Neujahr

Neujahr

neue Zeiten
noch unbekannt
schlechte Sicht
verschwommene Konturen im trüben Licht
weit entfernt undeutliche Stimmen
ansonsten: Stille
ich atme und warte
unschlüssig
zweifle am festen Grund
hinter den Konturen leises Gelächter
zaghaftes Leuchten
jemand flüstert: Komm
und ich
hebe den Fuß

Ausgelesen: Geister auf der Metropolitan Line. Von Ben Aaronovitch.

Als klar war, dass es einen weiteren Peter Grant-Band von Ben Aaronovitch geben würde, war ich begeistert. Diese Serie ist einfach das Nonplusultra, was Urban Fantasy betrifft, ich mag den Humor, die Intelligenz, die kleinen Seitenhiebe auf moderne Stadtplanung, die Liebe des Autors zu seiner Stadt, London. Dazu kann der Mann auch noch schreiben, er nimmt seine Figuren ernst, lässt ihnen ihre Geheimnisse und erklärt nicht alles – was will der Leser mehr?

Geister mit Kaffeebecher… irgendwie sympathisch.

So. Und dann stand ich im Buchladen und dachte: Oh, das Buch ist aber dünn. Und warum ist die Schrift so groß? Hm. Will da jemand etwa eine kleine Zwischengeschichte als neuen Band der Serie verkaufen? Ja, verdammt! Und dann bin ich sauer aus dem Laden gerauscht, ohne das Buch zu kaufen.

Glücklicherweise gibt es aber noch größere Fans als ich es bin, und von einem habe ich die Geister auf der Metropolitan Line ausgeliehen bekommen, und was soll ich sagen? Es ist gut, Leute. Es macht einfach Spaß, es zu lesen, obwohl die Geschichte den Hauptstrang der Erzählung nicht vorantreibt. Gewohnt lakonisch und mit viel schwarzem und weißem Humor geht Peter dem Treiben von Geistern nach, die für Aufruhr unter den Pendlern und Touristen in London sorgen. Gibt es eine Verbindung zwischen den Besuchern oder sind sie nur verwirrte Seelen? Viele alte Bekannte helfen Peter, das Rätsel zu lösen, und nebenbei wird ein neuer Charakter eingeführt, dem wir hoffentlich noch öfter begegnen werden. Ich meine – wozu die ganze Mühe, wenn es nur für diesen einen kleinen Ausflug ins Londoner Verkehrswesen gewesen wäre?

Vielen Dank fürs Ausleihen, ich hätte echt eine sehr schöne Geschichte verpasst. Und nun warten wir gemeinsam auf den neuen Band, der zwar noch kein Erscheinungsdatum hat, aber schon leise aus dem Buchstabendschungel herausleuchtet… (Methaphern sind doch was schönes 🙂 )

Entsorgungen

Als du deinen Biomüll zum Kompost bringst, hörst du ein Rumpeln aus der großen Tonne nebenan. Ein Waschbär? Eine Katze? denkst du und öffnest vorsichtig den Deckel der grauen Tonne. Bis zur Nasenspitze eingegraben pflügt dein Schweinehund durch deinen Müll. Als das Licht auf ihn fällt, guckt er kurz hoch, sagt: „Da bist du ja“, und pflügt weiter.
„Was machst du da?“ fragst du ihn.
„Ich bade in Erinnerungen. Guck mal hier“, er hebt einen grauen Fetzen hoch, „das war damals, als uns an diesem geselligen Abend niemand beachtet hat.“ Er wirft den Fetzen hinter sich und greift nach etwas hartem, schwarzen. „Herrje. Da hat uns keiner geglaubt. Weisst du noch? Wir wussten, dass es nicht gut gehen würde, aber niemand hat auf uns gehört.“ Vorsichtig legt er das harte, schwarze in die Ecke und taucht wieder ab. Mit einer Pfote piekst er einen spitzen Stab durch allerlei seltsame Dinge nach oben. Du hörst seine Stimme gedämpft von unten: „Hier! Daran hab ich schon lange nicht mehr gedacht! Da hast du erfahren, dass deine Freunde sich ohne uns getroffen haben! Das war echt hart, damals. Und hier“, er wühlt sich wieder nach oben und hält dir eine braune Schale entgegen, „das ist noch gar nicht so lange her, wir hatten keine Lust auszugehen, und hinterher haben die anderen erzählt, dass es ein schöner Abend war.“ Er wirft die leere Schale zwischen den anderen Müll und beginnt, ein braunes Netz aufzuknibbeln, das voller Buchstaben ist. „Meine Güte, soviele Erinnerungen…“ Er seufzt selig.
Du lehnst dich auf den Rand der Tonne. Die Sonne scheint dir ins Gesicht. „Willst du da noch lange drinbleiben?“
„Wieso?“ Er guckt hoch, etwas Graues zwischen seinen Ohren. Es sieht aus wie ein alter, zerknautschter Hut. „Stört´s dich? Mir war gerade so sentimental zumute, da dachte ich, ich krame ein bißchen in alten Erinnerungen.“
„Neinnein. Mach nur. Aber du hast nur noch eine Stunde Zeit, dann stelle ich die Tonne an die Straße. Morgen ist Müllabfuhr.“
„Was?“ Dein Schweinehund ist entsetzt. „Du willst das alles wegwerfen?“
Du nickst. „Was hast du denn gedacht? Du sitzt in einer Mülltonne.“
„Ja, aber, ja, aber“, stottert er, „das sind doch alles unsere Erinnerungen! Die kannst du doch nicht wegwerfen!“
„Ach, ich hab so viele Erinnerungen, da kommt´s auf eine mehr oder weniger nicht an. Pass ein bisschen auf, wenn du weiter sentimental schwelgst: Du sitzt in den ganzen scharfen, spitzen, ansteckenden Erinnerungen, nicht, dass du dir noch was einfängst.“
Dein Schweinehund betrachtet voller Wehmut das Netz mit den Buchstaben. „Kann ich nicht wenigstens ein paar wieder mit reinnehmen? Ich hänge so an ihnen. Guck mal, hier, das ist ein ganz altes Diktat, da hatten wir keine Lust zum Üben, und du hast „daine Füse sint groz“ geschrieben. Das war schön damals…“ Versonnen blickt er in die Ferne.
Du winkst ab. „Auf keinen Fall. Bleib gern noch drin. Aber nachher kommt die Tonne raus. Komplett.“
Und, mal ehrlich: Das wird auch Zeit.

24. Advent

So. Nun ist es also soweit. Heute öffne ich das letzte Päckchen. Die letzten 23 Tage waren wirklich schön, ich habe mich über jedes einzelne gefreut! Heute Abend ist Heiligabend, und wenn der Tag nach all den vorherigen Verheißungen, dem Lichtgefunkel in Schaufenstern und Fußgängerzonen nicht so werden sollte, wie wir ihn uns vorgestellt haben – ist das wirklich so schlimm? Zählt nicht auch die Vorfreude an den Tagen zuvor? Und ein Bewusstsein dafür, wie schön es ist, ein bißchen Nettigkeit und Glanz bei anderen zu verbreiten? Weihnachten kommt aus einem Stall, in dem es bestimmt nicht gefunkelt hat und trotzdem ging aus ihm so viel Licht hervor.

Nun zum heutigen Päckchen! Ein besonders unvorhersehbar verpacktes, ich liebe das!

Und was war drin?

Karamellisierte Walnüsse? Oh, Granatapfelessig! Und ein Rezept mit dem Hinweis: Nach all dem süßen vielleicht mal einen Salat…

Wie schön ist das denn? Ich freue mich über diesen gelungenen Abschluss unseres Kalenders und wünsche allen Mitleserinnen und Mitlesern fröhliche Weihnachtstage, mindestens einen Gottesdienst mit den alten, wunderbaren Weihnachtsliedern und ein bißchen freie Zeit für all das, was man sich sonst nicht erlaubt… 🙂

 

23. Advent

Heute morgen bin ich viel zu früh aufgewacht, also für meine Verhältnisse viel zu früh. Und dann war es tatsächlich bis halb neun dunkel draußen – puh. Aber, ein schöner Nebeneffekt des dunklen Monats: Die Kerzen und Lichterketten und überhaupt alles Licht sieht schon am Morgen ganz wunderbar aus! Das Päckchen heute war interessant verpackt und sah im Frühstückstischlicht sehr hübsch aus:

Und was war drin?

Ein Kumpel für mein Engelchen! Mal sehen, ob sie sich anfreunden. Und er ist nicht nur schnöde Fassade, nein, er hat ein reichhaltiges Innenleben!

Was es genau ist, weiß ich noch nicht, das Geheimnis wird erst später gelüftet. Ich glaube, man kann auch nach Weihnachten noch ein paar schöne Überraschungen gebrauchen.

22. Advent

Heute ist ein großer Tag, heute kaufe ich meinen Weihnachtsbaum. Hurra! Aber vorher kommt erst noch die Nr. 22, dieses Mal entspannt beim Frühstück ausgepackt:

Hmm… das Päckchen ist auf jeden Fall schon mal farblich ans Engelchen angepasst, das gefällt ihm und mir auch. Aber nun zum Inhalt:

So hübsch!! Ich liebe Miniaturlandschaften im Glas, nach Schneekugeln, die ich noch sehr viel mehr liebe, ist das die beste Verwendungsmöglichkeit für leere Gläser. Also meiner Meinung nach.

Und ich weiß auch schon, wer hier einziehen wird…

Wer eine schöne Geschichte über einen chaotischen Familien-Weihnachtsabend lesen möchte, kann das bei Writing Chills tun. Ich habe mich wiedererkannt.

Bei Pusteblume gibt es eine traurige, aber schöne Geschichte über Verlust und Trost.

 

21. Advent

Hurra! Heute letzter Arbeitstag vor den Feiertagen! Vermutlich war ich deswegen auch so spät dran, dass das Päckchen in sträflicher Eile ausgepackt wurde. Schande über mein Haupt.

Und was war drin?

Zwei abstrakte Eicheln in Filzoptik! 🙂 Die wandern zwischen die anderen goldenen Nüsse… (ich hoffe immer noch auf die drei Nüsse vom Aschenbrödel, ich meine, vielleicht verliert ja mal jemand so einen Zweig direkt vor mir… die Hoffnung stirbt zuletzt).