6. Dezember: Nikolaus!

Heute ist Nikolaustag! Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, heute vielleicht doch ein paar Nikolaussänger zu sehen und zu hören… mal sehen, ob sich jemand bei dem Wetter raustraut (Regen, grau, kühl). Die Nummer sechs hat für mich auf jeden Fall immer eine besondere Bedeutung, also war ich heute besonders gespannt. So sieht es aus, das Päckchen:

Öhm… ist da jemand abgelenkt? Hallo? Die Augen auf Nr. 6 bitte? Wo sieht mein Engelchen denn hin?

Aha. Auf den Anderen Advent (der hier bereits mehrfach im Hintergrund entdeckt wurde, obwohl nur winzige Ausschnitte zu sehen waren!). Gut. Es folgt ein kleiner Schwenk auf den heute wirklich besonders schönen und sehr gelungenen Nikolaustag im Anderen Advent:

Soweit, so gut. Aber dann! 🙂

So schön! Vielen Dank, ihr Kalendermacher! Aber nun zurück zu MEINEM Päckchen Nr. 6!

Und was ist drin?

Ein… Netz? Aha? Im Netz sind ein kleiner roter Zettel und eine Schokopraline.

Oh. Das ist… ich bin gerührt. Den alten Herrn kannte ich fast dreißig Jahre lang, er war ein knorriger, alter Apfelbaum, wortkarg, mit verschmitztem Humor und mindestens zwei grünen Daumen, der Zeit seines Lebens immer die schönen, völlig aus der Mode gekommenen, riesigen Klivien im Flur stehen hatte. Sie haben jedes Jahr geblüht. Er ist dieses Jahr mit über achtzig gestorben und ich vermisse es, ihn auf seinem Balkon zu sehen, wie er seine Geranien gießt. Snief. Diesen Beutel werde ich in Ehren halten. Was für ein schönes Nikolausgeschenk. Vielen Dank.

5. Dezember

Heute morgen musste ich beruhigende Worte sprechen. Man vermutete einen Wildschweinüberfall… ich konnte die Wogen dann aber glätten und es gab zarte erste Annäherungen:

Und ich konnte dann auch beruhigend verkünden: KEINE Wildschweinsalami! Stattdessen leckere Bratapfelmarmelade!! Ich habe sie natürlich aus ihrem Verlies geholt, aber das Glas sah so schön aus in der Tüte, deswegen gibt´s ein eingetütetes Bild:

Danach mussten die Engelchen prüfen, ob die Tüte eventuell ein gutes Versteck abgeben würde. Die Entscheidung ist noch nicht gefallen, man berät sich noch…

Maria

Ich bin Maria.
Viele Menschen kennen mich.
Sie haben schon hunderte Male von mir gehört. Oder gelesen. Sie haben sich ein Bild von mir gemacht. Vielleicht sehen sie die Frau im wundervollen blauen Mantel. Oder sie sind ehrfürchtig. Oft bin ich ihnen fremd, obwohl ich doch jedes Jahr zumindest einmal wieder auftauche, in der Krippe.
Das ist in Ordnung. Der Text über mich im Buch ist kurz, es gibt viel Raum für Spekulationen und Überlegungen.
Ich wünsche mir manchmal trotzdem, ich könnte meine Version der Geschichte erzählen. Davon, dass ich wie alle anderen war, bevor der Engel kam. Ein ganz normales Mädchen.
Ich hatte Vorlieben, Feigen in Honig mochte ich. Die klebrige Süße der Feigen an einem heißen Nachmittag, dazu Tee. Wunderbar. Auf dem Markt gefiel es mir am besten, wenn es laut und voll war und die Händler feilschten, als ginge es um ihr Leben.
Den Esel unserer Nachbarn liebte ich, grauhaarig und struppig war er, und ich streichelte jedes Mal seine langen, weichen Ohren, wenn ich eingelegte Fische zur Nachbarin brachte.
Nach dem Essen war es meine Aufgabe, die Schüsseln zu spülen. Keine Tätigkeit, die ich gern tat. Ich versuchte oft, diese Aufgabe an meine jüngeren Geschwister weiterzugeben. Manchmal mit Erfolg, manchmal ohne.
Auf meine Haare war ich stolz und kämmte sie gern und lange. Ich freute mich darauf, zu heiraten, Mutter zu werden und meinen eigenen Haushalt zu führen. Josef war ein guter Mann, wir waren uns schon lange versprochen und ich war einverstanden mit ihm.
Dann kam der Engel.
Und alles änderte sich.
Ich war ein normales Mädchen, als meine Geschichte von Grund auf neu geschrieben wurde. Ich wurde nicht gefragt, ob ich einverstanden bin, mir wurde erzählt, was passieren würde und dann passierte es.
Manchmal frage ich mich, ob ich es anders hätte haben wollen.
Ich denke nicht.
Es war schwer, zu manchen Zeiten, aber ich bekam soviel anderes geschenkt, Geschenke, die mir lieb und teuer sind, bis heute.
Wichtig ist mir, dass die Menschen im Gedächtnis behalten, dass ich nicht anders war als sie. Daran sollen sie sich erinnern, wenn ich wieder im wundervollen blauen Mantel im Stall sitze, vor der Krippe, und meinen Sohn ansehe.
Gott schreibt Geschichte mit Menschen.
Alles ist möglich.
Jederzeit.

4. Dezember

Heute morgen ist Zeit, warum heute und gestern nicht, gehört zu den Rätseln des Lebens. Heute war das Suchen auch leicht, heute ist nämlich das riesige, monstergroße knallrote Päckchen dran, das bis heute morgen das Adventskalendersignal war. Seht selbst:

Riesig! Vor allem aus Engelsicht.

Macht aber nix. Wir nehmen es mit Päckchen aller Größen und Arten auf. Nachdem die fiesen Heftklammern herausgepult waren und wir abwechselnd an Likör, selbstgemachten Kirschwein, Glühwein oder einen riesigen Weihnachtsmann gedacht hatten, kam das hier zum Vorschein:

Knäckebrot! Zum Selberbacken! Ich habe noch nie Knäckebrot gebacken! 🙂

Na, das wird sich jetzt aber ändern, soviel steht fest. Knackige Grüße in den 4. Dezember!

3. Dezember

Zuallererst darf ich vermelden: Mein Adventsengelchen ist aus dem Sommerschlaf erwacht! Gestern fand es den Weg zurück in meine Wohnung und hat sich sofort mit der kleinen Gelben angefreundet:

Sie haben beschlossen, sich die Adventstage zu teilen. Ich wurde nicht gefragt, aber solange es hier keinen Streit gibt, habe ich gesagt, bin ich einverstanden (außerdem können die doch gar nicht streiten – oder?).

So. Nun zum heutigen Päckchen. Ich musste nicht suchen, da wir den zarten Hinweis auf Kühlschranknotwendigkeiten für die Nummer Drei erhalten hatten und ich sie brav befolgt habe. Reines Eigeninteresse 🙂 .

Seeehr interessant. Die Neugier war gewaltig in den letzten Tagen, aber ich habe mich beherrscht. Und was war drin?

Pralinen! Hurra! Und da ich heute morgen überhaupt keine Zeit mehr hatte, habe ich sie für genau jetzt aufbewahrt. Die ersten zwei waren seeehr gut, kleine Köstlichkeiten mit etwa 3000 Kalorien pro Stück, die dritte lächelt mich gerade an. Sie riecht karamellignussigsalzigsuess. Entschuldigen Sie mich bitte, ich muss jetzt dringend die dritte essen…

Kastanienherbst

Kastanienherbst

zwischen Steinen
in glattgespiegelten Pfützen
voll geronnener Zeit
suche ich
das Anfangsende
es sticht kühlstachelig
in meine Sommerhaut
glänzender Kern
in offener Hand
zieht sanft ins Ende
zurück zum Anfang

Hier wäre eine Kastanie jetzt natürlich nett gewesen, aber gerade stelle ich fest: Nicht ein einziges Kastanienfoto in meinem Fundus! Tsss. Das wird geändert. Nächstes Jahr.

Der Dienstag dichtet!  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram, Mutigerleben, Werner Kastens und (ganz neu!) Findevogel sind mit von der Partie. Wer den Dienstag also mit Gedichten beginnen will: Herzlich willkommen!

2. Dezember

Sodele. Nachdem ich heute morgen entschieden hatte, einen Tag zu Hause zu bleiben, um meine Kollegen vor Heerschaaren benutzer Taschentücher und nervigem Gehuste zu bewahren (selbstlos wie ich bin 🙂 ), hatte ich plötzlich viel Zeit zum Öffnen des heutigen Päckchens. Nach viel Gesuche fand ich es dann ganz vorne, eigentlich unübersehbar zwischen den anderen, wie ein kleiner Leuchtturm an der Küste der Päckchenflut.

Und was war drin?

Ein Windlicht! Mit Bemalung! Und Schokolade und Tee waren auch noch drin. Ich glaube, das kommt in mein Küchenfenster. Und das andere gibt´s heute nachmittag. 🙂