Oink und der Sommer

Oink starrt hypnotisiert auf die Erdbeeren. „Wie können die denn nur so rot sein und so riechen?“ fragt er fasziniert.
„Pfoten weg!“ sage ich streng, „die sind für nachher.“
Oink schnuppert Erdbeerduft. „Nachher, nachher… was, wenn es kein Nachher mehr gibt?“
Ich versuche, weiter streng zu gucken, aber es ist schwierig.
„Und die gibt es nur im Sommer?“ fragt Oink und versucht, sich in einer Erdbeere zu spiegeln.
„Ja. Und im Frühling, wenn die Beete mit schwarzer Folie abgedeckt werden“, erläutere ich, aber Oink hört schon nicht mehr zu.
„Sommer… was ist das?“ fragt er.
„Oh!“ sage ich und überlege. „Sommer… das sind Erdbeeren und Wassermelonen, morgens vor dem Wecker von der Sonne geweckt werden, abends jede Menge fiese Mücken, vor allem, wenn man noch auf dem Balkon sitzen will, morgens mit kalten Füßen in Sandalen zur Arbeit gehen, den Bäumen beim Rauschen zuhören, im Regen schwimmen gehen, Sonnenbrand kriegen, obwohl das mittlerweile bei Todesstrafe verboten ist, in der Mittagspause auf Bänken sitzen und viel Fahrrad fahren.“ Ich mache eine Pause. „Mehr fällt mir gerade nicht ein.“
„Machen wir das auch alles?“ fragt Oink mit schiefgelegtem Kopf.
„Klar“, sage ich.
Oink strahlt, dann schielt er auf die Erdbeeren.
„Jaja“, sage ich, „nimm dir ruhig eine.“
„Eine ist keine!“ ruft Oink und angelt nach der dicksten Erdbeere, die er fassen kann.
Ich seufze. Mit meinen eigenen Waffen geschlagen. Ich sollte wirklich mehr darauf achten, was ich vor mich hin rede, wenn angeblich keiner zuhört.

Vorfreude

Sommer!

– Bienengesumm
– kurze Hosen
– Wassermelonenkerne spucken
– gut gelaunte Kollegen
– warme Sternennächte
– offene Fenster
– Blumengießen am Morgen
– Tauperlen
– Lesen im Wald
– Eiskaffee!
– mit Vanilleeis!!!

Es dauert noch ein wenig, aber er kommt. 🌞😎😊

Der Dienstag dichtet!  
Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht.
Auch Wortgeflumselkritzelkram
Mutigerleben
WernerKastens
die Nachtwandlerin
Myriade
Gedankenweberei
Emma Escamilla
Wortverdreher
Lebensbetrunken
der BerlinAutor
Vienna BliaBlaBlub
Heidimarias kleine Welt
Red Skies over Paradies
Your mind is your only limit
Dein Poet
Geschichten mit Gott
Lindasxstories
Findevogel
und Traumspruch sind mit von der Partie.
Viel Freude bei allen Besuchen!

Februarwünsche

Februarwünsche

Mein sind Sonnenschein, Wind und Mohnblumenduft! Und die kleine, grüne Götterspeise am Abend. Ich will über blühende Wiesen laufen und dabei Puderzuckerschneewolken aufwirbeln, mein ist der Blauhimmel mit den Wolkenschiffen, mein sind die Frösche in der Quelle und der erste Tee am Morgen. Dazu sollen Schneeflocken fallen! Mein Atem geht ein und aus und ein, das Brot duftet nach Herbst, solange ich bin. Mein ist der Schneenebel vor der Sonne und der Holunderblütensirup im Winterpunsch. Geh aus, mein Herz, und suche Freud, denn dies ist deine geschenkte Lebenszeit!

Zimmerreise – der Leuchtturm in der Küche

Bei puzzleblume habe ich neulich die Zimmerreisen entdeckt, die ich sehr verführerisch finde. So eine Wohnung ist unentdecktes Land, hinter jedem Gegenstand lauert eine Geschichte darauf, erzählt zu werden. Daher gibt es hier meine erste Zimmerreise zum Buchstaben B wie Bild.

In meiner Küche hängt ein Bild von einem Leuchtturm mit einer Badewanne auf der Aussichtsplattform. Sie hat ein Sonnensegel. Die Badewanne, nicht die Aussichtsplattform. Und unter dem Sonnensegel sitzt jemand mit blonden Haaren und badet, vor sich die blaue See mit ein paar weißen Schafswolken und einer absolut beneidenswerten Aussicht. Ein Geschoss tiefer stehen die Fenster offen, ein paar Möwen nutzen den Schatten, ansonsten: Nichts. Nur sehr viel Sand und Meer. Man kann die Stille hören und das Salz riechen, die Wärme fühlen, die über die Haut streicht, dazu das leise Rauschen der See.
Dieses Bild musste ich haben, und entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten habe ich tatsächlich nach dem glücklichen Kauf sofort nach einem Rahmen dafür gesucht und ihn auch noch gefunden. Nirgendwo sonst in meiner Wohnung gibt es etwas Silbernes (naja, Besteck schon), und schon gar keine Rahmen in Silber. Aber hier musste es genau dieser sein, weil er die Leichtigkeit und die Helligkeit und den Sommer transportiert, die mir aus dem Bild entgegenquellen. Und das Bild musste in die Küche, weil ich mich dort sehr oft aufhalte und weil mein Blick vom Küchentisch immer fast direkt auf das Bild fällt, und ich einen kleinen Moment innehalte und mich freue, weil der Sommer entweder gerade da ist oder irgendwann wieder kommt. So ein Leuchtturm als Sommerresidenz, das wäre was, aber wenn, dann natürlich nur mit Badewanne auf der obersten Plattform, man hat ja seine Vorstellungen, vor allem, wenn sie einem so direkt vor Augen gemalt werden. Ach ja, und an der Seilwinde rechts sollte bitte das Frühstück hängen, das vorbei gebracht wird. Mit Croissant, bitte. Wenn schon, denn schon.
Ich kenne die Malerin und bin (immer noch) der Meinung, sie hat sich selbst da direkt hineingemalt, das ganze Bild ist sie, es passt eins zu eins zu ihr, als ob es ihr direkt aus den Fingern geflossen wäre. Im übertragenen Sinn, natürlich, in Form von Aquarellfarben, wir wollen hier ja keine Assoziationen von Dornröschen, Spinnrädern, Blutstropfen und hohen Türmen wecken. Mit Dornenhecken will ich zumindest auf diesem Bild nichts zu tun haben.
Neben meinem Sehnsuchtsbild von Meer, Leuchttürmen und einsamen Stränden befindet sich übrigens eine Pinnwand, an der in normalen Zeiten (also nicht in Corona-Zeiten) lauter kleine Dinge hängen, die auf schöne Dinge in der Zukunft verweisen: Eintrittskarten, zu kaufende Bücher oder CDs, Ausflugsüberlegungen, Gutscheine usw.. Eine Terminnotiz von meinem Schornsteinfeger hängt da auch, aber das macht nichts, er ist immer nett, auch, wenn er meist um 07.10 Uhr bei mir klingelt, wenn ich noch gar nicht genau weiß, wer ich bin. Neben der Schornsteinfegernotiz hängt ein kleiner Zettel, auf dem ich Namen von zukünftigen Protagonisten notiert habe. Sie existieren schon, sind aber bisher noch namenlos. Nicht, dass ihnen das etwas ausmachen würde. Sie wissen ja noch nicht, was ihnen fehlt. Höchste Zeit, mich ihnen wieder mal zu widmen.

Ein Sehnsuchtsbild von Katja Priebe, hier leider farblich eher unterirdisch wiedergegeben. In echt strahlt es und duftet nach Sommer.

jetzt

Liegestuhlgedöse
Sonnenflecken tanzen im Gesicht
wärmen die Knie
die Hühner unterhalten sich leise
bei Kaffee und Würmern
ein kleines Flugzeug
wirft neugierige Blicke zu Boden
zählt blaue Swimmingpools
Gelächter von fern
dahinter erfüllt ein
Rasenmäher seine strenge Pflicht
Wolken zupfen weiß an trockenen Blättern
ein Zug rattert vorbei
verspricht Ferne
ich bleibe
döse

Der Dienstag dichtet! 🙂  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch WortgeflumselkritzelkramMutigerlebenWerner KastensFindevogel, die WortverzauberteLyrikfederDer BerlinAutorNachtwandlerinLindas x Stories, Myriade, Gedankenweberei, Myna KaltschneeWortverdreher und Lebensbetrunken sind mit von der Partie. Schaut doch mal bei ihnen vorbei, der Dienstag fängt besser an mit ein bisschen Wortzauberei!

 

Einkaufsliste

Einkaufsliste

Milch
Knäckebrot
Mohnblumensalz
Sommerfrische, streufähig
1 Tüte Himmelblau
2 Beutel Hühnergurren
aufblasbare Sonnenflecken
schönste Blütenzier, 1 Armvoll
Vanilleeis
Mehl

Der Dienstag dichtet! 🙂  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch WortgeflumselkritzelkramMutigerlebenWerner KastensFindevogel, die WortverzauberteLyrikfederDer BerlinAutorNachtwandlerinLindas x Stories, Myriade, Gedankenweberei, Myna Kaltschnee, Wortverdreher und Lebensbetrunken sind mit von der Partie. Schaut doch mal bei ihnen vorbei, der Dienstag fängt besser an mit ein bisschen Wortzauberei!

Hummelflugmorgen

Hummelflugmorgen

im Tiefflug
an meinem besonnten rechten Ohr vorbei
rast eine Hummel
teilt Waldmeisterduft in zwei Hälften
erledigt frühmorgendliche
Hummeleinkäufe:
Erdbeerpollen
Stachelbeersirup
Holunderküchlein

Gartenthriller

zwischen dürren Grashalmen
ein torkelnder Käfer
schwerfällig sucht er den Ausgang
er wird beobachtet
Katzen-Netflix

Sommerpause

Sommerpause

ich möchte an Blumen schnuppern
den Bienen zusehen
zwanzig Bücher lesen
mit Freunden ein Glas Wein trinken
über Belangloses plaudern
tief und traumlos
in Hängematten schlafen
Hühner füttern
ihre nestwarmen Eier sammeln
gedankenlos in blauen Himmel schauen
ich möchte spielen
Sommerpause

Der Dienstag dichtet! 🙂  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch WortgeflumselkritzelkramMutigerlebenWerner KastensFindevogel, die WortverzauberteLyrikfederEin Blog von einem Freund,  NachtwandlerinLindas x Stories, Myriade und Gedankenweberei sind mit von der Partie. Schaut doch mal bei ihnen vorbei, der Dienstag fängt besser an mit ein bisschen Wortzauberei!

was schön ist

was schön ist:

  • ein Wiedersehen beobachten
  • keine Schlange beim Bäcker
  • das sündige Schokoladencroissant
  • der grauhaarige sehr alte Hund
  • Ententeenager schnurgerade aufgereiht, während Papa den Tag einschnattert
  • Domglockengeläut
  • eine Wahl haben
  • unfassbar gute Akkordeonspieler
  • sich Zeit stehlen
  • Sonnenflecken auf der Hand
  • morgens schon zu wissen: Zum Abendessen gibt es Eis. Mit Sahne.