Monat 11

Wann?
Seele, Sinne sagt mir wann
Wann ist das Sonnenlicht milder
der Wind brausender
die Wolken bedrohlicher
die Tage dunkler
das Wetter, die Gefühle wechselhafter
der Geruch modriger
das Laub raschelnder
die Luft dunstiger
die Farben der Natur bunter
die Straßen schmutziger
die Pfade aufgeweichter
die Sehnsucht sehnsüchtiger
die Leere leerer
die Traurigkeit bedrückender
der Gedanke an Vergänglichkeit präsenter
Trost und Ermutigung nötiger
die Bettdecke kuscheliger
Zuhause gemütlicher
als im November

herbst

Ein Gastbeitrag von Himmelgraublau aus November 2016 (ja, so lange gibt´s Stachelbeermond schon!).

Woran ich merke, dass der Herbst naht

Woran ich merke, dass der Herbst naht

Bedürfnis nach 7 Stunden Schlaf – mindestens

geweckt werde ich vom Wecker

ich stehe auf – und es ist noch dunkel

Kleiderauswahl nach Check der Wetterapp

Jeans – und wo war noch gleich meine Jacke?

Erdtöne dominieren in den Vorgärten

vereinzelte buntgefärbte Blätter, Haselnüsse im Dreierpack und Kastanienigel auf dem Pflaster

der Duft reifer Äpfel schmeichelt meiner Nase

Sonnenblumenfelder verblühen langsam

es ist, als wäre ein braun-gelber Schleier über die Natur gelegt

Passanten mit geschlossenen Jacken und Schuhen

vor mir tuckert ein Maishäcksler

im Büro sind plötzlich alle da

ich werde aufgefordert, meinen Resturlaub zu verplanen

zum Feierabend frage ich mich, ob es wohl gleich regnet

oder etwa schon leicht dämmert

im Supermarkt stolpert mein Blick über Spekulatius, Lebkuchen, leuchtend bunte Kürbisse

und über Federweißen und Zwiebelkuchen im Kühlregal

mich zieht’s mehr mit Tee und Buch auf’s Sofa

statt mit Kaltgetränk auf die Terrasse

wie kommen nur all‘ die Spinnweben und Langbeiner ins Haus?

Nebel zieht auf

wie kalt es abends wird

Noch ein Gastbeitrag von himmelgraublau – vielen Dank! Ich mag es sehr, und es trifft ins Schwarze. Genauso fühlt sich Herbst an.

Heimat

Heimat

grüne Weiden
blauer Himmel mit Schäfchenwolken
rote Backsteinhäuser mit (meist) gepflegten Vorgärten
mit ausreichend Platz zum nächsten
kleine uralte Dörfer mit grünen Ortsschildern
grasende Schwarzbunte
tuckernde Trecker
freundlich-neugierige Menschen
mit gebührender Distanz
und breitem Akzent
oder gleich auf Platt
Tee auf Stövchen
knisternde Kluntjes im Porzellantässchen
mit aufsteigenden Wulkjes
Wallhecken
Kennzeichen EMD, AUR, LER
würziger Kindheitsgeruch von Kuhfladen
flaches Land
Weite
durchatmen

Nach (ziemlich) langer Zeit mal wieder ein Text von Himmelgraublau – ich freu mich, vielen Dank! 🙂

Plötzlich und unerwartet

Der Tod
hat zugegriffen
zugeschlagen
ohne Vorwarnung
ganz plötzlich
erbarmungslos
brutal
die Zeit steht still
schwer zu fassen
unglaublich
plötzlich ist alles anders
gerade noch so Wichtiges
hat von einer Sekunde auf die andere
seine Bedeutung verloren
eine Ahnung keimt auf
dass das, was so selbstverständlich scheint
nicht selbstverständlich ist
sondern Geschenk
Geschenk des Lebens
wie unglaublich zerbrechlich
Sehnsucht macht sich breit
noch ein Mal
miteinander reden
zusammen essen
erzählen
lachen
weinen
umarmen
halten
Leben teilen
und sagen, was du mir bedeutest
doch Ungesagtes bleibt ungesagt
Ungetanes bleibt ungetan
zu spät

Ein Beitrag zur stillsten Woche im November von himmelgraublau. Vielen Dank.

 

Herbstwald

Herbstwald

Gelbe Blätter strecken sich wie erwartungsvolle, bedürftige Hände der Sonne entgegen
lichtdurchlässig sind sie
und leuchten im milden Herbstlicht
Gelbe Blätter strecken sich wie erwartungsvolle, bedürftige Hände der Sonne entgegen
sie tragen ihre Farben in sich
und diese kündigen an: sie werden fallen, schon bald
Gelbe Blätter strecken sich wie erwartungsvolle, bedürftige Hände der Sonne entgegen
und leuchten im milden Herbstlicht

Ein Gastbeitrag von himmelgraublau – vielen Dank!

 

Ich bin dankbar

Ich bin dankbar
für den Kaffee am Morgen
für die Sonne, die den Herbstnebel auflöst
für eine helfende Hand, oder auch zwei
für Bücher und Geschichten, in die man abtaucht und die Zeit vergisst
für einen Plan der funktioniert
für ein weiches Bett nach einem harten Tag
Ich bin dankbar
für die Vögel, die mich mit ihrem Gesang wecken
und für meine Stimme, mit der ich Gott loben kann
für Gespräche in der Küche
für mein Handy, das mir ermöglicht in Kontakt zu bleiben, über Kilometer hinweg – und dass ich es einfach mal ausschalten kann
für tröstende Worte an dunklen Tagen
für das Gefühl, wenn der Schmerz nachlässt
Ich bin dankbar
für eiskaltes Wasser an einem heißen Tag
für die Wärmflasche, wenn ich friere
für Flammkuchen und Federweißen und für die Menschen, die sowas leckeres erfinden
für einen stillen Ort, wenn ich ein dringendes Bedürfnis habe
für ein Gesicht, dass mich anlächelt, einfach so.
für das Gefühl, gerade am richtigen Ort zu sein und das richtige zu tun
Ich bin unendlich dankbar

Ein Beitrag von himmelgraublau – vielen Dank!

 

Im September könnte man …

  • jede Woche einen (Halb-) Tag zweckfreie Zeit einplanen – dem inneren Gleichgewicht zuliebe
  • in Ruhe frühstücken und es genießen
  • Ausschau halten nach den kleinen Wundern des Tages
  • einen Text, der einem gefällt oder etwas bedeutet, in Schönschrift abschreiben – einfach so, für sich selbst oder zum Verschenken
  • jemandem ein Überraschungspäckchen schicken
  • singen – egal, ob allein oder im Chor
  • nach Apfelbäumen am Wegesrand Ausschau halten, Äpfel ernten und einen Apfelkuchen backen, Apfelmus kochen …
  • sich an einen Lieblingsplatz setzen und lesen
  • sich bei jemandem melden, bei dem man sich schon längst melden wollte
  • den Oberkörper ganz langsam, Wirbel für Wirbel, nach unten zur Erde hin abrollen, Arme locker nach unten hängen lassen, und sich vorstellen: alles, was gerade noch belastend auf den Schultern lag, rollt, purzelt über die Arme und Hände zu Boden – fort… dann langsam, Wirbel für Wirbel, wieder aufrichten, Kopf zuletzt
  • mit einem Lieblingsmenschen essen gehen – oder für ihn/mit ihm kochen
  • im Dunkeln nach draußen setzen und in die Luft lauschen und schnuppern
  • am Ende des Tages 10 Minuten aufschreiben, was einen beschäftigt – den Zettel dann zusammenknüllen und wegwerfen – loslassen