Himmelfahrtstag

Ich habe heute einen kleinen Ausflug gemacht. Auf der Strecke:

  • jede Menge aufgehübschte Bollerwagen mit hochprozentigem Inhalt und Menschenmassen drumherum
  • je ländlicher, desto mehr Bollerwagen
  • Schlangenlinie fahrende Männer
  • Fahrradgruppen mit Bierbecher am Lenker oder in der Hand
  • untergehakte Männer, die jeweils zu zweit die gesamte Breite des Fahrradweges brauchten – von links nach rechts, von rechts nach links…
  • entblößte Oberkörper (durchaus ansehnlich, aber, Jungs, da draußen waren höchstens 17 Grad! Brrrr!)
  • an Wiesenränder pinkelnde Männer
  • einsame, leere, traurige Bierflaschen am Wegesrand
  • gemischte Picknicks am Straßenrand (wie gesagt, 17 Grad draußen)
  • Männergruppen, die Synchrontanz zur Musik vom Bollerwagen machten
  • eine sehr gut gelaunte Mädchengruppe mit blinkenden Papphütchen
  • Gruppen in kurzen Hosen und T-Shirt contra Gruppen mit Funktionsjacken, Käppis, Schals und Wanderschuhen
  • tatsächlich zweimal Inlineskater
  • und weitere 3478 Radfahrer beiderlei Geschlechts und jeden Alters, tapfer gegen den Wind ankämpfend

Insgesamt war das ein extrem vergnüglicher Ausflug! Ich wünsche allen morgen früh eine gute Strategie zur Katerbewältigung 🙂 .

heute an der Ampel

Vor mir an der Fußgängerampel, zwei Männer Mitte zwanzig, Hemd, Hose, Schnürschuhe.

„Ja, das sagense alle, wennse das erste Mal hier zu Besuch sind: Schöne Stadt, viel Grün, hier kann man gut leben.“
„Mmh.“
„Aber wenn de dann erst mal drei Jahre hier lebst, ich sach dir! Da kennste alles. Man kann hier absolut nichts machen. Es gibt gar nichts. Langweilig, das ist es!“
„Mmh.“
„Ne Rentnerstadt, das isses hier.“

Boah. Fühle mich plötzlich viel älter. Bis eben dachte ich, ich würde in einer wirklich hübschen, attraktiven Stadt leben…

Kleine Abschiede

Neulich saßen wir in einer gemütlichen Runde zusammen und hatten nicht viel zu tun… da habe ich gefragt, was für kleine Abschiede uns spontan einfallen. Es ruckelte ein wenig am Anfang, aber dann lief es! Hier sind unsere Kleinen Abschiede:

  • die Tür der Ferienwohnung hinter sich schließen
  • letzte Kirschen pflücken
  • das Buch zuklappen
  • Gemüseernte
  • abends die Haustür abschließen
  • der letzte Keks deiner Lieblingssorte
  • verwelkende Blumen
  • Winterklamotten einräumen
  • Telefonate beenden
  • ein drei Stunden altes Kaugummi ausspucken
  • Licht ausschalten vorm Einschlafen
  • letztes Kalenderblatt abreißen
  • Frisörbesuche 🙂
  • das Ende des Liedes, das man ewig hören könnte
  • aufhören mit Haarefärben
  • abgeliebte Kuscheltiere ins Regal stellen
  • abgrillen
  • Tannenbaum abschmücken
  • aufräumen nach der Veranstaltung
  • der erste Milchzahn verabschiedet sich
  • der erste zerbrochene Teller des 12teiligen Service
  • der letzte Schluck Bier (und keine Lust, neues zu holen)
  • der Abspann des Films
  • Geburtstagsende
  • das Ende der Kerze
  • das selbst gebaute Minifloß tatsächlich unwiderruflich abfahren zu lassen
  • entrümpeln
  • aufstehen und die gemütliche Runde auflösen

Vielen Dank an Tanja, Olli, Gerd, Sabine, Angela, Simone, Michael, Jürgen und Timon!

Was so herauskommt, wenn man mit Freunden gemeinsam schreibt

Und die Ergebnisse sind: Sehr schöne Aprilgedichte!

Neulich überkam es mich spontan und ich habe zwei Freundinnen gezwungen gefragt, ob sie nicht Lust hätten, zusammen mit mir etwas zu schreiben. Nachdem sie mir erst seltsame Blicke zugeworfen haben, waren sie dann aber doch neugierig. Und das sind die wunderbaren Resultate!

Aprilgedicht Nr. 1:

Vogelgezwitscher.
Freude auf den kommenden Sommer
und auf die Ernte der neugesetzten Pflanzen.
Blütenduft überall
und frisches, neues Grün an Bäumen und Sträuchern.
Sonnenwärme.

Aprilgedicht Nr. 2:

überall Farben ohne Ende
frisches grün, zartes rosa, kräftiges pink,
zartes weiß, strahlendes gelb
SONNE
der erste Kaffee im Garten
Lustwandeln
zwischen Tulpen, Perlhyazinthen, Tête-à-Tête´s

Aprilgedicht Nr. 3:

April
Der Lebenszyklus der Schoko-Osterhasen vollendet sich
Wir liegen wach in lauen Regennächten
Lieben das Wetter, wenn es uns zur Weißglut treibt
Hören Frühkonzerte, morgenfrisch und kostenlos
In den Balkonkästen: Auferstehung

Hurra!

Beim abendlichen Kontrollblick auf dem Balkon eine dicke Hummel bemerkt und gerätselt, was sie dort will. Zurzeit leben dort nur drei Veteranen des letzten Winters.

Beim genaueren Hinsehen in Jubelstimmung verfallen: Die Stachelbeere blüht! Und zwar reichlich! Wenn das alles Stachelbeeren werden, könnte das mindestens ein Glas Stachelbeermarmelade werden! Oder ein Stachelbeerkuchen! Hurra!

//*gehtpfeifendstachelbeertortenrezepteheraussuchen*//
//*feiertgärtnerischebalkontriumphe*//

Ausgelesen: Diverses aus März und April 2018

Es gibt Bücher, die einen packen, fesseln und begeistern. Dazwischen gibt es aber auch das sogenannte Lese-Ödland, eine leere, weite Fläche, in der ab und zu Bücher wie Inseln auftauchen, sich dann aber als zu klein, zu anders, zu seltsam, zu langweilig oder einfach als nicht passend herausstellen. Dann geht man weiter, immer in der Hoffnung auf die nächste, perfekte Bücherinsel.

In solchen Zeiten probiere ich gern mal etwas anderes aus, aktuelle Belletristik oder einen neuen Autor/Autorin. Manchmal sind es Entdeckungen fürs Leben, manchmal nicht. Und dann gibt es die Serien, zu denen man immer wieder zurückkommt, wie die hier zum Beispiel:

Leberkäsjunkie von Rita Falk. Ich mag den Eberhofer, mit all seinem Machismo und auch all seinen weichen Momenten. Dialekt lesen finde ich eigentlich eher schwierig, in diesen Büchern ist er aber sehr ok, vermutlich auch, weil es eine extrem entschärfte Form ist, die von München bis Hamburg jeder versteht. Es ist Band sieben aus der Reihe, und der Franz ist etabliert in der Literaturszene, entweder man mag ihn oder man mag ihn nicht. Ich mag ihn und werde mir auch die nächsten beiden Bände auf jeden Fall vornehmen.

Sommer in St. Ives von Anne Sanders. Die Autorin kannte ich noch nicht, und aufmerksam geworden bin ich durch die Beschreibung als leichte Sommerlektüre. Mir war es etwas zu leicht, das Buch konnte mich leider nicht fesseln, und so bin ich ein bißchen unmotiviert zwischen den Seiten hin und her gehüpft. Die Geschichte ist nett, die zwei Ebenen hätte ich nicht gebraucht, es plätschert so vor sich hin. Schlecht ist das nicht, aber gepackt hat es mich leider auch nicht.

Eine treue Frau von Jane Gardam. Ja. Hm. Ich bin mir nicht sicher. Es ist wirklich, wirklich gut geschrieben, jeder Satz eine unerwartete Reise, nie weiß man, wo es hingeht, da stehen Worte und hinter den Worten liegen völlig andere Worte, die aber niemals aufgeschrieben werden. Ich nehme an, dass das großartige Literatur ist, nur: Ich lese aus anderen Gründen. Eigentlich. Eigentlich möchte ich gerne eintauchen in das Leben anderer und es verstehen und mitfühlen, dafür brauche ich aber eine ganz andere Art von Schreibstil. Und trotzdem. Es lässt mich nicht los. Ich habe es noch nicht ganz durch und ich vermute, ich werde weiterlesen – bis zum Schluss.

Lichterzauber in Manhattan von Sarah Morgan. Das ist einfach: Dunkler, geheimnisvoller, einsamer Mann (der dabei aber natürlich auch liebevoll, stark und zuverlässig ist), trifft auf liebevolle, helle, durchschaubare, quirlige Frau, die sich einsam fühlt, es aber eigentlich nicht ist (wenn man der Autorin und ihrer Beschreibung glauben darf). Ach ja, beide sehen super aus, wobei die Frau das über sich selbst nicht recht glauben kann und dem Mann sein Aussehen egal ist. Dazu nähert sich Weihnachten mit großen Schritten, es schneit,  sie haben unfreiwillig viel Zeit zu zweit und später kommt noch ein Hundewelpe ins Spiel. Tadaa! Happy End. Ab und zu ist so ein Buch wirklich nett, allerdings sollte man seinen Verstand während des Lesens nach Möglichkeit komplett ausschalten. Ich habe mich ab und zu dabei ertappt, wie ich „Ja, klaaaar!“ dachte. Und grinsen musste.

Cottage gesucht, Held gefunden von Susan Elizabeth Phillips: Im Prinzip dasselbe wie beim Lichterzauber oben, nur mit etwas mehr Umfang und mehr sprachlichen Details. Ansonsten genau das, was man bei dieser Autorin erwartet. Ich habe in einigen Kapiteln ein ganz klein wenig vorgeblättert, muss ich zugeben.

Drei Engel für Armand von Jim C. Hines. Märchen mal ganz anders! Hier ziehen Dornröschen, Schneewittchen und Aschenputtel los und holen den entführten Prinzen zurück, und das mit allen Kampftechniken, die einem einfallen. Das Buch trifft den locker ironischen Tonfall der Serie „Drei Engel für Charlie“ fast schon zu perfekt, manchmal hatte ich das Gefühl, gleich taucht irgendwo der Lautsprecher mit neuen Anweisungen auf. Das Buch ist reine Geschmackssache und recht weit vom Mainstream entfernt. Auch hier habe ich ein wenig vorgeblättert, aber im großen und ganzen war es nett.

Tja. Und nun? Nun warte ich auf das nächste Buch, das mir vor die Nase fällt und mich aus dem Lese-Ödland rettet!

Falsche Frage

Du fragst: War´s das wert?
Oder lebten wir verkehrt?
Aus neu wird immer alt.
Vergangenheit verhallt.
Ich lächle. Ist das wichtig?
Das Jetzt zählt. Und das ist richtig.