Ausgelesen: Letzte Wünsche. Von Alexander Krützfeldt.

Eigentlich bin ich eine leidenschaftliche Bücherei-Nutzerin (oder Bibliotheks-Nutzerin, suchen Sie sich den Begriff aus, der Ihnen lieber ist). Andere Bücher werden mir in die Hand gedrückt, mit der Hoffnung, dass ich sie lesen werde, weil die Leute mittlerweile wissen, dass ich relativ viel gedrucktes Wort verschlinge. Bei diesem Buch war das anders: Ich musste es kaufen und selber haben, und zwar sofort. Eine Freundin hat mich zu einer Lesung mitgeschleift, weil sie den Autor kennt und schätzt, und weil ich neugierig war, ging ich mit. Die Lesung fand an einem sonnigen Sommerabend statt, der Laden war voll, schon zum zweiten Mal, weil die erste Lesung quasi überrannt worden war. Vorne saßen der Autor und der Mann, den er ein Jahr lang begleitet hat.

Hier der Klappentext des Buches:

„Frank Wenzlow hat seine große Liebe an einen hochaggressiven Krebs verloren. Aber anstatt aufzugeben und in Trauer zu versinken, hat er einen Verein gegründet, der sterbenden Menschen ihren letzten Wunsch vor dem Tod erfüllt: einmal noch ins Stadion, Weihnachten bei der Familie, das letzte Mal ans Meer.
Der Journalist Alexander Krützfeldt hat Wenzlow über Monate begleitet, um dem nachzuspüren, was Sterbende bewegt und zu erfahren, was wir hoffen, vermissen, bereuen, wenn wir wissen, dass wir gehen müssen. Dieses Buch zeigt uns, was letzte Wünsche über das Leben verraten und was wir selbst für uns und andere tun können. Was wirklich zählt. Ein augenöffnendes Buch, das vor allem dazu ermuntern will, bewusster zu leben.“

Bei diesem Thema wird es einem gern ein wenig eng in der Kehle, man neigt dazu, lieber doch nichts hören zu wollen, aber der Abend entwickelte sich völlig unerwartet: Das ernste Thema wurde behutsam und humorvoll angegangen, die einzelnen Kapitel beschreiben mit großem Respekt die Menschen und ihre letzten Wünsche und auch die Menschen, die sie dabei begleiten. Das Buch ist nicht distanzlos und betreibt auch keine Effekthascherei, es beschreibt die Dinge einfach, wie sie sind. Der Schreibstil ist lakonisch, manchmal scheint das ein oder andere Gefühl aber doch zwischen den Zeilen auf, was dem Buch gut tut. Der gegenseitige Respekt zwischen Alexander Krützfeldt und Frank Wenzlow ist spürbar, aber er verschleiert nichts. Ich war mehr als nur ein bisschen beeindruckt, habe das Buch gekauft und zuhause sofort weitergelesen. Es ist trotz allem zwischenzeitlichen Humor und trotz Leichtigkeit des Schreibstils ein schwerer Stoff, und ich habe nicht mehr als ein Kapitel auf einmal gelesen, aber es hat sich in jeder Hinsicht gelohnt. Ich bin klüger, sehr viel informierter und habe riesigen Respekt vor den Menschen, die sich in diesem Verein ehrenamtlich engagieren. Und, tatsächlich, ich weiß es mehr zu schätzen, dass es mir jetzt gerade gut geht, und mir ist bewusster als früher, dass das nicht selbstverständlich ist. Das Leben ist schön. Man vergisst es nur manchmal zwischen all dem Alltag.

Ich wünsche dem Buch großen Erfolg und hoffe, dass viele es lesen werden. Vermutlich wird das nicht einfach, denn das Thema ist herausfordernd, und ich bin mir gar nicht sicher, ob ich es ohne die Lesung und ohne den direkten Kontakt auch gekauft hätte – vermutlich nicht. Wir weichen diesem Thema doch alle gern aus, wenn es möglich ist. Und das wäre für mich wirklich ein Verlust gewesen. Fünf von fünf möglichen Sternen von mir. Wenn es mehr gäbe, würde ich auch mehr geben.

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