jetzt

Der Himmel ist grauweiß bezogen. An der Fensterscheibe klebt Blütenstaub. Die Feuerwehrsirene heult ein Lied von Gefahr. Draußen geht ein leiser Wind. Ein Vogel zirpt. Der alte Stuhl wartet schweigend. Ein Streifen hellstes Blau zwischen den Wolken. Dampf steigt über der Teetasse auf. Auf dem Balkon trocknet die blaurote Decke. Gegenüber weiße, große Häuser mit Jalousieaugen. Soll ich?

2. Januar

Heute habe ich wieder eine kleine Reise vor und muss meinen neuen Mitbewohner alleine lassen. Wobei… das trifft es nicht ganz.

So sieht es aus, wenn man bewundert wird. Eigentlich hatte der Kleine einen eher profanen Zweck, mjam… aber vielleicht verschiebe ich das in eine unbekannte, weit entfernte Zukunft. Auf jeden Fall werden sie sich heute nicht langweilen, während ich unterwegs bin.

singen (V von V)

singen (V von V)

Wenn ich richtig singe (also ungesittet), dann komme ich in Wallung. Alles singt dann, Kopf und Herz, Mund und Zunge, Beine und Füße, und der Magen schnurrt. Es fühlt sich großartig an. Ich bin überzeugt, dass ich mit der produzierten Singenergie mindestens eine Glühbirne zum Leuchten bringen würde. Mindestens.

 

lachen (IV von V)

lachen (IV von V)

Lachen ist ganz wunderbar. Allerdings muss sich der interessierte Beobachter ein kompliziertes Räderwerk in meinem Innern vorstellen, mit Rädern und Stangen, Dampfmaschinen, silbernen Kolben, Pleuelstangen und einem Maschinisten, der alles allein bedienen muss. Für kleine Lacher gibt es eine Handkurbel, die gut geölt ist. Für Lachanfälle muss das große Räderwerk in Gang gesetzt werden, und das dauert. Dafür kommt es dann aber auch nicht so schnell wieder zum Stillstand: Stoppen dauert ebenfalls. 🙂

 

feiner Abstand (III von V)

feiner Abstand (III von V)

Meine innere Polizistin möchte jederzeit eine personenfreie Zone von anderthalb Metern um sich herum haben. Das ist durchaus nicht Corona-erzwungen, sondern mein Wohlfühlabstand zu unbekannten Menschen. Andere Menschen dagegen haben gern einen zehn Zentimeter breiten Abstand um sich herum, was interessante Rück- und Nachrückmanöver bei Gesprächen mit sich bringt. Ich warte immer noch darauf, das ich einen Schritt zuviel zurück mache und ins Schwimmbecken falle.

 

Meer (II von V)

Meer (II von V)

Am Meer möchte ich gern sehnsüchtig melancholisch sein und in jeder Welle ein Bild vom Werden und Vergehen sehen. Realistisch betrachtet überlege ich im Watt, wie ich den Schlamm von den Beinen bekomme und dass ich vermutlich bei jedem Schritt einem Krebs das Lebenslicht austrete. Naja. Auch eine Art, über Werden und Vergehen nachzudenken.

 

atmen (I von V)

atmen (I von V)

Zu etwa 95% Prozent meiner Zeit ist mein Atem flach. Manchmal wundere ich mich, dass er überhaupt meine Lunge erreicht. Aber in den restlichen 5% meiner Zeit atme ich so tief, dass mein Atem alles durchdringt, selbst meine Schuhsohlen und die Erdkruste. Vermutlich verursacht er noch Sturm in Neuseeland.

(das hier ist Teil einer kleinen Schreibaufgabe, in der man von jemand anderem Wörter bekommt, die für den Überreichenden wichtig sind. Und dann soll man spontan eine Miniatur dazu schreiben. Voilá. Es gibt noch ein paar mehr. 🙂 )

Sonntagswörter II

Sonntagswörter 

Pfefferminzflüstern

Salzgedanken

Pupillengrün

Schwanenhalshauch

Schlafwange

 

Sonntagswörter I

Sonntagswörter I

Seelenpfefferminz

Nougatgedanken

Häärchentaumel

Traumschatten

Himmelsspiel