Ausgelesen: Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast. Von Christelle Dabos.

Kleine Notiz an mich: Ja, auch zweite Bände einer Trilogie können großartig sein! So geschehen bei diesem Buch. Von Band eins war ich sehr angetan, aber bei Trilogien habe ich oft ein wenig Angst vor Band zwei, oft ist es nämlich nur das in die Länge gezogene Bindeglied zwischen Anfang und Ende. Natürlich ist dieser Band hier auch ein Bindeglied zwischen Anfang und Ende, aber was für eins! Da macht es doch Freude, ein Bindeglied zu lesen! Die Heldin Ophelia arbeitet nun als Vize-Erzählerin am Hof und hofft, sich endlich etwas ausruhen zu können, aber da hat sie sich getäuscht (zum Glück für alle Leserinnen und Leser): Als da sind: Sanduhren, Illusionen, der Pol, Archen, scheinbar verrückte Herrscher, eine eigenwillige, starke Heldin und eine sehr schöne, zurückhaltend erzählte Liebesgeschichte.
Mir hat es wirklich Freude bereitet, dieses Buch zu lesen. Band drei habe ich mittlerweile auch schon durch, er war großartig, ein fulminanter Abschluß, sprühend vor wahnsinnigen Ideen und Handlungswendungen, bei denen einem schwindlig wurde, aber ich werde ihn nicht mehr rezensieren, denn Trilogien sind ja eigentlich ein einziges, sehr, sehr langes Buch. Da muss eine Rezension eigentlich ausreichen. In diesem Fall gab es nun zwei, weil die Bücher wirklich sehr empfehlenswert sind für jeden, der Fantasy mag: Leuchttürme in der weiten Fantasy-Buch-Welt.

Beobachtungen

Die weißroten Häuser leuchten an den grünen Hängen wie ein seltsamer, exotischer Pilzbefall.

Karamellbad

Oink badet

„Das ist ganz schön braun hier, oder?“ fragt Oink.
Ich versuche, nirgendwohin zu gucken, während ich meine Zähne putze. „Stimmt“, nuschle ich.
„Sogar die Vorhänge“, stellt Oink fest.
Ich nicke.
„Und dunkel ist es auch. Bis auf die Lampen. Die sind SEHR hell“, sagt Oink und blinzelt in die Scheinwerferlampen.
Ich nicke und gucke in den Spiegel. Mist. Viel zuviel zu sehen.
„Vielleicht mögen die hier Karamell“, sagt Oink.
Ich schürze die Lippen.
„Und Schokolade. Darum ist es auch so warm hier. Das liegt gar nicht an der Heizung! Die mögen heiße Schokolade mit Karamell!“ Oink hopst auf der Spiegelablage herum. „Und das wollen sie schon vor dem Frühstück!“
Ich starre ihn an. Naja. Dann gucke ich auf die karamellfarbenen Fliesen, die hellbraune Dusche und die goldbraunen Vorhänge.
Warum nicht?
„Lass uns frühstücken gehen“, sage ich.
„Gibt es Kakao?“ fragt Oink.

Ausgelesen: Eine Leiche wirbelt Staub auf. Von Alan Bradley.

Tja. Was macht man, wenn man eine geniale Hauptfigur erfunden hat, sie durch allerlei skurrile Mordfälle hat schlendern lassen und dann feststellt, dass die Geschichte eigentlich auserzählt ist? Richtig! Man schickt sie an einen neuen Ort mit neuen Figuren, nimmt ihr ihre Sidekicks und guckt mal, was passiert. Flavia passiert, was ihr immer passiert, sie stolpert über eine Leiche, sie monologisiert, denkt Dinge, die ein Mädchen ihres Alters noch nicht denken sollte und verhält sich seltsam. Ihre neue Umgebung, ein Internat in Kanada, macht es ihr allerdings auch leicht, sich seltsam zu verhalten. Das Internat ist nämlich noch viel seltsamer als sie, da wirkt Flavia dagegen fast schon vernünftig. Die Geschichte ist auch seltsam, sie verstrickt und verheddert sich immer mehr mit jeder neuen Seite, dazu kommen Geheimagentenspiele, niemand spricht mit niemandem, alle sind misstrauisch und es bleibt die Frage: Warum um alles in der Welt schickt eine Familie ihr Kind alleine nach Kanada in ein Internat?
Und trotzdem hat er mich wieder um den Finger gewickelt, der Autor, echt jetzt. Wenn Flavia dort geblieben wäre, wo ich sie schon kannte, in ihrem Dorf, bei ihren Schwestern und ihrem ebenfalls seltsam abwesenden Vater, dann hätte ich das Buch wohl nicht gelesen. Vermutlich werde ich die weiteren Bände der Reihe auch nicht weiterlesen, denn wie oben schon gesagt, eigentlich ist die Reihe auserzählt. Wenn der Autor nicht gestattet, dass Flavia sich weiterentwickelt und älter werden darf, kann es nur immer abstruser werden, zumindest, wenn er so weiterschreibt wie bisher. Für vier Bücher hat das gereicht, das fünfte war schon etwas ausgeleiert, das sechste hat funktioniert, weil es an einem anderen Ort spielt. Aber immerhin: Es hat funktioniert. Flavia hat einen Mord aufgeklärt, eine Freundin gefunden (naja, fast), festgestellt, sie ist nicht die allein Seltsame und darf wieder zurück nach England. Was will man mehr?

Beobachtungen

Im vollen Bewusstsein ihrer natürlichen Überlegenheit blickt die Burgruine vom gegenüberliegenden Berg herablassend auf mich keuchende Wanderin herunter.

Ortswechsel

Manchmal braucht man einen Ortswechsel. Oder man hat einen Traum, der auf Erfüllung drängt. Mein Traum ist ein größerer Balkon, auf dem man im Frühling, Sommer, Herbst und Winter sitzen kann, in kurzen Hosen oder im Mantel, in eine Decke gewickelt und Tee schlürfend. Unglaublicherweise erfüllt sich dieser Traum nun, denn ich ziehe um. Ich habe tatsächlich eine Wohnung gefunden, die einen solchen Balkon hat. Wahnsinn! Allerdings gibt es in dieser Wohnung sehr viel zu tun, sehr, sehr viel, aber der Balkon ist das alles wert. In den nächsten Wochen werde ich viel Zeit mit Farben, Pinseln, Akkuschrauber und Klebeband verbringen und weniger Zeit hier haben. Ich habe ein paar Beiträge vorbereitet und gucke auch immer mal vorbei, aber wundert euch bitte nicht, wenn ich weniger kommentiere als sonst. Irgendwann werde ich auf dem neuen Balkon angekommen sein und dann werde ich mit Teebecher in der Hand alles Neue in der Luft erschnuppern. Und hoffentlich auch Internet haben! 😀

Unter dem Cappuccinoschaum

Oink taucht ab

Ich streue Zucker auf den Cappuccinoschaum, rühre vorsichtig nur in der Mitte um und tauche mit dem Löffel in die Schaumschicht ein. Oink guckt mir interessiert zu. Zucker und Schaum vermischen sich köstlich knirschend mit mildbitterem Aroma im Mund.
„Was ist eigentlich unter dem Schaum?“ fragt Oink.
Ich schiebe noch mehr Knusperschaum auf den Löffel und überlege. „Was denkst du denn?“ frage ich zurück.
Oink reckt seine Nase über den Tassenrand und schnuppert. „Ich glaube, da drin lebt ein Cappuccinofrosch, der es gern heiß und dunkel mag, und dann kommt die Milch dazu, die er überhaupt nicht mag. Er strampelt und strampelt um die Milch loszuwerden, macht immer mehr Schaum und zum Schluß springt er empört aus der Tasse, wenn du gerade nicht hinsiehst. Und dann kommst du, machst Zucker drauf und trinkst das.“ Er sieht mich erwartungsvoll an.
Mir schwirren Wörter wie „Kaffeebohne“, „Wasser“ und „Koffein“ im Kopf herum, als ich in meinen Cappuccinofroschbecher gucke. Dann nehme ich noch einen Löffel Milchschaum und antworte: „Du hast absolut recht.“

Ausgelesen: Crazy Rich Asians. Von Kevin Kwan.

Rachel ist verliebt in Nick und Nick ist verliebt in Rachel, beide leben glücklich und zufrieden in New York. Soweit ist alles gut, aber dann will Nick Rachel seiner Familie vorstellen, die in Singapur lebt. Es stellt sich heraus, dass Nicks Familie reich ist, sehr, sehr reich, verrückt reich, und dummerweise auch mit allerlei Marotten ausgestattet ist. Wenn alles möglich ist, was macht man damit? Ist man glücklicher, sorgenfreier, unbeschwerter? Nun ja. Einerseits schon. Andererseit sind auch sehr, sehr reiche Menschen nur Menschen, und wer keine Probleme hat, macht sich welche. Und so beginnt ein doppelbödiges Intrigenspiel, in dem jeder seine Ziele verfolgt und während Märchenhochzeiten geplant werden, fliegt man kurz nach Paris oder Hongkong, um shoppen zu gehen.
Ich habe das Buch mit großem Vergnügen gelesen, hatte immer mal wieder kurz Schnappatmung, weil das Verhalten der Buchprotagonisten tatsächlich so unglaublich ist, dass man es kaum glauben kann. Geheime Häuser in öffentlichen Parks, quasi nichtexistente Superreiche, die dafür sorgen, dass sie niemals irgendwo in der Öffentlichkeit erwähnt werden, weil ihnen die Zeitungen, Fernsehsender und halb auch die Regierungen gehören, Junggesellinnenpartys mit verschenkter Designermode frisch vom Laufsteg, um die sich fast geprügelt wird, und dazwischen Rachel als Hauptfigur, der dauernd der Mund offenstehen bleibt. Unfassbar, das alles, doch die Realität soll noch viel ausufernder sein. Band zwei und drei habe ich ebenfalls gelesen und auch die waren gut, aber Band eins ist wirklich empfehlenswert, der Aha-Effekt macht wirklich großen Spaß. Nebenbei lernt man auch noch viel über Singapur und die asiatische Welt. Also über die gehobene asiatische Welt. Der kleine Mann (oder die kleine Frau) kommt im Buch eher nicht vor.
Die Verfilmung kann ich nicht empfehlen, von all der Ironie, dem Sarkasmus und den kleinen Bösartigkeiten bleibt dort nicht viel übrig, die Geschichte wird zur Liebeskomödie eingestampft. Allerdings: Wer gut aussehende Menschen in einer Liebeskomödie mag, der sollte sich den Film doch ansehen. 😉

Jahreszeiten

Das Jahr strömt vorbei
wie ein großer, schöner Fluß.
Meine fest vertäuten Hände
lösen sich vom Poller.
Ich schwimme
in goldenen Zeiten,
atemlos.

Der Dienstag dichtet!  
Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht.
Auch Wortgeflumselkritzelkram
Mutigerleben
WernerKastens
die Nachtwandlerin
Myriade
Gedankenweberei
Emma Escamilla
Wortverdreher
Lebensbetrunken
der BerlinAutor
Vienna BliaBlaBlub
Heidimarias kleine Welt
Red Skies over Paradies
Your mind is your only limit
Dein Poet
Geschichten mit Gott
Lindasxstories
Findevogel
und Traumspruch sind mit von der Partie.
Viel Freude bei allen Besuchen!

Beobachtungen

Vor der Bank liegt ein großer, runder Stein, der zu flüstern scheint: Komm Wanderin, stell deine Füße auf mir ab, lass uns kurz plaudern. Ich widerstand.