Novemberstille

Novemberstille

es schweigen
die ewig plappernden Blätter
weiße Luft streicht kahle Zweigmütter entlang
sie schlafen tief in sich verborgen
Sägegeräusche sickern gefrässig von weither
bescheren den Bäumen Alpträume
ein Dieselmotor röhrt stumpfgraue Perltöne
in die fahle Stille
dann
Schweigen

Novemberfrost

Novemberfrost

der erste Novemberfrost
zermalmt die letzten Sommerkrumen
schneidet den Herbst in Scheiben
streichelt blasse Mondreste
zieht Frostnebel durch starre Wiesen
drückt kalte Finger in jede Kleidungsritze
küsst goldene Blätter weiß
reckt die Eisfäuste:
mein Land!

Der Dienstag dichtet!  
Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch WortgeflumselkritzelkramMutigerlebenWerner KastensFindevogel, die Nachtwandlerin, Lindasxstories, Myriade, Gedankenweberei, 
MynaKaltschnee, Wortverdreher und Lebensbetrunken, die Wortverzauberte, Lyrikfeder und der BerlinAutor sind mit von der Partie.
Schaut doch mal bei ihnen vorbei, der Dienstag fängt besser an mit ein bisschen Wortzauberei!

Weihnachten

Weihnachten

Was schön wäre:
weißes Erwachen
Apfelsinenduft
durchsungene Gottesdienste
Punsch und Feuer am Ausgang
selbstverständlich zuhause sein
die Gesellschaftsjagd ruhen lassen
frostigstille Nächte durchwandern
dem Stern folgen

Was machbar ist:
Sterne basteln
abends schöne Filme gucken
stille Momente feiern
Gastsein genießen
jedes Lied laut mitsingen
den Nachbarn Kekse anbieten
Apfelsinenduft
Regenwolken willkommen heißen

Der Dienstag dichtet! Also auch der Heiligabend-Dienstag :).  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram, Mutigerleben, Werner Kastens und Findevogel sind mit von der Partie. Wer den Dienstag also mit Gedichten beginnen will: Herzlich willkommen! Und frohe Weihnachten allen Gedichtelesern!

Sonnenwärme

Sonnenwärme
fliegende Wolken
schwarzer Tee mit Milch
Vogelgesang
Blätter zwängen sich aus ihren Verpackungen
Waldameisen auf Patrouille
Vorjahreslaub knistert
Taubenbalz
Joggerinvasion
zart rauscht die Autobahn
April

Neujahr

Neujahr

neue Zeiten
noch unbekannt
schlechte Sicht
verschwommene Konturen im trüben Licht
weit entfernt undeutliche Stimmen
ansonsten: Stille
ich atme und warte
unschlüssig
zweifle am festen Grund
hinter den Konturen leises Gelächter
zaghaftes Leuchten
jemand flüstert: Komm
und ich
hebe den Fuß

November

November
der dunkle Sanfte
gewährt uns ruhige Stille
wir sehen nach innen
betrachten was war
und nicht sein wird
kühle Kerzen brennen
erleuchten graue Stunden
die Dezemberorangen
noch ungeschält
vor uns

Oktober

Oktober

Drachenzeit
unruhig zerren sie an deinen Fingern
drängen fort ins Weite
weiß brennt ihr Atem im Gesicht
drinnen ist es warm
Kakao dampft zuckrig
Tief in den Handflächen
das sehnsüchtige Ziehen kleiner Drachen

September

der Goldene
zwischen Hell und Dunkel
webt er seidene Brücken
zieht uns sanft voran
kein Weg zurück
die Taschen voller süßer Birnen
wenden wir den Blick
nach vorn
im Rücken Sommerwärme

August

August

langsamer Abstieg
zufriedene Stille
schläfrige Tage
Laubteppiche rollen sich aus
mit Zwetschgen
Mirabellen
und Apfelmustern
Wespen summen im vergorenen Obst
Sonnenflecken spielen verstecken
mit dem Herbst

Juli II

Vollendung
Sonnensehnsuchtsziel
Regen ausgeschlossen
Letztjahresmuscheln rauschen am Ohr
Verkehrslärm wie Meeresbrandung
unter den Fußsohlen heißer Asphalt
wäre es doch Sand
warm rönne er durch die Finger
und Zehen
Aufbruch
immer dem Möwengeschrei hinterher