Ausgelesen: Schau mir in die Augen, Audrey. Von Sophie Kinsella.

Audrey ist nicht (mehr) wie alle anderen Mädchen im Teeniealter. Sie trägt immer eine Sonnenbrille, weil sie sich vor den Blicken anderer schützen will – denn der direkte Blick von anderen kann dir innerhalb von Sekunden die Seele aussaugen, wie sie selber sagt. Vor einigen Monaten hatte sie ein traumatisches Erlebnis, und seitdem ist nichts mehr wie es vorher war.

Das ist die Ausgangslage in Sophie Kinsellas Jugendroman, der im übrigen trotz des ernsten Themas sehr lustig ist und eine Menge Slapstick-Szenen enthält. Audrey berichtet aus der Ich-Perspektive, und die wird konsequent eingehalten. So bemerkt sie lange Zeit nicht, dass ihre Krankheit sie komplett blind für anderes als sich selbst macht – sie ist Ich-besessen. So wird alles ausschließlich aus ihrer Sicht erzählt, wie ihre leicht chaotische Familie funktioniert, wie ihr Bruder Frank um seinen Computer kämpft, ihre Mutter sich mit viel zu viel Elan auf immer neue Themen wie glutenfreies Brot oder die Gefährlichkeit von Computerspielen stürzt, wie ihr Vater versucht, ein Gleichgewicht herzustellen zwischen allen Mitgliedern der Familie. Die Gespräche mit Audreys Therapeutin Dr. Sarah werden ebenfalls nur aus ihrer Sicht geschildert, was beim Leser für Aha!-Effekte sorgt, denn was bei einem gesunden Menschen offensichtlich zu sein scheint, ist es für Audrey nicht. Sehr liebevoll wird ihre langsame Annäherung an Linus, den Freund ihres Bruders, geschildert. Ich glaube, jeder würde sich einen so verständnisvollen, liebevollen Freund wünschen. Trotzdem ist die Liebesgeschichte nicht das Zentrum der Geschichte, sondern die langsame Heilungsgeschichte bildet den Dreh- und Angelpunkt des Buches.

Sophie Kinsella hat hier mit Fingerspitzengefühl und ohne Sensationsgeheische die Geschichte eines Mädchens mit einer schweren Depression geschildert und dabei auch die Geschichte ihrer Familie mit eingeflochten. Das Ergebnis ist eine humorvolle, emotionale Familiengeschichte mit viel Witz, aber auch dem nötigen Tiefgang. Man geht aus dem Buch mit sehr viel mehr Verständnis für Menschen in solchen Lebenssituationen hervor und hatte dabei eine wirklich gute Zeit. Ich habe das Buch in einem Tag durchgelesen und kann es uneingeschränkt weiterempfehlen, vor allem auch an Eltern mit pubertierenden Teenagern – und damit meine ich nicht nur die Töchter!

Ausgelesen: Frag nicht nach Sonnenschein. Von Sophie Kinsella.

Katie Brenner will unbedingt in London leben – dort ist das Leben, die Action, die Zukunft – alles. Also legt sie ihren ländlichen Dialekt ab, legt sich einen anderen Vornamen zu und betritt als Marketingassistentin die erste Stufe zum beruflichen Erfolg. Leider ist diese erste Stufe steil und rutschig, ihre Chefin entpuppt sich als Tyrannin und dann verliebt sie sich auch noch in Alex – die Affaire ihrer Chefin…

Einige von Sophie Kinsellas Romanen mag ich, andere eher weniger. Dieser hier ist unterhaltsam, ganz lustig, aber mehr nicht. Die Entwicklung einzelner Figuren im Roman ist ein klein wenig seltsam (um es vorsichtig auszudrücken), an manchen Stellen gnadenlos übertrieben. Vieles ist sehr gelungen, die Autorin kann einfach gut schreiben, aber alles in allem: Durchschnittskost. Nett, wenn man mit einem fiesen Schnupfen auf der Couch festhängt und sich auf mehr einfach nicht konzentrieren kann.