Ausgelesen, nein, ausgeliebt: Mittagsstunde. Von Dörte Hansen.

Es gibt Bücher, die möchte man nach der letzten Seite nicht aus der Hand legen, man streichelt noch einmal sanft über den Einband, blättert liebevoll durch die Seiten, liest hier erneut einen Satz, dort einen Absatz, dann klappt man es wieder zu und lässt es noch ein Weilchen auf den Beinen liegen und überlegt, wann man das letzte Mal ein dermaßen gutes Buch gelesen hat.
So ein Buch ist das hier. Ich würde am liebsten mit lauter Superlativen um mich werfen, aber das hat dieses Buch gar nicht nötig, es kann gut für sich allein sprechen.
Ingwer Feddersen, 47 Jahre, kommt nach langer Zeit zurück in sein Dorf und zurück zu seinen Großeltern, die am Ende ihres Lebens angekommen sind. Der Dorfkrug, seit Jahrzehnten von Großvater Sönke geführt, steht vor dem Aus, eigentlich ist er schon seit Jahren im Aus, genau wie das ganze Dorf. Wann hat der Wandel begonnen? Mit der Flurbereinigung? Oder mit dem Höfesterben? Oder als Ingwer in die Großstadt zog und seine Großeltern zurückließ? Auf jeden Fall hat er jetzt etwas wiedergutzumachen, und so zieht er zurück in sein Dorf.
Es ist eine Geschichte über Wandel, über Verlust und unwiderbringlich Vergangenes, die mit so großer Wärme erzählt wird, dass ich das Gefühl hatte, hier schreibt jemand über etwas, das er sehr liebt. Gleichzeitig habe ich ständig Parallelen zu meinem Dorf und zu meiner Kindheit gezogen und habe vieles wiedererkannt, die kleinen Höfe mit ihren drei Kühen und der Zuckerrübenhäckselmaschine, die alten Gasthöfe mit ihren kühlen Steinböden und den von unzähligen Tanzschuhen glattpolierten Holzböden, die grauhaarigen Frauen mit Kopftüchern und seltsamen Eigenarten, die immer schwarz gekleidet zum Einkaufen kamen. Und all die alten Geschichten aus dem Dorf, die jeder kannte, und die von Generation zu Generation weitererzählt wurden, von Ehebruch und untergeschobenen Kindern, von Kämpfen um Weideland, Auswanderungen und Nothochzeiten. Heute gibt es solche Geschichten nicht mehr, sie haben sich verändert, heute geht es um anderes.
Mittagsstunde erzählt die Geschichte eines Dorfes anhand mehrerer Menschenleben, nicht linear, sondern hin und her schaukelnd, die Sichtweisen ändernd, je nachdem, bei wem man gerade im Kopf ist und zuhört. Und ab und zu kommt das Dorf selbst zu Wort, nicht als Person, sondern als Konstrukt, als eine Ansammlung von Menschen mit ihren verschiedenen Lebenswegen. All das wird sehr liebevoll betrachtet, keine Spur von Herablassung ist zu finden, und die norddeutsche Tiefebene mit ihren schweren Regenschauern, hellblauen Sommern und goldgelben Strohballen taucht vor einem auf, so klar und lebendig, dass man meint, das Stroh und die Kühe riechen zu können. Von Anfang an ist klar, etwas geht gerade zu Ende, und es gibt nichts, was das aufhalten könnte, aber auf eine melancholische Art und Weise ist das in Ordnung, denn es wird etwas Neues kommen, was immer das sein wird. Als kleine helle Fackel zum Schluß gibt es eine Art von Neuanfang, und dann klappt man das Buch zu, seufzt leise und denkt noch einmal an Meta Anna zurück, bei der man Brausebonbons für zwei Pfennig das Stück kaufen konnte, und an das Kartoffelausbuddeln mit Pflaumenkuchen mit Schlagsahne von Oma. All das ist auch dahin, es wird nicht zurückkommen. Aber es war da. Und das ist traurig und wunderbar zugleich.

Ausgelesen: Mam´zelle Esterel, Wundervolle Sommer. Von Zidrou und Jordi Lafebre.

Sommer! Verheißungsvolle Zeit voller Ferien, weitem Himmel und Zitronentarte! So hat der belgische Comiczeichner Pierre Faldèrault sich das vorgestellt, aber dann bekommt er von seinen Schwiegereltern den Renault 4L geschenkt, der so rot ist wie das am Mittelmeer gelegene französische Esterel-Gebirge und von der Familie sofort Mam´zelle Esterel getauft wird. Und so fühlt er sich verpflichtet, gemeinsam mit seinen Schwiegereltern in den Urlaub zu fahren, von Brüssel nach Südfrankreich, und alles kommt etwas anders als gewünscht und ist doch auch schön. Und bleibt unvergesslich.
Wieder ein praller Band voller Sommer und Familie, mit Leid und Glück, Humor und vielen Erinnerungen an die Zeit vor fünfzig Jahren. Frankreich, Belgien und der Sommer: Kann es besser laufen? Am allerbesten ist es, wenn man diesen Band kurz vor dem Urlaub liest oder sogar im Urlaub. Mit Zitronentarte. 😊

Ausgelesen: Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast. Von Christelle Dabos.

Kleine Notiz an mich: Ja, auch zweite Bände einer Trilogie können großartig sein! So geschehen bei diesem Buch. Von Band eins war ich sehr angetan, aber bei Trilogien habe ich oft ein wenig Angst vor Band zwei, oft ist es nämlich nur das in die Länge gezogene Bindeglied zwischen Anfang und Ende. Natürlich ist dieser Band hier auch ein Bindeglied zwischen Anfang und Ende, aber was für eins! Da macht es doch Freude, ein Bindeglied zu lesen! Die Heldin Ophelia arbeitet nun als Vize-Erzählerin am Hof und hofft, sich endlich etwas ausruhen zu können, aber da hat sie sich getäuscht (zum Glück für alle Leserinnen und Leser): Als da sind: Sanduhren, Illusionen, der Pol, Archen, scheinbar verrückte Herrscher, eine eigenwillige, starke Heldin und eine sehr schöne, zurückhaltend erzählte Liebesgeschichte.
Mir hat es wirklich Freude bereitet, dieses Buch zu lesen. Band drei habe ich mittlerweile auch schon durch, er war großartig, ein fulminanter Abschluß, sprühend vor wahnsinnigen Ideen und Handlungswendungen, bei denen einem schwindlig wurde, aber ich werde ihn nicht mehr rezensieren, denn Trilogien sind ja eigentlich ein einziges, sehr, sehr langes Buch. Da muss eine Rezension eigentlich ausreichen. In diesem Fall gab es nun zwei, weil die Bücher wirklich sehr empfehlenswert sind für jeden, der Fantasy mag: Leuchttürme in der weiten Fantasy-Buch-Welt.

Ausgelesen: Eine Leiche wirbelt Staub auf. Von Alan Bradley.

Tja. Was macht man, wenn man eine geniale Hauptfigur erfunden hat, sie durch allerlei skurrile Mordfälle hat schlendern lassen und dann feststellt, dass die Geschichte eigentlich auserzählt ist? Richtig! Man schickt sie an einen neuen Ort mit neuen Figuren, nimmt ihr ihre Sidekicks und guckt mal, was passiert. Flavia passiert, was ihr immer passiert, sie stolpert über eine Leiche, sie monologisiert, denkt Dinge, die ein Mädchen ihres Alters noch nicht denken sollte und verhält sich seltsam. Ihre neue Umgebung, ein Internat in Kanada, macht es ihr allerdings auch leicht, sich seltsam zu verhalten. Das Internat ist nämlich noch viel seltsamer als sie, da wirkt Flavia dagegen fast schon vernünftig. Die Geschichte ist auch seltsam, sie verstrickt und verheddert sich immer mehr mit jeder neuen Seite, dazu kommen Geheimagentenspiele, niemand spricht mit niemandem, alle sind misstrauisch und es bleibt die Frage: Warum um alles in der Welt schickt eine Familie ihr Kind alleine nach Kanada in ein Internat?
Und trotzdem hat er mich wieder um den Finger gewickelt, der Autor, echt jetzt. Wenn Flavia dort geblieben wäre, wo ich sie schon kannte, in ihrem Dorf, bei ihren Schwestern und ihrem ebenfalls seltsam abwesenden Vater, dann hätte ich das Buch wohl nicht gelesen. Vermutlich werde ich die weiteren Bände der Reihe auch nicht weiterlesen, denn wie oben schon gesagt, eigentlich ist die Reihe auserzählt. Wenn der Autor nicht gestattet, dass Flavia sich weiterentwickelt und älter werden darf, kann es nur immer abstruser werden, zumindest, wenn er so weiterschreibt wie bisher. Für vier Bücher hat das gereicht, das fünfte war schon etwas ausgeleiert, das sechste hat funktioniert, weil es an einem anderen Ort spielt. Aber immerhin: Es hat funktioniert. Flavia hat einen Mord aufgeklärt, eine Freundin gefunden (naja, fast), festgestellt, sie ist nicht die allein Seltsame und darf wieder zurück nach England. Was will man mehr?

Ausgelesen: Crazy Rich Asians. Von Kevin Kwan.

Rachel ist verliebt in Nick und Nick ist verliebt in Rachel, beide leben glücklich und zufrieden in New York. Soweit ist alles gut, aber dann will Nick Rachel seiner Familie vorstellen, die in Singapur lebt. Es stellt sich heraus, dass Nicks Familie reich ist, sehr, sehr reich, verrückt reich, und dummerweise auch mit allerlei Marotten ausgestattet ist. Wenn alles möglich ist, was macht man damit? Ist man glücklicher, sorgenfreier, unbeschwerter? Nun ja. Einerseits schon. Andererseit sind auch sehr, sehr reiche Menschen nur Menschen, und wer keine Probleme hat, macht sich welche. Und so beginnt ein doppelbödiges Intrigenspiel, in dem jeder seine Ziele verfolgt und während Märchenhochzeiten geplant werden, fliegt man kurz nach Paris oder Hongkong, um shoppen zu gehen.
Ich habe das Buch mit großem Vergnügen gelesen, hatte immer mal wieder kurz Schnappatmung, weil das Verhalten der Buchprotagonisten tatsächlich so unglaublich ist, dass man es kaum glauben kann. Geheime Häuser in öffentlichen Parks, quasi nichtexistente Superreiche, die dafür sorgen, dass sie niemals irgendwo in der Öffentlichkeit erwähnt werden, weil ihnen die Zeitungen, Fernsehsender und halb auch die Regierungen gehören, Junggesellinnenpartys mit verschenkter Designermode frisch vom Laufsteg, um die sich fast geprügelt wird, und dazwischen Rachel als Hauptfigur, der dauernd der Mund offenstehen bleibt. Unfassbar, das alles, doch die Realität soll noch viel ausufernder sein. Band zwei und drei habe ich ebenfalls gelesen und auch die waren gut, aber Band eins ist wirklich empfehlenswert, der Aha-Effekt macht wirklich großen Spaß. Nebenbei lernt man auch noch viel über Singapur und die asiatische Welt. Also über die gehobene asiatische Welt. Der kleine Mann (oder die kleine Frau) kommt im Buch eher nicht vor.
Die Verfilmung kann ich nicht empfehlen, von all der Ironie, dem Sarkasmus und den kleinen Bösartigkeiten bleibt dort nicht viel übrig, die Geschichte wird zur Liebeskomödie eingestampft. Allerdings: Wer gut aussehende Menschen in einer Liebeskomödie mag, der sollte sich den Film doch ansehen. 😉

Ausgelesen: Spirou in Berlin. Von Flix.

Ich liebe Comics. Frankobelgische Comics gehören zu den Besten, und Spirou ist eine Legende. Wer die Ehre bekommt, eine solch legendäre Serie fortzusetzen, dem sollten also die Knie flattern, vor allem, weil viele solcher Fortsetzungen mit anderen Autoren schon legendär gescheitert sind.
Hier kommt also Flix, erhält den Auftrag und zeichnet um sein Leben, und was soll ich sagen? Absolut gelungen! Eine perfekte Fortsetzung! Eigene neue Ideen dazu beigesteuert, die das ganze beleben und bunter machen! Trotzdem den Geist der Vorlage getroffen und viele Fans sehr glücklich gemacht. Chapeaux! Mir hat wirklich alles gefallen, die Zeichnungen, die eigenständig und trotzdem nah am Original sind, die Farben, die zur jeweiligen Szenerie passen und auch die Geschichte, die 1989 in der DDR spielt und jede Menge Capriolen schlägt und auch ernste Töne hat.
Wer seinen Kindern eine Freude machen will und auch selber gern in Comics blättert, hat hier eine wunderbare Möglichkeit, beides auszuleben.

Ausgelesen: Gute Geister. Von Kathryn Stockett.

Zu diesem Buch brauche ich eigentlich nichts mehr zu schreiben, es ist so oft besprochen worden, begeistert gelobt und verfilmt worden, das spricht für sich. Aber trotzdem: Man kann es gar nicht oft genug empfehlen. Lest es, Leute! Es ist wunderbar geschrieben, spannender als jeder Krimi, der Inhalt verschlägt einem den Atem und nach der Lektüre weiß man ganz genau, warum jede Rassendiskriminierung ausgemerzt gehört. Und warum jeder Mensch jede Toilette auf dieser Welt benutzen müssen darf.
Den Film dazu kann ich ebenfalls sehr empfehlen, die Verfilmung ist großartig, hält sich sehr eng ans Buch (was gäbe es da auch zu verbessern) und die Schauspielerinnen sind einfach nur gut.

Ausgelesen: Erdennah. Von Andreas Noga.

Hier haben wir ein kleines Gedichtbändchen mit ganz, ganz wunderbaren sehr kurzen Gedichten rund um das Thema Gott und Glaube. Es ist sowohl von innen als auch von außen sehr schön gestaltet, mit Lesebändchen und einfarbigen, bunten Innenseiten, Titel und Rückseite sind silbern geprägt. Innen gibt es außer den Gedichten auf das Wesentliche reduzierte Zeichnungen von Eberhard Münch.
Wer sich mit Gott beschäftigt, hat mit Sicherheit viele Fragen (also ich zumindest), und die finden sich in Gedichtform in Erdennah wieder. Kurz, knapp und klug werden Lebensfragen, Hoffnungen und Sehnsüchte zu Satzfragmenten geformt, die voller Inhalt stecken und von denen man jedes als Tagesmotto verwenden könnte.
Ich habe sie sehr gern gelesen und werde sie mit Sicherheit auch noch öfter lesen. Der Autor ist übrigens auch auf instagram aktiv: andreas_noga.

Ausgelesen: Das Revier der schrägen Vögel. Von Sophie Hénaff.

Dieser französische Krimi ist der zweite Band der Serie, und er fängt vielversprechend an: Ein neuer Polizist stösst zum Kommando Abstellgleis hinzu, der Truppe, die aus ausrangierten Polizisten besteht, die in keinem normalen Team mehr gewollt sind. Der Neue hält sich für d´Artagnan, den Musketier aus dem Roman von Alexandre Dumas, und wie er sich verhält und manchmal daran verzweifelt, dass niemand ihm glauben will, dass er d´Artagnan ist, allein das wäre schon einen eigenen Roman wert. Ansonsten wird sehr französisch und sehr eigenwillig ermittelt, ob es der Truppe nun erlaubt ist oder nicht, und wo ich mich bei normalen Krimis manchmal ein bisschen langweile, weil die Ermittlungsarbeit sich zieht und zieht, gibt es hier immer wieder kleine skurrile Momente, wenn die Ermittler von ihren Macken verfolgt werden – oder verfolgen die Macken sie?
Ich habe Das Revier der schrägen Vögel sehr gern gelesen. Band drei dagegen, naja, das ist ein eigenes Kapitel.

Ausgelesen und inspiriert worden: Verrückt nach Karten. Hrsg. von Huw Lewis-Jones

Heute ist der Tag des Buches, und ich habe das perfekte Buch, um den Tag gebührend zu feiern: Verrückt nach Karten!
Wer kennt sie nicht, die Karten der imaginären Orte und Länder, die sich uns gleich vorstellen werden, wenn wir das Buch zum ersten Mal bei Kapitel 1 aufschlagen. Oft sind sie auf dem Vorsatzblatt gedruckt, manchmal am Ende des Buches (wo sie meiner Meinung nach nicht hingehören) und ganz selten ist dem Buch eine separate Karte beigelegt, die man auffalten kann. Die liebe ich am meisten. Bevor man sich in die Geschichte hineinbegibt, ist die Karte noch eine große Unbekannte, eine Ansammlung seltsamer Namen und Orte, manchmal gibt es ein „X“ mitten in einem Kontinent, und man weiß, aha, da ist etwas passiert oder es wird noch passieren. Im Großen und Ganzen betrachtet man die Karte recht ungerührt, sie hat sich uns noch nicht vertraut gemacht. 😊
Aber dann! Dann fängt man an zu lesen, und auf einmal erschließt sich einem der erste Ort auf der Karte und er ist nicht mehr nur ein Name, er hat jetzt eine Geschichte und Menschen (oder Tiere oder andere Wesen), die da wohnen, man weiß, ob es oft regnet oder ob es heiß dort ist, und wenn dieser Ort sich so hochinteressant füllt, wie mag es dann erst an den anderen Orten auf der Karte zugehen?
So füllt die Karte sich immer mehr mit Leben an und man verfolgt immer wieder die Wege und Strecken, die die Protagonisten in ihren Welten zurücklegen, sie bekommen Konturen und laufen nicht mehr in einem nebulösen Niemandsland herum, denn man hat ja die Karte!

Meine allererste Karte war die Mittelerde-Karte, die dem ersten Band des Herrn der Ringe beigelegt war. Das Auenland schien mir im Buch riesengroß zu sein, auf der Karte war es winzig, und ich bekam eine Ahnung davon, was da noch alles passieren würde. Diese Karte wurde immer und immer wieder ausgebreitet und ich verfolgte genau, wo die Helden sich gerade aufhielten. Meiner Meinung nach hätte die Karte ruhig noch sehr viel detaillierter sein können, manchmal verlor ich die Helden aus den Augen, was mich sehr beunruhigte: Was, wenn sie verloren gegangen waren? Wer würde den Ring weiterbringen? Aber sie fanden immer wieder zurück.

Eine weitere Lieblingskarte war die aus Pu der Bär. Der Hundertmorgenwald, wo die Eule wohnt, die Falle für Heffalumps und wo es zum Nordpol geht – ach! So eine schöne kleine Karte! Auch die Schatzinselkarte von Robert Louis Stevensons Die Schatzinsel hat mich fasziniert. Es wäre so viel schwieriger gewesen, die Wege der Piraten zu verfolgen und all die Dramen richtig einzuordnen, wenn es da keine Karte gegeben hätte. Das könnte ich im Übrigen auch mal wieder lesen, das Buch.

Ich bin also ein Kartenfreak, und ich bin es gerne. Und dann kommt da so ein riesiger Bildband, in dem es nur um Karten geht! Das Paradies (von dem ich auch gern eine Karte hätte, nur so, aus Interesse)! Dieses Buch ist eine Fundgrube für Leser und Kartenliebhaber, so gut wie jede bekannte Klassikerkarte ist vertreten, mit jeder Menge Essays und Texten von Zeichnern und Autoren über Zeichner und Autoren: Mittelerde, Narnia, Nimmerland, Utopia, London, Konstantinopel, die Karte des Rumtreibers und U-Bahn-Pläne.


Man erfährt, wie und warum Karten entstanden sind, wer sie gezeichnet hat und wo sie eingesetzt werden. Das Buch strotzt nur so vor Informationen und vor allem: Karten. Sie sind in Farbe, beiseitig und einseitig gedruckt, und jedes Mal beim Umblättern denkt man vorfreudig: Na? Na? 😊 Und dann ist da schon wieder eine Welt vor einem, die man noch nicht kennt. Der Herausgeber hat vor allem im englischsprachigen Raum gesammelt und daher sind eine Menge Bücher und Klassiker dabei, die im deutschsprachigen Raum nicht sehr verbreitet sind, aber mich hat das nicht gestört. Es ist ein bisschen, wie jemandem zuzuhören, der von etwas schwärmt, das man noch nicht kennt: Es macht sehr neugierig, was ja nicht das schlechteste ist. Das Buch ist ziemlich teuer, daran führt kein Weg vorbei, aber so einen Wälzer kann man auch nicht für 9,99 Euro produzieren, vor allem, weil er vermutlich nur eine begrenzte Leserschaft finden wird. Wer Karten liebt, wird dieses Buch lieben! Und wird inspiriert! Ich bin auf jeden Fall tätig geworden. Mit „Klick-auf-das-Bild“ wird meine ganz persönliche Karte vergrößert. Wer findet den Weg des Marders? 😊