Juli II

Vollendung
Sonnensehnsuchtsziel
Regen ausgeschlossen
Letztjahresmuscheln rauschen am Ohr
Verkehrslärm wie Meeresbrandung
unter den Fußsohlen heißer Asphalt
wäre es doch Sand
warm rönne er durch die Finger
und Zehen
Aufbruch
immer dem Möwengeschrei hinterher

Juli

verlassene Büros
verwaiste Schulen
die Stadt atmet aus
verlangsamt sich
blauweiße Cafés
Plastikmuscheln vor Gipsleuchttürmen
Eiskaffee im Strohhalm
Stadtlärmbrandung
am Ohr rauscht die Muschel
Sonnenbrillen spiegeln seeblau
der Kaffee schmeckt salzig
Meeressehnsucht

An der Kreuzung

Nachmittags, an einer sehr belebten, großen Kreuzung. Vier gutgenährte, mittelalte Bauarbeiter mit Helm in der Hand und im Blaumann stehen redend auf dem Fahrradweg.
Von vorn kommt eine junge Frau mit dem Fahrrad, klingelt mit der rechten Hand, winkt mit der linken und lächelt. Ihre Röcke wehen hell im Fahrtwind.
Die Bauarbeiter gucken auf, treten synchron einen Schritt zurück, heben alle die Hand, lächeln zurück und blicken den flatternden Tüllwolken einen Moment lang versonnen hinterher. Dann unterhalten sie sich weiter.

Ich mag Sommertage in der Stadt, auch, wenn es erst Mai ist. 🙂

Die Wiese

Du denkst, es ist nur eine Wiese.

Ein bißchen Gras mit Mücken.

Ein Bach, zu klein, um drin zu baden.

Hier ist doch nichts!

Die Wiese stellt sich taub.

Grüngolden träumt sie neben klarem Wasser.

Die Sonnenbank am Bach verführt:

Nur kurz die Augen schließen…

In leichte, feine Netze wirst du eingewoben.

Hundert kleine Herzen schlagen neben dir,

Sanftes Rauschen trägt die leisen Stimmen weit empor.

Sieh! Trieb nicht gerad ein Walnußschalenboot vorbei?

Mit eichelfarbnem Segel?

Was ist das für ein Tor im Schilf dort vorn?

Hängt da nicht ein Ausguck in den Zweigen?

Sei wach. Und alle kleinen Wiesendinge werden groß.

Heute!

 

Heute werde ich die Wolken genießen und mich hinaufträumen.

Den Wind spüren und lachen.

Ich werde barfuß laufen und Erdbeeren essen und lesen.

Vielleicht werde ich eine Blume pflanzen und mich beim Gießen mit ihr freuen.

Ich werde ein langes Nickerchen machen und langsam aufwachen. Mir die Schwere meiner Lider gönnen.

Ich werde keine Nachrichten hören.

Wenn ein Marienkäfer vorbeikommt, werde ich Zeit für ihn haben.

Vielleicht schreibe ich ein kleines Gedicht.

Und dankbar werde ich sein.

Was mir am Teencamp gefiel (sehr)

willkommen geheißen zu werden

rasend schnelle Helfer beim Zeltaufbau

bei sintflutartigem Regen im Zelt liegen und sich keinen Deut um das Loch kümmern, durch das es hineinregnet

singende (und Häufchen produzierende) Vögel auf meinem Zeltdach als die Sonne aufgeht

morgens  um sechs die Kaffeemaschine für die Mitarbeiter anstellen

der friedliche und einsame Tee um sieben bevor die Meute einfällt

den schattigen, grünbelaubten, weinbergschneckengesäumten Pfad zur Veranstaltungshalle

Morgenandacht im alten Stall auf Sofas inmitten schläfriger Gesichter

in der Sonne kiloweise Kartoffeln schrabben, zuerst zu zweit, dann zu dritt, dann zu viert

Bruno, der Riesenhund, der problemlos einhundert Leute auf einmal lieben kann

Kakao mit Zimt

knallrote Apfelspalten

die experimentelle Tomaten-Rote-Beete-Suppe

Rock´n Roll

das Kühlmoped

die Familie, auf deren Hof wir Chaos veranstalten durften

das Küchenteam

Dankeschön Ü-Eier

Was ich am Teencamp nicht mochte

sintflutartiger Regen beim Ankommen

undichte Zeltdächer

Ohrenkneifer im nassen Handtuch

feuchte Jacken

sich morgens unelegant von der Luftmatratze hochquälen

müde Knochen am Abend

müde Knochen am Morgen

klebrige Nudelreste, die problemlos Tesa Powerstrips ersetzen könnten

Kartoffelschrabben

danach Muskelkater im Daumen

beim Zeltabbau zermatschte Nacktschnecken unterm Zeltboden finden

und trotzdem: Abreisen müssen

(kleine Erklärung: Ich war Köchin in einem Zeltlager für Teenager. Und es gab eine ganze Menge Regen in den ersten Tagen)