Vor einem Jahr

Vor einem Jahr saß ich an meinem Schreibtisch und dachte, ich komme hier nie raus. Die Nachbarn stritten wie die Kesselflicker (ist das eigentlich diskriminierend?) und die weggelaufenen Kinder wurden mit Taschenlampen und Geschrei gesucht. Begegnungen im Treppenhaus waren mühsam.
Ich sitze wieder am Schreibtisch. Es ist ruhig. Ich habe den Nachbarn Schokoladenkuchenpäckchen vor die Türen gestellt. Auf dem neuen Balkon leuchten die Osterglocken in den Tag.
Ich werde weiter für alle backen. In der Vormieterblumenschale sind die Tulpenknospen kurz vorm Platzen. Gestern war meine Nachbarin zu Besuch. Ich habe die Christrose in den Vorgarten gepflanzt, und niemand wird sie abmähen. Es wird eine Dankeschön-Umzugsparty geben und wir werden viele sein. Der Sommer wird ein Balkonsommer werden.

Herzensdank

ich war hungrig und durstig
meine Seele ein trocken gefallener Brunnen
trostlos und unendlich müde
Du schenktest mir
süße schwarze Brombeeren
rauschende Bäume im Wind
unaufdringliche Gesellschaft
Ameisen in meinem Schreibheft
gemeinsame Mahlzeiten
ein Bett mit Blick in den Himmel
und Stille
brausende, gurrende, knisternde Stille
ich bin immer noch müde
aber im Brunnen sehe ich mein Spiegelbild
lächelnd

Manchmal ist ein Urlaub nicht nur notwendig, sondern überlebensnotwendig 🙂 .

Der Dienstag dichtet!  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram und  Mutigerleben sind mit von der Partie. Wer den Dienstag also mit Gedichten beginnen will: Herzlich willkommen!

Entschlüsse

mit müden Augen
sich aufrichten nach kühler Nacht
langsam größer werden
bei Butterbrezel und Quittengelee beschließen:
dankbar sein

Der Dienstag dichtet!  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram und  Mutigerleben sind mit von der Partie. Wer den Dienstag also mit Gedichten beginnen will: Herzlich willkommen!

Ich bin dankbar

Ich bin dankbar
für den Kaffee am Morgen
für die Sonne, die den Herbstnebel auflöst
für eine helfende Hand, oder auch zwei
für Bücher und Geschichten, in die man abtaucht und die Zeit vergisst
für einen Plan der funktioniert
für ein weiches Bett nach einem harten Tag
Ich bin dankbar
für die Vögel, die mich mit ihrem Gesang wecken
und für meine Stimme, mit der ich Gott loben kann
für Gespräche in der Küche
für mein Handy, das mir ermöglicht in Kontakt zu bleiben, über Kilometer hinweg – und dass ich es einfach mal ausschalten kann
für tröstende Worte an dunklen Tagen
für das Gefühl, wenn der Schmerz nachlässt
Ich bin dankbar
für eiskaltes Wasser an einem heißen Tag
für die Wärmflasche, wenn ich friere
für Flammkuchen und Federweißen und für die Menschen, die sowas leckeres erfinden
für einen stillen Ort, wenn ich ein dringendes Bedürfnis habe
für ein Gesicht, dass mich anlächelt, einfach so.
für das Gefühl, gerade am richtigen Ort zu sein und das richtige zu tun
Ich bin unendlich dankbar

Ein Beitrag von himmelgraublau – vielen Dank!