Herbstapplaus

Herbstapplaus

goldgelb verfliegt die Welt vorm Zugfenster
unhörbare Abschiedsarie
selbst der Schrottplatz applaudiert
mit glänzenden Chromfelgen

ABC-Darium der wichtigen Alltagsdinge – L, M und N

L wie Likör:

Mein selbstgemachter Quittenlikör macht die Zunge rund, wärmt den Magen, schnippst ein Kichern in die Hirnwindungen und duftet nach Spätsommer. Her damit!

M wie Magie:

Das Leben ist magisch. Man muss nur hingucken.

N wie Nutella:

Dieses schlimme, schlimme Zeug weiß ganz genau, was es kann, und steht im Supermarkt so selbstherrlich im Regal, dass ich schon deswegen jeglichen Kontakt vermeiden sollte. Tja. Was soll ich sagen.

 

ABC-Darium der wichtigen Alltagsdinge – I, J und K

I wie Idee:

Ideen gibt´s wie Sand am Meer. Manchmal gibt es ein Geschachere darum, wer als erstes die Idee hatte. Das finde ich immer ein bisschen seltsam. Manchmal aber auch nicht. Vermutlich kommt es darauf an, wie wichtig einem die Idee ist. Dabei braucht eine Idee meist viel Arbeit und Einsatz, damit sie glänzt, das macht man sowieso selten allein. Und wenn man mal kurz überlegt: Waren die meisten Ideen nicht irgendwann schon mal da?

J wie Juchu!:

Ein Wort, das für mich äusserste Freude und Begeisterung ausdrückt. Es wird zu selten verwendet, ich arbeite ständig daran, das zu ändern.

K wie Krach:

Ich hasse Krach. Echt jetzt. Sinnlose, laute Geräusche braucht kein Mensch, und Tier sowieso nicht. Außer Wolfsgeheul, aber das ist auch nicht sinnlos. Glaube ich. 🙂 Abgesehen davon könnte man den Krach sofort ausrotten, ich wäre dabei.

ABC-Darium der wichtigen Alltagsdinge – G und H

G wie Gabe:

Herrschaftszeiten, was hat mich dieser Begriff früher aus dem Konzept gebracht, mich in Frage gestellt, wie sehr wollte ich ANDERE Gaben als die, die ich nun mal habe, und wie unglücklich hat es mich gemacht, zu wissen, ich habe sie nicht und werde sie nie haben. Gabe. Eigentlich ein schönes Wort, wenn es nur nicht so mit dem Nichtvorhandenen herumspielen würde, sobald man es ausspricht.

H wie Harke:

Wenn ich eine Harke sehe, bin ich sofort in meiner Kindheit, in der die Sandstreifen an der Straße von alten, schwarzgekleideten Herrschaften fein säuberlich geharkt wurden und man nicht auf die schnurgeraden Sandreihen treten durfte, damit das Muster nicht zerstört wurde. Also, zumindest nicht sofort. Wenn schon jemand anderes darüber gelaufen war und Hunde- oder Katzenpfoten zu sehen waren, durfte man irgendwie doch. Katzen schienen immer eine besondere Vorliebe dafür zu haben, über frisch geharkten Sand zu laufen. Spuren im geharkten Sand, das hat etwas schon fast Verlorenes. Eine Spur Sehnsucht liegt darin.

… to be continued.

mehr!

mehr!

so wellig
so spritzig
so silbrig
so Meer!
so fischig
so algig
so muschlig
so Meer!
so dämmrig
so salzig
so kühl
so Meer!
so zischend
so riesig
unendlich
so Meer.
mehr!

Der Dienstag dichtet! 🙂  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch WortgeflumselkritzelkramMutigerlebenWerner KastensFindevogel, die WortverzauberteLyrikfederDer BerlinAutorNachtwandlerinLindas x Stories, Myriade, Gedankenweberei, MynaKaltschneeWortverdreher und
Lebensbetrunken sind mit von der Partie. Schaut doch mal bei ihnen vorbei, der Dienstag fängt besser an mit ein bisschen Wortzauberei!

ABC-Darium der wichtigen Alltagsdinge – D, E und F

D wie Deppen-Bindestrich:

Ich liebe den Deppen-Bindestrich – und je mehr er mir madig gemacht wird, desto mehr setze ich ihn ein. Hier – woanders – morgen – übermorgen.

E wie Engel:

Ich habe keinerlei Ahnung, ob es sie gibt und ich habe noch nie einen gesehen. Aber trotzdem sind sie langmütig und geduldig und ich darf mich ihrer bedienen als großartige Interpretationsfläche für Menschliches aller Art.

F wie Fantasie:

Natürlich ist alles fantasievolle rein subjektiv, keine Frage. Aber fandest du nicht auch, dass das blaue Einhorn, das da gerade vorbei lief, eine schrecklich unmoderne, karierte Hose trug?

… to be continued.

ABC-Darium der wichtigen Alltagsdinge – A, B und C

A wie Arche Noah:

Hier wird gesammelt, was ein bisschen länger überleben soll: Postkarten. Kleine Blumen. Abgebrannte Wunderkerzen. Eintrittskarten. Zerknitterte Fotos. Von Zeit zu Zeit muss ich leider alles aus dem sicheren Schiff werfen, um Platz für Nachrückendes zu schaffen.

B wie Bücher:

Mehrzahl, „DIE“, ist wichtig. Bücher sind sehr treue, sehr gute Freunde, stets bereit und überwiegend anspruchlos. Nur ein bisschen Konzentration und Zeit und ab geht die Post!

C wie Chemie:

Absolut überlebensnotwendig in Beziehungen aller Arten. Die Chemie muss stimmen, sonst kommt es zu Katastrophen aller Arten: Stinkbombenabwürfe. Frustexplosionen. Stimmungsvergiftungen.

… to be continued.

Alles gern gelesene Bücher. Obwohl – Hektors Reise war nicht so meins.

 

 

10 unterseeische Geheimnisse

10 unterseeische Geheimnisse

  1. Meerpferde wiehern nicht, sie blubbern. Laut.
  2. Muscheln sind schlimme Tratschtanten. Gerüchte verbreiten sich bei Ihnen schneller als eine Flunder über die Muschelbank schwimmen kann.
  3. Meer und Sturm sind streitende Liebende. Zum Schluß versöhnen sie sich immer wieder.
  4. Quallen sind fast immer schlecht gelaunt.
  5. Luftbläschen kichern, wenn sie im Wasser nach oben steigen. Sie sind furchtbar kitzlig.
  6. Haie sind unfassbar eitel. Sie haben immer einen Kamm hinter ihren Kiemen für ihre seegrünen Mähnen.
  7. Walmänner werden immer freundlicher, je dicker sie werden.
  8. Sprottenschwärme sind die Mückenplagen der flachen Gewässer. Sie können es nicht lassen, alles und jeden anzuknabbern.
  9. Leuchttürme sind Riesenstecknadeln, die das Land festpinnen, damit es nicht wegschwimmt.
  10. Flamingofische mögen ihre rosa Schuppen nicht. Sie tragen jeden Morgen wasserfestes, grünes Make-Up auf.

 

Zeitstrandmaschine

Zeitstrandmaschine

Zögernd taucht die Frau einen Fuß ins Wasser. Es ist warm. Sie zieht den zweiten Fuß hinterher und bleibt stehen, als ob man sie bei etwas Verbotenem ertappt hätte. Darf sich etwas so kindisches so gut anfühlen? Mit den Füßen im Wasser plantschen wie ein fünfjähriges Kind?
Probeweise geht sie einen Schritt. Der Sand unter den Fußsohlen ist weich. Das Wasser umspielt lockend ihre Knöchel. Sie macht noch einen Schritt. Und noch einen. Es fühlt sich verboten gut an. Schnell schaut sie nach links und rechts. Niemand da, der sie kennen könnte. Wagemutig läuft sie tiefer ins Wasser, gräbt die Zehen in den Sand, spritzt mit dem Wasser, bis es gegen ihre Oberschenkel platscht.
Mit jedem Schritt wird sie jünger, die Jahre fallen von ihr ab wie Blätterteigkrümel von einem Croissant, sie lacht laut auf, bis ihr bewusst wird, dass sie gerade fünf Jahre alt ist, mit dem Wissen einer fünfzig Jahre älteren Frau im Rücken.
Erschrocken schlägt sie die Hand vor den Mund, um ihr Lachen einzufangen. Sie dreht sich um und watet so schnell zurück, wie es ihr einigermaßen würdevoll möglich ist. Mit jedem Meter zurück wird sie wieder älter. Im Strandkorb schlägt sie keuchend die Augen zu und schüttelt sich.
Aber es ist zu spät. Ihr Körper erinnert sich, wie gut die Erde sich früher angefühlt hat, die Sonne, das Gras, der Schlamm, und wie sie miteinander gesprochen haben.
Ihr Körper will zurück. Und er wird keine Ruhe geben.

 

Durst

Durst

Wasserhände ziehen
so leicht die Angst
das Meer lacht
ich atme langsamer
werde gewogen
schwebe
zwei Verse halten meine Haut
genug Salz überall
zwischen gelösten Fingern
Durst ist Mut
du kannst

Der Dienstag dichtet! 🙂  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch WortgeflumselkritzelkramMutigerlebenWerner KastensFindevogel, die WortverzauberteLyrikfederDer BerlinAutorNachtwandlerinLindas x Stories, Myriade, Gedankenweberei, MynaKaltschneeWortverdreher und
Lebensbetrunken sind mit von der Partie. Schaut doch mal bei ihnen vorbei, der Dienstag fängt besser an mit ein bisschen Wortzauberei!