Mein Balkon im Juli

Die Stachelbeeren sind reif! Das ist doch ein Anlass, mal wieder ein kleines Balkonupdate in die Welt zu entlassen. Dieses Jahr hatte ich einen schon mit Erde aus dem letzten Jahr gefüllten Topf übrig (ich glaube, es war der Kartoffeltopf) und ein Samentütchen, das ich auf einem Sommerfest auch im letzten Jahr geschenkt bekommen hatte, Sommerwiese für Bienen, für ca. 6m². 6m²! Das Tütchen fühlte sich sehr leicht an, und 6m² sind doch komplett übertrieben, ein Topf mit 28cm Durchmesser passt da bestimmt auch, dachte ich, und so landete alles hübsch verteilt in der Erde.

Nun ja. Also, es wächst ziemlich gut, kann ich mittlerweile sagen, und vielleicht waren die 6m² doch nicht völlig übertrieben. Ab und zu habe ich Sorge, dass der Topf explodiert, aber bislang konnten wir dieses Drama erfolgreich vermeiden.

Dann habe ich versucht, aus Samen Tomaten zu ziehen. Es waren Qualitätssamen und ich habe alles minutiös befolgt, was auf der Tüte draufstand, inklusive ständigem Feuchthalten. Ich habe meine Eierpappe morgens in die Sonne gestellt und abends liebevoll nachgefeuchtet, und irgendwann, Wochen und Monate später, kamen klitzekleine grüne Dingelchen aus der Erde. Und das war´s dann. Weiter passierte nichts. Irgendwann färbte sich eins der Dingelchen dunkel, dann das zweite, dann brach die Pappe auseinander und mein Durchhaltewillen auch, und dann bin ich ins Gartencenter gefahren und habe eine Tomatenpflanze geholt, die schon im rotzigen Teeniealter war. Ich habe ihr einen Platz an der Sonne gegeben, nährstoffreich gefüttert (braucht man ja als Teenie) und siehe da! Ich werde Tomaten ernten, haha!

Als ich schon mal im Gartencenter war, habe ich gleich noch ein paar Teenies gekauft, obwohl ich mich eigentlich zurückhalten wollte, es gab ein paar Überlebende aus dem letzten Jahr, den Samenkartoffeltopf, aber egal: Sie haben mich angefleht, sie aus dem tristen Blumenwohnsilo herauszuholen, und da konnte ich nicht nein sagen. Sie danken es mit üppigem Blau und Lila (sehr klein im Hintergrund die farbenfrohen Mülltonnenblumen in hellblau, grün und schmeichelndem Grau).

Mitten im Blau hat sich wanderndes Volk niedergelassen, mal sehen, ob das Zusammenwohnen klappt.

Letztes Jahr habe ich irgendwann im Sommer eine hübsche pinkfarbene Nelke für das Küchenfenster gekauft. Sie hat bis in den November hinein durchgehalten, und als sie fast am Ende war, konnte ich sie einfach nicht in den Lauf aller Dinge zurückgeben – kein Kompostgrab für die Küchennelke! Ich habe sie Ende November einfach in eine leere Stelle des Balkonkastens gesetzt und das Beste gehofft. Voilà! Auferstehung! Und zwar schöner als vorher! Bin ich stolz? 🙂

Ich mag die stinkenden Studentenblumen, und fast jedes Jahr schafft es eine in meine Balkonkästen. Ich finde, sie macht sich neben dem Rosmarin (Überlebender des letzten Jahres) sehr gut, oder?

 

 

Der Balkon war damit eigentlich schon voll, aber dann kam der Kollege mit zwei experimentellen Tomatenpflänzchen (russischer Riese und Riesenfleischtomate – laut sicheren Quellen sollen sie fußballgroß werden! Naja, wir gucken dann mal, ich würde sie auch kartoffelgroß nehmen.) und es musste noch ein Platz her. Der sich dann fand. Jetzt wuchern sie munter vor sich hin, ab und zu muss ich hochbinden und stutzen, ich will ja durchaus auch noch mal den Balkon betreten, nur mit Tomatenblüten halten sie sich sehr zurück. Macht aber nix. Der tomatige Duft, wenn man zart über ihre Stengel streichelt, ist auch sehr schön.

Die Schnittlauchdiva vom letzten Jahr bleibt unübertroffen, aber ihre Nachfolgerin gibt sich alle Mühe. Daneben habe ich getestet, was mit Kresse im Topf passiert, wenn man sie nicht abschneidet und aufisst. Jo. Interessant. Irgendetwas kleines, lilanes hat sich untergemogelt. Vielleicht der Beginn einer wunderbaren Freundschaft?

Apropos Freundschaft: Der Rosmarin flirtet wieder mit der Stachelbeere, aber wie schon im letzten Jahr kapiert sie es einfach nicht und piekst vor sich hin, mosert ab und zu und produziert fleissig viele, viele dunkelrote Stachelbeeren.

Ich warte ja noch auf eine Rosmarinstachelbeere, aber ich glaube, das wird dieses Jahr nichts. Sehr fleißig, aber nicht die hellste, die Gute. Unten im Topf hat sich ein Blaumützenwicht einquartiert, was mich sehr freut. Ich habe es raunen hören, dass der böse Mehltau sich nicht ran traut, wenn ein Blaumützenwicht einzieht. Damit er nicht wieder auszieht, plaudere ich täglich kurz mit ihm und entferne sorgsam alle Spinnweben von seiner Mütze. Es scheint zu funktionieren.

Und zum Schluss noch eine Warnung für alle ehrgeizigen Hoch-hinaus-Woller: Das passiert, wenn man nicht weiß, wann man aufhören muss mit dem Wachsen:

Kurz vor dem Absturz über die bodenlose Balkonbrüstung konnte ich gerade noch rettend eingreifen! Nun müssen sie damit leben, angebunden zu sein. Und bei jeder heftigen Böe (von denen es hier gerade ziemlich viele gibt), höre ich erschreckte Rufe vom Balkon. Bislang ging es aber immer gut.

Soviel vom Balkon im Juli. Wird der Blaumützenwicht bleiben? Wird der russische Riese doch noch erscheinen? Und was passiert mit dem Kresseexperiment? Wir werden sehen. 🙂

 

Sommerküche

Sommerküche

hätt ich eine Sommerküche im Freien
gäb´s zu Mittag Himmelblausuppe
und Wolkencréme als Nachtisch

 

Blauhimmel

ein Blauhimmel leuchtet
dreht sich langsam
färbt mich durchsichtig blau
malt heilige Tags auf die Tapete
das Zimmer ist still
laut strahlt das Sommerblau
ballt sich zusammen in meiner Hand
lässt mich leuchten
sonnenhimmelhell

Der Dienstag dichtet! 🙂  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram, Mutigerleben, Werner KastensFindevogel, die Wortverzauberte, Ein Blog von einem Freund, Lyrikfeder und die Nachtwandlerin sind mit von der Partie. Schaut doch mal bei ihnen vorbei, der Dienstag fängt besser an mit ein bisschen Wortzauberei!

Tja, und da ich den gestrigen Dienstag vergessen habe, weil ich den ganzen Tag lang der Ansicht war, am Dienstag wäre es Montag, denn gestern war ja Sonntag, aber tatsächlich war es EIN Sonntag, aber nicht DER Sonntag, sondern eigentlich Ostermontag, und so bin ich heute, am Mittwoch, tatsächlich einen Tag zu spät dran. Puh. Ist mir auch noch nie passiert. Naja, für alles gibt es ein erstes Mal. Hier also mein Dienstagsgedicht ausnahmsweise am Mittwoch.

Die Stachelbeere lebt!

Ich möchte mal kurz vermelden, dass die Namensgeberin meines Blogs überlebt hat! Hurra! Und das, nachdem ich in den letzten Wochen tägliche, besorgte Blicke auf sie geworfen hatte, weil sich so gar nichts tat… aber nun:

Sie ist so stachelig wie eh und je…

… und hat mich auch schon gleich wieder gepiekst und wollte mich nicht aus ihren Fängen lassen. Insofern: Der Sommer kann kommen!

nachts

nachts

leises Lachen am offenen Fenster
Mottengeflatter
nach und nach
ergeben sich die Nachtlichter
fallen in die schwebende Dunkelheit
der Tag schläft
Schattenblumen rahmen den Himmel
strecken sich zu fernen Lichtern
schweigen unter Satelliten
Sterne weiten sich im Schwarz
kathedralengroß
ab und an
streichelt ein Blatt
sanft meinen Arm

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Augustregen am Sonntagmorgen

  • zartes Glucksen in der Regenrinne
  • Gummistiefel mit Blumenmuster sind unterwegs
  • meine Topfpflanzen nehmen ein erfrischendes Bad auf dem Balkon
  • der Bürgersteig verliert seine Krähenmarkierungen und glänzt frisch poliert
  • anregender Regenduft in der frisch gewaschenen Wäsche
  • keine zwingenden Spaziergangsnotwendigkeiten in Sicht
  • die Tauben fliegen schnell und senkrecht
  • unerwartet hohe Regenwurmausbeuten bei den Amseln
  • singende Vögel im Regenrauschen
  • zufriedene vormittägliche Stille

🙂 Schön war dieser Morgen!

Ländliche Glücksliste

Ländliche Glücksliste

  • ein klitzekleiner, kugelrunder, schwarzer Käfer auf dem Tisch neben mir
  • die violette Pflaume, die darauf wartet, gegessen zu werden
  • Stimmengewirr von der Terrasse
  • sich für oder gegen etwas entscheiden dürfen
  • und es tun
  • Gras unter nackten Füßen
  • ein langes Nickerchen unter Bäumen
  • leise (schöne) Orgelmusik aus der nahen Kirche
  • reife Kirschen
  • alles zu können und nichts zu müssen
  • Essen teilen
  • aufatmen

Ich weiß, eigentlich ist das kein Gedicht, aber ich konnte nicht anders, bei 23 Grad Außentemperatur im Oktober. Da kommen Sommererinnerungen hoch! Tschuldigung.
🙂

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höchster Sommer

höchster Sommer

Blätter berascheln sich
es leuchtet gelb und grünbirnig
der Kirschbaum hat sich erschöpft zur Ruhe gesetzt
die Wiese schwitzt in der Sonne
allererste Herbsthaare hängen in fruchtigen Zweigen
wir hängen erdschwer auf Stühlen
Schatten kitzeln den Boden
von rechts spricht eine Taube
von Leben, Licht und Liebe

Der Dienstag dichtet!  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram und  Mutigerleben sind mit von der Partie. Wer den Dienstag also mit Gedichten beginnen will: Herzlich willkommen!

Das Schweigen des Gartens

das Schweigen des Gartens ist endlos
Rosa ist eine lauwarme Farbe
Wolkenformationen fliegen hoch
Gartengeräusche sind anders
das Schweigen des Gartens ist endlos
manchmal muss man einfach nur da sein
leise atmen
unter hochfliegenden Wolkenformationen
das Schweigen des Gartens ist endlos

Im Urlaub haben wir Rondelle geschrieben, und ich kann mich mit der Form einfach nicht anfreunden. Irgendetwas in mir mosert, wenn ich Sätze nach einem festen Muster wiederholen soll, und sofort suche ich nach einem kleinen, versteckten Ausweg. Seht selbst, das war das ursprüngliche Rondell:

das Schweigen des Gartens ist endlos
Rosa ist eine lauwarme Farbe
manchmal muss man einfach nur da sein
das Schweigen des Gartens ist endlos
Gartengeräusche sind beruhigend, aber anders
Wolkenformationen fliegen hoch
das Schweigen des Gartens ist endlos
manchmal muss man einfach nur da sein

Ist ja auch nicht verkehrt, aber irgendwas passt mir daran nicht. Egal, nun gibt es halt beide Varianten 🙂 .

Der Dienstag dichtet!  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram und  Mutigerleben sind mit von der Partie. Wer den Dienstag also mit Gedichten beginnen will: Herzlich willkommen!

 

Urlaub, was ist das eigentlich?

Vielleicht so:

morgens aufstehen und keine Aufgaben haben
barfuß laufen, auch wenn es regnet
Ameisen beobachten
lesen – mehr lesen – noch mehr lesen
sich auf einen Fleck setzen und da so lange bleiben, bis einem die Beine einschlafen
neue Sommerkleider ausführen
seltsame Eissorten probieren
Seewasser zwischen den Zehen
Sommergedichte auf Postkarten schreiben
viel lachen
sehr viel schlafen
in fremde Kirchen gehen
dankbar sein
sich auf den vertrauten Alltag freuen

2017 hatte ich diesen Text schon einmal veröffentlicht, heute nun muss ich ihn einfach nochmal posten – denn ich habe ab heute Urlaub!!! Ich freu mich… Reaktionszeiten hier im Blog können dadurch etwas länger dauern, ein paar Dinge habe ich vorbereitet und jetzt tue ich erstmal wenig bis nichts. Und dann warte ich nochmal ab, trinke einen Tee und lese vielleicht ein Buch… 🙂