Wattrausch

das Watt
es schmatzt
und schmotzt
es plitscht
und zischt
und blubbert
und schubbert
es quillt
und chillt
und schlammt
und schlonzt
es tropft
und spotzt
und kühlt
und spült
es salzt
und tanzt
und es kommt
oh wie es kommt
das Meer

Urlaubsende-Blues (dramatisch)

(zu singen, während eine melancholische Mundharmonika in Moll leise seufzt)

Oh, es ist hart, und so schwer, so schwer,
nun sind sie vorbei, die schönen, endlosen Tage,
der Sonnenschein ausverkauft,
das blaue Meer vertrocknet.

Oh, es ist hart, und so schwer, so schwer,
mein Herz wie Stein,
ein öder, trockener Brocken,
das Urlaubsende ist nah.

Wolken hängen tiefschwarz,
müde trommelt der Regen,
leise weint der Wind
in meinem verzagten Herzen.

Vorbei all die prachtvolle Zeit,
sie schwand wie flüssiger Treibsand,
schlang alles, alles hinunter,
Mondnächte, seliges Ausschlafen, Morgendämmerung.

Ich stand am Rand, rang die Hände,
wollte retten, bewahren, aufhalten,
doch ach! nichts blieb vom freien Leben
und morgen dräut das Arbeitsjahr.

Oh, es ist hart, und so schwer, so schwer,
mein Herz wie Stein,
ein öder, trockener Brocken,
das Urlaubsende ist nah…

(unbegrenzt fortzuführen bei leisen, trostlosen Mundharmonika-Klängen in Moll)

🙂

 

September

der Goldene
zwischen Hell und Dunkel
webt er seidene Brücken
zieht uns sanft voran
kein Weg zurück
die Taschen voller süßer Birnen
wenden wir den Blick
nach vorn
im Rücken Sommerwärme

Zweckfreiheit

Es lebe der Grünblick!
der in violetten Pagoden
hüpfende Engel erschafft

Jubel! für die knisternde Stille
die zwischen silbernen Schleiern
spinnwebfeine Symphonien durchsingt

Hurra! auf die Sinnfreiheit
die leise kichernd
unablässig frische Gedanken aussät

Es lebe der Grünblick!
das blaue Glück der Zweckfreiheit
und all das kleine Gewimmel dazwischen

Wer mir sagen kann, was das auf dem Bild da bedeutet, gewinnt drei goldene Sternchen!

Die absurden Gedichte sind die, die am meisten Spaß machen beim Schreiben… 🙂

Experimentelles Gedichteschreiben

Und dann bekamen wir den Schellenengel von Paul Klee vorgelegt und ich war entzückt.

So einfach! So klar! So wenige Linien, aber alles da, was man braucht! Und gleichzeitig trotz der Einfachheit komplex und vieldeutig. Der Mann hat es wirklich drauf gehabt, keine Frage. Wir wurden also aufgefordert, einen kleinen Text dazu zu schreiben und danach die Figur mit Farbe und Mut zu unserer Figur zu machen. Hier mein Endergebnis.

August

August

langsamer Abstieg
zufriedene Stille
schläfrige Tage
Laubteppiche rollen sich aus
mit Zwetschgen
Mirabellen
und Apfelmustern
Wespen summen im vergorenen Obst
Sonnenflecken spielen verstecken
mit dem Herbst

Juli II

Vollendung
Sonnensehnsuchtsziel
Regen ausgeschlossen
Letztjahresmuscheln rauschen am Ohr
Verkehrslärm wie Meeresbrandung
unter den Fußsohlen heißer Asphalt
wäre es doch Sand
warm rönne er durch die Finger
und Zehen
Aufbruch
immer dem Möwengeschrei hinterher