Ausgelesen: Kluftinger. Von Klüpfel/Kobr.

Der Jubiläumsband: Nr. 10 in der Reihe um Hauptkommissar Kluftinger! Wenn eine Krimireihe dermaßen erfolgreich ist und die Autoren dermaßen schlitzohrig, muss es hier natürlich etwas Besonderes sein: Kluftinger wird von seiner Vergangenheit eingeholt. Jemand hat es auf ihn abgesehen und sorgt schon einmal für seine Beerdigung, mit Kranz und Holzkreuz, auf dem sein Name eingraviert ist. Nach außen hin gibt Klufti sich ungerührt, aber der „Streich“ trifft ihn innerlich härter als er zugeben würde. Als die „Streiche“ heftiger werden und es schließlich Tote gibt, muss Kluftinger tätig werden und tief in seiner Vergangenheit graben.

Die Rückblenden in Kluftingers Jugendzeit haben mir eher weniger gefallen, aber ich mag Rückblenden sowieso in keinem Buch, sie unterbrechen den Lesefluss und bringen mich aus der Handlung heraus. Meiner Meinung nach könnte das alles zusammen am Anfang des Buches stehen und dann kommen wir möglichst schnell zur Gegenwart, in der es dann einheitlich weitergeht. Hier wäre das nicht möglich gewesen, da die Rückblenden notwendig für die Handlung sind. Na gut, die Kröte habe ich also geschluckt. Ansonsten war das Buch eine ziemlich wilde Mischung aus Spaß, unerwartetem Ernst, überraschend emotionalen Szenen, Albereien, Cameo-Auftritten bekannter Persönlichkeiten, absurden Situationen und recht viel Spannung. Der Leser lernt Kluftinger intensiv kennen und erfährt Hintergründe, und auch Martin Langhammer hat seinen Auftritt.

Für alle Fans der Reihe ist das Buch ein Muss. Für alle anderen: Wer leichtere Krimikost mag und zwischendurch gern lacht, ist hier goldrichtig.

Ausgelesen: Eine treue Frau. Von Jane Gardam.

Im April 2018 hatte ich dieses Buch angefangen, und nun, endlich, im Januar 2019 habe ich es zu Ende gelesen. Das hier war meine April-Meinung:

Eine treue Frau von Jane Gardam. Ja. Hm. Ich bin mir nicht sicher. Es ist wirklich, wirklich gut geschrieben, jeder Satz eine unerwartete Reise, nie weiß man, wo es hingeht, da stehen Worte und hinter den Worten liegen völlig andere Worte, die aber niemals aufgeschrieben werden. Ich nehme an, dass das großartige Literatur ist, nur: Ich lese aus anderen Gründen. Eigentlich. Eigentlich möchte ich gerne eintauchen in das Leben anderer und es verstehen und mitfühlen, dafür brauche ich aber eine ganz andere Art von Schreibstil. Und trotzdem. Es lässt mich nicht los. Ich habe es noch nicht ganz durch und ich vermute, ich werde weiterlesen – bis zum Schluss.

Jo. Nun habe ich es bis zum Schluss gelesen, und um es kurz zu machen: Meine Meinung hat sich nicht geändert. Knapp, kurz, präzise, ein seziertes Menschenleben in einem Buch, eine Frau, die sich fatalerweise für den falschen Mann entscheidet und doch ein Leben lang in dieser Ehe bleibt. Wirklich glücklich wird sie nie, aber verlassen will und kann sie ihren Mann nicht. Es ist ein Bitterlemon-Buch über englische Kolonialmacht und das Leben zwischen zwei Welten, nie ganz in der einen und nie ganz zugehörig zur anderen, zwei seltsam heimatlose Menschen, die lebenslang zusammen und doch nie ganz ehrlich zueinander sind. Es hat mich gleichermaßen abgestoßen wie fasziniert, das Beste daran ist die schöne, knappe Sprache.

Es gibt zwei weitere Bücher, die dieselbe Geschichte aus anderer Sicht betrachten. Ob ich sie lesen werde? Mal sehen.

Ausgelesen: Ich bin kein Serienkiller. Von Dan Wells.

Ja. Also. Solche Bücher lese ich ja eigentlich schon aufgrund des gruseligen Buchcovers schon mal gar nicht. Blut, das irgendwo herunterläuft, verführt zumindest mich nicht zum Lesen, aber in diesem Fall bekam ich es mit einer zaghaften Empfehlung ausgeliehen – ich schätze, mein Ausleiher war sich gar nicht so sicher, ob ich ihn nicht für etwas seltsam halten würde aufgrund seiner Empfehlung. Und dann lag es bei mir im Regal und ich wurde immer neugieriger und fing irgendwann an zu lesen, und schon nach den ersten drei Seiten hatte das Buch mich.

John Cleaver ist ein seltsamer fünfzehnjähriger. Er interessiert sich nicht für dieselben Dinge wie andere Jungs in diesem Alter, sondern in einem abnorm hohen Maße für das Bestattungsunternehmen seiner Mutter, das sie im Geschäft unter den Wohnräumen der Familie führt. Genauer gesagt interessiert John sich vor allem für die Leichen, die im Bestattungsunternehmen einbalsamiert werden. Der Faszination, die sie auf ihn ausüben, kann er sich nur mit allergrößter Mühe entziehen, und auch sonst führt er einen ständigen Kampf mit seinem zweiten Ich, das permanent an die Oberfläche will, um dort für Zerstörung, Blut und Chaos zu sorgen. Damit das nicht passiert, hat er sich selbst einen strengen Verhaltenskodex auferlegt, dessen Einhaltung seine oberste Maxime ist. Dann geschehen seltsame Dinge in Clayton, dem Ort, in dem er wohnt – grausame Morde werden verübt, und John entdeckt Indizien, die auf einen Serienmörder hinweisen. Aber wie soll er diese Indizien weitergeben, ohne sich selber zu verraten? Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als selbst auf die Jagd nach dem Mörder zu gehen, immer in der Gefahr, dass sein blutrünstiges zweites Ich sich befreit, wenn er sich zuviel Gewalt und Tod aussetzt…

Das Buch ist sehr spannend geschrieben. Durch den Ich-Erzähler verengt sich die Perspektive und man erhält gefühlt immer viel zu wenig Informationen, denn alles was passiert, wird nur aus der Sicht von John geschildert. Während des Lesens war ich hin und her gerissen zwischen Sympathie und Ablehnung der Hauptfigur gegenüber. Genauso erging es mir mit dem potentiellen Mörder, der in Clayton umgeht. Anfangs scheint das Buch ein typischer Thriller mit Serienkiller zu sein, dann entwickelt es sich zu einer Art Fantasy-Thriller, bleibt dabei aber immer eisig kalt. Der innere Kampf, der permanent in John wütet, und sein Anderssein nehmen viel Platz ein, trotzdem fällt der Spannungsbogen selten ab. Die Twists in der Handlung sind gut geschrieben, ab einem bestimmten Punkt weiß man, woran man ist und trotzdem kann man nicht aufhören zu lesen.

Bis zum Schluss war ich mir nicht sicher, ob ich John nun mag oder nicht, und auch nachdem das Buch nun ausgelesen ist, habe ich noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Aber: Band zwei würde ich doch schon ganz gern lesen. Obwohl ich ja eigentlich keine Bücher mit Blut auf dem Cover mag. Und auch keine Serienkiller. Tja. Er hat mich, würde ich sagen.

Ausgelesen: Das grauenvolle Grab. Von Jonathan Stroud.

Schon im letzten Herbst habe ich Band fünf aus der Reihe um die Geisterdetektei Lockwood & Co gelesen – zu meinem allergrößten Bedauern das letzte in der Reihe. Hier habe ich schon einen kleinen Einblick in die Londoner Geisterwelt und ihre Protagonisten gegeben. Bei Reihen ist das Ende meist mit sehr hohen Erwartungen verknüpft, man hat immerhin schon sehr viel Zeit mit den Figuren verbracht, mit ihnen geliebt und gelitten und möchte nun ein adäquates Ende haben, wenn ein Ende denn unbedingt sein muss (ok, den meisten Reihen würde ein schnelleres Ende gut tun, aber es gibt ja Ausnahmen.).

Um es kurz zu sagen: Ja, das grauenvolle Grab ist ein absolut gelungener Abschluss dieser Ausnahmereihe. Er ist nicht zu abstrus, aber auch nicht enttäuschend, nicht alles wird aufgelöst, nicht alles wird beendet. Die losen Fäden verknüpfen sich schlüssig und führen zu einem angemessenen und würdevollen Ende für Lucy, Anthony, Georg und Holly und nicht zuletzt auch für den geheimnisvollen Schädel. Hier schreibt ein Autor, der seine Figuren mag und ernst nimmt und sich auch seinen Welten mit großer Detailfreude und Phantasie widmet. Es war ein Vergnügen, die fünf Bände um Lockwood & Co zu lesen – gerne wieder! Und neue Titel und Serien werden mit großer Vorfreude erwartet.

Ausgelesen – nein, nur vorübergehend ins Regal gestellt: Gesegnete Mahlzeit. Von Christina Brudereck.

Es gibt Bücher, die würde ich mir selber wohl niemals kaufen, ich würde gar nicht darauf kommen, dass es solche Bücher gibt, zum einen, weil ich nicht danach suche, zum anderen, weil ich nicht weiß, dass es sie gibt. Ich bin also ziemlich angetan von diesem Geschenk hier:

So ein schönes Cover! Da bekommt man direkt Lust, ins Buch hineinzuschauen.

Jetzt bin ich nicht unbedingt jemand, der für schöne und ausdrucksvolle Tischgebete bekannt ist. Ehrlich gesagt, stammele ich bei solchen Gelegenheiten eindrucksvoll vor mich hin und bin sehr froh, wenn das jemand anderes übernimmt. Das hat Christina Brudereck hier eindrucksvoll getan und wunderbare Tischgebete formuliert, die von ganz einfach (Herr, lass deinen guten Segen über unsere Teller fegen) bis zu kleinen Geschichten reichen. Sie lässt das Buch mit Dietrich Bonhoeffer und Martin Luther King anfangen und spaziert dann mit den Lesern über alle Kontinente, Afrika, Indien, Europa, Deutschland. Überall gibt es Feiern, Familienmahlzeiten, Essen im Freundeskreis, verschiedene Nationen an einem Tisch, und jede Nation hat ihre eigenen Traditionen und Arten zu danken. Und dazu, obendrauf (das Sahnehäubchen quasi, um im Bild zu bleiben), gibt es internationale Rezepte.

Den Rote Beete Salat könnte man schon allein der Farbe wegen lieben. Oder?

Afrikanische Erbsensuppe.
Pastorenpudding.
Indisches Curry (mit einem achtsamen, asiatischen Tischgebet).
Pastinaken mit Salbei.
Dattelcreme.

Foodsharing anstatt Carsharing…

Außerdem gibt es Gedanken zum Thema Essen. Warum haben wir zuviel und andere zuwenig? Schätzen wir das, was wir haben? Erlauben wir es uns, mit allen Sinnen zu genießen und dankbar zu sein? Wäre weniger nicht manchmal mehr?

Und schön gestaltet ist es auch noch!

Alles in allem ein wirklich gut gestaltetes Buch mit Tischgebeten für jeden Anlass, Gedanken zum Thema Essen und Dankbarkeit, interessanten Rezepten, abgebildet auf farbintensiven Seiten mit vielen Fotos und schöner Grafik. Das Tischgebet bei einer Familienfeier habe ich sofort angewendet (nachdem ich meine Schwester gefragt habe, ob das vorlesbar sei – unsere Verwandtschaft hat´s eher nicht so mit Tischgebeten) und habe spontanen Applaus geerntet, sehr ungewöhnlich für unsere Familienfeiern. Zum Abschluss zitiere ich Christina Brudereck, Seite 16, ein Tischgebet auf atemberaubend knallroten und leuchtend orangenen Chilischoten:

„Ein Tischgebet bete ich,
weil ich nicht vergessen will,
dass satt zu werden
niemals selbstverständlich ist.“

Ausgelesen: Geister auf der Metropolitan Line. Von Ben Aaronovitch.

Als klar war, dass es einen weiteren Peter Grant-Band von Ben Aaronovitch geben würde, war ich begeistert. Diese Serie ist einfach das Nonplusultra, was Urban Fantasy betrifft, ich mag den Humor, die Intelligenz, die kleinen Seitenhiebe auf moderne Stadtplanung, die Liebe des Autors zu seiner Stadt, London. Dazu kann der Mann auch noch schreiben, er nimmt seine Figuren ernst, lässt ihnen ihre Geheimnisse und erklärt nicht alles – was will der Leser mehr?

Geister mit Kaffeebecher… irgendwie sympathisch.

So. Und dann stand ich im Buchladen und dachte: Oh, das Buch ist aber dünn. Und warum ist die Schrift so groß? Hm. Will da jemand etwa eine kleine Zwischengeschichte als neuen Band der Serie verkaufen? Ja, verdammt! Und dann bin ich sauer aus dem Laden gerauscht, ohne das Buch zu kaufen.

Glücklicherweise gibt es aber noch größere Fans als ich es bin, und von einem habe ich die Geister auf der Metropolitan Line ausgeliehen bekommen, und was soll ich sagen? Es ist gut, Leute. Es macht einfach Spaß, es zu lesen, obwohl die Geschichte den Hauptstrang der Erzählung nicht vorantreibt. Gewohnt lakonisch und mit viel schwarzem und weißem Humor geht Peter dem Treiben von Geistern nach, die für Aufruhr unter den Pendlern und Touristen in London sorgen. Gibt es eine Verbindung zwischen den Besuchern oder sind sie nur verwirrte Seelen? Viele alte Bekannte helfen Peter, das Rätsel zu lösen, und nebenbei wird ein neuer Charakter eingeführt, dem wir hoffentlich noch öfter begegnen werden. Ich meine – wozu die ganze Mühe, wenn es nur für diesen einen kleinen Ausflug ins Londoner Verkehrswesen gewesen wäre?

Vielen Dank fürs Ausleihen, ich hätte echt eine sehr schöne Geschichte verpasst. Und nun warten wir gemeinsam auf den neuen Band, der zwar noch kein Erscheinungsdatum hat, aber schon leise aus dem Buchstabendschungel herausleuchtet… (Methaphern sind doch was schönes 🙂 )

Ausgelesen (vor laaaanger Zeit): Die kleine Lok, die alles weiß. Vom Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit, Bonn-Bad Gödesberg. :)

Und es begab sich vor ein paar Monaten, dass meine Mutter alte Schränke durchforstete und auf zwei dünne Heftchen stieß, die ihre beiden Töchter vor gefühlt ca. 100 Jahren mit Begeisterung gelesen hatten: Die kleine Lok, die alles weiß.

Heißgeliebt: Die dicke, schwarze, kleine Lok.

Damals gab es das Heft meines Wissen beim Lebensmittelhändler unseres Vertrauens kostenlos, um kleine Menschen zu einer vernünftigen Ernährung anzuhalten. Tja. Das hat wohl eher nicht funktioniert. Ich hatte schon im Alter von fünf eine große Vorliebe für alles, was von Schokolade ummantelt ist. Trotzdem. Die Lok hat mich ungeheuer fasziniert, und ich habe meine eigene Vorstellung von Dampfwolken der Illustration hinzugefügt. Sehen Sie hier:

Sehen Sie den gekonnten Federstrich? Großes ward mir vorausgesagt! (Jaja, es muss ja nicht alles eintreffen.)

Die Geschichte der kleinen Lok, die alles weiß, begann für mich mysteriös und geheimnisvoll: Sie sollte eine Zugladung Kinder in ein Ferienlager bringen.

Dieses leicht gruselige Ambiente! Für mich sah es aus, als ob gleich alles zusammenfällt.

Eine ganze Zugladung voll? Konnten die alle sitzen? Da war die Rede davon, dass Kinder im schwarzen Tender sitzen mussten, weil nicht alle im Zug Platz hatten! Grusel! Und was bitteschön war ein „Ferienlager“? Was passierte da? Und warum waren die Eltern nicht mit dabei? Schickten in dieser seltsamen Welt Eltern ihre Kinder tatsächlich ALLEIN (in Großbuchstaben) in ein Lager, von dem niemand wusste, was dort passiert?? Ungeheuerlich!

Sehen Sie die Stoffhaare? Und die kleinen Fitzchelchen, die an dem Sack ganz außen rechts herauspieksen? Sehr seltsam.

Ich fand auch, dass die Kinder sehr, sehr unglücklich aussahen. Und seltsam. So puppig. Und kantig. Wollte man sie vielleicht loswerden? Was war das bloß für ein Ding, dieses Ferienlager? Immerhin wurde dann von Spielen, Schwimmen, Brückenbauen und Indianerspielen gesprochen. Aber dann das: Es gab keine Lebensmittel im Lager! Was war das denn? Wo waren die Erwachsenen, die doch zuständig dafür waren? Sehr, sehr seltsam, das Ganze. Aber die Lok ergriff die Initiative, wenn die Erwachsenen sich schon nicht in der Lage sahen, das zu tun, wozu sie da waren und fuhr einkaufen. Ok. Das kannte ich. Einkaufen war super!

Eiscremewaffeln, ungekühlt – das schmilzt doch! Und was bitteschön ist „Milchpulver“? Milch in Pulverform? Aha. Und dann der Quark, ohne Schüssel, einfach so in den Waggon gekippt – igitt.

Aber nie im Leben wäre ich auf die Idee gekommen, so sonderbare Dinge einzukaufen wie Rote Beete, Pampelmusen, Leber oder Trockenmilch. Trockene Milch? Aha. Und die Eiscreme ganz oben, warum schmolz die nicht? Und die seltsame Stapelung der Pakete und Flaschen, ein Wunder, dass nicht sofort alles wieder herunterfiel, wenn die kleine Lok anfuhr! (Und überhaupt: Wo war der Lokführer? Und wer lud all diese Dinge in die Waggons? Die Lok hatte doch keine Arme und Hände!)

Hier war ich mir nie sicher: Kind oder Erwachsener?

Die Eierfrau schließlich war die Krönung der Seltsamkeiten, denn sie passte überhaupt nicht auf, viele Eier waren ihr heruntergefallen, aber sie lächelte, und das war das Allerseltsamste von allem, denn meine Mutter lachte überhaupt nicht, wenn ihr jemals ein Ei zerbrach, was sehr selten bis nie passierte, weil sie immer sehr aufpasste. Und was sollte diese Holzkiste? Eier gab es in Eierpappen von meiner Oma, und nicht in Kisten.

Auch das hier: Brötchen, die herunterfielen von der Lok. Unfassbar. Verschwendung! Und warum war das Brot nicht verpackt, sondern nur auf einem Geschirrhandtuch abgelegt? Wurde das nicht schmutzig, wenn es einfach so ohne alles durch die Lande gefahren wurde?

Aber es schien ja doch alles einigermaßen gutgegangen zu sein, immerhin war der Salat gut angekommen, und das Mädchen sah am Ende der Geschichte deutlich besser gelaunt aus, wenn auch immer noch etwas kantig. Sie trug Kirschohrringe, das kannte ich, die trug ich auch ab und zu. Das war ok und ein Zeichen für gute Laune. Eventuell war dieses Ferienlager also doch akzeptabel, natürlich nicht für mich, aber wenn andere Kinder das so wollten, bitteschön.

Alles in allem war dieses Buch eine höchst exotische Erfahrung für mich, und ich habe es gefühlt etwa 500mal durchgeblättert und immer wieder über die seltsamen Bilder und Verhaltensweisen der Erwachsenen, der Kinder und der kleinen Lok nachgegrübelt. Als meine Mutter dann Jahrhunderte später beide Bücher an meine Neffen weiterverschenken wollte, musste ich deswegen intervenieren: Eins ist bei mir geblieben, um mich ab und zu daran zu erinnern, wie schön es ist, Neues zu entdecken und das Fremdes nicht fremd bleiben muss. Ob das Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit, damals Bonn-Bad Gödesberg, so etwas damals im Sinn hatte, als sie es aus dem Amerikanischen übersetzen ließen? Keine Ahnung. Aber hej, vielen Dank für eine sehr schöne Kindheitserinnerung!