neun Uhr morgens

neun Uhr morgens
Schienen wellen sich zu Stahlspaghetti
Wiesengras streckt Hände zur Sonne
anbetend verdorrt
staubblauer Himmel
drückt Dachfenster ins Haus
die Welt verflacht
ein Pfannkuchen
gebacken auf höchster Stufe

Der Dienstag dichtet!  
Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht.
Auch Wortgeflumselkritzelkram
Mutigerleben
WernerKastens
die Nachtwandlerin
Myriade
Gedankenweberei
Wortverdreher
Myna Kaltschnee
Lebensbetrunken
der BerlinAutor
Vienna BliaBlaBlub
Red Skies over Paradies
Your mind is your only limit
Dein Poet
Geschichten mit Gott
Lindasxstories
Findevogel
und Traumspruch sind mit von der Partie.
Viel Freude bei allen Besuchen!

Die Seele ist wie Wärme

Die Seele ist wie Wärme
die sich über fröstelnde Glieder legt
wie grüne Wiesen zwischen Geröllfeldern
wie ein Schwätzchen inmitten von Sprachlosigkeit.
Desgleichen ströme der Mensch ein Wohlwollen aus auf alle,
die da Sehnsucht tragen.
Wärme sei er für die Frierenden
eine grüne Wiese für die Ermatteten
er sei wie ein Schwätzchen, das die Verlorenen erfrischt
und sie mit Liebe erfüllt wie Hungernde.

nach Hildegard von Bingen, Die Seele ist wie der Wind

Ich nehme am Schreibexperiment von Susanne Niemeyer teil, und letzte Woche war die Aufgabe, das Gedicht von Hildegard von Bingen mit eigenen Worten umzugestalten. Ich fand es herausfordernd, weil das Originalgedicht eigentlich unübertrefflich ist. Nach einer ziemlichen Menge Wortherumgeschubse gefällt mir meine Version jetzt aber auch. 😊