Was so herauskommt, wenn man mit Freunden gemeinsam schreibt

Und die Ergebnisse sind: Sehr schöne Aprilgedichte!

Neulich überkam es mich spontan und ich habe zwei Freundinnen gezwungen gefragt, ob sie nicht Lust hätten, zusammen mit mir etwas zu schreiben. Nachdem sie mir erst seltsame Blicke zugeworfen haben, waren sie dann aber doch neugierig. Und das sind die wunderbaren Resultate!

Aprilgedicht Nr. 1:

Vogelgezwitscher.
Freude auf den kommenden Sommer
und auf die Ernte der neugesetzten Pflanzen.
Blütenduft überall
und frisches, neues Grün an Bäumen und Sträuchern.
Sonnenwärme.

Aprilgedicht Nr. 2:

überall Farben ohne Ende
frisches grün, zartes rosa, kräftiges pink,
zartes weiß, strahlendes gelb
SONNE
der erste Kaffee im Garten
Lustwandeln
zwischen Tulpen, Perlhyazinthen, Tête-à-Tête´s

Aprilgedicht Nr. 3:

April
Der Lebenszyklus der Schoko-Osterhasen vollendet sich
Wir liegen wach in lauen Regennächten
Lieben das Wetter, wenn es uns zur Weißglut treibt
Hören Frühkonzerte, morgenfrisch und kostenlos
In den Balkonkästen: Auferstehung

Hurra!

Beim abendlichen Kontrollblick auf dem Balkon eine dicke Hummel bemerkt und gerätselt, was sie dort will. Zurzeit leben dort nur drei Veteranen des letzten Winters.

Beim genaueren Hinsehen in Jubelstimmung verfallen: Die Stachelbeere blüht! Und zwar reichlich! Wenn das alles Stachelbeeren werden, könnte das mindestens ein Glas Stachelbeermarmelade werden! Oder ein Stachelbeerkuchen! Hurra!

//*gehtpfeifendstachelbeertortenrezepteheraussuchen*//
//*feiertgärtnerischebalkontriumphe*//

Ausgelesen: Diverses aus März und April 2018

Es gibt Bücher, die einen packen, fesseln und begeistern. Dazwischen gibt es aber auch das sogenannte Lese-Ödland, eine leere, weite Fläche, in der ab und zu Bücher wie Inseln auftauchen, sich dann aber als zu klein, zu anders, zu seltsam, zu langweilig oder einfach als nicht passend herausstellen. Dann geht man weiter, immer in der Hoffnung auf die nächste, perfekte Bücherinsel.

In solchen Zeiten probiere ich gern mal etwas anderes aus, aktuelle Belletristik oder einen neuen Autor/Autorin. Manchmal sind es Entdeckungen fürs Leben, manchmal nicht. Und dann gibt es die Serien, zu denen man immer wieder zurückkommt, wie die hier zum Beispiel:

Leberkäsjunkie von Rita Falk. Ich mag den Eberhofer, mit all seinem Machismo und auch all seinen weichen Momenten. Dialekt lesen finde ich eigentlich eher schwierig, in diesen Büchern ist er aber sehr ok, vermutlich auch, weil es eine extrem entschärfte Form ist, die von München bis Hamburg jeder versteht. Es ist Band sieben aus der Reihe, und der Franz ist etabliert in der Literaturszene, entweder man mag ihn oder man mag ihn nicht. Ich mag ihn und werde mir auch die nächsten beiden Bände auf jeden Fall vornehmen.

Sommer in St. Ives von Anne Sanders. Die Autorin kannte ich noch nicht, und aufmerksam geworden bin ich durch die Beschreibung als leichte Sommerlektüre. Mir war es etwas zu leicht, das Buch konnte mich leider nicht fesseln, und so bin ich ein bißchen unmotiviert zwischen den Seiten hin und her gehüpft. Die Geschichte ist nett, die zwei Ebenen hätte ich nicht gebraucht, es plätschert so vor sich hin. Schlecht ist das nicht, aber gepackt hat es mich leider auch nicht.

Eine treue Frau von Jane Gardam. Ja. Hm. Ich bin mir nicht sicher. Es ist wirklich, wirklich gut geschrieben, jeder Satz eine unerwartete Reise, nie weiß man, wo es hingeht, da stehen Worte und hinter den Worten liegen völlig andere Worte, die aber niemals aufgeschrieben werden. Ich nehme an, dass das großartige Literatur ist, nur: Ich lese aus anderen Gründen. Eigentlich. Eigentlich möchte ich gerne eintauchen in das Leben anderer und es verstehen und mitfühlen, dafür brauche ich aber eine ganz andere Art von Schreibstil. Und trotzdem. Es lässt mich nicht los. Ich habe es noch nicht ganz durch und ich vermute, ich werde weiterlesen – bis zum Schluss.

Lichterzauber in Manhattan von Sarah Morgan. Das ist einfach: Dunkler, geheimnisvoller, einsamer Mann (der dabei aber natürlich auch liebevoll, stark und zuverlässig ist), trifft auf liebevolle, helle, durchschaubare, quirlige Frau, die sich einsam fühlt, es aber eigentlich nicht ist (wenn man der Autorin und ihrer Beschreibung glauben darf). Ach ja, beide sehen super aus, wobei die Frau das über sich selbst nicht recht glauben kann und dem Mann sein Aussehen egal ist. Dazu nähert sich Weihnachten mit großen Schritten, es schneit,  sie haben unfreiwillig viel Zeit zu zweit und später kommt noch ein Hundewelpe ins Spiel. Tadaa! Happy End. Ab und zu ist so ein Buch wirklich nett, allerdings sollte man seinen Verstand während des Lesens nach Möglichkeit komplett ausschalten. Ich habe mich ab und zu dabei ertappt, wie ich „Ja, klaaaar!“ dachte. Und grinsen musste.

Cottage gesucht, Held gefunden von Susan Elizabeth Phillips: Im Prinzip dasselbe wie beim Lichterzauber oben, nur mit etwas mehr Umfang und mehr sprachlichen Details. Ansonsten genau das, was man bei dieser Autorin erwartet. Ich habe in einigen Kapiteln ein ganz klein wenig vorgeblättert, muss ich zugeben.

Drei Engel für Armand von Jim C. Hines. Märchen mal ganz anders! Hier ziehen Dornröschen, Schneewittchen und Aschenputtel los und holen den entführten Prinzen zurück, und das mit allen Kampftechniken, die einem einfallen. Das Buch trifft den locker ironischen Tonfall der Serie „Drei Engel für Charlie“ fast schon zu perfekt, manchmal hatte ich das Gefühl, gleich taucht irgendwo der Lautsprecher mit neuen Anweisungen auf. Das Buch ist reine Geschmackssache und recht weit vom Mainstream entfernt. Auch hier habe ich ein wenig vorgeblättert, aber im großen und ganzen war es nett.

Tja. Und nun? Nun warte ich auf das nächste Buch, das mir vor die Nase fällt und mich aus dem Lese-Ödland rettet!

Falsche Frage

Du fragst: War´s das wert?
Oder lebten wir verkehrt?
Aus neu wird immer alt.
Vergangenheit verhallt.
Ich lächle. Ist das wichtig?
Das Jetzt zählt. Und das ist richtig.

Ausgelesen: Shadowmarch – Das Herz (Band 4). Von Tad Williams

So. Jetzt sind wir bei Band 4 angekommen, die Reihe nähert sich der Vollendung. Und eine Vollendung ist es wirklich: Fast ein Dutzend Erzählstränge laufen seit Band 1 nebeneinander her, und nun versammeln sich sich alle an der Südmarksburg, treffen aufeinander und steuern auf eine gewaltige Schlacht zu. Es geht um nichts geringeres als die Weltherrschaft, einen größenwahnsinnigen König und lebende Götter. Mehr wird nicht verraten!

Tad Williams hat auf fast dreitausend Seiten eine Welt erschaffen, die in sich logisch ist, eine vielschichtige Religion aufweist, verschiedenste Völker und Länder vereint und so voller Liebe zum Detail ist, dass man es manchmal gar nicht fassen kann. Ob es Hintergrundgeschichten zur Geschichte der Länder sind, die Beschreibung der steinernen Decke in den Funderlingshallen oder das Treffen von Briony mit der Halbgöttin Lisiya im Wald – alles fügt sich ein in ein riesiges, farbenprächtiges Mosaik, vor dem man staunend steht und denkt: Wie hat er das bloß gemacht? Und wie plant man so etwas? Wie viel Zeit hat er damit verbracht, sich nur die Namen aller Personen  auszudenken? Unglaublich.

Ein paar kleine Kritikpunkte von meiner Seite gibt es: Einige der Handlungsstränge sind unvollendet geblieben oder aus meiner Sicht heraus nicht ganz schlüssig beendet worden, da tauchte die ein oder andere Frage auf, nachdem ich das letzte Buch zugeklappt hatte. So schlimm fand ich das angesichts des Umfangs der Reihe allerdings auch wieder nicht. Manchmal war es mir in einem der Stränge zu grausam; ich bin kein Freund von detailliert beschriebenen Folterszenen und ich bin auch nicht der Meinung, dass die eigene Fantasie sowieso immer noch schlimmer ist als das, was beschrieben wird. Klar muss man den Bösewicht besonders hervorheben, aber auf manche Ideen möchte ich einfach nicht gebracht werden. Und als letztes: Ich habe bestimmt ein oder zwei graue Haare mehr bekommen, wenn wieder ein Kapitel zu Ende war, die Handlung zur nächsten Person sprang und ich dastand mit einem Cliffhänger, der erst im über-über-über-übernächsten Kapitel aufgelöst werden würde. Das ist unmenschlich gegenüber dem Leser!!! So. Das musste auch mal gesagt werden.

Ansonsten aber: Wer sagenhafte Fantasywelten mit Elben, Menschen, Zwergen und vielen Gestalten irgendwo dazwischen mag und es liebt, seine Helden über mehrere Bände hinweg zu begleiten, ist hier genau richtig. Die Figuren werden mich wohl noch eine ganze Zeit beschäftigen. Ein tolles Werk, ein toller Autor. Chapeau!

Ausgelesen: Shadowmarch – Die Dämmerung (Band 3). Von Tad Williams

Nachdem ich Teil 1 und Teil 2 dieser Reihe schon bearbeitet habe, folgt nun Teil 3.  Die Geschichte schreitet mit großen Schritten voran, und es wird eine Ahnung des großen Plans sichtbar. Einige der Hauptfiguren sind deutlich erwachsener geworden oder haben sich weiterentwickelt, es gibt interessante Wendungen. Andere bleiben sich treu und man freut sich, wenn man in ihre Kapitel springt. Mehr kann ich leider zur Handlung nicht sagen, ohne zu viel zu verraten, deswegen hier mehr zu einem Dichter und zu einem Volk, das sehr hoch oben lebt.

Matthias Kettelsmit, auch Matty Kettelsmit genannt, ist ein Dichter – oder möchte gern einer sein. Er hat große Ambitionen, aber leider kein Geld, keinen Erfolg und kein Glück. Er ist kein Held und kommt nur durch Zufall in die Südmarksburg, wo Briony Eddon ihn bemerkt und in einer Mischung aus Verachtung und Belustigung zum Hofdichter macht, ohne je irgendetwas größeres von ihm zu erwarten. Matty gehört nicht zu den Leuten, denen irgendetwas einfach in den Schoß fällt, und gerade das macht ihn so sympathisch. Ihn begleitet eine Serie von Pleiten, Pech und Mitmenschen der unangenehmsten Art, die sich in seiner Gegenwart nicht wie von Zauberhand bessern, sondern es schaffen, immer noch eine Stufe schlimmer zu werden. Er schlängelt sich irgendwie durch, immer voller Furcht vor dem, was als nächstes passieren könnte, und man kann sicher sein, es wird auch passieren. Als Matty sich verliebt, ist es natürlich eine unerwiderte Liebe, und hier wächst er über sich hinaus. Selbstlos kümmert er sich um die Geliebte, verhilft ihr zur Flucht, sorgt für sie und bringt sich dabei selber in Gefahr. Auch hier geht es wieder nicht ohne Pannen und Demütigungen für ihn aus, nichts läuft reibungslos, überall lauern Versagen und Entdeckung. Aber er lernt fürs Leben und für seine Kunst, und wenn er am Anfang noch latent unsympathisch daherkam, wächst er einem über die Zeit ans Herz und man hätte so gern ein gutes Ende für ihn… aber das entscheidet natürlich der Autor allein. Tad Williams schreibt hier einen ganz normalen Menschen in die Geschichte, der uns durch die oberen Gänge der Südmarksburg begleitet, als sie von allen anderen Helden der Geschichte verlassen wird, und er schafft eine Verbindung zum normalen Dorfleben unterhalb der Burg. An Matty ist nichts übermenschlich groß, beeindruckend oder heldenhaft. Er ist zutiefst menschlich und hat schlechte und gute Momente, und wenn er gute hat, fiebert man mit ihm mit und leidet, wenn es wieder schief geht. Eine der schönsten Figuren der Reihe, wie ich finde.

Eines der liebenswertesten Völker in Shadowmarch sind die Dachlinge, daumengroße Wesen, die auf den Dächern der Burg und in ihren Zwischenwänden leben. Sie verstecken sich seit Generationen vor den Menschen und sind deswegen zur Legende geworden. Sie sind klein, aber außerordentlich tapfer und wagemutig, und ihre Größe stellt für sie keinerlei Hindernis dar und gibt auch keinen Anlass zu Selbstzweifeln. Als Reittiere nutzen sie Vögel, Fledermäuse und Ratten, und von allen verehrt wird ihre gütigste Majestät Königin Altania. Giebelgaup, der königliche Bogenschütze, spielt eine kleine, aber außerordentlich wichtige Rolle, und am Ende wissen wir, dass die Größe eines Wesens absolut nichts bedeutet. Mich hätte vieles in Zusammenhang mit diesem Volk sehr interessiert (wo leben sie genau? Wie funktioniert ihre Gesellschaft? Warum und wie sind sie auf Südmarksburg gelandet?), aber ich schätze, es war einfach nicht genug Platz für mehr, und da niemand der Hauptfiguren sich in die Welt der Dachlinge begeben kann (sie sind einfach zu groß dafür!), hätte es hier einen gesonderten Erzählstrang geben müssen. Und dafür sind sie dann wieder nicht wichtig genug. Aber das macht überhaupt nichts, so sind sie wie der Zucker im Kaffee, oder wie der Nachtisch bei einem guten Essen – sie machen es erst rund.

Und rund wird es dann auch bei Band 4, mit dem ich die Reihe hier im Blog demnächst abschließen werde. Ach ja, wieder gelesen auf dem e-book-Reader.

Urlaub ist, was du daraus machst

Fräulein Honigohr seufzt zufrieden. Sie sieht sich um: Meer, Möwen, Strandkorb, Latte Macchiato.
„Ist das nicht ein herrlicher Tag heute?“ fragt sie die Dame im Strandkorb nebenan. Die guckt irritiert, erst zu Fräulein Honigohr, dann in den Nieselregen und den grauen Himmel, dann auf ihre Fleecejacke. „Naja“, sagt sie zögerlich, während eine kräftige Windböe an ihren Haaren zerrt.
Fräulein Honigohr sieht andere Dinge. Die Spatzen zwischen den Tischen. Kinder in Regenjacken, die das Wetter absolut nicht interessiert. Eine Gruppe Jugendliche, alle mit Eis in der Hand. Und vor allen anderen Dingen: Zeit.
Unverplante Zeit. Verfügbare Zeit. Zeit zum verschwenden, verschlendern, verschleudern. Die Luft riecht nach Freiheit.
Fischbrötchenzeit.
Ausschlafzeit.
Such- und Findezeit.
Fräulein Honigohr legt die Füße auf den nassen Stuhl gegenüber, verschränkt die Arme hinter dem Kopf und lächelt. Vor ihr liegt ein Meer aus Zeit, und ja, sie wird ein Boot mieten und auf ihm segeln gehen.