Der Schweinehund und der Tannenbaum

Draußen schneeregnet es und der Himmel ist sturmwolkenblau. Entschlossen suchst du alles zusammen, was du brauchst und guckst dabei immer wieder zu deinem Schweinehund, der unter einer Decke auf dem Sofa liegt. Er schnarcht leise vor sich hin, aber du könntest schwören, dass du ihn vorhin zweimal beim Blinzeln ertappt hast. Als du den Weihnachtsbaumständer auf die Bodendecke mit den kleinen Glöckchen stellst, öffnet er die Augen und setzt sich aufrecht hin. Du wappnest dich.
„Was machst du?“ fragt er.
„Wonach sieht es aus?“ fragst du zurück.
Er gähnt ausgiebig und gestattet dir einen Blick auf prachtvolle, scharfe Zähne. Du guckst strafend. „Was?“ fragt er unschuldig, verkneift sich aber ein weiteres Gähnen. Dann springt er auf und stellt sich neben dich. „Müssen wir schon wieder einen Weihnachtsbaum kaufen gehen?“
Du rollst die Augen. „Was heißt hier schon wieder? Den letzten haben wir vor zwölf Monaten gekauft! Du erinnerst dich? Drama, bevor wir rausgegangen sind, Drama, während wir ihn ausgesucht haben, dann musste ich dir eine Tannennadel aus der Pfote ziehen, und dann sind dir meine Lieblingskugeln runtergefallen.“
„Ich konnte nichts dafür, sie waren so kugelig und du weisst doch, ich habe Pfoten.“
„Die jeden Keks sehr geschickt festhalten können!“
„Ach!“ Dein Schweinehund wedelt abwehrend mit der Pfote. „Alles Schnee von gestern. Und? Kaufen wir einen Weihnachtsbaum?“
Du starrst ihn an. „Willst du etwa einen kaufen?“
Dein Schweinehund wiegt den Kopf hin und her. „Ich komm ja sowieso nicht drumherum, oder?“
Du musterst ihn mißtrauisch.
„Was?“ Dein Schweinehund sieht dich entrüstet an. „Ich nehme nur den Weg des kürzesten Widerstands!“
„Des geringsten.“
„Was?“
„Des geringsten Widerstands.“ Du guckst ihm in die Augen, dann piekst du ihm einen Finger in die pelzige Seite. Er zuckt zusammen und quieckt. „Du WILLST einen Weihnachtsbaum kaufen! Du magst das!“ Du grinst.
„Ach, Schnickschnack“, dein Schweinehund wedelt abschätzig mit einer Pfote, „ich bin ein Schweinehund, ich brauche keine Tannenbäume, ich mache das alles nur für dich!“
Dein Grinsen wird breiter. „Klar.“
Dein Schweinehund schüttelt hoheitsvoll den Kopf. „Was du immer glaubst. Wenn du das brauchst.“
Du schnappst dir immer noch grinsend Portemonnaie und Schlüssel. „Los, komm. Wir suchen jetzt den schönsten Baum, den wir finden können.“
Dein Schweinehund ist vor dir an der Tür. „Können wir auch wieder Marzipankekse an die Zweige hängen?“
Du schliesst die Tür. „Sicher. Aber nur, wenn du Glitzer auf die Zapfen streust.“
Dein Schweinehund hüpft die Treppenstufen hinunter. „Silber oder Gold?“ ruft er.
„Beides!“ antwortest du.

Fata Morgana

Sah im sonnigen Aprilmorgen
künftige Tannenbäume im Feld
Dezembervision
Weihnachts-Fata Morgana

😁 Tschuldigung. Das musste sein. Wenn ich schon an Weihnachten und rote Kugeln denken muss, nur weil da vor dem Zugfenster plötzlich ein Weihnachtsbaumfeld auftauchte, will ich das wenigstens nicht allein tun!

Tannenbaum-Happy End

Nachdem diese Anzeige ja unverständlicherweise völlig ignoriert wurde, kann ich nun ein Happy End verkünden: Mein Tannenbaum hat wieder Familienanschluss!

Ich habe ihn im Kreise seiner Lieben auf dem Osterfeuerberg zurückgelassen, wo ihn und seine Brüder und Schwestern am Samstag (also heute) der Kreislauf des Lebens einholen wird. Und das, obwohl er eigentlich nur die Farbe gewechselt hat (von grün zu braun), ansonsten aber immer noch in Top-Verfassung war und die Nadeln auch bei kräftigem Aufstampfen weiterhin entschlossen am Ast blieben. Kurz habe ich mit dem Gedanken gespielt, ihn im Dezember einfach wiederzuverwenden, aber man muss ja auch dem Nachwuchs eine Chance geben.

Nun also heute Abend: Ich werde dabei sein und ihm ein letztes Lebewohl zuwinken.

So.

Niemand, wirklich niemand will diesen wunderbaren, nur ganz kurz erstgenutzten Tannenbaum haben. Ich verstehe das ja nicht, aber langsam müssen Alternativen her. Also:

  • Elefantenzahnstocher
  • Elefantenknabbergebäck (prima Idee, nur wie bekomme ich ihn in den Zoo. Hm. Ich behalte das mal als Option in der Hinterhand.)
  • Feuerkorb ausleihen und zwei Monate warten, bis der Regen aufhört
  • Baum ans Fahrrad binden, durch die Gegend fahren, Blicke ignorieren, auf schnellen Nadelverlust hoffen und bis zum Kaminbesitzer meines Vertrauens fahren
  • Loch buddeln, reinstellen, gießen und hoffen
  • Loch buddeln, reinstellen und behaupten, das wäre ein reinrassiger, chinesischer Fischgrätenbaum, ganz selten und in Europa kaum zu bekommen, die Nachbarn können sich glücklich schätzen, den zu sehen zu bekommen!

Jepp. Fischgrätenbaum. Ich glaub, das mach ich.

(unter Zuhilfenahme von: Erste-Hilfe-Maßnahmen bei verpasster Tannenbaumabholung, Kapitel 5, Abs. 7 ff)

Gebrauchter Tannenbaum abzugeben

  • schöner Wuchs
  • regelmässig angeordnete Zweige
  • moderates Nadeln bei Windstille
  • hübscher Nadelkonfetti-Effekt beim Schütteln
  • umsonst abzugeben
  • bei persönlicher Abholung Gratisflasche Glühwein
  • jemand Interesse?

(aus: Erste-Hilfe-Maßnahmen bei verpasster Tannenbaumabholung, Kapitel 2, Abs. 3 ff)

Subjektive Weihnachtsliste

Was ich an Weihnachten mag

den Moment, nachdem man sich für einen Weihnachtsbaum entschieden hat
wenn die Wohnung nach Karamellkeksen duftet
ein Geschenk finden, bei dem man sich nicht sicher ist, ob man es nicht doch lieber selbst behält
durch fremde Fenster spicken und geschmückte Tannenbäume suchen
alte Geschichten
neue Geschichten
Kerzen jeder Art
im Dunkeln auf dem Land Auto fahren und Lichter gucken
sich auf Menschen freuen

Was ich an Weihnachten nicht mag

zuviele hektische Menschen auf einem Fleck
lieblose Gaben
wenn schon vor den Weihnachtstagen von Silvester gesprochen wird
Jahresrückblicke im November
Einsamkeit
dunkle Fenster an Heiligabend

Was ich mir an Weihnachten wünsche

weniger Erwartungen
mehr Erwartungen (aber andere)
Zeitstillstand für ein oder zwei Tage. Besser drei Tage.
überfüllte Kirchen
Weihnachtslieder im Gottesdienst, die jeder kennt
Weltfrieden

weihnachtswichtel