Ausgelesen im Januar und Februar: Diverse.

Mein Leseleben der vergangenen Wochen kurz zusammengefasst – manchmal
gibt´s nicht soviel zu sagen über ein Buch. Manchmal gibt es auch gar nichts zu sagen. Die Bücher tauchen hier dann gar nicht erst auf. Los geht´s!

Neue Vahr Süd von Sven Regener.

Davon hatte ich viel gehört, und Herr Lehmann habe ich versucht zu lesen und bin gescheitert. Das ist mir jetzt zum zweiten Mal mit einem Buch von Sven Regener passiert, und obwohl ich seine Band Element of Crime sehr liebe und die Songs in Dauerschleife hören kann, werde ich mit seinen Büchern nicht warm. Viele finden ihn ja sehr lustig – ich finde ihn eher melancholisch und hart an der Grenze zur Hoffnungslosigkeit. Herr Regener beschreibt das Leben, wie es ist und vermutlich oft auch genau so abläuft, all die Schleifengedanken, die Selbstrechtfertigungen, all die Dinge, dich sich aus den Alltäglichkeiten erst ergeben oder verändern, das ist akribisch festgehalten, aber ich – ich möchte das nicht lesen. Bis zur Hälfte habe ich mich durchgekämpft und dann aufgegeben.

Stimmen von U, Poznanski

Ein schöner dritter Band der Reihe um die beiden Ermittler Kaspary & Wenninger. Ein Mord passiert in der psychiatrischen Abteilung des Klinikums Salzburg-Nord, und zwischen den Menschen dieser Abteilung zu ermitteln ist eine besondere Herausforderung – welche gehörten Stimmen sind echt und welche nicht? Auch privat gibt es in diesem Band einige neue Entwicklungen. Auf gewohnt hohem Niveau schreibt U. Poznanski ihre Reihe fort, es ist spannend und den beiden Ermittlern gönnt man jedes bisschen Glück. Mein einziges Manko sind die etwas seltsamen Alleingänge von  Beatrice Kaspary, sie müsste es wirklich mittlerweile besser wissen, aber die Handlung braucht sie vermutlich für die dramaturgische Entwicklung. Ich kann damit leben, ich darf nur nicht zu lange drüber nachdenken.

Ich, Eleanor Oliphant von Gail Honeyman

Eleanor lebt ein unauffälliges Leben, das sich zwischen Wohnung und Arbeit abspielt. Sie scheint zufrieden damit zu sein, aber der Leser bemerkt sehr schnell, dass es da seltsame Diskrepanzen gibt zwischen dem, was Eleanor sich selbst sagt und dem, was die anderen über sie sagen. Das Buch ist konsequent aus Eleanors Sicht erzählt, und das ist der Autorin sehr gut gelungen. Sie fühlt sich in Eleanors Gedankenwelt perfekt ein und kann uns sehr gut vermitteln, warum ihre Protagonistin so ist, wie sie ist. Ich habe das Buch die ersten zwei Drittel über sehr gemocht, im letzten Drittel fing ich an, es etwas gezwungen zu finden, und das Ende ist – ja, ein Ende halt. Meine Begeisterung hält sich in Grenzen. Schlecht ist das Buch deswegen nicht, aber ich hätte mir ein anderes Ende gewünscht, eines, das mehr zu den ersten zwei Dritteln des Buches gepasst hätte. Aber vielleicht jammere ich hier auch nur auf hohem Niveau.

Ein alter Traum von Liebe von Nuala O´Faolain

Aus diesem Buch habe ich sehr viel über die irische Hungersnot 1848 gelernt, was sie für das Land und die Iren bedeutet hat und wie sie bis heute nachwirkt, was angesichts der verstrichenen Zeit eigentlich unglaublich ist. Auch über das Verhältnis zwischen Iren und Briten habe ich viel gelernt. Für mich gab es da vorher gar keinen großen Unterschied – Großbritannien, Irland, gleich nebeneinander, beides Inseln, beide sprechen Englisch, nur durch die Irische See getrennt – ich war ganz schön ignorant. Die Unterschiede sind riesig, das Selbstverständnis beider Nationen ist definitiv nicht dasselbe, und obwohl viele Iren in Großbritannien arbeiten, sind sie doch sehr unterschiedliche Nationen mit einer schmerzlichen gemeinsamen Vergangenheit. Außerdem beschreibt die Autorin ihre Sicht auf die Liebe in langen, manchmal quälenden Abschnitten und lässt ihre Protagonistin als Irin und einsame Wanderin zwischen den Welten ganz schön leiden. Ein schönes aber anstrengendes Buch.

 

Ausgelesen: Das Mädchen mit den gläsernen Füßen. Von Ali Shaw.

Ach, und es fing so gut an. Als ich dieses Buch in der Bibliothek entdeckte, dachte ich: Oh! Was für ein schönes Buch! Warum habe ich das denn noch nie vorher gesehen? Und als ich die ersten Seiten las, dachte ich: Oh! Das fängt aber gut an! Schöne Sprache, spannender Anfang, wie geht´s weiter? Und ich habe es mitgenommen.

Zuhause dann überkam mich eine leichte Skepsis, das Buch und ich haben uns gegenseitig kritisch angeguckt, irgendwie wurden wir nicht miteinander warm. Dann habe ich es schließlich doch weitergelesen. Die Sprache: Weiterhin traumhaft schön, der Autor webt mit seinen poetisch verhangenen Sätzen eine graue, vernebelte Inselgruppe, auf der es entweder eiskalt ist oder regnet, und selbst wenn die Sonne scheint, wird es niemals warm, weder innerlich noch äußerlich. Ida, eine der beiden Hauptpersonen, ist es ebenfalls kalt ums Herz, sie hat ein angsteinflößendes Geheimnis, das sie auf St. Hauda´s Land ergründen will – ihre Füße werden zu Glas. Bei der Suche nach einem geheimnisvollen Mann, der ihr vielleicht helfen könnte, trifft sie Midas, einen introvertierten jungen Mann, der die Welt lieber durch den Sucher seiner analogen Kamera sieht als direkt und als Aushilfe in einem Blumenladen arbeitet. Langsam und mit Hindernissen freunden sie sich an, bis es Liebe wird. Aber Idas Glas wächst weiter…

(Achtung, Spoiler!)

Soweit, sogut. Gestört hat mich im Laufe des Lesens, dass das Buch auf der Stelle tritt. Es ist immer alles dunkel, der Nebel ist überall, das Glas wächst unaufhaltsam weiter, niemand kann helfen, alle sind in ihre eigenen Schwierigkeiten verstrickt, je mehr aufgedeckt wird, desto schlimmer wird es. Man könnte beim Lesen glatt in eine Depression verfallen. Und das Ende! Grauenhaft! Ich weiß, es kann nicht immer und überall ein Happy End geben, aber so??? Puh. Ich meine, Autoren sind natürlich immer und überall frei zu tun, was sie tun müssen, aber der Leser hat auch das Recht, sauer zu werden. Und das war ich. Meine Güte, wer so schön schreiben kann, könnte dem Leser doch zumindest ein kleines Fünkchen Hoffnung lassen, oder? Nichts da. In diesem Buch gibt es zwar völlig grundlos wundervolle, geflügelte Ministiere, aber null Hoffnung. Ich merke gerade, ich bin immer noch sauer, auch wenn es schon ein bisschen her ist, dass ich das Buch gelesen habe. Der Gerechtigkeit halber muss ich noch erwähnen, dass Midas sich doch weiterentwickelt und es schafft, zumindest halbwegs neue Wege zu gehen. Aber das hat mich nicht sonderlich getröstet.

Also. Wir haben hier ein Buch, geschrieben in sehr schöner, traumverlorener Sprache, die wunderbare schwarz-weiß-graue Bilder malt, eine schöne, phantasievolle Geschichte, die allerdings teilweise auf der Stelle tritt, depressive Schübe auslöst und definitiv kein Happy-End hat. Wer es lesen will, lese es. Ich habe ihn gewarnt.

So ein schönes Cover… tja.

 

Ausgelesen: Darkmouth – Der Legendenjäger. Von Shane Hegarty.

Es hat Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen – es ist locker und lustig mit viel Selbstironie geschrieben und eigentlich wohl hauptsächlich für jüngere, männliche Leser geschrieben. Aber he! Warum sollen die allein den ganzen Spaß haben?? Nix da!
Es geht um Finn, dessen Vater einen eher ungewöhnlichen Job hat: Er jagd Legenden. Und er erwartet von seinem Sohn, dass er sein Geschäft übernimmt – eher früher als später. Sehr viel früher, genaugenommen. Finn ist davon allerdings weniger begeistert. Hier der erste Satz des kurzweiligen Spektakels:
„Als er später darüber nachdachte, machte Finn diesen Morgen als den Zeitpunkt aus, an dem die Dinge begannen, so richtig aus dem Ruder zu laufen.“
Und dann geht es los! Auch hier ist das der erste Band einer Trilogie, aber ich konnte gut mit dem (vorläufigen) Ende leben. Vielen Dank fürs Ausleihen!

p1010715