Ausgelesen: Grand Crux. Von Martin Walker.

Ich war erst einmal in meinem Leben in Frankreich (und es hat mir sehr gefallen), aber ich habe schon eine Menge Bücher gelesen, die in Frankreich spielen. Im literarischen Sinne bin ich also eine Frankreich-Expertin! Dazu beigetragen hat auf jeden Fall die Serie um Bruno, Chef de police, von Martin Walker (der selber Schotte ist, aber mittlerweile in Frankreich lebt). Ich vermute mal, seine Bücher sind französischer als die Franzosen selbst, aber da ich Deutsche bin, kann ich das nicht beurteilen. Eigentlich ist es auch nicht wichtig – dazu gefallen sie mir viel zu sehr!

Martin Walker schreibt über Bruno Courrèges, der in der Kleinstadt Saint-Denis im Périgord in Südfrankreich lebt und arbeitet. Er ist „Dorfpolizist“ (so Bruno über sich selbst) und ist direkt dem Bürgermeister von Saint-Denis untergeordnet. Bruno ist ein Mann der Tat und der kurzen Wege. In Saint-Denis kennt er jeden und jeder kennt und schätzt ihn. Er lebt mit einem Basset in einem kleinen, malerischen Haus am Stadtrand, reitet, jagt, sucht Trüffel in seinem eigenen Stückchen Wald und kocht gern und gut. Ein großer Freundeskreis umgibt ihn, und wenn es wieder mal beziehungstechnisch nicht klappt, tröstet er sich mit einem Ausritt mit Freunden und einem anschließendem traditionellen französischen Essen, selbstverständlich begleitet von guten Weinen. Daneben wird durchaus scharf geschossen, und ab und zu bricht die große Politik in das kleine Städtchen im Périgord ein und mischt alle einmal kräftig durch. Bruno ist immer mittendrin im Geschehen, weiß sich zu verteidigen und greift auch an, wenn es sein muss. Ein Mann, wie er im Buche steht (wortwörtlich!).

In Grand Prix geht es neben anderen Dingen auch um eine Oldtimer-Rallye, die von Bruno organisiert wird. Sie bringt zwei besessene junge Sammler nach Saint-Denis, die auf der Jagd nach dem wertvollsten Auto aller Zeiten sind: Dem letzten von nur vier gebauten Bugattis Typ 57 SC Atlantic, dessen Spur sich in den Wirren des Zweiten Weltkriegs im Périgord verlor. Diese Jagd bringt einige Unruhe in die Kleinstadt, alte Rechnungen wollen beglichen werden, neue Hoffnungen machen sich breit. Zwischen allen Parteien versucht Bruno zu vermitteln und Recht und Ordnung zu wahren. Ob es ihm gelingt?

Es ist deutlich spürbar, dass hier ein Mann seine Vorstellungen von einem perfekten französischen Männerleben umgesetzt hat. Gutes Essen, guter Wein, alle Sportarten, die Männer verlockend finden könnten, sind vertreten, und auch alte, robuste Autos tauchen immer mal wieder auf, genauso wie Waffen und gesellschaftspolitische Themen. Das gesellschaftliche Gefüge in der kleinen fiktiven Stadt Saint-Denis mit all seinen Verstrickungen und Vernetzungen spielt eine große Rolle, und über allem strahlt Frankreich verlockend aus jeder Zeile jedes Bruno-Buches. Männer schreiben anders als Frauen, und manchmal merke ich das bei bestimmten Passagen. Nicht alles interessiert mich in den Büchern, aber das Drumherum macht das mehr als wett. Bisher habe ich alle Bücher aus der Reihe gelesen, es gab gute und weniger gute, aber ich bin immer noch dran. Wenn das kein gutes Zeichen ist!  Ich hoffe, dass weder Bruno noch Saint-Denis jemals gezähmt werden. Manchmal werden Happy Ends auch überbewertet.

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