heute morgen

heute morgen
breitet sich
eine andere Helligkeit aus
leichter ist sie
süßer
Vögel singen vom Jetzt
Wolken fliessen duftend
und ich bin dabei
bin dabei

Der Dienstag dichtet!  
Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht.
Auch Wortgeflumselkritzelkram
Mutigerleben
WernerKastens
die Nachtwandlerin
Myriade
Gedankenweberei
Emma Escamilla
Wortverdreher
Lebensbetrunken
der BerlinAutor
Vienna BliaBlaBlub
Heidimarias kleine Welt
Red Skies over Paradies
Your mind is your only limit
Dein Poet
Geschichten mit Gott
Lindasxstories
Findevogel
und Traumspruch sind mit von der Partie.
Viel Freude bei allen Besuchen!

Oink und der Sommer

Oink starrt hypnotisiert auf die Erdbeeren. „Wie können die denn nur so rot sein und so riechen?“ fragt er fasziniert.
„Pfoten weg!“ sage ich streng, „die sind für nachher.“
Oink schnuppert Erdbeerduft. „Nachher, nachher… was, wenn es kein Nachher mehr gibt?“
Ich versuche, weiter streng zu gucken, aber es ist schwierig.
„Und die gibt es nur im Sommer?“ fragt Oink und versucht, sich in einer Erdbeere zu spiegeln.
„Ja. Und im Frühling, wenn die Beete mit schwarzer Folie abgedeckt werden“, erläutere ich, aber Oink hört schon nicht mehr zu.
„Sommer… was ist das?“ fragt er.
„Oh!“ sage ich und überlege. „Sommer… das sind Erdbeeren und Wassermelonen, morgens vor dem Wecker von der Sonne geweckt werden, abends jede Menge fiese Mücken, vor allem, wenn man noch auf dem Balkon sitzen will, morgens mit kalten Füßen in Sandalen zur Arbeit gehen, den Bäumen beim Rauschen zuhören, im Regen schwimmen gehen, Sonnenbrand kriegen, obwohl das mittlerweile bei Todesstrafe verboten ist, in der Mittagspause auf Bänken sitzen und viel Fahrrad fahren.“ Ich mache eine Pause. „Mehr fällt mir gerade nicht ein.“
„Machen wir das auch alles?“ fragt Oink mit schiefgelegtem Kopf.
„Klar“, sage ich.
Oink strahlt, dann schielt er auf die Erdbeeren.
„Jaja“, sage ich, „nimm dir ruhig eine.“
„Eine ist keine!“ ruft Oink und angelt nach der dicksten Erdbeere, die er fassen kann.
Ich seufze. Mit meinen eigenen Waffen geschlagen. Ich sollte wirklich mehr darauf achten, was ich vor mich hin rede, wenn angeblich keiner zuhört.

Fräulein Honigohr lernt ein Kleid kennen

Fräulein Honigohr marschiert mit Einkaufstasche und Regenstiefeln durch die Stadt, sie nimmt alle Abkürzungen, die sie kennt, sie hat es nämlich eilig. Sie muss noch Eier, grüne Maccarons, Gummibänder und Butterbier besorgen, und besonders die Maccarons sind schwierig zu bekommen. Als sie in eine enge Gasse einbiegt, hört sie ein Flüstern aus einem schmalen Schaufenster neben ihr. Neugierig wirft sie im Gehen einen Blick hinein und bleibt fasziniert stehen. Auf einer Ankleidepuppe hängt das schönste Kleid, das sie sich vorstellen kann, mit kurzem, weit ausgestelltem Rock, aber das beste ist das rot und silberschwarz bestickte Korsett, das aussieht, als ob es bei jeder Bewegung Silberstaub verdampfen würde.
„Na du?“ murmelt Fräulein Honigohr verliebt, und das Kleid wellt sich geschmeichelt. Die Ankleidepuppe ächzt und bewegt sich unwillig rechtsdrehend um die eigene Achse. Fräulein Honigohr holt tief Atem. Das Korsett ist hinten mit zahllosen, winzig kleinen Ösen verschlossen, der Rock bläht sich im Fahrtwind, und, tatsächlich, ein leichter Silbernebel weht durch das Schaufenster. Fräulein Honigohr lächelt und das Kleid lächelt zurück.
Neben ihr öffnet sich die Ladentür und lässt eine altmodische Türglocke läuten. „Na, haben Sie sich gefunden?“ fragt ein winziger, alter Mann und schaut durch dicke Brillengläser zu Fräulein Honigohr auf.
„Oh ja!“ antwortet sie und lässt keinen Blick von dem Kleid, das sich ihr entgegenstreckt. Maccarons und Gummibänder fallen auf der Wichtigkeitsskala weit nach unten, hier gilt es Prioritäten zu setzen.
„Dann hereinspaziert, bitte!“ Der winzige Mann lässt ihr den Vortritt, und Fräulein Honigohr schwebt in Gummistiefeln in eine neue Welt.

Das war ein Beitrag zu den abc-Etüden! Die Regeln: Drei Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Begriffe lauteten dieses Mal Korsett, rechtsdrehend und dampfen und stammen von der Wortspenderin Nina mit ihrem Blog Das Bodenlosz-Archiv. Und organisiert wird alles von Christiane mit ihrem Blog Irgendwas ist immer! Vielen Dank! Und über ein Korsett habe ich noch nie etwas geschrieben 😊.

Nein!

Nein!

„Ich mach das nicht!“ Entschlossen verteilst du Honig auf deinem Brötchen. „Hast du gehört, was die anderen gesagt haben? Auf keinen Fall mache ich das!“ Du kippst das halbe Milchkännchen in deinen Tee und hältst es Gott hin. Er schüttelt den Kopf und nippt an seinem Kaffee. Er trinkt ihn schwarz. War ja klar. Du bist genervt.
„Du guckst schon wieder so! Ich mag es nicht, wenn du so guckst!“
Gott hebt eine Augenbraue.
„Siehst du? Genau das meine ich! Statt mir einfach zu sagen, was ich tun soll, sitzt du hier rum und guckst vorwurfsvoll!“
Gott stellt seine Tasse auf den Tisch. „Du wirst es also nicht tun?“ fragt er.
Du atmest tief ein und wieder aus. Dann beißt du in dein Honigbrötchen. Du kaust eine Spur länger als notwendig, bevor du antwortest. „Keine Ahnung.“
Gott hebt die andere Augenbraue.
„Am Anfang klang alles so toll! Aber die anderen haben gesagt, es wäre schrecklich. Was soll ich denn jetzt glauben?“
Gott beugt sich vor. „Die Anderen sind nicht du. Triff deine eigenen Entscheidungen.“
Du seufzt. „Das ist so schwierig! Kannst du das nicht für mich entscheiden?“
Gott lächelt freundlich, aber unnachgiebig. „Nein.“
Du seufzt noch einmal. Du musst nachdenken.
„Tu das“, sagt Gott, „aber nicht endlos, bitte. Ich habe noch einiges vor mit dir.“
Du starrst ihn an. „Das ist jetzt nicht hilfreich!“
„Aber notwendig.“ Er lächelt dieses geheimnisvolle Lächeln, das du überhaupt nicht leiden kannst. Toll. Schwierige Entscheidungen und unbekannte Zukünfte. Du hast es echt nicht leicht, denkst du, als du den Rest deines Honigbrötchens in den Mund schiebst.
„Noch Tee?“ fragt Gott.
„Mit Milch, bitte“, nuschelst du.

Lebensmenü

Lebensmenü

ich hänge fest
zwischen Süßsaurem und Fadem
verwerfe die Platzkarten
suche den Ausgang
das Beste kommt ja vielleicht noch
nach durchwachsenem Hauptgang
folgen die Nachspeisen, cremigsüß
Käse voll Würze
ich beschließe zu bleiben
mit Genuß zu vertrauen
bei Kaffee und Grappa

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Fräulein Honigohr und die Musketiere

Fräulein Honigohr wirft eine Handvoll graue Steine in die Pfanne und dreht die Flamme höher. „Na los jetzt!“ ruft sie aufmunternd und schwenkt die Pfanne energisch hin und her. Die Steine kullern klackernd gegen den Rand. „Ihr könnt nicht ewig bei mir bleiben, so langsam wird´s Zeit!“
Die Steine weigern sich. Hitze strahlt von ihnen ab wie von Heizpilzen im Winter.
Fräulein Honigohr seufzt ungeduldig. „Was seid ihr bloß für Mimosen. Die Kirschbäume blühen, ihr wisst, was das heißt!“ Sie wartet einen Augenblick. Nichts rührt sich. „Na gut. Dann eben so.“ Sie legt einen Deckel auf die heiße Pfanne. Nach einer Minute hört sie ein lautes Gähnen. „Na also“, murmelt sie.
Geschimpfe wird laut, der Deckel scheppert zu Boden und zum Vorschein kommen fünf graue Gestalten, die sie vorwurfsvoll anstarren. „Du spinnst wohl!“ ruft der Größte, „uns so unsanft zu wecken!“ Er unterdrückt ein gewaltiges Gähnen, und wie auf Kommando gähnen alle fünf, bis ihre Kiefer knacken. „Und viel zu früh! Es ist saukalt bei dir!“
Fräulein Honigohr betrachtet die rotglühende Pfanne und zieht die Augenbrauen hoch. „Papperlapapp! Stellt euch nicht so an! Wir haben Mai und ihr müsst los!“ Sie nimmt die Pfanne am Stiel und geht zum offenen Fenster. „Seht ihr? Los, raus! Stellt Unsinn an, ärgert die Eichhörnchen, verteilt Frühlingsgefühle! Im Herbst sehen wir uns wieder.“
Die fünf Grauen schnuppern in die kühle Luft. „Sie hat Recht“, flüstert der Kleinste, „wir sind schon viel zu spät!“ „Birnenmoder und Maikäferkacke! So viel verpasst! Trennen wir uns?“ Sie legen ihre Hände kreisförmig aufeinander. „Alle für einen – einer für alle!“ Sie werfen die Hände in die Luft und stürzen sich aus der Pfanne. In Sekundenschnelle sind sie verschwunden.
Fräulein Honigohr stellt die Pfanne auf Boden und lehnt sich auf das Fensterbrett. „Hallo, Mai“, flüstert sie glücklich, „deine Musketiere kommen!“

Das war ein Beitrag zu den abc-Etüden! Die Regeln: Drei Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Begriffe lauteten dieses Mal Korsett, rechtsdrehend und dampfen und stammen von der Wortspenderin Nina mit ihrem Blog Das Bodenlosz-Archiv. Und organisiert wird alles von Christiane mit ihrem Blog Irgendwas ist immer! Vielen Dank! Und über ein Korsett habe ich noch nie etwas geschrieben 😊.

Maikäfer

Bot einem erkälteten Maikäfer
den kleinen Finger als Wärmflasche
er nahm die ganze Hand
wir werden uns nie wieder trennen
😊

Oink sieht in die Ferne

Oink starrt nach vorn in die Wolken. „Das ist also der Horizont?“ fragt er andächtig.
Ich nicke.
„Das ist aber… groß“, sagt er. „So viel leere Luft! Wo sind denn all die Häuser?“
„Hier gibt´s keine. Zum Glück“, sage ich.
„Warum zum Glück? Magst du keine Häuser? Du wohnst doch in einem?“
„Schon“, sage ich, „aber manchmal werden sie mir zu eng.“
Oink starrt auf die Wolken, die sich ineinanderschieben. „Wie meinst du das?“
Ich atme tief ein. „Dann sind da zuviele Mauern, zuviele Autos, zuviele Fenster, es ist alles vielzuviel und vielzueng. Dann brauche ich viel Himmel und viel Platz, damit das Gefühl wieder verschwindet.“
„Aha“, sagt Oink. Er guckt sich um. „Aber ein bisschen einsam ist es hier schon, oder? So ganz ohne andere?“
„Ich bleibe ja nicht lange“, sage ich, „und du bist doch da.“
„Das stimmt!“ sagt Oink. Dann guckt er nach vorn auf den drohenden, grauen Wolkenstreifen am Horizont. „Wollen wir noch ein bisschen bleiben und zugucken? Das sieht so lebendig aus da hinten!“
Ich nicke. Es ist lebendig und wild da hinten. Wunderschön.