ich will

der Sonnenschein heute
ich kann ihn nicht ertragen
die Luft ist mild
ich möchte um mich schlagen
von allem zuviel
doch viel zu wenig
ich will alles
jetzt oder niemals
ich will
in neuen Straßen atmen
unter fremden Himmeln suchen
ein anderes Leben finden
zwischen endlosen Momenten
zittert mein Herz
schlägt
singt
bricht auf

Der Dienstag dichtet! 🙂  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram, Mutigerleben, Werner Kastens, Findevogel und die Wortverzauberte sind mit von der Partie. Schaut doch mal bei ihnen vorbei!

Ausgelesen: Bedenke, was du tust. Von Elizabeth George.

Wer Elizabeth George mag, wird dieses Buch lieben. Der neunzehnte Roman um das ungleiche Ermittlerpaar Detective Inspector Thomas Lynley und Detective Sergeant Barbara Havers von New Scotland Yard ist wieder ein Buch, das komplexe Familienstrukturen entwirrt, tief in die Seele der Figuren eindringt und zeitgleich das komplizierte Leben der beiden Ermittler zeigt. Es werden eine Menge Spuren gelegt, die meistens nicht dahin führen, wo man sie vermutet, und erneut fiebert man mit den Figuren, leidet mit ihnen und sieht doch, es gibt meistens kein Entrinnen aus ihren oft fatalen Entscheidungen.

Elizabeth George ist eine wunderbare Erzählerin. Ihre Mordfälle erschüttern das Alltagsleben ihrer Figuren, werfen sie aus der Bahn und bringen sie auf neue Wege, tun also all das, weswegen wir Krimis so schätzen. Diese Krimiautorin tut das auf allerhöchstem Niveau. Eine Inhaltsangabe fehlt hier, ich denke, alle Fans der Reihe kennen das Buch und die Autorin längst, denen muss ich nichts mehr erzählen. Allen anderen empfehle ich Band 1 der Reihe, denn man sollte sie in der richtigen Reihenfolge lesen. Wer dicke Kriminalromane, detailreiche Figurenschilderungen und eine große Prise Drama und Menschlichkeit mag, ist hier genau richtig.

Fräulein Honigohr und der Januar

Fräulein Honigohr und der Januar

Fräulein Honigohr hat schlechte Laune. Sie sitzt vor dem Fenster und kommandiert Schneeflocken herum. Wenn man das überhaupt Schneeflocken nennen kann, so mickrig, verwässert und unentschlossen wie sie vom Himmel fallen. Aus einem trostlosen Himmel. Fräulein Honigohr seufzt. Es ist ein tiefer, melancholischer Seufzer vom Grunde ihres mit Schneematsch bedeckten Herzens. Sie schließt die Augen und stellt sich eine weiße Landschaft vor, die Sonne strahlt vom Himmel, unter ihren Stiefeln knartscht es, auf allen Ästen liegen Schneepolster, die wie Wolken auf ihre Haare herunterstäuben, wenn sie einen Ast streift.
„Na? Wie lange willst du die armen Schneeflocken noch herum kommandieren?“ Fräulein Honigohr öffnet die Augen. Herr Brummeck steht in der Tür. Schuldbewusst lässt sie die Hände sinken, und sofort hören die Schneeflocken auf, vor ihrem Fenster pas de deux zu tanzen und fallen wieder wie kleine nasse Säcke zu Boden.
Herr Brummeck verschränkt die Arme. „Komm schon. So schlimm ist es gar nicht.“
„Doch.“ Fräulein Honigohr starrt Herrn Brummeck mit zusammengekniffenen Augen an. Bei Schneematsch versteht sie keinen Spaß.
„Wenn du den Schnee so vermisst, sollten wir nächstes Jahr in den Skiurlaub fahren. Das machen die Leute hier so.“
„Es ist nicht der Schnee. Es ist der Januar. Dunkel, grau, naß, kalt. Und keiner weiß, ob es überhaupt jemals wieder Frühling werden wird!“ Sie stöhnt dramatisch.
Herr Brummeck lächelt. „Der kommt. Keine Sorge.“
„Aber wann? Wann??“
„Heute wohl nicht. Komm. Ich hab Kakao gemacht. Lass uns planen. Dafür ist der Januar da. Du wolltest doch immer schon diese alte Burg angucken. Wie wärs mit einem Burgwochenende? Und was ist mit der Ballonfahrt, mit der du mir seit Jahren in den Ohren liegst?“
Fräulein Honigohr hebt den Kopf. Ballonfahren? „Sind Marshmallows auf dem Kakao?“
„Selbstverständlich.“
Es duftet nach heißer Schokolade. Wer weiß? Vielleicht hat der Januar ja doch versteckte gute Seiten.

Das war ein Beitrag zu den Etüden, die Christiane organisiert. Die Wortspende kam dieses Mal von ihr selber und bestand aus den Worten Skiurlaub, mickrig und kommandieren.
Hurra! Fräulein Honigohr ist aus dem Weihnachtsurlaub zurück. Ich freu mich.

Launische Tage

Ich bin so schrecklich gut gelaunt!
Ich glaub, ich mach mir selber Angst.
Die Sonne scheint heut greller,
die Tauben flüchten panisch.
Autos bremsen fluchend,
Fahrradklingeln schrillen blechern.
Hausmeister flüchten heimlich,
ein Dackel schielt zu mir herauf
von schräg links unten, stumm.
Ich bin so schrecklich gut gelaunt:
kann mir bitte jemand helfen?
Aber zügig, liebe Leute! Heute!

Es gibt so Tage… da klappt nichts. Nicht mal Reime. Glücklicherweise ist er schon vorbei, dieser reimlose Tag! 🙂

Der Dienstag dichtet! 🙂  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram, Mutigerleben, Werner Kastens und Findevogel sind mit von der Partie. Schaut doch mal bei ihnen vorbei!

 

Pinnwandentschlackung 2019/2020

Heute ist die Zeit! Draußen regnet es ohne Unterlass, ich bin mit tropfender Kapuze und komplett nass aus diesem… diesem… Wetter da draußen wieder zurück und habe beschlossen, meine Pinnwand muss jetzt für 2020 vorbereitet werden! Sofort! Obwohl sie eigentlich gerade ganz hübsch aussah. Oder?

Aber es hilft ja nichts. Das neue Jahr kommt nicht nur, es ist schon da und will seinen Platz, also pflücke ich beherzt die ersten Karten ab, ohne vorher die aktuellen Bewohner von ihren Plätzen zu bitten. Und schon gibt es Verletzte!

Ein Armbruch! Sorry, Herr Schneemann. War keine Absicht. Sofort wurden Schwesterndienste geleistet und siehe da: Eine Spontanheilung!

Entweder seine Frau freut sich über den wieder vorhandenen Arm oder sie hat überhaupt nichts mitbekommen, ich bin mir da nicht sicher.

Jetzt sind sie auf jeden Fall wieder vereint, aber nicht mehr an meiner Pinnwand. Ach ja, es gab so viele schöne Dinge in 2019… Konzerte, Zirkusbesuche, Geburtstage, eine Goldene Hochzeit, eine grüne Hochzeit, Urlaube, Gottesdienste mit so viel schöner Musik, gefeierte Abschiede, die an sich nicht schön sind, aber wenn sie gut gestaltet werden von allen Seiten kann selbst sowas zum Fest werden. Und dann gab es auch einfach so Post, über die ich mich sehr gefreut habe! Bücherpäckchen von gleich mehreren Seiten, Überraschungsgeschenke und Einfach-So-Postkarten:

Einen kleinen (sehr unprofessionellen) Animationsfilm mit gezeichneten Strichmännchen habe ich gemacht, das daraus entstandene Wir-sitzen-alle-in-einem-Boot hing auch noch an meiner Pinnwand…

Ein paar Pinnwandanhänge wandern in meine Lesezeichensammlung, ein paar werden aufgehoben, ein paar gehen den Weg alles Vergänglichen. Ein paar werde ich verschenken, ein paar verschicken. Und nun ist sie bereit für 2020!

Obwohl ich sie jetzt etwas sehr leer finde. Fast schon kahl. Unwirtlich. Ungastlich. Unerfreulich. Unerträglich.

Schon sehr viel besser! So kann es losgehen, das neue Jahr!

Zu Beginn

Zu Beginn
Teppiche aus weißer Sehnsucht
klebrig unter den Fußsohlen
bewaffnet mit Stift und Papier
und einer Messerspitze Leichtsinn
stürze ich in den Tanz
löse unlösbare Aufgaben
versuche Geduld und verliere
in der großen Explosion
schrumpfe ich zitternd zur Riesin
schwimme in der silbernen Stadt
schön und gewaltig lässt sie mich ziehen
Millionen Momente
im Ausatmen verflogen
ich gleite weiter
über Teppichen aus weißer Sehnsucht

Jahresringe

„Lass das Jahr ziehen!“
wie soll das gehen
ich trage es in mir
ein neuer Jahresring
aus zartbitteren Gedanken
Sommerpoesie
wortlosen Abschieden
nervöser Verantwortung
alten Freundschaften
die schon selber Jahresringe haben
keines meiner Jahre lasse ich ziehen
ich wachse mit ihnen
werde ein Baum
der blüht
im Kernholz
noch immer das staunende Kind
neugierig
auf den nächsten Jahresring

Der Silvester-Dienstag dichtet! 🙂  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram, Mutigerleben, Werner Kastens und Findevogel sind mit von der Partie.

Liebe Katha, an dieser Stelle vielen lieben Dank für deine Idee mit dem Dienstagsgedicht: So viele schöne Texte zum Nachdenken, gern haben und zum neue Gedanken denken habe ich seitdem bei euch gelesen. Sie machen meinen Dienstag regelmässig schöner. Ich freue mich auf ein neues Jahr mit euch!