Ausgelesen: Eva und der Zitronenfalter. Von Susanne Niemeyer.

Allein der Titel! Nur deswegen muss man es eigentlich schon haben, dieses Buch. Wer schon immer ein wenig frustriert darüber war, dass über die Frauen in der Bibel weniger diskutiert wird als über die Männer, hat hier die perfekte Vorlage: Neunzehn Mal ist eine Frau die Hauptperson in Susanne Niemeyers Buch. Nach dem Lesen ist man garantiert nicht immer einer Meinung mit der Autorin, hat aber eine Menge Gesprächsstoff und mit Sicherheit neue Denkanstöße bekommen. Mit Humor, Leichtigkeit und einer großen Portion Unbekümmertheit holt sie die biblischen Persönlichkeiten in unsere Gegenwart, setzt sie vor uns hin und sagt: So. Jetzt seht euch mal an und schaut, wie ihr miteinander klarkommt. Und dann sitzt man da und muss wirklich erst mal denken (was ja manchmal nicht ganz leicht fällt, wenn man so tagein-tagaus in den immer gleichen Bahnen rutscht).

Dieses Buch ist ein großer Gewinn für alle Beteiligten: Leser, Diskutierer, Zuhörer und für die historischen Frauen selbst. Selten wurden sie schöner und lebendiger aus ihren oft sehr knapp bemessenen Texten herausgeholt. Der Anfang des Buches geht so:

„Eva war 32 Jahre alt und hatte einen passablen Mann. Der war möglicherweise weniger klug als sie, aber häuslich und verlässlich. Er hieß Adam, Adams Vater war Gott. Damit muss man erst mal klarkommen, auch als Schwiegertochter.“

Ja, muss man wohl, und wer mehr wissen möchte, lese dieses Buch!

Ausgelesen: Agatha Raisin und der tote Friseur. Von M.C. Beaton

Als die Verfilmung der Buchreihe in ZDFNeo lief, bin ich zufällig in eine der Folgen hineingeraten und war angetan: Das typische englische Dorf, mit den typischen leicht skurrilen Figuren und dazwischen Agatha Raisin, die so gar nicht in diese Szenerie passt und dem ganzen dadurch eine ungeahnte Würze verleiht: Nicht schlecht. Eine Frau, die tut, was sie will und mit ihrer Unverfrorenheit tatsächlich durchkommt, dabei aber dieselben Unsicherheiten des Lebens durchleidet wie alle anderen: Gar nicht übel! Und dann noch die Menschen, die leider eines unnatürlichen Todes sterben müssen, damit Agatha in Aktion treten kann: Wirklich, das kann man angucken, da gibt es weit, weit schlechteres.

Nun fiel mir zufällig eines der Bücher in die Hände, die als Vorlage für die Serie dienten, und als Fazit kann ich sagen: Ja, die Bücher sind sehr gut getroffen. Der trockene, lakonische, einfache Stil wurde sehr gut übersetzt, Agatha ist naturgetreu wiedergegeben mit all ihren Widersprüchen. Es ist kein „Pageturner“, ich konnte sehr gut Pausen machen beim Lesen ohne das Gefühl zu haben, ich sei auf Entzug. Eine nette Krimiserie ohne allzu große Höhepunkte, gut zu lesen.

Ausgelesen: Kommt Kuchen, kommt Liebe. Von Amy Reichert.

Ach ja. Wenn sich doch alles im Leben so fügen würde wie in diesem Buch. Als ich das gelesen habe, hatte ich ein übergroßes Bedürfnis nach Harmonie, (ziemlich) heiler Welt und Happy Endings. All das bekommt, wer dieses Buch über das Kochen, viel Liebe, sich langsam entwickelnden Romanzen und Städtebeschreibungen liest.

Ich gebe zu, es ist ein bißchen sehr viel heile Welt auf einmal, aber wer sich von den allgegenwärtigen Zombieinvasionen und Serienmörderserien zwischendurch mal erholen muss, ist hier sehr gut bedient. Dazu ein Cappuccino und ein Schokoladenkeks und die Welt ist für ein paar Stunden im Gleichgewicht. Ganzjahresempfehlung!

Ausgelesen: Gegenzug. Von Dick Francis.

Ich mag die Krimis von Dick Francis. Es sind solide, ein wenig altmodische Kriminalromane, die immer im Rennmilieu spielen. Ehre und Anstand stellen hohe Werte dar, die ganz selbstverständlich gegen alle Widerstände verteidigt werden, seien sie auch noch so herausfordernd. Dabei sind seine männlichen Hauptfiguren meist eher wortkarg, erklären sich wenig und lehnen überbordende, nach außen getragene Emotionalität ab, haben aber, um mit Jane Austen zu sprechen, ein reiches Innenleben (das wollte ich immer schon mal irgendwo anbringen 🙂 ).

Mir gefallen die Bücher wohl vor allem deswegen, weil hier Gut und Böse relativ klar voneinander getrennt sind und jemand das tut, was getan werden muss. Niemals muss sich jemand größer machen als er ist, und alles scheinen und glänzen ist für diese Romanhelden unnötig. Die Bücher sind wie klares Wasser, erfrischend, klärend, zurechtrückend.

In diesem Buch geht es um einen raffinierten Betrug und Erpressung, der Antagonist ist schön böse, der Held schön pragmatisch, und der geheime Held ist ein kanadischer Luxuszug, der kostbare Pferde mitsamt Trainern, Besitzern und Rennbahnbesuchern zu verschiedenen Rennbahnen in Kanada transportiert. Und auf dieser Bahnreise passiert so einiges…

Ausgelesen: Feuerrot. Von Nina Blazon.

Nina Blazon ist eine meiner Lieblingsautorinnen. Sie kann historische Romane, Fantasy, Jugendbuch, Erwachsenenroman – und alles ist gleich gut, immer hervorragend recherchiert, klug, nie belanglos, mit differenzierten Figuren. Ihre weiblichen Protagonisten sind starke Frauen mit Fehlern, nie perfekt, aber immer berührend. Dabei schont sie weder ihre Figuren noch den Leser – ein Happy End im herkömmlichen Sinn gibt es nicht immer. Und, was mir wichtig ist, sie gehört zu den wenigen Autorinnen, die überwiegend Einzelbände schreiben, was mir sehr gut gefällt. Natürlich mag ich auch die Serien, aber wenn die Geschichte wirklich gut erzählt ist, die Details stimmen, braucht es keine drei oder vier Bände. Einer spricht für sich, und beim nächsten Band von ihr kann man aufs Neue gespannt sein, was da wohl kommen wird.

„Feuerrot“ stand bei mir untypischerweise recht lange im Regal der ungelesenen Bücher. Es geht um Hexenverfolgungen im Mittelalter, und dieses Thema finde ich fürchterlich und grausam. Es gibt so viele Bücher darüber, und ich habe schon so viel darüber gelesen, dass es eigentlich für den Rest meines Lebens reicht. Die Ungerechtigkeit, all die schlechten Seiten der Menschen, die in diesem Themenbereich zum Vorschein kommen: Schrecklich. Und, wie oben schon erwähnt, Nina Blazon schont weder ihre Figuren noch ihre Leser, also kann alles passieren. Und so stand das Buch, und stand, und stand… bis ich es jetzt im Urlaub endlich angegangen bin.

Das Buch ist als Jugendbuch konzipiert, wirkt aber sehr erwachsen. Es ist spannend, gut geschrieben, die Figuren authentisch. Der Leser taucht kopfüber in die Zeit ein und lernt recht schnell, dass Menschen sich in den letzten fünfhundert Jahren wenig verändert haben, nur die Umstände sind besser geworden. Erzählt wird unter anderem auch die Entstehungsgeschichte des Hexenhammers, das Buch, das in den folgenden Jahrhunderten verhängnisvoll zum Tod unzähliger Frauen auf Scheiterhaufen beigetragen hat. Die Sprache ist schön, nicht ganz so komplex wie bei ihren Büchern für Erwachsene, aber trotzdem immer treffend. Mir fiel das Lesen trotzdem nicht leicht, denn, wie gesagt, ich finde dieses ganze Thema schrecklich, und natürlich geht es auch hier nicht ohne Opfer ab. Und da man weiß, wie es in den nächsten Jahrhunderten weitergeht, ist auch das vergleichsweise versöhnliche Ende im Buch für mich keine Erleichterung.

Mein Fazit: Ein gut geschriebenes, spannendes, informatives Buch von einer großartigen Autorin. Empfehlenswert für alle, die gerne historische Themen lesen.

Ausgelesen: Infinity Drake – Jagd in der verbotenen Stadt. Von John McNally.

Großartig. Einfach großartig, genau wie sein Vorgänger. Es geht weiter mit dem auf 9mm Größe geschrumpften Infinity Drake, genannt Finn, und die neue Geschichte ist wirklich genauso gut wie Band 1 – also großartig. Erwähnte ich das schon?

Das hier ist ein Actionthriller mit Witz, Humor, Spannung, sehr viel Mut und einem wundervollen Bösewicht, der mich immer wieder an die ersten James Bond-Schurken erinnert, als sie noch ironisch, süffisant und exzentrisch sein durften. Eigentlich ist es ein Buch für Kinder und Jugendliche, die Technik, Chemie und Physik schätzen, ihre Freunde lieben und Bücher mit hohem Tempo mögen. Aber ich habe beschlossen, für mich ist das genauso, auch wenn ich immer froh war, wenn die Türen des Physik- und Chemielabors sich hinter mir schlossen. SO mag ich das auch! Und ich freue mich auf Band 3!

Ausgelesen: Es muss wohl an dir liegen. Von Mhairi McFarlane.

Noch ein Liebesschmöker von dieser zur Zeit ungeheuer populären Autorin. Er fiel mir in der Bibliothek (fast von selbst) in die Hände und da konnte ich einfach nicht widerstehen. Und warum auch? Es ist wieder ein gut geschriebener, sehr unterhaltsamer Roman mit sympathischen Hauptfiguren, es gibt wenige Momente, in denen man Delia, die Hauptfigur, schubsen möchte, die ein oder andere Seltsamkeit kann man gut überlesen – sehr nette Ferienlektüre! Und alle Romantikerinnen seufzen… 🙂

Ausgelesen: Reckless. Steinernes Fleisch, Lebendige Schatten und Das goldene Garn. Von Cornelia Funke

Ich liebe Tintenherz. Das muss hier zuallererst gesagt werden. Tintenherz ist für mich das Maß aller Dinge. Ich habe mal einer Freundin die drei Bände Tintenherz ausgeliehen, sie hatte vorher noch nie Fantasy-Literatur gelesen und war sehr skeptisch. Danach war sie bekehrt, aber bei jedem weiteren Buch enttäuscht, denn nichts kam an Tintenherz heran. Meine Schwester meinte dazu nur, tja, selber schuld, du kannst doch jemandem nicht als allererstes so etwas zu lesen geben, wie soll es denn da noch eine Steigerung geben? Sie hatte wie meistens Recht.

Nun zu Reckless. Da ich von Tintenherz wie berauscht war, bin ich mit großen Erwartungen an Band 1 gestartet. Und war fürchterlich enttäuscht. Es war ganz anders geschrieben, viel luftiger, weniger dicht, die Sprache war einfacher, die Handlung ging viel schneller voran. Es erinnerte mich wie in vielen anderen Rezensionen beschrieben an eine Art Vor-Drehbuch für einen Film. Ich habe nicht mal das erste Drittel des Buches gelesen, dann musste ich es weglegen. Es ist mir noch nie passiert, dass ich auf eine Autorin wütend war, aber hier ist es mir passiert.

Zwei Jahre später fiel mir in der Bibliothek zufällig Band 2, Lebendige Schatten, in die Hände. Tintenherz ist mittlerweile einige Jahre entfernt und die Erinnerung an die Schreibweise dort ist nicht mehr so frisch, also dachte ich mir, ich könnte es ja nochmal probieren. Und dieses Mal hat es gefunkt zwischen uns. Die Ideen, die leicht melancholische Grundstimmung, die schnellen Wechsel zwischen den Protagonisten, und überhaupt, die Protagonisten! – ohne die hohe Erwartung ließ es sich bestens lesen. Sehr schnell folgte dann Band 3, Das goldene Garn, und dann habe ich auch den Rest von Band 1 noch gelesen. Jetzt bin ich versöhnt und in großmütiger Haltung – doch, doch, ein Autor darf durchaus mal seinen Schreibstil ändern, wenn er das möchte. Er muss dann nur damit rechnen, dass ich ein oder zwei Jahre brauche, bis ich aus meiner Schockstarre erwache.

Und nun warte ich auf Band 4.

Hier fehlt Band 2, der schon wieder in der Bibliothek auf neue Leser wartet.

Ausgelesen: Das Zirpen der Grillen. Von Charles Martin.

Jaaaa, nun. Da hatte ich wohl etwas anderes erwartet. Das Buch ist ein Liebesroman mit integrierter Vergangenheits-Bewältigungs-Therapie und sehr, sehr vielen Informationen über das menschliche Herz. Also über das Organ an sich und das, was einen Menschen ausmacht, und wie man lieben sollte. An und für sich mag ich den Autor, dieses Mal aber bin ich zwiegespalten – sehr schöne Liebesgeschichte, aber auch sehr viel Moral, unfassbar gute Menschen, die unfassbar schwere Schicksalsschläge erleiden und trotzdem wie Phönix aus der Asche wieder auferstehen. Dazu ein explizit christlicher Grundton mit Bibelzitaten und missionarischer Ausrichtung, die ich in diesem Buch überhaupt nicht erwartet hatte und die mir zu viel waren. Trotzdem (und das ist ein Beleg für die Qualität des Autors) konnte ich mich dem Sog des Buches nicht entziehen. Bei einigen Passagen habe ich großzügig geblättert, aber ich wollte trotzdem wissen, wie es weitergeht. Eine Menge Emotionen, Wogen von Gefühlen, insgesamt von allem etwas zu viel. Mal sehen, ob ich noch ein Buch von diesem Autor lese, oder ob ich mich jetzt für längere Zeit erst mal erholen muss.

Ausgelesen: Das Walmesser. Von C. R. Neilson.

Brrrr. Nach diesem Krimi muss man eigentlich sofort ins nächste Reisebüro gehen und einen Flug auf die Färöer-Inseln buchen. Wenn ich das Buch jetzt, nach dem Lesen, in die Hand nehme, spüre ich Felsen, Gras, drohende Wolken, jähen Sonnenschein und genauso jähen Regen. Und Kälte. Jede Menge davon. Die Menschen sind genauso wie ihre Inseln: Rau. Der Schotte John Callum kommt auf die Färöer, um vor sich und seiner Vergangenheit zu flüchten und erwacht eines Morgens auf einem Steinklotz am Hafen, in seiner Tasche steckt ein blutiges Messer, ein Grindaknívur. Und damit geht es los.

Meiner Meinung nach ist das ein absolut gelungener Thriller, in dem die Natur der Färöer-Inseln das Innenleben seiner Hauptfigur perfekt widerspiegelt. Jähe Abgründe, schroffe Felsen, eisiger Wind, unerwarteter Sonnenschein, endloser Regen. Es war atemberaubend, es zu lesen, sehr spannend, und ich würde es Thriller-Fans wärmstens empfehlen.