Ausgelesen: Komm, ich erzähle dir eine Geschichte. Von Jorge Bucay.

Dieses Buch bekam ich zum Geburtstag geschenkt mit dem Hinweis: Damit du auch von diesen wunderbaren Geschichten profitierst! Tja. Naja. Also, schlecht waren sie nicht, aber sie waren eben auch keine Sternstunde in meinen Leseerlebnissen.

Das Buch besteht aus einer Vielzahl von verschiedensten Geschichten, die in eine eher unwichtige Rahmenhandlung mit einen sehr von sich überzeugten Therapeuten eingebettet sind. Demian, ein junger Mann mit den üblichen Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens, kommt „zum Dicken“, einem Psychotherapeuten, der ihm im Gegensatz zu anderen Therapeuten zu jeder seiner Lebenssituationen und Probleme eine passende Geschichte erzählt. Ansonsten gibt es keinen roten Faden, man lernt weder Demian noch den Dicken näher kennen, und das ist auch nicht gewollt, da die Hauptsache die vielen Geschichten, Sagen, Märchen und Parabeln sind.

Sie sind sehr unterschiedlich, viele haben mir gefallen und ein kleines Aha-Erlebnis beschert, manche fand ich langweilig, andere habe ich schlichtweg nicht verstanden. Ein paar wunderschöne Perlen finden sich, bei anderen saß ich da und überlegte: Was möchte der Autor mir damit sagen? Vielleicht ist das auch schon der Sinn des Buches: Ins Überlegen kommen über sich selbst. Nicht übel. Wer Märchen und Sagen mag, kommt hier bestimmt auf seine Kosten. Aber für Leser wie mich wohl eher nicht gedacht. In den Lobgesang vieler anderer über dieses Buch kann ich leider nicht einstimmen.

Ausgelesen: Britt-Marie war hier. Von Fredrik Backman.

Britt-Marie ist eine ungewöhnliche Buchheldin. So ungewöhnlich, dass der Autor sie nicht als Ich-Erzählerin einsetzt, auch nicht aus der Perspektive des allwissenden Erzählers, sondern aus einer sperrigen wir-sprechen-in-der-dritten-Person-von-uns Variante. Sie schafft die notwendige Distanz, die die Geschichte in ihrer Entwicklung benötigt. Ich musste mich erst daran gewöhnen, aber Britt-Marie hat nicht lange gebraucht, bis sie mich von sich überzeugt hatte. Sie ist eine dreiundsechzigjährige Frau, die bisher vor allem durch und für andere gelebt hat, was ja an sich nichts schlechtes ist. Wenn aber die anderen nicht wissen, was sie an Britt-Marie haben und sie benutzen, um sich selbst besser und größer zu fühlen, läuft irgendetwas verkehrt, und Britt-Marie braucht lange, sehr lange, um das zu verstehen. Genauer gesagt braucht sie Borg, um das zu verstehen, ein kleines Dorf außerhalb von allem, längst abgehängt durch die Verstädterung, ohne Läden, Schulen, Ärzte, nur einen kleinen Allzweckladen gibt es noch, der gleichzeitig Post, Kneipe, Werkstatt und Treffpunkt ist. Außerdem gibt es noch ein katastrophales Jugendfußballteam, das in Auflösung begriffen ist. Und dann kommt Britt-Marie. Und vieles ändert sich, auch sie selbst.

Ich mochte die Geschichte und Britt-Marie sehr, nur zum Ende hin, da wird es für meinen Geschmack etwas zu melodramatisch. Irgendwie scheint mir das nicht zum Rest der Geschichte zu passen, obwohl das Ende wiederum sehr gut ist, trotz aller Melodramatik. Es wäre schön, wenn es mehr Dörfer wie Borg gäbe und mehr Menschen wie Britt-Marie. Die Welt wäre vermutlich ein besserer Ort.

 

Urlaub, was ist das eigentlich?

Vielleicht so:

morgens aufstehen und keine Aufgaben haben
barfuß laufen, auch wenn es regnet
Ameisen beobachten
lesen – mehr lesen – noch mehr lesen
sich auf einen Fleck setzen und da so lange bleiben, bis einem die Beine einschlafen
neue Sommerkleider ausführen
seltsame Eissorten probieren
Seewasser zwischen den Zehen
Sommergedichte auf Postkarten schreiben
viel lachen
sehr viel schlafen
in fremde Kirchen gehen
dankbar sein
sich auf den vertrauten Alltag freuen

2017 hatte ich diesen Text schon einmal veröffentlicht, heute nun muss ich ihn einfach nochmal posten – denn ich habe ab heute Urlaub!!! Ich freu mich… Reaktionszeiten hier im Blog können dadurch etwas länger dauern, ein paar Dinge habe ich vorbereitet und jetzt tue ich erstmal wenig bis nichts. Und dann warte ich nochmal ab, trinke einen Tee und lese vielleicht ein Buch… 🙂

Promenadenplatz

Promenadenplatz

Tätowierte mit Adlerflügeln und flauschigen Hunden
rotgesonnte Spitzbäuchige in Gummischlappen
ausgetrocknete sonnenverspiegelte Radfahrer
schwitzende Pudel auf dauergewellten Beinen
abgeschnittene Jeanszwerge mit Eishoffnungen
weißhaarige Bodenständige in vernünftigem Schuhwerk
tiefstausgeschnittene Brustträgerinnen an nichtssagenden T-Shirt-Helden
Schnurrbartgesichter unter blau-weißem Sonnenschirmhimmel
Käppi-Sippen in weiß besockten Sportschuhläufern
fischschuppenpaillettenglitzernde Strohbehütete
schleifchenhaarige Windelträger und ihre Nannys
am Horizont Schlammwanderer hundertfach
und ich auf meinem Aussichtsplatz:
promenadengesättigt

Ein Sonntag an der Nordsee kann ganz schön inspirieren… aber wir haben nicht nur herumgespannert, wir sind bei bestem Seewetter auch noch ein bisschen im Watt herumspaziert! 🙂

Der Dienstag dichtet!  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram und  Mutigerleben sind mit von der Partie. Wer den Dienstag also mit Gedichten beginnen will: Herzlich willkommen!

Mein Balkon im Juli

Mein Balkon lebt! Auch, wenn es im Moment sehr, sehr heiß dort ist – ein Südbalkon halt. Aber ich gieße morgens und abends und hoffe, dass alle Bewohner überleben werden. Seit Mai sind ein paar neue Mieter eingezogen, einigen alten Mietern gefiel die Lage nicht, andere dagegen blühten regelrecht auf, aber das Wichtigste zuerst: Es sind noch Wohnungen frei! Wie man hier sehr schön sehen kann: Beste Lage, sonnige Südseite, regengeschützt, angenehme Nachbarn, sturmsicher, tägliches Morgenbuffet gleich nebenan und das Beste: Mietfrei!

Das hier ist Diva Nr. 2, nachdem sich die erste völlig verausgabt hatte, nur noch ein Schatten ihrer selbst war und in Rente gehen musste. Bis zuletzt habe ich sie gehegt und gepflegt, und niemals wurde irgendetwas für schnöden Frühstücksbelag verwendet – stattdessen haben täglich Bienen und Hummeln vorbeigeschaut und sie umschwärmt wie Motten das Licht. Auch Diva Nr. 2 entwickelt sich in dieselbe Richtung, vielleicht ist mein Balkon eine Bühne, und ich bin die Bühnenmeisterin?

Hier sieht man meine Stachelbeere, die dieses Jahr ganz neue, raumeinnehmende Qualitäten entwickelt und ihren Platz energisch pieksend verteidigt. Dafür konnte ich aber auch täglich zwei Stachelbeeren ernten, es ist ein Geben und Nehmen hier oben.

Der Rosmarin ist immer noch ein anspruchsvoller Logiergast, wehe, es scheint nicht täglich die Sonne (was im Moment eher weniger das Problem ist)! Aber wenn sie scheint, dann beduftet er die gesamte linke Seite des Balkons, inklusive der Stachelbeere. Ich habe ja das Gefühl, er versucht seit Wochen mit der Stachelbeere anzubändeln, aber ich fürchte, sie ist nicht unbedingt das hellste Licht auf dem Balkon und außerdem viel zu sehr mit ihrer Revierverteidigung beschäftigt.

Diese rosa Wolken hier wachsen und wachsen, in die Höhe und in die Breite, Schwebfliegen aller Art lieben sie heiß und innig, und ab und zu, wenn gerade keiner hinsieht, pflücke ich ein Blümchen für den Frühstückstisch. Leider kenne ich ihren Namen noch immer nicht, ich könnte ja auch einfach im Netz gucken, aber ein bisschen Geheimnis ist doch auch ganz nett…

Unter den rosa Wolken duftet die Vanilleblume, die sich anfangs überhaupt nicht eingewöhnen konnte – sie steht mehr auf trockene Füße, während ihre Nachbarn nasse Füße mögen. Tja. Was macht man da? Ich habe auf Zeit gespielt, mehr rechts gegossen und so langsam, nach und nach wurde sie doch noch warm in ihrem Balkonkasten. Nun duftet sie lieblich vor sich hin, wächst langsam aber stetig und ich behalte sie im Blick.

Diese blaue Glockenblume ist ein kleines Wunder: Ihre Vorgängerin ist leider wegen Kälte und Nässe ausgewandert, und ich hatte sie schon unter „versuchtabernichtgelungen“ abgespeichert. Und dann, ein paar Wochen später, kam ganz klitzeklein ein neuer Spross aus dem Boden! Und nun hat sie die erste neue Blüte!! Hah!!!

Die zwei kleinen Zwergsonnenblumen haben nach einer dramatischen Flohmarktrettung bei mir Unterschlupf gefunden – fast wären ihre Samen in einem trostlosen Umzugskarton ganz unten gelandet, aber dann kam ich, Superbalkongärtnerin, und habe sie vor dem sicheren Kellertod gerettet! Ich bin mir sicher, sie wissen das zu schätzen und geben alles.

Hier musste ich ordnend eingreifen, denn die erste Blüte war definitiv vorbei, alle Schwebfliegen kamen immer wieder umsonst vorbei, und das geht ja gar nicht. Also habe ich zur Schere gegriffen und alles niedergemäht, übrig blieb ein Stoppelfeld. Und nun, drei Wochen später – eine neue Blüte! Gleich dutzendweise kommen sie ein zweites Mal, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte nach meiner Radikalkur! Manchmal muss man einfach streng und konsequent sein. Jawoll.

Auch hier gilt: Es sind noch Wohnungen frei! Obwohl ich zugeben muss, es sind leider nur noch die zugigen Randlagen zu haben, und die neuen Mieter müssten vermutlich erst mal ein bisschen ausputzen… vielleicht auch mal streichen und neu stopfen…

Hier sehen Sie ein Experiment, ich hatte noch einen Topf frei und eine Wildblütenmischung geschenkt bekommen, und dann dachte ich mir, ach, was solls, entweder, sie schaffen es noch diesen Sommer oder eben nicht – im Moment sieht es so aus, als ob sie es wild entschlossen schaffen wollen, oder? Ein Petuniensamen hat sich auch in den Topf verirrt, eigentlich ist es da unten zu dunkel für ihn, aber mal sehen – Überraschungen gibt es ja immer.

Die geschenkten Tomaten meines Kollegen wachsen vor sich hin und ich warte auf die erste Ernte – die ersten Fruchtansätze sind schon da! Heute konnte ich sie dann auch endlich von ihrem verhassten Regenplatz wegzerren und unters trockene Dach stellen, ihr erleichtertes Aufseufzen war bis zu meinen Nachbarn zu hören, isch schwöre, escht, jetzt.

Dieses unter Lebensgefahr von oben fotografierte Bild ist ein Triumph des Wassers über die Trockenheit: Nachdem im Winter wüstenähnliche Zustände in diesem Topf herrschten, hatten sich der Lavendel und die Petunien beleidigt in die Erde zurückgezogen und ich dachte, ich hätte es vergeigt. Und nun das! Sehen Sie es sich an! Und ich kann sie nicht mal sehen, denn der Topf hängt höher als ich groß bin (ok, das ist auch nicht allzu groß), aber trotzdem: Ich bin begeistert! Ach ja, unten rechts sieht man übrigens sehr schön, wie groß mein Balkon in Wirklichkeit ist. Die Nachbarn unten züchten allerdings nur Tabakstummel in Einmachgläsern, bisher ohne großen Erfolg.

Und hier der krönende Abschluss: Meine erste eigene Kartoffelernte, liebevoll geschrubbt – sehen Sie das hübsche Rosa? Ok, über die Ertragsmenge könnte man diskutieren, aber dafür hatte ich eine Menge Grün auf dem Balkon und die erstaunliche Gewissheit, dass meine Kühlschrankkartoffeln weitaus mehr Fähigkeiten haben als nur darauf zu warten, zu Kartoffelsalat zu werden! Wussten Sie, dass die Knollen einfach anfangen zu wachsen, wenn man sie in Erde vergräbt??? Theoretisch war mir das auch klar, aber es praktisch zu sehen – nie wieder werde ich Kartoffeln geringschätzig betrachten.

Jetzt steht nur noch diese alles beherrschende Frage im Raum: Was mache ich mit ihnen? Kartoffeln mit Butter und Salz? Rosmarinkartoffeln? Blechkartoffeln? So viele Möglichkeiten…

Vollkommenheit

manchmal ein Ton
oder zwei
sachte spielen Schallwellen
mit dem zarten Kern in dir
der spröde und empfindlich
nach Vollkommenheit schreit

(Wer möchte, klicke das Bild an – so schön kann Regen sein)

Das Gedicht beschreibt seltene musikalische Momente – manchmal bei philharmonischen Konzerten, manchmal beim Radiohören, manchmal beim selber  Singen. Ach. Musik ist schön.

Der Dienstag dichtet!  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram und  Mutigerleben sind mit von der Partie. Wer den Dienstag also mit Gedichten beginnen will: Herzlich willkommen!

Ausgelesen und geschrieben: Sieben Tage Leichtsinn. Von Susanne Niemeyer.

Jeder, der gerne schreibt, kennt die Zeiten, in denen es einfach nicht von selber flutscht. Das Hirn ist blockiert, gutes Zureden hilft nicht, und die leere Seite vor einem starrt einen vorwurfsvoll an. Dann, liebe Freunde, ist es Zeit für Sieben Tage Leichtsinn!

Dieses kleine Heft begleitet einen sieben Tage lang und macht Vorschläge (die man selbstredend nicht befolgen muss, aber befolgen möchte, nachdem man einmal angefangen hat!) zu Themen wie „Anfangen“, „Das Auja-Prinzip“, „Schönfärben“, „Lustifikation“ und anderen mehr. Dazu gibt es schöne kleine Texte und Gedichte, die mit einem Mal wieder die Lust am eigenen Fabulieren wecken. Und plötzlich sieht man sie auch wieder, die unzähligen Möglichkeiten, Menschen, Gefühle, das große Ganze und das ganz Kleine zu beschreiben. Und wenn wirklich einmal alles feststecken sollte, na, dann ist es eben so – dann reicht es auch, nur die Texte zu lesen, rein zur Stimmungsaufhellung.

Mir hat das Büchlein viel Freude gemacht, und ich nutze es mittlerweile weit über die angestrebten sieben Tage hinaus. Und Leichtsinnig war ich auch gleich: Man betrachte den Frühstücksteller – wenn das kein Leichtsinn ist! 🙂