zu früh

der Januar duftet nach Frühling
zu früh
aber
wer kann dieser Süße
schon widerstehen?

Der Dienstag dichtet!  
Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht.
Auch Wortgeflumselkritzelkram
Mutigerleben
WernerKastens
die Nachtwandlerin
Myriade
Gedankenweberei
Wortverdreher
Myna Kaltschnee
Lebensbetrunken
der BerlinAutor
Vienna BliaBlaBlub
Heidimarias kleine Welt
Red Skies over Paradies
Your mind is your only limit
Dein Poet
Geschichten mit Gott
Lindasxstories
Findevogel
und Traumspruch sind mit von der Partie.
Viel Freude bei allen Besuchen!

Jahresringe

„Lass das Jahr ziehen!“
wie soll das gehen
ich trage es in mir
ein neuer Jahresring
aus zartbitteren Gedanken
Sommerpoesie
wortlosen Abschieden
nervöser Verantwortung
alten Freundschaften
keines meiner Jahre lasse ich ziehen
ich wachse mit ihnen
werde ein Baum
der blüht
im Kernholz
das staunende Kind
neugierig
voller Vorfreude
auf das was kommt

Fräulein Honigohr und der Schneemann

Bevor man den folgenden Text liest, könnte man zuerst diesen hier lesen. Und diesen hier. Man muss natürlich nicht, aber es macht dann mehr Spaß. Und Sinn auch.

Fräulein Honigohr und der Schneemann

Gedankenverloren öffnet Fräulein Honigohr den Kühlschrank und schlägt die Tür sofort wieder zu, als ihr Geschrei entgegenschlägt: „Du hast es versprochen! Lass mich raus hier! Es ist stinklangweilig! Wehe, du machst die Tür wieder…“ Sie lehnt sich gegen die Kühlschranktür und atmet tief durch. Das muss unbedingt aufhören. Langsam artet dieser Zustand zu einer unfreiwilligen Diät aus, und sie kann ja nicht immer Kekse essen. Obwohl… nein. Energisch macht sie die Kühlschranktür ein zweites Mal auf.
„Ha! Ich wusste, dass du dich nicht traust! Lass mich sofort raus hier! Ist mir egal, ob es draußen zu warm ist! Du hast es versprochen!“ Der kleine Schneemann hämmert mit den Schneefäusten von innen an die blaue Glaskugelwand. Sein Gesicht schimmert besorgniserregend violett in all dem Blau, und das, obwohl der Käse aus der Nachbarschachtel sich alle Mühe gibt, für ein bisschen gelb in der Kugel zu sorgen.
Fräulein Honigohr seufzt. „Was soll ich deiner Meinung nach denn tun?“ fragt sie den Schneemann, „willst du etwa schmelzen? Als Wasserpfütze kann das Leben ziemlich seicht sein.“
Der Schneemann drischt mit seinem Besen von innen gegen die Kugelwand. „Das ist mir egal! Du hast ja keine Ahnung, wie langweilig es hier drin ist! Und dunkel! Lass wenigstens die Tür auf!“
„Nein! Weil es dann nämlich warm wird im Kühlschrank!“ Fräulein Honigohr wirft einen kurzen Blick aus dem Fenster. Keine Spur von Schnee, dafür nieselt es, und viel zu viele Schirmträger sind draußen unterwegs.
Der Schneemann wirft seinen Besen hinter sich, verschränkt die Arme und schmollt. „Du bist schuld! Wenn du dich nicht in die Kugel gewünscht hättest, hätte deine Doppelgängerin es nicht schneien lassen, ich wäre nicht gebaut worden und nicht mirnichtsdirnichts in dieser vermaledeiten Weihnachtskugel gelandet!“
„Du hast mir übrigens immer noch nicht verraten, wie du in die Kugel geraten bist. Irgendwas muss doch passiert sein, oder?“ Fräulein Honigohr sieht den Schneemann bohrend an.
„Das geht dich nichts an!“ Der Schneemann starrt bohrend zurück.
„Ach! Aber retten durfte ich dich?“ Fräulein Honigohr denkt an die hektische Rettungsaktion mit Kühltasche und Eisakkus zurück, und wie sie versucht hat, Herrn Brummeck die Existenz eines lebendigen Schneemannes in einer blauen Weihnachtsbaumkugel zu erklären. Sein Gelächter muss kilometerweit zu hören gewesen sein. Sie schnaubt.
„Natürlich! Du bist schließlich schuld!“ Der Schneemann funkelt sie aus seinen Kohleaugen an.
Was soll sie nur tun? Auf jeden Fall muss sie dieses schlecht gelaunte Eispaket aus ihrem Kühlschrank bekommen, oder sie wird in absehbarer Zeit ebenfalls sehr schlecht gelaunt sein, und dann kann sie für nichts garantieren. Und ihre Doppelgängerin läuft aller Wahrscheinlichkeit nach auch noch irgendwo da draußen herum. Auf jeden Fall gab es seltsame Nachrichten in den letzten Tagen, das Internet berichtete über Spontanpartys auf überraschend zugefrorenen Seen, die Anwohner hätten am Morgen die Überreste von Riesenbuffets entdeckt, aber kein Caterer hatte entsprechende Aufträge. Die Gerüchteküche brodelt wie ein Punschtopf, den jemand auf dem Feuer vergessen hat. Wie lange wird ihr kleines Weihnachtsfeierexperiment wohl andauern? Fräulein Honigohr hofft auf eine nicht allzu lange Lebensdauer, aber wer weiß das schon genau? Die Weihnachtstage haben ihre eigene Energie, die alles verstärkt und manchmal zu unberechenbaren Ergebnissen führt. Moment. Schuldet ihr der alte Mann nicht noch etwas? Er müsste mittlerweile wieder zuhause sein und sitzt wahrscheinlich in der Sauna, um sich von all dem Trubel zu erholen. Und bei ihm ist es kalt. Außer in der Sauna natürlich. Aber ansonsten: Endlose Schneeberge, eisige Kälte, Nordlichter, soviel das Herz begehrt. Da findet sich doch bestimmt ein Plätzchen für Herrn-ich-meckere-sobald-jemand-die-Kühlschranktür-öffnet? Fräulein Honigohrs Stimmung hellt sich auf.
„Was hast du? Du führst was im Schilde, ich seh das doch!“ Der Schneemann beobachtet sie misstrauisch, die Schneefäuste gegen die blaue Glaswand gestützt. „Sag mir sofort, was du vorhast! Du kannst nicht einfach machen, was du willst, hörst du? Du bist schließlich schuld! Was soll denn die Kühltasche? He! Wo bringst du mich hin? Lass das! Es ist schon wieder dunkel überall, laaaaas daaas!“
Fräulein Honigohr schließt die Kühltasche mit einem erleichterten Seufzer. Das wäre erledigt. Jetzt braucht sie nur noch eine Mitfahrgelegenheit. Ob der Ostwind ihr heute gewogen ist? Einen Versuch ist es wert. Sie schlingt den Schal um den Hals und steigt die Treppe zum Dachboden hinauf. Vielleicht hat ja auch der Teppich heute noch nichts vor. Und wenn doch: Die Aussicht auf Nordlichter hat ihn noch immer überzeugt.

Fräulein Honigohr und die Spiegelung

Bevor man den folgenden Text liest, sollte man zuerst diesen hier lesen. Man muss natürlich nicht, aber er macht dann mehr Sinn. 😊

Fräulein Honigohr und die Spiegelung

Fräulein Honigohr reckt und streckt sich in ihrer roten Weihnachtskugel. Zeit, um nach Hause zu gehen. Die Feier ist fast vorbei, zwei letzte Paare drehen sich punschselig langsam auf der Tanzfläche, und die Kartoffelsalatschüssel ist leer. Fräulein Honigohr hält Ausschau nach ihrer Doppelgängerin. Da steht sie, mit Lametta im Haar und an den Rändern leicht flackernd. Sie lacht und redet und unterhält eine kleine Gruppe von Partygängern, die sie hingebungsvoll anschwärmen. Fräulein Honigohr ist stolz auf sie. Aber jetzt ist es wirklich Zeit zu gehen. Sie schließt kurz die Augen. Als sie sie öffnet, ist nichts passiert. Fräulein Honigohr spitzt die Lippen. Ihre Doppelgängerin sieht zu ihr hinüber und hebt die Schultern in einer um Verzeihung bittenden Geste, dann deutet sie unauffällig auf eine große Uhr an der Wand. Aha. Fräulein Honigohr schnaubt leise. Um Mitternacht! Originell ist das nicht gerade.
Ihre Doppelgängerin lächelt. Fehlende Originalität scheint ihr nichts auszumachen. Sie greift nach Schal und Handschuhen (ihr Schal und ihre Handschuhe, denkt Fräulein Honigohr entrüstet), schiebt ihre protestierenden Verehrer sanft zurück und geht zum Ausgang. An der Tür dreht sie sich noch einmal um und winkt, sie flackert jetzt heftiger an den Rändern, dann ist sie weg.
Fräulein Honigohr lässt sich zurücksinken in ihrer Weihnachtskugel. Frechheit! Noch sieben Minuten bis Mitternacht und zur Freiheit. Eigentlich ist sie selbst schuld, selbstverständlich will ihr Spiegelbild nicht zurück in die Kugel, sie ist schließlich wie sie, nur etwas breiter um den Mund herum. Und clever ist sie, das muss Fräulein Honigohr ihr lassen. Nicht schlecht für eine Anfängerin, gar nicht schlecht. Sie wird die rote Kugel nachher unauffällig mitgehen lassen, damit niemand sie kaputt machen kann. Ohne Kugel kein Spiegelbild.
Während sie wartet, hört sie ein leises Klopfen. Es kommt von nebenan aus der blauen Kugel. Überrascht sieht Fräulein Honigohr hinüber. In der Kugel fallen jetzt Schneeflocken, und ein kleiner Schneemann klopft mit dem Besen an die Kugelwand und gestikuliert heftig. Der war vorhin aber noch nicht da! Sie zieht die Augenbrauen hoch. Was ist eigentlich alles passiert, als sie geträumt hat? War sie das? Oder ihr anderes ich? Wo treibt sich der Originalschneemann herum? Hier drinnen ist er auf jeden Fall nicht. Und die wichtigste aller Fragen: Schneit es etwa draußen?
Fräulein Honigohr legt die Hände von innen an die rote Glaswand. Das hier ist mit Abstand die interessanteste Weihnachtsfeier der letzten Zeit. Vergnügt bringt sie die Weihnachtskugel zum Schwingen. Jetzt könnte die Feier eigentlich nochmal starten: Sie wäre bereit.

24 a. Dezember

Und dann war da noch ein 25. Päckchen! Wir waren nämlich 25 TeilnehmerInnen, und das Päckchen der 25. hat immer das jeweils eigene ersetzt. Da ich die erste war und das Ersatzpäckchen natürlich nicht veröffentlichen durfte, weil es ja noch 23 weitere Menschen auspacken wollten, habe ich heute das Vergnügen zweier Adventskalenderpäckchen. Mein Adventsbegleiter fragt, ob wir das nicht eigentlich immer machen könnten, zwei Päckchen pro Tag?

Riesig! Da muss das volle Bild her. Ein Wolkenkratzerpaket.

Ich mag ja Zeitungspapier als Verpackung. Schlicht, informativ, und es ist immer zur Hand. Und nachhaltig ist es auch noch. Und was ist nun drin? Mein Adventsbegleiter sagt, ich solle nicht so lange philosophieren, sondern auspacken! Bitteschön.

Oh. Das hier ist mehrlagig. Spannend.

Gebrannte Mandeln zum Selbermachen! Und für den Fall von verbrannten Mandeln ein Gläschen mit fertigen. Toll. 😊 Mein Adventsbegleiter möchte bitte sofort loslegen, er zerrt schon an der Pfanne. Ich muss weg, aber vorher wünsche ich noch allen Mitlesenden fröhliche Weihnachtstage! WIR wünschen das, mein Adventsbegleiter guckt entrüstet. 😊🌲✨

24. Dezember

Heiligabend! Also, im Moment ist es noch morgens und ziemlich grau, aber ich bin sicher, heute Abend wird es kerzenlastig. 😊 Heute also das (fast) letzte Päckchen, und es ist ein unauffällig flaches.

Und was ist drin?

Ein Wärmekissen en Miniature! Ist schon klar, wer das bekommt, oder? Mein Adventsbegleiter hibbelt aufgeregt herum und guckt mit großen Augen auf sein neues Kissen. Freude unter den himmlischen Heerschaaren! Und das wünsche ich euch auch heute. Fröhliche Weihnachtstage!

23. Dezember

Es ist immer noch alles beraureift draußen, das ist fast schon ein Weihnachtswunder. Heute ist Päckchen Nr. 23 dran. Groß ragt es vor meinem Adventsbegleiter auf, aber schwer ist es nicht. Was mag da wohl drin sein?

Kekse! Ich weiß, was ich heute Nachmittag zum Cappuccino essen werde. Ok, ok, was WIR zum Cappuccino essen werden. 😊

Der Schweinehund und der Tannenbaum

Draußen schneeregnet es und der Himmel ist sturmwolkenblau. Entschlossen suchst du alles zusammen, was du brauchst und guckst dabei immer wieder zu deinem Schweinehund, der unter einer Decke auf dem Sofa liegt. Er schnarcht leise vor sich hin, aber du könntest schwören, dass du ihn vorhin zweimal beim Blinzeln ertappt hast. Als du den Weihnachtsbaumständer auf die Bodendecke mit den kleinen Glöckchen stellst, öffnet er die Augen und setzt sich aufrecht hin. Du wappnest dich.
„Was machst du?“ fragt er.
„Wonach sieht es aus?“ fragst du zurück.
Er gähnt ausgiebig und gestattet dir einen Blick auf prachtvolle, scharfe Zähne. Du guckst strafend. „Was?“ fragt er unschuldig, verkneift sich aber ein weiteres Gähnen. Dann springt er auf und stellt sich neben dich. „Müssen wir schon wieder einen Weihnachtsbaum kaufen gehen?“
Du rollst die Augen. „Was heißt hier schon wieder? Den letzten haben wir vor zwölf Monaten gekauft! Du erinnerst dich? Drama, bevor wir rausgegangen sind, Drama, während wir ihn ausgesucht haben, dann musste ich dir eine Tannennadel aus der Pfote ziehen, und dann sind dir meine Lieblingskugeln runtergefallen.“
„Ich konnte nichts dafür, sie waren so kugelig und du weisst doch, ich habe Pfoten.“
„Die jeden Keks sehr geschickt festhalten können!“
„Ach!“ Dein Schweinehund wedelt abwehrend mit der Pfote. „Alles Schnee von gestern. Und? Kaufen wir einen Weihnachtsbaum?“
Du starrst ihn an. „Willst du etwa einen kaufen?“
Dein Schweinehund wiegt den Kopf hin und her. „Ich komm ja sowieso nicht drumherum, oder?“
Du musterst ihn mißtrauisch.
„Was?“ Dein Schweinehund sieht dich entrüstet an. „Ich nehme nur den Weg des kürzesten Widerstands!“
„Des geringsten.“
„Was?“
„Des geringsten Widerstands.“ Du guckst ihm in die Augen, dann piekst du ihm einen Finger in die pelzige Seite. Er zuckt zusammen und quieckt. „Du WILLST einen Weihnachtsbaum kaufen! Du magst das!“ Du grinst.
„Ach, Schnickschnack“, dein Schweinehund wedelt abschätzig mit einer Pfote, „ich bin ein Schweinehund, ich brauche keine Tannenbäume, ich mache das alles nur für dich!“
Dein Grinsen wird breiter. „Klar.“
Dein Schweinehund schüttelt hoheitsvoll den Kopf. „Was du immer glaubst. Wenn du das brauchst.“
Du schnappst dir immer noch grinsend Portemonnaie und Schlüssel. „Los, komm. Wir suchen jetzt den schönsten Baum, den wir finden können.“
Dein Schweinehund ist vor dir an der Tür. „Können wir auch wieder Marzipankekse an die Zweige hängen?“
Du schliesst die Tür. „Sicher. Aber nur, wenn du Glitzer auf die Zapfen streust.“
Dein Schweinehund hüpft die Treppenstufen hinunter. „Silber oder Gold?“ ruft er.
„Beides!“ antwortest du.

Winterepisode

Sie ahnte schlimmes, als sie ihre steifgefrorenen Fingerspitzen nicht mehr spürte. Trotzdem versuchte sie erst behutsam, dann nachdrücklicher, den Gurt zu lösen, der ihren Helm festhielt, ohne Erfolg. Sie betrachtete ihre nutzlosen Finger, während Kältetränen an ihren Wimpern gefroren. Leidenschaftslos erwog sie ihre Optionen. Wenn sie den Helm nicht vom Kopf bekam, konnte sie keine Maske aufsetzen, ohne Maske durfte sie nicht ins Gebäude, wenn sie nicht ins Gebäude kam, würden ihre Finger nicht warmwerden und ohne warme Finger würde sie den Helm nicht abnehmen können. Sie zuckte mit den Schultern und stieg wieder aufs Fahrrad. Einen Tag früher Weihnachtsferien war auch nicht schlecht.

22. Dezember

Draußen ist alles weiß überfroren, ein Traumland, aber ich bin wach, definitiv. Oder? Auf jeden haben wir heute ein dickes, rundes Päckchen, schön schwer, das verheißt gute Dinge. 😊

Und was ist drin?

Bratapfelmarmelade! Die kommt, als ob ich sie bestellt hätte, die von letzter Woche ist nämlich schon leer 😋 (übrigens war sie sehr, sehr lecker). Und jetzt auf, nach draußen ins Winterwunderland!