wenn alles Lebendige schweigt

Wenn die Abende kalt,
und die Morgende dunkel sind,
und alles Lebendige schweigt,
betrachte ich die Weihnachtsgaben,
die ihr mir schenktet,
kleine, große, bunte,
sie sind hier, bei mir,
und wärmen besser
als viele Feuer
und zwei Paar Socken.
Ich hülle mich ein in sie
wie in einen Mantel,
und auch,
wenn alles Lebendige schweigt,
höre ich sie wispern
von Verbundenheit, Treue,
und manchmal sogar von Liebe.

Der Dienstag dichtet!  
Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch WortgeflumselkritzelkramMutigerlebenWerner KastensFindevogel, die Nachtwandlerin, Lindasxstories, Myriade, Gedankenweberei, 
Emma Escamilla, Wortverdreher und Lebensbetrunken, der BerlinAutor, Vienna BliaBlaBlub, Heidimarias kleine Welt und Traumspruch sind mit von der Partie. Viel Freude an so viel geballter Kreativität!

Herr Miesling und das Fest

Herr Miesling und das Fest

Herr Miesling hat schlechte Laune. Weihnachten rückt immer näher, und diese Tage sind sind nicht gerade seine Lieblingszeit im Jahr. Waren es noch nie. Außerdem regnet es die ganze Zeit. Oder die Stadt ertrinkt in grauer Nebelsuppe, und wenn die weg ist, regnet es wieder. Ärgerlich kickt Herr Miesling einen kleinen Stein vom Gehweg. Die letzten Heiligabende hat er bei Siggi in der Kneipe verbracht, aber nicht mal das darf man mehr. Die Kneipe ist schon seit Wochen geschlossen. Dieses blöde Corona! Langsam ist er es leid. Mit einem tiefen Seufzer bleibt er auf dem Gehweg stehen, zieht die Schultern hoch und guckt nach oben. Kein einziger Stern schafft es durch den Nebel, nur eine einsame Lichterkette blinkt rot-blau-weiß in einem Fenster vor sich hin. Lichterketten! Sein Engel hat ihn praktisch gezwungen, so ein Ding im Second-Hand-Shop zu kaufen, und nun blinken bei ihm zu Hause zwanzig Plastikrentiere auf dem Küchentisch. Was solls. Da braucht er das Deckenlicht nicht einzuschalten, das spart Strom.
Herr Miesling lässt die Schultern sinken und setzt sich schlurfend wieder in Bewegung, als sein Engel ihn am Arm zieht. „Was is?“ fragt Herr Miesling ungehalten. Auf so einen dämlichen Engelkram hat er jetzt wirklich keine Lust. Sein Engel zeigt auf einen grauen Plastiksack, der neben einer Mülltonne auf der anderen Straßenseite steht. Oben aus dem Sack gucken Tannenzweige heraus. Herr Miesling spitzt den Mund, dreht sich nach links und rechts und überquert die Straße. Prüfend befühlt er die Zweige. Sie sind frisch und sehr pieksig. Blautanne. Weiter unten im Sack erahnt er Efeu, Wacholder könnte auch drin sein. Da hat jemand in seinem Garten aufgeräumt. „Das is dann wohl unsers, was?“ flüstert er seinem Engel zu, hebt den Sack auf seinen Rücken und macht sich davon, so schnell er kann.
Vor der Kneipe setzt er den Sack auf den Boden und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Ganz schön schwer, so´n bisschen Grünzeug! Er setzt seinen Zeigefinger auf die Klingel und läutet. Es ist ein triumphales Läuten.
„Werner! Was machst´n für´n Lärm! Nimm deinen Finger von der Klingel!“ Siggi beugt sich aus seinem Fenster über der Kneipe. „Was haste denn da neben dir? Ne Leiche im Sack?“ Er kichert, dann setzt er seine Brille auf, guckt noch einmal und strahlt plötzlich. „Sach nich, du hast Grünzeug gefunden! Das is ja´n Ding! Die Frau wird Augen machen!“
Herr Miesling guckt stolz auf seinen grauen Tannenzweigsack. „Der stand da einfach so rum. Sollte in den Müll, da dachte ich, ich bring ihn lieber zu dir.“
„Warte, ich komm runter.“ Siggi verschwindet aus dem Fenster und taucht eine Minute später in der Kneipentür auf. „Das is toll. Da kann die Frau doch noch diesen Weihnachtstüdel machen. Willste auch eins? Macht sich nett auf dem Küchentisch. Legste noch ne Lichterkette drüber, fertich.“
Herr Miesling überlegt. Sein Engel stößt ihn in die Seite. „Wennde eins über hast…“
„Klar! Du bist doch der Lieferant! Sach mal, Werner… „, Siggi druckst verlegen herum, „wir ham ja zu, und es is ganz schön einsam ohne euch alle, sach ich dir. Haste nich Lust, Heiligabend zu uns zu kommen? Die Frau macht Kartoffelsalat mit Würstchen, aber nur zu zweit, das is irgendwie komisch. Zwei Haushalte dürfen ja zusammen!“ Er schaut Herrn Miesling fragend an.
In Herrn Mieslings Brust wird es ganz warm. „Och, ja, warum nicht…“ murmelt er und versucht, nicht zu glücklich auszusehen. „Ich, äh, ich hab ja sonst nichts vor.“
„Super!“ Siggi klopft Herrn Miesling auf den Rücken. „Gott, bin ich erleichtert! Nur die Frau und ich, an Weihnachten alleine, das is nix, wir kriegen uns nur in die Haare. Dann sehen wir uns Heiligabend um fünf!“ Er nimmt den Sack und geht zur Tür. „Und morgen kommste vorbei und holst dein Tannendings ab, hörste?“
Herr Miesling nickt. Er sieht zu, wie Siggi hinter der Tür verschwindet. Dann dreht er sich um und macht sich auf den Weg. Sein Engel hakt ihn unter. Gemeinsam schaukeln sie unter den Lichtkegeln der Straßenlaternen nach Haus.

24. Dezember

Finale! Heiligabend! Obwohl es zur Zeit noch Heiligmorgen heißen müsste. Der Tag startet langsam, die Helligkeit lässt sich Zeit, wie das Weihnachtsgefühl, das sich auch nicht drängen lässt. Es hat seinen eigenen Rhythmus. Genug der Philosophie, wo ist das heutige Päckchen?

Es glänzt golden und besitzt seinen eigenen Stern! Wenn das nicht verheißungsvoll ist!

Meine Adventsbegleiter gucken andächtig. Heute morgen sind sie ganz friedlich, auch wenn Neun vorhin schon wieder im Kaffeesalz herumgeknurpst hat. Und was ist drin im 24. Päckchen?

Oh! Ein Engel mit Botschaft! Mein Adventsbegleiter staunt, dieser Engel hat eindeutig mehr heilige Anteile als er. Allerdings hat Neun weniger Berührungsängste, ich habe gerade die Wörter „Tannenbaum“, „schaukeln“ und „Spiegelkugeln“ gehört und keinerlei Widerspruch vernommen. Vermutlich wird er ihm auch das Kaffeesalz schmackhaft machen.

Vorher wünschen meine Adventsbegleiter und ich euch allen da draußen aber noch ein friedliches Weihnachtsfest. Mit wie vielen ihr auch zusammen seid, man kann immer eine Mandarine pellen und sich über ihren Duft freuen. Einen schönen Film gucken. Einen Spaziergang machen und Tannenbäume zählen. Vielleicht die ein oder andere Bitte nach oben schicken. Fürchtet euch nicht! Selten war dieser Rat (zumindest in Deutschland) wichtiger als dieses Jahr. Fröhliche Weihnachten!

23. Dezember

Heute morgen vor dem Klingeln des Weckers aufgewacht. WEIT vor dem Klingeln. Gähn. Der Tag beginnt sehr dunkel, gestern wurde für unsere Region doch tatsächlich die Möglichkeit von Schneeregen angekündigt. Wir werden sehen, wie sich das weiter entwickelt, Neun ist auf jeden Fall schon draußen und hält Ausschau nach Schnee. So. Das heutige Päckchen ist sehr, sehr leicht.

Was mag da wohl drin sein?

Mein Adventsbegleiter ist entzückt! Ein Tannenbaum in seiner Größe! Und geschmückt ist er auch schon! Obwohl obendrauf irgendwie noch was fehlt… hmmm… wir gucken mal.

Wenn der Baum die richtige Größe hat, fühlt man sich gleich viel richtiger. Und verstecken kann man sich trotzdem!
Sogar der Schmuck tut, was er soll: Funkeln. Die richtige Größe haben. Einen Hauch von Nordpol verbreiten…

22. Dezember

Heute gibt es ein leuchtendes Päckchen, es strahlt geradezu. Rot ist toll. Mein Adventsbegleiter suhlt sich in der Farbe, außerdem passt es perfekt zu seinem weißen Outfit und zu seinen Flügeln, und ein bisschen eitel sind wir ja alle, oder?

Sodele. Ich überlege gerade, ob ich zukünftig auf rote Butterbrottüten umsteigen sollte… hmmm… egal. Zurück zum Wesentlichen: Was war denn nun drin?

Kekse! 🍪😊 Und ein Gewürz für Milchtee, Chai Masala! Ach ja, ich werde diesen Morgenstart sehr vermissen… Mein Engel hat beschlossen, dass Kaffee am Morgen durchaus durch Milchtee ersetzt werden kann. Man soll ja offen für Neues bleiben.

Neun! Raus aus den Keksen! Die werden gerecht geteilt, und das bedeutet nicht, dass du alle und wir nur die Krümel bekommen! Ts-ts.

21. Dezember

Noch drei Tage. Der Morgen ist heute einer von den Eiligen, er rast vorbei wie nix. Das heutige Päckchen ist klein und sehr leicht. Interessant.

Endlich eins, über das der Adventsbegleiter drüber gucken kann! Und was war drin?

Zwei Schneeklammermänner! Die werden sich dieses Jahr an meinem Tannenbaum festklammern! Sie scheinen gut gelaunt zu sein, das kommt gerade sehr gelegen.

20. Dezember

4. Advent! Das heutige Päckchen ist riesig, es passt kaum auf meinen Frühstückstisch, mein Engel muss sich wie ein Winzling vorkommen. Naja. Er ist ja auch einer. 😊

Und was war in diesem Riesenpäckchen drin? Gin? Wein? Champagner? Ein Scheit Feuerholz? Eine Skulptur?

Von wegen – Schokomuffins! Allerdings noch in einer frühen Vorversion 😊. Unvollendet, quasi, noch offen für Veränderungen und Umwidmungen, noch ist vieles möglich.

Hier denkt jemand intensiv über Schokomuffins und all ihre Verlockungen nach… und Neun prüft, wie dick das Glas ist. Die Schokoflocken ganz oben scheinen einen schokoladigen Sirenengesang zu singen…

19. Dezember

Samstag! Heute gibt’s wieder eine kleine Reise, die Sonne scheint immer noch (!), der Tee ist heiß und im Radio läuft Element of Crime – ein perfekter Tagesanfang. Und ein Päckchen gibt es auch noch!

Es ist schwer und wir sollten es nicht kippen. Und was war drin?

Chiliöl! Mit ganz kleinen Chilischoten! Mein Adventsbegleiter ist entzückt, er mag es gerne scharf. Das nächste Curry wird damit zubereitet, versprochen.

Mir scheint, da mag es noch jemand gerne scharf… und der Nikolaus hat auch Spuren hinterlassen… oder war das schon der Weihnachtsmann?

18. Dezember

Die Sonne scheint! Also, noch. 😊 Egal, es ist auf jeden Fall ein riesiger Unterschied zu den letzten Tagen. Heute gibt es ein ziemlich großes Päckchen! Und es sieht sehr interessant aus, man kann so gar nicht raten, was drin ist. Oder?

Und was war drin?

Oh! Ein Kalender! 12 Blätter, für jeden Monat eins, mit Fotos! Das ist ja toll, ich hab noch keinen Kalender für meinen Frühstückstisch… man bemerke, dass ich für alle, die den Winter eher nicht mögen, ein Foto mit Frühlingsblumen nach vorn gestellt habe…