Wunder können uns nur dann verzaubern…

Neulich im Gottesdienst wurden Karten verteilt. Solche hier:

Ich habe mich sehr darüber gefreut, sie waren mit soviel Liebe gemacht, alle unterschiedlich und einfach schön. Und die Aussage erst! 🙂

Es blieben ein paar übrig, ich habe sie mitgenommen und an ein paar Kolleginnen verteilt, einfach so. Selten hatte ich einen netteren Tagesanfang im Büro, es gab ausschließlich begeisterte Reaktionen. Vielen Dank an die kreativen Bastlerinnen! Und meine hängt nun neben dem Einhorn an der Pinnwand und erinnert mich regelmässig:

Wir basteln uns eine Milchspartüte

Da war ich nun also – vergrippt, verhustet und extrem gelangweilt. Da bis auf den steigenden Taschentuchpegel im Mülleimer absolut nichts passierte und man nicht den ganzen Tag Olympia gucken kann, habe ich mich an ein Bastelprojekt gewagt. Ich! Basteln! Tja, wenn man verzweifelt ist, tut man so einiges.

(Bevor es weitergeht, bitte ich die Qualität der Fotos zu entschuldigen – Sie wissen schon, ich war nicht ich selbst, und extra ausleuchten – nää.)

Ein paar Tage vorher hatte ich so ein Bastelbeispiel in einer Zeitschrift gesehen, denn angucken tue ich das schon gern – nur selbermachen… naja. Hier sehen Sie nun also das auserkorene Opfer, die Milchtüte vom Frühstück, sehr gut ausgewaschen und getrocknet.

Man nehme einen Cutter und schneide liebevoll ein großes, senkrechtes Rechteck in die Hinterseite sowie ein kleines, waagerechtes Rechteck oben in das Dach der Milchtüte (Achtung! Erste Herausforderung: Nicht in den Finger schneiden. Auch bitte nicht in den Tisch schneiden, ein Unterlegbrett tut da gute Dienste.).

Nun kommen wir zum meditativen Teil – suchen Sie sich eine Zeitschrift Ihrer Wahl und schnippeln Sie hundert Millionen klitzekleine Textschnipsel zurecht. Dabei können Sie über das Gute in der Welt, den Frühling oder über den nächsten Urlaub nachdenken. Wenn Sie diese hundert Millionen Textschnipsel haben (ich habe immer nur dreißig gemacht, kurz geweint, erstmal geklebt und dann die nächsten dreißig beherrscht und entschlossen geschnitten), kommt der zweite meditative Teil: Mixen Sie sich ein Döschen Tapetenkleister zusammen, nehmen Sie einen Pinsel und beginnen Sie am ausgeschnittenen Rechteck, die Schnipsel auf die Tüte zu kleben.

Danach begeben Sie sich auf die Suche nach einem Stück durchsichtigen, stabilen Plastik, in einem gutsortierten Haushalt sollte das kein Problem sein. Im Zweifelsfall im Kühlschrank stöbern. Schneiden Sie ein rechteckiges Stück zu, das etwas größer als das Loch in der Milchtüte ist (das große Loch – wenn Sie es über das kleine kleben, wäre das fatal für spätere Sparziele). Kleben Sie es über den rechteckigen Ausschnitt in der Milchtüte. Tadaa! Und schon kann man nur noch hineinsehen, nicht mehr hineinfassen. Der Rand unter dem Plastik sollte vor dem Aufkleben mit Textschnipseln beklebt sein, das erleichtert das Bekleben der restlichen Fläche enorm.

(Achtung! Wichtig für den weiteren Verlauf: Es ist zu empfehlen, immer nur eine Seite auf einmal zu kleben und trocknen zu lassen, ansonsten fasst man ständig auf den Kleber, und der klebt dann wirklich überall, und was noch viel schlimmer ist, die Schnipsel könnten verrutschen oder abgehen. Glauben Sie mir, der Tipp ist wirklich gut gemeint.)

Sehen Sie Suleika, die Zuckerpuppe? Ich habe natürlich auf ausgewogenen Text geachtet, ein bißchen Politik, ein bißchen Lokales, ein bißchen Aus aller Welt, damit es nicht langweilig wird. Vielleicht will das ja nochmal jemand lesen.

So. In der Zwischenzeit, während die Schnipsel ihre Stunden zum Trocknen bekommen, basteln wir uns einen Meßstab, denn eine Milchspartüte einfach nur so – nö. Denn wenn man schon spart, möchte man ja auch wissen, wofür, oder? Da gibt´s das ungläubige Lachen, wenn man anderen und sich selbst von seinem Traum erzählt, denn Träume kosten leider oft Geld, dann setzt man sich ein Ziel und mit etwas Glück und einer Spartüte ohne die Möglichkeit, vorher wieder an das Geld heranzukommen, könnte man es schaffen! Also überlegen Sie sich passende Wörter, zeichnen Sie sie auf hübsches Papier, schneiden Sie sie aus, vermeiden Sie ungünstige Zugwinde und kleben Sie die Buchstaben auf einen vorher zurechtgeschnittenen, passenden Kartonstab. Siehe so:

Die Zugwinde sind gefährlicher als man gemeinhin denkt. Ein bißchen gutgemeintes Lüften und schon ist der Traum über alle Berge. Aber ich war ja krank, da wird Lüften eh überbewertet.

Den Meßstab kann man natürlich nach belieben verzieren. Mir hat es beliebt, nicht allzuviel zu machen. In der Zwischenzeit hat man alle Tütenseiten, das Dach, seine Finger und alles in Reichweite mit Tapetenkleister und Schnipseln zugeklebt, das ganze trocknen lassen – und voilá! Ein Kinderspiel!

Weil die Ex-Milchtüte auf der Rückseite (die vorher die Vorderseite war) so einen praktischen Verschluss hat, und Verwandte, Bekannte und Freude sich nicht immer großzügig von ihrem hart erarbeiteten Geld trennen und vielleicht lieber Knöpfe geben möchten, habe ich hier quasi einen Hintereingang eingerichtet, mit Zielvorrichtung für eventuelle Knopfgaben. Und einen Knopf schon mal hineingetan, damit es schön klappert, wenn man die Tüte schüttelt.

Ein paar Seitenverzierungen mussten auch noch sein. Sehen Sie den Meßstab? Im Moment sind wir noch auf Haha!-Level.

Und hier die Milchspartüte, die Sie mit Leichtigkeit ebenfalls anfertigen können, in Vollendung. Sie kippelt noch ein bißchen, aber das wird sich ändern, wenn die ersten Knöpfe, pardon, Taler hineinwandern. Es stellt sich bloß noch die Frage: Verschenken oder selbst behalten?

Eigentlich habe ich nämlich schon eine  Spardose für Träume, die sogar schon ein paar erfüllt hat, unter anderem das Gerät, auf dem ich das hier eifrig zusammengetippt habe. Wir werden sehen.

Viel Freude beim Nachbasteln (und vermeiden Sie Zugwind! Ich sag´s ja nur!)!