Da tat sich der Himmel auf

Da tat sich der Himmel auf

Lichtverhältnisse ändern sich
alles erscheint plötzlich im anderen Licht
was grad noch im Dunkeln lag
wird erhellt
mein Blick wird angezogen
vom Himmel
und richtet sich dahin auf
erwartungsvolle Gespanntheit
neue Perspektive
Gott lässt von sich sehen
wendet sich mir zu
Fürchte dich nicht

Ein Gastbeitrag von Himmelgraublau – vielen lieben Dank dafür!

Ausgenossen: Kurz und Gott. Von Andreas Noga (Texte) und Eberhard Münch (Zeichnungen).

Manchmal finden einen die Bücher, man muss gar nichts tun, nur einmal völlig uninteressiert an einem ansonsten langweiligen Buchstand vorbeilaufen und zack! da liegt es und sieht einen an. So geschehen mit diesem kleinen, ganz, ganz wunderbaren Gedichtband, der (für mich völlig unverständlich!) auch noch reduziert war. Ich meine – da kann man sich ja gar nicht wehren, in solchen Situationen bin ich meinem Unterbewusstsein völlig ausgeliefert, und ehe ich in irgendeine Richtung hin überlegen konnte, hatte ich es schon gekauft.

Das winzig kleine Büchlein beinhaltet extrem kurze Miniaturgedichte zum Thema Gott, Glaube und Mensch. Manchmal vier Zeilen, manchmal sechs, oft sind es noch nicht einmal zehn Worte, aber wie sie gesetzt sind! Da ist alles drin, nichts fehlt, nichts ist zuviel und an allen kann man hängenbleiben, wenn man möchte. Wie gern würde ich hier ein paar Beispiele posten, aber das Urheberrechtsgesetz lässt das verständlicherweise nicht zu (trotzdem – SO schade! Und wie sollen sie dann bekannt werden? Gerade Gedichte haben es ja bekanntlich nicht leicht in der Literaturszene. Aber so ist es halt.) Es muss also das eine auf der Rückseite reichen, das man auf dem Foto gut sehen kann, wenn man will.

Ich bin ganz glücklich mit dem auch innen schön gestalteten Band, es gibt cremefarbene, blaue, orangene und rote Seiten, die Zeichnungen sind genauso klar und reduziert wie die Gedichte und ein Lesebändchen gibt es auch noch. Im Moment liegt es neben meinem Esstisch, und ab und zu blättere ich beim Frühstücken darin herum und lese eins – ein wunderbarer Start in den Tag.

Geschenke

Geschenke

Guck mal, sagt das Kind zu Gott. Ich hab was für dich. Es überreicht ihm feierlich ein Päckchen, das mit mehr Eifer als Sachverstand eingewickelt wurde. Das zerknitterte Geschenkpapier hat schon bessere Zeiten gesehen, es scheint, als hätte es vorgestern an Heiligabend seinen ersten Einsatz gehabt.
Gott sieht angemessen überrascht aus, als er es entgegennimmt. Dankeschön, sagt er, damit habe ich jetzt nicht gerechnet.
Ich weiß, sagt das Kind stolz. Andauernd verschenkst du was, aber du bekommst nie etwas. Und vorgestern war Weihnachten, also musst du auch ein Geschenk haben. Los, mach es auf!
Gott entfernt gehorsam das ramponierte Geschenkpapier. Hervor kommt ein oben offener Karton mit einem Mixer darin, komplett mit Quirlen und allem Drum und Dran. Gott nimmt ihn in die Hand und betrachtet ihn nachdenklich von allen Seiten. Das Kind hüpft gespannt auf und ab. Das ist ein sehr guter Mixer, sagt er dann.
Ich weiß, sagt das Kind stolz und wippt auf seinen Füßen.
Wozu soll ich ihn benutzen? fragt Gott und dreht vorsichtig an einem der Quirle.
Zum Plätzenbacken natürlich! antwortet das Kind mit großer Selbstverständlichkeit. Du kannst damit die Wolken mixen und Himmelsplätzchen backen, und dann haben du und deine Engel eigene Plätzchen! Das Kind sieht Gott strahlend an, beglückt von seiner Idee.
Gott lächelt und streicht sanft über das zerkratzte Gehäuse des Mixers. Eine gute Idee, sagt er anerkennend, die könnte von mir sein. Auf den Plätzchen würde sich ein bißchen Sternenstaub gut machen, oder was meinst du?
Das Kind nickt eifrig. Ja, bestimmt!
Schön, sagt Gott, dann backen wir heute. Mal sehen, was meine Engel dazu sagen. Eine Frage habe ich noch: Könnte es sein, dass ich in der Küche deiner Mutter einen sehr ähnlichen Mixer gesehen habe?
Das Kind zieht den Kopf ein. Vielleicht, sagt es vorsichtig.
M-hm, sagt Gott, und betrachtet den Mixer in seiner Hand. Dann muss ich wohl überlegen, was ich da machen kann, oder?
Das Kind sieht ihn an und das Strahlen kehrt in sein Gesicht zurück. Ja! Du bist Gott! Du kriegst das hin, sagt es überzeugt.
Ja, ich denke auch, sagt Gott und drückt prüfend auf einen Knopf des Mixers, der daraufhin die Quirle klappernd fallen lässt.
Ich danke dir, sagt Gott, während er die Quirle einsammelt. Ich freue mich.
Das wusste ich! sagt das Kind triumphierend, und dann gehen beide ihrer Wege, das Kind hüpfend und pfeifend, vertieft in neue Pläne. Gott dagegen kostet in Gedanken versunken bereits das erste Himmelsplätzchen mit Sternenstaub.

Bedingungen

Was tun

wenn wir Gott einladen
in unsere kleine Welt
und ihn bitten
hereinzukommen
und Platz zu nehmen
und ihm Kuchen und Tee anbieten
um im Gegenzug
Garantien zu erhalten
für
die Erhaltung unserer Welt
sichere Mauern
Geborgenheit für uns
immerwährende Versorgung mit Kuchen und Tee

und er kommt nicht

Wer?

Wer hat eigentlich verfügt

dass der mit dem vollsten Terminkalender

dem eiligsten Schritt

den meisten Kontakten

derjenige ist

der dir, Gott

am meisten dient?

Was ist mit denen

die dich in der Stille suchen

denen die Zeit mit dir so wichtig ist

dass sie ihren Tagesablauf

ihren Gebetszeiten unterordnen

nicht umgekehrt?

Und wer hat daraus

aus dem Tun und Sein vor dir

einen Wettbewerb gemacht

statt sie als

einatmen und ausatmen zu verstehen?

 

Ein Gastbeitrag von himmelgraublau – dankeschön!

Ausgelesen: Die Tage, die ich mit Gott verbrachte. Von Axel Hacke, mit Bildern von Michael Sowa

Vorweg gesagt: Ich mag Axel Hacke, viele seiner Kolumnen und ich habe auch schon ein paar seiner Bücher gelesen und gemocht. Und die Illustrationen von Michael Sowa sind sowieso konkurrenzlos.

Mit diesem Buch aber habe ich gefremdelt. Es geht um einen Ich-Erzähler, der Gott begegnet und ein paar Tage mit ihm verbringt, und es stellt sich heraus, Gott ist ganz anders als vorher gedacht. Das ist ja an und für sich keine schlechte Ausgangsposition, und da ich immer neugierig bin, wenn erfolgreiche Autoren sich trauen, das Wort Gott zu verwenden (und das auch noch im Titel!), konnte ich nicht widerstehen und musste es kaufen. Das Buch ist gut geschrieben, wie eigentlich alles bei Axel Hacke gut geschrieben ist, und Gott und der Erzähler treffen sich in einer Stadt, die ein wenig den Bildern von Magritte ähnelt – leicht surreal, aber mit deutlichen Bezügen zur Realität. Gott ist in der Lage, erstaunliche Dinge zu tun und gleichzeitig hilflos, wenn es um seine Schöpfung geht, von Selbstzweifeln umgetrieben und sehr allein. Er ist höchst menschlich.

Bei diesem Buch konnte ich nicht neutral lesen. Normalerweise gelingt es mir, relativ unbelastet an ein Buchthema heranzugehen, aber hier war das nicht möglich. Mein Gottesbild und Axel Hackes literarisches Gottesbild haben an so vielen Stellen nicht zusammengepasst, dass mir der Charme des Buches vermutlich völlig entgangen ist. Gedanklich war ich immer damit beschäftigt, die beiden Vorstellungen von Gott miteinander zu vergleichen, und seine gefiel mir einfach nicht. Ein bisschen schockiert hat mich meine Unfähigkeit, von mir wegzusehen und seine Variante vorurteilsfrei zu betrachten. Dabei ist ja überhaupt nicht gesagt, dass meine Gottesbildvariante stimmiger ist als seine, Gott ist schließlich immer der Andere – also immer anders, als ich es mir gerade zurecht bastele. Und trotzdem. Es hat nicht gepasst.

Ich hätte hier also ein Buch abzugeben, nur einmal gelesen, gut geschrieben, mit sehr schönen Illustrationen. Wer weiß, vielleicht ist es für den nächsten Leser ein Volltreffer.