Mein Balkon im Mai

Jaja, ich weiß, ich weiß, mein Balkon ist ein Balkönchen, gerade mal drei m², schmal wie ein Handtuch, alle Menschen mit Garten oder verschwenderischen Dachterrassen lachen da nur einmal ungläubig auf, aber drei m² sind eine ganze Menge Platz, wie ich jedes Jahr wieder feststelle! Und man muss nur in sehr geringem Umfang im Sommer gießen, das hat auch so seine Vorteile (wenn man natürlich die Straßenbäume und die Rosen mitbewässert, nützt ein kleiner Balkon wenig, aber das ist eine andere Geschichte). Und dieses Jahr habe ich im Gartencenter anstatt wie sonst immer vor den Tomaten dieses Mal vor den Gurken gestanden und gedacht: Warum nicht? Und sehet her, oh ihr Ungläubigen!:

Haha! Ich werde Gurken ernten, und zwar nicht zu knapp, wie man sieht:

Es gibt allerdings auch schon Untermieter. Ich hoffe, sie sind nicht zu gefräßig, vergiftet wird nämlich nicht, allerhöchstens weggeschnitten oder mit irgendeinem abgekochten Kartoffelwasser gespritzt, das hilft zwar nicht, beruhigt aber.
Und dann hat mein jüngster Neffe mich inspiriert. Er hat eine olle Kartoffel in ein Blumenbeet gepflanzt, weil er in einem Tiptoi-Buch gehört hat, dass man das macht, wenn man Kartoffeln ernten will. Was er kann, kann ich jawohl auch, habe ich gedacht, und kurzerhand drei Kartoffeln aus dem Kühlschrank eine neue Chance gegeben. Und siehe da! Ich weiß jetzt eine Menge mehr über Anhäufeln etc, und man beachte bitte das sprunghafte Wachstum innerhalb von zwei Tagen:

Dann haben wir noch einen Rosmarin, der vor sich hin leidet, weil er ein gartencenter-verwöhnter Hardcore-Sonnenanbeter ist und in diesem Frühling in der norddeutschen Tiefebene bislang eher Islandfeeling erfahren hat. Ich persönlich habe nichts gegen Islandfeeling, ich liebe das Wetter, so wie es gerade ist, aber vielleicht hätte ich lieber Petersilie nehmen sollen oder so… obwohl… nein.

Außerdem gibt es diese Schnittlauchdiva. Eigentlich hatte ich mir vorgestellt, wie ich den Schnittlauch auf Frischkäse-Toast esse, mit Pfeffer und Salz bestreut… aber jetzt bringe ich es nicht übers Herz, irgendetwas davon abzuschneiden. Essbare Blüten, jaja, aber sie steht so stolz und lila da, demnächst wird sie vermutlich anfangen, Sommerarien zu singen, wenn die Blüten aufgehen, und die Hummeln und Bienen und Schwebwespen sie umschwirren wie Motten das geliebte Licht – nein, da wird gar nichts abgeschnitten. Man kann ja auch Frischkäsetoast mit Marmelade essen. Oder so.

Und dann gibt es noch die Namensgeberin dieses Blogs, sie begleitet mich schon seit drei Jahren und hat schlimmste Nachtfröste und heißeste Sommernachmittage überstanden, letztes Jahr hatten wir eine kleine Krise aufgrund von feindlichem Mehltaubefall, aber nach einer kahlen Periode brachte sie tatsächlich neue grüne Blätter hervor. Und so wird es auch dieses Jahr genügend Stachelbeeren für ein oder zwei Gläser Stachelbeerchutney geben, hurra!

Heute morgen sind zwei Zwergsonnenblumen eingezogen, die ich liebevoll auf der Fensterbank mit teelöffelgroßen Wassermengen vorgezogen habe. Ich freue mich auf eine gute Wohngemeinschaft. Und obwohl ich ja gar keine Tomaten für dieses Jahr geplant hatte, habe ich ein Pflänzchen geschenkt bekommen, von einem Kollegen, der jedes Jahr mindestens fünfzig Planzen großzieht, selber aber keine Tomaten mag, außer in Ketchupform. Ich bin mir nicht sicher, ob er ein selbstloser Mensch ist oder ob seine Frau ihn zwingt.

Insgesamt also sieht es gut aus auf meinen drei m² Balkon. Der Sommer kann kommen (obwohl ich ja wie gesagt auch isländische Zustände gar nicht so übel finde… wir werden sehen.).

Pinnwandentschlackung 2019

Es ist unwiderruflich da, das Jahr 2019, und ich freue mich darüber. Ich liebe die Weihnachtszeit, aber ich liebe auch diesen Geruch nach frischen, neuen Tagen, das Abstreifen des Alten und Neugier auf das, was wohl alles kommen wird im neuen Jahr. Dazu gehört auch eine kleine Entschlackung meiner Wohnung. Kleidung aussortieren (drei Säcke!! Rekord!), Bücher auf die Reise schicken, jede Menge Kram entsorgen, und meine Pinnwand auf null zu stellen. Naja, fast auf null. Ich liebe meine Pinnwand. Alles, was mich freut, was gut war, Karten und Post, schöne Sprüche, kleine Erinnerungen kommen daran, und so wird sie im Laufe des Jahres eine ständige Erinnerung daran, dass es gute Zeiten im Leben gibt, auch, wenn gerade alles echt übel ist. So sieht sie dann am Ende eines Jahres aus:

So schöne Erinnerungen an Reisen, Wochenenden, liebe Menschen, Konzerte, Kinobesuche, Gottesdienste, Schreibseminare… Es wurde ein bißchen voll zuletzt, die neuesten Karten passten nicht mehr dran und mussten vorübergehend unter der (leicht überbelichteten) Lampe Platz nehmen. Auch die Kürbisse waren etwas über ihre Zeit hinaus. Aber noch tadellos! Ich kann mich dann immer schlecht trennen. Heute nun war ihre Zeit gekommen. So sieht es jetzt aus:

Das Schneemannpärchen wird noch weichen, genauso wie der geschenkte Stoffstern, aber ein bißchen dürfen sie noch bleiben. Ansonsten ist jetzt wieder viel Platz für Neues – 2019 hat begonnen!

Am offenen Fenster, nachts

das Flugzeug im Landeanflug erinnert mich an Rom:
rote, grüne und weiße Lichter blinken,
es ist laut, unübersehbar, dramatisch und schön.