leben

leben

morgens klingelt der wecker
schnell
es ist spät
ein butterbrot
hastig zum zug
voller menschen
volle abteile
verspätung
quer durch die stadt
arbeit
können sie haben sie wie lange
wann ich will noch warum nicht warten sie
pause
dreissig minuten
überzogen
zurück
arbeit
langsamer als am morgen
unwillig
hastig zum zug
unwillig
voller menschen
volle abteile
augen zu
ohren zu
nach hause
essen
kopf leer
nicht zu lange
nicht zu lange ausruhen
später
noch ein termin
nachts
sehr müde
hellwach
gedanken flackern
warum so
warum nicht anders?

Das ist aus einer Zeit, in der ich sehr viel gearbeitet habe und es keinen großen Sinn mehr für mich gemacht hat. Mittlerweile habe ich meine Work-Life-Balance besser im Griff, aber die Gefahr lauert ständig und überall – Arbeit kann einen großen Sog haben, dem man sich manchmal schwer entziehen kann, selbst dann, wenn sie Freude macht. Vielleicht sogar besonders, wenn sie Freude macht. (Work-Life-Balance – den Begriff wollte ich immer schon mal irgendwo anbringen! 🙂 )

Der Dienstag dichtet!  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram und  Mutigerleben sind mit von der Partie. Wer den Dienstag also mit Gedichten beginnen will: Herzlich willkommen!

Wer?

Wer hat eigentlich verfügt

dass der mit dem vollsten Terminkalender

dem eiligsten Schritt

den meisten Kontakten

derjenige ist

der dir, Gott

am meisten dient?

Was ist mit denen

die dich in der Stille suchen

denen die Zeit mit dir so wichtig ist

dass sie ihren Tagesablauf

ihren Gebetszeiten unterordnen

nicht umgekehrt?

Und wer hat daraus

aus dem Tun und Sein vor dir

einen Wettbewerb gemacht

statt sie als

einatmen und ausatmen zu verstehen?

 

Ein Gastbeitrag von himmelgraublau – dankeschön!