Ausgelesen: Meine wundervolle Buchhandlung. Von Petra Hartlieb.

Ich bin ja eigentlich überhaupt keine Liebhaberin von Tatsachenberichten, wahren Geschichten, Biographien und all den Ratgebern, die es in der Buchwelt gibt. Ich meine – das echte Leben lebe ich, ich mag es ausgesprochen gern, und ja, ich lese auch Zeitung und gucke Nachrichten und gern Dokumentationen (wenn es nicht ausschließlich um das Balzverhalten von irgendwelchen Stelzvögeln geht), und ich finde, das reicht für mein Leben völlig aus. In den Büchern darf es dann gern etwas phantasievoller, romantischer, dramatischer und unwahrscheinlicher sein als im wirklichen Leben.

Und trotzdem habe ich dieses Buch gekauft, nachdem ich die ersten fünf, dann zehn, dann zwanzig Seiten darin gelesen hatte. Und es hat ausgesprochen großes Vergnügen bereitet, alle restlichen Seiten zu lesen! Petra Hartlieb verliebt sich in eine aufgegebene Buchhandlung in Wien, nachdem sie sie von außen gesehen hat, und es stört nicht wirklich, dass sie eigentlich mit ihrer Familie (Mann, zwei Kinder, zwei Jobs) in Hamburg lebt. Sie überzeugt (oder überwältigt?) ihre Familie, die Jobs werden gekündigt, die Buchhandlung gekauft, es folgt der Umzug und der halsbrecherische Sturz in ein völlig neues Leben.

Sie hat sich entschieden, für ein Leben mit und von Büchern, für volle und übervolle Arbeitstage, atemlose Dezembermonate, in denen Weihnachten völlig untergeht, weil in diesem Monat der Umsatz stattfindet, der die Buchhandlung den Rest des Jahres finanziert. Plötzlich ist sie Chefin, hat Mitarbeiter und Verantwortung, trotzdem noch zu viele Ideen und selbst ihre unerschöpfliche Energie gerät an ihre Grenzen.

Das ist alles sehr unterhaltsam zu lesen, und wer Bücher liebt, wird sich wohl unabhängig von seinem Naturell ein oder zweimal fragen, ob man nicht selber auch… um dann weiterzulesen und sich doch lieber für ein Leben als Leser zu entscheiden. Ich hatte beim Lesen ab und zu das Gefühl, dass man in diesem Energiemahlstrom wohl nur zwei Alternativen hat: Unterzugehen oder mitzuschwimmen und das ich ganz froh bin, das nur lesen zu dürfen und weiter nicht involviert bin. Auf jeden Fall aber hat man ein aufregendes Leben, wenn man am Leben dieser Frau in irgendeiner Form beteiligt ist, soviel ist sicher, und ich bin dankbar und habe mich gefreut, in Form dieses Buches ein kleines bisschen daran teilhaben zu dürfen.

Wer Bücher und Buchhandlungen mag und Amazon nicht schätzt, ist hier genau richtig. Ein großartiges Plädoyer für die kleine Buchhandlung um die Ecke!

Januar

Januar

der Nüchterne
die Fenster schlafen
verkatert vom durchfeierten Lichtermonat
Frost kratzt an den Autodächern
kühler Schnee in vielen Kehlen
im Ersten schweben Neu-Anfänge
die Anker noch im Alten
jeder dunkle Morgen flüstert:
setz die Segel

komm

 

Ausgelesen: Von fremder Hand. Von Deborah Crombie.

Wieder ein Krimi aus der Reihe um Superintendant Kincaid und seine Partnerin Gemma James. Dieses Mal spielt er in der Grafschaft Glastonbury im südenglischen Somerset. Wie immer schreibt die Autorin spielend leicht, detailreich und man ist sofort in der Geschichte und direkt im Geschehen, das anfängt, als Jack Montfort, Architekt und höchst nüchterner Mensch, plötzlich anfängt, kryptische Texte auf Latein zu schreiben, ohne das bewusst zu wollen, dann wird ein Mordanschlag auf seine Freundin verübt und plötzlich spielen jede Menge sehr alter Gebäude und Mythen eine immer größere Rolle…

Überrascht hat mich der übersinnliche Bezug, den ich in dieser normalerweise sehr bodenständigen Reihe wirklich nicht erwartet hätte. Das Buch war deswegen nicht schlechter als die anderen, aber anders. Mit so einem Plot verändern sich die Figuren und auch die Intention des Lesers, und ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich das mag oder nicht. Eigentlich hätte ich es hier sehr gerne weiterhin nüchtern und bodenständig. Mal sehen, wo sich das hin entwickelt.

Geschenke

Geschenke

Guck mal, sagt das Kind zu Gott. Ich hab was für dich. Es überreicht ihm feierlich ein Päckchen, das mit mehr Eifer als Sachverstand eingewickelt wurde. Das zerknitterte Geschenkpapier hat schon bessere Zeiten gesehen, es scheint, als hätte es vorgestern an Heiligabend seinen ersten Einsatz gehabt.
Gott sieht angemessen überrascht aus, als er es entgegennimmt. Dankeschön, sagt er, damit habe ich jetzt nicht gerechnet.
Ich weiß, sagt das Kind stolz. Andauernd verschenkst du was, aber du bekommst nie etwas. Und vorgestern war Weihnachten, also musst du auch ein Geschenk haben. Los, mach es auf!
Gott entfernt gehorsam das ramponierte Geschenkpapier. Hervor kommt ein oben offener Karton mit einem Mixer darin, komplett mit Quirlen und allem Drum und Dran. Gott nimmt ihn in die Hand und betrachtet ihn nachdenklich von allen Seiten. Das Kind hüpft gespannt auf und ab. Das ist ein sehr guter Mixer, sagt er dann.
Ich weiß, sagt das Kind stolz und wippt auf seinen Füßen.
Wozu soll ich ihn benutzen? fragt Gott und dreht vorsichtig an einem der Quirle.
Zum Plätzenbacken natürlich! antwortet das Kind mit großer Selbstverständlichkeit. Du kannst damit die Wolken mixen und Himmelsplätzchen backen, und dann haben du und deine Engel eigene Plätzchen! Das Kind sieht Gott strahlend an, beglückt von seiner Idee.
Gott lächelt und streicht sanft über das zerkratzte Gehäuse des Mixers. Eine gute Idee, sagt er anerkennend, die könnte von mir sein. Auf den Plätzchen würde sich ein bißchen Sternenstaub gut machen, oder was meinst du?
Das Kind nickt eifrig. Ja, bestimmt!
Schön, sagt Gott, dann backen wir heute. Mal sehen, was meine Engel dazu sagen. Eine Frage habe ich noch: Könnte es sein, dass ich in der Küche deiner Mutter einen sehr ähnlichen Mixer gesehen habe?
Das Kind zieht den Kopf ein. Vielleicht, sagt es vorsichtig.
M-hm, sagt Gott, und betrachtet den Mixer in seiner Hand. Dann muss ich wohl überlegen, was ich da machen kann, oder?
Das Kind sieht ihn an und das Strahlen kehrt in sein Gesicht zurück. Ja! Du bist Gott! Du kriegst das hin, sagt es überzeugt.
Ja, ich denke auch, sagt Gott und drückt prüfend auf einen Knopf des Mixers, der daraufhin die Quirle klappernd fallen lässt.
Ich danke dir, sagt Gott, während er die Quirle einsammelt. Ich freue mich.
Das wusste ich! sagt das Kind triumphierend, und dann gehen beide ihrer Wege, das Kind hüpfend und pfeifend, vertieft in neue Pläne. Gott dagegen kostet in Gedanken versunken bereits das erste Himmelsplätzchen mit Sternenstaub.

Ausgelesen: Wen der Rabe ruft. Wer die Lilie träumt. Was die Spiegel wissen. Wo das Dunkel schläft. Von Maggie Stiefvater.

Jetzt habe ich sie also alle gelesen, die Reihe ist beendet, und ich bin traurig und ein wenig melancholisch gestimmt, Abschied nehmen zu müssen. Was für eine großartige Buchreihe! Nachdem ich „Rot wie das Meer“ von Maggie Stiefvater gelesen hatte, das Buch mein persönlicher Höhepunkt des Lesejahres 2016 war und mir die Wolf-Reihe von ihr nicht gefiel, versuchte ich es mit dem Band „Wen der Rabe ruft“ und war sehr angetan. Die vier Hauptcharaktere Blue, Gansey, Ronan und Adam sind Persönlichkeiten, die Raum beanspruchen und ihn bekommen, genauso wie die Handlungsorte Henrietta, Cabeswater, der Fox Way 300 und die zahllosen kleineren Orte. Die vielen Nebenfiguren sind eigentlich alles keine Nebenfiguren, sie könnten genausogut sofort zu Hauptpersonen werden, wenn die Autorin nur mehr Platz und mehr Bände zur Verfügung gehabt hätte. Nach dem ersten Band war ich angetan, nach dem zweiten begeistert. Was für Entwicklungen in jeder nur möglichen Hinsicht! Der Schreibstil ist außergewöhnlich und lässt die Figuren um so plastischer werden, nie gleitet die Geschichte in die Untiefen einer melodramatischen Liebe ab, sie erdet die Figuren und gibt ihnen gleichzeitig eine ungewöhnliche Tiefe, bleibt dabei aber immer höflich einen Schritt von zu viel unangenehmer Nähe entfernt. Ja, ich bin schwer begeistert, wie man unschwer bemerken kann.

Dazu diese Geschichte! Der Aufhänger im Klappentext und allen Buchempfehlungen ist natürlich die verbotene Liebe zwischen Blue und Gansey, wie in so vielen anderen Buchempfehlungen. Vermutlich verkaufen sich Bücher ohne solch einen Aufhänger einfach weniger gut, also sei es dem Verlag verziehen. Tatsache ist, dass dieses Thema nur einen kleinen Bruchteil der Geschichte einnimmt, sie schwingt immer mit, ist aber selten riesig im Vordergrund. Dort halten sich vielmehr die Beziehungen zwischen den vier Freunden auf (oder fünf? Man weiß es nie ganz sicher), die Suche nach Glendower, die Traumwelten mit all ihren Auswirkungen, und immer wieder werden Nebenfiguren kurz zu Hauptfiguren und geben der Handlung ein neues Gesicht oder eine neue Wendung. Und davon gibt es wirklich nicht wenige.

Die ganzen vier Bände über schwebt die Geschichte immer elegant zwischen Realität und Phantasie, manchmal reicht ein Satz, um nach Cabeswater und wieder zurück zu kommen. Es fühlt sich an, als ob die Sprache in den Büchern eine Wolke wäre, in der man als Leser hin und her treibt und nie ganz genau weiß, ob man sich nun gerade fest auf dem Boden der Tatsachen befindet oder plötzlich anfängt zu schweben, ohne zu wissen, wie das jetzt genau passiert ist. Und auch das Ende des vierten Bandes: Ein Genuss. Ein perfektes Ende, den Büchern absolut angemessen.

Soweit also meine Meinung, die natürlich absolut objektiv gefärbt ist 🙂 . Ein Muss für alle Fantasy-Fans, die etwas wirklich Besonderes lesen möchten.

24. Dezember, Heiligabend, 24. Päckchen (und das 25. Päckchen natürlich auch!)

Heute ist Heiligabend. Als ich meinen Baum vorgestern aufstellen wollte, ging der Tannenbaumständer kaputt. Ich bin dann wild durch die Gegend gefahren, um einen neuen zu bekommen, denn Weihnachten ohne Baum – nein. Nach erfolgreichem Kauf (hurra!) gab es dann gestern eine Stelle am Baum, die sich nicht schmücken ließ, da war eine kleine Gegend zwischen dem zweiten Ast von unten, gleich neben dem dritten Ast links, die ließ sich nicht hübsch machen.

Und da habe ich beschlossen, es muss auch nicht alles perfekt sein. Ist es sonst ja auch nicht. Warum also heute? Die Stelle bleibt, wie sie ist. Sie erinnert mich daran, dass ich Perfektionist bin, die Perfektion nie erreiche und das Leben trotzdem schön ist. Der ganze Baum hängt voller wunderbarer, alter Christbaumkugeln, die Lichter leuchten und ein paar Geschenke von lieben Leuten hängen auch in den Ästen. Und die nicht perfekte Stelle ist auch da. So soll es sein.

Das heutige Päckchen ist sehr hübsch verpackt und ich habe auf Marmelade getippt und komplett falsch gelegen:

Ich hatte noch nie eine eigene Krippe – jetzt schon! Und sie bleibt in meiner Küche auf dem Esstisch stehen, damit ich sie immer im Blick habe. So schön. Vielen Dank!

Ein 25. Päckchen gab es auch noch, jede Teilnehmerin hat ihr eigenes für das fünfundzwanzigste eingetauscht, und meins war schon am 3. Dezember dran. Da konnte ich es natürlich noch nicht zeigen – aber jetzt:

Gefilzte Weihnachtsanhänger! Die hier hat mir ganz besonders gut gefallen:

Vielen Dank an alle Frauen, die an diesem ganz besonderen Adventskalender teilgenommen haben, ihr habt mir die Adventszeit dieses Jahr zu etwas Wunderbarem gemacht. Ich wünsche allen und auch allen anderen Lesern hier fröhliche Weihnachten!

23. Dezember, 23. Päckchen

Heute ist Samstag. Und ich habe frei. Hurra!!! Endlich mal Zeit für das vorletzte Päckchen, die Nr. 23. So sieht es aus:

Sehr hübsch. Und was ist drin?

Eine kleine Anleitung zum sich daran Erinnern, dass ich geliebt bin und so gemeint war, wie ich jetzt bin, mit allem Drum und Dran. Und eine Aufmunterung, mit meinem Schöpfer zu reden, nicht, weil Weihnachten ist, sondern gerade an Weihnachten…