jetzt

Durch die Wohnung gelaufen. Die Augen zufallen lassen. Mir erlaubt, müde zu sein. An eine Dusche gedacht. Lauwarmen Tee getrunken. Mit den Zehen gewackelt. Tulpen betrachtet. Graublauweißen Himmel vorbeifliegen sehen. Einen Stift gesucht. Ein Schreibheft angefangen. Und dann?

Wortinseln gefunden:
honigleicht
schokoschön
Quittengedanken
Kuchenideen
Schlafschönheiten
Langsamkeitsnachtisch

Steh auf und nimm:
Quittengedanken
Schlafschönheiten
Langsamkeitsnachtisch
Denn du hast viel Arbeitszeit vor dir.



An einem Sommerabend

An einem Sommerabend im Juli ließ die Drohne sich plötzlich nicht mehr steuern. Sie surrte eine Weile unentschlossen über dem Campingplatz und übertrug Bilder vom badenden Herrn Schulze in alle Welt, die nun wusste, dass er nie ohne Badeente in seine Outdoorwanne stieg. Dann erhob sie sich über die Baumwipfel und flog nach Osten. Sie hatte gehört, dass man sich dort zur Spionagedrohne umschulen lassen konnte, und sie hatte größeres mit ihrem Dasein vor, als ältere Herren in Badewannen zu beobachten.

Erkenntnis

Das rosa Plastikbadelama nickte gewichtig mit dem Kopf, als es von seinem erhabenen Platz im Plantschbecken aus über die Wacholderhecke guckte. Es hatte doch immer gewusst, dass die Welt größer war als der Garten, die Hecke und das Plantschbecken, egal, was Quietscheentchen und Sandkastenbagger behaupteten.

Fadenriß

Der Wohnmobilfahrer, dem man einsame Strände und ruhige Nächte versprochen hatte, brüllte auf, riß das Lenkrad herum und durchbrach das Koppelgatter, dann rumpelte er über die Wiese und den Strand, hupte laut und verschwand im Ostseeküstenwasser. Man hörte nie wieder von ihm.

Wie immer

Die Köchin legte wie jeden Tag liebevoll Dekorationen auf die Käseplatten und Salate, arrangierte Melonenstücke und zu Sonnen geschnittene Radieschen auf Buttertellern. Dann, aus einen Impuls heraus, füllte sie Zucker in alle Salzstreuer und Buttermilch in die Kaffeesahnekännchen. Sie nahm ihre Schürze ab, rückte ein Radieschen gerade und verließ für immer die Küche. Sie schloß die Türen sanft.

Judiths‘ Was-Fragen

Die Fragen habe ich bei Judith entdeckt und mir ausgeliehen. Vielen Dank! 🙂

  • Was siehst Du, wenn Du nach rechts schaust?

Die kahlen Köpfe einiger großer, alter Bäume und zwei Ordner, die ich leider noch bearbeiten muss.

  • Was stärkt Deinen Mut?

Schöne Texte. Die sind wie Brot und Wasser und Manna.

  • Was hat Dich gestern gefreut?

Der Lachanfall beim zoom-Treffen. Und die Unzufriedenheit mit meinen Texten. Sehr schön.

  • Was hilft Dir am besten beim entspannen?

Stille. Planlos sinnieren. Vorfreude. Schrecklich dumme Handyspiele (Austin, ich liebe dich!)

  • Was ist Dein Lieblingseis?

Keines. Ich lass mich gerne überraschen.

  • Was steht auf Deiner To be-Liste für heute?

Mindestens drei schöne Wörter finden, die zusammengehören, aber noch allein im All herumirren. Ansonsten: Arbeiten, kochen, leben.

  • Was waren die drei schönsten Erlebnisse 2021 für Dich?

Mein Vater ist noch dabei! Alles andere fällt daneben sehr ab.

Krieg und Frieden

Die Vögel auf dem Rasen streiten um jeden Käfer, um jeden Wurm, mit großem Geschrei wird angegriffen und verteidigt, ein Drama jagt das andere. Am Abend sitzen sie einträchtig beisammen und leisten sich Gesellschaft und Wärme. So müssten wir es machen.

Durst

Sie hob die Flasche an die Lippen und füllte das Wasser mit tiefen, durstigen Schlucken in sich hinein. Dass sie danebengegriffen und die Flasche mit den Aufzuchtfischen leergetrunken hatte, bemerkte sie erst, als blaue Schuppen auf ihren Handrücken auftauchten.

Nähen

Sie saß an der Nähmaschine wie immer und fügte zusammen, was vorher allein gewesen war, nähte gegen alles an, was unverzeihlich erschien, glättete Kanten, rettete Ausgefranstes und füllte Löcher, wo keine sein durften. Ihr ganzes Leben lang hatte sie das getan, und mittlerweile spielte es keine Rolle mehr, ob sie mit oder ohne Faden nähte, die Dinge hielten von sich aus zusammen, sobald sie den Motor antrieb, als ob ihre mühelose Leichtigkeit der unsichtbare Faden war, der alles zusammenhielt. Im Laufe der Jahre hatte sie angefangen, Hoffnungsschimmer als Zweitfaden mit zu vernähen, er strich über die nicht zusammenpassenden Stoffe wie elastischer Klebstoff und hielt besser als jeder andere ihrer Fäden. Als sie eines Tages beschloss, aufzuhören, glänzten ihre Hände, und als sie ohne Bedauern noch einmal zurücksah, saß schon jemand anderes an ihrer Nähmaschine. So sollte es sein.

Das war ein Beitrag zu den abc-Etüden, organisiert von Christiane. Die Wortspende kam dieses Mal von Ludwig Zeidler. Sie lauten Hoffnungsschimmer, unverzeihlich und nähen. Ansonsten: Maximal 300 Wörter (ich bin weit drunter!) und vielen Dank an Christiane für das Organisieren!

Augenblick

Vor mir auf der Wiese kicken sechs engagierte Fußballer, zwei Jungs, drei erwachsene Jungs und ein Mädchen.
Auf dem Scheinwerfer sitzen elf Fliegen und wärmen sich.
Mir wird ein Kinderriegel gebracht und ein Gespräch.
Billy Idol beschallt den Bolzplatz. Die Wolken fliegen weiß und grau über den Himmel. Es ist mittelwarm.
Wind streicht über meine Unterarme.
In meinem Magen wärmt ein Ananascurry.