Ausgelesen: Ein unmoralisches Sonderangebot. Von Kerstin Gier.

Wenn der vermögende, aber geizige Schwiegervater der Meinung ist, seine Söhne und vor allem seine Schwiegertöchter seien einfach nicht in der Lage, ihr Leben so zu leben, wie er es für richtig hält und mit sehr viel Geld lockt, damit sie es so ändern, wie er möchte – wer würde das tun? Oder besser: Wer würde das wohl nicht tun? Olivia und Evelyn, die Schwiegertöchter, sind anfangs empört, aber was tut man nicht alles für eine Entschuldung oder die Erfüllung seiner Träume? Und so tauschen sie für ein halbes Jahr die Ehepartner…

Ein Buch, so luftig wie eine leichte Brise, humorvoll geschrieben, es tanzt mit Wonne über den zahllosen Was-war-das-denn-Momenten, die der Leser unweigerlich bei der Lektüre haben wird, und wer hier dramatischen Ernst, riesige Gefühle oder lückenlose Beweisführungen in der Geschichte erwartet, ist definitiv fehl am Platz. Dafür wird man sehr amüsant unterhalten, es bietet auf jeden Fall bessere Ablenkung als einer der Sonntagsabend-Cornwall–Filme im ZDF und es passt perfekt in den Sommer. Ein hübsches Buch für zwischendurch – und nach dem Lesen sollte es sofort entweder an die beste Freundin verliehen werden oder in eine der zahlreich vorhandenen öffentlichen Regalbibliotheken wandern! Es ist nämlich zu schade, um im Regal zu versauern.

Ausgelesen: Wolkenschloss. Von Kerstin Gier.

Ja, ich gebe es zu: Es war der Einband, der mich schwach gemacht hat. So hübsch, dass ich auf jeden Fall herausfinden musste, was zwischen den Buchdeckeln stattfindet. Und es findet eine Menge statt!

So ein wunderschönes Cover! Da muss man das Buch einfach haben, keine Frage.

Das Wolkenschloss ist ein altes Grand Hotel mit berauschender Geschichte und einer Menge aktueller Finanzprobleme. Es liegt idyllisch in den Schweizer Bergen, so idyllisch, dass es um die Weihnachtszeit herum komplett einschneit und die Hotelgäste und Angestellten dort gefangen sind. Fanny, das 17jährige Mädchen für alles im Hotel, hat alle Hände voll damit zu tun, den luxusverwöhnten Gästen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen und ihre Neugier so gut wie möglich zu zügeln. Und trotzdem: Hier sind längst nicht alle das, was sie zu sein vorgeben. Warum klettert Hotelgast Tristam die Hotelfassade hinauf? Warum kann er das überhaupt? Sind die russischen Gäste nur normale Gäste? Und was plant der Direktor des Hotels? Werden am Ende alle eventuell vorhandenen Juwelen noch dort sein, wo sie hingehören?

Was macht Tristam an der Fassade?

Das Wolkenschloss selber ist dabei die wohl interessanteste Person im Buch. Und das bedeutet nicht, dass das Buchpersonal langweilig wäre! Nein, aber das ehrwürdige alte Gemäuer mit seinen unzähligen Zimmern, Gängen, geheimen Türen, Treppen, Dächern, Kellergewölben und der riesigen Personalküche (nicht zu vergessen die Wäsche- und Trockenkeller!) sind der Traum jedes Schloss- und Burgenfans. Zu verlockend sind all die kleinen Winkel, Schlupflöcher und unerwarteten Durchgänge, die das Hotel zu einem riesigen Labyrinth machen, in dem Fanny sich bestens auskennt. Sie liebt das Wolkenschloss und die halbzahmen Raben, die sie auf dem Fensterbrett vor ihrem winzigen Zimmer besuchen kommen.

Und welchen Plan verfolgen die sechs Raben?

Im Prinzip wird eine altmodische Geschichte erzählt, das aber so frisch, gut gelaunt und spannend, dass man am Ende am liebsten selber im Wolkenschloss einchecken möchte. Besser geht es kaum! Die perfekte Ferienlektüre für jedermann und jede Jahreszeit, ganz unabhängig davon, dass es im Buch sehr viel schneit und Schneedrachen gebaut werden. Ich meine – Schneedrachen und Sanddrachen, da ist doch kaum ein Unterschied, oder? 🙂

Wen wird Fanny am Ende küssen?

(Fast) alle Figuren aus dem Buch sind auf dem Einband zu finden…