Ausgelesen: Sporen und Comeback. Von Dick Francis.

Ach ja, ich bin voreingenommen. Tut mir leid, ich kann nicht anders. Ich mag Dick Francis einfach, selbst wenn seine Romane Schönheitsfehler haben. In Comeback geht es um eine Tierarztpraxis, die in argen Schwierigkeiten steckt, als mehrere Pferde bei Operationen sterben. Ein Arztfehler? Oder Manipulation? In Sporen geht es um einen Pferdespediteur, der Rennpferde zu europäischen und britischen Rennplätzen transportiert. Die Fahrer dürfen keine Anhalter mitnehmen, aber dann… dann tun sie es doch, und das ist der Anfang vieler Probleme.

Wie immer lässt Dick Francis seine Ermittler in der Ich-Form erzählen und enthüllt nur langsam ihre Beweggründe und charakterlichen Eigenarten. Liebe kommt nur in sehr reduzierter Form vor, in der Hauptsache geht es um das Milieu, um Pferde, den Fall und den Ich-Erzähler. Sehr beruhigend, in diesen beiden Fällen manchmal etwas zu beruhigend, aber wie ich oben schon sagte: Ich kann nichts dafür. Ich bin parteiisch bei Dick Francis.

Ausgelesen: Bedenke, was du tust. Von Elizabeth George.

Wer Elizabeth George mag, wird dieses Buch lieben. Der neunzehnte Roman um das ungleiche Ermittlerpaar Detective Inspector Thomas Lynley und Detective Sergeant Barbara Havers von New Scotland Yard ist wieder ein Buch, das komplexe Familienstrukturen entwirrt, tief in die Seele der Figuren eindringt und zeitgleich das komplizierte Leben der beiden Ermittler zeigt. Es werden eine Menge Spuren gelegt, die meistens nicht dahin führen, wo man sie vermutet, und erneut fiebert man mit den Figuren, leidet mit ihnen und sieht doch, es gibt meistens kein Entrinnen aus ihren oft fatalen Entscheidungen.

Elizabeth George ist eine wunderbare Erzählerin. Ihre Mordfälle erschüttern das Alltagsleben ihrer Figuren, werfen sie aus der Bahn und bringen sie auf neue Wege, tun also all das, weswegen wir Krimis so schätzen. Diese Krimiautorin tut das auf allerhöchstem Niveau. Eine Inhaltsangabe fehlt hier, ich denke, alle Fans der Reihe kennen das Buch und die Autorin längst, denen muss ich nichts mehr erzählen. Allen anderen empfehle ich Band 1 der Reihe, denn man sollte sie in der richtigen Reihenfolge lesen. Wer dicke Kriminalromane, detailreiche Figurenschilderungen und eine große Prise Drama und Menschlichkeit mag, ist hier genau richtig.

Ausgelesen: Beschützer der Diebe. Von Andreas Steinhöfel.

Sommerferien in Berlin. Die drei zusammengewürfelten Kinder Dags, Guddie und Olaf spielen ein Spiel, bei dem man zufällige Passanten beschattet und versucht, ihnen bis nach Haus zu folgen. Dabei kommen die Freunde einem gewaltigen Kunstdiebstahl auf die Schliche, werden verfolgt, teilweise entführt, erleben das spannendste Abenteuer ihres Lebens und finden letztendlich neue Freunde.

Dieses spannende Kinderbuch wurde 1994 veröffentlicht und ist das erste Buch des bekannten (und hervorragenden!) Kinder- und Jugendbuchautors. Es gibt daher noch kein Internet, keine Handys und bezahlt wird in DM, was das Ganze fast schon historisch anmuten lässt. Sehr gut gefallen hat mir, dass die Kinder immer ernst genommen werden, nichts wird verharmlost oder schön gefärbt, die Sprache ist realistisch, genauso wie das Verhalten der Erwachsenen und der Kinder. Dem empfohlenen Alter von 11+ zuliebe wurde auf Mord und Totschlag verzichtet, trotzdem gibt es Momente zum Fürchten. Die Geschichte selbst ist hochinteressant und kein Kinderkriminalfall, hier geht es um echte Kriminalität. Große Teile des Buches spielen im Pergamonmuseum in Berlin, und da gibt es gleich noch ein paar handlich verpackte Portionen Kunstgeschichte mit dazu 🙂 .

Im Anhang erzählt der Autor die Entstehungsgeschichte des Buches, womit er glücklich ist und was ihm an seinem Erstling nicht gefällt. Vielleicht bin ich voreingenommen (ich liebe seine Bücher wirklich sehr), aber ich kann seine Meinung nur in einem einzigen Punkt ein klein wenig teilen: Dags ist schon sehr perfekt. Ich mag sie aber trotzdem, und das Buch braucht sie, um voranzukommen. Und das tut es: Eine spannende Detektivgeschichte aus der Zeit kurz nach dem Mauerfall in Berlin – das kann eigentlich jeder lesen, nicht nur Kinder.

Ausgelesen: Murder Swing. Von Andrew Cartmel.

Das coole Cover ist mir als erstes im Schaufenster des Buchladens aufgefallen – Bond-ähnliche Szenen auf dem Rand einer Schallplatte, das sah vielversprechend aus. Als dann auf der Buchrückseite auch noch etwas von einem „Vinyl-Detektiv“ stand, konnte ich gar nicht so schnell denken wie ich das Buch gekauft hatte. Und ich hatte Recht ( was ja auf jeden Fall immer schon mal gut ist 🙂 )!

Ein sehr cooler Kriminalroman mit einem interessanten Detektiv, einer außergewöhnlichen Handlung und glänzenden Nebenrollen, dazu das Hauptthema: Schallplatten-, Verzeihung, Vinylsammler, so viel habe ich beim Lesen gelernt. Der Ich-Erzähler, dessen Name im gesamten, recht umfangreichen Buch kein einziges Mal genannt wird, ist Spezialist für seltene LPs, die er aufspürt und verkauft. Er kann davon leben, aber keine großen Sprünge machen, aber das scheint ihn nicht groß zu stören, viel wichtiger ist ihm seine Unabhängigkeit, und die kommt ins Rutschen, als eine geheimnisvolle, attraktive Frau ihn engagiert. Er soll eine extrem seltene LP für sie und ihren noch geheimnisvolleren Auftraggeber finden, der bereit ist, dafür sehr, sehr viel Geld zu bezahlen. Als er den Auftrag annimmt, kommen die Dinge ins Rollen, die plötzlichen Todesfälle häufen sich und die Handlung fängt an, sich immer schneller zu drehen – wie eine Platte auf dem Plattenteller…

Der Krimi mit dem besonderen Plot hat mir sehr gut gefallen. Die mir vorher unbekannte Welt der Vinylsammler mit ihren speziellen Abspielgeräten, den Must-Have Boxen und den kauzigen Sammlertypen ist bunt und interessant, der Autor kennt sich sehr gut aus und liebt sein Fach. Das Buchpersonal ist klasse geschrieben, vieles schwingt unter der Oberfläche und wird nicht explizit erklärt, was das Buch sehr reizvoll macht. Die Handlung drängt zwar vorwärts, aber in einem guten Tempo. Es gibt ja manchmal Thriller, da verschlingt man fünf Zeilen auf einmal und vergisst das Atmen. Das ist zwar sehr spannend, aber ich bedaure den Autor manchmal – da macht er sich die Mühe und schreibt alles auf und dann verschlingt der Leser es mit einem Happs – das muss doch frustrierend sein. Murder Swing hat Tempo, aber es gibt auch langsamere Passagen, die genussvoll gelesen werden wollen, dann zieht das Tempo an, dann wird es wieder langsamer – das Buch ist wie sein Thema: Ein schönes Jazzstück mit Tempowechseln. Am besten trinkt man dazu einen Kaffee, aber bitte das gute Zeug: Selbst geröstete, handgemahlene Bohnen, langsam mit der richtigen Temperatur aufgebrüht, schwarz genossen, so wie der Vinyl-Detektiv es mag. Und falls man Katzen hat: Auch die sind Feinschmecker. Ein Lammkotelett sollte es schon sein! 🙂

Von mir gibt´s eine Empfehlung – Krimifans mit dem Faible für besondere Themen sollten dieses Buch unbedingt antesten. Mir hat es große Freude beim Lesen bereitet. Und im übrigen ist mir während des gesamten Buches nicht aufgefallen, dass der Vinyl-Detektiv keinen Namen hat, erst als ich die Rezension schreiben wollte und überlegt habe, wie wohl der Hauptdarsteller heißt – da dämmerte es mir. Und genauso gut ist er geschrieben, der Murder Swing!

 

Ausgelesen: Ich finde dich. Von Harlan Coben.

Das war ein Buch aus der großen, geschenkten Krimitasche, die mich dazu gebracht hat, Büchergenres zu lesen, die ich sonst nie lese. Und siehe da: Ein Treffer!

Jake Fischer musste vor sechs Jahren fassungslos mit ansehen, wie seine große Liebe Natalie aus heiterem Himmel einen anderen heiratet. Außerdem nimmt sie ihm das Versprechen ab, sie nie wieder zu kontaktieren. Am Boden zerstört hält er sich daran, bis etwas Unerwartetes geschieht…

… und der Rest ist spannend, sehr kurzweilig, voller interessanter Wendungen, mit einem sehr sympathischen Helden (würden wir uns nicht alle so einen wünschen, Schwestern??) und auch noch gut und flüssig geschrieben. Beste Unterhaltung,  Popcornkino in Buchform. Ich werde sicher nicht nein sagen, wenn mir noch einmal ein Buch von Harlan Coben in die Hände fällt!

Ausgelesen: Der Beobachter. Von Charlotte Link.

Manche Autoren haben bedauerlicherweise wenig Chancen bei mir, und Charlotte Link ist eine davon. Der Grund dafür ist eigentlich ziemlich banal: Vor Jahren habe ich mal ein Buch von ihr gelesen, das mir nicht gefallen hat, und danach habe ich nie wieder eins von ihr versucht, denn es gibt so viele andere Bücher von so vielen anderen Autoren, dass es schlicht nicht notwendig war, es noch einmal auszuprobieren. Nun bekam ich aber vor ein paar Wochen eine große, ziemlich schwere Tüte mit Büchern von einer Frau geschenkt, die ihre ausgelesenen Bücher alle (!) sofort nach dem Lesen weggibt, und da war „Der Beobachter“ dabei. Naja, was soll ich sagen, was einmal in Buchform bei mir landet, wird in jedem Fall ausprobiert, es könnten ja ungehobene Schätze dabei sein! Diese Haltung zieht ein recht vielseitiges Spektrum an Lesestoff nach sich, man könnte sogar sagen, sie bringt eine manchmal dramatisch ausufernde Genrevielfalt ins Haus. Und so kam ich nach langer Zeit wieder an ein Buch von Charlotte Link.

Es fing gar nicht übel an. Und ging auch gar nicht übel weiter. Der Beobachter leidet unter seinem Leben, das in seinen Augen misslungen ist. Als Ersatz beobachtet er das Leben anderer Menschen, das von außen betrachtet gut aussieht, so harmonisch, perfekt und schön. Er träumt sich in das Leben der anderen hinein und schafft sich seine eigene kleine Rolle darin. Vor allem eine Frau hat es ihm angetan. Und gleichzeitig sucht die Polizei einen Mörder, der Frauen auf brutale Weise tötet. Wer ist es? Und wird die Polizei ihn rechtzeitig finden, bevor weitere Frauen sterben?

Das Buch ist ganz und gar nicht übel, es ist spannend, die Protagonisten wachsen einem an Herz und man möchte wissen, wie die Geschichte mit ihnen weitergeht und endet. Der Schreibstil hat trotz des dunklen Themas etwas leichtes, wie locker verstrickte Wolle oder luftig gehäkelte Granny Squares. Die Geschichte selber schlägt an manchen Stellen Haken wie ein Hase auf der Flucht, aber man nimmt dem Hasen seinen Fluchtweg durchaus ab und hetzt ihm mit Vergnügen hinterher. Ich habe „Den Beobachter“ gerne gelesen, und ich denke, ich bin jetzt wieder empfänglich für Bücher von Charlotte Link.

Falls also Ihre Regale zuhause zu voll sind: Man kann anderen Lesern eine Menge Freude machen, wenn man solche Bücher weitergibt. Es muss ja nicht gleich eine ganze Tüte voll sein 🙂 .

Ausgelesen: Provenzalische Verwicklungen. Von Sophie Bonnet.

Pierre Durand, ehemaliger Pariser Kommissar, der nun als Chef de Police in Sainté-Valerie arbeitet, genießt eigentlich gerade sein Leben und die Ruhe zwischen Weinbergen und Olivenhainen in der Provence, als diese Ruhe nachhaltig erschüttert wird: Seine Freundin verlässt ihn ohne Vorwarnung (zumindest hat er die Warnungen nicht gehört) und der Frauenschwarm des Dorfes wird ertrunken in einem Weinfass aufgefunden. Als I-Tüpfelchen klebt am Weinfass ein Rezept für Coq au vin vom örtlichen Kochclub. Frisch verlassen und gekränkt durch den Vorwurf seiner Exfreundin, er könne nicht mal etwas kochen, wenn sein Leben davon abhinge, beschließt Pierre, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und verdeckte Ermittlungen im Kochclub aufzunehmen. Dann geschieht ein zweiter Mord und die Ermittlungen werden ihm aus der Hand genommen. Aber mittlerweile hat ihn der Ehrgeiz gepackt und sein alter Pariser Spürsinn ist wieder ans Tageslicht gekommen, und so beschließt er, sich durch behördliche Vorschriften nicht aufhalten zu lassen…

Ein wirklich netter Krimi mit viel französischem Lokalkolorit und interessantem Personal. Beim Lesen wäre man gerne in Sainté-Valerie in einem kleinen Steinhaus mit Blick auf die Weinberge, während am frühen Abend die Grillen zirpen. Ach ja. Sehr sympathisch fand ich, dass niemand perfekt ist in diesem Buch, alles ist eine Nummer kleiner, es sind nicht gleich Staatsgeheimnisse oder die ganze Welt in Gefahr, nein, es sind bodenständige Fälle, die vor Ort aufgeklärt werden – oder auch nicht. Pierre hat gute und weniger gute Seiten, genau wie alle anderen Darsteller im Buch auch. Bodenständig, ja, das Wort passt sehr gut hierher. Mir hat es großes Vergnügen bereitet, die Geschichte zu lesen, und ich freue mich auf die Fortsetzungen, die es schon gibt.

Ausgelesen: Kluftinger. Von Klüpfel/Kobr.

Der Jubiläumsband: Nr. 10 in der Reihe um Hauptkommissar Kluftinger! Wenn eine Krimireihe dermaßen erfolgreich ist und die Autoren dermaßen schlitzohrig, muss es hier natürlich etwas Besonderes sein: Kluftinger wird von seiner Vergangenheit eingeholt. Jemand hat es auf ihn abgesehen und sorgt schon einmal für seine Beerdigung, mit Kranz und Holzkreuz, auf dem sein Name eingraviert ist. Nach außen hin gibt Klufti sich ungerührt, aber der „Streich“ trifft ihn innerlich härter als er zugeben würde. Als die „Streiche“ heftiger werden und es schließlich Tote gibt, muss Kluftinger tätig werden und tief in seiner Vergangenheit graben.

Die Rückblenden in Kluftingers Jugendzeit haben mir eher weniger gefallen, aber ich mag Rückblenden sowieso in keinem Buch, sie unterbrechen den Lesefluss und bringen mich aus der Handlung heraus. Meiner Meinung nach könnte das alles zusammen am Anfang des Buches stehen und dann kommen wir möglichst schnell zur Gegenwart, in der es dann einheitlich weitergeht. Hier wäre das nicht möglich gewesen, da die Rückblenden notwendig für die Handlung sind. Na gut, die Kröte habe ich also geschluckt. Ansonsten war das Buch eine ziemlich wilde Mischung aus Spaß, unerwartetem Ernst, überraschend emotionalen Szenen, Albereien, Cameo-Auftritten bekannter Persönlichkeiten, absurden Situationen und recht viel Spannung. Der Leser lernt Kluftinger intensiv kennen und erfährt Hintergründe, und auch Martin Langhammer hat seinen Auftritt.

Für alle Fans der Reihe ist das Buch ein Muss. Für alle anderen: Wer leichtere Krimikost mag und zwischendurch gern lacht, ist hier goldrichtig.

Ausgelesen: Konkurrenz für Mma Ramotswe. Von Alexander McCall Smith.

Ein weiterer Fall für Mma Ramotswe. Und ich bin ein wenig uninspiriert, was das Schreiben einer Rezension betrifft. Das Buch ist nicht schlecht, aber auch kein Pageturner. Es hat sehr schöne Momente, aber auch sehr langatmige. Wirklich gelungen ist die atmosphärische Beschreibung einer ruhigen, afrikanischen Stadt unter einem hohen Himmel in sehr heißem Klima. Aber andererseits ist das Buch ein einziges großes Klischee, wenn auch ein sehr schönes. Ich habe es gern gelesen, aber mein Leben verändert hat es nicht. Naja. Lebensverändernd sind nicht sehr viele Bücher, das muss ich zugeben.

Gut, also: Mma Ramotswe ist die Inhaberin der einzigen Detektei in Garbarone, der Hauptstadt Botswanas. Eines Tages macht eine zweite Detektei auf, geführt von einem Mann. Einem sehr arroganten, überheblichen Mann, der Mma Ramotswe beleidigt und ihr Unfähigkeit unterstellt, weil sie eine Frau ist. Im Laufe des Buches zeigt sich, dass der neue Detektei-Inhaber sich wohl ein wenig überschätzt hat und wieder aufgibt, und alles ist wieder ruhig unter der heißen Sonne Botswanas… nebenbei hat Mma Makutsi, die Angestellte von Mma Ramotswe, eine Geschäftsidee – eine Schreibmaschinenschule für Männer. Und sie ist erfolgreich, was sie selbst fast am meisten überrascht. Einer ihrer Schüler zeigt Interesse an ihr, und alles könnte so schön sein – oder?

Es scheint, als ob mich der lange, ruhige Erzählstil kombiniert mit all den Kommentaren über die enorme Hitze selbst auch ein wenig träge gemacht hat… es ist ein nettes Buch in einer netten Serie, auch, wenn in diesem Band der Krimianteil verschwindend gering ist. Der Autor liebt Afrika, das spürt man in jeder Zeile und in jedem Wort, und das ist es, was die Bücher trägt – seine überwältigende große Liebe für all das, was er schreibt und vielleicht ja auch beschreibt. Um daran teilzuhaben, lese ich die Bücher. Menschen mit einer Passion sind eben berauschend.

Ausgelesen: Schwindelfrei ist nur der Tod. Von Jörg Maurer.

Im achten Band der Krimi-Satire-Wortrausch-Reihe um Kriminalkommissar Hubertus Jennerwein steigt ein Heißluftballon über dem schönen Werdenfelser Tal auf. Darin eine zufällig zusammengewürfelte Schar Passagiere, die sich allesamt nicht wirklich wie glückliche Ballonfahrer verhalten und eher wenig Interesse an Ausblick oder Höhe zeigen. Dazu ein Kommissar, der etwas aus der Spur gerät, nachdem er einen seltsamen Fremden im Gefängnis besucht und eine fast vergessene Geiselnahme, die 1971 gründlich schiefgeht und ihre langen Arme bis in unsere Gegenwart streckt. Wie passt das alles zusammen?

Auch dieses Mal wieder befördert Jörg Maurer den Leser direkt in die bayrischen Alpen und wieder ist es die wunderbare, bildgewaltige und sehr, sehr lustige Sprache, die den Hauptreiz an diesen Krimis für mich ausmachen. Er fabuliert und tanzt und geniesst Wörter und Sätze, und ich vermute, das Schreiben dürfte ihm ebenso große Freude bereiten wie mir das Lesen.

Die Handlung ist dieses Mal ein wenig verschwurbelt, eine Menge Handlungsstränge laufen nebeneinander her, einige der Figuren haben die Grenze zur Karikatur ziemlich selbstbewusst überschritten, genauso wie die Handlung teilweise recht konstruiert daherkommt und man nicht allzu genau hingucken oder hinterfragen sollte. Aber egal! Alles verziehen! Ich hatte eine sehr gute Zeit mit dem Buch und werde auch das nächste auf jeden Fall lesen. Genauso wie ich trotz seltsamer Ereignisse im Heißluftballon meine Fahrt irgendwann auf jeden Fall machen werde!

Bitte beachten Sie, wie ich versucht habe, den Titel fotografisch umzusetzen! (Nein, es ist nicht vom Balkon gefallen, aber es war knapp davor)