Glücklichkeiten am Morgen

Wach! Ich bin wach!
Und schlafe nicht wieder ein!
Frühmorgendliches Retten einer Motte mittels Glas und Papier.
Es wird hell.
Selbst die Zeit ist heute hell.
Ein Frühstücksei völlig außer der Reihe.
Nachhallende Freude über eine vorabendliche Entscheidung.
Zwei Zwetschgen ganz ohne zwitschernde Schwalben zum Tagesstart.
Die Kerze vor der Postkarte.
Sich aller Glücklichkeiten bewusst sein.

Ich hätte das auch poetischer gestalten können, aber es war so schön echt auf diese Weise, also habe ich es (fast) in der ursprünglichen, ersten Form gelassen.

Der Dienstag dichtet!  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram, Mutigerleben und Werner Kastens sind mit von der Partie. Wer den Dienstag also mit Gedichten beginnen will: Herzlich willkommen!

Was mir am Teencamp gefiel (sehr)

willkommen geheißen zu werden

rasend schnelle Helfer beim Zeltaufbau

bei sintflutartigem Regen im Zelt liegen und sich keinen Deut um das Loch kümmern, durch das es hineinregnet

singende (und Häufchen produzierende) Vögel auf meinem Zeltdach als die Sonne aufgeht

morgens  um sechs die Kaffeemaschine für die Mitarbeiter anstellen

der friedliche und einsame Tee um sieben bevor die Meute einfällt

den schattigen, grünbelaubten, weinbergschneckengesäumten Pfad zur Veranstaltungshalle

Morgenandacht im alten Stall auf Sofas inmitten schläfriger Gesichter

in der Sonne kiloweise Kartoffeln schrabben, zuerst zu zweit, dann zu dritt, dann zu viert

Bruno, der Riesenhund, der problemlos einhundert Leute auf einmal lieben kann

Kakao mit Zimt

knallrote Apfelspalten

die experimentelle Tomaten-Rote-Beete-Suppe

Rock´n Roll

das Kühlmoped

die Familie, auf deren Hof wir Chaos veranstalten durften

das Küchenteam

Dankeschön Ü-Eier

Heute morgen

Heute morgen um halb acht
– Nase gekraust
weil von Kälte gepiekt –
hüpft eine Schneeflocke
eben auf diese.
Während ich nach oben seh
stirnrunzelnd und prüfend
betrachtend den Himmel
springt sie mir ins Gesicht!
ins finstre.
Spricht kein Wort
liegt einfach da
und ich steh still
und schaue
muß meine Augen verdrehn
um sie zu sehn.
In diesem Moment
kommt ein Kind
sieht mich und lacht.
Gegen meinen Willen
ehrlich! ganz ohne mein Tun
biegen nach oben
meine Mundwinkel sich sacht
(in Richtung der Flocke).
Der Himmel lacht
ich kann es hören
an diesem Morgen
durch graue Wolken hindurch.
Und ich, ich laß die Flocke schmelzen
auf meiner Nase
geh lächelnd meiner Wege
halb acht Uhr morgens
von Kälte umhüllt
mit Sonne gefüllt.

winter

Eisschuhe

Heute Morgen sah ich auf dem zugefrorenen Wallgraben zwei Stiefel liegen. Einer mitten auf der Eisfläche, der andere mehr am Rand, aber um ihn wiederzukommen, hätte man sich auf sehr brüchiges Eis begeben müssen.

Es waren gute Stiefel – orangenes Innenfutter, solide Laufsohle, schneetauglich, nicht zerfleddert wie die üblichen einzelnen Schuhe, die ihren Partner verloren haben und traurig an Wegesrändern vor sich hin modern.

Es war ein seltsamer Anblick. Ich meine, da stellt man sich doch Fragen! Wer war das? Und warum? Ging es um eine Wette? Musste der Stiefelwerfer danach auf bestrumpften Füßen nach Hause gehen und erstmal ein heißes Fußbad nehmen? Oder wurden die Schuhe gewaltsam entfernt und als statuiertes Exempel aufs Eis geworfen? Wollte jemand prüfen, ob das Eis schon trägt? Aber ehrlich, da gibt’s genug Papierkörbe oder Bänke, die hätten es auch getan (und ich hab das alles schon im Wallgraben gesehen, das funktioniert also).

Und dann: Können Stiefel eigentlich schwimmen? Wie lange braucht so ein Schuh, bis er biologisch abgebaut ist? Was werden die Karpfen denken? Fragen über Fragen in diesem kalten Januar. Und keine Antworten weit und breit.

morgens

der Morgen hängt schwer in den Gliedern
das Licht zu grell die Zeitung zu laut
brüllend rasen Autos und Straßenbahnen
hektische Menschen überall
ihre Absätze knallen
Fahrräder drängeln
selbst die Krähen sind schlechtgelaunt
heute ist ein Tag für Umwege
ich trotte die ruhigere Straße entlang
nehme alle Biegungen im Park
meide Kopfsteinpflasterstraßen
suche den Mann mit dem Akkordeon
der immer schon am Morgen spielt
stoppe kurz am blattübersäten Teich
links unten am Himmel
zwischen all den dunklen Wolken
ein Hauch von Rosa
gleich ein heißer Tee mit Milch
der Tag wird besser