Ausgelesen, nein, ausgeliebt: Fliegen lernen. Von Susanne Niemeyer.

Ich bin ja eigentlich gar nicht so der Engelstyp. Ich stelle mir selten bis nie vor, dass so ein Engel mich beschützt oder besucht oder wasauchimmer tut, ich fürchte, ich bin da eher der pragmatische Typ. Wozu ein Engel, wenn Gott es auch selber tun könnte? Andererseits, mal ernsthaft, möchte man Gott höchstselbst neben sich haben, wenn man gerade einfach mal in Ruhe ein Eis essen will? Das wäre schon ein klein wenig einschüchternd, fürchte ich. So ein Engel ist da eine deutliche Nummer kleiner, zugänglicher irgendwie, ihm kann man auch die Fragen stellen, die man sich beim Chef direkt dann doch nicht trauen würde. Wo war ich? Richtig. Eigentlich bin ich gar nicht der Engelstyp. Trotzdem habe ich dieses Buch geschenkt bekommen, vermutlich, weil die Schenkerin wusste, dass ich Susanne Niemeyers Bücher durch die Bank weg alle mag, und so kam es, wie es kommen musste: Ich mag das Buch. Sehr.

Neunzehn (eigentlich zwanzig, wenn man die erste Seite dazu nimmt) kurze Geschichten enthält das Buch, alle inspiriert durch sehr unterschiedliche Bibeltexte. Und wenn ich anfangs noch dachte, hm, neunzehn mal einen Engel zu Wort kommen lassen, ob das nicht langweilig wird nach ein paar Geschichten, wurde mir spätestens bei der dritten Geschichte klar, hier ist gar nichts vorhersagbar, und langweilig wird das auf gar keinen Fall. Keine Geschichte gleicht der anderen, es gibt Superman-Engel, Wegweiser, aus-der-Bahn-Werfer, erdende Engel, verletzte, Lichtanzünder… und sie agieren im Dialog, als Erzählung, aus verschiedenen Perspektiven, als Ich-Erzähler, es wird über sie spekuliert, es wird gelacht, sie werden geträumt, es nimmt kein Ende mit den Neuigkeiten in diesem Buch und es ist einfach wunderbar.

Und wenn ich anfangs noch dachte, mal sehen, es ist ja gar nicht so dick, das Buch, das habe ich bestimmt schnell durch, wurde sehr schnell entschieden, das ist viel zu gut, um es zack-zack durchzulesen, das wird rationiert, damit es bloß nicht zu schnell zu Ende ist, und das bedeutet, jeden Abend eine Geschichte, mehr nicht. Tja. Und dann war ich jeden Abend gerührt, erfreut, den Tränen nah und hätte am liebsten – aber nein, Finger weg, nur eine pro Abend.

Wer also den Gedanken an Engel mag, sich fragt, ob es sie gibt und wo sie sein könnten, lese bitte dieses Buch. Auch, wer kleine Schönheiten zum Vorlesen sucht, lese es bitte. Im Übrigen kann überhaupt jeder, der sich etwas Gutes tun will, dieses Buch lesen. Und verschenken kann man es selbstverständlich auch. Am besten, man nimmt Glanzpapier beim Einpacken, damit es von außen genauso leuchtet wie von innen.

Ausgelesen: Damit wir klug werden. Von Susanne Niemeyer.

Dieses Buch war ein Experiment. Und das nicht nur, weil es so im Vorwort steht, sondern weil ich es eigentlich nicht mag, in Bücher zu schreiben. Zeichnen, ja, unterstreichen meinetwegen auch, aber selber etwas in ein bereits fertiges Buch schreiben? Ich weiß ganz genau, dass meine ersten Entwürfe so gut wie immer im großen Himmel der verworfenen Erstversionen landen, ich brauche Papierplatz, und außerdem blockiert es mich, wenn da neben meinen unbeholfenen Erstlingen schon perfekt performte Sätze stehen.

Aber trotzdem. Ich mag Susanne Niemeyers Texte, und ich war neugierig, also habe ich es doch gekauft. Und lag richtig. Die 100 Experimente mit Gott haben mich viele Tage begleitet und nachdem ich anfangs immer gleich ein paar auf einmal gelesen habe, fing ich kurz danach an, zu rationieren – nicht mehr als zwei am Tag, damit es länger reicht. Die Texte sind unkonventionell, sehr verschieden, mal ist es nur ein Satz, mal eine ganze Seite, ein paar Gedichte sind dabei, Zeichnungen – und immer die Einladung, sich selber dazu Gedanken zu machen, die Texte oder Zeichnungen fortzusetzen oder etwas ganz neues, eigenes zu schreiben. Wenn man sich darauf einlässt, kann das erhellend sein, oder auch entlarvend, oder einfach nur Spaß machen. Gott ist dabei immer gleich nebenan, wenn man möchte, kann man ihn miteinbeziehen, wenn nicht, lässt man es. Schon eine Seite weiter ist eine neue Chance.

Oben (am Kopf) ist das Bild ein bißchen unscharf, dafür unten (bei der Schokolade) umso schärfer. Was will mir meine Kamera damit sagen?

Die Texte selber sind sehr schön und oft höchst unerwartet. Mich haben sie immer wieder auf neue Gedanken gebracht, manchmal gerührt und manchmal zum Lächeln verleitet. Einige würde ich mir am liebsten rahmen und an die Wand hängen (warum tue ich das eigentlich nicht?).

Meine Buchausgabe ist schon etwas älter, inzwischen ist das Buch neu aufgelegt worden und hat einen neuen Titel: 100 Experimente mit Gott. Es ist wunderbar geeignet zum Verschenken, ich vermute, auch Konfirmanden hätten nichts gegen dieses Buch einzuwenden. Und sich selbst eine Freude machen kann man damit natürlich auch. 🙂

Die neue Ausgabe ist himmelblau. Das alte Cover finde ich aber auch schön.

Ich habe dann übrigens nicht allzu viel in das Buch geschrieben. Aber das ist auch nicht weiter schlimm, zum Nachdenken hat es mich trotzdem angeregt. Zum Schluss noch ein kleines Zitat von Seite 45:

Dunkel

Die Ewigkeit ist ein Licht, das im Dunkeln leuchtet, damit du schlafen kannst.

Ausgelesen: Eva und der Zitronenfalter. Von Susanne Niemeyer.

Allein der Titel! Nur deswegen muss man es eigentlich schon haben, dieses Buch. Wer schon immer ein wenig frustriert darüber war, dass über die Frauen in der Bibel weniger diskutiert wird als über die Männer, hat hier die perfekte Vorlage: Neunzehn Mal ist eine Frau die Hauptperson in Susanne Niemeyers Buch. Nach dem Lesen ist man garantiert nicht immer einer Meinung mit der Autorin, hat aber eine Menge Gesprächsstoff und mit Sicherheit neue Denkanstöße bekommen. Mit Humor, Leichtigkeit und einer großen Portion Unbekümmertheit holt sie die biblischen Persönlichkeiten in unsere Gegenwart, setzt sie vor uns hin und sagt: So. Jetzt seht euch mal an und schaut, wie ihr miteinander klarkommt. Und dann sitzt man da und muss wirklich erst mal denken (was ja manchmal nicht ganz leicht fällt, wenn man so tagein-tagaus in den immer gleichen Bahnen rutscht).

Dieses Buch ist ein großer Gewinn für alle Beteiligten: Leser, Diskutierer, Zuhörer und für die historischen Frauen selbst. Selten wurden sie schöner und lebendiger aus ihren oft sehr knapp bemessenen Texten herausgeholt. Der Anfang des Buches geht so:

„Eva war 32 Jahre alt und hatte einen passablen Mann. Der war möglicherweise weniger klug als sie, aber häuslich und verlässlich. Er hieß Adam, Adams Vater war Gott. Damit muss man erst mal klarkommen, auch als Schwiegertochter.“

Ja, muss man wohl, und wer mehr wissen möchte, lese dieses Buch!

Ausgelesen: Nein, eher ausgenossen: Soviel du brauchst. Von Susanne Niemeyer.

Das ist ein ganz wunderbares kleines Buch, das in siebenmal sieben kurzen Texten darauf aufmerksam macht, dass eigentlich ja schon alles da ist, was man braucht zum Leben. Und noch sehr viel mehr außerdem. Es bringt Gott ins Spiel, ganz leicht und selbstverständlich macht es das, ganz natürlich, wie atmen. Das Buch kann in sieben Abschnitten gelesen werden, aber auch in 49 Tagen, passend zur Fastenzeit. Aber es geht auch sonst immer, ganzjährig, quasi. 🙂
Große Empfehlung!

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