ich segle

ich segle in großer Höhe
über allem
nah an der Sonne
sie wärmt meine Schwingen
tief unten
glänzt das Land
grünblaubraun
ein strahlender Teppich
aus Erde
am Horizont
schillert das Meer
voll mit Schiffen und Fischen
fast habe ich vergessen
wer ich bin
ein Mensch
mit Wurzelfüßen
Zeit zu landen
zu wachsen
Tiefe zu lernen
das Land zu verankern
mit mir
mich auszustrecken
nach oben

Der Dienstag dichtet! 🙂  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch WortgeflumselkritzelkramMutigerlebenWerner KastensFindevogel, die WortverzauberteLyrikfederDer BerlinAutorNachtwandlerinLindas x Stories, Myriade, Gedankenweberei, MynaKaltschneeWortverdreher und
Lebensbetrunken sind mit von der Partie. Schaut doch mal bei ihnen vorbei, der Dienstag fängt besser an mit ein bisschen Wortzauberei!

Herr Miesling wird bemopst

Herr Miesling wird bemopst

Herr Miesling sitzt auf einer Bank und starrt in das rotgelbe Laub. Seine Füße sind kalt, aber er hat noch keine Lust aufzustehen und nach Haus zu gehen. Außerdem hat er sein Brot noch nicht gegessen. Er zieht das zerdrückte Butterbrotpäckchen aus der Jackentasche, als ein kleines Energiebündel vor ihm auftaucht, die Pfoten auf die Bank stemmt und das Wurstbrot anhechelt.
„He!“ ruft Herr Miesling und hält das Brot in die Höhe, „wer bist du denn? Wo ist dein Herrchen?“ Er sieht sich um. Niemand da. Der Mops sabbert und starrt auf das Wurstbrot. „Wo haste dich rumgetrieben? Du bist´n Schmutzfink!“ Herr Miesling guckt genauer hin. Kein Halsband. „Wollteste mopsen? Ein mopsender Mops.“ Herr Miesling kichert leise. Der Hund starrt das Brot an. „Haste Hunger? Weisste was? Wir können ja teilen, was hältste davon?“
Der Mops sieht aus, als ob er eigentlich gern das komplette Brot gehabt hätte, aber wohl keine andere Wahl habe. Sie teilen gerecht. Der Mops verschlingt seinen Anteil mit drei Bissen, Herr Miesling kaut etwas langsamer. Er überlegt. Kann er jemanden durchfüttern? Auf einmal hört er Rufe hinter sich.
„Rudi! Bei Fuß!“ Eine Frau kommt auf Herrn Miesling zugelaufen. „Du ungezogener Mops! Hat er wieder gebettelt?“ fragt sie, als sie Herrn Miesling mit der leeren Butterbrottüte sieht. „Tut mir echt leid. Dauernd haut er ab und frisst sich überall durch.“
Herr Miesling guckt den Mops an, der ihm hechelnd die Zunge herausstreckt. Ganz schön abgebrüht für so einen kleinen Scheisser, das muss er zugeben. Er grinst. „Ich hab mein Wurstbrot mit ihm geteilt. War ´ne fabelhafte Wurst drauf, mit Knoblauch. Vielleicht hat er ´n bisschen Mundgeruch in der nächsten Zeit.“
Die Frau lacht. „Kann ich Sie zum Ausgleich auf einen Kaffee einladen?“
Herr Miesling freut sich. „Klar“, sagt er.
„Na dann“, sagt die Frau.

Das war ein Beitrag für die abc.etüden: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Judith mit ihrem Blog Mutiger leben. Sie lauten: Schmutzfink, fabelhaft, mopsen. Und ich bin megastolz, denn dieses Mal habe ich nur 298 Wörter verbraucht! 🙂

ABC-Darium der wichtigen Alltagsdinge – X, Y und Z

X wie Xenia:

Die böse Schwester in der Märchenbraut-Serie. Ich konnte sie nicht leiden, echt nicht, aber sie hat die ganze Sache erst spannend gemacht. Ohne sie wäre die Geschichte in Folge 1 auserzählt gewesen.

Y wie Yellow Press:

Faszinierend und abstossend zugleich.

Z wie Zeppelin:

Zeppeline sind Sehnsuchtsmaschinen, ein Gruß aus einem Paralleluniversum, in dem es viel mehr Messingzahnräder und Dampfmaschinen gibt als bei uns. Manchmal (aber nur manchmal) würde ich gern dort leben.

Und damit ist es hinöber, das A-B-C-Gestöber! 🙂

ABC-Darium der wichtigen Alltagsdinge – U, V und W

U wie Urmel aus dem Eis:

Die liebenswertesten Sprechbesonderheiten, die ich je gelesen habe, und die begehrenswerteste Insel der Welt. Wer möchte nicht seine eigene Mupfel am Rande des Meeres, in der man in Ruhe seine melancholischen Seegedichte singt…

V wie verrückt:

Ich bin an manchen Stellen auch verrückt. Wenn ich so überlege, bin ich das ganz gern.

W wie Waldemar:

Ein Name, den ich gerne noch irgendwie verwenden möchte. Der oder das, das Waldemar heißt, existiert da draußen schon. Wir haben uns nur noch nicht gefunden.

Viele, viele Waldemars?

An meine wunderbare Schaukel

25. Oktober 2020

Meine wunderbare, geliebte Schaukel,

Du weisst doch hoffentlich, wie ich Dich vermisse? Erinnerst Du Dich, wie wir des Abends unter dem dunklen Samthimmel zusammen langsam hin- und herschwangen? Wie die Spitzen der Tannen bei jedem Aufwärtsschwung den Mond anstachen? Der Wind streichelte sanft meine Wangen, und Deine kühlen Kettenringe lagen gespannt in meinen Händen. Alles war möglich, wir hätten selbst den Abendstern überfliegen können.
Nun bin ich hier, in fremden Lande, und, ach, alles ist anders als erwartet. Niemand kennt hier Wesen wie Dich, den kühnen Schwung Deines Sitzbrettes weiß niemand zu würdigen, und passende Äste für deine langen Ketten gibt es auch nicht. Kein Baum hier könnte Dich tragen. Welch beklagenswertes, armes Königreich!
Im Geiste sehe ich Dich schwingen, Dein entzückendes Quietschen höre ich im Traum des Nachts, und am Morgen brennt die Sehnsucht nach dem wilden Auf und Ab in mir.
Behalte mich im Sinn!
Ich komme wieder!
Sieh keinen anderen Schaukler an bis dahin, ich vergehe sonst wie Schaukelwind im Abenddämmern.
Tausend Küsse und Umarmungen, ich streichle im Geiste jedes Deiner Kettenglieder einzeln! Bleib beweglich und sag Onkel Franz, er möge Dich regelmässig ölen, ich werde es ihm begleichen, wenn ich wieder zuhause bin.

Immer, in Liebe, Dein Schaukler

 Bild von FREE-PHOTOS auf PIXABAY

ABC-Darium der wichtigen Alltagsdinge – R, S und T

R wie Rumpelkammer:

Oh du geheimnisvoller Raum voller Möglichkeiten und Wunder!
Hätte ich dich doch bloß nicht aufgeräumt.

S wie Sensibelchen:

Bin ich. Immer und überall und ich hätte es sehr gerne, dass alle Rücksicht nehmen und auf Zehenspitzen laufen. Blöd nur, wenn ich sie dabei mit großem Gepolter in Grund und Boden schubse wie der Elefant im Porzellanladen.

T wie Tanja:

Das bin ich! Ta-daa! 🙂

Wunschpfirsich (Gruß aus dem Sommer)

Wunschpfirsich

Wunschpfirsich und Morgenglanz
Morgenglanz und Klebefinger
Wunschpfirsich und Morgenglanz und Klebefinger und
der Sonnenaufgang ist süß wie goldener Honig

ABC-Darium der wichtigen Alltagsdinge – O, P und Q

O wie Oh Gott:

Möchte ich nicht nutzen, den Ausruf, tue ich aber (und allein wegen des kleinen „Ups!“-Moments, in dem an den Chef denke, ohne es geplant zu haben, mag ich es doch).

P wie Pause:

Ich liebe Pausen. Die kleine Tee-Zieh-Minute, WC-Pausen, große Pausen, Mittagspausen (da muss ich mich manchmal zwingen, sie zu machen), Urlaubspausen, einfach alle. Allerdings neigen sie dazu, wie Flubber wegzuglitschen, wenn man nicht aufpasst. Sie sind elastisch wie Meeresalgen und man weiß nie, wie lang eine Pause nun wirklich war: 20.000 Kilometer Gedankenpfade oder nur ein Seitenumblättern im Buch.

Q wie Querulant:

Wäre ich gern öfter.

 

Herbstapplaus

Herbstapplaus

goldgelb verfliegt die Welt vorm Zugfenster
unhörbare Abschiedsarie
selbst der Schrottplatz applaudiert
mit glänzenden Chromfelgen

ABC-Darium der wichtigen Alltagsdinge – L, M und N

L wie Likör:

Mein selbstgemachter Quittenlikör macht die Zunge rund, wärmt den Magen, schnippst ein Kichern in die Hirnwindungen und duftet nach Spätsommer. Her damit!

M wie Magie:

Das Leben ist magisch. Man muss nur hingucken.

N wie Nutella:

Dieses schlimme, schlimme Zeug weiß ganz genau, was es kann, und steht im Supermarkt so selbstherrlich im Regal, dass ich schon deswegen jeglichen Kontakt vermeiden sollte. Tja. Was soll ich sagen.