Ausgelesen: Nightmares. Die Schrecken der Nacht. Von Jason Segel und Kirsten Miller.

Ja. Hier haben wir ein Kinderbuch, das ich gekauft habe, weil ich irgendwo eine begeisterte Rezension gelesen hatte, mir der Einband gefiel und vor allem der knallorange Seitenschnitt rundherum. Jetzt überlege ich allerdings gerade, woher zum Geier ich eigentlich wusste, dass das Buch einen orangenen Seitenschnitt hat? Das sieht man doch eigentlich gar nicht auf Fotografien (siehe meine eigene)? Hm. Vielleicht habe ich es gar nicht gesehen, und als das Buch kam, fand ich ihn toll? Vielleicht schreibe ich auch so ausführlich über das Orange (es ist wirklich knall-knall-orange, sagenhaft!) weil mir zum Buch nicht viel einfällt?

Ja. Es ist also ein gut gemachtes und gut geschriebenes Kinderbuch mit einer Botschaft, die rüberkommt (du darfst trauern, stell dich deinen Ängsten, Freundschaft ist DAS Ding), der Kinderheld ist ein Junge, den man gern zum Freund hätte (vielleicht nicht unbedingt zu Anfang des Buches, aber zum Ende hin auf jeden Fall), die Geschichte hat einen befriedigenden Anteil an Fantasy und eine für Kinder akzeptable Menge an nicht zu schlimmem Horror (allerdings kennen alle Eltern ihre Kinder und würden es ihnen nicht zu lesen geben, wenn sie empfindsame Seelen zuhause haben – oder? Oder??). Dabei bleibt es trotzdem der Realität verpflichtet, die Geschichte dient vor allem dazu, sich in der realen Welt zurechtzufinden, seine Gefühle zu erkennen und verarbeiten zu können, ist aber nie langweilig oder kommt mit erhobenem Zeigefinger daher. Spannend ist es auch noch und gut geschrieben auch.

Was es nicht ist: Ein Kinderbuch oder Jugendbuch, das auch Erwachsene genauso gut bedient. Nein. Das tut es nicht. Es ist ein Kinder/Jugendbuch, und in diesem Segment ist es super aufgehoben. Lesebegeisterte Jungs so etwa im Alter zwischen 9 und 13 Jahren (und auch Mädchen) werden es vermutlich sehr mögen.

Dafür, dass mir nicht viel einfiel zum Buch, habe ich jetzt doch eine Menge geschrieben. Nur eine Inhaltsangabe, die gibt es hier nicht, aber davon gibt es etwa eintausendzweihundertvierundvierzig im Netz, also muss ich keine mehr schreiben. Viel Freude beim Verschenken an eure Söhne (und Töchter!)

Ausgelesen: Die Verlobten des Winters. Von Christelle Dabos.

Dieses Buch habe ich geschenkt bekommen und gern gelesen. Es ist ein schöner Fantasyroman um eine junge Frau mit besonderen Fähigkeiten (was auch sonst?), die ihre Heimat aus familiären Gründen verlassen muss: Die Matriarchinnen ihres Clans beschließen, dass sie den Adligen Thorn auf einer anderen Welt heiraten soll – warum, wird ihr nicht gesagt. Soweit, so gut. Die gewiefte Fantasy-Leserin weiß, was nun vermutlich kommen wird: Junge Frau mit besonderen Fähigkeiten muss ihr Zuhause verlassen, gerät in Gefahr, verliebt sich, wird abgewiesen und versagt, beweist ihre Fähigkeiten dann doch und der Geliebte liebt sie, hurra!, Happy End. Tja, Überraschung, so läuft es in diesem Buch nicht. Also zumindest in Band eins noch nicht.

Ophelia, die Heldin, ist ein kleines bisschen komplizierter als die durchschnittliche Fantasy-Heldin und macht es weder sich noch Thorn noch den gut- oder schlechtgesonnenen Menschen um sie herum leicht. Was das Buch aber vor allem sehr, sehr besonders macht, sind die verschiedenen Archen, auf denen die Menschen durch den leeren Raum schweben. Sie sind höchst interessant geschrieben, überraschen einen immer wieder und machen Lust auf mehr Entdeckungen in dieser Welt.

Thorn, der männliche Held in diesem Buch, ist ein ziemlich sonderbarer Held, so ganz und gar nicht romantisch schillernd, sondern eher, äh, speziell, wenn man das so sagen darf. Spleenig ist ein Begriff, der mir spontan einfällt. Gute Eigenschaften und eine geheimnisvolle Geschichte hat er natürlich auch, wie ein Held sie eben haben muss in einem solchen Roman.

Es macht Freude, sich in diesem Universum aufzuhalten und neues zu entdecken, und so ganz nebenbei möchte man natürlich auch wissen, wie es weitergeht! Die Geschichte ist nämlich sowas von nicht abgeschlossen, aber hallo! Damit man weiß, wie es weitergeht, muss man Band 2 und vermutlich auch noch Band 3 und Band 4 kaufen. Oder ausleihen, wie es die kluge Bibliotheksnutzerin macht.

Ein Manko habe ich. Auf dem Einband steht wie auf so vielen Büchern eine dieser schnell geschriebenen Empfehlungen, die mich von Zeit zu Zeit doch sehr wundern: „Auf Anhieb ein Klassiker“, „beschwört den Humor und den Gerechtigkeitssinn von Harry Potter“ und so weiter. Hm. Da bin ich mir nicht so sicher. Das Buch ragt auf jeden Fall aus der Vielzahl der Fantasy-Veröffentlichungen heraus, keine Frage, es ist originell, gut geschrieben und nicht so vorhersehbar wie viele andere. Ob es wirklich ein Klassiker wird? Und zu vergleichen mit Harry Potter ist es auf keinen Fall, dafür sind die Bücher viel zu unterschiedlich in Stimmung, Schreibstil, Geschichte, eigentlich in allem, was mir so einfällt.

Für diese leicht skurrilen Einbandweissagungen kann das Buch aber nichts. Es steht für sich selbst, und das tut es: Ein sehr eigenes, unverwechselbares, abgedrehtes Märchen in einer verwunschenen Welt. Gern mehr davon!

ich will

der Sonnenschein heute
ich kann ihn nicht ertragen
die Luft ist mild
ich möchte um mich schlagen
von allem zuviel
doch viel zu wenig
ich will alles
jetzt oder niemals
ich will
in neuen Straßen atmen
unter fremden Himmeln suchen
ein anderes Leben finden
zwischen endlosen Momenten
zittert mein Herz
schlägt
singt
bricht auf

Der Dienstag dichtet! 🙂  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram, Mutigerleben, Werner Kastens, Findevogel und die Wortverzauberte sind mit von der Partie. Schaut doch mal bei ihnen vorbei!

Ausgelesen: Bedenke, was du tust. Von Elizabeth George.

Wer Elizabeth George mag, wird dieses Buch lieben. Der neunzehnte Roman um das ungleiche Ermittlerpaar Detective Inspector Thomas Lynley und Detective Sergeant Barbara Havers von New Scotland Yard ist wieder ein Buch, das komplexe Familienstrukturen entwirrt, tief in die Seele der Figuren eindringt und zeitgleich das komplizierte Leben der beiden Ermittler zeigt. Es werden eine Menge Spuren gelegt, die meistens nicht dahin führen, wo man sie vermutet, und erneut fiebert man mit den Figuren, leidet mit ihnen und sieht doch, es gibt meistens kein Entrinnen aus ihren oft fatalen Entscheidungen.

Elizabeth George ist eine wunderbare Erzählerin. Ihre Mordfälle erschüttern das Alltagsleben ihrer Figuren, werfen sie aus der Bahn und bringen sie auf neue Wege, tun also all das, weswegen wir Krimis so schätzen. Diese Krimiautorin tut das auf allerhöchstem Niveau. Eine Inhaltsangabe fehlt hier, ich denke, alle Fans der Reihe kennen das Buch und die Autorin längst, denen muss ich nichts mehr erzählen. Allen anderen empfehle ich Band 1 der Reihe, denn man sollte sie in der richtigen Reihenfolge lesen. Wer dicke Kriminalromane, detailreiche Figurenschilderungen und eine große Prise Drama und Menschlichkeit mag, ist hier genau richtig.

Fräulein Honigohr und der Januar

Fräulein Honigohr und der Januar

Fräulein Honigohr hat schlechte Laune. Sie sitzt vor dem Fenster und kommandiert Schneeflocken herum. Wenn man das überhaupt Schneeflocken nennen kann, so mickrig, verwässert und unentschlossen wie sie vom Himmel fallen. Aus einem trostlosen Himmel. Fräulein Honigohr seufzt. Es ist ein tiefer, melancholischer Seufzer vom Grunde ihres mit Schneematsch bedeckten Herzens. Sie schließt die Augen und stellt sich eine weiße Landschaft vor, die Sonne strahlt vom Himmel, unter ihren Stiefeln knartscht es, auf allen Ästen liegen Schneepolster, die wie Wolken auf ihre Haare herunterstäuben, wenn sie einen Ast streift.
„Na? Wie lange willst du die armen Schneeflocken noch herum kommandieren?“ Fräulein Honigohr öffnet die Augen. Herr Brummeck steht in der Tür. Schuldbewusst lässt sie die Hände sinken, und sofort hören die Schneeflocken auf, vor ihrem Fenster pas de deux zu tanzen und fallen wieder wie kleine nasse Säcke zu Boden.
Herr Brummeck verschränkt die Arme. „Komm schon. So schlimm ist es gar nicht.“
„Doch.“ Fräulein Honigohr starrt Herrn Brummeck mit zusammengekniffenen Augen an. Bei Schneematsch versteht sie keinen Spaß.
„Wenn du den Schnee so vermisst, sollten wir nächstes Jahr in den Skiurlaub fahren. Das machen die Leute hier so.“
„Es ist nicht der Schnee. Es ist der Januar. Dunkel, grau, naß, kalt. Und keiner weiß, ob es überhaupt jemals wieder Frühling werden wird!“ Sie stöhnt dramatisch.
Herr Brummeck lächelt. „Der kommt. Keine Sorge.“
„Aber wann? Wann??“
„Heute wohl nicht. Komm. Ich hab Kakao gemacht. Lass uns planen. Dafür ist der Januar da. Du wolltest doch immer schon diese alte Burg angucken. Wie wärs mit einem Burgwochenende? Und was ist mit der Ballonfahrt, mit der du mir seit Jahren in den Ohren liegst?“
Fräulein Honigohr hebt den Kopf. Ballonfahren? „Sind Marshmallows auf dem Kakao?“
„Selbstverständlich.“
Es duftet nach heißer Schokolade. Wer weiß? Vielleicht hat der Januar ja doch versteckte gute Seiten.

Das war ein Beitrag zu den Etüden, die Christiane organisiert. Die Wortspende kam dieses Mal von ihr selber und bestand aus den Worten Skiurlaub, mickrig und kommandieren.
Hurra! Fräulein Honigohr ist aus dem Weihnachtsurlaub zurück. Ich freu mich.

Launische Tage

Ich bin so schrecklich gut gelaunt!
Ich glaub, ich mach mir selber Angst.
Die Sonne scheint heut greller,
die Tauben flüchten panisch.
Autos bremsen fluchend,
Fahrradklingeln schrillen blechern.
Hausmeister flüchten heimlich,
ein Dackel schielt zu mir herauf
von schräg links unten, stumm.
Ich bin so schrecklich gut gelaunt:
kann mir bitte jemand helfen?
Aber zügig, liebe Leute! Heute!

Es gibt so Tage… da klappt nichts. Nicht mal Reime. Glücklicherweise ist er schon vorbei, dieser reimlose Tag! 🙂

Der Dienstag dichtet! 🙂  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram, Mutigerleben, Werner Kastens und Findevogel sind mit von der Partie. Schaut doch mal bei ihnen vorbei!

 

Pinnwandentschlackung 2019/2020

Heute ist die Zeit! Draußen regnet es ohne Unterlass, ich bin mit tropfender Kapuze und komplett nass aus diesem… diesem… Wetter da draußen wieder zurück und habe beschlossen, meine Pinnwand muss jetzt für 2020 vorbereitet werden! Sofort! Obwohl sie eigentlich gerade ganz hübsch aussah. Oder?

Aber es hilft ja nichts. Das neue Jahr kommt nicht nur, es ist schon da und will seinen Platz, also pflücke ich beherzt die ersten Karten ab, ohne vorher die aktuellen Bewohner von ihren Plätzen zu bitten. Und schon gibt es Verletzte!

Ein Armbruch! Sorry, Herr Schneemann. War keine Absicht. Sofort wurden Schwesterndienste geleistet und siehe da: Eine Spontanheilung!

Entweder seine Frau freut sich über den wieder vorhandenen Arm oder sie hat überhaupt nichts mitbekommen, ich bin mir da nicht sicher.

Jetzt sind sie auf jeden Fall wieder vereint, aber nicht mehr an meiner Pinnwand. Ach ja, es gab so viele schöne Dinge in 2019… Konzerte, Zirkusbesuche, Geburtstage, eine Goldene Hochzeit, eine grüne Hochzeit, Urlaube, Gottesdienste mit so viel schöner Musik, gefeierte Abschiede, die an sich nicht schön sind, aber wenn sie gut gestaltet werden von allen Seiten kann selbst sowas zum Fest werden. Und dann gab es auch einfach so Post, über die ich mich sehr gefreut habe! Bücherpäckchen von gleich mehreren Seiten, Überraschungsgeschenke und Einfach-So-Postkarten:

Einen kleinen (sehr unprofessionellen) Animationsfilm mit gezeichneten Strichmännchen habe ich gemacht, das daraus entstandene Wir-sitzen-alle-in-einem-Boot hing auch noch an meiner Pinnwand…

Ein paar Pinnwandanhänge wandern in meine Lesezeichensammlung, ein paar werden aufgehoben, ein paar gehen den Weg alles Vergänglichen. Ein paar werde ich verschenken, ein paar verschicken. Und nun ist sie bereit für 2020!

Obwohl ich sie jetzt etwas sehr leer finde. Fast schon kahl. Unwirtlich. Ungastlich. Unerfreulich. Unerträglich.

Schon sehr viel besser! So kann es losgehen, das neue Jahr!