Mai

Mai

der Schöne
Grün dehnt sich
Bäume explodieren
Fliederwolken rauschen
verlassene Innenräume
alle Türen offen
verschwunden die gläsernen Trennwände
wir suchen Liegestühle
seufzen leise
farbbetrunken
duftberauscht

Falsche Frage

Du fragst: War´s das wert?
Oder lebten wir verkehrt?
Aus neu wird immer alt.
Vergangenheit verhallt.
Ich lächle. Ist das wichtig?
Das Jetzt zählt. Und das ist richtig.

du stellst dich auf deine Füße und gehst

du stellst dich auf deine Füße und gehst

hinter dir:
Lieblingswege
Frühstückstischgelächter
gemütliches Vertrautsein
bekannte Geschichten
Familienrituale
Herzensfreundinnen
die ein oder andere Träne
vermisst werden
liebevolle Gedanken
gute Wünsche, ungezählt

vor dir:
aufregende Wege
andere Gesichter am Frühstückstisch
langsames vertraut werden
unbekannte Geschichten
Heimweh in allen Facetten
das Zähmen von neuen Freunden (sagte der Fuchs)
lose Enden
bunte Welten
frische Aufgaben
Entdeckungen in dir
erwachsen werden
das Aroma von Freiheit

bei dir:
das Wissen um die Einmaligkeit all dessen
außerdem
alle guten Wünsche
und der,
der immer bei dir ist
und dessen Hände
dich halten

(für Anne)

April

April

kapriziöser Star
ein Schritt vor zwei zurück
kostet die Tage voll aus
spielt mit uns
wir kennen die Regeln
und werden betrogen
fügen uns offenen Auges
in den Pupillen
spiegeln sich Sommerversprechen

Sing!

Sing!

Deine Stimme
nicht schöner
nicht lauter
nicht wichtiger
als andere
aber nötig

wenn du singst
weht ein Faden
aus rosa Pastell
durch die Luft
verschlingt
verzwirbelt
verwebt sich
mit anderen
zu einem vielfarbigen Akkord

das Geschenk
das du bekamst
nutze es
gib nicht auf
nur du
hast den Faden
aus rosa Pastell

Sing!

Neffen-Telefonat (4 Jahre)

Du erzählst mir deinen Tag
nichts ist selbstverständlich
aber das ist normal
alles ist ein Wunder
aber Wunder sind selbstverständlich
du lachst über meinen Unverstand
ich bin glücklich

März

Tauwetter
auf der Fensterbank
narzissengelbe Hoffung
zerbrechlicher Frühling
wir schütteln die Winterstarre ab
ahnen das Jahr
ducken uns zwischen letzten Schneeflocken
die Augen unbeirrt auf erste Knospen gerichtet