10 unwichtige Dinge, in denen ich richtig schlecht bin

  1. Morgens rechtzeitig das Haus zu verlassen.
  2. Schminken.
  3. Honig unfallfrei zu essen.
  4. In Stresssituationen Geduld zu haben.
  5. Beim Pfeifen auf zwei Fingern.
  6. Freude zu empfinden bei 30 Grad Außentemperatur.
  7. Smalltalk übers Wetter (in anderem übe ich mich).
  8. Taschenbücher zu lesen ohne ihnen den Rücken zu brechen (sorry).
  9. Unterschiedliche Wichtigkeiten zu akzeptieren (ich finde Gänseblümchen im Rasen eminent wichtig!)
  10. Schokolade nicht zu essen.

Mitten im Gold

manchmal
mitten im Gold
hinter dem Licht
zittert papierne Haut
klirren gläserne Knochen
mein Pappmachée-Herz
schlägt knisternd
hinter dem Licht
wandere ich
über Straßen aus dünnem Papier
der Regen fällt salzig
tropft kleine Löcher
ins Licht
mit letztem Atem
spanne ich Regenschirmhaut
über
mein knisterndes Herz

Der Dienstag dichtet! 🙂  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram, Mutigerleben, Werner KastensFindevogel und die Wortverzauberte sind mit von der Partie. Schaut doch mal bei ihnen vorbei, der Dienstag fängt besser an mit ein bisschen Wortzauberei!

Ausgelesen: Der Glanz eines neuen Tages. Von Lucy Dillon.

Es gibt Bücher, die sind nicht tauglich für intellektuelle Streitgespräche. Sie bringen einem keinerlei Punkte auf dem Anerkennungs-Gradmesser für schwierige Literatur. Fantasyfreunden fehlen die Drachen, Krimifans finden sie unfassbar langweilig, die Ich-liebe-dich-mehr-als-mein-Leben-Liebesroman-Leser suchen vergebens nach den atemlossüchtig machenden Szenen. Sachbuch-Leser wollen wir an dieser Stelle lieber nicht erwähnen, vermutlich würden sie nur indigniert eine Augenbraue hochziehen. Und trotzdem: Ich mag die Bücher von Lucy Dillon. Sie treffen irgendeinen Nerv in mir, der behaglich schnurrt, sobald ich eines ihrer Bücher aufschlage. In der Regel passiert dort nichts besonders aufregendes, die Figuren leben ihr Leben, sind meist an einer Umbruchstelle, von der aus es in einer neuen Richtung weitergeht, und es kommen keine Popstars, keine Millionäre und keine Elfen vor. Dafür aber sehr menschliche Menschen mit kleinen Macken und Fehlern, die sich bemühen, zurechtzukommen und sich oft durch Hundebegleiter weiterentwickeln.

Was zieht mich so sehr zu diesen Büchern? Vielleicht ist es die tiefe Liebe zu Tieren, speziell Hunden, die überall durchscheint? Vielleicht auch die pure Nettigkeit ihrer Hauptfiguren? Oder die (ich traue mich fast nicht, es zu schreiben) Güte, die ihre Bücher ausstrahlen, wenn es um schwierige Lebenssituationen geht? Was auch immer es ist, ich fühle mich in der Regel während und nach einem Buch von Lucy Dillon besser als ohne. Und das ist ein ziemlich großes Lob.

In diesem Buch geht es um Lebensträume, die verwirklicht werden wollen, um lebensnahe Kunst weitab von großstädtischen Kunstzentren, um Einsamkeit im Alter, abgebrochene Lebenslinien, Abschiede, viel Menschlichkeit und Mitgefühl und um die Schwierigkeiten, die aus allem entstehen und doch überwunden werden können. Ein kleines bisschen Liebe ist auch im Spiel, aber eine Hauptrolle spielt sie nicht.

Wenn man also einen Eiskaffee mit viel Vanilleeis zuhause hat und dieses Buch, werden die nächsten zwei bis drei Stunden ziemlich angenehm sein. Wenn es nach mir geht, zumindest. 🙂

Tauwetter

Tauwetter

was lange angespannt war
wird weich
nachgiebig
elastisch
verflüssigt sich
rinnt davon
glucksend
Herzschmelze

Der Dienstag dichtet! 🙂  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram, Mutigerleben, Werner KastensFindevogel und die Wortverzauberte sind mit von der Partie. Schaut doch mal bei ihnen vorbei, der Dienstag fängt besser an mit ein bisschen Wortzauberei!

Papiertiger

belanglos läuft der Text
Buchstaben plätschern voran
Langeweile zerdehnt die Silben
Stille liegt auf dem Wortwald
da! Ein leises Knacken!
Vokale heben die Köpfe
Konsonanten springen auf
ein Raunen weht durch die Wortstämme
ein Papiertiger zwischen den Zeilen!
glühenden Auges pirscht er durch gestrichene Sätze
jagt rotkehlige Adjektive
und zarte Adverbien
nagt an knackigen Kommata
schlägt mit der Pfote nach einsamen Semikola
springt von Fehlsatz zu Fehlsatz
zerbricht Astsätze in Stücke
unbestimmte Artikel fliegen auf
Konjunktionen flüchten ins Unterholz
Buchstaben stürzen zu Boden
dann: Stille
der Wortwald seufzt
vorsichtig wagt sich das erste Adjektiv aus seinem Versteck
reckt den Kopf
rot glänzt seine Kehle

Das war ein Beitrag zu den Etüden, die Christiane organisiert. Die Wortspende kam dieses Mal von onlybatscanhang und bestand aus den Worten Papiertiger, belanglos und plätschern. Vielen Dank! Ich hatte große Freude beim Schreiben! 🙂

Abendlese

Abends mit dem Tag hadern, weil man nicht im Ansatz das erledigt hat, was erledigt werden sollte. Und der Tag sich schwer wie Blei angefühlt hat, kein Flow, nirgends.

Dann überrascht feststellen, dass man es trotz Nicht-Flow geschafft hat, über den Tag verteilt ein Dreiviertelbuch zu lesen.

Kurz überlegt, wann zum Geier man all die Seiten verschlungen hat und sich erinnert, es gab da diverse Sesselzeiten in der Sonne.

Leicht widerwillig die Ansicht zum Tag revidiert. Ganz so übel kann er wohl doch nicht gewesen sein.

Eine ganz wunderbare Illustration aus dem Buch „Das Buch“ von Burkhard Spinnen, die hier perfekt passt.

Das Wasserschwein hofft (I)

Das Wasserschwein war erleichtert. Es hatte schon viel zu viel von seiner kostbaren Zeit im Regal des Spielzeugladens verplempert und auf die richtige Käuferin gewartet. Als sie endlich kam, schob es sich auf dem Regal unauffällig ein paar Zentimeter nach vorn und presste einen treuherzigen, leicht melancholischen Ausdruck auf sein Gesicht, was schwierig war mit so viel Plüsch und so wenig Muskeln unter dem Fell. Aber was sein musste, musste sein. Wer wusste schon, wann sich die nächste Gelegenheit bieten würde? Überhaupt. Es würde sich Mühe geben und das perfekte Geschenk imitieren.
Der Pinguin neben ihm im Regal dagegen dachte gar nicht daran, sich anzubiedern. Er stand steif wie eine Statue da und schnarrte abfällig durch den geschlossenen Schnabel in seine Richtung. Das Wasserschwein ignorierte ihn. Es stand zuviel auf dem Spiel, da konnte man durchaus mal ein wenig Würde abgeben. Es richtete die Ohren mit den zarten Haarpinseln auf und wartete ruhig ab.

Die Käuferin blieb stehen. Sie sah ihm neugierig in die Augen, dann nahm sie ihn aus dem Regal und drehte und wendete ihn, bis ihm fast übel wurde. Sie lächelte und schob ihn sich unter den Arm, während sie weiter an den Regalen entlang ging. Das Wasserschwein vibrierte vor unterdrücktem Triumph. Ja! Es hatte es geschafft! Endlich raus aus diesem Laden! Jetzt durfte sie sich nur nicht mehr umentscheiden. Gerade blieb sie vor einem schlappohrigen Labrador stehen, der platt auf seinem Regalboden lag und anscheinend nicht mehr daran glaubte, aus diesem Spielzeugladen jemals herauszukommen. Alles an ihm hing traurig herunter, die dicken Pfoten, die goldbraunen Ohren und auch der langhaarige Hundeschwanz. Sie würde sich doch nicht umentscheiden und an seiner Stelle den Labrador mitnehmen?
Dem Wasserschwein wurde heiß und kalt, und das aus gutem Grund: Es hatte einiges mitangesehen, seitdem es hier zum Verkauf stand. Es gab Käufer, die sich nicht entscheiden konnten und wieder gingen, ohne jemanden mitzunehmen. Andere verwarfen alle zehn Sekunden ihre Auswahl, was regelmässig zu Nervenzusammenbrüchen unter den Bewohnern des Plüschtierrregals führte. Am schlimmsten waren die, die schon mit der Kreditkarte in der Hand vor der Kasse standen, den Kopf schief legten und sagten: „Ach, entschuldigen Sie bitte, ich glaube, ich nehme doch lieber den Hasen / den Teddy / die Eule“. Dann gingen sie wieder zum Regal und legten den glücklosen Kandidaten zurück, der sich schon in Freiheit gewähnt hatte. Nach Ansicht der Regaltiere war dieses Verhalten unnötig brutal, und es konnte zu schwerwiegenden psychischen Problemen führen.
Ihm würde das nicht passieren! Das Wasserschwein kniff die Augen zusammen und bereitete sich darauf vor, so süß auszusehen, wie es ihm nur möglich war. Seine Käuferin griff nach dem Labrador und sah ihm tief in die Augen. Das Wasserschwein hätte schwören können, dass der Labrador ihr zuzwinkerte. So ein unverschämter, kleiner Halunke! Das verstieß gegen jede Regel! Und es zeigte Wirkung. Sie klemmte den Labrador ebenfalls unter ihren Arm.
Als sie ihren Blick wieder auf das Plüschtierregal richtete, streckte ihm der Labrador die Zunge heraus und grinste dabei. Das Wasserschwein grunzte nur und beobachtete weiter das seltsame Verhalten der Käuferin. Was sollte das werden? Niemand hatte in diesem Laden jemals mehr als ein Plüschtier gekauft, aber sie ließ den Blick schon wieder über das Regal wandern. Vielleicht traf sie nur eine Vorauswahl und würde sich erst ganz zum Schluss entscheiden?
Jetzt griff die Käuferin nach einem langhalsigen Lama mit wirrem Blick und Irokesenhaarschnitt. Nicht im Ernst, dachte das Wasserschwein, wer kaufte denn diesen Irren? Nachts sang das Lama Lieder aus seiner peruanischen Heimat und tanzte dabei Tango, was mit vier schlacksigen Beinen nicht einfach war und sehr seltsam aussah. Außerdem hatte es dauernd sonderbare Vorahnungen, die es jedem erzählte, ob der es hören wollte oder nicht. Bisher war keine einzige davon eingetroffen, wenn man von dem kleinen Mädchen absah, das dem Affen einen Arm abgerissen hatte. Das Lama hatte am Abend vorher etwas von einarmigen Akrobaten gesungen, aber nach Ansicht des Wasserschweins hatte es nur zu lange unter der Lüftungsanlage gelegen und sich dabei das Hirn verkühlt.
Das Wasserschwein stöhnte leise. Auch das verrückte Lama wanderte unter den Arm der Käuferin. Dort war es ziemlich eng mittlerweile, die Nase des Labradors steckte unter dem Hals des Lamas, und die Füße des Wasserschweins waren zwischen dem Bauch des Labradors und dem des Lamas eingeklemmt. Das Wasserschwein bewegte unbehaglich seine langen Zehen. So viel Nähe war ihm unheimlich, das war es nicht gewohnt.

„Lass das!“ flüsterte der Labrador ihm zu. „Das kitzelt!“
„Ich mags“, flüsterte das Lama von unten. „Mach weiter!“
Das Wasserschwein hielt augenblicklich seine Zehen still. Es wollte weder kitzeln noch sonst etwas tun, es wollte wissen, was gleich geschehen würde. Ihre Käuferin hatte jetzt ein Tintenfass mit lila Inhalt in der Hand und betrachtete es von allen Seiten, dann wandte sie sich um und ging in Richtung Kasse. Jetzt kam es darauf an. Wen würde sie kaufen? Und wer würde zurück ins Regal wandern, unter den mitfühlenden, gehässigen oder besorgten Blicken der anderen Plüschtiere? Das Wasserschwein zog den Kopf ein. Hoffentlich, dachte es. Hoffentlich würde sie ihn mitnehmen.

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Das war ein Beitrag zum WritingFriday, der von Elizzy organisiert wird. Aus mehreren Schreibanregungen kann man eine auswählen, Freitags wird veröffentlicht (eigentlich jeden Freitag, aber, ähem, hüstl-hüstl, ich bevorzuge die Formulierung „Freitags“ und hoffe das Beste). Ich habe mir fünf vorgegebene Wörter ausgewählt, daraus diese kleine Geschichte gebastelt und bin guter Dinge, sie fortzusetzen. Mal sehen, was mir so einfällt. Die fünf Wörter: Geschenk, Pinguin, Tintenfass, ruhig, zart.

Es gibt eine Menge weitere Blogs, die an dieser Aktion teilnehmen. Man kann danach googeln oder die Übersicht auf Elizzys Blog ansehen. Es lohnt sich, ein bisschen zu stöbern!