außerhalb

ich sitze auf der Bank am Fluß
mit meinen wurzeligen Eisenfüßen
der Fluß fliesst still und schnell
treibt Enten vor sich her
meine schweren Eisenfüße
verschmelzen mit den Ufern
treiben Wurzeln durch die Steine
Wind kämmt Wellen in mein Herbsthaar
es schwingt sacht im Wasserrhythmus
nichts außer dem gleitenden Fluß
ich versinke in der Zeit
bin außerhalb
außerhalb

Der Dienstag dichtet!  
Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch WortgeflumselkritzelkramMutigerlebenWerner KastensFindevogel, die Nachtwandlerin, Lindasxstories, Myriade, Gedankenweberei, 
MynaKaltschnee, Wortverdreher und Lebensbetrunken, die Wortverzauberte, Lyrikfeder, der BerlinAutor und Vienna BliaBlaBlub sind mit von der Partie.
Schaut doch mal bei ihnen vorbei, der Dienstag fängt besser an mit ein bisschen Wortzauberei!

Herbstapplaus

Herbstapplaus

goldgelb verfliegt die Welt vorm Zugfenster
unhörbare Abschiedsarie
selbst der Schrottplatz applaudiert
mit glänzenden Chromfelgen

Kastanienherbst

Kastanienherbst

zwischen Steinen
in glattgespiegelten Pfützen
voll geronnener Zeit
suche ich
das Anfangsende
es sticht kühlstachelig
in meine Sommerhaut
glänzender Kern
in offener Hand
zieht sanft ins Ende
zurück zum Anfang

Hier wäre eine Kastanie jetzt natürlich nett gewesen, aber gerade stelle ich fest: Nicht ein einziges Kastanienfoto in meinem Fundus! Tsss. Das wird geändert. Nächstes Jahr.

Der Dienstag dichtet!  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram, Mutigerleben, Werner Kastens und (ganz neu!) Findevogel sind mit von der Partie. Wer den Dienstag also mit Gedichten beginnen will: Herzlich willkommen!

30. November

der November ist zufrieden
hat seine Pufferpflicht getan
zwischen Herbstsommer und Eisblumen
wir sind bereit
für Apfel, Nuss und Mandelkern

Woran ich merke, dass der Herbst naht

Woran ich merke, dass der Herbst naht

Bedürfnis nach 7 Stunden Schlaf – mindestens

geweckt werde ich vom Wecker

ich stehe auf – und es ist noch dunkel

Kleiderauswahl nach Check der Wetterapp

Jeans – und wo war noch gleich meine Jacke?

Erdtöne dominieren in den Vorgärten

vereinzelte buntgefärbte Blätter, Haselnüsse im Dreierpack und Kastanienigel auf dem Pflaster

der Duft reifer Äpfel schmeichelt meiner Nase

Sonnenblumenfelder verblühen langsam

es ist, als wäre ein braun-gelber Schleier über die Natur gelegt

Passanten mit geschlossenen Jacken und Schuhen

vor mir tuckert ein Maishäcksler

im Büro sind plötzlich alle da

ich werde aufgefordert, meinen Resturlaub zu verplanen

zum Feierabend frage ich mich, ob es wohl gleich regnet

oder etwa schon leicht dämmert

im Supermarkt stolpert mein Blick über Spekulatius, Lebkuchen, leuchtend bunte Kürbisse

und über Federweißen und Zwiebelkuchen im Kühlregal

mich zieht’s mehr mit Tee und Buch auf’s Sofa

statt mit Kaltgetränk auf die Terrasse

wie kommen nur all‘ die Spinnweben und Langbeiner ins Haus?

Nebel zieht auf

wie kalt es abends wird

Noch ein Gastbeitrag von himmelgraublau – vielen Dank! Ich mag es sehr, und es trifft ins Schwarze. Genauso fühlt sich Herbst an.

höchster Sommer

höchster Sommer

Blätter berascheln sich
es leuchtet gelb und grünbirnig
der Kirschbaum hat sich erschöpft zur Ruhe gesetzt
die Wiese schwitzt in der Sonne
allererste Herbsthaare hängen in fruchtigen Zweigen
wir hängen erdschwer auf Stühlen
Schatten kitzeln den Boden
von rechts spricht eine Taube
von Leben, Licht und Liebe

Der Dienstag dichtet!  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram und  Mutigerleben sind mit von der Partie. Wer den Dienstag also mit Gedichten beginnen will: Herzlich willkommen!

Herbstwald

Herbstwald

Gelbe Blätter strecken sich wie erwartungsvolle, bedürftige Hände der Sonne entgegen
lichtdurchlässig sind sie
und leuchten im milden Herbstlicht
Gelbe Blätter strecken sich wie erwartungsvolle, bedürftige Hände der Sonne entgegen
sie tragen ihre Farben in sich
und diese kündigen an: sie werden fallen, schon bald
Gelbe Blätter strecken sich wie erwartungsvolle, bedürftige Hände der Sonne entgegen
und leuchten im milden Herbstlicht

Ein Gastbeitrag von himmelgraublau – vielen Dank!

 

Man könnte …

Im verbleibenden Rest des Novembers könnte man …

Adventskalender basteln
wandern gehen
jemanden anrufen/besuchen, den man schon längst hätte anrufen/besuchen wollen
ins Kino gehen
die Kunst in der Natur wahrnehmen – Farben, Geräusche, Zugvögel am Himmel in erstaunlich geradlinigen Formationen, … – bestaunen und genießen
einen Abendspaziergang machen und in erleuchtete Fenster schauen
das tun, was einem gut tut – und das regelmäßig – und so die Seele weiten
einen Spieleabend organisieren
dem aktuellen Draussenkonzert lauschen: raschelndes Laub, krächzende Krähenvögel, brausender Wind, Zugvögel, …
mit einem Menschen aus einer anderen Generation/einem anderen gesellschaftlichen Milieu etwas unternehmen, Zeit verbringen und Vorurteile abbauen

Mal wieder ein Gastbeitrag von Himmelgraublau – dankeschön!