Ausgelesen: Konkurrenz für Mma Ramotswe. Von Alexander McCall Smith.

Ein weiterer Fall für Mma Ramotswe. Und ich bin ein wenig uninspiriert, was das Schreiben einer Rezension betrifft. Das Buch ist nicht schlecht, aber auch kein Pageturner. Es hat sehr schöne Momente, aber auch sehr langatmige. Wirklich gelungen ist die atmosphärische Beschreibung einer ruhigen, afrikanischen Stadt unter einem hohen Himmel in sehr heißem Klima. Aber andererseits ist das Buch ein einziges großes Klischee, wenn auch ein sehr schönes. Ich habe es gern gelesen, aber mein Leben verändert hat es nicht. Naja. Lebensverändernd sind nicht sehr viele Bücher, das muss ich zugeben.

Gut, also: Mma Ramotswe ist die Inhaberin der einzigen Detektei in Garbarone, der Hauptstadt Botswanas. Eines Tages macht eine zweite Detektei auf, geführt von einem Mann. Einem sehr arroganten, überheblichen Mann, der Mma Ramotswe beleidigt und ihr Unfähigkeit unterstellt, weil sie eine Frau ist. Im Laufe des Buches zeigt sich, dass der neue Detektei-Inhaber sich wohl ein wenig überschätzt hat und wieder aufgibt, und alles ist wieder ruhig unter der heißen Sonne Botswanas… nebenbei hat Mma Makutsi, die Angestellte von Mma Ramotswe, eine Geschäftsidee – eine Schreibmaschinenschule für Männer. Und sie ist erfolgreich, was sie selbst fast am meisten überrascht. Einer ihrer Schüler zeigt Interesse an ihr, und alles könnte so schön sein – oder?

Es scheint, als ob mich der lange, ruhige Erzählstil kombiniert mit all den Kommentaren über die enorme Hitze selbst auch ein wenig träge gemacht hat… es ist ein nettes Buch in einer netten Serie, auch, wenn in diesem Band der Krimianteil verschwindend gering ist. Der Autor liebt Afrika, das spürt man in jeder Zeile und in jedem Wort, und das ist es, was die Bücher trägt – seine überwältigende große Liebe für all das, was er schreibt und vielleicht ja auch beschreibt. Um daran teilzuhaben, lese ich die Bücher. Menschen mit einer Passion sind eben berauschend.

Ich bin dankbar

Ich bin dankbar
für den Kaffee am Morgen
für die Sonne, die den Herbstnebel auflöst
für eine helfende Hand, oder auch zwei
für Bücher und Geschichten, in die man abtaucht und die Zeit vergisst
für einen Plan der funktioniert
für ein weiches Bett nach einem harten Tag
Ich bin dankbar
für die Vögel, die mich mit ihrem Gesang wecken
und für meine Stimme, mit der ich Gott loben kann
für Gespräche in der Küche
für mein Handy, das mir ermöglicht in Kontakt zu bleiben, über Kilometer hinweg – und dass ich es einfach mal ausschalten kann
für tröstende Worte an dunklen Tagen
für das Gefühl, wenn der Schmerz nachlässt
Ich bin dankbar
für eiskaltes Wasser an einem heißen Tag
für die Wärmflasche, wenn ich friere
für Flammkuchen und Federweißen und für die Menschen, die sowas leckeres erfinden
für einen stillen Ort, wenn ich ein dringendes Bedürfnis habe
für ein Gesicht, dass mich anlächelt, einfach so.
für das Gefühl, gerade am richtigen Ort zu sein und das richtige zu tun
Ich bin unendlich dankbar

Ein Beitrag von himmelgraublau – vielen Dank!

 

Kleine Wartekritzelei

Noch eine in rund und bunt:

Am nettesten zu malen fand ich die kleinen sinnlosen Kleckse am Rand. 🙂

Ausgelesen: Commissaire Le Floch & das Geheimnis der Weißmäntel. Von Jean-François Parot.

Oh, ich liebe richtig gut gemachte historische Kriminalromane, und dieser hier ist wirklich richtig, richtig gut gemacht. Der 19jährige Nicolas Le Floch wird von seinem Patenonkel aus der Provinz nach Paris geschickt, um dort Karriere bei der Polizei zu machen. Er wird vom Polizeipräfekten, einem Vertrauten König Ludwigs XV, privat bei Polizeikommissar Lardin untergebracht und mit einem anscheinend leichten Fall beauftragt, um sich mit der Polizeiarbeit vertraut zu machen und getestet zu werden. Dann stirbt sein Vormund, er muss in die Bretagne zurück, um dessen Beerdigung beizuwohnen, entzweit sich bei dieser Gelegenheit mit seinem Patenonkel, weil der die Liebe zwischen seiner Tochter und Nicolas ablehnt und kehrt danach geknickt wieder nach Paris zurück. Dort nehmen die Ereignisse mächtig Fahrt auf, aus dem „leichten“ Fall wird eine Staatsaffaire und Nicolas muss zeigen, aus welchem Holz er geschnitzt ist.

Der Kriminalroman ist dieses Mal wirklich wert, so bezeichnet zu werden – Krimi reicht hier nicht aus. Das Paris des 18. Jahrhunderts wird so eindrücklich beschrieben, dass ich das Gefühl hatte, dabei zu sein. Wenn Le Floch durch die Straßen eilt, Verliese und Bordelle durchsucht, kurz etwas isst und seinen Mantel enger um sich zieht, weil es eisig kalt ist, bekommt man selber eine Gänsehaut und spürt die gelaufenen Kilometer unter den Fußsohlen. Paris atmet, lebt, liebt und stinkt, und man ist dabei und sieht es mit jeder gelesenen Zeile deutlicher vor Augen. Hier ist nichts romantisch verklärt oder mit Weichzeichner versehen, alles ist höchst realistisch und am Ende ist man ein bisschen traurig, weil das Buch vorbei ist, aber doch sehr froh, dass man heute lebt und nicht vor zweihundertfünfzig Jahren, als man sehr viel Glück haben musste, in die richtige Gesellschaftsschicht hineingeboren zu werden. Wenn es nämlich die falsche war, hatte man voraussichtlich kein allzu langes Leben. Und auch kein allzu schönes. Diese Darstellung des vergangenen Lebens ist für mich der größte Reiz des Buches, neben der schön altertümlichen Sprache, in die man sich erst ein paar Seiten lang einlesen muss. Dann aber passt sie hervorragend zur Geschichte. Der Kriminalfall dominiert das Buch ebenfalls, die privaten Verwicklungen Le Flochs machen nur einen sehr kleinen Teil der Geschichte aus, aber beides geht interessanterweise völlig in der fast rauschhaften Darstellung der französischen Hauptstadt im Jahr 1761 auf. Der Kriminalfall macht es erst möglich, so tief in die Häuser, Straßen und Abgründe der Stadt einzutauchen, die oberen Gesellschaftsschichten genauso zu beleuchten wie die unteren – ein wunderbarer Vorwand quasi, um eine bildgewaltige, sinnesfreudige Abhandlung über eine vergangene Zeit zu schreiben. Und wenn es so ist – gerne! Mehr davon!

Ein klein wenig leid tat es mir aber doch um die kleine Distanz, die durch die Schreibweise zu den Figuren entstand. Ein klein wenig mehr Emotion, etwas mehr Betroffenheit bei der Entlarvung Verdächtiger, und schon wäre ich näher dran gewesen. Der Fall selber ist ein solider Plot ohne große überraschende Wendungen, er erinnert an reale Polizeiarbeit, mit schriftstellerischen Freiheiten natürlich. Es kann aber auch einfach die männliche Sicht des Autors auf die Dinge sein, und eigentlich jammere ich hier auf sehr hohem Niveau. Lieber feiere ich eine wirklich gelungene, neue Kriminalromanreihe, die in Frankreich längst Kult-Status hat und es hoffentlich in Deutschland schafft, komplett übersetzt zu werden.

Vielen Dank an Karo, aufgrund deren Rezension ich das Buch gekauft (und genossen) habe!

Ausgelesen: Wir sind doch Schwestern. Von Anne Gesthuysen.

„Dieser Roman ist ein großes Glück.“ So steht es auf dem Cover des Buches (bei mir leider ein bißchen unscharf), und, ja, doch, er ist gar nicht übel. Es geht um drei Schwestern, eine ist vierundachtzig Jahre alt, zwei fast einhundert Jahre, und alle drei blicken auf ein bewegtes, volles, nicht immer einfaches Leben zurück. Wie sich ihre Lebensgeschichten verknüpfen mit der Geschichte Deutschlands während beider Weltkriege und im Nachkriegsdeutschland der Adenauer-Zeit ist ein großes Thema, das andere ist die Art und Weise, wie sich das Leben der drei Schwestern immer wieder berührt und sie trotz großer Verschiedenheiten und Auseinandersetzungen doch nicht voneinander lassen können. Schließlich sind sie doch Schwestern – wenn das nicht verbindet, was dann?

Gefallen haben mir die lockere Schreibweise, das beherzte, unbeschwerte Herangehen auch an schwierige Themen, der Humor, der immer wieder aufblitzt und dass aus dem Blickwinkel aller drei Frauen berichtet wird. Schön ist auch, dass alle drei eine große Lust aufs Leben haben, obwohl ihnen klar ist, dass es nun wohl nicht mehr allzu lange dauern wird bis es vorbei ist und sie trotzdem weder ihren Humor noch ihre Tatkraft verlieren. Ein großer Mutmacher für den Fall, dass man es tatsächlich unglaublicherweise schaffen sollte, achtzig zu werden. Sehr gut fand ich auch, wie einem normalen Leser ganz nebenbei einiges über deutsche Geschichte beigebracht wird und es ganz und gar nicht langweilig ist dabei. Und zum Schluss: Wenn auch nur die Hälfte davon wahr ist – genial. Doch, wenn ich es zusammenfasse, hat mir ziemlich viel an dem Buch gefallen.

Eigentlich und normalerweise tue ich mich nämlich schwer mit Büchern, die Personen ein ganzes Leben lang begleiten. Mehrere Generationen in einem Buch brauche ich nicht, das dürfen gerne andere lesen, es gibt bestimmt gaaaanz tolle Bücher darunter, aber es gibt eben auch noch sehr viele andere, die ich viel lieber lese. Dieses hier bekam ich von einer Kollegin ausgeliehen, und da ist man ja immer ein bißchen in der Pflicht, also habe ich es tapfer angefangen. Für solch ein Buch wie oben beschrieben fand ich es gar nicht mal so übel. Doch-doch, es war ganz ok. Gut, vielleicht mehr als ok (hören Sie das Zähneknirschen?). Ich kann zwar aus eben genannten Gründen nicht in den begeisterten Reigen der Jubelnden einstimmen, die dieses Buch in den Himmel heben, aber es war durchaus lesenswert. Ich nehme mal an, für alle, die von Generationsbüchern (nennen wir sie mal so) begeistert sind, ist das Buch ein Hauptgewinn, ein goldener Treffer! oder eben ein großes Glück. Gerne! Es sei ihnen allen gegönnt! Ich werde nach diesem Buch trotzdem erst mal wieder eine große Pause bis zum nächsten Generationsbuch machen.

Die Farbenspielerin

Die Farbenspielerin tanzt durch unsere Welt. Morgens kurz nach dem Aufstehen, wenn der erste Kaffee getrunken ist, malt sie alles bunt. Was bisher grau war vor meinen Augen und in meinem Herzen wird vielfarbig. Sie spart nicht mit Farbe und kleckst alles voll mit blau, grün, rot und gelb.
Sie selbst ist durchsichtig, etwas schillernd vielleicht wie ein Libellenflügel. Sie flirrt an mir vorbei und ein Regenbogen ist ihre Schleppe. Sie ist die Heilige aller, die Vielfalt mögen.
Es wurde immer wieder versucht, die Farbenspielerin einzusperren. „DAS MUSS BLAU SEIN!“ oder „DAS MUSS GRAU SEIN!“ oder „DAS MUSS GELB SEIN.“ heißt es dann. Sie aber entwischt immer wieder und was blau sein muss ist violett oder was gelb sein muss wird orange. Einfach nur weil sie sich einmischt. Mischen ist ihre große Leidenschaft. Sie kann stundenlang vor einer Blüte sitzen und Farben mischen bis sie das richtige sonnengelb oder leichtrosaaberdochnichtsorichtigrosaweilrosaeigentlichdoofist hinbekommt.
Die Farbenspielerin ist in unserer Welt unterwegs, aber eigentlich gehört sie in den Himmel. Sie hüpfte irgendwann zu uns und das kam so:

Als Gott seinen Bogen damals in den Himmel stellte, war dieser schwarz-weiß. Er half ihm richtig und falsch, heilig und unheilig, schuldig und unschuldig zu unterscheiden.
In der Nacht nach diesem großen Ereignis gab es eine Engelversammlung. Die Engel debattierten, was nun schwarz oder weiß, richtig oder falsch, heilig oder unheilig, schuldig oder unschuldig sei. Die Farbenspielerin langweilte sich schrecklich. Also schlich sie sich aus dem Saal. Draußen hing drohend der schwarz-weiß Bogen Gottes am Himmel. Ein kleines Lächeln erschien auf ihrem Gesicht. Sie beschloss diesem langweiligen Tag eine besondere Farbnote zu geben und dann zu verschwinden.

Einer der Engel, dem bei der Debatte etwas schlecht geworden war, ich glaube es war der Engel der Gnade, verließ den Saal, weil er eine Pause brauchte. Nach ca. 5 ewigen Minuten kam er wieder rein und sagte: „Äh, Leute…“
Die anderen hörten ihn nicht und er wurde etwas lauter: „Leute, das müßt ihr euch ansehen.“
Die Engelschar strömte aus dem Saal. Am Himmel leuchtete Gottes Bogen in allen Farben.
Die Farbenspielerin war indes aus dem Himmel verschwunden. Sie machte lieber die Welt bunt. Der Himmel war ihr einfach zu langweilig und farblos.
Als Gott aber den Bogen sah, lachte sie nur, zog ihr bestes buntes Kleid an und fühlte sich seltsam erlöst.

Ein Text von Dagmar Wegener – vielen Dank!

Ausgelesen: Blätterrauschen. Von Holly-Jane Rahlens.

Dieses Buch war mir schon vor Monaten im Netz aufgefallen: So ein interessantes Cover! Dann lief ich ihm in der Bibliothek geradezu in die Arme, es lag mit dem Gesicht nach vorne im Regal und ich bin direkt darauf zugegangen. Schon interessant, wie man sich begegnen kann, normalerweise bin ich eher selten in der Kinderbuchabteilung zu finden, aber an diesem Tag schon. Dann lasen sich die ersten Seiten sehr vielversprechend, und schon war es ausgeliehen.

Das Buch beschreibt die Geschichte von Oliver, Rosa und Iris, die alle im selben Buchclub sind, sich ansonsten aber nicht besonders gut kennen und sich auch nicht besonders mögen. Dann erschüttert ein mächtiges Gewitter den Buchladen, das Licht fällt aus und es erscheint Colin, ein seltsamer Junge, der felsenfest davon überzeugt ist, sich in einer besonders realistischen virtuellen Welt zu befinden. Tatsächlich stammt er aus der Zukunft und ist durch undurchsichtige Art und Weise in die Vergangenheit geraten, was nicht lange unbemerkt bleibt – auf beiden Seiten der Zeit.

Bis hierhin hat es mir sehr gut gefallen. Die Sprache ist klar und einfach gehalten, ideal für die Zielgruppe von 10 bis 12 Jahren. Die Geschichte nimmt schön Fahrt auf, seltsame Gestalten treten ins Rampenlicht, Menschen entpuppen sich als viel interessanter als anfangs gedacht, es gibt Verfolgungsjagden – und dann kommt das Buch merkwürdigerweise zum Stillstand. Es wird nicht direkt langweilig, aber es verliert enorm an Tempo und wechselt von einer Zeitreisegeschichte in eine Art Sachbuch über das 23. Jahrhundert und darüber, was im 21. alles schief gegangen ist. Dabei entsteht eine seltsame Distanz zu den Figuren, sie werden blass, obwohl eine Menge Potential in ihnen steckt. Die Welt im 23. Jahrhundert blieb mir fremd, aber das könnte auch daran liegen, dass ich nicht die Zielgruppe bin. Schön war die Entwicklung zwischen den drei Kindern, die immer mehr zu Freunden wurden, und das Ende fand ich dann wieder sehr gelungen.

Insgesamt ist es ein nettes Buch, kein Hauptgewinn, aber ein schöner zweiter Preis. Die Effekte der Zeitparadoxa sind gut beschrieben, davon hätten es gern noch ein paar mehr sein können. Trotz aller Zeitmaschinen ist es eine höchst realistische Geschichte über Freundschaft und Verantwortung, die durchaus wirklich so passiert sein könnte (oder noch passieren könnte!). Kinder, die nicht unbedingt begeistert von rosa Einhörnern oder blauglänzenden, furchtbar mächtigen Drachen sind, aber trotzdem gern eine Prise Außergewöhnliches in ihren Geschichten vorfinden möchten, sind eine gute Zielgruppe für Blätterrauschen.