Was ich mag

Was ich mag:

  • ungemähte Rasenstücke mit gelben Butterblumen und Gänseblümchen
  • in einem stillen Zugabteil sitzen und nur das leise Zischen der Fahrt ist zu hören
  • abfahren
  • ankommen
  • das Gewicht von drei neuen Büchern in der Einkaufstasche
  • freundliche Verkäuferinnen und Verkäufer aller Art
  • das Einsortieren meines unglaublichen Krimskrams in ein neues Portemonnaie
  • das Gefühl, wenn nasse Haare nach dem Duschen anfangen zu trocknen
  • vertraute Gespräche zu dritt bei einem Glas Wein
  • schöne Hände
  • und Füße

Was ich nicht mag:

  • Gespräche aller Art vor acht Uhr morgens
  • totgeschlagene Fliegen aufsammeln
  • gebratene Auberginen
  • schwitzen
  • zu enge Schuhe (auch, wenn sie schön sind)
  • pürierte Auberginen
  • schwarze, große Spinnen, wenn sie auf meinem Teppich sitzen und auf mich warten
  • Pläne, die nicht funktionieren
  • eingelegte Auberginen

Ausgelesen: Das Labyrinth von London. Von Benedict Jacka.

Tja. Nun ist es passiert. Ich bin verliebt. Dummerweise lebt mein Held zwischen Buchseiten, und so gern wir Buchverrückten das auch hätten: Bisher konnte bis auf Meggie, Mo und Capricorn noch niemand in Bücher hineintauchen. So bleibt mir also nur, diese Rezension zu schreiben.

Alex Verus versucht, ein unauffälliges Leben in London zu leben. Er hat einen kleinen Zauberladen, in dem er ganz normale Zaubertricks verkauft, unter der Theke allerdings handelt er mit echten magischen Dingen. Außerdem ist er nicht ganz so normal, wie es anfangs aussieht: Er kann in die nahe Zukunft sehen, die sich allerdings nicht wie ein schöner, gerader Weg vor ihm ausstreckt, sondern in unzähligen verschiedenen Varianten, von denen jede wahr werden könnte – es bleibt immer die Frage, welche es sein wird. Viele Kontakte oder Freundschaften scheint er nicht zu pflegen, allerdings gibt es da eine Frau, die ebenfalls anders ist: Luna. Und sie ist es auch, die Alex in bester Absicht in Schwierigkeiten bringt, und schon stecken beide zwischen den Fronten verschiedener magischer Kreise, die vor nichts zurückschrecken, um das zu bekommen, was sie wollen.

Sehr gefallen hat mir, wie dieses magische London nach und nach auf- und ausgebaut wird. Anfangs wirkt alles gar nicht so anders, aber dann! Dann entwickelt es sich, und wie. Natürlich hat man das alles schon mal irgendwie und irgendwo so oder ähnlich gelesen, Ben Aaronovitch fällt mir da ein, vielleicht auch ein klein wenig Jim Butcher mit seiner Harry Dresden-Reihe, aber das ist völlig ok: Alex Verus ist trotzdem ein eigenständiger Held in einer vielversprechenden Stadt. Dass das Buch in der Ich-Form geschrieben ist, muss man mögen, ein alles wissender Erzähler verrät natürlich mehr, aber mir hat es sehr gut gefallen. Das Buch bleibt konsequent aus der Sicht des Helden geschrieben und man muss ein wenig zwischen den Zeilen lesen, um mehr über Alex Verus zu erfahren. Ein geschickter Schachzug des Autors: Gerade so viel Information, dass man unbedingt weiterlesen muss, und so wenig, dass man nicht zu schnell alles erfährt.

Ein kleines Manko gibt es: Alex Verus ist mir manchmal etwas zu heldenhaft angelegt. Ein paar kleine Schwächen wären ganz gut gewesen, ein paar Abstürze hier und da, aber im Großen und Ganzen kann ich mit einem heldenhaften Helden leben. Ich fand ihn sehr sympathisch, vielleicht manchmal etwas wortkarg, aber das steht Helden ja immer gut, zumindest in Büchern und Filmen 🙂 . Band zwei steht schon bei mir im Regal und wartet auf seinen Einsatz, und ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht.

Ausgelesen: Beschützer der Diebe. Von Andreas Steinhöfel.

Sommerferien in Berlin. Die drei zusammengewürfelten Kinder Dags, Guddie und Olaf spielen ein Spiel, bei dem man zufällige Passanten beschattet und versucht, ihnen bis nach Haus zu folgen. Dabei kommen die Freunde einem gewaltigen Kunstdiebstahl auf die Schliche, werden verfolgt, teilweise entführt, erleben das spannendste Abenteuer ihres Lebens und finden letztendlich neue Freunde.

Dieses spannende Kinderbuch wurde 1994 veröffentlicht und ist das erste Buch des bekannten (und hervorragenden!) Kinder- und Jugendbuchautors. Es gibt daher noch kein Internet, keine Handys und bezahlt wird in DM, was das Ganze fast schon historisch anmuten lässt. Sehr gut gefallen hat mir, dass die Kinder immer ernst genommen werden, nichts wird verharmlost oder schön gefärbt, die Sprache ist realistisch, genauso wie das Verhalten der Erwachsenen und der Kinder. Dem empfohlenen Alter von 11+ zuliebe wurde auf Mord und Totschlag verzichtet, trotzdem gibt es Momente zum Fürchten. Die Geschichte selbst ist hochinteressant und kein Kinderkriminalfall, hier geht es um echte Kriminalität. Große Teile des Buches spielen im Pergamonmuseum in Berlin, und da gibt es gleich noch ein paar handlich verpackte Portionen Kunstgeschichte mit dazu 🙂 .

Im Anhang erzählt der Autor die Entstehungsgeschichte des Buches, womit er glücklich ist und was ihm an seinem Erstling nicht gefällt. Vielleicht bin ich voreingenommen (ich liebe seine Bücher wirklich sehr), aber ich kann seine Meinung nur in einem einzigen Punkt ein klein wenig teilen: Dags ist schon sehr perfekt. Ich mag sie aber trotzdem, und das Buch braucht sie, um voranzukommen. Und das tut es: Eine spannende Detektivgeschichte aus der Zeit kurz nach dem Mauerfall in Berlin – das kann eigentlich jeder lesen, nicht nur Kinder.

Strandtag

Strandtag

bei leisem Wellengang
in sprödem Windgesang
scheint die Sonne am Treibholz entlang

hängt Fischgräten an Galgen
trocknet schmoddrige Halden
beleuchtet spinatige Algen

Tuffwolken schweben verweichlicht
Plastikmüll glänzt reichlich
bei allerbester Fernsicht

Mir war nach einem gegen den Strich gebürsteten Strandgedicht, und mich ärgern diese Unmassen Plastikzeugs, die überall (nicht nur am Strand) herumfliegen.

Der Dienstag dichtet!  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram und  Mutigerleben sind mit von der Partie. Wer den Dienstag also mit Gedichten beginnen will: Herzlich willkommen!

Meer-Allgemeinplätze

  • die Ruhe da draußen!
  • es verläuft sich ja schon ganz schön
  • das Wasser ist ja gar nicht da!
  • plitsch-platsch, Schmodderzehen!
  • guck mal, die Möwen!
  • ob das grüne Algenzeug essbar ist?
  • halt mal still, ich will ein Foto machen!
  • es wird tiefer!
  • wann kommt das Wasser zurück?
  • Seeluft macht hungrig
  • iih, Wattwurmhaufen!
  • kannst du mich mal eincremen?
  • uh, alles voller Sand…
  • Qualleeeen!!!
  • ist das kalt!
  • heute gibt´s ja gar keine Wellen…
  • wer will ein Eis?
  • ich glaube, du hast einen Sonnenbrand…
  • riechst du das Salz?

Wer hat sich wiederentdeckt? Ich mich auf jeden Fall einige Male… 🙂

Wenn man nach Hause fährt

Wenn du nach Hause fährst, also richtig nach Hause, in das Kindheitszuhause, dann passiert etwas seltsames mit den Dingen. Je näher du kommst, desto mehr Licht bekommt alles, sogar die Rinnsteine der Bürgersteige haben plötzlich einen goldenen Glanz. Der uralte, verrostete Kaugummiapparat an der Außenwand des Gasthofs schimmert glänzend, vom Gasthof, in dem du deine erste Tanzstunde hattest, ganz zu schweigen. Alles, was schon immer da war, ist von diesem ganz besonderen, milden Schein umgeben, als ob der verkrümmte Baum an der Einfahrt oder das zerfallene Mäuerchen im Nachbarsgarten von innen heraus leuchten würden.

Manchmal meinst du sogar zu hören, dass die Dinge dir Sätze zuraunen, wie „schön, dich zu sehen“, oder „erinnerst du dich?“ Ja, du erinnerst dich. An wunderbare und weniger wunderbare Zeiten, und dann merkst du, wieviel Geschichte du selber schon in dir hast, und freust dich, denn selbstverständlich ist das nicht.

Und dann merkst du, dass es auch Menschen gibt, die diesen Glanz für dich haben. Sie tragen eine kleine, goldene Borte um sich herum, wann immer du sie siehst. Ob das immer so ist, wenn man das Glück hat, älter zu werden? Ob alles mit der Zeit mehr Tiefe, mehr Inhalt bekommt, vielschichtiger wird?

Natürlich kann es passieren, dass Dinge verschwinden und Menschen gehen. So ist das im Leben. Aber die Erinnerung daran, die kannst du im Herzen festhalten und bewahren. Du weißt, du solltest trotzdem immer mal wieder neue Dinge und neue Menschen in dein Herz lassen und ab und zu kräftig durchlüften. Sonst wird aus schöner Erinnerung irgendwann eine fest verschlossene, stickige Kassette, die niemandem nützt, auch dir nicht. Lass den Deckel der Kassette offen, damit der goldene Glanz hervordringen kann.

Das ist Lebenskunst.

Ausgelesen: Murder Swing. Von Andrew Cartmel.

Das coole Cover ist mir als erstes im Schaufenster des Buchladens aufgefallen – Bond-ähnliche Szenen auf dem Rand einer Schallplatte, das sah vielversprechend aus. Als dann auf der Buchrückseite auch noch etwas von einem „Vinyl-Detektiv“ stand, konnte ich gar nicht so schnell denken wie ich das Buch gekauft hatte. Und ich hatte Recht ( was ja auf jeden Fall immer schon mal gut ist 🙂 )!

Ein sehr cooler Kriminalroman mit einem interessanten Detektiv, einer außergewöhnlichen Handlung und glänzenden Nebenrollen, dazu das Hauptthema: Schallplatten-, Verzeihung, Vinylsammler, so viel habe ich beim Lesen gelernt. Der Ich-Erzähler, dessen Name im gesamten, recht umfangreichen Buch kein einziges Mal genannt wird, ist Spezialist für seltene LPs, die er aufspürt und verkauft. Er kann davon leben, aber keine großen Sprünge machen, aber das scheint ihn nicht groß zu stören, viel wichtiger ist ihm seine Unabhängigkeit, und die kommt ins Rutschen, als eine geheimnisvolle, attraktive Frau ihn engagiert. Er soll eine extrem seltene LP für sie und ihren noch geheimnisvolleren Auftraggeber finden, der bereit ist, dafür sehr, sehr viel Geld zu bezahlen. Als er den Auftrag annimmt, kommen die Dinge ins Rollen, die plötzlichen Todesfälle häufen sich und die Handlung fängt an, sich immer schneller zu drehen – wie eine Platte auf dem Plattenteller…

Der Krimi mit dem besonderen Plot hat mir sehr gut gefallen. Die mir vorher unbekannte Welt der Vinylsammler mit ihren speziellen Abspielgeräten, den Must-Have Boxen und den kauzigen Sammlertypen ist bunt und interessant, der Autor kennt sich sehr gut aus und liebt sein Fach. Das Buchpersonal ist klasse geschrieben, vieles schwingt unter der Oberfläche und wird nicht explizit erklärt, was das Buch sehr reizvoll macht. Die Handlung drängt zwar vorwärts, aber in einem guten Tempo. Es gibt ja manchmal Thriller, da verschlingt man fünf Zeilen auf einmal und vergisst das Atmen. Das ist zwar sehr spannend, aber ich bedaure den Autor manchmal – da macht er sich die Mühe und schreibt alles auf und dann verschlingt der Leser es mit einem Happs – das muss doch frustrierend sein. Murder Swing hat Tempo, aber es gibt auch langsamere Passagen, die genussvoll gelesen werden wollen, dann zieht das Tempo an, dann wird es wieder langsamer – das Buch ist wie sein Thema: Ein schönes Jazzstück mit Tempowechseln. Am besten trinkt man dazu einen Kaffee, aber bitte das gute Zeug: Selbst geröstete, handgemahlene Bohnen, langsam mit der richtigen Temperatur aufgebrüht, schwarz genossen, so wie der Vinyl-Detektiv es mag. Und falls man Katzen hat: Auch die sind Feinschmecker. Ein Lammkotelett sollte es schon sein! 🙂

Von mir gibt´s eine Empfehlung – Krimifans mit dem Faible für besondere Themen sollten dieses Buch unbedingt antesten. Mir hat es große Freude beim Lesen bereitet. Und im übrigen ist mir während des gesamten Buches nicht aufgefallen, dass der Vinyl-Detektiv keinen Namen hat, erst als ich die Rezension schreiben wollte und überlegt habe, wie wohl der Hauptdarsteller heißt – da dämmerte es mir. Und genauso gut ist er geschrieben, der Murder Swing!