Oink lernt Ameisen kennen

„Du“, sagt Oink, „was sind denn das für komische kleine Krabbler hier?“
„Ameisen“, sage ich.
„Die sind aber ganz schön beschäftigt, oder?“ Oink betrachtet eine Ameise, die zielstrebig irgendwohin läuft.
„Allerdings“, sage ich.
„Du klingst gestresst“, stellt Oink fest und betrachtet mich neugierig.
„Allerdings!“ sage ich mit Nachdruck. „Sie könnten sich woanders beschäftigen als auf meinem Balkon!“
„Unserem Balkon“, berichtigt Oink.
„Stimmt. Unserem Balkon.“
„Du magst keine Ameisen?“ fragt Oink.
„Nein. Es sind zuviele. Und ich möchte nicht, dass sie in unsere Wohnung laufen.“
Oink betrachtet die kleine Ameisenstraße auf dem Balkongeländer. „Weisst du, dass sie sich gar nicht unterhalten? Sie summen nur, die ganze Zeit ‚voran, voran, zurück, zurück‘. Das klingt ganz schön stressig.“
„Naja, für ihre innere Ruhe sind Ameisen jetzt nicht unbedingt bekannt“, brumme ich.
„Also, ich arbeite gern“, sagt Oink, „aber die ganze Zeit? Immer? Hm.“
„Ich mache auch gern mit dir Pause“, sage ich und freue mich schon auf die nächste.
„Hören die denn nie auf?“
„Nein“, sage ich, „für die ist es das Höchste, auf Achse zu sein, schaffe, schaffe, Häusle baue und kleine Ameisen machen. Pausen sind da überflüssig.“
Oink schnauft und starrt ungläubig auf die Ameisen im Lavendel. „Ich glaube, ich bin ganz froh, ein Oink zu sein. Ameise sein wäre nichts für mich. Ohne Pausen leben… brrrr.“ Er schüttelt seine rosa Ohren.
Ich nicke. „Na dann. Wie wär´s mit einer Tasse Tee?“
„Ja!“
Und dann beobachten wir friedlich Tee trinkend die emsigen Ameisen, während ein kleiner Wind sanft über Arme und Fell streichelt und auch über die Ameisen, denen das herzlich egal ist.

Oink frühstückt

„Warum ist das Frühstück nochmal die schönste aller Mahlzeiten?“ fragt Oink und isst schmatzend eine Erdbeere.
„Tja. Was meinst du?“ sage ich und nehme einen Schluck Tee, während die Mauersegler über uns hinweg zischen, eine kleine Biene in den Schnittlauchblüten schwelgt und zwei Marienkäfer versuchen, einen Ausweg aus dem Sonnenschirm zu finden.
„Weil man besonders viel Hunger hat am Morgen?“ fragt Oink und weicht einer Ameise aus.
„Vielleicht“, sage ich und köpfe mein Frühstücksei. Eine warme Brise streichelt mir über die Arme.
„Oder weil der Tag noch vor einem liegt?“ fragt Oink.
„Könnte sein“, sage ich und streue Salz über das perfekt gekochte gelbe Dotter.
„Nein!“ ruft Oink, „ich hab´s! Weil du ungestraft Schokocreme essen darfst!“
„Ab-so-lut!“ sage ich und betrachte liebevoll das Glas mit Schokocreme. Auch, wenn ich heute lieber Zitronenmarmelade essen werde.

Kämpfe

Sie öffnete die Tür und ihr Magen zog sich zusammen. Sie sollte nicht hier sein und sie wusste es. Mit schnellen Schritten ging sie zum hintersten Tisch und setzte sich, stopfte ihren Rucksack unter den kleinen Stuhl und wartete. Das Leben war nicht nett zu ihr gewesen in der letzten Zeit und neuerdings hatte sie das Gefühl, auf ihrer Schulter säße ein kleiner Gnom, der bei allem, was sie tat, aufstöhnte und seufzte und sie generell für völlig unzurechnungsfähig hielt. Sie drehte ihren Kopf vorsichtig nach links und rechts und schielte auf ihre Schultern, aber sie waren leer. Natürlich waren sie leer.
Als der Kellner kam, bestellte sie eine Tasse Schokolade, mit extra Sahne, und ihr schlechtes Gewissen wuchs zu einem Berg fast so hoch wie der Kilimandscharo. Bislang war sie stark geblieben. Sie tippte mit den Fingernägeln eine schnelle, kleine Melodie auf die Resopaloberfläche des Tisches und hörte erst damit auf, als der Kellner zurück kam. Die heiße Schokolade, die er vor sie stellte, schien sie anzulächeln. Fast konnte sie sie hören, ein dunkler Strom betörender Worte schwebte aus der Tasse direkt in ihre Ohren, und, was schlimmer war, in ihre Nase. Du willst es doch auch, komm, nimm einen Schluck, ich werde dir warm und weich die Kehle hinunterrinnen, du wirst dich sofort besser fühlen, ich weiß das und du weißt es auch, na los, MACH schon!
Die letzten zwei Worte hallten durch den Raum und wurden nur langsam leiser. Verwirrt starrte sie die Tasse an. Was war das denn? Die Schokolade schwieg, so wie sie immer schwieg, wenn sie direkt angesehen wurde. Diese verwirrenden Gespräche gab es nur, wenn sie abgelenkt war, sie kannte das schon, genau, wie sie den Gnom auf ihrer Schulter nur sah oder hörte, wenn sie nicht auf der Hut war. Was tat sie hier? Hatte sie sich nicht geschworen, mit der Schokolade aufzuhören? Das Zeug würde sie noch ins Grab bringen, wenn sie nicht endlich etwas unternahm. Meine Rede, knarzte der Gnom auf ihrer linken Schulter. Raus hier!
Sie hielt ganz still. Bist du für oder gegen mich? flüsterte sie. Du bist ich und ich bin du, knarzte der Gnom, überleg mal. Mit zittrigen Händen kramte sie ein paar Münzen hervor und legte sie neben die Schokolade auf den Tisch. Die Sahnehaube war wie ein zu lange benutztes Kopfkissen in sich zusammengesunken und wirkte klebrig matt. Neiiiin, hörte sie die Schokolade darunter kreischen, als sie aufstand, ihren Rucksack nahm und das Cafe verließ. Und jetzt? fragte sie niemand im Bestimmten. Keine Ahnung, knarzte der Gnom. Sie holte tief Luft, dann ging sie.

Das war ein Beitrag zu Myriades Impulswerkstatt, die es hier zu finden gibt. 😊 Die Idee, ein Schreibmuster durchzuhalten, finde ich sehr interessant, aber auch ganz schön schwer. Aber mit einem Tässchen Schokolade ist alles halb so schwer… 😁

Abspecken

Abspecken! Philipp rieb fester über das Deck der Wiking II. Das Seifenwasser schäumte, kleine Flocken flogen auf. Landratten! Er tauchte den Schwamm ins Seifenwasser, dann nahm er den nächsten Bereich in Angriff. Sauber musste das Boot sein, darauf legte der Maat größten Wert, und Philipp war ganz seiner Meinung. Besenrein reichte nicht für sein Boot. Er hatte die Wiking II so oft gewaschen, gewachst und poliert, dass seine Hände jede Ecke und Unregelmässigkeit kannten, auch wenn es wirklich nicht viele waren. Wie immer sorgten sie für Aufsehen im Yachtclub, die Besitzer der kleinen Boote und Miniyachten spazierten vorbei, um einen Blick auf die polierte Herrlichkeit zu werfen. Morgen würden sie wieder weg sein, der Eigner hatte sie zum nächsten Hafen beordert.
Philipp drückte den Schwamm aus, warmes Seifenwasser lief über seine Finger. Er liebte seinen Job. Und das Boot. Die Anstellung war ein Volltreffer gewesen, sein Ausweg aus Schulden und Arbeitslosigkeit. Er würde dem Maat nie vergessen, dass er ihn angestellt hatte, trotz fehlender Zeugnisse, Übergewicht und anfänglicher, schrecklicher Seekrankheit. Anstatt einer verdreckten Wohnung hatte er jetzt seine Kabine, Gesellschaft, frische Luft und seine Schuhe standen draußen auf der Fußmatte vor dem Boot. Seinem Zuhause.
Abspecken! Seit er an Bord war, hatte er zwanzig Kilo verloren, und es würden noch mehr werden, das stand fest. Zum letzten Mal schüttete er das Seifenwasser aus. Das Deck glänzte. Heute Nacht würde er die zusammengerollte Persenning über Bord werfen, wenn er Wache hatte. Auf dem Meeresboden konnte der Eigner mitsamt seinem Anker ja nochmal überlegen, wann er wem kündigte, weil er nicht gut genug aussah für die Wiking II. Philipp überlegte, ob er den Anker austauschen sollte gegen etwas anderes Schweres, aber dann holte er die Polierpaste und öffnete den Deckel. Wer brauchte schon einen Anker, wenn er doch immer weiter fahren konnte?

Das war ein mörderischer Beitrag zu den abc-Etüden. 😁 Die Vorgaben: Maximal 300 Wörter, eingesetzt werden mussten Yachtclub, besenrein und abspecken. Die Wortspende kam von Anja mit ihrem Blog Annuschkas Northern Star. Und organisiert hat das ganze Christiane – vielen Dank! 😊

Erschöpfung und Ratlosigkeit. Der Anfang.

Die Ratlosigkeit sieht sich um, aber da ist niemand. War ja klar, denkt sie, als ihr von hinten jemand auf die Schulter tippt. Sie dreht sich um.
„Hallo“, sagt die Erschöpfung mit leiser Stimme. Sie ist durchscheinend blass und trägt einen grauen Mantel, in dem sie fast verschwindet.
„Du bist das!“ ruft die Ratlosigkeit, „wir kennen uns doch!“
Die Erschöpfung lächelt ein halbes Lächeln. „Ja“, sagt sie, „stimmt, wir waren bei der Hektik zum Seminar.“
„Oh Gott“, sagt die Ratlosigkeit, „ich erinnere mich: ‚Wie hole ich alles aus dem Leben raus‘, das war der Titel. Hast du Antworten gefunden?“
Die Erschöpfung schüttelt den Kopf und sieht zu Boden.
„Ich auch nicht!“ ruft die Ratlosigkeit, „dann sind wir ja schon zu zweit!“
Sie sehen sich an und lächeln.
„Wollen wir?“ fragt die Erschöpfung.
„Gern“, sagt die Ratlosigkeit, „ich hab allerdings keine Ahnung, wo´s langgeht.“
„Es ist nicht weit“, sagt die Erschöpfung, „gleich um die Ecke.“
„Echt?“ Die Ratlosigkeit strahlt. „Meistens komme ich nirgendwo an.“
„Vertrau mir“, sagt die Erschöpfung und lächelt schon zum zweiten Mal an diesem Abend.

‚Himmel hilf!‘ denkt die Verachtung, die hinter ihnen auf einer Parkbank sitzt, und nimmt einen Schluck von ihrem kalten, schwarzen Kaffee. Er schmeckt nach Pappbecher.

Ich sag dir

„Ich sag dir, Andreas, du hast wirklich was verpasst heute, stell dir vor, ich war auf dem Weg zum Markt, um Öl zu kaufen, du weisst ja, wir hatten keines mehr, weil Abigail es vorgestern umgekippt hat, ungeschickt, wie sie ist, ich war also auf dem Weg zum Markt. Und wen sehe ich da? Rebekka! Mit fünf oder sechs Männern, wütend waren die, geschubst haben sie sie, ihr Mann war auch dabei, und soll ich dir was sagen? Sie war fast nackt! Ich wusste doch die ganze Zeit, dass da was läuft mit Ismael, und sie hatten sie wohl auf frischer Tat ertappt, vielleicht hatte ihr Mann ihr eine Falle gestellt, auf jeden Fall waren sie auf dem Weg zum Markt, und dann saß da dieser neue Rabbi, weißt du, dieser Mann, der so seltsame Dinge sagt, und sie haben sie vor ihm zu Boden geworfen und gefragt, was auf Ehebruch steht! Ehebruch! ich wusste es doch, hab ich´s nicht gesagt? Und weisst du was? Er hat gar nichts getan, irgendwas hat er gesagt, ich hab´s nicht verstanden, und dann hat er auf der Erde herum gemalt, ich meine, wer macht denn sowas, auf der Erde rummalen? Und dann sind sie alle gegangen, einer nach dem anderen, und zum Schluss saß nur noch Rebekka da, dann haben sie irgendwas gesprochen und dann ist sie auch gegangen! Wo gibt´s denn sowas? Ehebruch und nichts passiert? Was ist denn das für ein Rabbi? Da schicken wir unseren Sohn aber nicht hin, hörst du? Ich möchte wissen, wo Rebekka jetzt ist, zurück konnte sie ja wohl nicht mehr. Oder? Andreas? Hörst du mir überhaupt zu? Das Öl? Das habe ich vergessen.“

Schwierige Kunden

Frau Möllendiek ist empört. Deswegen bestellt sie das größte Stück Sahntorte aus der Theke und dazu einen doppelten Cappuccino. Wie kann die Schmidt es wagen? Ihr in ihre innersten Angelegenheiten reinzuquatschen! Wenn das jeder tun würde! Nie wieder wird sie zu dieser Kaffeerunde gehen! Wozu auch? Besseren Kuchen gibt es sowieso überall, und auf den langweiligen Filterkaffee kann sie erst recht verzichten. Etwas heftiger als notwendig sticht sie mit der Gabel in die Sahnetorte.
„Ist hier noch frei?“
Unwillig sieht sie auf. Auch das noch. Dabei hatte sie so auf etwas Frieden gehofft. Vor ihr steht eine ziemlich runde, ältere Frau mit grauen Wallehaaren. Oh Gott, denkt Frau Möllendiek, ein Öko! Das hat ihr gerade noch gefehlt.
„Danke“, sagt die Frau mit den Wallehaaren, zieht einen Stuhl vom Nachbartisch heran und setzt sich. „Sie sahen aus, als ob sie Gesellschaft brauchen können.“
„Ach ja?“ sagt Frau Möllendiek spitz. „Wie kommen Sie denn auf diese Idee? Mir geht es sehr gut hier.“ Frechheit! Was bildet diese Person sich ein? Sie stopft sich die Gabel mit der Torte in den Mund und kaut grimmig.
Die Frau hat das milde Lächeln schon auf den Lippen und holt Luft, als sie es sich anders überlegt. Sie sieht Frau Möllendiek streng an. Frau Möllendiek umfasst ihre Kuchengabel etwas fester. „Wissen Sie was, meine Liebe?“ fragt die Frau mit einem leise drohenden Unterton, „ich bin Ihre letzte Chance. Sie sind mein Auftrag, und ich beiße mir an Ihnen die Zähne aus!“
Frau Möllendiek will etwas sagen, aber die Frau redet einfach weiter. „Haben Sie eine Ahnung, was es mich gekostet hat, Sie in diese Kaffeerunde zu bringen? Ich musste alle meine Gefallen einfordern und trotzdem noch endlose Verhandlungen führen! Und das alles, damit Sie nach zwei Besuchen alles hinschmeißen? Wollen Sie einsam sein? Bitte! Nur zu! Vergraulen Sie ruhig alle um sich herum! Ich habe meinen Teil getan.“ Die Frau verschränkt die Arme und sieht sie finster an.
Frau Möllendiek ist erstarrt, die Zinken der Kuchengabel zeigen wie zufällig auf die graue Frau. „Woher wissen Sie, dass ich aus einer Kaffeerunde komme?“ fragt sie mit aufgerichteten Häärchen an den Unterarmen.
„Ach“, wedelt die grauhaarige Frau die Frage weg, „viel wichtiger ist, warum Sie auf Frau Schmidt so sauer reagieren? Sie sind doch viel schlimmer.“
„Was?“ Ungläubig lässt Frau Möllendiek die Gabel sinken.
„Ja, was?“ Die graue Frau legt die Hände auf die Armlehnen des Stuhls und beugt sich vor. „Oder haben Sie Frau Schmidt etwa nicht gefragt, ob Sie beim Tanzen mit Herrn Bollenpieper ihren Mann nicht vermissen würde?“
Frau Möllendiek läuft rot an.
„Und was war das mit der Bemerkung über Frau Schulzes Gewicht? War das etwa taktvoll? Und was Sie da über den Hund von Frau Wunderlich gesagt haben?“ Die Frau schüttelt den Kopf. Ihr graues Haar wallt bedrohlich. „Ich wette, nachher gehen Sie nach Hause und bedauern sich, weil Sie allein vorm Fernseher sitzen. Jedes Mal dasselbe: Ich baue Ihnen Brücken und Sie reißen sie ein. Wissen Sie was? Ich bin es leid. Ich kündige. Ich will jemand anderen. Soll der Chef sich doch persönlich um Sie kümmern!“ Die Frau schiebt den Stuhl zurück und steht auf. „Und übrigens: Ich bin kein Öko!“
Frau Möllendiek sieht der Frau fassungslos hinterher. Was war das denn? Eine Verrückte. Ja. Es muss eine Verrückte gewesen sein. Aber woher wusste sie das alles? Hat sie, Frau Möllendiek, etwa laut gesprochen? So muss es sein. Was bedenklich ist. Vielleicht geht es bergab mit ihr. Aber das hat sie ja schon immer gewusst, früher oder später musste das passieren. Sie rührt in ihrem lauwarmen Cappuccino herum und schiebt den schlaffen Schaum von links nach rechts. Vielleicht hätte sie das mit Frau Schmidts Mann nicht aussprechen sollen. Aber warum darf die tanzen gehen und sie nicht? Das Leben ist ungerecht.
„Ganz genau. Darf ich?“
Frau Möllendiek sieht irritiert hoch. Was ist denn heute bloß los? Was kommt jetzt, noch jemand, der ihr sagt, was sie alles falsch macht?
„Nun, ich würde mich eher als Ratgeber bezeichnen. Darf ich?“
Frau Möllendiek hält die Luft an. Dann nickt sie langsam und der schlanke, ältere Herr setzt sich.
„Ich bitte, meine Kollegin zu entschuldigen, sie ist noch neu im Geschäft und Sie waren ihr erster, schwerer Fall. Aber jetzt bin ich ja hier.“
Der Mann lehnt sich zurück und Frau Möllendiek kann nicht anders, sie fühlt sich komisch. So geborgen. „Schwerer Fall?“ fragt sie zögernd.
„Lassen Sie uns plaudern“, sagt der ältere Herr. „Ist der Cappuccino hier gut?“
„Wenn man dazu kommt, ihn zu trinken, doch, ja.“ Frau Möllendiek zieht einen spitzen Mund.
„Schön. Das ist doch ein Anfang“, sagt der ältere Herr und lächelt.

An einem Sommerabend

An einem Sommerabend im Juli ließ die Drohne sich plötzlich nicht mehr steuern. Sie surrte eine Weile unentschlossen über dem Campingplatz und übertrug Bilder vom badenden Herrn Schulze in alle Welt, die nun wusste, dass er nie ohne Badeente in seine Outdoorwanne stieg. Dann erhob sie sich über die Baumwipfel und flog nach Osten. Sie hatte gehört, dass man sich dort zur Spionagedrohne umschulen lassen konnte, und sie hatte größeres mit ihrem Dasein vor, als ältere Herren in Badewannen zu beobachten.

Erkenntnis

Das rosa Plastikbadelama nickte gewichtig mit dem Kopf, als es von seinem erhabenen Platz im Plantschbecken aus über die Wacholderhecke guckte. Es hatte doch immer gewusst, dass die Welt größer war als der Garten, die Hecke und das Plantschbecken, egal, was Quietscheentchen und Sandkastenbagger behaupteten.

Fadenriß

Der Wohnmobilfahrer, dem man einsame Strände und ruhige Nächte versprochen hatte, brüllte auf, riß das Lenkrad herum und durchbrach das Koppelgatter, dann rumpelte er über die Wiese und den Strand, hupte laut und verschwand im Ostseeküstenwasser. Man hörte nie wieder von ihm.