Suche Neuanfang

suche Neuanfang!

suche gut erhaltenen Neuanfang ohne Ecken und Kanten
evtl. Glitzer bitte separat verpacken
moderate Aufregung akzeptabel
erbitte Lieferung frei Haus
nur ernstgemeinte Angebote

Der Dienstag dichtet!  
Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht.
Auch Wortgeflumselkritzelkram
Mutigerleben
WernerKastens
die Nachtwandlerin
Myriade
Gedankenweberei
Emma Escamilla
Wortverdreher
Lebensbetrunken
der BerlinAutor
Vienna BliaBlaBlub
Heidimarias kleine Welt
Red Skies over Paradies
Your mind is your only limit
Dein Poet
Geschichten mit Gott
Lindasxstories
Findevogel
und Traumspruch sind mit von der Partie.
Viel Freude bei allen Besuchen!

Fundbüro

Vorsichtig öffne ich die Tür. Sie quietscht, als ich sie nach innen schiebe. Drinnen ist es dämmrig, auf dem Tresen steht eine angelaufene Klingel. Ich drücke zaghaft auf den Klingelknopf und warte.
Nach einer Weile schlurft ein sehr alter Mann durch den Fliegenvorhang, der in den hinteren Bereich des Ladens führt. Sein Gesicht ist unbewegt. „Ja?“
„Ich… ähm…“ Ich ringe innerlich die Hände. „Ich suche einen abgelaufenen Neuanfang. Haben Sie sowas da?“ Erleichtert lasse ich die Hände sinken. Jetzt ist es raus.
Der alte Mann zupft an seinem faltigen Ohrläppchen. „Neuanfang, Neuanfang… wie soll er denn aussehen?“
„Oh. Nun ja. Irgendwie neu, eben.“ Ich überlege. „Nicht zu abgelaufen. Vielleicht mit ein bisschen Farbe? Kein Grau, bitte. Ja. Und… frisch! Frisch sollte er auf jeden Fall sein. Aber auch nicht zu frisch! Das fühlt sich so kalt an. Und aufregend! Ja!“ Ich bin aufgeregt. Sofort kommen mir Zweifel. „Aber normale Aufregung, nicht zu schlimm“, schiebe ich schnell noch hinterher.
Der alte Mann starrt mich ausdruckslos an. „Ich geh nachsehen“, knarzt er dann und verschwindet durch den Fliegenvorhang nach hinten.
Ich warte. Eine Fliege summt gegen die Fensterscheibe. Es ist warm hier drinnen.
Der alte Mann kommt zurück. Er trägt ein vibrierendes, gut verschnürtes Päckchen, das versucht, ihm aus den Händen zu hüpfen.
Es ist rosa. Mit Glitzer.
„Das?“ frage ich entsetzt.
„Es gibt nur das hier“, antwortet der alte Mann. „Nehmen Sie es?“
Ich zittere, aber irgendetwas lässt mich nicken.
„Hier quittieren“, knarzt der alte Mann, „kein Umtausch.“
Ich unterschreibe und bezahle, dann nehme ich den Neuanfang vorsichtig hoch. Das Päckchen fühlt sich an, als ob es gleich in meinen Händen explodieren würde. Der alte Mann verschwindet ohne ein weiteres Wort in den hinteren Teil des Ladens. Behutsam öffne ich die Tür und gehe hinaus. Das Päckchen schnurrt und räkelt sich in der Sonne. Es glitzert sehr rosa.
Ich schwitze.

Was schön war – Resümee

Zwei Monate lang habe ich jeden Tag überlegt, was schön war während des Tages. Maximal drei Punkte durften es sein, so lang oder so kurz, wie ich wollte. Hat es was gebracht? Ja! Erstaunlicherweise habe ich mich nur aufgrund dieser drei winzigen Sätze mit den schönen Dingen des Tages beschäftigt und die weniger schönen traten einen Schritt nach hinten. Sie gerieten auf angenehme Weise zeitweise aus meinem Blickwinkel, und obwohl ich an manchen Tagen gar nichts zu finden schien, gab es zum Schluss doch immer irgendetwas, was schön war. Diese selbst gestellte Aufgabe hat mich dazu gebracht, genauer hinzusehen, Details wahrzunehmen, wacher durch die Gegend zu laufen. Zum Ende hin fiel es etwas schwerer, vermutlich, weil Ideen genauso wie Dinge dazu neigen, sich abzunutzen, wenn man sie zu oft hin- und herwälzt. Deswegen ist nun auch erstmal das Ende dieser hübschen, kleinen Reihe gekommen. Vielleicht hole ich sie irgendwann noch einmal aus der Kiste, aber jetzt brauche ich sie gerade nicht mehr. Mach´s gut, was schön war! Ich hab sehr gern Zeit mit dir verbracht. 😊


Was schön war. Samstag, 24.7.21

– Stachelbeer-Kirsch-Marmelade gekocht, mit eigenen Stachelbeeren vom Balkon! Bin so stolz. 😊
– Vorfreude auf Familientreffen
– letztes Mal „Was schön war“ geschrieben

Was schön war. Freitag, 23.7.21

  • der Zug hat Verspätung und ich hab mehr Zeit (danke, app!)
  • letzter Arbeitstag
  • hallo Urlaub!

Was schön war. Donnerstag, 22.7.21

  • glücklicherweise war es nur ein Traum
  • am Morgen alles in anderer Reihenfolge gemacht als sonst. Interessant.
  • das Kleid anders kombiniert getragen

Was schön war. Mittwoch, 21.7.21

  • ohne Jacke morgens aus dem Haus gehen
  • die bunte Miniwiese neben dem Parkplatz. Mit Mohnflecken!
  • gerade noch den Zug bekommen

Wie bist du?

Meistens bin ich nicht voll und ganz in der Welt, sondern in Teilen. Die abwesenden Teile beschäftigen sich mit dem Himmel, der Form der Wolken oder der Maus unter der Holzbank. Mein Leben schmeckt nach einer Mischung aus Erdbeer und Lakritz, mit einer Spur Spinnwebe. Manchmal sehe ich zwischen den Spinnweben schweren, grauweißen Himmel, der auf die Felder drückt. Sie ächzen leise. Die Freiheit in all dem wohnt im Dazwischen, in den Spalten der Lakritzschnecken, unter den Erdbeersamenkörnchen und in den Regentropfen. Wenn ich sie doch mal nicht finden kann, suche ich nach ihr, da bin ich ausdauernd. Die Freiheit ist schnell und wendig, aber ich habe Geduld und einen Käscher aus Spinnweben.

Was schön war. Dienstag, 20.7.21

  • die Marlene-Hose
  • die Erste sein
  • die OP eines Freundes ist gut verlaufen