Ich – will – Frühling!

Für einzfuffzich Frühlingsversprechen gekauft!

Büroschönheit

Pinnwandentschlackung 2019

Es ist unwiderruflich da, das Jahr 2019, und ich freue mich darüber. Ich liebe die Weihnachtszeit, aber ich liebe auch diesen Geruch nach frischen, neuen Tagen, das Abstreifen des Alten und Neugier auf das, was wohl alles kommen wird im neuen Jahr. Dazu gehört auch eine kleine Entschlackung meiner Wohnung. Kleidung aussortieren (drei Säcke!! Rekord!), Bücher auf die Reise schicken, jede Menge Kram entsorgen, und meine Pinnwand auf null zu stellen. Naja, fast auf null. Ich liebe meine Pinnwand. Alles, was mich freut, was gut war, Karten und Post, schöne Sprüche, kleine Erinnerungen kommen daran, und so wird sie im Laufe des Jahres eine ständige Erinnerung daran, dass es gute Zeiten im Leben gibt, auch, wenn gerade alles echt übel ist. So sieht sie dann am Ende eines Jahres aus:

So schöne Erinnerungen an Reisen, Wochenenden, liebe Menschen, Konzerte, Kinobesuche, Gottesdienste, Schreibseminare… Es wurde ein bißchen voll zuletzt, die neuesten Karten passten nicht mehr dran und mussten vorübergehend unter der (leicht überbelichteten) Lampe Platz nehmen. Auch die Kürbisse waren etwas über ihre Zeit hinaus. Aber noch tadellos! Ich kann mich dann immer schlecht trennen. Heute nun war ihre Zeit gekommen. So sieht es jetzt aus:

Das Schneemannpärchen wird noch weichen, genauso wie der geschenkte Stoffstern, aber ein bißchen dürfen sie noch bleiben. Ansonsten ist jetzt wieder viel Platz für Neues – 2019 hat begonnen!

Ausgelesen – nein, nur vorübergehend ins Regal gestellt: Gesegnete Mahlzeit. Von Christina Brudereck.

Es gibt Bücher, die würde ich mir selber wohl niemals kaufen, ich würde gar nicht darauf kommen, dass es solche Bücher gibt, zum einen, weil ich nicht danach suche, zum anderen, weil ich nicht weiß, dass es sie gibt. Ich bin also ziemlich angetan von diesem Geschenk hier:

So ein schönes Cover! Da bekommt man direkt Lust, ins Buch hineinzuschauen.

Jetzt bin ich nicht unbedingt jemand, der für schöne und ausdrucksvolle Tischgebete bekannt ist. Ehrlich gesagt, stammele ich bei solchen Gelegenheiten eindrucksvoll vor mich hin und bin sehr froh, wenn das jemand anderes übernimmt. Das hat Christina Brudereck hier eindrucksvoll getan und wunderbare Tischgebete formuliert, die von ganz einfach (Herr, lass deinen guten Segen über unsere Teller fegen) bis zu kleinen Geschichten reichen. Sie lässt das Buch mit Dietrich Bonhoeffer und Martin Luther King anfangen und spaziert dann mit den Lesern über alle Kontinente, Afrika, Indien, Europa, Deutschland. Überall gibt es Feiern, Familienmahlzeiten, Essen im Freundeskreis, verschiedene Nationen an einem Tisch, und jede Nation hat ihre eigenen Traditionen und Arten zu danken. Und dazu, obendrauf (das Sahnehäubchen quasi, um im Bild zu bleiben), gibt es internationale Rezepte.

Den Rote Beete Salat könnte man schon allein der Farbe wegen lieben. Oder?

Afrikanische Erbsensuppe.
Pastorenpudding.
Indisches Curry (mit einem achtsamen, asiatischen Tischgebet).
Pastinaken mit Salbei.
Dattelcreme.

Foodsharing anstatt Carsharing…

Außerdem gibt es Gedanken zum Thema Essen. Warum haben wir zuviel und andere zuwenig? Schätzen wir das, was wir haben? Erlauben wir es uns, mit allen Sinnen zu genießen und dankbar zu sein? Wäre weniger nicht manchmal mehr?

Und schön gestaltet ist es auch noch!

Alles in allem ein wirklich gut gestaltetes Buch mit Tischgebeten für jeden Anlass, Gedanken zum Thema Essen und Dankbarkeit, interessanten Rezepten, abgebildet auf farbintensiven Seiten mit vielen Fotos und schöner Grafik. Das Tischgebet bei einer Familienfeier habe ich sofort angewendet (nachdem ich meine Schwester gefragt habe, ob das vorlesbar sei – unsere Verwandtschaft hat´s eher nicht so mit Tischgebeten) und habe spontanen Applaus geerntet, sehr ungewöhnlich für unsere Familienfeiern. Zum Abschluss zitiere ich Christina Brudereck, Seite 16, ein Tischgebet auf atemberaubend knallroten und leuchtend orangenen Chilischoten:

„Ein Tischgebet bete ich,
weil ich nicht vergessen will,
dass satt zu werden
niemals selbstverständlich ist.“

Entsorgungen

Als du deinen Biomüll zum Kompost bringst, hörst du ein Rumpeln aus der großen Tonne nebenan. Ein Waschbär? Eine Katze? denkst du und öffnest vorsichtig den Deckel der grauen Tonne. Bis zur Nasenspitze eingegraben pflügt dein Schweinehund durch deinen Müll. Als das Licht auf ihn fällt, guckt er kurz hoch, sagt: „Da bist du ja“, und pflügt weiter.
„Was machst du da?“ fragst du ihn.
„Ich bade in Erinnerungen. Guck mal hier“, er hebt einen grauen Fetzen hoch, „das war damals, als uns an diesem geselligen Abend niemand beachtet hat.“ Er wirft den Fetzen hinter sich und greift nach etwas hartem, schwarzen. „Herrje. Da hat uns keiner geglaubt. Weisst du noch? Wir wussten, dass es nicht gut gehen würde, aber niemand hat auf uns gehört.“ Vorsichtig legt er das harte, schwarze in die Ecke und taucht wieder ab. Mit einer Pfote piekst er einen spitzen Stab durch allerlei seltsame Dinge nach oben. Du hörst seine Stimme gedämpft von unten: „Hier! Daran hab ich schon lange nicht mehr gedacht! Da hast du erfahren, dass deine Freunde sich ohne uns getroffen haben! Das war echt hart, damals. Und hier“, er wühlt sich wieder nach oben und hält dir eine braune Schale entgegen, „das ist noch gar nicht so lange her, wir hatten keine Lust auszugehen, und hinterher haben die anderen erzählt, dass es ein schöner Abend war.“ Er wirft die leere Schale zwischen den anderen Müll und beginnt, ein braunes Netz aufzuknibbeln, das voller Buchstaben ist. „Meine Güte, soviele Erinnerungen…“ Er seufzt selig.
Du lehnst dich auf den Rand der Tonne. Die Sonne scheint dir ins Gesicht. „Willst du da noch lange drinbleiben?“
„Wieso?“ Er guckt hoch, etwas Graues zwischen seinen Ohren. Es sieht aus wie ein alter, zerknautschter Hut. „Stört´s dich? Mir war gerade so sentimental zumute, da dachte ich, ich krame ein bißchen in alten Erinnerungen.“
„Neinnein. Mach nur. Aber du hast nur noch eine Stunde Zeit, dann stelle ich die Tonne an die Straße. Morgen ist Müllabfuhr.“
„Was?“ Dein Schweinehund ist entsetzt. „Du willst das alles wegwerfen?“
Du nickst. „Was hast du denn gedacht? Du sitzt in einer Mülltonne.“
„Ja, aber, ja, aber“, stottert er, „das sind doch alles unsere Erinnerungen! Die kannst du doch nicht wegwerfen!“
„Ach, ich hab so viele Erinnerungen, da kommt´s auf eine mehr oder weniger nicht an. Pass ein bisschen auf, wenn du weiter sentimental schwelgst: Du sitzt in den ganzen scharfen, spitzen, ansteckenden Erinnerungen, nicht, dass du dir noch was einfängst.“
Dein Schweinehund betrachtet voller Wehmut das Netz mit den Buchstaben. „Kann ich nicht wenigstens ein paar wieder mit reinnehmen? Ich hänge so an ihnen. Guck mal, hier, das ist ein ganz altes Diktat, da hatten wir keine Lust zum Üben, und du hast „daine Füse sint groz“ geschrieben. Das war schön damals…“ Versonnen blickt er in die Ferne.
Du winkst ab. „Auf keinen Fall. Bleib gern noch drin. Aber nachher kommt die Tonne raus. Komplett.“
Und, mal ehrlich: Das wird auch Zeit.

Erlaubnis

Du bist müde. Eigentlich wolltest du heute noch einen Text schreiben.
Dein Schweinehund gähnt, streckt die Pfoten aus, dehnt sich, dreht sich dreimal im Kreis und legt sich wieder hin.
Während du ihm zuguckst, denkst du daran, wie anstrengend die letzten acht Monate waren. Und die sieben davor auch. Wie angespannt du warst. Nun wird es besser, und eine große Müdigkeit dringt dir durch alle Poren.
Eigentlich hat dein Schweinehund recht. Du darfst das.
Du legst deinen Stift wieder weg. Morgen ist auch noch ein Tag.
Und übermorgen auch.

Ausgelesen: Das Mädchen mit den gläsernen Füßen. Von Ali Shaw.

Ach, und es fing so gut an. Als ich dieses Buch in der Bibliothek entdeckte, dachte ich: Oh! Was für ein schönes Buch! Warum habe ich das denn noch nie vorher gesehen? Und als ich die ersten Seiten las, dachte ich: Oh! Das fängt aber gut an! Schöne Sprache, spannender Anfang, wie geht´s weiter? Und ich habe es mitgenommen.

Zuhause dann überkam mich eine leichte Skepsis, das Buch und ich haben uns gegenseitig kritisch angeguckt, irgendwie wurden wir nicht miteinander warm. Dann habe ich es schließlich doch weitergelesen. Die Sprache: Weiterhin traumhaft schön, der Autor webt mit seinen poetisch verhangenen Sätzen eine graue, vernebelte Inselgruppe, auf der es entweder eiskalt ist oder regnet, und selbst wenn die Sonne scheint, wird es niemals warm, weder innerlich noch äußerlich. Ida, eine der beiden Hauptpersonen, ist es ebenfalls kalt ums Herz, sie hat ein angsteinflößendes Geheimnis, das sie auf St. Hauda´s Land ergründen will – ihre Füße werden zu Glas. Bei der Suche nach einem geheimnisvollen Mann, der ihr vielleicht helfen könnte, trifft sie Midas, einen introvertierten jungen Mann, der die Welt lieber durch den Sucher seiner analogen Kamera sieht als direkt und als Aushilfe in einem Blumenladen arbeitet. Langsam und mit Hindernissen freunden sie sich an, bis es Liebe wird. Aber Idas Glas wächst weiter…

(Achtung, Spoiler!)

Soweit, sogut. Gestört hat mich im Laufe des Lesens, dass das Buch auf der Stelle tritt. Es ist immer alles dunkel, der Nebel ist überall, das Glas wächst unaufhaltsam weiter, niemand kann helfen, alle sind in ihre eigenen Schwierigkeiten verstrickt, je mehr aufgedeckt wird, desto schlimmer wird es. Man könnte beim Lesen glatt in eine Depression verfallen. Und das Ende! Grauenhaft! Ich weiß, es kann nicht immer und überall ein Happy End geben, aber so??? Puh. Ich meine, Autoren sind natürlich immer und überall frei zu tun, was sie tun müssen, aber der Leser hat auch das Recht, sauer zu werden. Und das war ich. Meine Güte, wer so schön schreiben kann, könnte dem Leser doch zumindest ein kleines Fünkchen Hoffnung lassen, oder? Nichts da. In diesem Buch gibt es zwar völlig grundlos wundervolle, geflügelte Ministiere, aber null Hoffnung. Ich merke gerade, ich bin immer noch sauer, auch wenn es schon ein bisschen her ist, dass ich das Buch gelesen habe. Der Gerechtigkeit halber muss ich noch erwähnen, dass Midas sich doch weiterentwickelt und es schafft, zumindest halbwegs neue Wege zu gehen. Aber das hat mich nicht sonderlich getröstet.

Also. Wir haben hier ein Buch, geschrieben in sehr schöner, traumverlorener Sprache, die wunderbare schwarz-weiß-graue Bilder malt, eine schöne, phantasievolle Geschichte, die allerdings teilweise auf der Stelle tritt, depressive Schübe auslöst und definitiv kein Happy-End hat. Wer es lesen will, lese es. Ich habe ihn gewarnt.

So ein schönes Cover… tja.

 

Kleine Wartekritzelei

Noch eine in rund und bunt:

Am nettesten zu malen fand ich die kleinen sinnlosen Kleckse am Rand. 🙂