Geschenke

Manche Geschenke machen glücklicher als andere, schon deswegen, weil sie so wunderbar verpackt sind.

Ich bin eingeladen! Im Juli geht´s nach Hameln. Ich glaube, die Flöte nehme ich mit – man könnte ja mal ausprobieren, ob…

Urlaub, was ist das eigentlich?

Vielleicht so:

morgens aufstehen und keine Aufgaben haben
barfuß laufen, auch wenn es regnet
Ameisen beobachten
lesen – mehr lesen – noch mehr lesen
sich auf einen Fleck setzen und da so lange bleiben, bis einem die Beine einschlafen
neue Sommerkleider ausführen
seltsame Eissorten probieren
Seewasser zwischen den Zehen
Sommergedichte auf Postkarten schreiben
viel lachen
sehr viel schlafen
in fremde Kirchen gehen
dankbar sein
sich auf den vertrauten Alltag freuen

Tomaten an die Macht

Seit einigen Tagen frage ich mich, ob meine Tomaten eventuell die Weltherrschaft anstreben. Wenn das so weiter geht, wird als allererstes passieren, dass ich meinen Balkon nicht mehr betreten kann, dann werden sie weiterwachsen bis auf den Nachbarbalkon, von dort auf den Boden und dann geht´s erst richtig los! Ich fürchte nur, sie haben nicht bedacht, dass ich die Herrscherin über den Wassernachschub bin: Winzig kleines Pflanzgefäß, riesiger Durst!

Deswegen müssen sie wohl doch vorerst bei mir bleiben. Aber vielleicht lasse ich später ein paar Tomatensamen auf den Rasen fallen und beobachte dann von oben aus, was passiert. Bisher passiert sind wundersame Verwandlungen.

Wie man sieht, arbeite ich bereits mit Schranken und Absperrbändern, bisher ohne Erfolg.

Die Stachelbeere links im Bild wird von ihm hier gegen allzu eifrige Tomatenranken verteidigt (eigentlich kann die Stachelbeere sich hervorragend selber verteidigen, wie ich schon mehrfach schmerzhaft feststellen musste, aber ich lasse ihm die Illusion. Leben und leben lassen).

Und dann gibt es in meinen Blumenkästen noch einen sehr speziellen Bewohner. Rechts hinten in der Ecke versteckt er sich.

Der Blumenfisch. Ruhig zieht er seine Bahnen durch Männertreu, Lavendel und Keineahnungwiehießsienochgleich. Er lebt von Luft und Liebe, allerdings hoffe ich immer noch, dass er vielleicht auch ab und an eine der Schnecken vertilgt, die sich regelmässig über die Blütenblätter hermachen.

Werden die Tomaten weiter versuchen, zu expandieren? Wird die Stachelbeere aggressiv werden? Was passiert mit dem Blumenfisch? Ich werde berichten.

Gefunden per bookcrossing: Rückenwind. Von Christina Jocker und Almuth Stender

Neulich hing am Fahrradständer vor meinem Arbeitsplatz eine Klarsichthülle und baumelte sanft im Wind hin und her. Es war ein Buch drin, und natürlich habe ich es mitgenommen (unfassbarerweise haben mindestens drei Kolleginnen es auch gesehen und hängengelassen – wie geht denn sowas? Sind die denn überhaupt nicht neugierig??)!

Es war ein kleines Buch, das per bookcrossing wandert, und da ich diese Idee der wandernden Bücher wunderbar finde, mache ich doch gern mit! Morgen wird es also wieder ausgesetzt und darf weiter in der Weltgeschichte herumreisen. Falls jemand suchen will: Morgen Abend vor der Stadtbibliothek!

Und nun zum Buch: Es sind kurze Prosakurzgeschichten von zwei Autorinnen, die sich jeweils zu einem Bremer Foto Gedanken gemacht haben. Herausgekommen sind sehr unterschiedliche, kurze Texte, die mir mal besser, mal weniger gut gefallen haben. Ich bin eher nicht so der Kurzgeschichtentyp, längeres ist mir lieber, aber diese Texte hätten in länger nicht funktioniert. Es sind kleine, in sich geschlossene Splitter mit sehr eigenem Charakter, schön für die kleine Leseeinheit zwischendurch. Ohne bookcrossing hätte ich sie wohl nicht gelesen. Vielen Dank also dem edlen Spender!

Im Eiscafé

abendliches Stimmengewirr bei Aperol Spritz und Cappuccino

man grüßt sich

vor mir im Becher leuchtet es erdbeerrot und vanillegelb

freundlich flitzt die Bedienung zwischen Wünschen und Tischen hin und her

eine Gruppe hübscher Männer zieht gut gelaunt zur Domweih

an der Hand seiner barfüssigen Besitzerin schwebt ein glitzerndes Rieseneinhorn vorbei

lächeln bitte: Vorm Frisörladen gegenüber springen acht perfekt frisierte Frauen mit Kämmen, Haarspray und Föhn in der Hand auf Kommando in die Luft

Gelächter zwischen Eisbechern, darüber schrillt eine ältere Stimme am Nachbartisch

schüchtern guckt der kleine Pinscher unterm Stuhl hervor, seine riesige Halskrause kratzt auf dem Pflaster

das junge Paar sitzt schweigend bei Kaffee und Zigarette

langsam leeren sich die Stühle

Feierabend um neun

Ausgelesen: Legend. Fallender Himmel / Schwelender Sturm / Berstende Sterne. Von Marie Lu.

Diese drei Bücher sind so ein Fall von: Was um alles in der Welt haben sich die Verantwortlichen bei der Titelgebung dieser drei Bücher gedacht? Kam der Begriff „Legende“ überdurchschnittlich oft im Buch vor? Nein! Hat er außer im Klappentext irgendeine Bedeutung für die Handlung? Nein! Was haben die drei Untertitel überhaupt mit der Handlung zu tun? Nichts! Und zwar absolut gar nichts.
Vermutlich sind diese Überschriften aus rein marketingtechnischen Gründen entstanden, um auch das letzte nach Liebe, Herz und Schmerz lechzende Wesen dazu zu bringen, die Bücher zu kaufen. Tja. Da haben die Käufer dann nicht ganz das bekommen, was sie gesucht haben, würde ich mal vermuten. Und zwar ganz und gar nichts schlechteres, sondern drei intelligente, gut geschriebene Dystopien mit den großen Fragen: Warum ist die Welt nicht schwarz und weiß, sondern hat viele Grautöne? Ist der Bösewicht immer ausschließlich böse? Und der Gute immer ausschließlich gut? Kann ich verzeihen? Sollte ich verzeihen, auch, wenn es schwerfällt? Ist das von außen betrachtete, gelobte Land wirklich erstrebenswert oder sollte ich auch mal hinter die Fassaden schauen? Und wieviel Idealismus ist in der Politik durchsetzbar und wo müssen Kompromisse gemacht werden, auch, wenn sie schmerzhaft sind?
Diese Bücher sind ein wirklich guter Stoff, um sich mit all diesen Fragen auseinanderzusetzen, und ich bin froh um jeden jüngeren Leser, der sie inhaliert hat. Darüber hinaus sind sie auch noch spannend, gut geschrieben und ja, es ist natürlich auch eine große, schöne Liebesgeschichte enthalten. Aber sie besetzt die Seiten nicht zu einhundert Prozent, und das war sehr erfrischend. Große Empfehlung für die Sommerferien!

Sommer

Es ist hell
Die Sonne scheint tief
Knallblau leuchtet der Himmel
Amselgesang auf der anderen Hausseite
Zwei Querstraßen weiter rauscht der Verkehr
Getunte Auspüffe röhren vom Sommer
Unter meinem Balkon wird türkisch gespielt
Drei kleine Mädchen tauschen sich aus
Ihr Papa ist lauter
Blätter rascheln im Baum neben mir
Schatten fällt auf meinen Bildschirm
Deutscher Slang fährt Fahrrad
Eine Wespe summt vorbei
Krähengeschrei vorm Schlafengehen
Lebendiger Balkon

Ausgelesen: Jetzt, Baby. Von Julia Engelmann

Beim Poetry-Slam schwanke ich immer zwischen zwei Extremen hin und her: Auf der einen Seite finde ich die Schnelligkeit, die Masse an Worten und Aussagen faszinierend, auf der anderen Seite erschlägt mich genau dasselbe. Was macht man mit all den Worten und Ansichten, die einen da überrollen? Eigentlich konsumiere ich sie nur, um am Ende mit einem Whow-Gefühl zurückzubleiben, das ziemlich schnell wieder verfliegt. Was ja nicht schlecht sein muss.

Poetry-Slam in Buchform kommt mir da entgegen, da kann ich das Tempo nämlich selber bestimmen. Und das hat mir gut gefallen! Julia Engelmann hat´s einfach drauf, sie formuliert das, was andere fühlen, bleibt dabei persönlich und kommt teilweise sehr nah an den Leser heran. Vermutlich macht das die Faszination ihrer Texte aus. Ich habe das Büchlein sehr gern gelesen und auch gleich weiter in die Welt geschickt. Sowas sollte nicht im Regal versauern.

Nach dem Gottesdienst

Nach dem Gottesdienst

Stimmengewirr auf dem Hof
dicke Wolken schwimmen im blauen Himmel
Schwalben segeln über Dachfirste
vorn am Tor rauscht der Landstraßenverkehr
Leute tapsen übers bucklige Kopfsteinpflaster
am Rosenstrauch reden zwei Frauen
jemand trägt benutztes Geschirr davon
ein paar Leute verabschieden sich zum dritten Mal
Autos holpern zur Straße und verschwinden im Sonntag
der schwarze Hund auf den Stufen gibt vor zu schlafen
die Tasche in meiner Hand zieht an mir
Aufbruchstimmung

im Juni könnte man…

picknicken
barfuß laufen – einen Tag lang – und dann noch einen – und noch einen…
Freunde zum Grillen einladen
in die Einsamkeit zurückziehen (mindestens einen Tag) – und schauen, was das mit einem macht
so viele Mahlzeiten wie möglich draußen genießen
neugierig auf Menschen sein – und für sie beten
sich unter einen Baum stellen – und wahrnehmen
Tagebuch schreiben
Erdbeeren pflücken, aber vor allem essen
einen spontanen Ausflug unternehmen – einfach so
zur Lieblingsmusik unterm Sternenhimmel tanzen
die anfallende Arbeit gern tun
über Pfingsten nachdenken
Spargel kochen
in der Hängematte abhängen mit einem Buch – oder mit geschlossenen Augen

(Ein Gastbeitrag von Himmelgraublau – dankeschön!)