!“
Er lässt die Pfote sinken. „Ist doch ganz einfach. Die Treffen tun dir nicht gut. Aber aus Gründen, die ich einfaches Gemüt nicht nachvollziehen kann, gehst du trotzdem hin. Immer und immer wieder.“ Er guckt jetzt haarscharf an dir vorbei. „Dabei bist du doch eigentlich nicht dumm, du könntest ja einfach wegbleiben. Ist ja nicht so, als ob wir sonst nichts vorhätten! Bei anderen Gelegenheiten ist es viel netter, und du gehst gut gelaunt nach Haus. Ich persönlich finde ja eigentlich alles anstrengend, aber ich weiß: Meine Meinung zählt nicht!“ Bei den letzten Worten schwankt seine Stimme dramatisch und er schnieft laut.
„Aha“, knirscht du, „soll das heißen, ich bin dumm?“
Dein Schweinehund erholte sich in Sekundenschnelle und winkt großzügig ab. „Nur manchmal. In diesem Fall zum Beispiel. Du könntest ja einfach mal auf mich hören. Wir hätten diesen spannenden Film gucken können, den dir dein Kollege ausgeliehen hat. Stattdessen sitzen wir jetzt hier und müssen dahinten noch den Berg rauf!“
„ICH muss den Berg rauf, DU sitzt hier nur rum!“
„ICH wollte ja auch nicht rausgehen, DU aber schon!“
Du stöhnst und lehnst dich fester in die Pedale, langsam wird es steiler. Während dir der Schweiß auf die Stirn tritt, überlegst du. Nur mal angenommen, dein Schweinehund hätte tatsächlich und irrationalerweise recht – was würde das bedeuten? Ist dir etwas entgangen, was er sehen kann? Tun dir diese Abende wirklich nicht gut? Was wäre die Konsequenz? Nie wieder das Haus verlassen kann es ja wohl nicht sein. Du musst dringend mit jemandem reden. Mit jemand Unparteiischem.
„He!“ ruft dein Schweinehund. „Das ist nicht der Weg nach Haus! Was soll das?“
„Wir machen noch einen kleinen Besuch“, antwortest du ihm.
„Och nee! Nicht ernsthaft, oder? Können wir nach diesem ätzenden Abend nicht einfach ein Glas Wein auf der Couch trinken? Es ist schon fast Zeit, ins Bett zu gehen! Herrje, du bist SO anstrengend!“
„Genau. Bin ich.“, antwortest du ihm und freust dich auf einmal auf den Rest des Abends. Manchmal ist es doch ganz hilfreich, den Schweinehund bei sich zu haben.

Tanz kleine Tänzerin

tanz
kleine Tänzerin
bieg dich im Sonnenschein
fang den Wind in grünen Flügeln
streck dich zum Himmel
und wachse
wachse

Sonnenwärme

Sonnenwärme
fliegende Wolken
schwarzer Tee mit Milch
Vogelgesang
Blätter zwängen sich aus ihren Verpackungen
Waldameisen auf Patrouille
Vorjahreslaub knistert
Taubenbalz
Joggerinvasion
zart rauscht die Autobahn
April

Glaube

Glaube ist manchmal wie eine Erdbeere.
Vollmundig, süß und saftig, voller Verheißung.
Du beißt hinein und alles ist richtig, nein, sogar besser als nur richtig, vollkommen.
Das Leben ist schön.
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Glaube ist manchmal wie eine Zitrone.
Du siehst sie an, gelb glänzend liegt sie vor dir, und du ahnst schon, pur wird das nichts.
Aber was soll´s, ein Versuch kann nicht schaden, und du beißt tapfer ins Fruchtfleisch.
Danach weißt du, hier brauchst du sehr viel Zucker und festen Willen.
Aber verzichten kannst du trotzdem nicht.
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Glaube ist manchmal wie eine Kartoffel.
Vielseitig verwendbar, ein Grundnahrungsmittel, unverzichtbar, nur von außen, da sieht sie irgendwie langweilig aus.
Obwohl – manchmal blinzelt dich überraschend das ein oder andere Auge an.
Und du fragst dich: Was war das?

Leichtigkeit ist wie ein Wahn

Die Leichtigkeit ist wie ein Wahn. Wenn du in ihr bist, fühlst du dich betrunken, im Wirbel, zehn Zentimeter über dem Boden, alles ist bunt, du streckst die Arme zu beiden Seiten aus und drehst dich, bis du ins Gras fällst, mitten zwischen die Maulwurfshügel, und nicht mal das ist schlimm.

Dann klingt der Wahn ab, du stehst auf und siehst dich vorsichtig um, klopfst deinen Mantel ab und gehst würdevoll geradeaus weiter, als ob nichts gewesen wäre, und nur die Leichtigkeit weiß, dass in deinem Haar links oben jetzt ein Gänseblümchen hängt, das vorhin noch nicht da war.

Wie gut, dass du hinten keine Augen hast.

Regen auf einem Blechdach

Am Wochenende hatte ich ein bißchen Zeit und so habe ich etwas Neues ausprobiert, ein google-Gedicht. Man nehme zwei verschiedene Wörter und gebe sie bei google ein. Aus den Vorschlägen ca. 10 kurze Sätze auswählen, aufschreiben und dann hin- und herschieben. Heraus kam das hier, und obwohl ich seeehr skeptisch war vorher, hatte ich echt Freude daran!

es gilt

es gilt
im Dorngestrüpp
aus schlechter Laune
Überforderung
dem Viel-zu-viel
die kleinen Dinge
zu suchen
gelungenen Kuchen
kurzes Lachen
sich hinsetzen dürfen
nach einem langen Tag
diese Dinge zählen
alles andere
lass hinter dir
blick nicht zurück
Dornenranken wachsen
bei Beachtung