Jahrespläne

Viel und oft:
– auf dem Balkon sitzen und Wolken gucken
– positiv denken
– Eis mit Erdbeeren und Schlagsahne essen gehen
– lesen

Häufig:
– genug schlafen
– in guter Gesellschaft sein
– kleine Schwätzchen halten (vielleicht vom Balkon herunter?)
– loben (und Lob annehmen können)

Manchmal:
– (nicht sehr gründlich) putzen
– Nichtstun üben
– nicht produktiv sein
– etwas Besonderes erleben

Nie:
– mit Hausschuhen auf die Straße gehen
– den Mut verlieren
– das Glauben aufgeben
– schlechte Schokolade kaufen

Glühwein auf dem Balkon. Schon mal proben für den Sommer.

Danke, Anja, für die Inspiration. 🙂

Familientreffen

Wütend pfefferte sie den Löffel in die Spüle. Hatten sie das nicht ganz genau abgesprochen? Kein weiteres Familientreffen mit seinen ach so lieben Cousins, den lästernden Tanten und den Onkeln, deren Blicke ihr überall hin folgten, und vor allem nicht mit seiner teuflischen Mutter? Nie wieder zwei Liter Wackelpudding kochen für seine Sippe, die diesen schecklichen Zuckerwasserglibber liebte? Und? Hatte er sich daran gehalten? Natürlich nicht. Wie immer war er schwach geworden, als seine Schwester angerufen und ihn beschwatzt hatte, er müsse doch dabeisein, das könne er Mutti nicht antun, er würde doch dazugehören. Mutti! Wenn eine Frau keine Mutti war, dann war dass diese Frau, die ihr in jedem unbeobachteten Augenblick zu verstehen gab, dass sie in keinster Weise gut genug war für ihren Sohn. Keine Ahnung, wie sie es geschafft hatte, einen so netten Mann aufzuziehen. Selbst jetzt, nach seinem Einknicken, war sie fast schon wieder bereit, ihm das zu verzeihen. Aber noch ein Familientreffen im stickigen Wohnzimmer seiner Mutter würde sie nicht überleben, und nicht hingehen war keine Option. Ohne sie würden die gierigen Klauen seiner Familie ihren Mann in der Luft zerreissen, zu oft war er geknickt und gedemütigt von solchen Veranstaltungen nach Hause gekommen. Erstaunlich, wie unverdrossen er trotzdem jedes Mal wieder zusagte. Gedankenverloren spielte sie mit der Flasche, es knisterte leise, und wie von selbst öffnete sich der Verschluss. Erst langsam, dann schneller goß sie den Wodka in den Messbecher. Als die Flasche leer war, holte sie eine zweite und leerte auch die. Dann füllte sie mit Apfelsaft auf, bis die zwei Liter voll waren. Wer sagte denn, dass Wackelpudding immer mit Wasser gekocht werden musste? Niemand. Sie sah der Flüssigkeit beim Heißwerden zu. Zumindest interessant würde dieses Familientreffen werden. Vielleicht sollte sie großzügig sein: Wer wusste schon, ob zwei Liter Wackelpudding spezial ausreichten…

Das war noch ein Beitrag zu den abc-Etüden, und nun reicht es auch. 😁 Ich hatte dieses Mal die große Ehre, die Wortspenderin zu sein! Ich habe mit Vergnügen und Vorfreude Wackelpudding, unverdrossen und knistern gewählt. Organisiert werden die Etüden von Christiane, und weil das viel Arbeit ist, ein großes Dankeschön von Blog zu Blog. Inspiriert hat mich ein anderer Beitrag zu den Etüden, da kam auch Wodka-Wackelpudding vor. Leider weiß ich nicht mehr, welcher Beitrag das war…

Was ich nicht von dir weiß

  • wie deine Haut an den Händen Falten wirft
  • wie schwer (oder leicht) dir das Leben sein kann
  • deine verschütteten Träume
  • die Größe deiner Ängste
  • ob dir deine gewaltigen Augenbrauen gefallen
  • an was du dich erinnerst (und an was nicht)
  • von wem du nachts träumst
  • an was du denkst, wenn du wartest
  • was du gerne noch tun würdest
  • ob du über all das reden möchtest
  • wie oft du an mich denkst

Mal wieder kein richtiges Gedicht, aber es liegt mir am Herzen, und deswegen ist es irgendwie doch ein Gedicht.

Der Dienstag dichtet!  
Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht.
Auch Wortgeflumselkritzelkram
Mutigerleben
WernerKastens
die Nachtwandlerin
Myriade
Gedankenweberei
Wortverdreher
Myna Kaltschnee
Lebensbetrunken
der BerlinAutor
Vienna BliaBlaBlub
Heidimarias kleine Welt
Red Skies over Paradies
Your mind is your only limit
Dein Poet
Geschichten mit Gott
Lindasxstories
Findevogel
und Traumspruch sind mit von der Partie.
Viel Freude bei allen Besuchen!

Herr Miesling und die Silbe Un

Herr Miesling träumt.
„Du bist immer so gut gelaunt“, beschwert er sich bei seinem Engel und sticht auf den Wackelpudding ein, als ob der die Schuld an allem hätte. „Dabei hast du gar keinen Grund, so gut gelaunt zu sein, ich meine, guck dich doch um!“ Verdrossen betrachtet er seine kleine Wohnung. „Hier ist alles verbraucht, was soll da noch passieren?“ Verzagt sieht er auf seinen misshandelten Wackelpudding. „Nichts ist mehr möglich, so is das.“
Sein Engel sieht ihm fest ins Gesicht, obwohl das eigentlich gar nicht geht, so tief, wie Herr Mieslings Kopf herunterhängt.
„Was?“ Herr Miesling blinzelt. „Ich versteh dich nicht. Was is erschlossen?“
Sein Engel malt zwei Buchstaben in die Luft.
„U – N? Un?“ Herr Miesling guckt verständnislos.
Sein Engel seufzt, dann schnipst er mit den Fingern, es knistert in den Wänden und alles fängt von vorne an.
„Ich bin immer so schlecht gelaunt“, beschwert Herr Miesling sich bei seinem Engel. „Warum is das so?“
Sein Engel zuckt mit den Achseln.
„Ich weiß es auch nicht“, sagt Herr Miesling unverdrossen und ziemlich erstaunt. Er betrachtet seine kleine Wohnung. „Eigentlich ist hier alles unverbraucht, es könnte noch alles passieren.“ Unverzagt sieht er auf seinen halbgegessenen Wackelpudding hinunter. „Nichts ist unmöglich, so ist das.“
Sein Engel lächelt und nickt.
„Ich bin unerschlossen. Unerschlossenes Land“, sagt Herr Miesling überrascht. „Ach so!“
Es knistert in den Wänden.
Herr Miesling wacht auf.

Das war noch ein Beitrag zu den abc-Etüden, und ich hatte dieses Mal die große Ehre, die Wortspenderin zu sein! Ich habe mit Vergnügen und Vorfreude Wackelpudding, unverdrossen und knistern gewählt und bin gespannt auf die Beiträge. Organisiert werden die Etüden von Christiane, und weil das viel Arbeit ist, ein großes Dankeschön von Blog zu Blog. In diesem Beitrag habe ich ein bisschen herumgespielt mit der Silbe Un, inspiriert wurde ich dabei vom Wochenkalender von Susanne Niemeyer. Da gab es letzte Woche höchst verlockende Experimente mit dieser Silbe. Sehr interessant, wie sie alles mit Leichtigkeit umkehren kann.

Wackelpuddingleben

Manchmal ist das Leben wie ein Wackelpudding. Es ist viel zu grün, durchschaubar und verspricht mehr, als es hält, und wenn du mit einem Löffel draufhaust, geht ein Zittern durch es hindurch, das noch lange anhält. Auf der anderen Seite ist es aber auch süß, hat ein intensives Aroma und die meisten Leute lächeln, wenn sie versuchen, einen Löffel voll davon auf ihren Teller zu bekommen, denn der Löffelvoll hat sehr ausgeprägte Fluchtendenzen. Wenn du dem Wackelpuddingleben dann noch Vanillesauce hinzufügst, kann es sehr überzeugend wirken. Und was bleibt dir auch anderes übrig? Wenn das Leben ein Wackelpudding ist, hast du ja nicht wirklich eine Wahl. Du kannst dich für ein leicht gelangweiltes Abwinken von oben herab entscheiden, alles schon gesehen, alles schon erlebt, du stehst weit über dem gewöhnlichen Wackelpudding. Oder du entscheidest dich dafür, Grün zu mögen, das allgegenwärtige Zittern als Zeichen für Lebendigkeit zu nehmen, unverdrossen auf die Vanillesauce zu warten, und wenn sie nicht kommt, selbst welche zu kochen. Nicht alle Wackelpuddingtage sind schön, natürlich nicht. Manche enden als zerfledderter grüner Rest auf dem Boden der Schüssel. Wie schön ist dann das Knistern der neuen Packung, wenn du sie aufreißt, du atmest den Waldmeisterdampf ein, der aus der heißen Schüssel aufsteigt und dann heißt es warten. Regenerieren. Beim Wackelpudding musst du geduldig sein, er wird nicht schneller fest, wenn du ihn anstarrst oder mit dem Finger hineinstippst. Er braucht seine Zeit, wie du. Wenn dein Leben also manchmal wie ein Wackelpudding ist, dann denk dran: Das Beste ist immer der Nachtisch.

Das war ein Beitrag zu den abc-Etüden, und ich hatte dieses Mal die große Ehre, die Wortspenderin zu sein! Ich habe mit Vergnügen und Vorfreude Wackelpudding, unverdrossen und knistern gewählt und bin gespannt auf die Beiträge. Organisiert werden die Etüden von Christiane, und weil das viel Arbeit ist, ein großes Dankeschön von Blog zu Blog. 😊

Wie immer

Die Köchin legte wie jeden Tag liebevoll Dekorationen auf die Käseplatten und Salate, arrangierte Melonenstücke und zu Sonnen geschnittene Radieschen auf Buttertellern. Dann, aus einen Impuls heraus, füllte sie Zucker in alle Salzstreuer und Buttermilch in die Kaffeesahnekännchen. Sie nahm ihre Schürze ab, rückte ein Radieschen gerade und verließ für immer die Küche. Sie schloß die Türen sanft.

Dein Schweinehund und die Bücher

„Neiiin!“ schreit dein Schweinehund, pflückt dir das Buch aus der Hand und presst es an sich. Was schwierig ist, denn er hält schon vier andere Bücher in den Pfoten. Du seufzt und greifst nach dem nächsten Buch. Dein Schweinehund beobachtet dich mißtrauisch. Er umklammert die fünf Bücher, als ob sie seine Kuscheldecke wären. Du betrachtest das Buch. Darf es mit oder geht es zum Bücherschrank? Du hast es lange nicht gelesen, was für das Mitnehmen spricht, aber es ist kein Lieblingsbuch, noch nicht einmal ein Hab-ich-gern-Buch, also wandert es auf den Bücherschrankstapel. Dein Schweinehund schreit auf und reisst das Buch an sich. Langsam gerät er in Schwierigkeiten, so lang sind seine Arme nicht.
„Hör mal“, sagst du, „ich verstehe dich ja. Aber wir können wirklich nicht alle Bücher mitnehmen. Wir haben weniger Regalplatz in der neuen Wohnung. Und wir müssen alles zwei Stockwerke hochtragen.“
Dein Schweinehund schnauft abfällig. „Ja, weil du umziehen willst! Ich will hierbleiben! Und es war deine Idee, den Fernseher ins Bücherregal zu stellen! Es heißt Bücherregal! Nicht Fernsehregal!“ Er starrt dich an.
Du versuchst zu vermitteln. „Das da, ganz oben auf deinem Stapel, das war langweilig, du erinnerst dich? Es durfte nur bleiben, weil wir auch alle anderen Bücher aus der Reihe haben.“
Dein Schweinehund guckt entrüstet. „Na und? Du hast auch langweilige Jahre in deinem Leben, aber wirfst du sie deswegen raus? Was ist mit mir?“ Er schnieft theatralisch. „Wirfst du mich auch raus, wenn ich langweilig werde?“ Er zerdrückt eine winzige Träne.
Du guckst ihn an und du kannst nicht anders, du musst grinsen. Dann drückst du ihn mit allen Büchern in den Pfoten kurz an dich. „Mein Lieber, wir trennen uns nie, und das weisst du auch.“
Dein Schweinehund zieht die Nase kraus, aber die Bücher lässt er nicht los. „Glaub ja nicht, dass du mich einwickeln kannst! Ich bin der Verteidiger der Bücher!“ ruft er und reckt eine Pfote in die Luft. Seine Bücher poltern zu Boden. Er bückt sich, um sie einzusammeln und in der Zeit legst du zwei weitere Bücher auf den Bücherschrankstapel.
„Was machst du da?“ fragt er alarmiert und schielt zu dir hinüber, drei Bücher in den Pfoten, drei auf dem Boden.
Du seufzt. Das wird ein harter Kampf.

Judiths‘ Was-Fragen

Die Fragen habe ich bei Judith entdeckt und mir ausgeliehen. Vielen Dank! 🙂

  • Was siehst Du, wenn Du nach rechts schaust?

Die kahlen Köpfe einiger großer, alter Bäume und zwei Ordner, die ich leider noch bearbeiten muss.

  • Was stärkt Deinen Mut?

Schöne Texte. Die sind wie Brot und Wasser und Manna.

  • Was hat Dich gestern gefreut?

Der Lachanfall beim zoom-Treffen. Und die Unzufriedenheit mit meinen Texten. Sehr schön.

  • Was hilft Dir am besten beim entspannen?

Stille. Planlos sinnieren. Vorfreude. Schrecklich dumme Handyspiele (Austin, ich liebe dich!)

  • Was ist Dein Lieblingseis?

Keines. Ich lass mich gerne überraschen.

  • Was steht auf Deiner To be-Liste für heute?

Mindestens drei schöne Wörter finden, die zusammengehören, aber noch allein im All herumirren. Ansonsten: Arbeiten, kochen, leben.

  • Was waren die drei schönsten Erlebnisse 2021 für Dich?

Mein Vater ist noch dabei! Alles andere fällt daneben sehr ab.

Januarwetter

der Januar trägt schwere Lasten
Säcke voller Zukunftspläne
drücken ihn zu Boden
verblasster Dezember
hängt an seinem linken Bein
zieht löchrige Schleppen
aus halben Sternen hinter sich her
die Märztage drängeln
man hätte nicht ewig Zeit
der Januar stampft auf
die grauen Tage beben
schütteln sich klirrend
überziehen Altes und Nächstes
mit blankem Eis
kritzeln Frostblumen auf halbe Sterne
schneiden Januarbotschaften
in gefrorene Seen
diese Zeit
ist mein!

Der Dienstag dichtet!  
Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht.
Auch Wortgeflumselkritzelkram
Mutigerleben
WernerKastens
die Nachtwandlerin
Myriade
Gedankenweberei
Wortverdreher
Myna Kaltschnee
Lebensbetrunken
der BerlinAutor
Vienna BliaBlaBlub
Heidimarias kleine Welt
Red Skies over Paradies
Your mind is your only limit
Dein Poet
Geschichten mit Gott
Lindasxstories
Findevogel
und Traumspruch sind mit von der Partie.
Viel Freude bei allen Besuchen!

Krieg und Frieden

Die Vögel auf dem Rasen streiten um jeden Käfer, um jeden Wurm, mit großem Geschrei wird angegriffen und verteidigt, ein Drama jagt das andere. Am Abend sitzen sie einträchtig beisammen und leisten sich Gesellschaft und Wärme. So müssten wir es machen.