Kleine Freuden, wenn es besser wird

  • wieder Seitenschläfer sein
  • Socken anziehen in fünf Sekunden
  • überhaupt: Socken anziehen!
  • leichtfüßig aufs Fahrrad hüpfen
  • sich einfach irgendwo hinsetzen
  • und wieder aufstehen
  • normal gehen anstatt schlingern wie ein Dampfer bei Windstärke 8
  • den Einstieg ins Auto nicht wie die Besteigung des Matterhorns angehen müssen
  • durchatmen anstatt fluchen wie ein Bierkutschenfahrer
  • sich nicht stündlich fragen, wann das Bein wohl abfällt
  • viel besser gelaunt sein
  • und sehr, sehr dankbar sein

Jammerliste

Jammerliste

  • mein Hals tut weh
  • beim Atmen juckts in der Luftröhre
  • meine Stimme klingt wie ein alter Wischlappen
  • eigentlich habe ich Urlaub! Urlaub!!!
  • die Beine fühlen sich an wie gekochte Spaghetti
  • die Bibliothek hat geschlossen
  • ich soll inhalieren. Ich hasse inhalieren.
  • lesen geht nicht. Kann mich nicht konzentrieren.
  • die Sonne auf dem Balkon wärmt nur noch trockenes Gestrüpp, aber nicht mich
  • beim Husten verrutscht die Schrift in  meinem Notizbuch
  • mimimimi!

(Originalsoundtrack meiner letzten Erkältungstage. Ja, da ist Männergrippe nichts dagegen.)

Curling-Koma

Wenn aus der gewöhnlichen Erkältung dann eine echte Grippe wird, verschwimmt die normale Welt etwas. Das, was man sonst so tut, geht zwischen Bergen von Decken unter, und während man leise ächzt und jammert, wechselt auch der Soundtrack.

Niemals würde ich mir freiwillig Wintersport ansehen, aber in den letzten Tagen lief in Dauerschleife Olympia mit fast ganz ausgestelltem Ton. Seltsamerweise konnte ich trotzdem nach einiger Zeit die Sportarten allein am Tonfall des Reporters erkennen: Von leicht hysterisch (Bobfahren) über kenntnisreich mit zu viel Information (Springen große Schanze) über absolut unerträglich (Eishockey und Biathlon) bin ich bei meinem neuen Olympia-Lieblingssport gelandet: Curling.

Die Bewegungen in Zeitlupe. Das sanfte Gleiten auf dem Eis. Die Ruhe. Selbst die Reporter schalten da einen Gang runter. Man öffnet tatsächlich die schweren Lider, schwebt auf Fieberwolken milde lächelnd über der Curling-Bahn und dirigiert die Curlingsteine zu lautloser Musik ins Haus. Ja, ich kenne mich jetzt aus!

Das einzig Hektische ist dieses Geschrubbe auf dem Eis, um die Steine schneller oder langsamer zu machen. Ich finde, die Organisatoren könnten ruhig mal darüber nachdenken, ob das wirklich sein muss. Alle Sofa-Rekonvaleszenten würden mir danken, da bin ich mir sicher. Dafür dürften sie die Übertragungszeit dieses wunderbaren Sportes ruhig verdoppeln. Ich wäre dafür!

 

Schnupfen

Ich hab den Schnupfen. Oder der Schnupfen hat mich, so sicher kann man da nicht sein. Es fing mit einem leisen Kratzen in der Luftröhre an, und eilig versuchte ich alles, um das Kratzen zu besänftigen: Tee, Tee und – Überraschung! – Tee, die guten Dallmann Salbei-Bonbons, zum Schluss, als alles nichts half, Dorithricin vom Apotheker meines Vertrauens (der übrigens, das nebenbei, ein nachtschwarzer Afrikaner ist und mit seiner Frau sehr freundlich auch schon morgens um viertel vor acht jammernde Norddeutsche mit dem Nötigsten versorgt, unter anderem auch mich). Am Abend war das Kratzen verschwunden und ich begeistert von meiner Strategie. Hah! Erkältung, du kannst mich mal! Do-ri-thri-cin! Was für ein wundervoller Klang! Hören Sie die Musik darin?

Am nächsten Morgen klang meine Stimme, als ob mein Hals mit Zewa-Wisch-und Weg Tüchern verstopft wäre – seltsam wattig, dumpf, alle Vokale klangen wie verzerrte O-s. Es war nicht schön, aber interessant. Besser als Halsweh auf jeden Fall. Andere Sympthome gab es nicht und noch war ich der Überzeugung, ich würde davonkommen. Aber der Schnupfen ist ein fieser Intrigant und hat schon hinter der nächsten Bronchie hämisch lachend gewartet.

Am Tag darauf war die Stimme weg, ein diffuses Gefühl von Enge breitete sich hinter und unter meinen Nebenhöhlen aus und da war mir schon klar, was das bedeutet: Ich bin geliefert. Die nächsten Tage lag ich entweder im Bett oder auf dem Sofa, verbrauchte gefühlte 1,2 Mio Taschentücher, die ich der schieren Menge wegen gleich in Plastiktüten sammelte, um sie dann direkt in den Keller zu dekontaminieren, um dann, wieder aus dem Keller zurück, sofort hektisch nach den nächsten zu fuchteln.

Angesichts tränender Augen und ständigem Niesreiz verbrachte ich die meiste Zeit leise wehklagend vor dem Fernseher und bekam prompt auf meinem durchgesessenen (aber geliebten) Sofa Rückenschmerzen, wie immer zwischen dem 4. und 5. Lendenwirbel mit Nadelstichausstrahlung ins rechte Bein. Kenne ich schon, könnte schlimmer sein, aber meinem Rücken gefiel es überhaupt nicht, in dieser Verfassung auch noch ständig durchs Niesen erschüttert zu werden und reagierte ausgesprochen beleidigt, was ich angesichts der Explosionen sogar irgendwie verstehen kann.

Mit wehem Rücken und schmerzendem Bein, mit laufender Nase und verstopften Nebenhöhlen ist das Leben nicht mehr ganz so schön wie vorher, also nahm ich in Notwehr ein Schmerzmittel. Was soll ich sagen? Jetzt komme ich nicht mehr aus dem Bad raus. Immerhin kann ich wieder lesen, also ist es nicht ganz so langweilig bei den Sitzungen dort. Ich spüre, wie der Schnupfen hinter meinem Rücken leise hüpfend lacht und mich damit zum Husten zwingt. Aber ich gebe nicht auf, nein, niemals. Meine Strategie heißt jetzt Tee mit Orangensaft. Oder Tee mit Brombeersirup. Oder Tee mit Heidelbeerlikör, wenn die Lage verzweifelt ist.

Hatschi!

schnupfen