Ausgelesen: Die Unvollendete. Von Kate Atkinson.

Dieses Buch traf mich völlig unvorbereitet. Ich bekam es geschenkt, meine Vorleserin mochte das Buch nicht, hatte aber Hoffnung, dass es vielleicht mir gefallen könnte. Hat es. Sehr. Die ersten Seiten waren allerdings schwierig. Als Prolog wird auf anderthalb Seiten ein Attentat auf Hitler verübt, auf den nächsten Seiten wird eine Geburt beschrieben, bei der das Kind stirbt. Wieder einige Seiten weiter wird wieder dieselbe Geburt beschrieben, dieses Mal überlebt das Kind. Allerdings nicht sehr lange, ein Unfall geschieht und wieder sind wir bei der Geburt im Schnee, und so langsam wird einem klar, dass wir uns in diesem Buch wohl mit Zeitschleifen beschäftigen werden. Und richtig. Das ganze Buch ist eine einzige Zeitschleife, Ursula Todd wird jedes Mal wiedergeboren, wenn sie stirbt, und sie stirbt ziemlich oft: Bei der Geburt, sie fällt vom Dach, ertrinkt, begeht Selbstmord, kommt im Krieg ums Leben.

Nun könnte man ja denken, was, und jedes Mal geht wieder alles von vorne los? Ja! Das tut es, aber jedes Mal verändert sich eine Winzigkeit und das gesamte Leben verläuft in anderen Bahnen. Dabei wiederholen sich nicht jedes Mal komplette Abschnitte, nur einige sind gleich oder werden mit Veränderungen erneut erzählt und dabei aus anderen Perspektiven oder mit anderen Schwerpunkten betrachtet. Nach und nach ergibt sich aus diesen scheinbaren Wiederholungen und Betrachtungen ein komplexes Bild des Lebens einer britischen Familie des gehobenen Mittelstands im Zeitraum 1910 bis etwa 1950, alles, was danach kommt, sind nur einzelne Handlungsstränge, die nicht mehr wiederholt werden und demzufolge linear, nur noch aus einer Sichtweise, und damit weniger komplex erzählt werden. Der Anfang des Buches ist ein bisschen zäh, aber wenn man sich da durchgearbeitet hat, belohnt einen die Geschichte mit der Faszination über ein Leben, das jedes Mal gleich beginnt, dann jedes Mal andere Lebenswege beschreitet und dabei das Umfeld immer besser und heller beleuchtet.

Mich hat es nicht gestört, dass dieses Buch fast gar nicht linear erzählt wird. Es hat mir gereicht, dass die Hauptperson, Ursula, immer dieselbe bleibt, und dass ihre Familienmitglieder ebenfalls große Rollen in ihren verschiedenen Leben spielen. Faszinierend war für mich, wie sich die Entscheidungen, die Ursula trifft, auch auf ihre Familie auswirken, und so weiß man nie, was und wer sich wie entwickeln wird. Einzelne Handlungsstränge fand ich sehr gewöhnungsbedürftig, andere überraschend, bei einigen habe ich gelitten, andere haben mich gefreut. Die Art und Weise, wie die Ebenen aufeinander aufgebaut sind, welche öfter auftauchen und vom Leser fast schon freudig begrüßt werden, während andere einfach wegfallen und von einer neuen Ebene überdeckt werden, ist hervorragend geschrieben. Gleichzeitig ist das aber auch ein Schwachpunkt des Buches: Wer gerne geradlinig erzählte Geschichten liest, wird hier Schwierigkeiten haben. Aufgrund der Erzählstruktur des Textes gibt es keine Rückblenden, was ich sehr wohltuend finde, weil sie mir in den meisten Fällen nicht gefallen. Rückblenden sind hier Neuanfänge, und im Gegensatz zu anderen Büchern weiß man nicht, wo die Reise hingeht.

Auch wohltuend und sehr geschickt ist, dass die Hauptfigur, Ursula, sich nicht vollständig bewusst darüber ist, dass sie immer wieder von vorne anfängt. Sie hat lediglich Ahnungen (wobei ich hier ausdrücklich darauf verzichte, das Wort in Anführungszeichen zu setzen) oder Ängste und ändert deswegen ihr Verhalten. Das gesamte Thema Wiedergeburt ist kein Thema, es passiert einfach ohne jede Erklärung, und wenn die Leserin oder der Leser das akzeptiert hat, kann man gut damit leben und lesen. Zum Schluss hin steigert sich das Tempo etwas und die Leserin ahnt, dass Ursula nun vielleicht doch etwas begriffen hat, aber auch hier sind Erklärungen oder klare Worte Mangelware. Das tut dem Buch sehr gut. Eine allgemeine Inhaltsangabe ist schwierig, im Großen und Ganzen könnte man sagen, es ist eine Geschichte über eine Familie in Zeiten großer Umbrüche und zweier Weltkriege, wobei die Geschichte  allerdings immer wieder andere Wege nimmt. Dazu kommt die Zeitschleifen-Thematik. Am Ende fragt man sich, ob es ein Ende gibt, und ob man für sich selbst so etwas wollen würde. In meinem Fall: Danke, nein.

Über die wirklich faszinierenden Zeitschleifen habe ich mich lang und breit ausgelassen, aber auch der Schreibstil verdient eine Erwähnung. Das Buch plaudert, verliert ab und zu seine typisch britische Gelassenheit, um dann wieder dahin zurückzufinden und von vorn zu beginnen. Mir hat der Schreibstil sehr gut gefallen, allerdings muss man sich auch darauf einlassen: Ein lakonischer, leicht ironischer Abstand bleibt zu den Figuren bestehen, aber im Zusammenhang mit den Zeitschleifen entstand für mich aus beidem ein Sog, dem ich mich spätestens nach dem ersten Viertel des Buches nicht mehr entziehen konnte. Man kann es nicht einfach weglesen, ein bisschen Zeit braucht man für Die Unvollendete, aber das ist angemessen. Für mich war es eine unerwartete, faszinierende Überraschung, und wer Zeiträtsel und lange Romane mag, sollte es auf jeden Fall ausprobieren.

Ausgelesen: Die kleine Patisserie in Paris. Von Julie Caplin.

Es gibt Tage, an denen brauche ich solche Bücher: Liebesromane ohne Weltpolitik, ohne grabentiefe Ethikfragen und ohne gesellschaftliche Relevanz. Es gibt bessere und schlechtere Liebesromane dieser Art. Bei den schlechteren muss ich meist Absätze oder Seiten überspringen und innerlich die Augen verschließen vor Logiklücken oder überkonstruierten Handlungen. Dieser gehört zu den besseren, obwohl es auch hier Stellen gab, an denen ich mit den Augen gerollt habe – aber was soll´s, seinen Zweck hat er auf jeden Fall hervorragend erfüllt!

Hier die kurze Inhaltsangabe vom Verlag:

Eine charmante Liebesgeschichte für Romantiker, Paris-Liebhaber und alle, denen Schokolade zum Frühstück nicht genug ist: sympathische Figuren, warmherziger Humor und viel Lokalkolorit.
Schon immer wurde Nina von ihren vier großen Brüdern bevormundet. Deshalb zögert die junge Kellnerin nicht, als sie die Chance erhält, für einen Job nach Paris zu ziehen. In einer Patisserie in der Nähe von Sacré-Cœur soll sie dem Besitzer zur Hand gehen. Sebastians köstliche Macarons sind legendär. Sein Charme leider auch, wobei Nina von diesem nicht allzu viel mitbekommt. Die beiden kennen sich, Sebastian ist der beste Freund ihres Bruders Nick. Und er macht ihr das Leben ganz schön schwer. Zu dumm nur, dass Nina in seiner Gegenwart immer noch weiche Knie bekommt …

Und genauso kommt der Roman auch daher, was für Klappentext-Hasser eine Überraschung ist – manchmal ist man sich nach dem Lesen des Buches nicht sicher, ob der Verfasser des Klappentextes das Buch überhaupt gelesen hat. In diesem Fall also stimmt er mit dem Buch überein, man bekommt, was man haben wollte: Einen flüssig geschriebenen, zuckersüßen Liebesroman mit einer Menge Herz/Schmerz, einer tapferen Heldin, unglaublich liebenswürdigen Nebenfiguren, den männlichen Helden, der vom Fiesling zum Liebhaber werden darf und nebenbei eine ganze Portion Paris für Romantiker. Es hätten ein paar Seiten weniger sein dürfen, mittendrin zieht es sich an manchen Stellen ganz schön, und ab und zu war ich etwas genervt, wenn der Handlungsstrang sich zu unglaubwürdig hin und her gedreht hat. Aber im Großen und Ganzen ein wirklich netter Liebesroman mit viel Zucker für Kuchen- und Parisbegeisterte.

Ausgelesen: Nevermoor. Fluch und Wunder. Von Jessica Townsend.

Sodele, hier haben wir ein Buch, das mir von einer meiner liebsten Buchvorschlägerinnen wärmstens empfohlen wurde, und zack! hatte ich es auch schon in meinem Regal stehen! Es sieht ein bisschen wie ein sehr aufgemotztes Kinderbuch aus, und die Hauptakteurin ist auch ein Kind, die zehnjährige Morrigan Crow. Aber allein schon der Name dieses Kindes! Hallo! Mit einer solchen Tradition ausgestattet verspricht das einiges, und so ging ich mit großen Erwartungen an das Buch heran.

Die zehnjährige Morrigan Crow ist verflucht, eine Unglücksträgerin und muss an ihrem elften Geburtstag sterben. Die Anfangsstimmung ist also mehr als trübselig. Die Erwachsenen um sie herum denken in erster Linie an sich und in zweiter auch an sich, und so behandeln sie Morrigan, als wäre sie schon tot. Für alles Unglück dieser Welt von Hühneraugen bis hin zu Krankheiten wird sie verantwortlich gemacht und gefürchtet. Als ihr die Stunde ihres Todes schon unangenehm dicht auf den Pelz rückt, taucht in letzter Sekunde ein Mann auf, der sie rettet: Jupiter North. Er nimmt sie mit nach Nevermoor, den geheimen Freistaat, der versteckt vor allen anderen Staaten ein wundersames Dasein führt. Hier gibt es Vampirzwerge, sprechende Katzen (eindeutig eine Reminiszenz als die Grinsekatz), ab und zu ein Einhorn, aber auch eine Menge Menschen, einige davon mit ein paar mehr Fähigkeiten als die anderen. Sie wohnt im Hotel Deucalion, das Jupiter North gehört und auf jeden Fall zu den Hauptcharakteren des Romans gehört. Es verändert seine Räume nach Lust und Laune und ist eine der Attraktionen in Nevermoor – ein Hotspot für abendliche Gesellschaften jeder Art. Und wenn ich jeder Art schreibe, meine ich auch jeder Art!

Morrigan lernt neue Freunde kennen und ihre neue Welt ebenfalls, und was sich da auftut, ist ein knallbunter Kosmos voller liebenswerter Figuren und Szenen. Ich kam mir beim Lesen vor wie ein Kind im Süßwarenladen, immer gab es noch einen Knallfrosch oder Lakritze in Fischform oder grüne Brausedrops, und wenn man dachte, jetzt kenne ich aber wirklich alles, kamen Colaschnüre und Schokoschaum um die Ecke. Es macht große Freude, sich in diesem Buch aufzuhalten und an Morrigans Seite Nevermoor und alles darin zu erkunden. Das es nebenbei auch noch darum geht, Morrigans besonderes Talent zu entdecken, Prüfungen zu bestehen, um an einer ganz besonderen Schule aufgenommen zu werden und um einen Schurken, der hinter der nächsten Schattenlinie auf seinen Einsatz wartet – geschenkt. Klar, alles zusammen genommen setzt die Geschichte zusammen, aber was sie so besonders macht, ist der detailverliebte Blick auf die Figuren und vor allem auf die Spielorte. Das Hotel Deucalion hat es mir besonders angetan. Hier ein kleiner Auszug aus den Besonderheiten dieses Hotels:

„Alles bestens, Sir“, bestätigte der Portier mit seinem starken schottischen Akzent. „Die Herren des Paranormalen Notdienstes waren am Donnerstag hier und haben sich um unser kleines Geisterproblem im fünften Stock gekümmert. Ich habe die Rechnung an die Buchhaltung weitergeleitet. Außerdem hat die Verkehrsbehörde Nevermoor gestern eine Nachricht geschickt – man benötigt Ihren Rat wegen irgendwelcher Echos an der Fadenschein–Strecke. Ach ja, und jemand hat vier Alpakas im Wintergarten zurückgelassen. Soll ich die Rezeption bitten, eine Durchsage zu machen?“
„Alpakas! Donnerwetter. Sind die Tiere einigermaßen zufrieden?“
„Sie mampfen sich gerade fröhlich durch unsere Orchideensammlung.“
„Dann kann das warten…“

Und so weiter. Und ich habe noch nichts über den Rauchsalon, den wachsenden Kronleuchter oder Zimmer erzählt, die sich der Stimmung ihrer Bewohner anpassen. Wer möchte nicht in so einem Hotel wohnen? Ich schon!

Das Buch war eine Entdeckung, es ist ein All-Age-Buch, und so habe ich auch schon den zweiten Band gelesen und hatte vorher echte Sorge, ob die Autorin das Niveau wohl halten kann. Tja, was soll ich sagen: Sie kann. Wer also in diesen nicht einfachen Zeiten eine Aufmunterung vertragen kann, sich für ein paar Stunden in eine bunte Parallelwelt begeben möchte, dem seien Band 1 und auch Band 2 der Nevermoor-Reihe wärmstens empfohlen. Ach ja: Unterstützen Sie Ihren lokalen Buchhändler! Viele liefern Bestellungen aus oder es gibt andere Möglichkeiten der Übergabe.

Ausgelesen: Du findest mich am Ende der Welt. Von Nicolas Barreau.

In Zeiten von Corona sucht man von Zeit zu Zeit eine Ablenkung, und da ist dieses Buch genau richtig: Eine französisch leichte Liebesgeschichte, fluffig wie ein Marshmallow und süß wie ein Schokokuss. Ok, es ist keine Weltliteratur und vermutlich wird man es schnell wieder vergessen haben, aber um im Moment zu leben und das mit einem Croissant und einem Espresso zu tun, dafür ist es perfekt geeignet.

Der Hauptprotagonist Jean-Luc liebt sein Leben, die Frauen und seinen Hund Cézanne. Er ist Galerist und alles läuft wunderbar, als er anfängt, Briefe von einer Unbekannten zu bekommen, die sich „Die Principessa“ nennt. Und ohne das er es bemerkt, fängt sein Leben an, sich um die mit Eleganz und scharfer Feder geschriebenen Briefe zu drehen und darum, wer die Unbekannte ist, die sein Leben auf den Kopf stellt.

Die 272 höchst romantischen Seiten lesen sich flüssig und leicht, und ich konnte kaum glauben, dass ein Mann (!) das geschrieben hat. Hat er aber. Vive la France!

Ausgelesen: Wie Eulen in der Nacht. Von Maggie Stiefvater.

Manchmal brauchen Menschen ein Wunder. In der Wüste von Colorado gibt es ein kleines, seltsames Dorf mit seltsamen Bewohnern und einer wirklich eigenartigen Familie: Die Sorias. Einer oder eine von ihnen ist immer ein Heiliger, der für Menschen Wunder wirken kann, allerdings nur den ersten Teil des Wunders. Den zweiten Teil müssen die Hilfe suchenden Menschen selbst vollbringen, und das kann auch durchaus schief gehen, wie man im Dorf sehen kann: Die Frau, über der es immer regnet, der Riese oder der Priester mit dem Koyotenkopf sind nach dem ersten Wunder dort geblieben, weil sie das zweite nicht zustande bringen konnten. Die Heiligen dürfen ihnen nicht helfen, weil sonst etwas schlimmes passiert… und wie man sich denken kann, wird diese Regel im Buch gebrochen.

Ich mag Maggie Stiefvater, ihre Art zu schreiben und ihre eigenwilligen Charaktere, sonst hätte ich wohl Schwierigkeiten mit diesem Buch gehabt. Sie schreibt verrätselt, mal distanziert, mal sehr nah an den Figuren, und ihre Wüstenwelt in Colorado ist staubig, rot, heiß und lebensfeindlich, aber immer lebendig. Hinter den Zeilen spielt sich genauso viel ab wie in ihnen, und das ist manchmal etwas anstrengend zu lesen. Trotzdem: Für mich ein schöner, sehr anderer Fantasyroman, den ich sehr gerne gelesen habe.

Ausgelesen: Der Glanz eines neuen Tages. Von Lucy Dillon.

Es gibt Bücher, die sind nicht tauglich für intellektuelle Streitgespräche. Sie bringen einem keinerlei Punkte auf dem Anerkennungs-Gradmesser für schwierige Literatur. Fantasyfreunden fehlen die Drachen, Krimifans finden sie unfassbar langweilig, die Ich-liebe-dich-mehr-als-mein-Leben-Liebesroman-Leser suchen vergebens nach den atemlossüchtig machenden Szenen. Sachbuch-Leser wollen wir an dieser Stelle lieber nicht erwähnen, vermutlich würden sie nur indigniert eine Augenbraue hochziehen. Und trotzdem: Ich mag die Bücher von Lucy Dillon. Sie treffen irgendeinen Nerv in mir, der behaglich schnurrt, sobald ich eines ihrer Bücher aufschlage. In der Regel passiert dort nichts besonders aufregendes, die Figuren leben ihr Leben, sind meist an einer Umbruchstelle, von der aus es in einer neuen Richtung weitergeht, und es kommen keine Popstars, keine Millionäre und keine Elfen vor. Dafür aber sehr menschliche Menschen mit kleinen Macken und Fehlern, die sich bemühen, zurechtzukommen und sich oft durch Hundebegleiter weiterentwickeln.

Was zieht mich so sehr zu diesen Büchern? Vielleicht ist es die tiefe Liebe zu Tieren, speziell Hunden, die überall durchscheint? Vielleicht auch die pure Nettigkeit ihrer Hauptfiguren? Oder die (ich traue mich fast nicht, es zu schreiben) Güte, die ihre Bücher ausstrahlen, wenn es um schwierige Lebenssituationen geht? Was auch immer es ist, ich fühle mich in der Regel während und nach einem Buch von Lucy Dillon besser als ohne. Und das ist ein ziemlich großes Lob.

In diesem Buch geht es um Lebensträume, die verwirklicht werden wollen, um lebensnahe Kunst weitab von großstädtischen Kunstzentren, um Einsamkeit im Alter, abgebrochene Lebenslinien, Abschiede, viel Menschlichkeit und Mitgefühl und um die Schwierigkeiten, die aus allem entstehen und doch überwunden werden können. Ein kleines bisschen Liebe ist auch im Spiel, aber eine Hauptrolle spielt sie nicht.

Wenn man also einen Eiskaffee mit viel Vanilleeis zuhause hat und dieses Buch, werden die nächsten zwei bis drei Stunden ziemlich angenehm sein. Wenn es nach mir geht, zumindest. 🙂

Ausgelesen: Nightmares. Die Schrecken der Nacht. Von Jason Segel und Kirsten Miller.

Ja. Hier haben wir ein Kinderbuch, das ich gekauft habe, weil ich irgendwo eine begeisterte Rezension gelesen hatte, mir der Einband gefiel und vor allem der knallorange Seitenschnitt rundherum. Jetzt überlege ich allerdings gerade, woher zum Geier ich eigentlich wusste, dass das Buch einen orangenen Seitenschnitt hat? Das sieht man doch eigentlich gar nicht auf Fotografien (siehe meine eigene)? Hm. Vielleicht habe ich es gar nicht gesehen, und als das Buch kam, fand ich ihn toll? Vielleicht schreibe ich auch so ausführlich über das Orange (es ist wirklich knall-knall-orange, sagenhaft!) weil mir zum Buch nicht viel einfällt?

Ja. Es ist also ein gut gemachtes und gut geschriebenes Kinderbuch mit einer Botschaft, die rüberkommt (du darfst trauern, stell dich deinen Ängsten, Freundschaft ist DAS Ding), der Kinderheld ist ein Junge, den man gern zum Freund hätte (vielleicht nicht unbedingt zu Anfang des Buches, aber zum Ende hin auf jeden Fall), die Geschichte hat einen befriedigenden Anteil an Fantasy und eine für Kinder akzeptable Menge an nicht zu schlimmem Horror (allerdings kennen alle Eltern ihre Kinder und würden es ihnen nicht zu lesen geben, wenn sie empfindsame Seelen zuhause haben – oder? Oder??). Dabei bleibt es trotzdem der Realität verpflichtet, die Geschichte dient vor allem dazu, sich in der realen Welt zurechtzufinden, seine Gefühle zu erkennen und verarbeiten zu können, ist aber nie langweilig oder kommt mit erhobenem Zeigefinger daher. Spannend ist es auch noch und gut geschrieben auch.

Was es nicht ist: Ein Kinderbuch oder Jugendbuch, das auch Erwachsene genauso gut bedient. Nein. Das tut es nicht. Es ist ein Kinder/Jugendbuch, und in diesem Segment ist es super aufgehoben. Lesebegeisterte Jungs so etwa im Alter zwischen 9 und 13 Jahren (und auch Mädchen) werden es vermutlich sehr mögen.

Dafür, dass mir nicht viel einfiel zum Buch, habe ich jetzt doch eine Menge geschrieben. Nur eine Inhaltsangabe, die gibt es hier nicht, aber davon gibt es etwa eintausendzweihundertvierundvierzig im Netz, also muss ich keine mehr schreiben. Viel Freude beim Verschenken an eure Söhne (und Töchter!)