Wunschgedicht

Was ich gern finden würde

morgens versteckt hinter der Haustür eine Stunde Zeit
rote Glasmurmeln
den perfekten Hängemattenbaum
meinen Zauberstab (mit einem Einhornhaar)
verlassene Bücher
fremde, interessante Einkaufszettel
den Balkon mit Hollywoodschaukel (lang ersehnt)
meinen persönlichen Drachen (wenn es machbar ist, in grün)
kleine Risse in der Normalität
Menschen, die mich begeistern
Seelenverwandte
den Schatz am Ende des Regenbogens
mich im Durcheinander
freundlichen Alltag

Man beachte die kleinen Unterschiede zum endgültigen Text! Ich fürchte, wenn man mich ließe, würde ich meine Texte bis in alle Ewigkeit korrigieren. Und darüber hinaus.

Dienstags ist Gedichte-Tag! Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Schaut gerne bei ihr vorbei, das bereichert den Dienstag ganz ungemein!

Ausgelesen: Die Stadt der träumenden Bücher. Teil 1: Buchhaim. Von Walter Moers und Florian Biege.

So ein wunderschönes Buch. Wirklich. Walter Moers hat sich mit dem Illustrator und Maler Florian Biege zusammengetan und seinen exorbitant großartigen Roman in ein Graphic Novel verwandelt, und das Ergebnis ist traumhaft. Selten habe ich so schöne Illustrationen gesehen, sie lassen mich das Buch noch einmal ganz neu erleben. Jeder sieht ja beim Lesen eines Buches etwas anderes, und so ist eine fertige Illustration eine Neuinterpretation dessen, was man bereits kennt und liebt.

Ich liebe illustrierte Bücher, ach, überhaupt Bücher mit Zeichnungen, ob es jetzt Bilderbücher, Kinderbücher, Comics, Graphic Novels oder „ernsthafte“ illustrierte Bücher sind. Insofern konnte das hier nur ein Volltreffer werden, und richtig. Wenn es etwas zu bemängeln gibt, dann, dass so wenig Text enthalten ist, aber das ist ja nun mal der Sinn eines Graphic Novels… da kann man also nichts machen. Macht auch nichts. Die Bilder sprechen für sich und ich hatte großes Vergnügen beim Lesen und Ansehen dieses Bandes.

Ausgelesen: Wenn´s einfach wär, würd´s jeder machen. Von Petra Hülsmann.

Was würden Sie tun, wenn Sie aus Ihrer geliebten Hamburger Nobelschule einfach in eine Brennpunktschule versetzt werden würden und Ihr ruhiges, angenehmes Leben mit einem Schlag vorbei wäre? Verzagen? Wüten? Akzeptieren? Oder einen Weg finden, so schnell wie möglich zurückzukehren? Lehrerin Annika passiert genau das, und sie setzt alles daran, einen Weg zu finden, in ihre geliebte Schule zurückversetzt zu werden, und wenn sie dafür bei alten Jugendlieben peinlicherweise um Hilfe bitten muss, sehr viel mehr arbeiten und sich plötzlich um ihre Schüler kümmern muss, dann tut sie das. Vom Theaterspielen und Regie führen mal ganz abgesehen. Hilfreich sind dabei natürlich die zwei netten Männer aus der Nachbarwohnung und ihre beste Freundin, mit der sie in einer WG in Hamburg lebt.

Dieses Buch ist einer der typischen Frauenromane, in der Frau plötzlich in eine schwierige Situation gerät, ein paar Panikschübe und Abstürze hat, um sich dann wie durch ein Wunder zu finden und ganz neue Wege zu gehen. Selbstverständlich wartet auch der passende Mann dazu irgendwo auf dem Weg durch die Geschichte. Soweit also nichts Neues zwischen den Buchseiten, aber ich muss schon sagen, das Ganze ist wirklich gut gemacht, trotz aller Vorhersehbarkeiten. Flüssig geschrieben, spannende Wendungen und aus der anfangs leicht unsympathischen Hauptdarstellerin wird im Laufe des Buches eine fast schon zu engagierte Lehrerin, die man doch ganz gern mal kennenlernen würde. Die Dinge laufen gut, aber nicht zu gut, an ein paar Ecken guckt man überrascht, weil man das jetzt doch nicht erwartet hätte, und am Ende hat man das Buch fast in einem Rutsch durchgelesen, obwohl man das gar nicht vorhatte. Nicht übel. Wirklich nicht übel. Ich glaube, von der Autorin könnte ich tatsächlich mehr lesen.

entkonzentriert

Mathehausaufgaben, zweite Klasse.
Viel wichtiger als 96 minus 47 ist, als mein Neffe mir ernst erklärt, wie er entkonzentriert wird. Aus dem Rechnen, aus allem und jedem.
Ich rate ihm, sich vorzustellen, er wäre in einer großen Blase, in der er nichts hören kann außer „blubb-blubb“.
Er überlegt und sagt dann: „Aber das entkonzentriert mich auch!“
Tja.
Aber dann haben wir trotzdem noch einen Flow und lösen zwölf Aufgaben am Stück.
Für heute haben wir die Entkonzentration besiegt!

Bitterkeit, die:

Bitterkeit, die:

Aschegeschmack auf der Zunge
verbranntes Hoffnungsaroma
angekohlte Seelenblumen
brennende Augen
verschleierter Blick
auf der Asche
Neuanpflanzungen
winzig klein
grün

Dienstags ist Gedichte-Tag! Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Schaut gerne bei ihr vorbei!

Ausgelesen: Ein unmoralisches Sonderangebot. Von Kerstin Gier.

Wenn der vermögende, aber geizige Schwiegervater der Meinung ist, seine Söhne und vor allem seine Schwiegertöchter seien einfach nicht in der Lage, ihr Leben so zu leben, wie er es für richtig hält und mit sehr viel Geld lockt, damit sie es so ändern, wie er möchte – wer würde das tun? Oder besser: Wer würde das wohl nicht tun? Olivia und Evelyn, die Schwiegertöchter, sind anfangs empört, aber was tut man nicht alles für eine Entschuldung oder die Erfüllung seiner Träume? Und so tauschen sie für ein halbes Jahr die Ehepartner…

Ein Buch, so luftig wie eine leichte Brise, humorvoll geschrieben, es tanzt mit Wonne über den zahllosen Was-war-das-denn-Momenten, die der Leser unweigerlich bei der Lektüre haben wird, und wer hier dramatischen Ernst, riesige Gefühle oder lückenlose Beweisführungen in der Geschichte erwartet, ist definitiv fehl am Platz. Dafür wird man sehr amüsant unterhalten, es bietet auf jeden Fall bessere Ablenkung als einer der Sonntagsabend-Cornwall–Filme im ZDF und es passt perfekt in den Sommer. Ein hübsches Buch für zwischendurch – und nach dem Lesen sollte es sofort entweder an die beste Freundin verliehen werden oder in eine der zahlreich vorhandenen öffentlichen Regalbibliotheken wandern! Es ist nämlich zu schade, um im Regal zu versauern.

Mit Schweinehund im Stau

Auf einmal blinken die Warnleuchten des Autos vor dir auf. Du trittst auf die Bremse. Innerhalb von Sekunden erstrecken sich drei endlose Schlangen aus roten Rückleuchten nach vorn in die Nacht. Nicht jetzt! In einer halben Stunde hast du einen wichtigen Termin, und den kannst du vergessen, wenn das hier ein echter Stau wird. Du schickst ein Stoßgebet nach oben.
Dein Schweinehund auf dem Beifahrersitz hebt träge ein Auge. „Sprechen wir wieder mit dem unsichtbaren Wesen, das keiner ausser dir sehen kann?“
„Ja, genau das tun wir“, sagst du und trommelst nervös mit den Fingern auf dem Lenkrad herum. Bitte kein Stau! Bitte nicht!
„Ich hab ja immer noch nicht begriffen, was das eigentlich bewirken soll“, sagt dein Schweinehund. „Ich meine, soll dein Unsichtbarer jetzt die Autos vor dir wegschieben? Wie Hulk?“
Du bist genervt. „Keine Ahnung, wie er das machen soll – Hauptsache, dieser Stau hier verschwindet! Wir müssen in einer halben Stunde im Büro sein!“
„Ach, das Büro, das Büro“, dein Schweinehund wedelt lässig mit einer Pfote durch die Luft, „das läuft schon nicht weg. Außerdem ist das gar nicht schlecht, da haben wir mal ein bißchen Zeit, uns zu unterhalten!“
Du atmest tief ein. Nur nicht aufregen.
Dein Schweinehund setzt sich auf. „Mal ernsthaft: Warum bist du dir so sicher, dass jemand deine Hilferufe hört? Ich kann hier außer uns beiden niemanden sehen!“
„Mann. Das haben wir doch schon hundertausendmal durchgekaut. Nur, weil du nichts siehst, heißt das nicht, dass da nichts ist!“
„Aber Beweise hast du nicht!“
„Du alter Zweifler! Nein, hab ich nicht. Aber ich glaube, da ist etwas. Tut mir leid, mehr kann ich dazu nicht sagen.“ Dir kommt eine Idee. „Übrigens – hast du schon mal drüber nachgedacht, dass du auch eine ziemlich zweifelhafte Existenz bist?“
„Ich? Wieso?“ Dein Schweinehund klingt erstaunt.
„Na-jaa“, sagst du gedehnt, „überleg mal: Für mich bist du real. Aber für alle anderen? Sehr zweifelhaft. Bedeutet das also, dass du nicht existierst?“
„Ach, schnickschnack“, winkt dein Schweinehund ab, „das sind Spitzfindigkeiten. Ich hab halt keine Lust, mich mit anderen Leuten zu unterhalten, die sind mir alle viel zu anstrengend.“ Er legt sich wieder hin und schliesst die Augen. „Ich merke schon, du bist schlecht drauf heute. Wir unterhalten uns ein andernmal.“
Du lehnst dich zurück. Das war fast zu einfach. Ohne den Kopf zu bewegen schielst du zu deinem Schweinehund hinüber. Aha! Seine Ohren zucken. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass ihn irgendetwas intensiv beschäftigt. Dann hupt jemand hinter dir. Der Stau hat sich aufgelöst. Na bitte! Natürlich ist das kein Beweis für irgendetwas, soviel ist dir klar. Aber schlecht ist es auch nicht. Du murmelst leise „danke“, und dann gibst du Gas.