Zurück aus dem Paradies

Ich war im Urlaub. Und bin wieder zurück. Manchmal braucht es etwas Besonderes im Leben, es gibt etwas zu feiern, oder ein Vorher-Nachher ist notwendig, und dann ist es Zeit für eine Reise. Also zumindest in meinem Leben ist das so. Und so fing ich letztes Jahr an zu suchen und fand eine Reise und eine Freundin, die mitwollte, was das Ganze schon mal doppelt so schön gemacht hat, buchte mit viel Herzklopfen und Vorfreude und letzten Samstag ging es los. Wir hatten ja keine Ahnung. Ich sage nur: Amalfiküste. Das blaueste aller blauen Meere, die steilsten aller steilen Küsten, die schönste Straße der Welt, klar, das sagt man so dahin, ist ja allen klar, ich meine, wo hätte Kaiserin Sissi schöner vor sich hin leiden können, in Samt und Seide schwitzend auf einem Krankenlager vor einem sagenhaften Panorama? Genau. Da eben. Wenn man dann tatsächlich dort ankommt und Neapel überlebt, gibt es diesen Moment, wo man sich aus der halb liegenden Haltung aufrichtet, lautlos „Oh!“ sagt und ab dann hellwach ist, weil es diese Art von Straße eigentlich nicht geben kann. Sie windet und schlängelt sich, klebt wie ein ausgetrockneter Regenwurm an den Felswänden, fordert den Automotor heraus und nimmt jede versteinerte Falte im Berg selbstverständlich mit, unter sich das schillernde, gleißende Blau, über sich endloses Gestein, nach innen oder außen gewölbt, am Rand Zitronen-, Oliven- und Orangenbäume wie eine nie endende Kette. Sie schubst weiße Häuser und Terrassen nach außen oder nach oben, bohrt sich in den Fels und kommt wieder hervor, und manchmal, nach einer Kurve, möchte man am liebsten die Flügel ausbreiten und direkt ins Blau fliegen. Was auf dieser Straße einfach wäre. Andererseits gibt es noch keine Autos mit Flügeln, und man würde ja die nächsten siebenundsiebzig Kurven und Schleifen verpassen, was auf gar keinen Fall geht.
Ich mag mir nicht vorstellen, was es bedeutet, dort zu leben und diese Straße jeden Tag befahren zu müssen, aber auch im Paradies muss es den ein oder anderen Nachteil geben. Für Touristen auf jeden Fall ist diese Straße ein Wunder, egal, ob man sie befährt oder vom Meer aus betrachtet. Ich bin schon immer gern Auto gefahren. Diese Straße hat da ganz neue Maßstäbe gesetzt. Es gab der Wunder viele in dieser wunderbaren Woche (die Ausblicke! Die Zitronenbäume! Die endlosen Treppen! Das Gebäck! Die Möwen! Die Sonne! Die Pasta! Und die Ausblicke, die wirklich zweimal erwähnt werden müssen), aber diese Straße ist das größte Wunder unter allen.
Wenn mir noch einmal jemand sagt, es gäbe keine Wunder, werde ich nur stumm mit dem Finger auf die Amalfiküste pieksen und vielsagend gucken, und die Menschen werden schweigen und verstehen und bedächtig nicken. So ist es. Darauf einen Limoncello Spritz. Prost!

Theoretisch hätte man Zitronen pflücken können. Praktisch haben wir das aber natürlich nicht gemacht.

Wunder können uns nur dann verzaubern…

Neulich im Gottesdienst wurden Karten verteilt. Solche hier:

Ich habe mich sehr darüber gefreut, sie waren mit soviel Liebe gemacht, alle unterschiedlich und einfach schön. Und die Aussage erst! 🙂

Es blieben ein paar übrig, ich habe sie mitgenommen und an ein paar Kolleginnen verteilt, einfach so. Selten hatte ich einen netteren Tagesanfang im Büro, es gab ausschließlich begeisterte Reaktionen. Vielen Dank an die kreativen Bastlerinnen! Und meine hängt nun neben dem Einhorn an der Pinnwand und erinnert mich regelmässig: