Was es alles braucht zum Paradies

Was alles braucht es in meinem Paradies?

Auf jeden Fall braucht es Bücher. In Mehrzahl. Und verschiedene Arten. Eigene Gedanken können mit der Zeit so unendlich gleichförmig werden ohne äußere Einflüsse! Bücher. Ja. Andere Menschen auch, aber in Maßen. Mit Pausen und langen, einsamen Spaziergängen zwischen den Begegnungen. Ein eigenes Zimmer. Mit Ausblick. Ein Fenster, das ich öffnen kann, um die Luft zu streicheln und mich streicheln zu lassen. Zum Paradies braucht es auch gemeinsame Mahlzeiten, Frühstück und Abendbrot mindestens, und ab und zu einen gemeinsamen Tee. Oder Kaffee, da bin ich nicht dogmatisch. Ein paar Katzen wären nett, und Vögel. Viele Vögel. Überhaupt alles, was flattert und summt und brummt. Das Paradies liegt selbstverständlich in einem großen Garten mit Obstbäumen, das muss ich eigentlich gar nicht erst erwähnen. Ein kleiner Bach wäre nett, aber eine Seligkeit wäre ein See, in dem ich schwimmen kann. Mit Steg. Vielleicht ein Boot? Ach ja. Und das Meer sollte nebenan sein, gleich, wenn man aus dem Gartentor tritt. Tee und heißes Wasser muss es geben, und Schokoladenkekse. Einen bequemen Stuhl, in dem man die Beine hochlegen kann. Vermutlich sollte es wohl auch Arbeit geben, ein Paradies ganz ohne ist unvollständig. Oder? Ist Zwetschgenpflücken und Marmelade kochen Arbeit? Unkraut jäten ist auf jeden Fall Arbeit und muss wohl sein. Aber man muss ja vielleicht nicht überall jäten. Und frische Brötchen mit Honig zum Frühstück. Die sollte es auch geben.

Und deins?

Hängematte

Stell dir vor, dein Leben wäre ein großer Baum, und deine Komfortzone, das ist die gemütliche Hängematte am Ast unten rechts, gleich neben dem Eichhörnchenbau. Da liegst du am Abend und manchmal auch am Mittag und schaukelst gemächlich vor dich hin, während der Wind leise durch die Äste weht. Es ist nett da in der Hängematte, ein kühles Getränk steht bereit und die Sonne wärmt dich von oben.

Das einzige, was dich stört, ist diese Hängebrücke. Wie ein Mahnmal hängt sie am Baum, die Bodenplanken sehen verdammt morsch aus, die Halteseile sind ausgefranst und vom Alter gebleicht. Außerdem schwankt sie beim leisesten Schritt, du hast es ausprobiert, am anderen Ende der Hängebrücke wartet nämlich dein Traum. Ja! Dein Traum! Du kannst ihn sehen, er ist ganz klein und bunt und steht schon ewig auf der anderen Seite.

Du findest, es wäre wirklich nett, deinen Traum mal zu treffen, aber: Da ist diese Hängebrücke, die alles andere als einladend aussieht. Dieses Geknarze, wenn du an den Seilen rüttelst! Und jedesmal rieselt Staub von den Holzplanken in den Abgrund (dein Baum ist hoch), wenn du probeweise einen Fuß auf die Brücke setzt. Herrje! Du müsstest wirklich deine Hängematte, deine Komfortzone verlassen und dieses Risiko eingehen! Du bist nicht bereit dafür.

Und so verbringst du einen weiteren Tag in der Hängematte, nippst an deinem Drink und schließt die Augen, um den kleinen, bunten Traum nicht sehen zu müssen, der auf der anderen Seite aufgeregt winkt.

Was könnte dich in Bewegung setzen? Wie groß müsste der Anreiz sein?

Was wirst du tun?