Schnupfen

Ich hab den Schnupfen. Oder der Schnupfen hat mich, so sicher kann man da nicht sein. Es fing mit einem leisen Kratzen in der Luftröhre an, und eilig versuchte ich alles, um das Kratzen zu besänftigen: Tee, Tee und – Überraschung! – Tee, die guten Dallmann Salbei-Bonbons, zum Schluss, als alles nichts half, Dorithricin vom Apotheker meines Vertrauens (der übrigens, das nebenbei, ein nachtschwarzer Afrikaner ist und mit seiner Frau sehr freundlich auch schon morgens um viertel vor acht jammernde Norddeutsche mit dem Nötigsten versorgt, unter anderem auch mich). Am Abend war das Kratzen verschwunden und ich begeistert von meiner Strategie. Hah! Erkältung, du kannst mich mal! Do-ri-thri-cin! Was für ein wundervoller Klang! Hören Sie die Musik darin?

Am nächsten Morgen klang meine Stimme, als ob mein Hals mit Zewa-Wisch-und Weg Tüchern verstopft wäre – seltsam wattig, dumpf, alle Vokale klangen wie verzerrte O-s. Es war nicht schön, aber interessant. Besser als Halsweh auf jeden Fall. Andere Sympthome gab es nicht und noch war ich der Überzeugung, ich würde davonkommen. Aber der Schnupfen ist ein fieser Intrigant und hat schon hinter der nächsten Bronchie hämisch lachend gewartet.

Am Tag darauf war die Stimme weg, ein diffuses Gefühl von Enge breitete sich hinter und unter meinen Nebenhöhlen aus und da war mir schon klar, was das bedeutet: Ich bin geliefert. Die nächsten Tage lag ich entweder im Bett oder auf dem Sofa, verbrauchte gefühlte 1,2 Mio Taschentücher, die ich der schieren Menge wegen gleich in Plastiktüten sammelte, um sie dann direkt in den Keller zu dekontaminieren, um dann, wieder aus dem Keller zurück, sofort hektisch nach den nächsten zu fuchteln.

Angesichts tränender Augen und ständigem Niesreiz verbrachte ich die meiste Zeit leise wehklagend vor dem Fernseher und bekam prompt auf meinem durchgesessenen (aber geliebten) Sofa Rückenschmerzen, wie immer zwischen dem 4. und 5. Lendenwirbel mit Nadelstichausstrahlung ins rechte Bein. Kenne ich schon, könnte schlimmer sein, aber meinem Rücken gefiel es überhaupt nicht, in dieser Verfassung auch noch ständig durchs Niesen erschüttert zu werden und reagierte ausgesprochen beleidigt, was ich angesichts der Explosionen sogar irgendwie verstehen kann.

Mit wehem Rücken und schmerzendem Bein, mit laufender Nase und verstopften Nebenhöhlen ist das Leben nicht mehr ganz so schön wie vorher, also nahm ich in Notwehr ein Schmerzmittel. Was soll ich sagen? Jetzt komme ich nicht mehr aus dem Bad raus. Immerhin kann ich wieder lesen, also ist es nicht ganz so langweilig bei den Sitzungen dort. Ich spüre, wie der Schnupfen hinter meinem Rücken leise hüpfend lacht und mich damit zum Husten zwingt. Aber ich gebe nicht auf, nein, niemals. Meine Strategie heißt jetzt Tee mit Orangensaft. Oder Tee mit Brombeersirup. Oder Tee mit Heidelbeerlikör, wenn die Lage verzweifelt ist.

Hatschi!

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